Der Baum des Lebens

Im August 2017 erschien im Selbstverlag ein Roman von Sandra Losch, in welchem die 1978 in Nürnberg geborene Autorin – von Beruf Dolmetscherin und Vorstandsmitglied der Liberalen Jüdischen Gemeinde „Mishkan Ha-Tfilah in Bamberg – in sehr anschaulicher Weise die Arisierung und Enteignung jüdischen Besitzes im Dritten Reich in Ihrer Gegend aufgreift…

Von Israel Schwierz

Der Roman erzählt eine spannende Familiengeschichte: Die Hauptfigur, die junge US-Amerikanerin Deborah, Nachkomme deutscher Juden aus Nürnberg, begibt sich in die Stadt ihrer Vorfahren, um hier an der Enthüllung der Stolpersteine für Ihre Großeltern teilzunehmen, aber auch um mit Hilfe eines Anwalts den ihr rechtlich zustehenden Besitz ihrer Vorfahren wiedererlangen zu können. Bei ihrem Aufenthalt trifft sie auf einen jungen Politiker, in den sie sich verliebt – nicht ahnend, dass sein Großvater hauptverantwortlich für das Schicksal ihrer Familie und auch für ihre Enteignung ist. Auch der Enkel des NS-Großvaters, der sich überhaupt nicht geändert hat, in dessen Besitz sich fast das gesamte Vermögen von Deboras Großeltern befindet, verliebt sich in den jüdischen Besuch aus den USA, nicht ahnend, dass er ihn dadurch in größte Gefahr bringt. Als Deborahs Großmutter in den USA den Nazi-Verbrecher aus dem Dritten Reich auf einem Foto erkennt, dass ihr Deborah geschickt hat, weiß sie ihre Enkeltochter in größter Gefahr, in der diese sich auch befindet. Denn in der Zwischenzeit hat der Großvater ihrer großen Liebe, die allerdings nichts von den Untaten seinen Ahnen wissen konnte, Deborah in größte Gefahr gebracht – nur das beherzte Eingreifen ihres Freundes konnte sie vor der Ermordung retten. Als der Großvater alle Felle davonschwimmen sieht richtet er sich selber.

Sandra Losch ist es in der Tat gelungen, einen Roman zu konzipieren, der sich mindestens so spannend liest wie ein Kriminalroman. Lobenswert ist, dass er nicht zu Hass aufruft, sondern zur weiterführenden Beschäftigung mit dem traurigen Kapitel der deutschen Geschichte: Deportationen und zwangsläufige Auswanderung jüdischer Bürger im Dritten Reich, ein Thema, das bis heute in der Öffentlichkeit weniger Beachtung findet. Dafür gebührt ihr Dank und Anerkennung aller, denen die ehrliche Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte – ohne Hass und ohne sofortige Schuldzuweisung – ein Herzensanliegen ist.

Sandra Losch, „Baum des Lebens“, Roman, epubli, 212 S., Euro 8,99, Bestellen?

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