Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 30. November 2018…

Fr, 16. Nov · 15:50-16:45 · arte
Wasser ist Zukunft: Der Jordan – Fluss des Friedens?

Der Jordan ist die wichtigste Wasserquelle für Jordanier, Israelis und Palästinenser – und sowohl eine Wiege der Kulturen als auch Grenzfluss zwischen den drei Bevölkerungsgruppen. Immer wieder birgt sein Wasser Grund für Konflikte – aber auch für Verhandlungen und Verträge zwischen Israelis und Arabern.Der letzte Teil der Dokumentationsreihe taucht ein in das Jordantal – die Kornkammer und den Gemüsegarten Israels und Jordaniens, wo die intensive Landwirtschaft dem Fluss das Wasser abgräbt. Am Toten Meer kommt nur noch ein Rinnsal an. Doch in Israel, Jordanien und Palästina gibt es heute Menschen, die den Jordan retten wollen.Als Israel und Jordanien 1994 Frieden schließen, gründet der israelische Umweltschützer Gidon Bromberg gemeinsam mit jordanischen und palästinensischen Partnern die Umweltorganisation EcoPeace. Über alle Grenzen hinweg arbeiten ihre Aktivisten heute nicht nur für den Schutz der Natur, sondern auch daran, das Vertrauen zwischen den Menschen aufzubauen.In Jordanien reaktiviert EcoPeace einen Regenwasserspeicher, um in der Wüste einen Wald wachsen zu lassen. Im palästinensischen Jericho lernen Schüler, wie man mit einfachen Mitteln Haushaltswasser recycelt. In Israel beweisen Fischfarmer, dass sich mit neuen Technologien viele Millionen Liter wertvolles Jordan-Wasser sparen lassen. Zukunftsperspektiven in noch größeren Dimensionen eröffnen moderne israelische Meerwasserentsalzungsanlagen, die mehr Trinkwasser produzieren als zur Versorgung der Bevölkerung nötig ist. Je weniger Wasser dem heiligen Jordan entnommen werden muss, desto eher kann er wieder werden, was er früher war: die Lebensader des Nahen Ostens.

Sa, 17. Nov · 05:40-06:30 · arte
Gershwin, der amerikanische Klassiker

George Gershwin ist die Verkörperung des amerikanischen Traums. Im Juli 1925 erschien Gershwin erstmals auf der Titelseite des „Time Magazine“ – und erhielt im dazugehörigen Porträt die schmeichelnde Auszeichnung als „bedeutendster lebendender Komponist der USA“. Der Einwanderersohn mit russisch-jüdischen Wurzeln, der früh die Schule schmiss und dann mit Talent und Disziplin zu Ruhm und Reichtum kam, hatte es vollbracht. Seine Musik berührte das Publikum mehr als die Kritiker: Die avantgardistische „Rhapsody in Blue“ wurde weltberühmt. Musiker aus Europa und Amerika inspirieren sich bis heute an seinen Melodien. Gershwin gehörte auch zu den ersten Broadway-Komponisten, die Ausflüge in die Klassikwelt nicht scheuten und diese mit Klängen aus Jazz und Blues aufmischten. Stücke wie „Rhapsody in Blue“, „Concerto in F“ und „Ein Amerikaner in Paris“ brachen mit den strengen Genrecodes und brachten die soziale Realität in die amerikanischen Konzertsäle. „Porgy & Bess“ war die erste Folk-Oper der Welt und inszenierte erstmals das Leben von Afroamerikanern mit ausschließlich schwarzen Darstellern. Gershwin starb 1937 mit nur 38 Jahren an einem Gehirntumor. Er blieb bis zuletzt ein Mann der Widersprüche: schüchtern und großmäulig zugleich, Einwanderer und amerikanische Symbolfigur, vom Publikum verehrt und von Kollegen verachtet – ein „Jazzman“ in der Klassikwelt und ein klassischer Komponist auf der Suche nach den Wurzeln von Jazz und Blues. Und so ist auch seine Musik: nicht klassifizierbar, multikulturell, aber immer wieder faszinierend.

Sa, 17. Nov · 09:30-10:00 · PHOENIX
Eine Klinik in Jerusalem

Das Hadassah-Hospital in Jerusalem ist nicht nur eine der größten und modernsten Kliniken im Nahen Osten, sondern auch ein Ort der Völkerverständigung. Palästinensische und israelische Chirurgen retten hier jeden Tag gemeinsam Leben. Die Organisation „Ein Herz für den Frieden“ sorgt dafür, dass auch Kinder aus den palästinensischen Gebieten Zugang zur Erste-Klasse-Medizin haben. Zehn Kilometer westlich von Jerusalem liegt die größte Klinik des Nahen Ostens: das Hadassah-Hospital. Vor über hundert Jahren wurde es von amerikanischen Hebammen gegründet. Ihr Credo: Bedürftigen helfen, unabhängig von Herkunft oder Religion. Das gilt hier bis heute und wird jeden Tag gelebt – so etwa vom israelisch-palästinensischen Ärzteteam auf der Kinder-Herz-Station. Die Kindersterblichkeit in Palästina ist fast fünfmal höher als in Europa. Die meisten der Kinder, die noch im Säuglingsalter sterben, haben einen angeborenen Herzfehler. Rund 300 lebensrettende Operationen führen die Kinderherzchirurgen jedes Jahr durch, 50 davon an Kindern aus den besetzten Gebieten, deren Eltern die Operation nicht bezahlen könnten – wäre da nicht die Organisation „Ein Herz für den Frieden“. Muriel Haim, französische Ärztin und Gründerin der Initiative, hat vor 13 Jahren beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen, dass herzkranke palästinensische Kinder sterben müssen „nur weil sie auf der falschen Seite des Grenzzauns geboren sind“. Der Verein unterstützt auch die Ausbildung palästinensischer Ärzte. Einer von ihnen ist Ibrahim Abu Zahira. Neben seiner Arbeit im Hadassah betreibt er eine Praxis in Hebron, wo er als eines von acht Kindern aufwuchs. Während er vielen seiner Patienten helfen kann – nicht zuletzt mit dem Zugang zur Erste-Klasse-Medizin des Hadassah – gibt es in anderen Teilen der besetzten Gebiete noch immer Kinder, die sterben müssen, weil sie nicht oder nicht rechtzeitig im Hadassah ankommen. Nirit Sommerfeld, Jüdin und Künstlerin, streitet für deren Rechte und für die Aufhebung der Besetzung.

Sa, 17. Nov · 19:20-20:00 · 3sat
Kulturpalast: Jüdisch!

„Ich habe die jüdische Identität nie abgestreift“ bekennt Deborah Feldman. Die Autorin des Bestsellers „Unorthodox“ ist aus einer ultraorthodoxen Gemeinde in New York ausgebrochen. Auf dem Kulturpalast-Sofa spricht die jetzt in Berlin lebende Schriftstellerin mit Nina Fiva Sonnenberg über ihre Beweggründe für diesen radikalen Schritt, ihr Verhältnis zum Judentum und über Antisemitismus in den USA und Deutschland. In der Bundesrepublik und besonders in der Hauptstadt Berlin sind jüdisches Leben und jüdische Kultur selbstverständlicher denn je. Doch viele Juden fühlen sich auch zunehmend bedroht – die Zahl der antisemitischen Beschimpfungen und Angriffe wächst. Diese Entwicklung erfüllt den Comedian Oliver Polak mit Sorge. „Gegen Judenhass“ heißt sein neues, ganz und gar unkomisches Buch, in dem er über seine persönlichen Erfahrungen mit dem „Alltagsantisemitismus“ in Deutschland spricht – von der Kindheit im Emsland bis in die Gegenwart. Vor allem ein in seiner Erinnerung verletzender und antisemitisch konnotierter Sketch mit dem Satiriker Jan Böhmermann und anderen Comedians löste eine kontroverse Debatte aus: wann ist ein Gag antisemitisch? Und wem steht es zu, das zu beurteilen? Wie definiert sich jüdische Identität? Und kann man überhaupt von EINER Identität sprechen? Nein, sagt der Kurator und Autor Max Czollek. Er wehrt sich gegen die festgelegten Zuschreibungen seitens der deutschen Mehrheitsgesellschaft. „Desintegriert euch“ fordert er die Juden in seinem gleichnamigen Buch auf. Sie sollten sich weigern, immer weiter die ihnen zugewiesene Opferrolle im etablierten „Erinnerungstheater“ der Deutschen anzunehmen. Mit Erinnerungen spielt die Musik des kanadischen Multi-Talents Josh Dolgin alias Socalled. Er ist Rapper, Filmemacher, Puppenspieler, Produzent. Vor 20 Jahren hat er begonnen, Klezmer mit Hiphop zu mixen. Selbst ultrasäkular und ein moderner Großstadtmensch, ist er fasziniert von alten jiddischen Volksliedern und hat mit dem deutschen Kaiser-Quartet erst kürzlich ein Album aufgenommen. Mit seiner Musik gelingt es ihm, die fast schon vergessene Kultur der osteuropäischen Schtetel mit der Gegenwart zu verbinden.

