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Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 30. Juni 2019…

Fr, 21. Jun · 20:15-21:00 · ARD-alpha
Schatten der Erinnerung – Die Flüchtlinge der St. Louis

Am 13. Mai 1939 lichtet der deutsche Luxusliner St. Louis in Hamburg die Anker. Sein Ziel: Havanna. Seine Passagiere: 937 deutsche Juden mit legaler Ausreisegenehmigung und einer kubanischen Landeerlaubnis, glücklich der Verfolgung und Vernichtung entronnen – in letzter Minute. Einer von ihnen hieß Erich Dublon. Er hat die Odyssee der St. Louis akribisch dokumentiert – vom ersten bis zum letzten Tag, in einem Reisetagebuch für die in Erfurt zurückgebliebenen Eltern. Am 13. Mai 1939 lichtet der deutsche Luxusliner St. Louis in Hamburg die Anker. Sein Ziel: Havanna. Seine Passagiere: 937 deutsche Juden mit legaler Ausreisegenehmigung und einer kubanischen Landeerlaubnis, glücklich der Verfolgung und Vernichtung entronnen – in letzter Minute. Einer von ihnen hieß Erich Dublon. Er hat die Odyssee der St. Louis akribisch dokumentiert – vom ersten bis zum letzten Tag, in einem Reisetagebuch für die in Erfurt zurückgebliebenen Eltern. Aus der Familie Dublon hat niemand den Holocaust überlebt. Sein Tagebuch wird dem Zuschauer zur „Flaschenpost“ aus der Vergangenheit und trägt ihn, über die Zeiten hinweg, in die Gedanken- und Wahrnehmungswelt des Tagebuchschreibers von 1939. Schauspieler und Synchronsprecher Christian Brückner zitiert daraus in dieser ungewöhnlichen Dokumentation.

Sa, 22. Jun · 06:05-06:20 · 3sat
Tel Aviv – Lebensfreude trotz allem

Tel Aviv, Israels Aushängeschild für Lebensfreude und Leichtigkeit, präsentiert sich als westliche Metropole im Nahen Osten, als Berlin am Mittelmeer mit orientalischer Prägung. Aufregend, chaotisch und voller Widersprüche ist Tel Aviv. Die prachtvolle Strandpromenade und die vielen stylishen Bars ziehen Einheimische und Touristen aus aller Welt an. Die Tel Avivis lieben ihre Stadt, auch wenn sie laut und dreckig ist und stinkt und oft ein rauer Ton herrscht. Auch der Schwabe Norbert Hoepfer hat sich für das Leben hier entschieden. Der Putzmeister restauriert Häuser im berühmten Bauhausviertel, der „Weißen Stadt“. Überall in Tel Aviv wird gebaut, 70 Jahre nach der Staatsgründung Israels 1948. Der Schwabe berichtet auch, was er macht, wenn in Tel Aviv wieder einmal die Sirenen heulen. Denn obwohl niemand die Realität in Israel so gut verdrängen kann wie die Tel Avivis, liegt die Stadt doch mitten im Konfliktgebiet. Und wenn die Hamas Raketen aus Gaza schießt und jeder nur 15 Sekunden hat, um in einem Bunker Schutz zu suchen, dann ist sie plötzlich auch hier spürbar, die Angst vor Terror und Krieg. In Jerusalem beten die Leute, in Haifa arbeiten sie, und in Tel Aviv wird gelebt, heißt es in Israel. Und zum guten Leben gehört Matkot, Israels heimlicher Nationalsport. Eine Art Strandtennis, laut und nervig, aber irgendwie macht es auch süchtig, sagt Amnon Nissim. Der 72-Jährige ist Matkot-König und hat sogar ein Museum, durch das er Besucher gern führt, wenn er nicht gerade am Strand ist, wo er – klar – Matkot spielt. Musik an, Kippa auf, und ab geht es mit dem Party-Bus quer durch die Stadt: Orthodoxe Hippies sind so jedes Wochenende in Tel Aviv unterwegs. Ihre Mission: Glaube durch Lebensfreude. Kaum ruhiger geht es im arabischen Stadtteil Jaffa im Laden von Rami Gilucha zu; hier ist nie ein Stuhl frei. Der Barbier ist gläubiger Jude, seine Familie stammt aus Usbekistan. In sein Geschäft dürfen nur Männer, fremde Frauen darf Rami nicht anfassen. Und doch könnte die Mischung seiner Kunden bunter nicht sein: Juden, Araber und Christen, alle schwören auf Ramis Handwerk, und alle wollen in seinem Laden die neuesten Jaffa-Gossips hören. So feiern sie das Leben in Tel Aviv, obwohl – oder gerade weil – sie von Chaos umringt sind.

