Honig, Scherben und meine Tochter

Meine Tochter begrüßt mich jeden Abend mit der Frage: „Was hast Du denn heute wieder angestellt?“ Heute musste ich es ihr nicht erzählen, denn sie war dabei…

Von Anita Haviv-Horiner

Wir saßen in der Küche und tranken Kaffee. Dann wollte ich etwas aus dem Schrank holen. Diese Entscheidung sollte sich als Fehler erweisen, denn die volle Honigdose fiel mir entgegen und zerbrach in unzählige Scherben.

Die Kombination des zerschlagenen Glases und des Bienen-Zuckers ist recht heimtückisch, davon kann ich jetzt ein Lied singen. Ich klebte mit meinen Schuhen praktisch an den Scherben fest.

Meine Tochter reagierte mit – für sie keineswegs charakteristischer – vornehmer Zurückhaltung.

Wie immer löste das Missgeschick auch diesmal einen unkontrollierbaren Lachanfall bei mir aus, der mich daran hinderte, das Saubermachen in Angriff zu nehmen. Das ging der Juniorin nun doch zu weit und sie giftete mich in gewohnter Manier an: „Was ist denn daran so lustig? Ich finde das traurig!!!“

Doch ganz wollte sie mir ihre Hilfsbereitschaft nicht vorenthalten, schließlich sind wir nahe Verwandte. Die leid erprobte Pragmatikerin schüttete ein Putzmittel über die klebrige Masse. Diese Maßnahme war zwar gut gemeint, doch erweiterte sie das Malheur auch noch um Rutschgefahr.

In all dieser Zeit stand ich mitten drin und schüttete mich vor Lachen dermaßen aus, dass der Hund freiwillig auf unsere Gesellschaft verzichtete und sich in sein Separe zurückzog.

Irgendwann hatte auch mein Kind die Nase voll von seiner Mutter und folgte dem Beispiel des klugen Haustieres. Seitdem putze ich. Kein Wunder, dass ich meine Tagesplanung neuerdings nicht mehr auf die Reihe kriege.

Immer auf der Suche nach dem tieferen Sinn des Geschehens, fällt mir auf, dass Honig, Scherben und meine Tochter in der jüdischen Tradition eine wichtige Rolle spielen. Honig verspricht uns Süßes für das Neue Jahr und Scherben unter der Chuppah (Trau-Baldachin) erinnern uns an die Zerstörung des Tempels.

Durch den bewussten Einsatz von ritualisierter Symbolik verweben sich seit Jahrtausenden Familienfeste praktizierender Juden mit der Geschichte des jüdischen Volkes.

Und meine Tochter ist einfach meine israelische Tochter, auch wenn sie das biblische Gebot „Ehre Deinen Vater und deine Mutter“ sehr eigenwillig auslegt.

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