Sa, 17. Nov · 20:15-20:45 · ARD-alpha
alpha-retro: 1956 – Die Vergessenen

In Paris lebten zu Beginn der 50er-Jahre viele Juden in ärmlichsten Verhältnissen. Sie waren Deutsche, die nach 1933 vor den Nationalsozialisten in die französische Hauptstadt geflüchtet waren und dann die Jahre der deutschen Besetzung im Versteck überlebt hatten. Viele von ihnen haben noch in den 50er-Jahren keine Arbeitserlaubnis und die deutschen Entschädigungszahlungen haben sie entweder noch nicht erreicht oder sind beschämend gering sind. In diesem Film aus dem Jahr 1956 werden u. a. ein Kunstmaler, eine Opernsängerin, ein Karikaturist, ein Lumpenhändler porträtiert – und die elenden Verhältnisse, in denen sie leben müssen.

Sa, 17. Nov · 20:45-21:30 · ARD-alpha
alpha-retro: 1986 – Vom Leben der Juden in Wien

Dokumentarbericht aus dem Jahr 1986 über die jüdische Gemeinde in Wien und über die Lebensbedingungen der jüdischen Bürger zwischen Assimilierung und Antisemitismus. Dieser Film stellt die Frage, wie greifbar der latente oder wiederauflebende Antisemitismus für den einzelnen ist. Er versucht keine Analyse über den Antisemitismus in Österreich, sondern will am Beispiel eines bestimmten Ortes und einiger konkreter Menschen bestimmte Tendenzen und Auswirkungen zeigen. Dokumentarbericht aus dem Jahr 1986 über die jüdische Gemeinde in Wien und über die Lebensbedingungen der jüdischen Bürger zwischen Assimilierung und Antisemitismus. Die damals 6000 Juden haben ihr Zentrum im 1. Wiener Gemeindebezirk, wo in der Seitenstettengasse der Stadttempel (Synagoge) steht. Das Judentum in Wien hat eine große und weit zurückreichende Tradition, 1938 haben in Wien gut 160.000 Juden gelebt. Der Stadttempel in der Seitenstettengasse und die Leopoldstadt im 2. Wiener Gemeindebezirk waren und sind das Zentrum der Gemeinde. 1986 bestand die Gemeinde überwiegend aus älteren Menschen: aus Emigranten, die nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt waren und aus Exilanten aus den Ostblockstaaten. Sie sagten damals im Jahr 1986, sie fühlen sich nicht nur durch den arabischen Terrorismus bedroht, sondern sehen sich auch mit einem wachsenden Antisemitismus in Österreich konfrontiert. Dieser Film stellt daher die Frage, wie greifbar dieser latente oder wiederauflebende Antisemitismus für den einzelnen ist. Er versucht keine Analyse über den Antisemitismus in Österreich, sondern will am Beispiel eines bestimmten Ortes und einiger konkreter Menschen bestimmte Tendenzen und Auswirkungen zeigen. Am Anfang des Films sieht man Aufnahmen einer jüdischen Feier: Es ist eine Bar Mitzwa – aber die Namen der beteiligten Personen sollen im Film u.a. aus Angst vor arabischen Terroranschlägen bitte nicht erwähnt werden. Diese Angst ist nicht unbegründet, im Jahr 1979 detonierte im Stadttempel ein Sprengsatz und 1981 gab es bei einem terroristischen Überfall auf ihn zwei Tote und mehr als 20 z.T. schwer verletzte Menschen. 1986 sieht man eine Besuchergruppe in der Seitenstettengasse stehe: jüdische Emigranten, die 1938 Wien hatten verlassen müssen. In ihr Gespräch hatte sich kurz zuvor eine „Dame“ eingemischt mit den Worten: „Immer wieder diese Juden. Leider sind nicht alle vergast worden.“ Aber die Besuchergruppe hatte dagegengehalten und sich gewehrt. Im weiteren Verlauf zeigt der Film junge jüdische Bürger in Wien, die darüber erzählen, wie es Ihnen geht als Juden in Wien. Und immer wieder kehrt der Film in die Seitenstettengasse im 1. Wiener Gemeindebezirk zurück, in dieses Zentrum des jüdischen Lebens in Wien.

Sa, 17. Nov · 21:30-22:00 · ARD-alpha
alpha-retro: 1977 – Die jüdische Gemeinde in Prag

Im damaligen Pressetext zu diesem Dokumentarbericht aus dem Jahr 1977 hieß es: „Die alte jüdische Gemeinde in Prag ist am Ende eines langen Weges durch die Geschichte angelangt. Die Juden dort haben sich mit der Tatsache abgefunden, daß es diese jüdische Gemeinde bald nicht mehr geben wird, da viele vor allem junge Mitglieder nach Israel auswandern, weshalb auch andere traditionelle Hochburgen jüdischen Lebens in Europa ihre geistige und kulturelle Bedeutung mehr und mehr einbüßen. Angeknüpft wird nochmals an die Entstehung und die Blütezeit der Gemeinde.“ Der Film erinnert an den berühmten Talmudisten und Philosophen Rabbi Löw, der 1609 in Prag verstarb, an die Schriftsteller Franz Kafka und Max Brod und an den in Prag geborenen Burgschauspieler Ernst Deutsch. In den Blick genommen wird z.B. auch die Altneuschul in der Prager Josefstadt, die älteste unzerstört erhaltene Synagoge in Europa. Und es wird auch die Maisel-Synagoge vorgestellt, damals bereits Teil des Jüdischen Museums in Prag mit einer Ausstellung jüdischer Kultgegenstände aus Böhmen und Mähren. Der Bericht erinnert aber auch an die unheilvollen Jahre der Nazi- Herrschaft und die beinahe vollständige Vernichtung der Prager Juden u.a. in Theresienstadt und Auschwitz. Interviewt wird u.a. auch Rudolf Iltis, Überlebender der Konzentrationslager und Mitglied der Prager jüdischen Gemeinde bereits vor 1939. Anmerkung aus heutiger Sicht: Die jüdische Gemeinde in Prag ist mit heute circa 1500 Mitgliedern nach wie vor klein aber doch immer noch sehr lebendig. (Das seit 1906 existierende Jüdische Museum in Prag war nach der deutschen Besetzung Böhmens und Mährens im März 1939 von den Nationalsozialisten geschlossen worden. Im April 1943 ist es dann von der SS als Jüdisches Zentralmuseum wiedereröffnet worden. Dafür hatten die Nationalsozialisten aus den gesamten besetzten Gebieten synagogale Gegenstände „gesammelt“. Was es mit dieser „Sammlung“ auf sich hatte, drückte die nähere Bezeichnung dieses Zentralmuseums aus: Es sollte das „Museum einer untergegangenen Rasse“ sein.) Das Jüdische Museum in Prag befindet sich wieder in den Händen der jüdischen Gemeinde und wird jährlich von mehr als 600.000 Menschen besucht. Die im Film angesprochene Maisel-Synagoge ist Teil dieses Museums.