Sa, 22. Jun · 11:30-12:15 · PHOENIX
Welcher Glaube für mein Kind

Bisher hat sich Marc Burth nie viele Gedanken über Religion gemacht. Doch seitdem er Vater zweier Kinder ist, plagen ihn Fragen wie: Was sind meine Kinder eigentlich? Moslems, Protestanten, Katholiken, Juden? Oder vielleicht Heiden? Marc Burth ist Vater geworden und hat ein Problem: zwei Kinder und keine passende Religion für sie. Sein Vater ist Protestant, seine Mutter Jüdin und seine Schwester ist Schamanin. Der Vater seiner Frau ist Moslem und ihre Mutter Katholikin. Ein schwieriges Unterfangen für den verwirrten Filmemacher, in diesem Cross-over der Religionen die richtige Wahl für seine Kinder zu treffen. Auf der Suche nach Antworten besucht Marc Burth Menschen, die ein Verhältnis zu Gott haben und auch solche, die bewusst keines haben. Er spricht mit Atheisten, Schamanen, Jesuiten, Baptisten, Juden, Moslems, Heiden und vielen mehr. Er will wissen, ob es Gott gibt oder eben nicht und warum Religion für Kinder wichtig sein soll. Die Dokumentation ist eine verspielte, verrückte, leicht neurotische Annäherung an eine Frage, an der sich viele die Zähne ausbeißen und die sich die Menschheit immer stellen wird: Existiert Gott? Und wenn ja, wie viele?

