Dortmunder Neonazi Christoph Drewer zu Haftstrafe verurteilt

Christoph Drewer, altgedienter Dortmunder Neonazi, der auf Platz 9 der Europawahlliste der Neonazipartei „Die Rechte“ steht, machte sich als Kampfsportler durch seine militanten, Gegner bedrohenden Auftritte bei Kundgebungen einen Namen. Damit könnte es demnächst vorbei sein: Soeben wurde er, wie ein Dortmunder Neonazi-Magazin vermeldet hat, in Revision wegen einer hetzerischen Rede vom 7.9.2015 gegen in Dortmund ankommende Flüchtlinge zu dreizehn Monaten Haft verurteilt…

Von Jennifer Marken

Der hafterfahrene Neonazi Christoph Drewer wurde in den vergangenen 15 Jahren mehrfach zu Haftstrafen verurteilt, so wegen einer antisemitischen Rede im März 2012 in Münster, vermochte einige der Strafen in der Revision jedoch abzuwenden.

Nun wurde ihm seine vom Journalisten Felix Huesmann filmisch dokumentiert Rede vom 7.9.2015 in Dortmund in der Revision wohl doch noch zum Verhängnis. Darin hatte er in wüstester Weise gegen ankommende Flüchtlinge gehetzt:

„Kriminelle Flüchtlinge“, die „rauben, vergewaltigen und morden“

„Diese Menschen“ – brüllte Drewer in Dortmund ins Mikrofon – „die momentan zu Tausenden in unser Deutschland strömen, sind kriminell, haben kein Benehmen und diese werden hier in unserem geliebten Vaterland ihre kriminelle Ader knallhart ausleben. Diese werden rauben, vergewaltigen und morden.“

Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, bezeichnete Drewer in seiner Rede als „geisteskranke Volksverräter“ und „geisteskranke Subjekte“, die „täglich an den Bahnhöfen stehen und die Asylbetrüger begrüßen“. Den deutschen Frauen, so fügte er hinzu, wünsche er „eine Vergewaltigung durch die Asylbetrüger.“

Eine lange Neonazikarriere

Der 1987 in Hamm geborene Christoph Drewer gehörte schon 17-jährig zur harten Neonaziszene in NRW. Im nördöstlich von Dortmund gelegenen Hamm entstand 2003 die neonazistische „Kameradschaft Hamm“. Von 2003 bis 2006 wurden dort allein neun neonazistische Kundgebungen und Demonstrationen durchgeführt. Christoph Drewer stand  gemeinsam mit dem Neonazi Sascha Krolzig in deren Zentrum. Im August 2012 wurde die aus mindestens 25 Mitgliedern bestehende Kameradschaft Hamm – gemeinsam mit dem „Nationalen Widerstand Dortmund“ sowie der „Kameradschaft Aachener Land“ – durch das NRW Innenministerium verboten. Christoph Drewer, der heute als Bauarbeiter arbeiten soll, fiel bereits damals wegen seiner „exzessiven Gewaltausbrüche gegenüber alternativen Jugendlichen und Aktivisten“ – wie es in einer Dokumentation heißt – auf. Es kam zu mehreren militanten Angriffen mit Teleskopschlagstöcken gegen junge Gegendemonstranten, im Mai 2006 wurden zwei Jugendliche schwer verletzt. Einen Monat später wurde der 19-jährige Drewer inhaftiert und später verurteilt; bis 2008 musste er seine Zeit in der JVA Herford verbringen.

Nach seiner Freilassung machte er, gemeinsam mit seinem fünf Jahre jüngeren, gleichfalls hafterfahrenem Bruder Matthias, einem „Nazihipster“ und Anti-Antifafotografen, weiter: Beim „Nationalen Widerstand Dortmund“, sowie ab 2014 im Bundesvorstand der Nachfolgepartei „Die Rechte“.

Seitdem ist Christoph Drewer europaweit präsent: Beim Sturm auf das Dortmunder Rathaus am Abend der Party zur Kommunalwahl am 25.5.2014 war er dabei wie auch bei der Kölner Hogesa-Kundgebung im Oktober 2014. Anfang 2015 demonstrierte er bei der griechischen Neonazipartei „Goldene Morgenröte“ mit und im September 2015 als Anmelder eines Musikevents im sächsischen Neuensalz.