Sa, 17. Nov · 21:45-23:15 · PHOENIX
Die Siedler

Seit Israels entscheidendem Sieg im Sechstagekrieg im Jahr 1967 haben sich israelische Bürger in den besetzten Gebieten des Westjordanlandes angesiedelt. Der Dokumentarfilm „Die Siedler der Westbank“ zeigt ungewöhnliche Einblicke in das Leben der Pioniere der Siedlerbewegung und einer schillernden Gruppe von jungen radikalen Siedlern. Es ist eine eindringliche Betrachtung der umstrittenen Bewegung, die gewaltigen Einfluss auf die Zukunft der Schicksalsgemeinschaft von Israel und Palästina hat. Zwischen 1948 und 1967 lebten keine Juden im historischen Kernland Judäa und Samaria, heute ist das Gebiet Heim von Hunderttausenden jüdischen Siedlern, die fast so unterschiedlich in Ansichten, Herkunft, und sozioökonomischem Status sind wie die restliche israelische Gesellschaft. Wie konnte das geschehen? Was hat sie dorthin gezogen? Die Geschichte der israelischen Siedlungen im Westjordanland ist ein äußerst wechselhafter Prozess. Während die frühen Siedler sich noch gegen den erklärten Widerstand der israelischen Regierung aus religiöser Überzeugung in Samaria und in Hebron niederließen, gewannen die Siedler über die Jahrzehnte hinweg zunehmend an Bedeutung und politischem Einfluss. Für ihre Unterstützung der Siedlerbewegung wird die israelische Regierung international heftig kritisiert. Die Siedlungen gelten vielen als Haupthindernis im Friedensprozess. Über die Besatzung und über das Siedlerphänomen wurde schon oft berichtet, aber diese Berichterstattung konzentrierte sich auf die Auswirkungen und nur selten auf die ideologischen und historischen Kräfte, die zur Entstehung der Siedlungen auf der Westbank führte. Dies tut diese Dokumentation. Vor allem aber gelingt in diesem Film eine ungewöhnlich intime Innensicht einer sonst nach außen abgeschotteten Gemeinschaft. In einem jahrelangen Prozess ist es dem renommierten israelischen Dokumentarfilmemacher Shimon Dotan gelungen, mit unterschiedlichsten Siedlern ins Gespräch zu kommen. Sie erzählen offen von ihren Visionen, ihrem Leben und ihrer Zukunftsvorstellung. Dem Dokumentarfilm „Die Siedler der Westbank“ gelingt eine umfassende Verknüpfung von Historie und aktuellen Schlagzeilen. Radikale, Idealisten, messianische Fanatiker, wahre Glaubensanhänger und politische Opportunisten treffen aufeinander – an der Erdbebenlinie des uralten Konfliktes stehen sie Auge in Auge mit der Geschichtsschreibung und im Konflikt mit dem Selbstverständnis Israels als moderne Demokratie.

Sa, 17. Nov · 22:00-23:40 · ARD-alpha
Lauf Junge lauf

„Lauf Junge lauf“ erzählt die wahre Geschichte des neunjährigen Jungen Srulik, dem die Flucht aus dem Warschauer Ghetto gelingt. Bis zum Ende des Krieges muss er sich allein durch die Wälder schlagen, er lernt, auf Bäumen zu schlafen und Eichhörnchen mit der Schleuder zu jagen. Um nicht verhaftet zu werden, muss Srulik eine andere Identität annehmen. Aus dem flüchtigen Juden Srulik wird das polnische Waisenkind Jurek, das christliche Gebete kennt und ein Kruzifix um den Hals trägt. Doch Jurek bleibt ein Gejagter und das bis zum Ende des Krieges. Im Alter von neun Jahren gelingt dem kleinen Srulik als einzigem Mitglied seiner Familie die Flucht aus dem Warschauer Ghetto in die nahe gelegenen Wälder. Dort muss er sich bis zum Ende des Krieges mehr oder weniger alleine durchschlagen. Die wenigen Freunde, die Srulik findet, bleiben ihm nicht lange erhalten. Er lebt so einige Monate bis zum Einbruch des Winters von Waldfrüchten, erjagten Kleintieren und kleinen Beutezügen durch die Gärten umliegender Bauernhöfe. Die Einsamkeit, der anhaltende quälende Hunger und der kalte Winter treiben ihn immer wieder in die Dörfer, wo ihm ständig Verrat droht. Aber Srulik hat Glück und wird einige Zeit von einer Bäuerin versteckt, vor allem aber mit einer neuen Identität versorgt: Aus dem flüchtigen Juden Srulik macht sie das versprengte polnische Waisenkind Jurek, das christliche Gebete kennt und ein Kruzifix um den Hals trägt. Doch Jurek bleibt ein Gejagter und das bis zum Ende des Krieges.

So, 18. Nov · 07:00-07:30 · SWR
„Uns hat der Krieg nicht getrennt“ – Christen, Juden und Muslime in Sarajewo

Es sind vier Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: eine Muslima, ein orthodoxer Christ, ein Katholik und ein Jude. Alle vier stammen aus Sarajewo, leben hier nicht nebeneinander, sondern in echtem Miteinander. Wie schafft es die Stadt auf dem Balkan, diese Menschen zusammenzubringen? Wie gelingt es, dass an diesem Ort die Menschen trotz ihres unterschiedlichen Glaubens friedlich bleiben? Wer das erste Mal nach Sarajewo kommt, den beeindruckt vor allem die topografische Lage der Stadt: zwischen lang gezogenen üppig-grünen Berghängen, eingeschmiegt ins Tal des Flusses Miljacka. Noch faszinierender aber: In Sarajewo existieren seit Jahrhunderten vier Religionen. Es gibt 90 Moscheen, 20 Kirchen und drei Synagogen auf engstem Raum. Leben und leben lassen – ist das das große Geheimnis der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas? Nur ein paar Kilometer von Sarajewo entfernt z.B. beginnt das Gebiet der Republika Srpska. Regelmäßig drohen die bosnischen Serben mit einem Referendum und der Abspaltung ihres Landesteiles. Hier lebt man noch immer in der Vergangenheit, sieht eine Teilung Bosnien-Herzegowinas als unvermeidlich an. Aber auch muslimische Fundamentalisten sind auf dem Vormarsch. Sichtbares Zeichen: die von Saudi-Arabien finanzierte neue König Fahd Moschee. Mit ihr wuchs auch der Einfluss des Islam auf die Politik. Länder wie Saudi-Arabien oder die Türkei haben in Bosnien und Herzegowina Hunderte Millionen Euro investiert. Geld, das man im muslimischen Teil gerne angenommen hat, denn die Arbeitslosigkeit liegt noch immer bei mehr als 20 Prozent. Doch inzwischen wachsen auch bei den Bosniaken die Zweifel, ob diese religiös motivierten Investitionen dem Zusammenhalt im Land nicht mehr schaden als nutzen. Till Rüger trifft vier Einwohner Sarajewos, von denen jeder für sich, eine ganz eigene Erklärung hat, warum das Zusammenleben der Religionen und der drei Ethnien trotz aller Spannungen um sie herum funktioniert.

