Catastrophic Life – Das neue Album der Jewish Monkeys

Nach Mania Regressia und High Words präsentieren die Tel Aviver Punk-Senioren ihr neues Album. Punk-Senioren? Das mögen nicht alle in der Band gerne hören, denn in den letzten Jahren hat sich eine Reihe an jungen Talenten den Jewish Monkeys angeschlossen, die den alten Herren mit polyphonem Gebläse oder schreddernder Gitarre richtig Feuer unter dem Allerwertesten machen….

Zehn neue Songs, allesamt aus der Feder der Bandmitglieder zeigen eine neue Richtung auf. Dass sich jiddische Gassenhauer aus dem Shtetl sich gut mit Ska-Rhythmen vertragen, haben sie schon auf den vorherigen Alben gezeigt. Afrobeat, Reggae, Funk-Licks, bisweilen karibisches Flair, wilde Gitarren und eine winzige Dosis Balkania sind die Hauptzutaten des nach vorne treibenden neuen Albums.

Die meist satirischen Texte legen wie schon früher Finger in offene Wunden, wobei sich die Protagonisten auch immer mit der Unzulänglichkeit des eigenen Seins auseinandersetzen, über ihr Altwerden, ihre Impotenz, die Lügen der Politik und der immer grandioser werdenden Hitze auf unserem Erd-Raumschiff. An Sozialkritik wird dabei nicht gespart, wobei die Monkeys ganz in der Tradition des jüdischen Humors stehend, zuallererst bei sich selbst anfangen: Ja, es ist ein „katastrophales Leben“ für all die ewig und hoffnungslos Verheirateten, wie ein Song vom Album ausführt, aber Hoffnung gibt es dennoch, denn „All the Great Things“ passieren dann, wenn man sie am wenigsten erwartet und am Ende wird dann alles zum „Grand Bazar“, in dem sich Kulturen und Befindlichkeiten vermischen. Wir leben im „Robot Age“, sind willenlose Opfer der Algorithmen, und wenn die Liebe doch nicht immer funktioniert, bleibt doch noch genügend Energie „My Jewish Girl“ anzuschmachten. „Punkfurt“ ist die hochenergetische Liebeserklärung an die Stadt, in der das Abenteuer Jewish Monkeys seinen Anfang nahm und in die die die Band immer wieder zurückkommt, um mit ihren Fans unter anderem ins Bett zu gehen, festgehalten in einem Beitrag des ARD-Nachtjournal.

Zahlreiche Touren führten die Jewish Monkeys durch Deutschland, das sich besonders empfängnisbereit für die Kunst dieser wiederauferstandenen jüdischen Musikanten ost-europäischer Herkunft zeigte. Und das deutsche Publikum hatte einiges zu schlucken, denn ihm blieb oft ob der tabulosen Texte und Ansagen der Mund offenstehen, um dann nach einer Schrecksekunde in befreiendes Lachen auszubrechen. Das Magazin Audio fasste diesen Zustand gut zusammen: „Kein bisschen Sentimentalität gönnen die Jewish Monkeys dem Hörer. Diese Combo aus Tel Aviv schockiert Juden wie Nichtjuden mit einer aggressiven Mixtur aus Kabarett und Zirkusmärschen, Zappa-Klamauk und Klezmer-Punk.“

Hintergrund
Die Skandal-Band Jewish Monkeys aus Tel Aviv hat einige Häutungen hinter sich: In ihrem 2014 erschienenen ersten Album Mania Regressia formierte sich ihr Klezmer-Punk-Rock sowohl mit Cover-Versionen antiker 1930er und 1950er Jahre-Songs, welche zu wagemutigen Schlagern mit satirisch-schamlosen Texten à la Groucho Marx umgestülpt wurden als auch mit der Neu-Verwertung von altem jiddischen Liedgut, welches insbesondere auf frivole und sozialkritische Stücke rekurrierte und eigenen Songs mit so phantastischen Titeln wie „So Nice“ oder „Heat, Meat, Beautiful Feet“, die mit wohltuendem kompromisslosen Zynismus die verlogene Seite unseres gesellschaftlichen Daseins konterkarierten.

Auf dem zweiten Album High Words setzte die Band ihr Lebenswerk in ungehemmter Weiterentwicklung konsequent fort und mauserte sich von einem losen Studioprojekt zu einem die großen Bühnen bespielenden Festival-Ensemble, das mit chronischer Besessenheit Menschen aller Rassen und Religionen zu einem nicht enden wollenden Lächeln, ekstatisch-wildem Tanz und gelegentlichen Ohnmachtsattacken treibt – egal, ob in Clubs, Theatern, auf Festivals oder in zwei sächsischen Flüchtlingslagern und auf einer Dresdner Anti-Pegida-Demo jenes historischen „Wir-schaffen-das-Herbsts“ anno 2015. Der Deutschlandfunk schrieb über die Band: „Sie sind nicht grundsätzlich politisch, sondern einfach grundsatirisch: Was ihnen über den Weg läuft, wird aufs Korn genommen: Druckvoll und dreckig rasen sie durch die Uptempo-Songs und aalen sich im ausdrucksstarken Schmalz der Balladen.“

Maxim Biller beschrieb in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung die Musik der Jewish Monkeys so: „Hätte Hitler nicht den Krieg fast gewonnen, würde jüdische Popmusik so klingen: naturstoned, schnell und wahnsinnig melancholisch“, eine treffende Zusammenfassung dieses auch in Israel einzigartigen Wesens, denn wo sonst treffen alte jiddische Weisen mit Balkaneinschlag auf Ska, Reggae, Afrobeat und Indie-Rock-Energie.

Die Band: Jossi Reich: vocals  //  Gael Zaidner: vocals  //  Omer Hershman: guitar  //  Yoli Baum: bass  //  Eylon Tushiner: saxophone // Yaron Ouzana: trombone  //  Henry Vered: drums 

Videos, Sounds, Liedtexte, Presse, Gerüchte: www.jewishmonkeys.com

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