Orientierung im Umgang mit Antisemitismus

Zentralrat der Juden, KMK und Antisemitismusbeauftragte von Ländern und Bund verstärken Kampf gegen Antisemitismus in den Schulen – Arbeitsgruppe eingesetzt…

Im Kampf gegen Antisemitismus muss frühzeitig angesetzt werden. Nicht erst der Angriff auf die Synagoge in Halle hat deutlich gemacht, dass der schulischen Bildung ein hoher Stellenwert in der Bekämpfung des Antisemitismus zukommt.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland, die Kultusministerkonferenz (KMK) und die Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten haben darum eine gemeinsame Arbeitsgruppe einberufen, um den Umgang mit Antisemitismus an Schulen zu verbessern. Die 15-köpfige Arbeitsgruppe wird eine gemeinsame Empfehlung erarbeiten, die Lehrkräften eine Orientierung im Umgang mit den verschiedenen Formen des Antisemitismus geben und Handlungsstrategien aufzeigen soll. Darüber hinaus soll es darum gehen, das Thema Antisemitismus-Bekämpfung flächendeckend und nachhaltig in der Lehrerbildung zu verankern.

Zur Einsetzung der Arbeitsgruppe erklärt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster: „Antisemitismus hat letztlich die Zerstörung der offenen, demokratischen Gesellschaft zum Ziel. Wir weisen seit Jahren darauf hin, dass Bildung ein Schlüssel zur Bekämpfung des Antisemitismus ist. Kein Kind wird als Antisemit geboren. Wir müssen alles daransetzen, Lehrkräfte darin zu unterstützen, antisemitische Ressentiments in der Schule zu erkennen und zu bekämpfen. Insbesondere die Hochschulen sind gefordert, den Umgang mit Antisemitismus bereits im Lehramtsstudium zu thematisieren.“

Der Präsident der Kultusministerkonferenz 2019 und Hessischer Kultusminister, Prof. Dr. R. Alexander Lorz, ergänzte: „In letzter Zeit sind immer wieder antisemitische Anfeindungen im Klassenzimmer oder auf dem Pausenhof zu verzeichnen – und das nicht nur an Schulen in sozial herausfordernden Lagen. Umso wichtiger ist es, geschlossen ein Zeichen zu setzen gegen jede Form von Judenhass und Ausgrenzung. Gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden tun wir genau das. Denn klar ist auch, dass diese Aufgabe nur gesamtgesellschaftlich geschultert werden kann. Die Erarbeitung einer Empfehlung ist deshalb ein weiterer wichtiger Schritt zu mehr Toleranz und Weltoffenheit in der Schule.“

Der Co-Vorsitzende der Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten Dr. Ludwig Spaenle weist darauf hin: „In der Schule haben wir die einmalige Chance, junge Menschen mit unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft über jüdisches Leben und jüdischen Glauben zu informieren und über die verschiedenen Wurzeln und Formen des Antisemitismus aufzuklären, z. B. rechtsextreme, islamistische und linksextreme. So können wir dem Antisemitismus ein Stück weit den Boden entziehen. Diese Chance wollen wir nutzen. Wir wollen die Lehrkräfte dazu in die Lage versetzen und die Lehrpläne entsprechend fortschreiben.“

Mit der neuen Arbeitsgruppe setzen der Zentralrat der Juden und die KMK ihre Zusammenarbeit fort, die 2016 mit der gemeinsamen Erklärung zur Vermittlung jüdischer Geschichte, Religion und Kultur in der Schule begonnen hatte. Es folgten eine Fachtagung im April 2018 sowie eine gemeinsame Webseite mit empfehlenswerten Lehrmaterialien zur Thematik: www.kmk-zentralratderjuden.de.

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