So, 18. Nov · 19:10-19:40 · 3sat
Fromme Fremde – ultraorthodoxe Juden und Sexualität

Ultraorthodoxe Juden leben streng nach den Regeln der Thora. Mädchen und Jungen wachsen getrennt auf, das Berühren einer Person des anderen Geschlechts ist – außerhalb der Familie – verboten. Doch sobald der Bund fürs Leben geschlossen worden ist, wird aus dem sexuellen Tabu plötzlich eine religiöse Pflicht. „NZZ Format“ begleitet zwei junge Ehepaare bei ihrem Spagat zwischen religiöser Pflicht und körperlichen Bedürfnissen. Orthodoxe jüdische Ehepartner sind nämlich dazu angehalten, nach der biblischen Anweisung „Seid fruchtbar und mehret euch“ zu leben. Doch weil junge Männer und Frauen meist erst kurz vor der Hochzeitsnacht aufgeklärt werden, ist der Weg zu einem entspannten Verhältnis mit Körper und Sexualität oft ein weiter. Der jüdische Sexualtherapeut David Ribner hat den ersten Sexualratgeber für ultraorthodoxe Juden herausgegeben. Der behutsame Versuch einer Reform, denn auch in den Reihen der gottesfürchtigen „Haredis“ mehren sich die Zweifler, und die Zahl der Aussteiger nimmt zu.

So, 18. Nov · 23:15-00:45 · RBB
Vier Stimmen – Das Schicksal der Familie Klepper

Eine Familie in der Nazizeit: Der protestantische Schriftsteller Jochen Klepper, seine Frau Johanna Klepper, die aus einer jüdischen Modedynastie stammt, und ihre beiden Töchter geraten in den Strudel von Ausgrenzung und Lebensgefahr. Zuletzt gibt es nur für eine der Töchter, Brigitte, eine Rettung. Der Film lässt die vier ihr Schicksal erzählen, durch Tagebücher, Briefe und ein Interview. Das ungleiche Paar heiratet Anfang der 1930er Jahre und zieht von Breslau nach Berlin. Hier arbeitet Jochen Klepper beim Rundfunk. Doch als 1933 die Nazis an die Macht kommen, muss er gehen, weil er den Sozialdemokraten nahesteht – und wegen seiner jüdischen Frau. Klepper schreibt, hat Erfolg, wird ein bekannter Schriftsteller. Sein Roman über den preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. wird zum Bestseller. Er dichtet nun vor allem christliche Lieder. Der Glaube wird zunehmend eine wichtige Stütze für ihn und die Familie. Kleppers Bekanntheit kann seine jüdische Frau und deren Töchter aus erster Ehe, Brigitte und Renate, eine Zeitlang schützen, obwohl Klepper wegen seiner Ehe aus der Schrifttumskammer ausgeschlossen wird und nur noch mit Sondergenehmigung veröffentlichen darf. Für die heranwachsenden Kinder gibt es kaum eine Perspektive in Deutschland. Brigitte, die ältere, wird nach England geschickt, wo sie als Hausmädchen arbeitet. Renate aber bleibt – die Eltern, allen voran Jochen, wollen sie, „das Kind“, noch nicht fortschicken. „Trennung ist schon das bitterste.“ Als sie alt genug für die Auswanderung ist, herrscht Krieg, und die Wege ins Ausland sind versperrt. Die Bedrohung wird existentiell. Jochen Klepper lässt seine Beziehungen zu höchsten Stellen im Staat spielen, um Renate zu schützen und sie doch noch ins neutrale Schweden oder in die Schweiz zu bringen. Als alle Bemühungen scheitern, nehmen sich Jochen Klepper, seine Frau Johanna und deren Tochter Renate im Dezember 1942 das Leben. Der Film gibt vier Menschen eine Stimme, lässt sie ihre Geschichte erzählen. Eine filmische Collage aus Tagebüchern, Briefen, Dokumenten. Gesprochen von den Schauspielern Sylvester Groth, Leslie Malton und Judith Neumann. Brigitte, die emigrierte Tochter, gab 2003 ein längeres Interview. Allein die vier Stimmen der Familie kommen im Film zu Wort – eine ergreifende Geschichte im nationalsozialistischen Deutschland.

Mo, 19. Nov · 03:20-04:40 · arte
DJ Punk – Der Fotograf Daniel Josefsohn

Einfach und echt zu fotografieren war sein Ziel. Seine Bilder entstanden aus der Schnelligkeit des Augenblicks und aus der Wahrhaftigkeit des Moments. Er galt als der wildeste unter Deutschlands Fotokünstlern, die in den 90er Jahren die Fotografie verändert hatten. Berühmt wurde er 1994, als er für eine Werbekampagne des Musiksenders MTV Jugendliche fotografierte, die nachts in Clubs unterwegs waren. Er labelte sie als „Egoist“, „Chaot“, „Miststück“ und „Konsumgeile Göre“. So entstand ein einzigartiges Generationenporträt. Daniel Josefsohn, geboren in Hamburg, Sohn jüdischer Eltern, einer der ersten Skater in Deutschland, hat immer in Extremen gelebt. Und er schien unverwundbar. Bis zu seinem Schlaganfall 2012. Halbseitig gelähmt war der Getriebene, dem Bewegung und Unabhängigkeit alles bedeuteten, fortan auf Hilfe angewiesen. Aber er hat weiterfotografiert, vom Rollstuhl aus. Immer mit dem eigenwilligen, unbestechlichen Blick auf seine Zeitgenossen. Seine Wegbegleiter – wie die Schauspielerin Julia Hummer, der Fotograf Wolfgang Tillmans und der Comedian Oliver Polak – erinnern an einen verrückten Kerl, schwierigen Typen und großherzigen Menschen. Der Film erzählt von Daniel Josefsohn, einem der besten Fotografen Deutschlands, und fragt, wie Leben und Werk heute weiter wirken. Daniel Josefsohn starb mit 54 Jahren an den Folgen seines Schlaganfalls.

Mo, 19. Nov · 19:15-19:30 · ARD-alpha
RESPEKT kompakt: Judenhass – alte neue Vorurteile und was wir dagegen tun können

Der Film „Judenhass – alte neue Vorurteile und was wir dagegen tun können“ zeigt konkrete Möglichkeiten, um altem Antisemitismus und neuem Judenhass entgegen zu treten und den Dialog zu fördern. So erklärt die interreligiöse Gruppe „Religionauten“ im Interview, wie Christen, Juden und Muslime zusammen Gemeinsamkeiten finden und so zu einem demokratischen Miteinander im Alltag beitragen können. Moderation: Rainer Maria Jilg In sozialen Netzwerken, im Klassenzimmer und bei Präsidentschaftswahlen – Hetze gegen Juden ist Alltag: Auf Facebook werden antisemitische Klischee-Comics massenhaft geteilt. In Schulen erleben Hakenkreuz-Schmierereien, versehen mit dem Schriftzug „Drecks-Jude“, ein Comeback. In Ungarn mobilisiert Ministerpräsident Orban die Wähler mit Verschwörungstheorien vom angeblich jüdischen Geheimplan zur Überfremdung des Landes. Die Reportage „Judenhass – alte neue Vorurteile und was wir dagegen tun können“ zeigt eindrücklich, wie aktuell Judenhass heute in europäischen Nachbarstaaten und in Deutschland ist. Im Film erzählt eine jüdische Ärztin von den Anfeindungen, die sie jeden Tag erlebt. Mitarbeiter der jüdischen Gemeinde in München berichten, wie sie sich immer wieder für die Regierungspolitik Israels rechtfertigen müssen, obwohl sie deutsche Staatsbürger sind. Aus dem alten Antisemitismus ist ein neuer Judenhass geworden. Das Feindbild vom allmächtigen Juden ist ersetzt und erweitert worden durch das Feindbild Israel, sagt Antisemitismus-Forscher Wolfgang Benz. Der Nahost-Konflikt trägt auch in Deutschland zur Wiederkehr des Judenhasses bei. Und: Rechtspopulisten und Rechtsextremisten bilden eine Allianz mit Verschwörungstheoretikern und Israelfeinden, unter denen sich auch vermehrt Jugendliche mit Migrationshintergrund finden.

