„Inside AfD“

Ein Theaterstück des nö theaters…

Von Anika Winhoven

Der Saal im Kölner Bürgerzentrum ist ausverkauft, obwohl das Stück des Kölner nö theaters bereits seit zwei Jahren tourt. Der Titel „Inside AfD“ lässt keinen Zweifel am Stoff aufkommen: Es geht um das „Innenleben“ der AfD. Hierüber weiß man eher wenig, lässt die Partei doch Journalisten nur selten Einblick in ihre Diskussionen und Parteitage nehmen.

Das Kölner nö-Theater steht für solche Themen: Politik soll sich auch auf der Theaterbühne wiederspiegeln: „Wir machen seit 10 Jahren auch politisches Theater“ schreiben sie auf ihrer Website.

Auf dem Cover des Einladungsheftes findet sich die selbstironische Selbstbeschreibung: „Vorsicht! Dieses Stück hat weder einen volkspädagogischen Anspruch noch dient es der Nationalbildung.“

Die Bühne ist ausgeleuchtet: Im Hintergrund eine bayrisch anmutende Landschaftsszene: Bäume, eine sonnenbeschienene friedliche grüne Wiese.

Drei Schauspieler füllen den Raum, prägen für 80 Minuten die spannungsgeladene Atmosphäre. Kurzatmig wird es nie. Die drei Protagonisten repräsentieren drei Flügel bzw. bekannte Vertreter der Partei: Der eine steht für äußerst rechte Verschwörungstheoretiker, die alle demokratischen Parteien und Prozesse ablehnen:
„Wir kreieren Emotionen“, ruft er seinen beiden Parteifreunden zu, mit denen er mal politisch eng verbunden ist und die ein anderes mal vorgeben, ihn ausschließen zu wollen.“ Die antidemokratischen Kampfbegriffe der „Altparteien“, der Systemparteien“ des „Merkelregimes“ fliegen nur so durch die Luft, um sich wechselseitig seine eigene Radikalität zu beteuern. Wenig später, in trauter Runde, unbeobachtet von der Öffentlichkeit, wird vom „Befreiungskampf“ gebrüllt, den man „nicht aufgeben“ werde.

Dann wird es unruhig auf der Bühne, die Schauspieler strahlen eine Anspannung aus: „Der Björn kann heute nicht unter uns sein!“ Mit Björn ist unschwer Björn Höcke gemeint, dem sich alle drei zurechnen, den sie bei einer Parteiveranstaltung auch als Redner haben möchten.

Eine sich bemüht bürgerlich gebende, hysterisch agierende Person steht unschwer für Alice Weidel. Sie versucht den bürgerlichen Habitus zu beschwören, wenn es selbst ihr als zu radikal erscheint. Dies gelingt ihr jedoch nicht, immer wieder bricht es aus ihr heraus. Als sie fürchtet, durch zu offenkundig verschwörungstheoretische Ausfälle ihres Kollegen politischen Schaden zu erleiden verbündet sie sich mit dem dritten Parteifreund, um einen „Parteiausschluss“ anzumahnen. Zwei Minuten später, die Bühne hat sich zwischenzeitlich in ein Torso verwandelt, liegen sie sich lachend in den Armen: Selbstredend haben sie den Parteiausschluss nie ernst genommen. Er wird vor der Öffentlichkeit verbal in Szene gesetzt, um weiterhin als wählbar zu erscheinen. Ernst genommen haben die drei so unterschiedlichen Parteifreunde dies nie.

Der dritte Protagonist versucht sich, weil „Björn“ diesmal verhindert ist, selbst um eine Rede im Stile eines völkischen Redners. „Ich werde mehr Verantwortung in der AfD übernehmen“ ruft er gestelzt und scheinbar staatsmännisch. Die politischen Floskeln hat er sich rasch angeeignet, nun möchte er als ein seriöser Politiker erscheinen.

Als man wieder unter sich wähnt bricht die Empörung über die „Schwarzen“ durch, die „die Regierung“, „die Merkel“ ins Land gelassen habe. Der „Tabubruch“, den man endlich inszenieren möchte, die „politische Inkorrektheit“ wird im trauten Kreis gefeiert. Insbesondere der Verkauf von U-Booten an Israel wird kollektiv attackiert, bei dieser Frage steht man einträchtig zusammen. Das sei die Politik der Kartellparteien, da sei man ganz anders, da kenne man keine Sprachregelungen und keine Zurückhaltungen mehr. Diese Geschichte ist nur ein Vogelschiss, damit hat man wirklich nichts mehr zu tun.

Und die Gegendemonstranten, die man gelegentlich ertragen muss, bei den eigenen Auftritten, die seien gekauft.

80 Minuten lang entfaltet sich auf der Bühne der Alten Feuerwache ein verbales und optisches Theater, das die Zuschauer in ihren Bann zieht.

Es bleibt zu hoffen, dass es demnächst weitere Aufführungen des Stückes gibt.

www.noetheater.de
www.facebook.com/noetheater

Kommentar verfassen