Micha Ullman in Berlin

Ab Dienstag, den 14. Mai 2019, ist im Mauer-Mahnmal im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus unter dem Titel „Mauerschatten“ eine temporäre Sandinstallation von Micha Ullman zu sehen. Am 14. Mai und 3. Juni, wird diese Installation durch die Tänzerin Claudia Tomasi und den Tänzer Nir Vidan in einer „durational performance“ aktiviert. Im Schadow-Haus wird zudem eine Kabinettsausstellung mit Zeichnungen und Skulpturen zu den Berliner Werken Ullmans gezeigt…

Der israelische Künstler Micha Ullman ist mit fünf Werken im öffentlichen Raum Berlins vertreten: Die „Bibliothek“ auf dem Bebelplatz erinnert an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933; die Bodeninstallation „Haus Mendelssohn“ in der Spandauer Straße an den Wohnort des Philosophen Moses Mendelssohn als einen der wichtigsten Orte der Berliner Aufklärung und des interreligiösen Dialogs, die Raumskulptur „Niemand“ gegenüber dem Jüdischen Museum an verschwundenes jüdisches Leben in Berlin, die Installation „Blatt“ in der Axel-Springer-Straße an die 1891 erbaute jüdische Synagoge, die am 9. November 1938 in Brand gesteckt, dabei teilweise zerstört und 1956 endgültig abgerissen wurde; die Bodenskulptur „Stufen“ in der Matthaikirche schließlich widmet sich in einer komplexen Bedeutungsschichtung, die aus sieben mit Sand aus der Negev belegten Stufen der Frage von Spiritualität, Herkunft und Versöhnung nachgehen.

Die besondere Wirkung von Ullmans Raumskulpturen, für die er vielfach ausgezeichnet wurde, liegt in der nicht unmittelbaren Sichtbarkeit. Viele seiner Skulpturen sind erst auf den zweiten Blick zu entdecken, weil sie in den Boden eingelassen oder nicht zugänglich sind. Ullman meidet die Fülle der bildlichen Erläuterung und sucht vielmehr die Stille extrem reduzierter, zu Zeichen geronnener Formsprachen, in denen fundamentale Dichotomien zwischen Innen und Außen, Sichtbarem und Unsichtbarem, Geist und Materie, Erinnerung und Gegenwart einen Dialog mit dem Betrachter auslösen, in dem nicht nur mannigfache Assoziationen, sondern gerade lebendige Erinnerung möglich werden.

„Mauerschatten“, Sandinstallation im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus
Eröffnung am Dienstag, den 14. Mai 2019, 17.00 bis 20.30 Uhr Performance
Ausstellungsdauer bis 6. Juni 2019

Marie-Elisabeth-Lüders-Haus
Adele-Schreiber-Krieger-Straße 1
10117 Berlin

Ausstellung im Schadow-Haus
Eröffnung am Dienstag, den 14. Mai 2019, 19.00 Uhr in Anwesenheit des Künstlers
Ausstellungsdauer bis 31. August 2019

Schadow Haus
Schadowstr. 10
10119 Berlin

Di. – So., 11.00 bis 17.00 Uhr (Eintritt frei)

(Foto: Micha Ullman, Bibliothek, 1995, August-Bebel-Platz Berlin © J.F.Müller/Deutscher Bundestag )

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