Mo, 19. Nov · 20:15-20:30 · ARD-alpha
Der neue Antisemitismus

Demonstrationen mit Hitlergruss und Pöbeleien, geschändete Gräber, Hass im Netz. Judenhass ist überall. Im Beitrag ordnen Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und Oliver Polak, Comedian und Autor, den neuen Judenhass ein, sprechen über Antisemitismus im Netz, ihre persönlichen Erlebnisse und auch ihre Hoffnung auf ein Deutschland ohne Judenhass. In den letzten drei Jahren häufen sich die öffentlichen Angriffe auf jüdische Deutsche. Jüdische Kinder werden an Schulen gemobbt, Studenten auf der Strasse geprügelt oder einfach nur angepöbelt. Die Angriffe kommen von rechts, von Muslimen oder auch nur vom unbescholtenen Bürger auf der Strasse. Demonstrationen mit Hitlergruss und Pöbeleien, geschändete Gräber, Hass im Netz. Judenhass ist überall. Im Beitrag ordnen Dr Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und Oliver Polak, Comedian und Autor, den neuen Judenhass ein, sprechen über Antisemitismus im Netz, ihre persönlichen Erlebnisse und auch ihre Hoffnung auf ein Deutschland ohne Judenhass. Denn für beide betrifft Antisemitismus nicht nur jüdische Deutsche, sondern die ganze Gesellschaft.

Mo, 19. Nov · 20:30-22:00 · ARD-alpha
Antisemitismus – Eine Gesprächsrunde

Hetze, Pöbeleien und Gewalt: 80 Jahre nach den Novemberpogromen des NS-Regimes in Deutschland häufen sich die Nachrichten über Mobbing und Übergriffe gegen jüdische Mitbürger. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Woher kommen diese neuen alten Stimmen? Wie äußert sich Judenhass heute? Und was kann man dagegen tun? Mit Fragen wie diesen setzt sich eine von Andreas Bönte moderierte Gesprächsrunde am 11. November im Literaturhaus München auseinander. ARD-alpha zeigt die Aufzeichnung der Diskussion am 19. November 2018 um 21.00 Uhr im Rahmen des Programmschwerpunkts „alpha-thema: Antisemitismus“. Das Ergebnis einer Langzeitstudie der TU Berlin hat es im Sommer bestätigt: Der Antisemitismus hat im digitalen Zeitalter deutlich zugenommen und ist im Internet so weit verbreitet wie noch nie. Was unterscheidet den „neuen“ vom „alten“ Antisemitismus? Und wie gefährlich ist diese Entwicklung? Darüber diskutiert Moderator Andreas Bönte mit der Schauspielerin, Theaterregisseurin und Autorin Adriana Altaras, dem Historiker und Politikwissenschaftler Götz Aly, dem international gefeierten und vielfach ausgezeichneten Pianisten Igor Levit, der nach dem Antisemitismus-Skandal bei der Verleihung des Musikpreises Echo im April seinen Echo Klassik zurückgegeben hat, und der unter dem Künstlernamen „Lady Bitch Ray“ auch als Rapperin bekannten Islam-, Sprach- und Genderforscherin Reyhan Sahin, die antisemitischen wie frauenfeindlichen Texten ihrer Rap-Kollegen den Kampf angesagt hat. Veranstalter der Gesprächsrunde sind die Literaturhandlung und die Stiftung Buch-, Medien- und Literaturhaus München in Zusammenarbeit mit ARD-alpha.

Mo, 19. Nov · 22:35-00:55 · MDR
Das Narrenschiff

Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Machtübernahme der Nazis in Deutschland setzt Regisseur Stanley Kramer ein großes Drama in Szene. Anhand unzähliger Charaktere werden unglückliche Liebes- und Lebensgeschichten, große und kleine Dramen erzählt, die sich während einer 27-tägigen Schiffsreise ereignen. Mit einem hochklassigen Ensemble internationaler Stars wie Oskar Werner, Simone Signoret, Heinz Rühmann, Lee Marvin und Vivian Leigh gelingt ihm so eine nuancierte, aufwühlende Gesellschaftsstudie jener Zeit. Das vielfach preisgekrönte Werk zählt heute zu den Klassikern der Filmkunst. 1933, am Vorabend des „Dritten Reichs“: Ein Passagierschiff ist auf dem Weg von Vera Cruz nach Bremerhaven. An Bord befinden sich in der 1. Klasse bunt zusammengewürfelt deutsche und internationale Passagiere, auf dem Zwischendeck reisen zusammengepfercht 600 abgeschobene spanische Plantagenarbeiter. Zu den Deutschen gehören der nationalsozialistische Verleger Siegfried Rieber (José Ferrer), der das besondere „Unglück“ hat, seine Kabine mit dem deutschen Juden Julius Löwenthal (Heinz Rühmann) teilen zu müssen, der immer noch an das Noble im Menschen glaubt und zurück nach Hause fahren will. Bei den Mahlzeiten wird Löwenthal bereits von den anderen deutschen Passagieren, die am Kapitänstisch sitzen dürfen, getrennt. Er speist mit dem Kleinwüchsigen Carl Glocken (Michael Dunn), der die Weisheit des Narren zu besitzen scheint und den Zuschauer gleich am Anfang des Filmes darüber informiert, welche kuriosen Gestalten er erleben wird. Während der Überfahrt wird auch Freytag (Alf Kjellin) an diesen Tisch „verbannt“, nachdem sich herumgesprochen hat, dass er mit einer Jüdin verheiratet ist. Zu den 1.-Klasse-Passagieren gehören weiter der gescheiterte, ständig betrunkene US-Baseballprofi Bill Tenny (Lee Marvin), der sich als Sexualprotz gebärdet und die verblühte Amerikanerin Mary Treadwell (Vivian Leigh), die ihre Frustrationen an Männern abreagiert. Eine zentrale Figur ist der sanfte Schiffsarzt Dr. Wilhelm Schumann (Oskar Werner), der schon zu Beginn der Fahrt Kapitän Thiele (Charles Korvin) erklärt, dass das seine letzte Überfahrt sein wird. Er verliebt sich an Bord in eine drogenabhängige Patientin, die rätselhafte spanische Adlige La Condesa (Simone Signoret), die nach Spanien deportiert werden soll.
Bild oben: © MDR/Morefilms Die spanische Adlige La Condesa (Simone Signoret) und der Schiffsarzt Dr. Wilhelm Schumann (Oskar Werner) verlieben sich auf der Überfahrt von Vera Cruz nach Bremerhaven.

Di, 20. Nov · 20:45-21:15 · MDR
Schocken – Das legendäre Kaufhaus in Chemnitz

Ach, Sie meinen „das Schocken“? Bis heute kennen die Chemnitzer unter diesem Namen das geschwungene Gebäude mit den langen Fensterreihen in der Brückenstraße. Ein Haus mit einer Geschichte, welche von Erfolg, Niedergang und Neuanfang geprägt ist. Die Brüder Simon und Salman Schocken beauftragen 1927 den Star-Architekten Erich Mendelsohn mit dem Entwurf einer weiteren Filiale ihrer Warenhauskette in Chemnitz. Die Handschrift Mendelsohns: schnörkellos, klar und geradlinig. Das Bauwerk wird zu einer Sensation, gilt als Ikone der Moderne und bringt einen Hauch von Weltstadt nach Chemnitz. Im Mai 1930 öffnet das Schocken seine Türen. Ein modernes Kaufhaus, in dem Waren angeboten werden, die sich jeder leisten kann. Eine deutsch-jüdische Erfolgsgeschichte! Doch mit der Machtergreifung der Nazis kommt der Niedergang. An den 9. November 1938 kann sich der heute 91-jährige Chemnitzer Justin Sonder noch erinnern wie heute. Der damals 13-Jährige wohnt mit seinen Eltern genau gegenüber vom Kaufhaus Schocken. „Ich bin wach geworden vom Radau, ich hatte Angst, wusste nicht, was da los war. Es hat geklirrt und gekracht. Habe aus dem Fenster geguckt und sah, wie SS- und SA-Leute und viele Männer in zivil mit Steinen bewaffnet die großen Schaufensterscheiben vom Schocken eingeschlagen haben.“ Auch Siegmund Rotstein, heute 93, erinnert sich an die Reichspogromnacht. „Das kann man einfach nicht vergessen!“ Von nun an firmiert das Chemnitzer Schocken als Merkur-Verkaufsstätte, nach 1945 als HO und später als Centrum-Warenhaus. Nach 1991 übernimmt Kaufhof das legendäre Haus. Zehn Jahre später wird es geschlossen. Doch ab 2014 kommt neues Leben in das alte „Schocken“. Nach umfangreicher Sanierung öffnet 2014 das SMAC, das staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz, im „Schocken“ seine Pforten. In einer neuen Folge von „Der Osten – Entdecke wo du lebst“ erinnern sich Zeitzeugen an die wechselvolle Geschichte dieses beeindruckenden Hauses, das von vielen Chemnitzern immer noch „das Schocken“ genannt wird.