Christoph Drewers Auftritt als Ordner im Juni 2016 beim „Tag der deutschen Zukunft“ machte bundesweit Schlagzeilen und brachte die Polizei in Erklärungsnöte, war er doch zuvor erneut in erster Instanz zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Im August 2018 marschierte Drewer bei einer großen Neonazikundgebung in Berlin Friedrichshain mit. Als der Neonazi Christian Worch, Begründer und Bundesvorsitzender von „Die Rechte“, im November 2017 überraschend sein Amt niederlegte, wurde Drewer für einige Monate dessen kommissarischer Nachfolger.

Kampfsport und Fußballhooligans

Kampfsportevents wie der „Kampf der Nibelungen“ bilden ein Kernelement des militanten, seine Gegner. sowie insbesondere Juden und Jüdinnen bedrohenden Neonazismus. Christoph „Buddel“ Drewer steht im Zentrum dieser militanten Szene. Die Recherchegruppe „Runter von der Matte“ hat  dokumentiert, dass Drewer seit Jahren regelmäßig beim Kampf der Nibelungen (KdN) als Kämpfer auftritt. Zumindest ab 2016 trat er dort u.a. für ein Team des KdN an, Fotos hiervon sind bekannt; sein Bruder Christoph vermarktet den KdM heute medial.

Die international insbesondere nach Bulgarien eng vernetzten Dortmunder Neonazis sorgten auch dafür, dass mit dem „NS Fightclub Bulgaria“ ein Club aus Sofia beim KdN dabei war. Drewer soll die Bulgaren regelmäßig besuchen. Beim geschichtsrevisionistischen, NS-verherrlichenden „Lukov-Marsch“ in Sofia treten die Dortmunder als feste Gruppe wie auch als Redner auf.

Bei einem von den Dortmundern beworbenen und von Drewer organisierten „Seminar“, das den unmissverständlichen Titel „Selbstverteidigung, Straßenkampf und klassisches Kickboxen“ trägt, fungiert der Kampfsportler Drewer nun auch, wie die Zeitschrift Lotta belegt hat, als Trainer des Dortmunders Nico B. Nico B. war 2018 auch beim Kampf der Nibelungen aufgetreten.

Als Borussia Dortmund die rechtsradikale „Borussenfront“ aus dem Stadion verdrängte, baute er den rechten HSpVg-Fanklub „Supporters Hamm” auf. Als Teil einer Hooligangruppe trat Drewer auch im Osten regelmäßig bei Spielen etwa des Chemnitzer FC im Kreis der rechten ‚Kaotic Chemnitz‘ auf. Diese waren auch für die jüngsten Ausschreitungen in Chemnitz mitverantwortlich. Als Teil einer Chemnitzer Gruppe war er im November 2016 auch bei den durch antisemitische Parolen begleiteten Angriffen gegen Fans des  SV Babelsberg 03 dabei

Der Beitrag erschien zuerst bei belltower.news. Eine kürzere Version ist auf Blick nach Rechts erschienen.

Bild oben: Christoph Drewer bei einer Veranstaltung der Partei „Die Rechte“.

Nachtrag:

Die Entwicklung der Dortmunder Neonaziszene ist von der Antifaschistischen Union Dortmund 18 Jahre lang dokumentiert worden. Am 18.11.2018 gab die Antifaschistische Union Dortmund nach 13 1/2 Jahren ihre Selbstauflösung mit.

Ihre Dokumente – Zeitungsbeiträge, Fernsehbeiträge über Dortmund, Demoberichte und eigene Aufrufe – aus den Jahren von 2000 bis 2012 bleiben weiterhin im Netz. Sie sind zugleich ein letztlich erschütterndes Dokument eines politischen Versagens der Verantwortlichen in Dortmund, insbesondere der Dortmunder SPD. In einigen WDR-Filmen sagen verantwortliche Polizisten in aller Deutlichkeit, dass sie sich von der Politik im Stich gelassen fühlen. Sie könnten als Polizei nichts mehr gegen die ca. 100 Nazis in Dortmund unternehmen.

Zur Dokumentation: http://antifaunion.blogsport.de/dokumentation/

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