Es wird dramatisch

Heute hat Israels Generalstaatsanwalt Mandelblit seine lang erwartetet Entscheidung bekanntgegeben. Er will Premierminister Netanyahu wegen Bestechlichkeit, Veruntreuung und Betrug anklagen, was er auf 57 Seiten detailliert darlegt. Zuvor wird es, voraussichtlich im Sommer, eine Anhörung geben. Für Netanyahu ist der Zeitpunkt denkbar schlecht, denn am 9. April wird gewählt…

Die Vorwürfe gegen Netanyahu sind seit längerem bekannt. Dass es ausgerechnet jetzt, so kurz vor der Wahl, ans Eingemachte geht, versuchte der Likud, Netanyahus Partei, heute noch gerichtlich zu verhindern. Vergeblich. Generalstaatsanwalt Mandelblit spricht sich in seinem Schreiben für eine Anklage wegen Bestechlichkeit aus, in zwei weiteren Fällen wegen Betrugs und Untreue.

Ein trauriger Höhepunkt in der Geschichte israelischer Politiker, die wegen ähnlicher Vergehen angeklagt wurden. Zum ersten mal wird nun gegen einen amtierenden Regierungschef Anklage erhoben.

Netanyahu reagierte noch am Abend mit einer dramatischen Rede und behauptete darin, Mandelblit habe dem Druck der Linken nachgegeben. Netanyahu versicherte, er werde in der Anhörung alle Vorwürfe zerstreuen, „vom Anfang bis zum Ende“. Seine Familie gehe seit drei Jahren durch die Hölle, die Vorwürfe seien „falsche Blutanklagen“.

Eine Umfrage der Zeitung „Times of Israel“ von gestern prophezeit dem Likud eine deutliche Schwächung für den Fall der heute eingetreten ist. Netanyahu muss nun tatsächlich um seine politische Zukunft bangen. Erstmals scheint es realistisch, dass der 9. April einen Umschwung bringen wird.

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