Di, 20. Nov · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Jude. Deutscher. Ein Problem?

„An allem sind die Juden Schuld“ textete der Komponist und Kabarettist Friedrich Hollaender in seinem satirischen Gassenhauer schon 1931. Heute scheint es wieder so zu sein, dass der Antisemitismus in Deutschland wie in ganz Europa zunimmt und der „ewige Jude“ erneut in unser Land eingereist ist. Es sind nicht nur Rechtsextreme oder Islamisten, die den Juden in Deutschland Angst machen. Es ist der salonfähige Judenhass der Mitte, der laut Julius H. Schoeps, Historiker für europäisch-jüdische Geschichte, so beunruhigend ist: „Der Antisemitismus ist integraler Bestandteil der deutschen Kultur.“ Wie gehen die Juden Deutschlands damit um, dass ihre Synagogen, Museen und Schulen rund um die Uhr von Sicherheitskräften bewacht sind, dass kaum ein Jude sich mit der Kipa auf dem Kopf auf die Straße traut? Antworten sucht die Dokumentation „Jude. Deutscher. Ein Problem?“. Filmemacher Uri Schneider reist für seine Dokumentation durch die Republik, um ein Stimmungsbild zu zeichnen und Fragen zu stellen. Ist es tatsächlich ein Problem, Jude und Deutscher zu sein? Ist man immer noch – oder schon wieder – an allem schuld? Dabei trifft er eine Vielfalt von Menschen. Da ist Mirna Funk, die mit ihrem Debütroman „Winternähe“ und ihrer scharfen Beobachtung des ganz alltäglichen Judenhasses den deutschen Literaturbetrieb aufgemischt hat. Da ist Sacha Stawski, der mit seiner Webseite „Honestly Concerned“ Antisemitismus bekämpft und einen kritischen Blick wirft auf das, wie er meint, oft verzerrte Israelbild in Deutschland. Da sind Nir Ivenitzki und Doron Eisenberg, die auf den Spuren ihrer Großeltern aus Tel Aviv nach Berlin gezogen sind und dort ein Café aufgemacht haben. Da ist der junge Rabbinatsstudent Armin Langer, der mit seiner Initiative „Salaam-Shalom“ eine Brücke zwischen Juden und Muslimen baut. Und da ist Leonid Goldberg, der vor 40 Jahren aus Moskau über Israel nach Deutschland kam. Heute leitet er die jüdische Gemeinde von Wuppertal, die Ziel eines Brandanschlags von Palästinensern wurde. Goldbergs Sohn Gabriel ist mit einer jungen Jüdin in Paris verheiratet. Dort, erzählen die beiden, gibt es nach den Terroranschlägen einen Massenexodus französischer Juden nach Israel.

Di, 20. Nov · 21:00-21:45 · RBB
Das Haus am Glienicker See

Das kleine Holzhaus am See von Groß Glienicke ist fast 100 Jahre alt. In ihm spiegelt sich deutsche Geschichte, das Schicksal von Menschen und Familien wider. Denn das Haus stand stets an vorderster Front der historischen Ereignisse: Gebaut durch die jüdische Familie Alexander, wird es in der Zeit des Nationalsozialismus enteignet und später wird hinter der Terrasse des Hauses die Mauer gebaut. Der britische Urenkel der Erbauer-Familie, Thomas Harding, sucht nun die Spuren dieses Ortes. Lediglich ein paar Tapetenreste und abgeblätterte Farbe erinnern an die bunten, lebhaften Geschichten, die er immer über das „Sommerhaus in Glienicke“ von seiner Großmutter Elsie Alexander gehört hatte. Ihr Vater, Dr. Alfred Alexander, Präsident der Berliner Ärztekammer, war Privatarzt prominenter Patienten wie Albert Einstein oder Max Reinhardt mit renommierter Klinik an Berlins nobler Kaiserallee. Wenn es im Frühsommer heiß und die Luftverschmutzung unerträglich wurde, verließ die Familie ihr herrschaftliches Apartment in der quirligen Hauptstadt. Das Feriendomizil am Glienicker See war ein Rückzugsort – mit hölzernen Fensterläden, Hühnerstall und Korbstuhlterrasse. Um die inzwischen verfallene Datsche vor dem sicheren Verfall zu retten, recherchierte Thomas Harding deren Geschichte und hat darüber ein Bestseller-Buch geschrieben. „Das Haus am Glienicker See“ handelt nicht nur von den Menschen, die in dem Haus gelebt, es geliebt und verloren haben. Es handelt nicht nur von häuslichen Triumphen und Tragödien, von Hochzeiten und Geburten, Verrat und Krankheit. Es zeigt die Geschichte Deutschlands in einem turbulenten Jahrhundert.

Di, 20. Nov · 21:45-22:15 · ARD-alpha
Mittendrin – Zu Besuch bei Juden

Frankfurt. Als Hessenreporterin Antonella Berta die Schrift „F*** Juden“ auf der Wand einer Frankfurter Synagoge sieht, ist sie entsetzt und fassungslos. Im Jahr 2014, in ihrer friedlichen und multiethnischen Stadt? So etwas war für sie bis zu diesem Augenblick undenkbar. „Wie viel Judenhass gibt es bei uns, wie steht es um unsere Toleranz?“, fragt sie sich und macht sich auf die Suche nach Antworten.

Mi, 21. Nov · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Zeuge der Zeit: Eduard Kornfeld

Als in Bratislava 1942 die Deportation von Juden beginnt, wird der 14-jährige Eduard Kornfeld zusammen mit seinem Bruder von seinen Eltern außer Landes geschickt. Die Brüder werden die Eltern und Geschwister nie wiedersehen. Auf sich alleine gestellt, verstecken sich die beiden Jungen nach ihrer gefährlichen Flucht in Budapest und kämpfen jeden Tag ums Überleben. Hilfe erhalten sie keine. 1944 wird Eduard Kornfeld verhaftet und zusammen mit 400.000 Juden aus Ungarn ins Vernichtungslager Ausschwitz deportiert. Schnell begreift er das Grauen dieses Ortes. Als in Bratislava 1942 die Deportation von Juden beginnt, wird der 14-jährige Eduard Kornfeld zusammen mit seinem Bruder von seinen Eltern außer Landes geschickt. Die Brüder werden die Eltern und Geschwister nie wiedersehen. Auf sich alleine gestellt, verstecken sich die beiden Jungen nach ihrer gefährlichen Flucht in Budapest und kämpfen jeden Tag ums Überleben. Hilfe erhalten sie keine. 1944 wird Eduard Kornfeld verhaftet und zusammen mit 400.000 Juden aus Ungarn ins Vernichtungslager Ausschwitz deportiert. Schnell begreift er das Grauen dieses Ortes. Bereits bei der Ankunft sieht er wie Frauen und Kinder ins Gas geschickt werden, unter ihnen auch seine Jugendliebe Gitta. Unzählige Male steht er selbst vor Mengele – und überlebt immer wieder mit knapper Not die Selektionen des sogenannten Todesengels. „Ich hab keine Angst vor Gott, sollte es ihn geben, hab ich Vorwürfe zu machen! Dort in Ausschwitz war er nicht und in keinem Konzentrationslager!“ Und trotzdem überlebt Eduard Kornfeld das schrecklichste Vernichtungssystem der Menschheit. Von Ausschwitz wird er als Zwangsarbeiter in die KZ-Außenlager Kaufering und Kaufbeuren verschleppt. Als die Lager aufgelöst werden, wird er in den Todesmarsch nach Dachau gezwungen. Wie durch ein Wunder überlebt er das gesamte Vernichtungssystem der Nationalsozialisten. Mit einer schweren Lungentuberkulose und total entkräftet erlebt Eduard Kornfeld schließlich 1945 die Befreiung. Erst 1949 kommt er in die Schweiz, wo er lange Zeit in Sanatorien verbringt. Hier gründet er schließlich seine Familie und gibt trotz aller inneren Zweifel seine Religion an seine Kinder weiter. Doch bis heute lässt ihn ein Gedanke nicht los: „Ich kann mir nicht erklären, wieso kam ich immer mit dem Leben davon? Welche Zufälle? Ist es der liebe Gott, hab ich Engel? Ich stell mir diese Frage heut auch noch. Ich kann es mir nicht erklären.“

