Die neuen Fernsehtipps

Vom 01. bis 15. September 2019…

So., 1. Sep · 05:45-06:00 · ZDF
Chika, die Hündin im Ghetto

Der kleine Junge Mikasch lebt sehr gefährlich. Weil er Jude ist, wird er von den Nationalsozialisten verfolgt und in ein Ghetto gesperrt. Trost spendet ihm jedoch seine Hündin Chika. Doch dann beschließen die Nazis, dass Juden keine Hunde mehr haben dürfen. Mikasch will seine Chika retten, und so wird sie heimlich in Sicherheit gebracht. Der Glaube daran, Chika eines Tages wiederzusehen, macht Mikasch sein schweres Los im Ghetto erträglich. Der 15-minütige Puppen-Trickfilm basiert auf dem Buch „Chika, die Hündin im Ghetto“ von der jüdischen Autorin Batsheva Dagan. Ihre Erzählung beruht auf einer realen Begebenheit in einem Ghetto in Polen. Das Filmprojekt soll mit einer einfachen Sprache und aussagestarken Bildern Kindern das Thema „Judenverfolgung“ altersgerecht nahe bringen. Auch ohne die historischen Zusammenhänge zu kennen, ermöglicht die Beziehung zwischen der Hündin Chika und dem Jungen Mikasch, einen persönlichen Zugang zum Thema zu finden. Der Film erhielt von der Filmbewertungsstelle das Prädikat „besonders wertvoll“.

So., 1. Sep · 15:55-16:50 · arte
Max Liebermann – Der Weg in die Moderne

Der jüdische Maler Max Liebermann revolutionierte die Kunst in Deutschland. Nach dem Vorbild französischer Impressionisten wurde er zum Pionier der modernen Malerei. Dabei eckte der Berliner im etablierten Kunstbetrieb ausgangs des 19. Jahrhunderts zunächst permanent an. Bilder wie „Die Netzflickerinnen“ oder „Die Gänserupferinnen“ galten damals als „Schmutzmalerei“. Die offizielle Kunstpolitik setzte bis dahin auf Gemälde von Schlachten, auf heroische Darstellungen oder biblische Themen. Liebermann aber malte die Welt ungeschönt, so wie er sie sah – auch den tristen Alltag hart arbeitender Menschen. Inspiriert von Künstlern in Paris und Barbizon baute Liebermann französische Einflüsse in seine Malerei ein. Ab Mitte der 1880er Jahre wurden seine Bilder positiver aufgenommen. Die Hamburger Kunsthalle und ihr erster Direktor Alfred Lichtwark verhalfen ihm schließlich zum Durchbruch. „Die Netzflickerinnen“ wurden Liebermanns erstes Bild, das in einem Museum ausgestellt wurde. Fortan avancierte er zum Auftragsmaler für die Kunsthalle, selbst beeindruckt von der Hansestadt, ihrer Eleganz und insbesondere der Architektur der Elbvillen. Anfang des 20. Jahrhunderts ließ er seine eigene Villa am Berliner Wannsee bauen, wo er sich mit seiner Familie zurückzog. Dort, in seinem im wahrsten Sinne des Wortes „malerischen“ Garten, entstand sein Spätwerk, seine berühmten Blumenbilder. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, erhielt Liebermann Arbeitsverbot, er starb 1935.

So., 1. Sep · 20:15-21:05 · arte
Polen 39. Wie deutsche Soldaten zu Mördern wurden

Der Zweite Weltkrieg ist nur wenige Stunden alt, da werden bereits die ersten Verbrechen verübt: „Ganz normale“ deutsche Soldaten brennen polnische Dörfer nieder und ermorden Zivilisten. Die Bilanz des Polenfeldzugs: Über 15.000 Zivilisten werden im September und Oktober 1939 von SS und Wehrmacht getötet. Es ist der „Auftakt zum Vernichtungskrieg“, wie der Historiker Jochen Böhler schreibt. Die Wehrmacht führt von Anfang an einen verbrecherischen Krieg – doch warum ist das so? Dieser Frage geht die Dokumentation auf den Spuren von drei Akteuren des Polenfeldzuges nach: Der Frontsoldat Walter K., der Reservist Wilm H. sowie der SS-Mann Erich E. haben Tagebücher und Briefe hinterlassen, in denen sie ihre Erfahrungen und Motive schildern. Wie unter einem Brennglas geben diese drei Geschichten Einblick in das Denken und Handeln deutscher Soldaten von damals. Daneben hat auch die berühmte Regisseurin Leni Riefenstahl einen Auftritt, die im September 1939 Augenzeugin eines Massakers in Polen wurde. Die Dokumentation schildert die Kämpfe an der Front, geht auf die Mord-Aktionen der SS ein, erzählt aber auch von den Gesten der Menschlichkeit, die es bei Soldaten wie Wilm H. gegeben hat. Doch auch sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Feldzug nur einem Ziel dient: Die „lebendige Kraft“ des polnischen Staates soll zerstört werden, wie Adolf Hitler in einem Treffen mit der Wehrmachtsführung im August 1939 erklärte. Im Stil einer modernen Graphic Novel erzählt der Film von den Wegmarken des Polenfeldzugs und zeigt, was die Akteure auf deutscher Seite damals angetrieben hat. Erklärgrafiken und Landkarten stellen Zusammenhänge her, Archivfilme beleuchten die Hintergründe, ein interdisziplinäres Forscherteam – Historiker, Soziologen, Psychologen aus Deutschland und Polen – analysiert, wie die Wehrmacht bereits im Polenfeldzug ihr Gewissen verloren hat.

So., 1. Sep · 21:05-22:39 · arte
Sommer ’39

Der Sommer 1939 war heiß. An den Stränden Europas herrschte Hochbetrieb. Die Menschen wollten leben und lieben, arbeiten und sich amüsieren. Es war der vorerst letzte Sommer in Friedenszeiten. An seinem Ende stand der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Was war das für ein Sommer? Ein Sommer der Liebe und Sorglosigkeit oder ein Sommer der Angst? Wie lebten die Menschen im krisengeschüttelten Europa in diesen Monaten, als die ersten Vorzeichen des kommenden Schreckens nicht mehr zu übersehen waren? Es kann kein einheitliches Bild von diesem Sommer 1939 geben. So unterschiedlich wie die politischen Systeme Europas, wie Menschen Ereignisse erleben und einordnen, so unterschiedlich sind auch die Erinnerungen der Menschen an diese Zeit. So erinnert sich der britische Komiker Denis Norden an einen unpolitischen Sommer, in dem er „nichts als Mädchen und Musik im Kopf“ gehabt habe. In Polen hingegen erlebte der spätere Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki einen ganz anderen Sommer. Mit Hilfe hochkarätiger Zeitzeugen aus ganz Europa zeichnet der Dokumentarfilm ein Stück europäische Zeitgeschichte am Vorabend der Katastrophe nach.

So., 1. Sep · 23:10-23:40 · MDR
Für Goebbels an der Kamera

Zwei brennende Fragen lassen Gotthard Schnabel nicht los. Hat sein Vater Erich im Warschauer Ghetto im Auftrag von Joseph Goebbels gefilmt? Und war er, wie Dresdner Zeitzeugen berichten, tatsächlich einer der schlimmsten Nazis der Stadt? Schnabel Junior – inzwischen selbst fast 80 Jahre alt – beschließt, auf Spurensuche zu gehen. Zwei brennende Fragen lassen Gotthard Schnabel nicht los. Hat sein Vater Erich im Warschauer Ghetto im Auftrag von Joseph Goebbels gefilmt? Und war er, wie Dresdner Zeitzeugen berichten, tatsächlich einer der schlimmsten Nazis der Stadt? 1944, spätabends im Wohnzimmer der Familie Schnabel in Dresden. Durch den Türspalt sieht der achtjährige Gotthard einen Film, den sein Vater im Warschauer Ghetto gedreht hat – heimlich, im Auftrag von Joseph Goebbels und getarnt als Jude – so die Familienüberlieferung. Die Bilder von den Leichen, die aus dem Fenster auf die Straße geworfen werden, lassen den Jungen nie wieder los. Für Gotthard Schnabel ist der Vater kein Nazi – im Gegenteil, er war „ein begnadeter Lehrer, der 1938 aus politischen Gründen aus dem Schuldienst entlassen wurde.“ Filmen und Fotografieren waren seine Leidenschaft. Dieses Bild gerät ins Wanken, als Gotthard Schnabel 2002 ein Buch mit seinen Erinnerungen an Dresden veröffentlicht. Plötzlich melden sich aufgebrachte Dresdner, die Schnabel Senior als besonders strammen, verhassten Nazi schildern, der „jeden angezeigt“ und schon vor 1933 für die NSDAP gearbeitet habe. Gotthard Schnabel schmerzt, was er hören muss. Zugleich wird ihm bewusst, wie wenig er über seinen Vater weiß. Schnabel Junior – inzwischen selbst fast 80 Jahre alt – beschließt, auf Spurensuche zu gehen.

So., 1. Sep · 23:20-00:40 · RBB
Der Prinz und der Dybbuk

Wer war Moshe Waks, der 1904 als Sohn eines armen jüdischen Schmiedes aus der Ukraine geboren wurde und als Prinz MichaI Waszynski 1965 in Italien starb? War er ein Wunderkind des Kinos, ein raffinierter Betrüger oder ein Mann, der filmische Illusion und Realität nicht auseinanderhalten konnte? Eine filmische Reise auf den Spuren von MichaI Waszynski. Als Regisseur und später als Produzent von Hollywood-Filmen in Italien und Spanien schuf Waszynski über 40 Filme. Er arbeitete mit Stars wie Sophia Loren, Claudia Cardinale und Orson Welles. Seine eigentliche Obsession aber galt dem Film „Der Dybbuk“, bei dem er 1937 Regie führte. Der Film gilt nicht nur als einer der geheimnisvollsten jiddischen Filme der Filmgeschichte; er spiegelt auch Waszynskis ruheloses Leben mit vielen ungelüfteten Geheimnissen wider. Die Filmemacher Elwira Niewiera und Piotr RosoIowski nehmen in „Der Prinz und der Dybbuk“ Waszynskis Spur auf und folgen ihr nach Polen, in die Ukraine und die USA, nach Italien, Israel und Spanien. Für ihr faszinierendes Porträt eines menschlichen Chamäleons, das kontinuierlich Namen, Religion, Titel und Länder wechselte, um seine eigene Lebensgeschichte wie ein Filmdrehbuch zu schreiben, wurden die beiden in Venedig mit dem Löwen für den Besten Dokumentarfilm und mit dem Polnischen Filmpreis 2019 ausgezeichnet.