So, 23. Jun · 23:45-01:15 · MDR
Unter Männern – Schwul in der DDR

„Ich denke, wenn ich mich geoutet hätte, wäre das besser gewesen. Da war ich zu feige.“ Das späte Outing eines pensionierten Lehrers aus Leipzig, der sich erst im Zuge der Dreharbeiten zu „Unter Männern“ öffentlich zu seinem Schwul-Sein bekennt. Homosexualität wurde in der DDR nicht verfolgt. Trotzdem, geoutet hat sich keiner, denn anders sein – egal auf welche Art und Weise – ist in keinem totalitären System besonders gefragt. In der DDR konnte man damit leicht zum Staatsfeind avancieren und ins Visier der Stasi geraten. Aber auch das ganz gewöhnliche Alltags-Dasein im Arbeiter- und Bauernstaat war für Schwule nicht ohne Tücken: die Verschwörung des Schweigens, die Ächtung, das Unverständnis und Intoleranz vieler Mitmenschen. Der Druck zu Gesellschaftskonformität und sexueller Diskretion, das alles lastete schwer. Wie also lebte man als Schwuler in der DDR? Wie wurde Homosexualität im „real existierenden Sozialismus“ gelebt, in einem Staat, dessen Ideologen in der Homosexualität einen Rest bürgerlich-dekadenter Moral witterten und Gefahren für die sozialistische Gesellschaft sahen. Regisseur Ringo Rösner lässt sechs Männer zu Wort kommen, die in aller Offenheit über ihre sozialen und intimen Erfahrungen sprechen. Wir lernen Menschen kennen, die unterschiedlicher, auch widersprüchlicher, nicht sein könnten. Christian Schulz ist fast achtzig. Der pensionierte Lehrer hat sich nie offen als schwul geoutet und wollte eigentlich gar nicht bei dem Film mitmachen. Er tat es trotzdem, denn „vielleicht hilft es manchen anderen, aus meinem Leben Lehren zu ziehen“. Jahrelang hat er gegen seine Homosexualität angekämpft, mit psychiatrischer Hilfe wollte er „gesellschaftskonformer“ werden. Lange hat er seine sexuelle Neigung nicht ausgelebt, sondern sich stattdessen in den Sport gestürzt. Der Turner ist der Zweifler unter den Porträtierten, der nun mit seinem (nicht) gelebten Leben hadert. Es sind offene Gesprächssituationen, in denen auch die anderen Männer vor der Kamera viel von sich preis geben: Eduard Stapels, Theologe und als treibende Kraft der ostdeutschen Schwulenbewegung immer im Schussfeld der Stasi; der Grafiker Jürgen Wittdorf, der davon erzählt, wie es ist „wenn man Liebe sucht und mit dem Tod bedroht wird“; der Glaskünstler John Zinner, der sich traute, sich in der tiefsten Thüringischen Provinz zu outen und „damit eine Lawine lostrat“; Helwin, aus Chile eingewandert, für den die DDR ein wahres „Schwulenparadies“ war. Und der Szene-Friseur Frank Schäfer, als Paradiesvogel mit bunten Klamotten und Punkfrisur häufig im Konflikt mit der Staatsmacht, aber „viel verhaftet war auch viel cool“. Er ist der einzige, der sich in den Westen absetzte, der Liebe wegen. Jeder der sechs Protagonisten hat seine persönlichen, negativen wie positiven Erfahrungen gemacht und ist seinen ganz eigenen Lebensweg gegangen, in „Unter Männern – Schwul in der DDR“ entsteht daraus ein differenzierter Einblick in das (schwule) Leben in der DDR und gleichzeitig eine universelle Reflexion über Lebenslauf und Selbstbestimmung. Ein einzigartiger Dokumentarfilm über ein besonderes Kapitel deutscher Geschichte, das im öffentlichen Bewusstsein bislang fast vollständig ausgeblendet war. Ein Film, der mit beachtlicher Resonanz im Rahmen der Berlinale 2012 seine Premiere hatte und – inzwischen mit dem Prädikat „Besonders wertvoll“ versehen – für viel Wirbel gesorgt hat. „Ein gelungener und pointiert erzähltes Plädoyer für das Recht auf selbstbestimmte Sexualität und die Freiheit, einfach nur man selbst zu sein.“

Mo, 24. Jun · 15:50-16:40 · arte
Israel – Der Norden

Der Norden Israels erstreckt sich von Tel Aviv, entlang der Mittelmeerküste, bis zur libanesischen Grenze – und im Landesinneren über den See Genezareth bis in die Golanhöhen. Ein Streifzug durch bizarre Höhlenlabyrinthe und eine fruchtbare Kulturlandschaft überrascht mit spektakulären Wildtieren, unbekannten historischen Orten und Forschern, die sich mit Leidenschaft für den Erhalt der letzten Wildnisgebiete einsetzen. Metropolen wie Tel Aviv spiegeln die kulturellen Einflüsse auf ein Land wider, in das von der Staatsgründung 1948 bis heute Juden aus allen Teilen der Welt einwandern. Die ersten sind am großen Mittelmeerhafen in Haifa angekommen. In den vergangenen 70 Jahren hat sich die Hafenstadt zur High-Tech-Metropole entwickelt. Der See Genezareth, von dessen Wundern die Bibel erzählt, ist heute der größte Trinkwasserspeicher des Nahen Ostens. Intensive Landwirtschaft auf fruchtbaren Böden macht die Gegend zum Brotkorb Israels. Doch wie in biblischen Zeiten bedrohen Insektenplagen die Ernte. Eine Herausforderung für Wissenschaftler, die auf innovative Weise gegen Schädlinge vorgehen. Druck auf die Landwirtschaft üben zudem Zehntausende Zugvögel wie Kraniche, Störche und Pelikane aus, die die Getreidefelder für einen Zwischenstopp ansteuern. Um natürliche Lebensräume zu erhalten, agieren Biologen als Vermittler zwischen Landwirten, Wildtieren und Tierfreunden. So haben Wölfe in den Golanhöhen eine Heimat gefunden, Klippschliefer erobern die Festungen von Kreuzrittern, Goldschakale bevölkern die Parks der Städte und große Haiarten wandern ins Mittelmeer ein.