Do, 22. Nov · 05:15-05:30 · PHOENIX
Sarahs Land – Neubeginn in Israel

Jedes Jahr wandern tausende Juden aus aller Welt nach Israel aus – trotz hoher Lebenshaltungskosten und der unsicheren politischen Lage. Auch die Deutsche Sarah Fantl. Viele ihrer Angehörigen wurden im Holocaust ermordet. 2015 war Sarah Fantl auf einer Studienreise in Auschwitz und entdeckte dort den Koffer ihrer Urgroßmutter. Das war der Anstoß, langsam fasste sie den Entschluss, ein neues Leben anzufangen und „Alija“ zu wagen, also als Jüdin nach Israel auszuwandern. Im November 2017 war es soweit. Sie kündigte ihren Job als Journalistin, kam nach Israel, fing ein paar Monate später einen Hebräischkurs an, zog in eine Wohnung in Jerusalem. Jetzt schreibt sie ein Buch über ihre Familiengeschichte – und versucht gleichzeitig, sich ein neues Leben aufzubauen.

Do, 22. Nov · 21:00-21:45 · PHOENIX
Rechtsrockland

Themar 2017: 6.000 Neonazis aus ganz Europa marschieren in dem kleinen Südthüringer Ort auf. Es ist das größte Nazi-Festival in der Geschichte der Bundesrepublik. Vorbereitet wurde es von Thüringer Rechtsextremisten. Ostritz 2018: Fast 1.300 Rechtsextremisten kommen in die ostsächsische Kleinstadt. Gleich zwei Tage lang feiern die Neonazis ein Festival mit einschlägigen Bands, Tattoo-Wettbewerben und Kampfsport. Wieder wird die Großveranstaltung von einem Thüringer organisiert. Die Thüringer Neonazis haben sich längst in der Szene einen Namen gemacht. Europaweit gelten sie als Organisationstalente für Rechtsrockkonzerte. Die geschäf tstüchtigen, so genannten Bewegungsunternehmer melden unter dem Deckmantel der Versammlungsfreiheit ihre Festivals an. So macht die Szene Geld: für Gerichtskosten, Immobilien und für den Aufbau ihrer Strukturen. Ein Erfolgskonzept: Die Neonazi-Szene ist im Aufwind und auch das Geschäft mit der rechtsextremen Musikkultur floriert. Seit Jahren steigt die Zahl der Neonazi-Konzerte. 259 waren es laut Bundesamt für Verfassungsschutz 2017. Ein genauer Blick auf die Konzertteilnehmer lohnt sich, denn im Hintergrund ziehen alte Kader und Szenegrößen die Fäden – die „Paten des Rechtsterrorismus“. Sie sind zum Teil seit Jahrzehnten in der Szene aktiv – erst unauffällig, jetzt immer offensiver. Ihre Netzwerke sind international und funktionieren erfolgreich – in Deutschland und im europäischen Ausland. Der Einfluss der deutschen Neonazi-Netzwerker ist dort groß. Auch Gruppen wie „Combat 18“, verantwortlich unter anderem für Bombenanschläge in London, sind wieder aktiv. Ihre Strukturen sind untrennbar mit dem Musikgeschäft verbunden. Und die Behörden sehen hilflos zu.

Do, 22. Nov · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Zeuge der Zeit: Yehuda Bacon

„Kinder! In jedem Menschen ist ein unauslöschlicher Funke Gottes, und mit der Zeit wird er zur Flamme.“ An jenem Tag im Jahr 1942, als ein Lehrer in Mährisch-Ostrau diesen Satz aussprach, wusste sein 13-jähriger Schüler Yehuda Bacon noch nicht, welche Bedeutung er für ihn später einmal haben würde. In Theresienstadt, Auschwitz, Mauthausen. Auf dem Todesmarsch. Im KZ Auschwitz begegnet der Jugendliche dem berüchtigten Arzt Josef Mengele, der bei den täglichen Selektionen über Folter, Tod und Leben entscheidet und der Mozart pfeift, wenn ihm dabei langweilig wird. Yehuda Bacon muss zusehen, wie sein Vater ins Gas geschickt wird. Seine Mutter und seine Schwester sterben den Hungertod. Später, im KZ Mauthausen, wird er Zeuge von Kannibalismus. Tief traumatisierende Erlebnisse. Und der Funke, von dem sein Lehrer ihm einst erzählte? Den entdeckt Bacon, wo immer er kann, auch am Ende seiner Kräfte: zum Beispiel in der Güte des Erziehers Fredy Hirsch, der die Sprache der SS beherrscht und sein Leben dafür einsetzt, um die jüdischen Kinder in Auschwitz vor dem Tod zu bewahren. Oder im Verhalten einer Gruppe anderer Jugendlicher im KZ, die in „gottlosen Zeiten“ ihren eigenen Moralkodex aufrechterhalten und mit fremden, zum Tode verurteilten Kindern ihre Suppe teilen. „Mit meinen Händen kann ich ein Bauer werden, ich kann ein Pianist werden, ein Chirurg, denn ich habe wunderbare Finger. Aber ich kann auch ein wunderbarer Dieb werden, denn man muss nur geschickt sein. Von einem zum anderen ist ein sehr leichter Übergang.“ Yehuda Bacon Wie im Leid einen Sinn finden? Wie nach der Stunde Null weitermachen? Wie auf Hass nicht mit Hass reagieren? Yehuda Bacon hat für sich einen Weg gefunden. Über die Kunst und in seiner zutiefst menschlichen Sicht auf die Welt.