So., 1. Sep · 23:35-00:05 · Das Erste (ARD)
ttt – titel thesen temperamente

Themen u.a.: • Die Deutschen und ihr Wald • „Der Krieg, den keiner wollte“ • Ein Bauhausmuseum für Dessau • Der desillusionierte Blick eines sächsischen Bürgermeisters • Die Deutschen und ihr Wald Es ist so weit. Wir sind mitten im Waldsterben 2.0. Das sei keine Panikmache, sagte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner jüngst, der Deutsche Wald schwebe in großer Gefahr. Politiker aller Parteien versuchen in einem wahlkämpferischen Aufbäumen und eiligsten Schnellpflanzungen den Deutschen Wald noch zu retten. Die Frage ist nur: Wie? Als in den 80er Jahren in Deutschland massiv die Fichtenwälder verödeten, wurden Entschweflungsanlagen in der Industrie und Katalysatoren in Autos zur Pflicht. So schnell gab es kostenintensive Umrüstungen in keinen anderen Bereichen. Die Deutschen sind sehr empfindlich, wenn es um ihren Wald geht. Seit Tacitus hier vor 2000 Jahren die wilden Germanen entdeckte und Rotkäppchen dem Wolf begegnete, ist der Wald deutscher Mythos und eine Art Nationalheiligtum. Ein romantisch verklärter Ort der Freiheit, des Rückzugs und des Widerstands, in Dichtung und Philosophie eine Metapher des Unerklärlichen und Übernatürlichen. Ein Rückzugsort der Zeitvergessenheit, in dem man die Waldeinsamkeit finden kann und die Natur zum Menschen spricht. Heute, in der modernen, globalisierten Gesellschaft, scheint davon nicht mehr viel geblieben zu sein. Der Wald ist eine Sammlung von Bäumen, Holzplantagen der Industrie, mit in Reih und Glied angepflanzten Fichten und Kiefern. Wie sich die Beziehung der Deutschen zum Wald historisch herausgebildet hat, was sie bewirkte, ob es sie immer noch gibt und was gerade jetzt zu tun ist – darüber sprechen in „ttt“ der Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben und der Philosoph und Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski. • „Der Krieg, den keiner wollte“ Am 1. September 1939, vor 80 Jahren überfiel Hitlers Wehrmacht Polen – Beginn des Zweiten Weltkriegs. Es war „Der Krieg, den keiner wollte“: Das schreibt der britische Historiker Frederick Taylor in seinem neuen Buch, einem aus Tagebüchern und letzten Zeitzeugenberichten montierten Bild von der Stimmungslage der Menschen in Nazi-Deutschland und in Großbritannien. Im spannungsreichen Jahr vor Kriegsausbruch herrschte auf beiden Seiten eine ausgeprägte, von der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg motivierte Kriegsunwilligkeit – bevor in Deutschland die Propaganda über Vernunft und Menschlichkeit siegte und die Engländer (zu spät) begriffen, dass Hitler mit Nachgiebigkeit nicht beizukommen war. „ttt“ hat Frederick Taylor in Großbritannien getroffen und mit ihm über den Kriegsausbruch gesprochen und über irritierende Parallelen zu einer Gegenwart, in der sich, mit zunehmendem Nationalismus und andauernden Brexitkampagnen, die Spannungen zwischen den Ländern Europas wieder verschärfen könnten. Frederick Taylor: „Der Krieg, den keiner wollte. Briten und Deutsche: Eine andere Geschichte des Jahres 1939“. • Ein Bauhausmuseum für Dessau Das Jubiläum geht in die zweite Runde. Einhundert Jahre nach der Gründung des Bauhauses bekommt nun auch Dessau ein eigenes Bauhausmuseum. In Dessau stehen – als UNESCO-Welterbe anerkannt – die Ikone des Bauhauses, das Hauptgebäude, auch die Meisterhäuser sind weltberühmt, weitere Bauten gehören zum Bauhauserbe. Als Defizit war gleichwohl immer empfunden worden, dass darüber hinaus kaum etwas in Dessau zu sehen war. Möbel, Leuchten, Textilien, Tapeten oder Schrifttypen – in Dessau entstand in den 1920er Jahren die für uns heute selbstverständlich gewordene Alltagskultur der Moderne. Das Defizit wird jetzt behoben. Was verändert sich für die Bauhausstadt und die Arbeit des Bauhauses? Als neues Museum hat das spanische Architekturbüro addenda architects einen ‚großen Pavillon‘ entworfen, der mitten in die Stadt platziert worden ist. Die Ausstellung erzählt über das Lernen und Lehren, das freie Entwerfen und die Entwicklung industrieller Prototypen, das künstlerische Experiment und den Umgang mit dem Markt. Besuch im neuen Bauhausmuseum eine Woche vor der Eröffnung. • Der desillusionierte Blick eines sächsischen Bürgermeisters Vor sechs Jahren wurde der Sozialdemokrat Dirk Neubauer ins Rathaus der sächsischen 4000 Seelenstadt Augustusburg gewählt, in der es die AfD bei der letzten Europawahl auf 30 Prozent brachte. Was er nach seiner Wahl in der Stadt vorfand, waren Intransparenz, Politikverdrossenheit und ein Gefühl der Verlorenheit. In einem aktuellen Buch mit viel Zündstoff macht sich Neubauer – am konkreten, aber paradigmatischen Beispiel seiner Stadt – auf die Suche nach den Ursachen der augenfälligen Unzufriedenheit. Und wird fündig in einer Bürokratie, die den Bürger, scheinbar mit System, von der Politik entfremdet. „Wir haben verlernt, wie Gesellschaft geht – und zwar nicht nur im Osten Deutschlands.“ Das sagt Dirk Neubauer, den „ttt“ eine Woche vor der Wahl in seiner Heimatstadt begleitet hat. Dirk Neubauer: „Das Problem sind wir: Ein Bürgermeister in Sachsen kämpft für die Demokratie“

So., 1. Sep · 23:40-00:10 · MDR
Hitlers Vorzeige-Pilot – Wo ist Vater geblieben?

Inge kann sich nur an wenige Momente mit ihrem Vater erinnern. Sie war noch keine drei Jahre alt, als er im März 1940 verschwand. Die Familie lebte in Lübeck und Papa war Pilot, Hauptmann und Staffelkapitän beim legendären Löwengeschwader der Luftwaffe der Deutschen Wehrmacht. An jenem Märzmorgen sollte Hauptmann Otto Andreas Kümpel vor Nordschottland Angriffe auf Kriegsschiffe der Engländer und Norweger fliegen. Alle anderen Kampfflugzeuge kehrten heim – nur Inges Vater nicht. Seither gilt er als vermisst. Es gab keine Beerdigung, kein Grab. Bis heute weiß Tochter Inge nicht, wo ihr Vater geblieben ist. Inge kann sich nur an wenige Momente mit ihrem Vater erinnern. Sie war noch keine drei Jahre alt, als er im März 1940 verschwand. Die Familie lebte in Lübeck und Papa war Pilot, Hauptmann und Staffelkapitän beim legendären Löwengeschwader der Luftwaffe der Deutschen Wehrmacht. An jenem Märzmorgen sollte Hauptmann Otto Andreas Kümpel vor Nordschottland Angriffe auf Kriegsschiffe der Engländer und Norweger fliegen. Alle anderen Kampfflugzeuge kehrten heim – nur Inges Vater nicht. Seither gilt er als vermisst. Es gab keine Beerdigung, kein Grab. Der Vater war ein erfahrener Pilot, Träger des Eisenern Kreuzes und prangte sogar einmal auf der Titelseite einer Illustrierten. Bis heute weiß Tochter Inge nicht, wo ihr Vater geblieben ist. Im Schneesturm abgestürzt, von den Engländern abgeschossen, notgelandet und gefangen genommen oder gar übergelaufen? Mit ihrem Sohn macht sie sich jetzt auf, um seine Spuren in Deutschland, England und Schottland zu verfolgen und herauszufinden, was in jenen frühen Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges wirklich passiert ist.

Mo., 2. Sep · 00:35-02:25 · 3sat
Max Manus

Oslo, 1940: Abenteurer Max Manus, der in seine von deutschen Truppen besetzte Heimat zurückgekehrt ist, schließt sich einer Untergrundorganisation an. Bald avanciert er zu einer der charismatischsten Figuren des Widerstands. Doch die dreisten Aktionen seiner Gruppe rufen den brutalen Gestapo-Offizier Siegfried Fehmer auf den Plan. Um Manus und seine Gefolgsleute auszuschalten, ist diesem jedes Mittel recht. Nachdem Max Manus im finnischen Winterkrieg gegen die sowjetischen Truppen gekämpft hat, findet der Abenteurer seine Heimat von den Nazis besetzten Land wieder. Manus schließt sich der Widerstandsbewegung an, wird aber bald von der Gestapo ins Visier genommen. Er kann den Deutschen entkommen und gelangt über abenteuerliche Umwege nach Großbritannien, wo er eine militärische Ausbildung erhält. Als Spezialist für Schiffssabotage kehrt er gemeinsam mit seinem Freund Gregers Gram nach Norwegen zurück. In mehreren spektakulären Aktionen gelingt es ihnen, deutsche Versorgungsschiffe im Hafen von Oslo zu versenken. Die immer dreisteren Attentate der sogenannten Oslobande machen den Nazis schwer zu schaffen. Manus wird einer der bekanntesten Köpfe des norwegischen Widerstands und avanciert zum Volkshelden. Unterdessen setzt der Gestapo-Offizier Siegfried Fehmer alles daran, die Saboteure dingfest zu machen. Um den Rückhalt der Widerständler zu schwächen, startet er grausame Vergeltungskationen und lässt Unschuldige foltern. Je mehr seiner Freunde den Nazis zum Opfer fallen, desto unerträglicher werden für Manus der Druck und die Gewissenskonflikte. Allein die Liebe zu seiner späteren Ehefrau Tikken und die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges lassen ihn durchhalten. Manus weiß um die Wichtigkeit seiner Aktionen. Ungeachtet aller Gefahren startet er im Januar 1945 noch einmal einen waghalsigen Sabotageakt. Sein Ziel: ein strategisch äußerst wichtiges Truppentransportschiff.

Mo., 2. Sep · 00:40-02:40 · RBB
Der große Diktator

Die legendäre Parodie auf Hitler entstand im Jahre 1940. Chaplin spielt in einer Doppelrolle einen gewitzten jüdischen Barbier und den Despoten Adenoid Hynkel. Hynkel herrscht in Tomanien, einer Mischung aus Operetten- und Polizeistaat mit jüdischen Gettos und Konzentrationslagern, und plant den Einmarsch ins Nachbarland Austerlich – gemeint ist Österreich. Dagegen formiert sich in Gestalt des alt gedienten Offiziers Schultz heimlicher Widerstand. Schultz sucht im jüdischen Getto Unterstützung für seine Attentatspläne. Dabei trifft er auf einen kleinen Friseur, der dem Diktator zum Verwechseln ähnlich sieht und der eine entscheidende Rolle spielen soll. „Der große Diktator“ ist Chaplins erster wahrhaftiger Tonfilm. Adenoid Hynkel ist eine grotesk ins Neurotische verzerrte Karikatur Hitlers. In seiner Autobiografie schrieb Chaplin später, dass er den Film nie gemacht hätte, wenn er damals die Wahrheit über die deutschen Konzentrationslager gewusst hätte. Nach dem Sieg der Alliierten und dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Film in den USA und England zum Kassenschlager. Gleichzeitig verabschiedete Chaplin mit diesem Film die von ihm ins Leben gerufene Figur des Tramp aus seiner Filmografie. In der Rolle des jüdischen Friseurs blieb er der Pantomime aus alten Stummfilmtagen treu. Hatte er sich vier Jahre zuvor in „Moderne Zeiten“, noch weitgehend der Stilmittel des Stummfilms bedient, so akzeptierte Chaplin mit „Der große Diktator“ endgültig den Tonfilm als künstlerisches Medium. Charles Chaplin wurde 1941 mit „Der große Diktator“ in den Kategorien Beste Hauptrolle, Bester Film, Bestes Drehbuch und Beste Musik (gemeinsam mit Meredith Willson) für den Oscar nominiert, ebenso wie Jack Oakie als bester Nebendarsteller.

Mo., 2. Sep · 01:35-03:05 · HR
Ein blinder Held – die Liebe des Otto Weidt

Die Werkstatt des Bürstenherstellers Otto Weidt gilt 1941 bei den Berliner Juden als gute Adresse. Die irritierend engen Kontakte von Weidt zur Gestapo, begleitet von regelmäßigen Bestechungen, bieten ihm den Spielraum, seine überwiegend blinden jüdischen Angestellten vor den alltäglichen Herabwürdigungen zu schützen. Zu den wenigen Menschen in der Werkstatt, die nicht blind sind, gehört Alice Licht, eine hübsche junge Frau aus gutbürgerlichem Haus. Mit Witz, Charme und Organisationstalent wird sie bald zu Ottos rechter Hand. Die beiden verbindet mehr als eine reine Arbeitsbeziehung und mehr als nur Freundschaft. Otto ist verheiratet, kein Jude, Ende 50 und fast blind. Alice ist Jüdin und 40 Jahre jünger. Sie bewundert ihn. Für Otto ist Alice die Verheißung auf ein Leben, das er gern geführt hätte. Aber die Schlinge um die Werkstatt zieht sich zu. Trotz regelmäßiger „Besuche“ der Gestapo scheint zunächst alles gut zu gehen. Nachdem seine jüdischen Mitarbeiter auf einen Schlag abgeholt wurden, schafft es Otto Weidt noch, sie aus dem nahen Sammellager der Gestapo wieder herauszuholen. In aller Heimlichkeit beginnt er nun mit der Vorbereitung von Verstecken. Als die massenhaften Deportationen beginnen, sind Weidts Angestellte untergetaucht. Doch in einem Moment der Vertrauensseligkeit werden die Verstecke an einen „Greifer“ verraten. Weidt erreicht noch, dass Alice und ihre Eltern zunächst „nur“ nach Theresienstadt kommen. Aber dann trifft eine Postkarte von Alice ein, in der sie verklausuliert von ihrer Verlegung nach Auschwitz berichtet. Otto Weidt zögert nicht lange und macht sich auf den Weg, um sie zu retten. Über einen Hilfsarbeiter gelingt es ihm, den Kontakt zu Alice herzustellen, die mittlerweile als KZ-Häftling in einer Munitionsfabrik arbeitet. Er versteckt Kleidung und Geld für den Fall ihrer Flucht. Im Januar 1945 schafft Alice den Weg zurück nach Berlin, wo Otto und seine Frau sie bis nach Kriegsende verstecken. Aber Alice kann und will nicht bleiben. Sie erhält die Einreisegenehmigung in die USA und verlässt Berlin. Otto bleibt zurück, zwei Jahre später stirbt er. An das Wirken von Otto Weidt erinnert heute nur noch das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt in Berlin-Mitte und die israelische Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“. Die aufwendig verfilmte Geschichte, unter anderem mit Edgar Selge und Henriette Confurius in den Hauptrollen, wird auf bewegende Weise von der 91-jährigen Inge Deutschkron erzählt, der einzigen noch lebenden ehemaligen Angestellten des Otto Weidt.

Mo., 2. Sep · 07:20-07:50 · WDR
Planet Schule: Die Kinder der Villa Emma

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg suchen jüdische Kinder Zuflucht vor der Deportation. Jahrelang irren sie in Europa umher, dann finden sie ausgerechnet im faschistischen Italien in der „Villa Emma“ einen sicheren Platz. Dank der Solidarität und des Mutes der Bevölkerung überleben die Kinder, auch als Norditalien durch Wehrmacht und SS besetzt wird. Schließlich gelingt ihnen die Flucht in die Schweiz. Und endlich, noch einmal drei Jahre später, können sie zu ihrem eigentlichen Ziel aufbrechen: Richtung Palästina.

