Viktor hilft

In seinem neuen Roman zeigt Vladimir Vertlib einmal mehr, dass er ein guter Erzähler ist. Auch wenn die Rahmengeschichte ein wenig verwirrend ist, löst er sie gut auf und schafft ein glaubwürdiges Bild unserer Zeit…

Viktor ist vor Jahren nach Österreich gekommen, auf der Flucht vor dem Antisemitismus in der Sowjetunion. Nun versucht er, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle in einem Durchgangslager in Salzburg zu helfen. Ständig kehrt die Erinnerung an jene Zeit zurück, als er hier selber fremd war. Dazu kommt die Nachricht einer Frau, die er als junger Zivildienstleistender kennengelernt hatte. Ihre Tochter, die übrigens auch seine sei, ist verschwunden.

Viktor, zunächst verwirrt von dieser Nachricht, dann neugierig und von Sehnsucht nach eigenen Kindern getragen, macht sich tatsächlich auf die Suche nach der verlorenen Tochter, die in einer deutschen Kleinstadt bei AfD-Mitgliedern wohnt.

Auch dieser mit großer Sensibilität erzählte Roman Vertlibs ist teils autobiografisch. Vertlib wurde 1966 in Leningrad geboren, emigrierte 1971 mit seiner Familie nach Israel, übersiedelte 1981 nach Österreich. Und deswegen sind auch jene Passagen im Buch, die von Flucht, Migration, Neuanfang, vom Fremdsein und von Versöhnung erzählen, die stärksten. Auf jeden Fall lesenswert!

Vladimir Vertlib, Viktor hilft. Deuticke Verlag 2018, 288 S., Euro 23,00, Bestellen?

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