Mo, 24. Jun · 23:30-00:15 · Das Erste (ARD)
Der Mann hinter Porsche – Adolf Rosenberger

Es ist eine deutsch-jüdische Familiengeschichte, die Sandra Esslinger erstmals öffentlich macht. Auf Grundlage des Nachlasses ihres 1967 in Los Angeles verstorbenen Großonkels Alan Robert. Der ist im Jahr 1900 in Pforzheim als Adolf Rosenberger zur Welt gekommen. Sohn einer assimilierten jüdischen Familie, mit 17 Jahren Kampfflieger im Ersten Weltkrieg, danach Techniker, Geschäftsmann und Werksrennfahrer bei Mercedes-Benz. Rosenberger gründet 1930/31 mit Ferdinand Porsche und dessen Schwiegersohn Anton Piëch die Porsche GmbH in Stuttgart. Die Keimzelle der heutigen Weltmarke. Als Geschäftsführer zieht Rosenberger Aufträge aus der Automobilindustrie an Land, ist an der Konstruktion des später so erfolgreichen Auto-Union-Grand-Prix-Rennwagens beteiligt und hält als Mitgründer und Miteigentümer zehn Prozent der Firmenanteile. Bis 1933 die Nazis an die Macht kommen und der Jude Adolf Rosenberger zum Problem wird, weil Porsche mit dem NS-Staat große Geschäfte macht. 1935 wird Rosenberger in das Konzentrationslager Kislau verschleppt, es gelingt ihm zu emigrieren. In den USA startet er unter dem Namen Alan Robert noch einmal ein neues Leben. Doch die Sehnsucht nach seiner verlorenen Heimat bleibt. Nach 1945 möchte er wieder mit Porsche zusammenarbeiten. Doch weder ein Prozess gegen Porsche und Piëch noch die vermeintliche Aussöhnung mit Porsche-Sohn Ferry bringen Rosenberger zurück in das einst von ihm mitgegründete Unternehmen. Der „Fall Porsche“ bleibt eine offene Wunde. Auch bei Sandra Esslinger und den anderen Nachkommen von Adolf Rosenberger, dessen besondere Rolle in der Porsche Firmengeschichte bis heute nicht angemessen gewürdigt worden ist.
© Bild oben: SWR/Eberhard Reuß Adolf Rosenberger im Mercedes GP-Rennwagen, Typ „Großmutter“.

Di, 25. Jun · 15:50-16:45 · arte
Israel – Der Süden

Der Süden Israels erstreckt sich von Jerusalem über das Tote Meer und die Negev-Wüste bis nach Eilat am Roten Meer. Als David Ben-Gurion 1948 erster Ministerpräsident des jungen Landes wurde, hatte er die Vision, die Wüste zum Blühen zu bringen. Sonnenkollektoren und Solarkraft waren der Anfang. Ein Streifzug durch vielfältige, bizarre Landschaften überrascht mit unbekannten Orten und Pionieren wie Landwirten und Wissenschaftlern, die sich für das Leben in der Wüste entschieden haben. Sie verwandeln den trockenen Süden Israels in eine High-Tech-Region. Die Folge: Heute sind israelische Farmer in der Lage, nicht nur ihr eigenes Land mit Gemüse und Früchten zu versorgen, sondern sogar Überschuss zu produzieren, den sie nach Europa exportieren. Die Geschichte zeigt aber auch, dass die Wüstenbewohner schon vor mehr als 5.000 Jahren innovativ waren: Im Timna Park, einer der spektakulärsten Wüstenlandschaften der Erde, wurde mit den ersten Kupferminen der Welt das Metallzeitalter eingeläutet. Die Wüste ist ein kreativer, lebenswerter Ort und bietet trotz intensiver Nutzung immer noch viel Platz für Wildnis und seltene Tiere. In unberührten Gegenden sind Wölfe, Hyänen und Sandfüchse unterwegs – und bedrohte Tierarten wie die Oryx-Antilope werden wieder angesiedelt. Geologisch gibt der ostafrikanische Grabenbruch, der sich über das Tote Meer durch eine Kraterlandschaft bis ans Rote Meer zieht, die Route vor, auf der jedes Jahr Millionen Zugvögel von Afrika nach Europa und zurück fliegen. Am Roten Meer kämpfen Forscher für den Erhalt eines der längsten, intakten Korallenriffe der Erde.