Mo., 2. Sep · 12:50-13:35 · ZDFinfo
Ein deutscher Held: Fredy Hirsch und die Kinder des Holocaust

Tausenden Kindern wird er zum Hoffnungsträger, Hunderten zum Lebensretter: der jüdische Deutsche Fredy Hirsch. „ZDF-History“ blickt auf eines der letzten Rätsel des Holocaust. Als Pfadfinder kümmert sich Fredy Hirsch schon früh um jene, die den Repressalien der Nazis am hilflosesten gegenüberstehen: jüdische Kinder und Jugendliche. Zunächst in Düsseldorf, später in Prag, dann im Ghetto Theresienstadt und am Ende in Auschwitz. Dort trifft am 7. September 1943 ein Transport aus Theresienstadt ein, der bis heute Rätsel aufgibt. Denn erstmals lassen die Nazis alle Deportierten am Leben, unter ihnen auch Fredy Hirsch. Männer, Frauen und Kinder – alle bleiben zusammen und werden in einem neu errichteten Abschnitt der Mordfabrik untergebracht: dem sogenannten Familienlager. Ob es möglicherweise eingerichtet wurde, um Vertreter des Roten Kreuzes zu täuschen, ist bis heute unklar. Fredy Hirsch gelingt es, der SS einen eigenen Block für die Kinder abzutrotzen. Nur wenige Meter von den Gaskammern entfernt entsteht eine unbegreifliche Gegenwelt, in der er Grauen, Schmutz und Elend von seinen Schützlingen fernhalten will. Doch im März 1944 geht das Gerücht um, dass alle, die mit Fredy Hirschs Transport nach Auschwitz kamen, vergast werden sollen, auch die Kinder. Die todgeweihten Familien denken an Widerstand und bestimmen Fredy Hirsch zu ihrem Anführer. Doch bevor es zum Aufstand kommen kann, stirbt er. War es Selbstmord oder Mord? Neue Dokumente und Zeitzeugenaussagen erhellen ein bislang ungeklärtes Kapitel des Holocaust.

Mo., 2. Sep · 13:35-14:20 · ZDFinfo
Sinti und Roma. Eine deutsche Geschichte

Als „Zigeuner“ beschimpft, verfolgt, von den Nazis ermordet und ausgegrenzt bis heute: „ZDF-History“ blickt anhand bewegender Schicksale auf die Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland. Vor 75 Jahren leisteten sie im sogenannten Zigeunerlager von Auschwitz Widerstand gegen ihre drohende Vernichtung. Sie konnten sie aufschieben, aber nicht verhindern. In der Nacht zum 3. August 1944 wurden Sinti und Roma in den Gaskammern ermordet. Dotschy Reinhardt erzählt als junge Vertreterin der großen Musikerdynastie Reinhardt vom Schicksal ihrer Familie. Rita Vowe-Trollmann erinnert an ihren Vater, den Boxer „Rukeli“, dem die Nazis den Meistertitel einfach aberkannten – wegen „undeutschen“ Boxens. Romani Rose berichtet von seinem Vater Oskar, der vergeblich beim Münchner Kardinal Faulhaber um Hilfe für sein Volk bat. Der Musiker Janko Lauenberger erinnert an seine Verwandte Erna. „Ede und Unku“ heißt das Buch über sie, das an den Schulen der DDR Pflichtlektüre war. Der Vater von Sängerin Marianne Rosenberg kämpfte im Mai 1944 mit im Aufstand gegen die SS. Er überlebte und hielt seine Tochter an, ihre Herkunft besser zu verschweigen. Die Dokumentation zeigt auch, wie Sinti und Roma nach dem Krieg für Entschädigung und Anerkennung kämpften, und dass Antiziganismus noch immer weitverbreitet ist.

Mo., 2. Sep · 17:20-18:05 · ZDFinfo
Hitlers Geheimwaffen-Chef – Die zwei Leben Hans Kammlers

Überlebte Hitlers Geheimwaffen-Chef den Krieg? Wurde SS-General Hans Kammler heimlich in die USA gebracht? „ZDF-History“ zeigt dafür erstmals Belege. Hitlers mächtiger Geheimwaffen-Chef Hans Kammler wurde 1948 von einem deutschen Gericht für tot erklärt. Angeblich beging der SS-General am 9. Mai 1945 Selbstmord. Doch neueste Quellenfunde widerlegen die amtliche Version. Ein auf den 30. Mai 1945 datiertes Dokument des Geheimdienstes der US-Luftwaffe listet eine Reihe hochrangiger deutscher Kriegsgefangener auf, die zum Verhör zur Verfügung stehen: neben Albert Speer und Hermann Göring auch Hans Kammler – drei Wochen nach dessen angeblichem Tod. Im November 1945 ordnete der Militär-Geheimdienstchef der U.S. Air Force (Europa) an, Kammler aufgrund seines Wissens über die wichtigsten bombensicheren unterirdischen Rüstungsanlagen zu vernehmen, da Erkenntnisse darüber für künftige mit Raketen und Atombomben geführten Kriege von Bedeutung sein könnten. Weitere Dokumente belegen die weitreichenden Zuständigkeiten des SS-Generals bei den Geheimprojekten: Raketen, Atomenergie und Düsenflugzeuge. Zudem kontrollierte er ein Netz wichtiger Rüstungsstandorte unter Tage und Forschungseinrichtungen. Ein brisanter Fall: Denn Hans Kammler war nicht nur für neueste Waffensysteme zuständig. Der SS-General und promovierte Architekt hatte auch maßgeblichen Einfluss auf die Errichtung von Konzentrationslagern und den systematischen Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen, der Zehntausende Opfer forderte. Er war ein „Technokrat des Todes“ und wurde als Kriegsverbrecher bei den Nürnberger Prozessen offenbar nur deshalb nicht zur Verantwortung gezogen, weil er einer Siegermacht als Wissensträger dienen konnte.

Mo., 2. Sep · 17:40-18:30 · arte
Samaritaner am Scheideweg

Schauplatz des Films sind die Anhöhen von Nablus im Westjordanland. Hier begleitet der Film Abood Cohen, den Enkel eines samaritanischen Priesters. Er gehört zur jungen Generation der Samaritaner und muss gegen das Aussterben dieses strikt endogamen Volkes kämpfen. Im Gegensatz zu den Älteren haben die jüngeren Mitglieder der Samaritaner studiert, sind vernetzter, sprechen Arabisch, Althebräisch und Englisch. Sie wollen die Regeln ihrer Religionsgemeinschaft erneuern, Tradition und Moderne miteinander verbinden. Der Film zeigt Abood im Austausch mit seinen Großeltern und seinem besten Freund Bretoo. Die Diskussionen zwischen den beiden jungen Menschen liefern Einblicke in der Schwierigkeit der Samaritaner, zwischen Israelis und Palästinensern ihren Platz zu finden – auch, wenn sie die doppelte Staatsangehörigkeit haben. Sie sind apolitisch und erleben ihre Zugehörigkeit zur Gemeinschaft auf sehr unterschiedliche Weise: Der eine empfindet sie als erdrückend, der andere als beruhigend. Natürlich stellen sie sich Fragen über ihre Zukunft. Ein Highlight des Films ist die Osterzeremonie der Samaritaner auf dem ihnen heiligen Berg Garizim.

Mo., 2. Sep · 19:40-20:15 · arte
Re: Mutig gegen Rechtsrock – Eine Kleinstadt wehrt sich

Thomas Jakob will seine Heimatstadt nicht den Rechten überlassen. Er kämpft gegen große Neonazi-Konzerte, die immer wieder in der Kleinstadt Themar in Thüringen stattfinden….

Mo., 2. Sep · 21:00-21:30 · ARD-alpha
Shalom Bauhaus

In keiner Stadt der Welt stehen so viele Bauhaus-Bauten wie in Tel Aviv. Der Stadt, die wörtlich übersetzt „Frühlingshügel“ heißt. Insgesamt 4000 dieser Gebäude errichteten Architekten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern in den 1930er- und 1940er-Jahren nach der Philosophie der Bauhaus-Bewegung aus Dessau: Ausgewogenheit statt Symmetrie. Form folgt Funktion. Lebensqualität statt Statusschnörkel. Tel Aviv gilt deshalb als „Weiße Stadt am Mittelmeer“ als Unesco-Weltkulturerbe. Dabei sind die meisten der Bauhäuser längst grau statt weiß. Ihr Zustand ist oft schlecht. Der Putz bröckelt von der Fassade und bei einigen wurden die ikonischen Balkone sogar mit Plastikwänden zu Wohnraum umfunktioniert. Aber anlässlich 100 Jahre Bauhaus 2019 hat sich Tel Aviv aufgeputzt. Auch mithilfe deutscher Handwerker. Das Max-Liebling-Haus etwa soll im Herbst als Bildungsstätte neu eröffnet werden. Der Film lädt die Zuschauer zu einem Stadtbummel durch die Tel Aviver Bauhäuser ein. Zu den bekannten und auch weniger bekannten Exemplaren. Er geht der Frage nach, warum die Bauhaus-Philosophie beim Aufbau des neuen jüdischen Staates so populär war. Wie werden die Gebäude heute genutzt? Wer wohnt darin? Und er zeigt anhand der Renovierung des Max-Liebling-Hauses, wie eng die deutsch-israelischen Bauhaus-Beziehungen bis heute sind.

Mo., 2. Sep · 22:25-00:10 · 3sat
Nachlass

Das familiäre Erbe von Schuld, Scham und Schmerz wirkt in den Kindern und Enkeln der deutschen Kriegsgeneration weiter. Ihre Aufgabe ist es, das Schweigen der Väter zu brechen. In Gesprächen mit sieben Nachkommen von NS-Tätern und Opfern geht der Film ihren Bewältigungsversuchen der unfasslichen Verbrechen nach, getrieben von dem Wunsch, sich von der Last verdrängter Schuld zu befreien. Wie geht man damit um, wenn man erfährt, dass der eigene Vater an Kriegsverbrechen wie der Erschießung hunderter Menschen beteiligt war? „Nachlass – lass nach“ schreibt einer der Protagonisten, Sohn eines von Hitler mehrfach ausgezeichneten Kampffliegers auf ein Gemälde. Er erzählt, wie er damit versucht, die Schwere von dessen Erbe künstlerisch zu verarbeiten. Dann ist da der Chemiker, dessen Vater Polizeiführer bei den Einsatzgruppen war, verantwortlich für die Ermordung tausender Menschen. Da ist die ehemalige Gymnasiallehrerin, deren Vater SS-Arzt war. Immer noch hofft sie, dass ihr Vater nicht selbst geschossen hat. Da ist die Psychologin, deren Vater ein ranghoher SS-Mann war. Sie heilt die Traumata anderer und versucht auch ihres zu ergründen. Und da ist ihr jüdischer Kollege, dessen Großeltern in Ungarn ermordet wurden. Beide sind Mitglied einer Dialoggruppe von Kindern aus Täter- und Opferfamilien. Sie sprechen über Wut, Scham und Vergebung. Und da ist der Sohn der Psychotherapeutin und Enkel des Nazi-Großvaters. Er nähert sich als junger Filmemacher – schon mit einer gewissen Distanz – der Nazigeschichte in der Familie. Und nicht zuletzt ist da die junge Israelin, Historikerin und Enkelin eines Ausschwitz-Überlebenden, die zum Studieren nach Deutschland gegangen ist und sich für die Motive der Täter interessiert. Sie macht Führungen in der Gedenkstätte „Topografie der Terrors“ in Berlin. Als sie zusammen mit ihrem Großvater Ausschwitz besuchte, war es ihr unmöglich, professionelle Distanz als Historikerin zu wahren: Durch ihn wurden die Leiden, die er an diesem – heute zum Museum gewordenen – Ort erlebte, real, und sie verstummte. Christoph Hübner und Gabriele Voss montieren die Gespräche so, dass der Zuschauer sich mit den Protagonisten zunächst der Entdeckung des „Nachlasses“ ihrer Väter annähert, über das in den Familien geschwiegen wurde. Sodann werden ihre zum Teil wechselvolle Bewältigungsversuche nachvollzogen, durch die sie ihre eigenen Kinder entlasten und eine Haltung für die Zukunft gewinnen wollen. Zwischen die Gespräche werden unkommentiert Beobachtungen von Orten gesetzt, die Ausdruck der deutschen Erinnerungskultur sind oder auf die noch lange nicht abgeschlossene Arbeit der Aufklärung von Kriegsverbrechen verweisen.

Mo., 2. Sep · 23:25-00:05 · arte
Brief an einen Freund aus Gaza

„Brief an einen Freund aus Gaza“ ist eine Aufforderung zum Reden und zum Zuhören. Können Worte die Welt retten – oder den Mauern, die uns trennen, wenigstens ein paar Risse zufügen, durch die ein Windhauch dringen kann? Inspiration zu seinem essayistischen Film fand der israelische Kultregisseur Amos Gitai bei Albert Camus‘ „Briefen an einen deutschen Freund“, einer zwischen 1943 und 1945 entstandenen Sammlung von Briefen an einen fiktiven deutschen Freund, mit denen der französische Schriftsteller einen Dialog zwischen Deutschen und Franzosen anstoßen wollte. Auch Gitai geht es darum, israelische und palästinensische Bürger zusammenzubringen. Schauspieler wie Makram Khoury, Clara Khoury und Hilla Vidor sowie Amos Gitai selbst tragen Prosatexte und Gedichte auf Arabisch und Hebräisch vor, während im Hintergrund ablaufende Bilder die Ungerechtigkeit und Hoffnungslosigkeit deutlich machen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Texte von Mahmud Darwisch, Yizhar Smilansky, Emil Habibi, Amira Hass und Albert Camus nehmen klanglich Gestalt an und werden gleichzeitig gestört durch Fernsehnachrichten über die Gewalt in Gaza und die Dramen, die sich entlang der Grenze abspielen. Der Text „‚Wie konntet ihr ihre Dörfer zerstören?‘, wird ihre Tochter fragen“ der israelischen Journalistin, Schriftstellerin und Aktivistin Amira Hass versinnbildlicht die Herausforderung, vor die der Regisseur seine Mitwirkenden und sein Publikum stellt: „Was werden unsere Kinder und Enkel denken, wenn sie erfahren, wie wir die Menschen in den besetzten Gebieten behandeln? Und wie werden wir auf ihre Fragen antworten? Dass wir das Ausmaß der Gräuel nicht kannten? Dass die Dinge nun einmal so sind?“ Während es mit Camus heißt, dass man den Worten nicht trauen kann, bieten die aufmerksamen Gesichter der nun zuhörenden Schauspieler eine Annäherung an die Komplexität der Gesellschaft.

