Zum 100. Geburtstag von Christoph Probst

Lange stand Christoph Probst in der öffentlichen Erinnerung an die Weiße Rose eher im Hintergrund. Sogar der politisch brisante Inhalt seines Flugblattentwurfs, der zu seiner Verhaftung am 20. Februar 1943 in Innsbruck führte, war nur wenig bekannt. Erst mit der umfangreichen kommentierten Veröffentlichung seiner Briefe durch die Herausgeberin Christiane Moll 2011 rückte seine Rolle im Widerstand der Weißen Rose stärker in den Fokus. Am 6. November 2019 wäre Christoph Probst 100 Jahre…

Der Medizinstudent und Angehörige der Luftwaffe Christoph Probst kam aus einer freigeistigen, unkonventionellen Familie. Seit der Schulzeit war er eng mit Alexander Schmorell befreundet. Über ihn lernte er im Frühjahr 1941 in München auch Hans und Sophie Scholl kennen. Im Sommer desselben Jahres heiratete er. Mit seiner Frau Herta Dohrn bekam er zwei Söhnen und eine Tochter.

Wahrscheinlich war Christoph Probst im Sommer 1942 in die erste Flugblattaktion seiner Freunde Alexander Schmorell und Hans Scholl eingeweiht. Er war jedoch noch nicht aktiv beteiligt, da er seine Familie nicht gefährden wollte. Krieg und Verbrechen des NS-Regimes belasteten ihn jedoch so sehr, dass er sich auf Bitten von Hans Scholl Ende Januar 1943 entschloss, ein eigenes Flugblatt zu entwerfen.

Hans Scholl hatte diesen Flugblattentwurf in der Manteltasche, als er am 18. Februar 1943 von der Gestapo in der Münchner Universität verhaftet wurde. Es gelang ihm nicht mehr, das Flugblatt unbemerkt zu zerreißen. Christoph Probst wurde am 20. Februar 1943 in Innsbruck verhaftet, als er auf der Geschäftsstelle der Studentenkompanie seinen Lohn abholen und Urlaub beantragen wollte. Vergeblich versuchte Christoph Probst im Gestapo-Verhör, seinen Flugblattentwurf mit einer
Depression zu erklären. Weitere Beweise gegen ihn wurden nicht gefunden.

Am 22. Februar 1943 verurteilte ihn der Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tode, wie auch Hans und Sophie Scholl. Noch am gleichen Tag wurden alle drei in München-Stadelheim durch das Fallbeil hingerichtet. Christoph Probst konnte sich von seiner Familie nicht mehr verabschieden.

Gedenkveranstaltungen:

Erstmals in ihrer Geschichte benennt die Bundeswehr eine Liegenschaft nach einem Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose. Die Liegenschaft der Bundeswehr in Garching/ Hochbrück bei München, in der das Zentrale Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr untergebracht ist, wird künftig „Christoph-Probst-Kaserne“ heißen. Die Neubenennung wird feierlich am 6. November durch die Bundeswehr begangen, die Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung Dr. Hildegard Kronawitter ist zu einem Grußwort eingeladen.

Im Vorfeld der Feierlichkeiten zeigt das Zentrale Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr unsere biographische Einzelausstellung zu Christoph Probst vom 1. bis zum 28. Oktober.

In Murnau, dem Geburtsort Christoph Probsts, wird unter anderem zum 100. Geburtstag unsere Wanderausstellung Weiße Rose vom 4. November bis 1. Dezember in der Christoph-Probst-Mittelschule gezeigt und vom 2. bis 16. Dezember im Rathaus.

Am 20. November findet im Kultur- und Tagungszentrum Murnau die Veranstaltung ‚CHRISTOPH PROBST (1919 – 1943). Eine Spurensuche in Murnau und Kochel‘ statt (Beginn: ab 19:30 Uhr bis 21:00 Uhr, Eintritt: frei, Referentin: Dr. Marion Hruschka, Murnau).

In der Innsbrucker Universität, Christoph Probst studierte hier im Wintersemester 1942/43, ist unsere Wanderausstellung zur Weißen Rose ab 4. November bis Anfang Dezember zu sehen. Maximilian Probst hält ein Grußwort bei der Eröffnung.

In den Scala Lichtspielen Konstanz wird am 6. November 2019 der Filmklassiker „Die Weiße Rose“ von Michael Verhoeven feierlich aufgeführt (organisiert von den Städtischen Museen Konstanz, Dr. Tobias Engelsing). Dies geschieht zur besonderen Freude des Regisseurs Prof. Michael Verhoeven, Beiratsmitglied Weiße Rose Stiftung.

Auch an der Christoph-Probst-Realschule in Neu Ulm wird der 100. Geburtstag von Christoph Probst begangen. Wir stellen zu diesem Anlass unsere biographische Einzelausstellung vom 4.-8.11.2019 zur Verfügung. Die Ausstellung wandert dann weiter an die Weiße Rose Denkstätte Forchtenberg/Langenburg (i-Punkt). Sie wird dort vom 10.-17.11.2019 gezeigt.

Weitere Informationen: https://www.weisse-rose-stiftung.de/

Bild oben: Portraitstele in der DenkStätte Weiße Rose / (c): Weiße Rose Stiftung

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