Di, 25. Jun · 23:10-00:20 · 3sat
Die Weltherrschaft

Fake News sind in aller Munde. Seit Donald Trump damit die mediale Öffentlichkeit global beschäftigt, vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht die öffentliche Diskussion mitbestimmen. Sie haben einen massiven Anteil an neuen, absurden Verschwörungstheorien. Im Film zeigen und erklären Fake-News-Produzenten ihr Geschäft und bieten damit Einblicke in einen nahezu industriellen Umgang mit der bezahlten Produktion von Falschmeldungen. Es ließe sich beweisen, dass die Twin Towers gesprengt wurden, der französische Geheimdienst hinter dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ stecke und die erste Mondlandung ohnehin eine Fälschung war – so gängige Theorien. Weiterhin sei der oder die Einzelne auch nicht mehr als eine hilflose Marionette im Weltentheater, gesteuert von Kleingruppen mächtiger Individuen, die hinter den Kulissen die Fäden ziehen: Ob Illuminaten, Freimaurer, das Pharmakartell oder die Juden – Geheimgesellschaften hätten Machtzentren wie Politik und Medien infiltriert und steuerten sie. Dabei ginge es ihnen um nichts Geringeres als die Weltherrschaft. Der Dokumentarfilm von Fritz Ofner beschäftigt sich mit diesen konspirativen Welterklärungen und fragt: Wie entstehen Verschwörungstheorien und Fake News im Social-Media-Zeitalter? Wie werden sie verbreitet – und wer profitiert davon? Was erzählen sie uns über uns selbst und die Zeit, in der wir leben? Auf der Suche nach Antworten werden führende Verschwörungstheoretiker, Historiker, Philosophen, Psychologen, Netzwerkforscher und Fake-News-Produzierende an zahlreichen Schauplätzen wie Paris, Wien, New York und Skopje besucht und in einen dialektischen Diskurs gestellt.

Mi, 26. Jun · 11:15-12:05 · 3sat
Carl Lutz – Der vergessene Held

Als Schweizer Diplomat in Budapest während des Zweiten Weltkrieges rettete Carl Robert Lutz (1895-1975) Zehntausende Juden. Später zog er nach Bern. Doch die Heimat dankte ihm nicht. Gegen Lutz wurde ein Verfahren wegen Kompetenzüberschreitung eröffnet. Bis ans Ende seiner Tage kämpfte Lutz vergeblich für seine „Rehabilitierung“. 2014 erhielt er posthum die George Washington University President’s Medal. Ein Portät des „vergessenen Helden“. Der Retter von über 60 000 ungarischen Juden – etwa die Hälfte der überlebenden jüdischen Bevölkerung in Ungarn nach dem Krieg – bekam mit der Ehrenmedaille der renommierten George Washington University die Würdigung, auf die er zeitlebens wartete. Lutz ist mit dieser Ehrenmedaille in bester Gesellschaft: Staatsmänner wie Václav Havel, Shimon Peres und Michail Gorbatschow wurden bereits mit der Medaille ausgezeichnet.

Mi, 26. Jun · 23:00-00:25 · arte
Gaza – Leben an der Grenze

Nicht politisch erklärend, sondern aus den Augen der Bewohner zeigt der Filmemacher Garry Keane den komplexen Nahostkonflikt. Eingeschlossen von Ägypten, Israel und dem Mittelmeer, leben circa zwei Millionen Menschen in dem nur 365 Quadratkilometer großen Gazastreifen. Er ist überfüllt, laut Prognosen der Vereinten Nationen, wird Gaza 2020 eigentlich unbewohnbar sein. Schon jetzt liegt die Arbeitslosigkeit bei 50 Prozent, Strom gibt es jeden Tag nur vier Stunden, und das Wasser ist oft nicht trinkbar. In den letzten zehn Jahren haben die Bewohner drei blutige Kriege zwischen der kontrollierenden islamistischen Hamas und Israel miterlebt. Das ungewöhnliche Team aus Regisseur Garry Keane und dem ebenfalls Regie führenden Kameramann Andrew McConnell ist den unterschiedlichsten Menschen zwischen 2014 und 2018 durch ihren Alltag gefolgt, zum Beispiel der 17-jährigen Karma, die die Hoffnung auf ein Stipendium im Ausland nicht aufgibt, und Ahmad mit seinen 39 Geschwistern, für den feststeht, dass er später Kapitän wird, dem im Rollstuhl sitzenden Rapper Sari, dem Fischer Abu, einem Taxifahrer bei seinen täglichen Touren, einem Theaterdirektor und einer Modedesignerin, der besonders die jungen modernen Frauen Gazas am Herzen liegen. Die Filmemacher begleiten junge Männer zu den brutalen Auseinandersetzungen am Grenzzaun bis hinein in die Krankenhäuser und den unermüdlichen Sanitäter Ibrahim bei seinen Einsätzen.