Di., 3. Sep · 07:50-08:20 · WDR
Planet Schule: Leben nach dem Überleben – Die Literatin Ruth Klüger

„Weiter leben. Eine Jugend“ – so hieß das erste Buch der aus Österreich stammenden amerikanischen Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger. 1992 erschien es auf dem deutschsprachigen Buchmarkt und war sofort ein Bestseller und gehört inzwischen zum Bildungskanon in Deutschland. Klüger erzählt in unpathetischer Weise darin ihre Geschichte. Die Geschichte eines jüdischen Kindes im Wien der 30er-Jahre, wo sie Heimat und Identität verliert. Im Alter von 11 Jahren wird sie deportiert – erst nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz-Birkenau, zuletzt in das Lager Christianstadt, von wo sie im Februar 1945 gemeinsam mit ihrer Mutter flieht. Heute zählt Ruth Klüger zu den anerkanntesten Literaturwissenschaftlerinnen und Germanistinnen der USA, sie ist Professorin in Göttingen und aus dem Deutsch- und Geschichtsunterricht nicht mehr wegzudenken.

Di., 3. Sep · 20:15-21:50 · arte
Ein seltsamer Krieg – Frankreich 1939/40

Die breite Öffentlichkeit weiß nur wenig über den Sitzkrieg von 1939 bis 1940. Viele der gängigen Deutungsweisen kommen zu kurz. Oft wird diese erste Phase des Zweiten Weltkriegs so stark mit der Niederlage Frankreichs von 1940 in Verbindung gebracht, dass sie keine eigenständige Betrachtung erfährt, sondern lediglich als Ankündigung dessen angesehen wird, was folgte: der unvermeidliche Sieg Nazideutschlands über ein Frankreich, das sich schwertat, in den Kampf zu ziehen. Mit Hilfe von Archivmaterial und Amateuraufnahmen versucht der Dokumentarfilm aufzuzeigen, dass es während dieser wichtigen Phase des Zweiten Weltkriegs zu einem echten „Kriegseintritt“ der betroffenen Länder kam. Das ging einher mit einer Mobilisierung auf allen Ebenen. Während Soldaten eingezogen wurden und der Alltag der Zivilbevölkerung sich radikal veränderte, bereiteten sich die jeweiligen Regierungen auf einen Krieg vor, bauten ihre Sicherheitspolitik aus und setzten verstärkt auf Propaganda. Die Alliierten versuchten Zeit zu gewinnen und setzten auf einen Langzeitkrieg. Hitler hingegen entschied sich, den Feind durch schnelles Handeln zu überraschen und plante eine riskante, aber entscheidende Offensive. Monatelanges Warten entlang der Maginot-Linie zermürbte die französischen Soldaten. Kälte und Langeweile führten im Winter 1939/40 zu einer regelrechten Depression innerhalb der französischen Armee, die durch Deutschlands psychologische Kriegsführung und bewusst eingesetzte Propaganda noch verstärkt wurde und zum Ziel hatte, einen Keil zwischen die Alliierten zu treiben.

Di., 3. Sep · 20:15-21:55 · 3sat
Die Brücke

Im April 1945 geht der Zweite Weltkrieg in die letzte Phase. Während die Alliierten vorrücken, zieht das NS-Regime sein letztes Aufgebot zum „Volkssturm“ ein – darunter sieben Gymnasiasten. Sie sollen eine Brücke in ihrer Heimatstadt bewachen. Ein gutmütiger Unteroffizier, der für ihr Überleben sorgen soll, wird bei einem Erkundungsgang als vermeintlicher Deserteur erschossen. Die unausgebildeten Rekruten sind nun ganz auf sich gestellt. Als Sigi, der Jüngste der Gruppe, bei einem Tieffliegerangriff stirbt, eröffnen seine Kameraden blindlings das Feuer auf heranrollende US-Panzer. Ein amerikanischer G.I., der nicht auf Kinder schießen will, bezahlt sein Friedensangebot mit dem Leben. Von der Gegenwehr überrascht, zieht der alliierte Verband sich zurück. Nur Hans und Albert überleben das blutige Scharmützel. Hilflos wenden diese schließlich ihre Waffen gegen ein deutsches Kommando, das die Brücke sprengen soll. Auch über 50 Jahre nach seiner Erstaufführung hat der beispielhafte Antikriegsfilm nichts von seiner Wirkung verloren. Mit bewundernswerter Sorgfalt fing Bernhard Wicki in seinem Spielfilmdebüt die chaotische Atmosphäre kurz vor der Kapitulation ein. Die geschickte Zeichnung der Rollencharaktere verdeutlicht die Sinnlosigkeit des Kampfes der Jungen, die – durch die Schule der Nazipropaganda geprägt – die realen Verhältnisse bis zur Selbstaufgabe ignorieren. Für die durchweg überzeugenden Jungdarsteller, darunter Volker Lechtenbrink als frisch Verliebter und Fritz Wepper in der tragischen Rolle des einzigen Überlebenden, wurde „Die Brücke“ zum Meilenstein ihrer Karriere.

Di., 3. Sep · 21:50-22:45 · arte
Eine blonde Provinz – Polen und der deutsche Rassenwahn

Tausende Polen christlichen und jüdischen Glaubens wurden nach dem deutschen Überfall auf Polen vor 70 Jahren von der deutschen Wehrmacht, der SA und der SS aus ihren Häusern vertrieben, deportiert und umgebracht. Die Nazis planten, im besetzten Polen, in einem Distrikt namens Warthegau, ein Experimentierfeld des Rassenwahns zu installieren. Eine „blonde Provinz“, so Heinrich Himmler, sollte entstehen, ein Laboratorium zur Züchtung des germanischen Herrenmenschen. Innerhalb weniger Wochen wurden Hunderttausende Polen und Juden zur Vertreibung freigegeben, als Arbeitssklaven missbraucht oder getötet. Es war der Beginn der Shoah. Die brutal Vertriebenen sollten „Platz schaffen“ für die Volksdeutschen, die vor allem aus der sowjetischen Einflusszone – zwischen dem Schwarzen Meer und dem Baltikum – „heimgeholt“ wurden. Die sogenannten Übergangslager für Polen ähnelten Konzentrationslagern. Hunger, Krankheiten und Tod standen auf der Tagesordnung. Die jüdische Bevölkerung wurde in Ghettos gesperrt, grausame Zwischenstationen für die Lager, in die sie später zum Zweck ihrer Ermordung deportiert wurden. Filmemacher Jacek Kubiak und Klaus Salge stellen drei Männer vor, die beim deutschen Überfall auf Polen noch Kinder waren und deren Schicksal mit der Stadt Posen verbunden ist. Zwi Steinitz aus Tel Aviv, der nach 70 Jahren zum ersten Mal wieder in sein Geburtsland reist, um den Ort zu besuchen, an dem seine Eltern ermordet wurden. Henryk Jaszcz, der nach dem Überfall vergeblich seine Eltern in Posen sucht und dessen Weg in den Widerstand führt. Und Dieter Bielenstein, der als Zwölfjähriger mit seinen Eltern aus Lettland nach Posen kam.

Di., 3. Sep · 22:45-23:35 · arte
Jüdisch in Europa (1/2)

Wie leben Juden in Europa? Welche Geschichten erzählen sie? Wie leben sie Tradition und Moderne? Und wie gehen sie mit Ausgrenzung und Bedrohung um? „Es gibt einen jüdischen Alltag in Europa, der selten gezeigt werden kann. Debatten über Politik, Nahost und Antisemitismus überlagern das vielfältige jüdische Leben. Daher war es wichtig, dass wir dieses einfach mal einfangen können, indem wir spontan hingehen und schauen, was läuft.“ Mit diesem Anspruch haben sich der Schweizer Publizist Yves Kugelmann und die deutsche Filmproduzentin Alice Brauner auf eine Reise durch Europa begeben. Der erste Teil des Doku-Zweiteilers führt Brauner und Kugelmann nach Marseille, Straßburg, Frankfurt und Berlin. Mit Harold Weill, dem Großrabbiner von Straßburg, sprechen die beiden über das Leben im jüdischen Viertel. Fühlen er und seine Gemeinde sich bedroht? Alon Meyer, Vorsitzender des TuS Makkabi Frankfurt sowie Präsident des jüdischen Sport-Dachverbands Makkabi Deutschland, erklärt in Frankfurt, welchen Anfeindungen seine Mannschaft abseits des Fußballfelds ausgesetzt ist. In Berlin treffen Alice Brauner und Yves Kugelmann danach die Dramaturgin und Schriftstellerin Sasha Marianna Salzmann. „Jüdisch in Europa“ ist eine facettenreiche Reportagereise voller neuer Blickwinkel.
Bild oben: © AVE Publishing, Alice Brauner und Yves Kugelmann (2.v.l.) sind in „Klein-Jerusalem“ unterwegs. So wird Straßburg auch genannt, weil die Juden hier in einer bestimmten Form der Gelassenheit leben können.

Di., 3. Sep · 23:35-00:30 · arte
Jüdisch in Europa (2/2)

Der zweite Teil des Doku-Zweiteilers führt Brauner und Kugelmann nach Budapest, Warschau und Venedig. Mit der Philosophin Agnes Heller sprechen die beiden in der ungarischen Hauptstadt über das judenfeindliche Klima, das die Regierung Orban im Land etabliert hat. In Warschau besuchen sie die Grabstätten der Widerstandskämpfer des Ghetto-Aufstands von 1943, und in Venedig lassen sie sich von dem italienischen Schriftsteller und Vizepräsidenten der dortigen jüdischen Gemeinde, Riccardo Calimani, vom jüdischen Alltag im „Land der Unordnung“ (Calimani) berichten. „Jüdisch in Europa“ – zwei facettenreiche Filme voller Überraschungen.

Mi., 4. Sep · 00:00-01:30 · NDR
Wildes Herz

Jan „Monchi“ Gorkow, Anfang 30, 120 Kilogramm schwer, tätowiert an Armen und Beinen. Aufgewachsen in Jarmen, Mecklenburg-Vorpommern. Sänger und Frontmann der Punkband Feine Sahne Fischfilet, die im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommerns bereits als staatsfeindlich eingestuft wurde. In seiner Jugend Fußballhooligan, mittlerweile engagierter Antifaschist. Warmherzig, aber wütend, überwacht und dennoch frei. Für sein Langfilmdebüt hat Schauspieler Charly Hübner, ebenfalls aus Mecklenburg-Vorpommern, Jan „Monchi“ Gorkow drei Jahre lang mit der Kamera begleitet. Er hat mit der Band, mit Freunden, mit seinen Eltern und ehemaligen Lehrern gesprochen und Videomaterial aus der Vergangenheit gesichtet. Entstanden ist der aufregende Dokumentarfilm „Wildes Herz“, ein Film über einen jungen engagierten Antifaschisten aus dem äußersten Nordosten der Republik, der gemeinsam mit seinen Bandkollegen in Songs und mit Aktionen zeigt, wie Widerstand gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus jeden Tag aufs Neue gelebt werden kann. „Wildes Herz“ zeigt außerdem den Konflikt zwischen dem Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern und dem Menschen Gorkow. Denn neben dem linksradikalen Antifaschisten kann man in Monchi auch einen humanistischen, lebensfrohen, aber zeitkritischen Geist erkennen, der sich Zeit seines Lebens mit der Propaganda und Lebenskultur neonazistischer Gruppen und Parteien auseinandersetzen musste, einfach weil sie den Lebensalltag im Osten Mecklenburg-Vorpommerns prägend bestimmen. Natürlich geht es in „Wildes Herz“ auch um Musik. Um Monchis steten kreativen Austausch mit seinen Bandkollegen. Außerdem um Monchi und seine Familie, die ihm in seinem Leben immer Rückhalt geboten hat. Es geht um seine Wut auf die Ungerechtigkeit, auf die Intoleranz und die Ausgrenzung von Andersdenkenden, nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern. Und schließlich geht es auch um das Meer, für Monchi Symbol seiner Heimatverbundenheit. Wasser, Wellen, alles in Bewegung, alles korrespondiert und kommuniziert und lebt miteinander, demokratisch sozusagen: Diese Vision ist Monchis innerer Wegweiser. Im Verlauf des Films wird klar, dass Monchi im Herzen ein zutiefst demokratisch denkender Mensch ist, ein Freund des Miteinanders und des Gemeinsinns. Gleichzeitig lernt man auch seine radikalen Seiten im Kampf gegen den Faschismus kennen, den er nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten führt. Am Ende steht Monchi als Beispiel da, als ein Mensch, der den bürgerlichen Schutzraum verlassen hat, um Haltung zu zeigen. Der sich für eine freie und tolerante Welt engagiert und bereit ist, dafür zu kämpfen.

Mi., 4. Sep · 19:40-20:15 · arte
Re: Der Jude und sein Dorf – Besuch in Deutschland

Hans Bär besucht nach 80 Jahren Exil in Argentinien zum ersten Mal sein Heimatdorf. Mit 14 floh er mit der Mutter vor den Nazis. Nun reist er mit seinen Enkelinnen nach Wohnbach….

Mi., 4. Sep · 20:15-21:45 · 3sat
Vater, Mutter, Hitler – Vier Tagebücher und eine Spurensuche

Bis heute, über 70 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus, gehen Kinder und Enkel auf Spurensuche und fragen sich, wie ihre Eltern und Großeltern zu Hitler und zur NS-Ideologie standen. Gehörten sie zu den Unterstützern und Anhängern des NS-Regimes? Oder waren sie vielleicht sogar Täter? Der Film erzählt, was die Angehörigen von vier ganz unterschiedlichen Menschen bei ihrer Spurensuche anhand von Tagebüchern herausgefunden haben. Die Angehörigen setzen sich dabei mit einer Seite ihrer Familiengeschichte auseinander, über die nach dem Krieg oft geschwiegen wurde – und lernen ihre Eltern und Großeltern dabei auch von einer manchmal verstörenden Seite kennen. Sie erfahren, welche Hoffnungen diese mit der Machtübernahme Hitlers verbanden, welche Lebensentwürfe sie verfolgten und wie sich ihr Leben unter Hitler veränderte. Sie erfahren aber auch, wie diese Lebensträume an Hitlers Politik zerbrachen – und manche müssen damit leben, dass Familienmitglieder zu den Tätern gehörten. Als Quelle dienen die Tagebücher ihrer Eltern oder Großeltern, in denen diese ihre Gedanken, Ansichten und politischen Überzeugungen festgehalten haben. Diese einzigartigen Zeugnisse sind unmittelbar unter dem Eindruck der historischen Ereignisse geschrieben und geben somit die Überzeugungen ihrer Verfasser unverfälscht und unbeeinflusst von den späteren politischen Entwicklungen wieder. In aufwendigen Spielszenen rekonstruiert der Film das Leben der vier Protagonisten zwischen 1933 und 1945: Felix Richard Landau, Wilm Hosenfeld, Luise Solmitz und Ida Timmer. In Interviews kommentieren und ergänzen deren Kinder und Enkel die Spielszenen und lassen deutlich werden, wie stark sie die Fragen von Schuld und Verantwortung in der Zeit des Nationalsozialismus noch heute beschäftigen. Teja-Udo Landau, geboren 1944, erfuhr erst spät, was sein Vater Felix Richard Landau in der NS-Zeit getan hat. Durch das Tagebuch fand er heraus: Sein Vater war 1941 an Erschießungen von Juden in der Ukraine beteiligt. Im damals polnischen Drohobycz führte er als selbst ernannter „Judengeneral“ ein Schreckensregiment und tötete dort weitere Menschen. Das Tagebuch Landaus, in dem er seine Schreckenstaten festhielt, ist ein einzigartiges, erschütterndes Dokument, das seinen Sohn Teja-Udo bis heute verstört. Für diesen Film gibt er zum ersten Mal ein ausführliches Interview: „Es hat eine Weile gedauert, dass ich mit mir ins Reine gekommen bin und mir gesagt hab, okay, du bist wohl der Sohn deines Vaters, aber das heißt noch lange nicht, dass du so sein musst wie er.“ Wilm Hosenfeld ist bekannt geworden als der Wehrmachtsoffizier, der während der deutschen Besetzung Warschaus den jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman vor dem Tod rettete. Roman Polanskis Film „Der Pianist“ machte ihn weltweit berühmt. Ein Held? Was bisher wenig bekannt war: Fasziniert von Hitler und den Nationalsozialisten besuchte Hosenfeld die Reichsparteitage, trat in die SA ein und wird als Besatzungssoldat in Polen vom Feldwebel zum Hauptmann befördert. Wie passt das zusammen? Das fragen sich seine Kinder Jorinde und Detlev, seit sie zum ersten Mal seine Aufzeichnungen lasen: „Ich glaube, der Vater konnte sich dieser Massenhysterie nicht entziehen … aber er hat doch die große Gefahr gesehen des Krieges.“ Auch die Hamburgerin Luise Solmitz ist 1933 glühende Hitler-Anhängerin. Sie erhofft sich nach Jahren gewaltsamer politischer Auseinandersetzungen in der Weimarer Republik vor allem politische Stabilität. Aber da ihr Mann, Fredy Solmitz, der im Ersten Weltkrieg als Offizier für Deutschland gekämpft hatte, jüdischer Abstammung ist, wird die Familie ausgegrenzt und verfolgt – ein Schicksal, das ihren Enkel Robert Salkind noch heute tief berührt: „Es war ein Schock, als ich begriffen habe, wie es ihr ergangen ist.“ Ida Timmer aus Solingen begrüßt Hitlers Machtübernahme. Als junges Mädchen imponiert ihr, wie das NS-Regime die Jugend umwirbt und Arbeit und soziale Sicherheit verspricht. Sie will heiraten und Kinder kriegen. Doch ihr Lebensentwurf scheitert an Hitlers Kriegspolitik, ihre Träume platzen. Ihre Töchter beklagen das Schweigen der Mutter nach dem Krieg: „Dass sie sich mir gegenüber nicht geöffnet hat, das kann ich nicht verstehen. Warum? Warum?“ Mit Spielszenen, Interviews und der Einordnung historischer Ereignisse mithilfe von Archivmaterial zeichnet der Film ein authentisches Bild des Alltagslebens in Deutschland während der NS-Herrschaft und dokumentiert, wie die Ereignisse von damals noch heute das Leben der Nachfahren beeinflussen.

Mi., 4. Sep · 20:15-21:55 · arte
Jeder stirbt für sich allein

Otto Quangel und seine Frau Anna sehen ihren Sohn zum letzten Mal, als er im Jahr 1940 während eines Urlaubs in Berlin seinen Marschbefehl erhält. Bald darauf erreicht die beiden die Nachricht, dass er in Frankreich gefallen ist – „für Führer, Volk und Vaterland“, wie es im offiziellen Schreiben der Heeresleitung heißt. Für Anna bricht mit dem Tod ihres einzigen Kindes eine Welt zusammen. In ihren Augen ist der pathetisch proklamierte „Heldentod“ nichts weiter als ein Mord, den Hitler zu verantworten hat. Als ihr ein Stapel unbenutzter Feldpostkarten in die Hände fällt, schreibt sie auf eine von diesen, wie ihr zumute ist: „Der Führer hat mir meinen Sohn ermordet …“ Sie legt die Karte heimlich in der Stadt ab, in der Hoffnung, ein paar Menschen auf diese Weise aus ihrem blinden Glauben an Hitler wachrütteln zu können. Ihr Mann, Werkmeister in einem großen Tischlereibetrieb, in dem kriegsbedingt vorwiegend Särge produziert werden, schließt sich seiner Frau an. Die beiden deponieren Karten mit ihrem persönlichen Aufruf zum Widerstand an vielen Stellen der Stadt. Die Suche nach dem „Klabautermann“, wie die Gestapo den unbekannten Schreiber der Karten nennt, fällt zunächst schwer. Die meisten Protestschreiben werden von obrigkeitshörigen Bürgern bei der Polizei abgeliefert. Als Kommissar Escherich mit Hilfe des schmierigen Hauswarts Borkhausen den Quangels dann doch auf die Spur kommt, landet das Ehepaar vor dem „Volksgerichtshof“. Die Verhandlung ist eine bloße Farce, das Todesurteil gegen beide steht längst fest.

Fr., 6. Sep · 23:30-01:00 · Das Erste (ARD)
Der Tel-Aviv-Krimi: Shiv’a

Sara Stein (Katharina Lorenz), Berliner Kriminalkommissarin mit jüdischen Wurzeln, ist inzwischen mit dem israelischen Musiker David Shapiro (Itay Tiran) verheiratet und lebt in Israel. Noch bevor sie offiziell ihren Dienst im Kommissariat in Tel Aviv antritt, wird sie mit einem diffizilen Fall betraut: Chief-Inspektor Noam Shavit wurde ermordet in seiner Wohnung aufgefunden. Mord an einem Kollegen – eine heikle Sache, denn natürlich ist der Kollegenkreis persönlich getroffen. Dass dennoch objektiv ermittelt wird, soll Sara sicherstellen, und so wird sie Inspektor Jakoov Blok (Samuel Finzi) zur Seite gestellt. Eine Aufpasserin aus Deutschland? Kein leichter Anfang für Sara. Doch sie lässt sich nicht ins Bockshorn jagen. Sie verlässt sich wie immer auf ihren Instinkt und ihre eigenen Beobachtungen. Handelt es sich wirklich um einen Raubmord, wie es zunächst den Anschein hat? Das Opfer wurde mit einer Plastiktüte erstickt, am Tatort wurden die gleichen Faserspuren gefunden wie bei einem Raubmord, an dem Noam vor zwei Jahren gearbeitet hat und der ungeklärt blieb. Doch steckt deshalb der gleiche Täter hinter der Tat, wie Blok glaubt? Kann Sara ihm überhaupt vertrauen, denn offensichtlich hat er etwas zu verbergen. Sara sucht die Wahrheit, unbeirrbar und ohne Rücksicht – auch, wenn sie selbst dabei in Gefahr gerät. Die weltliche Sara wird in ihrem ersten Fall an ihrer neuen Wirkungsstätte in Tel Aviv mit einer Religiosität konfrontiert, die ihr selbst fremd ist. Sie muss erkennen, wie sehr sich tiefgläubige Menschen durch religiöse Gesetze und Konventionen gebunden fühlen und menschliche Tragödien auslösen können. Holly Finks Kamera taucht tief ein in das moderne Israel, in dem so eng wie vermutlich an keinem anderen Ort der Welt unterschiedliche Traditionen und Religionen aufeinandertreffen. Araber, Drusen, orthodoxe und weltliche Juden und mittendrin Katharina Lorenz als Kommissarin Sara Stein, eine junge Frau, die der Liebe wegen nach Tel Aviv gezogen ist und dort einen beruflichen und privaten Neuanfang wagt. Matthias Tiefenbacher hat diesen Krimi mit großem Gespür für Fremdsein und Suche nach Geborgenheit sowie mit einem wunderbaren Ensemble aus israelischen, arabischen und deutschen Schauspielern nach einem Drehbuch von Maureen Herzfeld und Martin Kluger inszeniert.

Sa., 7. Sep · 16:35-17:15 · arte
Stadt Land Kunst – Spezial Israel

(1): Chateaubriand, ein Romantiker im Heiligen Land Palästina, die sonnendurchflutete Wiege des Christentums, ist das Sehnsuchtsziel zahlloser Gläubiger aus der ganzen Welt. Als Chateaubriand 1806 dort eintraf, war das Gebiet noch eine entlegene Provinz des Osmanischen Reichs. Der romantische Schriftsteller begab sich hier auf die Suche nach den Wurzeln des christlichen Glaubens und den Spuren der ersten Kreuzfahrer. Seine Reise führte ihn von Jaffa nach Jerusalem. (2): Herodes der Große, Baumeister von Judäa Am Scheideweg von Ägypten, der arabischen Welt und den Großreichen lag einst das Königreich Judäa. Im 1. Jahrhundert vor Jesus herrschte hier als König von Roms Gnaden Herodes der Große über die jüdische Bevölkerung. Der historisch grausame Herrscher war ein eifriger Baumeister: die Turmfestung Herodium, die Palastfestung Masada, der Herodes-Tempel in Jerusalem, zahlreiche Städte, Paläste, Tempel und der bedeutende Seehafen Caesarea entstanden in seinem Auftrag und wurden von Archäologen freigelegt. (3): Das absolute Muss: Der Strand von Tel Aviv Wie endlos zieht sich der Strand von Tel Aviv als schmales Band zwischen der von Hochhäusern gesäumten Strandpromenade und dem türkisfarbenen Mittelmeer dahin. Hierher kommt man, um zu entspannen, zu trainieren, um mit der Familie oder mit Freunden zu essen, zu trinken, zu tanzen … oder vom Frieden zu singen.

Sa., 7. Sep · 17:40-18:05 · ZDF
plan b: Jede Sekunde zählt – Retter im Einsatz

Über zwei Millionen Einsätze hatten allein die Feuerwehren in Deutschland im Jahr 2016. Oft ging es um Leben und Tod. Wie ein Notfall ausgeht, hängt davon ab, ob Retter schnell genug sind. Für die 34-jährige Notfallsanitäterin Natascha Oberer gehört das zu ihrem Alltag: „Man muss eine gewisse Leidenschaft haben für den Beruf. Wenn man alles an sich heranlässt, kann es sehr schnell belastend werden.“ Für die Sanitäter vom Arbeiter-Samariter-Bund in Frankfurt am Main gehören lebensbedrohliche Situationen zum Berufsalltag. Flexibilität und ruhige Nerven sind Grundvoraussetzungen für den Job. Schnell den Verletzten zu erreichen, ist die große Herausforderung der Helfer. Vom Notruf bis zur Ankunft eines Rettungswagens am Unfallort sollen nicht mehr als zwölf Minuten vergehen. Um diese Zeit, die manchmal über Leben und Tod entscheidet, zu überbrücken, werden in Gütersloh freiwillige Ersthelfer per App alarmiert. Derjenige, der am dichtesten am Ort des Geschehens ist, leistet sofort Erste Hilfe und bleibt bis zur Ankunft der Rettungssanitäter am Unfallort. Das Smartphone als Lebensretter ist ein Modell, das auch im Ausland Schule macht. In Israel sind 5000 ehrenamtliche Erst-Retter registriert. Die Einsatzzentrale in Jerusalem koordiniert die landesweiten Einsätze, die überwiegend mit Motorrädern gefahren werden und komplett durch Spenden finanziert sind. So kommen die Helfer schnell durch den dichten Verkehr in Großstädten wie Tel Aviv. Doch was tun, wenn ein Notfall nicht an Land, sondern auf See stattfindet? An Spaniens Küsten greifen Rettungsschwimmer auf Hilfe aus der Luft zurück, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Per Fernsteuerung wird eine Drohne mit ausfahrbaren Rettungsarmen zu dem Ertrinkenden gesteuert. Gleichzeitig startet ein Rettungsboot. Bis es am Unfallort ankommt, kann sich der verunglückte Schwimmer an den Rettungsarmen festhalten.