Do, 27. Jun · 20:15-21:45 · arte
Ich werde nicht schweigen

Norddeutschland 1948: Die junge Kriegswitwe Margarete Oelkers bringt sich und ihre beiden Söhne als Modellschneiderin mehr schlecht als recht durch. Die ihr zustehende Kriegswitwenrente erhält sie nicht, weil ihr eine Bestätigung über die Beschäftigung ihres Mannes beim Gesundheitsamt verweigert wird. Als sie deshalb auf dem Fürsorgeamt die Kontrolle verliert, wird sie von Dr. Ahrens, dem ehemaligen Vorgesetzten ihres Mannes, mit der Diagnose Schizophrenie in die Heil- und Pflegeanstalt in Wehnen eingewiesen. Die beiden Kinder kommen zu Margaretes Schwester aufs Land. Ein ganzes Jahr verbringt Margarete in der Anstalt und wird dort „behandelt“. Nach ihrer Entlassung wird sie unter die Vormundschaft eines Nachbarn mit brauner Vergangenheit gestellt. Traumatisiert kehrt Margarete in ihre alte Wohnung zurück und kämpft um ihre Rehabilitierung und das Sorgerecht für ihre Kinder. Sie fordert eine Bescheinigung von den behandelnden Ärzten, nie an Schizophrenie erkrankt zu sein. Doch dazu müsste Dr. Ahrens, Leiter des Gesundheitsamtes und früherer Chef ihres Mannes, eine Fehldiagnose einräumen. Margarete freundet sich mit Antje an, einer jungen Frau, deren Mutter während des Nazi-Regimes in Wehnen verstorben ist. Bald ahnt Margarete, dass in Wehnen mit den Kranken Ungeheuerliches passiert ist. Sie beginnt, die Aufzeichnungen ihres Mannes zu verstehen, der offenbar Vernachlässigung und bewusstes Tothungern ausgewählter Patienten in Wehnen heimlich dokumentierte. Sie sammelt all ihren Mut und stellt Dr. Ahrens zur Rede. Doch Ahrens lässt sich nicht so leicht einschüchtern

Sa, 29. Jun · 14:00-15:30 · WDR
Belle & Sebastian

Nicolas Vaniers Filme stehen für grandiose Landschaftsaufnahmen. In dem Kinder- und Jugendfilm, der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt, gibt Félix Bossuet ein begeisterndes Leinwanddebüt. Zweiter Weltkrieg, 1943: Frankreich ist fest in deutscher Hand. Sogar das entlegene Dorf in den Savoyer Alpen, in dem der siebenjährige Waisenjunge Sebastian bei dem alten Schäfer César lebt, ist besetzt. Dort soll der deutsche Leutnant Peters verhindern, dass Juden bei der Flucht in die nahe Schweiz geholfen wird. Die Dorfbewohner unterstützen die Verfolgten heimlich, doch sie müssen sich nicht nur vor den Deutschen hüten: Fieberhaft suchen sie nach einer Bestie, die Nacht für Nacht ihre Schafe reißt. Als Sebastian eines Tages einem verwilderten Pyrenäenhund gegenübersteht, weiß er sofort: Diese Streunerin, die von ihrem früheren Besitzer gequält wurde, ist kein Monster. Weil ihr graues Fell nach einem Bad im Fluss schneeweiß glänzt, nennt er sie liebevoll „Belle“. Doch von seiner neuen Gefährtin darf niemand wissen, denn die Dorfbewohner wollen sie töten. Bei einer Treibjagd wird die Hündin angeschossen, nur mit knapper Not kann Sebastian ihr das Leben retten. Dabei werden die beiden in ein weiteres Abenteuer verstrickt: Eine jüdische Familie, die von deutschen Soldaten verfolgt wird, braucht ihre Hilfe. Mit Belles Spürsinn gilt es, einen Weg über den verschneiten Hochgebirgspass zu finden.