Sa., 7. Sep · 21:44-22:36 · arte
Propaganda, die Macht der Lüge

Wie unterscheidet man Wahrheit von Fake News? Was sollen wir glauben? Längst ist die Kontrolle von Informationen zum Machtinstrument geworden. ARTE analysiert die Geschichte der „alternativen Fakten“. Eine neue Gefahr oder ewiger Begleiter? „Propaganda – Wie man Lügen verkauft“ erzählt, wie die Menschen seit jeher Mittel zur Manipulation nutzen. Eine Geschichte über die Instrumentalisierung von Bildern im Laufe der Jahrhunderte.Ein Paradebeispiel der Propaganda stellt die die NS-Kinoindustrie dar: „Hitlers Hollywood – Das deutsche Kino im Zeitalter der Propaganda 1933-1945“ deckt auf, wie die Nazis das deutsche und internationale Publikum vom Endsieg überzeugen wollten. Auch auf der anderen Seite des Atlantiks wurde manipuliert: „Hollywoods Zweiter Weltkrieg” – ein Porträt großer amerikanischer Kriegsfilmregisseure.Noch heute fasziniert die Täuschung das Kino. „The Ides of March – Tage des Verrats” schaut genüsslich zu, wie sich Ryan Gosling als junger Politberater in den Intrigen des amerikanischen Wahlkampfes verliert.Können 35mm einen Krieg verklären? In „Iran-Irak: Die Kamera als Waffe“ hinterfragt der Kriegsfotograf Saeid Sadeghi, wie seine Fotografien zum Geschenk für die iranische Propaganda wurden.Kann eine Lüge schwarz oder weiß sein, böse oder vertretbar? „Die Wahrheit über die Lüge” porträtiert uns Menschen als notorische Lügner und zeigt, dass ohne Lügen ein Alltag undenkbar ist.Weg vom Individuum und hinein in die Massenmanipulation: „Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache“ zeigt die Entstehung der Public Relations. Noch Kommunikation – oder schon Propaganda?

Sa., 7. Sep · 22:00-00:15 · RBB
Holocaust (1/4): Die Geschichte der Familie Weiss 1935 – 1940

Im Berlin des Jahres 1935 feiern Karl Weiss und Inga Helms Hochzeit. Nach den Nürnberger Gesetzen, die wenig später erlassen werden, gilt ihre Ehe als „Rassenschande“, denn Karl Weiss ist Jude. Trotz der Repressalien, der die so genannte „Mischehe“ ausgesetzt ist, kann sich die Familie Weiss nicht dazu entschließen, Nazi-Deutschland zu verlassen. Trotz der Barbarei, die immer mehr Gestalt annimmt, empfindet man sich als deutsche Staatsbürger und macht sich keine Vorstellung vom zukünftigen Schrecken. Im Berlin des Jahres 1935 feiern Karl Weiss und Inga Helms Hochzeit. Nach den Nürnberger Gesetzen, die wenig später erlassen werden, gilt ihre Ehe als „Rassenschande“, denn Karl Weiss ist Jude. Trotz der Repressalien, der die so genannte „Mischehe“ ausgesetzt ist, kann sich die Familie Weiss nicht dazu entschließen, Nazi-Deutschland zu verlassen. Trotz der Barbarei, die immer mehr Gestalt annimmt, empfindet man sich als deutsche Staatsbürger und macht sich keine Vorstellung vom zukünftigen Schrecken. Der junge arbeitslose Jurist Erik Dorf tritt als persönlicher Referent in die Dienste von Reinhard Heydrich, der die ersten Terrormaßnahmen gegen Juden einleitet. Nach der Pogromnacht spitzen sich die Ereignisse zu: Karl Weiss wird verhaftet und kommt in das KZ Buchenwald. Sein Vater, der Arzt Dr. Josef Weiss, wird nach Polen deportiert. Seine Tochter Anna wird nach dem Schock einer Vergewaltigung Opfer des Euthanasie-Programms. Die Eltern von Frau Weiss nehmen sich das Leben. Der junge Rudi Weiss kann in die Tschechoslowakei fliehen.

Sa., 7. Sep · 22:55-23:55 · 3sat
Orphaned Land – All is one

Seit 25 Jahren kämpft die israelische Band Orphaned Land („Verwaistes Land“) für die Völkerverständigung, ist Vermittler zwischen Judentum, Christentum und Islam. Das Porträt zeigt die Musiker im Umfeld ihrer Familie, Freunde, Fans und beleuchtet den Hintergrund ihres Engagements im Friedensprozess. Der Film zeigt einen schonungslos, ehrlichen Blick auf die Sinnlosigkeit des nicht enden wollenden Nahostkonflikts. Die fünfköpfige Metal-Gruppe Orphaned Land greift in ihren Lyrics die drei abrahamitischen Religionen auf und vereint sie. Spielt die Band eine Show in der Türkei, dem einzigen muslimischen Land, in dem sie auftreten darf, kommen Fans aus dem Iran, Libanon, Ägypten und Jordanien. Sich öffentlich zur Band zu bekennen, ist für Fans aus einigen Ländern aber nicht ungefährlich. Uri, der Bassist von Orphaned Land: „Ich bin im Grunde ein Araber. Meine Großmutter ist in Ägypten geboren. Ich darf Ägypten nicht betreten. Mein Vater ist im Irak geboren, aber dort darf ich nicht hin. Das ist verrückt.“ Die Konzerte von Orphaned Land geben für wenige Stunden ein zu Hause für „Verwaiste“, die miteinander feiern wollen. Egal, ob Jude, Christ, Moslem oder Atheist. Uri hat sich sein Verständnis für den Frieden tätowieren lassen, auf seinem Arm sieht man die Vereinigung der Symbole der drei Religionen.

So., 8. Sep · 21:55-23:25 · arte
Hollywoods Zweiter Weltkrieg

Um die Amerikaner vom Eintritt in den Zweiten Weltkrieg zu überzeugen, arbeiten einige von Hollywoods besten Regisseuren als Propagandisten für die US-Army: Frank Capra, Anatole Litvak, William Wyler, George Stevens und – im Nachkriegsdeutschland – Billy Wilder. Vier der Filmemacher sind europäischer Herkunft und kehren im Zuge ihres Kriegseinsatzes in die „Alte Welt“ zurück. Sie erkennen ihre zerstörte Heimat nicht wieder und werden durch ihren Armeedienst endgültig zu akzeptierten Amerikanern. So ist „Hollywoods Zweiter Weltkrieg“ auch eine Geschichte von europäischen und jüdischen Emigranten in den USA: ein Film über das Verlieren und Wiederfinden von Heimat, über Assimilation und über Moral und Propaganda im bis dato größten Medienkrieg der Geschichte. Die Propagandafilme der Regisseure sind allesamt erhalten: „Hollywoods Zweiter Weltkrieg“ lebt von diesen beeindruckenden und gleichzeitig erschreckenden Zeugnissen des Krieges, selten gesehen und teils in Farbe. William Wylers Tochter Catherine erzählt, wie die damals junge Familie mit dem fast dreijährigen Kriegseinsatz ihres Vaters umging. George Stevens Jr. berichtet sehr persönlich von den Spuren, die der Krieg bei seinem Vater hinterließ. Weitere Interviewpartner sind der renommierte Filmhistoriker Joseph McBride sowie der Regisseur Volker Schlöndorff, Bewunderer und Freund des legendären Regisseurs Billy Wilder.

So., 8. Sep · 22:00-23:35 · RBB
Holocaust (2/4): Die Geschichte der Familie Weiss 1941-1942

Die deutschen Truppen haben weite Teile Osteuropas besetzt und dort Lager errichtet, in denen vor allem die jüdische Bevölkerung kaserniert wird. Karl Weiss ist im KZ Buchenwald in die sogenannte „Künstlerabteilung“ verlegt worden, seine Überlebenschancen sind dadurch zunächst gestiegen. Dr. Josef Weiss trifft im Warschauer Ghetto auf seine Frau Berta. Die beiden organisieren gemeinsam mit Moses Weiss eine Widerstandsgruppe. Die deutschen Truppen haben weite Teile Osteuropas besetzt und dort Lager errichtet, in denen vor allem die jüdische Bevölkerung kaserniert wird. Karl Weiss ist im KZ Buchenwald in die sogenannte „Künstlerabteilung“ verlegt worden, seine Überlebenschancen sind dadurch zunächst gestiegen. Dr. Josef Weiss trifft im Warschauer Ghetto auf seine Frau Berta. Die beiden organisieren gemeinsam mit Moses Weiss eine Widerstandsgruppe. Rudi Weiss, dem sich auf der Flucht die junge Tschechin Helena angeschlossen hat, wird Zeuge der Massenerschießung von Babi Yar. Erik Dorf macht eine steile Karriere, weil er wirkungsvolle Methoden ausarbeitet, wie die in Europa lebenden Juden systematisch ermordet werden können. Als 1942 auf der Wannsee-Konferenz in Berlin die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen wird, wird er zu einem wichtigen Ratgeber für Heydrich und Himmler.

So., 8. Sep · 23:25-01:05 · arte
Hitlers Hollywood – Das deutsche Kino im Zeitalter der Propaganda 1933-1945

Das NS-Kino war ein staatlich gelenktes, rigider Zensur unterworfenes Kino. Zugleich wollte es „großes Kino“ sein; eine deutsche Traumfabrik, die Hollywood in jeder Hinsicht Paroli bieten wollte. So entstand ein staatliches Studiokino, das sein eigenes Starsystem etablierte und das sich nach modernsten Mitteln vermarktete. Auch im Ausland sollte der deutsche Film ideologisch wirken und kommerziell erfolgreich sein, wie mit Blockbustern à la „Münchhausen“. Das nationalsozialistische Kino dachte groß und war technisch perfekt gemacht. Die Filme weckten Sehnsüchte und boten Zuflucht; das Kino der NS-Zeit gab sich volkstümlich. Breite Massen fühlten und fühlen sich weiterhin von diesen Filmen angesprochen. Nur so ist die Wirkungskraft des NS-Kinos zu erklären. Wie funktionierten diese Filme im Sinne des Systems? Was verraten sie über das Publikum und seine Träume? Rüdiger Suchsland nimmt sich die Spielfilmproduktion der Jahre 1933-45 vor. Von den 1.000 hergestellten Filmen waren ca. 500 Komödien und Musikfilme, ca. 400 Melodramen, Abenteuer- und Detektivfilme. Zum unheimlichen Erbe der NS-Kinos gehören auch die Propagandafilme, die heute noch unter Vorbehalt stehen. „Hitlers Hollywood“ erzählt Geschichten von Tätern und Opfern, Rebellen und Überläufern. Der Film zeigt Stars wie Zarah Leander und Veit Harlan, wie auch diejenigen, die unfreiwillig zu Ikonen des NS-Kinos wurden wie Hans Albers, Gustaf Gründgens und Ilse Werner. Vorgestellt werden Filme, die voll auf Linie lagen, wie auch Regisseure, die untypische Filme inszenierten wie Helmut Käutner, Werner Hochbaum und Peter Pewas.

So., 8. Sep · 23:35-00:20 · RBB
Das geschenkte Leben

Celino Bleiweiss überlebte als Kind den Holocaust, weil der Mann, der später für ihn zum zweiten Vater wurde, ihm half. Richard Bleiweiss schenkte ihm die Identität der ermordeten Tochter Celina – und rettet ihm so das Leben. Nur ein kleines Häkchen in lebenswichtigen Papieren macht aus Celina Celino. Nach Jahrzehnten begibt sich Celino Bleiweiss auf eine Spurensuche. Der Regisseur Celino Bleiweiss lebt heute in München, geboren aber wurde er in Przemysl in Polen. Sein zweiter Vater Richard Bleiweiss besaß gefälschte amerikanische Pässe – für sich, seine Frau Hella und seine Tochter Celina. Doch bevor sie ausreisen konnten, wurden Frau und Tochter von deutschen Polizeitruppen umgebracht. Als es 1942 im Ghetto von Przemysl den Aufruf gibt, Juden mit ausländischer Staatsbürgerschaft sollen sich melden, sieht Richard Bleiweiss eine Chance zu überleben – und er entschließt sich, eine Frau und ein Kind mitzunehmen – der Versuch, zwei Menschen zu retten. Aus Sarah Katz wird Hella Bleiweiss; aus ihrem kleinen Cousin Mechl Feiler wird der Sohn Celino. Sie finden zu einer Überlebensgemeinschaft zusammen; für den kleinen Jungen werden sie Familie. Die drei werden in das Lager Bergen-Belsen verschleppt. Juden mit amerikanischen Pässen sollen hier als „Tauschware“ gegen Waffen und deutsche Kriegsgefangene bereitgehalten werden. „Wer aufhört sich zu waschen, fängt an zu sterben“, schärft die neue Mutter dem kleinen Celino ein. Für das jüdische Kind ist das Lager sein zu Hause. An sein anderes Leben darf er sich nicht erinnern. Die falsche Identität darf nicht entdeckt werden. Gemeinsam überleben sie das Lager, doch auch nach dem Krieg bleiben sie für Celino als Eltern zusammen. In Polen, so erfahren sie, hat niemand aus der Familie überlebt. Warum also soll man dahin zurückgehen? So entscheiden sie sich, im fremden Land zu bleiben und hier ihr Kind, als Deutschen groß zu ziehen. An Celinas Geburtstag feiern sie Jahr für Jahr Celino. Ihre neue Identität bleibt ein Familiengeheimnis. Celino Bleiweiss studiert Filmregie und macht sich zunächst in der DDR, später in der Bundesrepublik, einen Namen als Fernseh- und Theaterregisseur.

Mo., 9. Sep · 01:00-02:30 · HR
München 1970 – Als der Terror zu uns kam

Fast jeder erinnert sich an das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München. Dass München aber bereits zweieinhalb Jahre zuvor schon einmal wegen Terroranschlägen im Blickpunkt der Öffentlichkeit gestanden hat, weiß hingegen kaum noch jemand: Flugzeugentführungen, Paketbomben und ein Brandanschlag. Weder die versuchte Entführung einer EL-AL-Maschine am 10. Februar 1970 mit einem Toten und mehreren Schwerverletzten noch die Brandstiftung in einem jüdischen Altenheim drei Tage später mit sieben Toten, die meisten Holocaustüberlebende, noch der doppelte Bombenanschlag auf zwei Flugzeuge der Austrian Airline und der Swissair am 21. Februar 1970 sind im Gedächtnis, obwohl es sich um die größte antisemitische Anschlagsserie handelt, die es in Deutschland nach dem Ende des Nationalsozialismus gegeben hat. Im Mittelpunkt der sehr persönlich gehaltenen Filmdokumentation von Georg M. Hafner steht ein Opfer, das das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein: ein Passagier der Swissair-Maschine, der als Fernsehjournalist über den Nahost-Konflikt berichtete und auf dem Weg nach Tel Aviv war – Rudolf Crisolli, der Onkel des Autors. Wer ist für seinen Tod verantwortlich? Die Suche nach einer Antwort auf diese persönlichen Fragen führt mitten hinein in das politische Klima der siebziger Jahre, das Erbe der 68er Bewegung, die Radikalisierung der linken Bewegung und die Anfänge des modernen Terrorismus. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass die blutigen zwölf Tage im Februar 1970 eine Warnung hätten sein müssen. Stattdessen aber wurden alle Vorboten verdrängt, um die heiteren Spiele, mit denen Deutschland die Erinnerung an die Nazi-Olympiade 1936 tilgen wollte, atmosphärisch nicht zu belasten. „München 1970“, das ist auch der bislang nicht wahrgenommene Prolog der Anschläge auf die Olympischen Spiele 1972. Das Panorama der zwölf Tage im Februar 1970 setzt sich aus privaten Foto- und Filmarchiven zusammen, aus wiedergefundenen privaten Schätzen des Autors, aus der Schilderung von Hinterbliebenen und Aussagen früherer Bombenleger der linken Szene. Der Film geht aber auch der Frage nach, warum Deutschland die Täter bereitwillig ohne Strafe abschob. Erstmals geben damalige hochrangige Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Mossad Auskunft über die Zusammenarbeit zwischen deutschen Linken und palästinensischen Terrorkommandos, aber auch über die europäische Politik der Beschwichtigung und über die Weigerung, die israelischen Warnungen ernst zu nehmen. Am Ende bleibt die bange Frage: Wäre der Anschlag auf die Olympiade in München 1972 zu verhindern gewesen oder sogar der 11. September, wie einige behaupten?

Mo., 9. Sep · 01:15-03:28 · Das Erste (ARD)
Sonny Boy – Eine Liebe in dunkler Zeit

Gegen Ende der 1920er-Jahre verlässt der junge Waldemar Nods (Sergio Hasselbaink) seine Heimat Surinam, um im fernen Holland sein Glück zu suchen. Leider findet der fleißige Student keine Unterkunft, denn er hat die falsche Hautfarbe. Doch dann trifft er in Den Haag die aufgeschlossene Rika van der Lans (Ricky Koole), die ihm ein Zimmer vermietet. Die Mutter von vier Kindern hat gerade ihren streng religiösen Mann Willem (Marcel Hensema) verlassen, nachdem dieser sie mit dem Dienstmädchen betrog. Obwohl Rika 17 Jahre älter ist, werden die beiden ein Paar, was ihre schwierige Situation nicht gerade einfacher macht. Rikas Gatte ist zutiefst entsetzt, dass seine Noch-Ehefrau von einem Schwarzen schwanger ist. Er entzieht ihr das Sorgerecht für die Kinder, doch damit nicht genug. Der um seinen Ruf besorgte Vermieter setzt die beiden samt Baby auf die Straße. Mit liebenswürdiger Unterstützung des jüdischen Barbesitzers Sam (Frits Lambrechts) eröffnen Rika und Waldemar im liberalen Vorort Scheveningen eine Pension. Ihr Glück währt nicht lange, denn mit dem Einmarsch der Deutschen beginnt auch in Holland der antisemitische Terror. Dass Rika auf ihrem Dachboden jüdische Flüchtlinge versteckt, bleibt den Nazis nicht lange verborgen. Die mutige Widerstandskämpferin und ihr Mann Waldemar, den sie nach der Scheidung von Willem heiratet, werden in ein Konzentrationslager deportiert.

Mo., 9. Sep · 22:00-22:45 · NDR
45 Min – Die letzten NS-Täter: Ohne Strafe, ohne Reue?

Karl M. ist 96 Jahre alt. Er wurde 1949 in Frankreich in Abwesenheit als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt. Doch da lebte er längst wieder in seiner Heimatgemeinde Nordstemmen in Niedersachsen. Bis heute unbehelligt. Aus seiner Gesinnung macht er keinen Hehl. In einem Interview mit dem NDR Ende letzten Jahres antwortete er auf die Frage, „ob er sich so einen wie Hitler heute wieder wünsche“ mit den Worten: „Warum nicht? Der hat doch durchgegriffen!“ Auch die Ermordung von Millionen Juden bezweifelt er: „So viel Juden hat es damals gar nicht gegeben bei uns. Das hat man schon widerlegt, habe ich letztens irgendwo gelesen.“ Spätestens seit diesem Interview diskutieren die etwa 5.000 Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Nordstemmen, wie man sich gegenüber dem Mitbürger Karl M. verhalten soll. Eine Debatte, die auch viele andere bewegt: Was ist der angemessene Umgang mit all jenen NS-Tätern, die noch leben? Soll gegen sie noch ermittelt werden, oder sollte nicht irgendwann Schluss sein? Diese Dokumentation geht diesen Fragen nach und befragt dazu Historiker, Staatsanwälte und Verantwortliche der Gedenkstätten, die an die vielen Opfer des Naziterrors erinnern. Und sie beobachtet eine Schulklasse aus Nordstemmen bei ihrem Besuch in Auschwitz. Die Autoren besuchen auch Ascq, eine Gemeinde in Nordfrankreich mit 3.300 Einwohnerinnen und Einwohnern. Hier geschah das Kriegsverbrechen, an dem Karl M. 1944 beteiligt war. Alle fünf Jahre erinnern sie hier mit Fackelzügen und Gedenkveranstaltungen an jene 89 unschuldigen Zivilisten, die damals von SS-Leuten ermordet wurden. Als Racheaktion für einen Anschlag auf einen mit 400 SS-Angehörigen besetzten Zug, bei dem allerdings niemand verletzt wurde und an dem keiner der erschossenen Menschen beteiligt war. Dieses Kriegsverbrechen hat die Gemeinde nie vergessen. Sie ist fassungslos, dass einer der Täter, nämlich Karl M., trotz des in Frankreich verhängten Todesurteils nie behelligt wurde. Die Gemeinde Nordstemmen hat sich mittlerweile per Ratsbeschluss von den Aussagen ihres Mitbürgers distanziert und den Nachkommen der Opfer ihr Mitgefühl übermittelt. In den Jahren davor war M. ein geachteter und gern gesehener Gast bei mehreren Veranstaltungen. Der Heimatverein hatte ihn auch für seine Verdienste „in der Geschichtswerkstatt und in der plattdeutschen Runde“ geehrt. Karl M. ist seit Langem, wie auch andere noch lebende NS-Täter, immer mal wieder dabei, wenn sich Rechtsradikale zu Heimatabenden treffen. Stolz erzählt er im NDR-Interview, wie er dort auch um Autogramme gebeten wird.

Mo., 9. Sep · 22:25-23:55 · 3sat
Aidas Geheimnisse

Izak Szewelewicz kommt 1945 im Lager Bergen-Belsen zur Welt. Er wird als „Nachkriegswaise“ zur Adoption nach Israel geschickt. Erst mit zehn Jahren erfährt er, dass er adoptiert wurde. Was wäre, wenn alles, was dir über deine Vergangenheit erzählt wurde, gelogen wäre? Was, wenn deine engsten Angehörigen die Wahrheit kennen und sie dein Leben lang vor dir verborgen haben? Davon erzählt der Dokumentarfilm „Aidas Geheimnisse“ von Alon Schwarz. Von einem Schulfreund erfährt Izak Szewelewicz, was alle in seinem Umfeld zu wissen scheinen: Seine Adoptiveltern sind nicht seine leiblichen Eltern, er wurde als Kleinkind von ihnen adoptiert. Izak forscht weiter und findet heraus, dass seine leibliche Mutter Aida in Kanada lebt. Als er 13 ist, fährt er zu ihr. Zwischen den beiden entwickelt sich ein enges Verhältnis, aber Aida möchte nicht über die Vergangenheit sprechen. Jahrzehntelang belässt es Izak es dabei. Viel später, mit 68 Jahren, setzt sich Izak noch einmal intensiv mit seiner Herkunft auseinander und deckt mithilfe seiner Familie weitere Familiengeheimnisse auf, die sein Leben verändern sollten. „Aidas Geheimnisse“ handelt von Familiengeheimnissen, die sieben Jahrzehnte umfassen und die in detektivischer Spurensuche nach und nach aufgedeckt werden. Eine tief berührende Geschichte über die Suche nach der eigenen Identität.

Di., 10. Sep · 13:20-13:35 · 3sat
Tiber, Stolperstein und Kosher Burger

Das ehemalige Getto Roms ist heute eines der beliebtesten Viertel der Stadt. Nicht nur Touristen flanieren hier durch die Gassen: Die Römer wissen, wo es das beste Essen gibt. So gibt es die berühmten Artischocken „alla giudia“ oder koschere Hamburger. Nur wenige wissen, dass die römischen Juden, die „wahren“ Römer der Stadt sind. Denn mit ihrer mehr als 2000 Jahre alten Geschichte ist Rom die älteste Diasporagemeinde der Welt. Für Jahrhunderte war der Lebensraum der jüdischen Bevölkerung jedoch auf die Gassen und Straßen nahe der Tiberinsel beschränkt. Ein päpstliches Edikt hatte die Juden im Kirchenstaat hinter hohe Mauern verbannt. Mit harter Hand ließ Papst Paul IV. 1555 das Getto errichten und sprach dessen Bewohnern viele Rechte ab. Erst die Einigung Italiens im 19. Jahrhundert brachte die entscheidende Wende: Das Getto wurde geöffnet, und die jüdische Bevölkerung konnte erstmals ihren Wohnsitz und ihren Beruf frei wählen. Die wiedergewonnene Freiheit dauerte jedoch nur einige Jahrzehnte. Schon bald bedrohte der Faschismus das jüdische Leben. Die 1938 vom Mussolini-Regime erlassenen Rassengesetze verbannten Juden und Jüdinnen aus dem öffentlichen Leben. Und sie verloren ihre Arbeitsplätze. Unter der Besetzung durch die Hitler-Truppen wurden allein am 16. Oktober 1943 mehr als 1000 Juden nach Auschwitz deportiert. Heute erinnern sogenannte Stolpersteine, eingelassen in die Gehsteige des Viertels, an die Opfer des NS-Regimes. Inzwischen zählt die jüdische Gemeinde wieder etwa 20 000 Mitglieder. Viele von ihnen sind aus dem Norden Afrikas eingewandert und haben ihre eigenen kulturellen Traditionen mitgebracht. Roms ehemaliges Getto ist heute jung, bunt und selbstbewusst. Kunst und Musik inklusive. Und die wichtigste Synagoge des Okzidents befindet sich noch immer in Ostia Antica.