So, 30. Jun · 20:15-22:10 · arte
Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat

Bei einem Einsatz in Afrika, in dem der deutsche Frontsoldat Graf von Stauffenberg fast das Leben verliert, erfährt er eine Eingebung und findet den Mut, sich einem diktatorischen Regime entgegenzustellen. Zurück in Deutschland wird er zum Offizier der Wehrmacht ernannt. Doch er ist nicht mehr der Alte und mit der Entdeckung seines neuen Gewissens beginnt er, Mitverschwörer gegen den Führer zu suchen. Es ist das Jahr 1944: Während sich das Blatt zugunsten der Alliierten wendet, entwickelt sich eine Verschwörung gegen Adolf Hitler. Claus Schenk Graf von Stauffenberg und andere Mitverschwörer planen das raffiniert ausgetüftelte Attentat unter dem Decknamen „Operation Walküre“. Die auf historischen Tatsachen basierende Geschichte beschreibt die Beweggründe der großenteils aus dem Offizierskorps stammenden Verschwörer sowie die Schwierigkeiten bei der Umsetzung des geplanten Attentats und dem anschließenden „Unternehmen Walküre“. Dabei wird aus dem historischen Ereignis eine Heldengeschichte jenes Mannes, der bis zu seiner Exekution für seinen Plan kämpft. Am Ende des Films wird die Inschrift des Ehrenmals an der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin dargestellt: „Ihr trugt die Schande nicht, Ihr wehrtet Euch, Ihr gabt das große ewig wache Zeichen der Umkehr, opfernd Euer heißes Leben für Freiheit, Recht und Ehre.“

So, 30. Jun · 22:10-23:40 · arte
Die Stunde der Offiziere

Am 20. Juli 1944 verübte Graf Stauffenberg ein Attentat auf Hitler, das fehlschlug. Ein Tag, der fast zum Wendepunkt in der Geschichte des 20. Jahrhunderts geworden wäre. Seitdem ist der 20. Juli 1944 zum Gegenstand von Mythen und Legenden geworden, wie wohl kein anderes Datum der jüngeren deutschen Geschichte. Wäre das Attentat geglückt und hätte die Bombe des Grafen Stauffenberg Hitler getötet, so hätte es ein Signal sein können, Krieg und Völkermord zu beenden. „Die Stunde der Offiziere“ ist eine Collage aus Archivaufnahmen, Aussagen von Zeitzeugen sowie hochkarätig besetzten Spielszenen, die die Wege, Motive und Schicksale der Verschwörer lebendig machen. Die Spielszenen beruhen bis ins Detail auf den Aufzeichnungen und Verhörprotokollen sowie den Schilderungen von Angehörigen und Augenzeugen, sie zeigen das Geschehen an den Schauplätzen des Attentats: Im Führerhauptquartier Wolfsschanze in Rastenburg, im Bendlerblock in Berlin und an anderen wichtigen Orten. Auf diese Weise verdichtet der Film den versuchten Tyrannenmord zu einem spannenden historischen Drama. Jene Männer, die den wahngetriebenen Diktator töten wollten, waren einsame Verschwörer, die nicht von der Volksstimmung getragen wurden, sondern nur von ihrem eigenen Pflichtgefühl. Die meisten wussten, dass das Deutsche Reich, ihr „heiliges Deutschland“, nicht mehr zu retten war. Doch es komme nicht mehr darauf an, ob das letzte Attentat gelinge, erkannte Henning von Tresckow, neben Stauffenberg der andere Kopf der Verschwörung, denn: „Wir müssen es tun, auch wenn es nicht glückt, und wenn wir alle draufgehen. Denn es darf später nicht heißen: Es ist niemand gegen dieses Unrecht aufgestanden.“