Di., 10. Sep · 22:45-00:25 · Das Erste (ARD)
Verleugnung

Vier Jahre, von 1996 bis 2000, dauerte der Verleumdungsprozess, den der britische Historiker und Holocaustleugner David Irving gegen die amerikanische Professorin Deborah E. Lipstadt angezettelt hatte. Heraus kam ein denkwürdiger Sieg für Meinungsfreiheit und Gerechtigkeit kontra Geschichtsfälschung und Fanatismus. Regisseur Mick Jackson und der preisgekrönte Drehbuchautor und Dramatiker David Hare machten aus dem brisanten Fall hochkarätiges, engagiertes Schauspielkino, bei dem die Hauptdarsteller Rachel Weisz, Timothy Spall und Tom Wilkinson mit herausragenden Leistungen glänzen. Deborah Lipstadt (Rachel Weisz), Professorin für Jüdische Zeitgeschichte an der Emory University in Atlanta, sieht sich mit einem brisanten Gerichtsverfahren konfrontiert: In einer ihrer Publikationen bezichtigte sie den britischen Historiker David Irving (Timothy Spall) der Lüge, weil sich dieser vehement weigert, den im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten verübten Holocaust als geschichtliche Tatsache anzuerkennen. Irving kontert diese Provokation auf seine Weise: Er verklagt Lipstadt wegen Rufschädigung und schwört einen Verleumdungsprozess herauf, bei dem die Angeklagte nach britischem Strafrecht dazu verpflichtet ist, ihre Sicht der Dinge unter Beweis zu stellen. Für die amerikanische Professorin bedeutet dies im Klartext, dass sie die historische Nachweisbarkeit der Judenvernichtung faktisch belegen muss. Unter dem Druck der Beweislast engagiert Lipstadt ein erfahrenes Verteidigerteam angeführt von dem undurchschaubaren, aber mit allen Wassern gewaschenen Anwalt Richard Rampton (Tom Wilkinson), dessen eigenwillige Herangehensweise an den diffizilen Fall bei seiner Auftraggeberin nicht immer auf Gegenliebe stößt. Rampton und seine Kollegen versuchen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, Irvings Hauptargumente außer Kraft zu setzen, während das unliebsame Justizspektakel eine kontrovers diskutierte Eigendynamik entwickelt.

Di., 10. Sep · 23:15-23:45 · ZDFneo
Shapira Shapira

Lieber ehrlich als „richtig“ – gilt für alle Freunde des unangenehmen Witzes. Stand-up und Sketch-Comedy mit Shahak Shapira. In seiner Comedy-Show präsentiert Shahak Shapira satirisch, kritisch und meinungsstark seine Sicht der Dinge, auf die Welt und die aktuellen Geschehnisse im Internet und in den sozialen Medien. Dabei unterstützen ihn in den ersten acht Folgen seiner Show unter anderen die Gast-Comedians Serdar Somuncu, Hazel Brugger, Phil Laude und Felix Lobrecht.

Mi., 11. Sep · 19:00-19:30 · BR
STATIONEN: Verschwörungstheorien – Wer glaubt denn sowas?

9/11, um den Anschlag auf das World Trade Center in New York kursieren wohl die meisten und die populärsten Verschwörungstheorien: Wer sind die „wahren“ Drahtzieher? Im Internet verbreiten sich heutzutage konspirative Behauptungen millionenfach und rasend schnell. Aber schon seit dem Mittelalter werden Krisen wie zum Beispiel die Pestepidemie auf eine Verschwörung der Juden zurückgeführt, die mit dem Teufel gegen die Christen paktiert hätten und durch das Vergiften von Brunnen die tödliche Krankheit hervorgerufen hätten. Auch dafür, dass die Mondlandung niemals stattgefunden hätte, finden sich zahlreiche „Beweise“ im Netz. 9/11, um den Anschlag auf das World Trade Center in New York kursieren wohl die meisten und die populärsten Verschwörungstheorien: Wer sind die „wahren“ Drahtzieher? Im Internet verbreiten sich heutzutage konspirative Behauptungen millionenfach und rasend schnell. Aber schon seit dem Mittelalter werden Krisen wie zum Beispiel die Pestepidemie auf eine Verschwörung der Juden zurückgeführt, die mit dem Teufel gegen die Christen paktiert hätten und durch das Vergiften von Brunnen die tödliche Krankheit hervorgerufen hätten. Auch dafür, dass die Mondlandung niemals stattgefunden hätte, finden sich zahlreiche „Beweise“ im Netz. Wer glaubt solche Theorien? Warum funktionieren sie und vor allem, welche Gefahren bergen sie heute? Moderator Benedikt Schregle macht sich auf die Suche nach Verschwörungstheorien und trifft Menschen, die selbst Opfer wurden und vor Rufmord, Hass und falschen Beweisen in sozialen Medien warnen.

Mi., 11. Sep · 22:00-23:30 · RBB
Holocaust: Die Geschichte der Familie Weiss 1942 – 1944 (3/4)

Karl Weiss wird von Buchenwald nach Theresienstadt verlegt, das als Modellkonzentrationslager ausländischen Besuchern vorgeführt wird. Die Zeichnungen, die er und andere Künstler von der brutalen Wahrheit des Lagers anfertigen, werden von der SS entdeckt, unter der Folter werden Karl die Hände gebrochen. Rudi und Helena haben sich in der Ukraine einer jüdischen Partisanengruppe angeschlossen. Im Warschauer Ghetto bereiten sich Josef und Moses Weiss auf den bewaffneten Aufstand vor; täglich werden 6.000 Menschen in Viehwaggons aus dem Ghetto in die Todeslager Treblinka und Auschwitz gebracht. Nachdem Heydrich bei einem Attentat ums Leben gekommen ist, fällt Erik Dorf bei dessen Nachfolger Kaltenbrunner in Ungnade; zuvor hatte er als Massenvernichtungsmittel Zyklon B in die Gaskammern von Auschwitz eingeführt. 1979 bewirkte die vierteilige amerikanische Serie „Holocaust“ einen Gefühls-Zusammenstoß des westdeutschen Fernsehpublikums mit seiner eigenen Vergangenheit. Die Zuschauer reagierten vehement und voller Erschütterung auf das Schicksal der Familie Weiss und straften alle jene Vorab-Kritiker Lügen, die die Serie als abgefeimten Hollywood-Kitsch ablehnten und die die Zuschauer partout vor dieser Massenware bewahren wollten. „Holocaust“ – so die These der Publizistin und Filmregisseurin Jutta Brückner – wurde zum Ereignis, weil es die Tabuzone um die Konzentrationslager gebrochen hat. „Die Serie bediente sich der bekannten Muster der Identifikationsdramaturgie in einer vertrauten filmischen Formsprache – und sie zeigte den Gang in die Gaskammer. Damit erreichte „Holocaust“, dass die Juden endlich zu Menschen wurden, über deren Schicksal die deutschen Zuschauer mit großer historischer Verspätung weinten.“ Die Serie war wie ein riesiger Dammbruch, der eine Flut von Büchern, Filmen, Erinnerungen und Selbstzeugnissen auslöste.

Do., 12. Sep · 03:30-04:00 · ZDFinfo
Chemnitz – Eine Stadt zwischen Trauer und Hass

Die tödliche Messerattacke auf Daniel Hillig hat Chemnitz verändert. Aus Trauer wurde Hass. ZDFinfo auf Spurensuche in einer Stadt, die noch immer ihren Frieden sucht. Nach dem Verbrechen an Daniel Hillig eskalierte in Chemnitz die Gewalt. Rechtsradikale griffen Migranten, linke Demonstranten und ein jüdisches Restaurant an. Die Bilder gingen um die Welt, führten die Bundesregierung in eine Krise. Eine Frage hallt bis heute nach. Gab es in Chemnitz Hetzjagden? Der Film fragt: Wie kam es zur Eskalation, welche Verantwortung tragen Polizei und Politik, wie hat Chemnitz das Land verändert? Die Autoren haben mit Angehörigen des Toten, mit dem inzwischen verurteilten Täter, mit politisch Verantwortlichen, mit Demonstrationsteilnehmern und mit Chemnitzer Bürgerinnen und Bürgern gesprochen und rekonstruieren die Tage von Chemnitz, die Stadt und Land verändert haben.

Do., 12. Sep · 07:50-08:05 · WDR
Planet Schule: Oft bin ich bang – Kindheit unter Hitler: Wie Hannelore überlebt hat

Hannelore wohnte in Köln. Ihre Mutter ist katholisch, ihr Vater Jude. Als sogenannter Mischling wird sie auch auf der Straße verhöhnt und beschimpft. Ihre Eltern beschließen, sie taufen zu lassen, damit sie es leichter haben würde. Hannelore geht gern zu Schwester Cypriana im Vinzenthinehrkloster. Die Nonne erzählt ihr alles über den katholischen Glauben. Schwester Cypriana rettet sie vor der Verschleppung in ein Konzentrationslager, das den sicheren Tod bedeutet hätte. Hannelore und ihre Eltern können sich verstecken. Im Gegensatz zu fast allen Verwandten haben sie überlebt. Kindheit im Dritten Reich war nicht unbeschwert. Krieg, Verfolgung, Vertreibung – die Schicksale der Eltern hatten – natürlich – Konsequenzen für ihre Kinder. Wie sie diese Zeit erlebt haben, schildern wir in vier Filmen. In Spielszenen, Interviews mit Zeitzeugen und Dokumentaraufnahmen werden die Erlebnisse der Protagonisten erzählt. Sie ermöglichen eine subjektive und emotionale Herangehensweise an das Thema Nationalsozialismus. Hannelore wohnte damals in Köln. Ihre Mutter ist katholisch, ihr Vater Jude. Als sogenannter Mischling wird sie auch auf der Straße – sogar von den Nachbarn – verhöhnt und beschimpft. Ihre Eltern beschließen, sie taufen zu lassen. Sie hoffen, dass es Hannelore dann leichter haben würde. Hannelore geht gern zu Schwester Cypriana im Vinzenthinehrkloster. Die Nonne erzählt ihr alles über Jesus und den katholischen Glauben. Sie unterrichtet sie auch, denn Juden ist es verboten, zur Schule zu gehen. Schwester Cypriana rettet sie vor der Verschleppung in ein Konzentrationslager, das den sicheren Tod bedeutet hätte. Hannelore und ihre Eltern können sich verstecken. Im Gegensatz zu fast allen Verwandten haben sie überlebt.

Fr., 13. Sep · 23:30-01:00 · Das Erste (ARD)
Der Tel-Aviv-Krimi: Masada

Die antike Bergfestung Masada gilt als Symbol für den Freiheitswillen des jüdischen Volkes: 73 n. Chr. gingen dort Aufständische lieber in den Freitod als in die Gefangenschaft der römischen Besatzer. Dieser für das heutige Israel wichtige Mythos steht im Zentrum des dritten Tel-Aviv-Krimis „Masada“. Burgschauspielerin Katharina Lorenz als Kommissarin Sara Stein und der vielfach preisgekrönte Samuel Finzi in der Rolle ihres Kollegen Blok müssen einen rätselhaften Todesfall klären, bei dem alle Beteiligten bedacht sind, eine nationale Legende zu schonen. Kommissarin Sara Stein (Katharina Lorenz) und ihr Kollege Jakoov Blok (Samuel Finzi) werden zur antiken Festung von Masada gerufen. Es gab eine Explosion, bei der der Archäologe Aaron Salzman (Guy Zu-Aretz) ums Leben kam. Aaron war nicht irgendwer, sondern der Sohn von Avram Salzman (Michael Degen), dem „König“ der Archäologie, Entdecker von Masada und Überlebender der Shoa. Avram war bei der Explosion ebenfalls vor Ort, hat aber sein Gedächtnis verloren. Zwischen Sara und Avram stellt sich vom ersten Moment an eine eigenartige Vertrautheit ein. Sara, nicht sicher, ob sie an Avrams Amnesie glauben kann, sucht die Nähe dieses beeindruckenden Mannes, der so viel in seinem Leben durchlitten hat. Unterdessen gehen die Ermittlungen weiter und führen zu Philippe (Iftach Ophir), Aarons jungem Assistenten. Sara und Blok erfahren, dass Aaron gemeinsam mit Philippe einen lukrativen Schmuggel mit antiken Fundstücken unterhielt. Der angesehene Wissenschaftler verkehrte in Kreisen, in denen Verbrechen an der Tagesordnung sind. Ist hier der Mörder zu suchen? Eine einfache Lösung, die Sara nicht zu überzeugen vermag. Sie spürt, dass die Wahrheit in Aarons Familie zu suchen ist, bei Aarons zuverlässigem, aber ungeliebtem Bruder Elia (Yigael Sachs) und bei Avram. Hartnäckig und unbestechlich, wie sie ist, kommt Sara einer tragischen Familiengeschichte auf die Spur, der der Salzmanns, aber auch ihrer eigenen. Mit „Alte Freunde“ setzt Das Erste am 30. November die Reihe „Der Tel-Aviv-Krimi“ fort.

So., 15. Sep · 22:20-00:10 · RBB
Holocaust (4/4): Die Geschichte der Familie Weiss 1944-1945

Die Aufständischen im Warschauer Ghetto halten ihren verzweifelten Kampf 20 Tage lang durch. Karl Weiss kommt nach Auschwitz und stirbt dort an den Folgen der Folter. Josef und Berta Weiss werden in den Gaskammern umgebracht. Helena stirbt bei einer Aktion der Partisanengruppe, Rudi wird in das Lager Sobibor gebracht und kann nach einem Aufstand fliehen. Die Aufständischen im Warschauer Ghetto halten ihren verzweifelten Kampf 20 Tage lang durch. Danach kann die SS bei ihren Spitzen in Berlin auftrumpfen, dass Warschau „judenfrei“ sei. Karl Weiss kommt nach Auschwitz und stirbt dort an den Folgen der Folter. Josef und Berta Weiss werden in den Gaskammern umgebracht. Helena stirbt bei einer Aktion der Partisanengruppe, Rudi wird in das Lager Sobibor gebracht und kann nach einem Aufstand fliehen. Er ist – außer der Nichtjüdin Inga Helms-Weiss – der einzige Überlebende der Familie. Erik Dorf begeht nach seiner Festnahme durch die Amerikaner Selbstmord.

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