Do, 22. Nov · 21:45-22:15 · ARD-alpha
„Heimweh nach Themar“ – Jüdische Spuren an Rennsteig und Wer

Wie ein Roadmovie erzählt die Dokumentation von Ulli Wendelmann von jahrhunderte währender Gemeinschaft. Denn Juden haben zwischen Rennsteig und Werra eine fast tausendjährige Geschichte. Sie waren Händler, Mechaniker, Lehrer, Kaufleute, Bankiers, Fabrikanten. In manchen Orten wie Berkach stellten sie ein Drittel der Einwohner. In Meiningen sorgte der jüdische Bankier Gustav Strupp für wirtschaftliche Impulse weit über seine Heimatregion hinaus. Ohne die jüdische Familiendynastie Simson gäbe es die „Waffen-und Fahrzeugstadt“ Suhl nicht. 1983 schreibt Manfred Rosengarten aus San Francisco einem einstigen Klassenkameraden in Themar von seinem Heimweh. Nach der Vertreibung durch die Nazis hatte er, der Jude aus dem Süden Thüringens, in den USA ein neues Zuhause gefunden. Ganz schnell entspinnt sich ein reger Briefwechsel zwischen Einwohnern von Themar und den jüdischen Schulkameraden oder Nachbarn von damals. 2011 besuchen erstmals Nachfahren der Themarer Juden die kleine Stadt an der Werra. Die Erinnerungen werden eine „heilende“ Wirkung haben. Denn bis 1933 lebten sie hier friedlich Tür an Tür, als Freunde, Nachbarn, Kameraden. Nach dem Ende der Nazi-Barbarei gab es keine Juden mehr in der Region. Erst in jüngeren Jahren suchen und erforschen engagierte Lokalhistoriker, interessierte Einwohner und Wissenschaftler die Geschichte der Juden in der Region, knüpfen sie Kontakte zu Nachfahren. Sie können weiße Flecken in Ortschroniken mit Worten und Bildern füllen, und oft schlägt die Spurensuche eine Brücke zwischen gestern und heute. Sie finden bewegende jüdische Lebenswege, allerorten. Wie ein Roadmovie erzählt die Dokumentation von Ulli Wendelmann von jahrhunderte währender Gemeinschaft. Denn Juden haben zwischen Rennsteig und Werra eine fast tausendjährige Geschichte. Sie waren Händler, Mechaniker, Lehrer, Kaufleute, Bankiers, Fabrikanten. In manchen Orten wie Berkach stellten sie ein Drittel der Einwohner. In Meiningen sorgte der jüdische Bankier Gustav Strupp für wirtschaftliche Impulse weit über seine Heimatregion hinaus. Ohne die jüdische Familiendynastie Simson gäbe es die „Waffen-und Fahrzeugstadt“ Suhl nicht. In Oberhof organisierte Dr. Alexander Lion bis 1936 die Betreuung bei Ski-Wettkämpfen, die Sanitätskolonnen des jüdischen Arztes wurden Vorläufer der allgemeinen Bergwacht. Doch die tausendjährige Geschichte ist ebenso voll von Pogromen, Vertreibungen und der Auslöschung der jüdischen Bevölkerung mit dem Holocaust..

Fr, 23. Nov · 03:05-03:35 · 3sat
Hessenreporter: Ein Jude und sein Dorf – Besuch in der Wetterau

In Wohnbach in der Wetterau, erwarten sie einen ganz besonderen Gast: Hans Bär besucht nach 80 Jahren Exil in Argentinien zum ersten Mal sein Heimatdorf, in dem heute 1000 Menschen leben. Mit 14 floh er mit der Mutter vor den Nazis. Nun kommt der 95-Jährige mit seinen Enkelinnen nach Wohnbach. Neugierig auf die alte Heimat ihres Großvaters, hatten sie diese Zeitreise angestoßen. Und Hans Bär will voller Mut einen Blick in die Vergangenheit wagen. Ohne jedoch genau zu wissen, wie sehr dies die alten Wunden wieder aufreißen kann. Gespannt und voller Energie macht er sich auf den weiten Weg, aber als er ankommt, braucht er doch einen Moment, ehe er die Kraft hat, aus dem Auto zu steigen. Und was macht das mit dem Dorf, wenn einer zurückkehrt, der die Menschen an die Nazizeit erinnert, in der die jüdischen Mitbürger vertrieben oder ermordet wurden? An der Mauer unter der evangelischen Kirche hängt eine Gedenktafel für die jüdischen Opfer aus Wohnbach. Auch Großvater und Onkel von Hans Bär sind darauf erwähnt. Einige wenige Menschen von damals leben heute noch im Ort. Werden sie ihn noch erkennen? Wie schwer wird es, mit dem Überlebenden der jüdischen Familie Bär ins Gespräch zu kommen? Wolfgang Harmert hat eine Begrüßungsgruppe ins Leben gerufen, organisiert das Programm des großen Empfangsfests in der Dorfturnhalle – mit Bürgermeister, Heimatliedern und fast 50 Torten. Die Pfarrerin bereitet einen Gottesdienst vor und die Familie, die in dem Haus wohnt, in dem Hans Bär als Kind wohnte, hat sich vorgenommen, für ihn ein Bäumchen zu pflanzen und ihm sein altes Zuhause zu öffnen. Was wird wohl klappen, was nicht? Wie wird Hans Bär seine alte Heimat erleben?

Fr, 23. Nov · 22:30-23:00 · PHOENIX
Ewiger Kampf um die heilige Stadt

Drei Weltreligionen, zwei Völker und eine Heilige Stadt – Jerusalem. Seit Jahrtausenden ist sie Sehnsuchtsort für Pilger und Schauplatz der Geschichte. Doch wem gehört Jerusalem? Nirgendwo liegen die heiligen Stätten von drei Weltreligionen so dicht beieinander. Früher haben Araber und Juden dort gemeinsam gebetet. Doch heute regiert der Hass. Zeitzeugen berichten von der Staatsgründung Israels im Mai 1948 und den Folgen. Für das jüdische Volk geht damals der Traum vom eigenen Staat in Erfüllung. Die arabische Bevölkerung nennt den Tag bis heute „Nakba“: Katastrophe. Seitdem konkurrieren zwei Völker um Jerusalem – und kein … Drei Weltreligionen, zwei Völker und eine Heilige Stadt – Jerusalem. Seit Jahrtausenden ist diese Sehnsuchtsort für Pilger und Schauplatz der Geschichte. Doch wem gehört Jerusalem? Klagemauer, Grabeskirche und Al-Aqsa-Moschee: Nirgendwo liegen die heiligen Stätten von drei Weltreligionen so dicht beieinander. Früher haben Araber und Juden dort gemeinsam gebetet. Doch heute regiert der Hass. Vor 70 Jahren ruft David Ben-Gurion den Staat Israel aus. Noch in der Nacht greifen die arabischen Nachbarn an. Es ist der Anfang des Nahost-Konflikts. In der Dokumentation „Jerusalem – ewiger Kampf um die Heilige Stadt“ berichten Zeitzeugen von der Staatsgründung im Mai 1948 und den Folgen. Für das jüdische Volk geht damals der Traum vom eigenen Staat in Erfüllung. Die arabische Bevölkerung nennt den Tag bis heute „Nakba“: Katastrophe. Seitdem konkurrieren zwei Völker um Jerusalem – und kein Frieden ist in Sicht.

So, 25. Nov · 22:00-23:30 · 3sat
Tatort: Die Musik stirbt zuletzt

Zahlreiche illustre Gäste strömen ins Kultur- und Kongresszentrum Luzern. Limousinen fahren vor, Abendkleider schimmern im Glanz der Scheinwerfer. – Ein „Tatort“ in nur einer Einstellung. Der reiche Unternehmer und Mäzen Walter Loving veranstaltet ein Benefizkonzert mit dem argentinischen Jewish Chamber Orchestra. Werke von Komponisten, die während des Zweiten Weltkrieges im Konzentrationslager umgekommen sind, sollen an die Opfer der Shoah erinnern. Walter Loving selbst hat damals zahlreichen Juden zur Flucht verholfen und damit ihr Leben gerettet. Doch ist der Patriarch wirklich der Gutmensch, den alle gern in ihm sehen? Nicht nur sein „missratener“ Sohn Franky Loving hat mit seinem Vater noch eine Rechnung offen. Auch die berühmte jüdische Pianistin Miriam Goldstein plant, während des Konzerts ein dunkles Geheimnis der Familie Loving zu lüften. Ein unbekannter Erpresser wiederum will dies verhindern. Und als ein Giftanschlag auf den Klarinettisten des Orchesters, Vincent Goldstein, erfolgt, treten Reto Flückiger und Liz Ritschard auf den Plan. Was ein besinnlicher Abend mit klassischer Musik werden soll, gerät aus den Fugen: Erpressung, Mord, dunkle Geheimnisse, ungesühnte Schuld … und mittendrin: Flückiger und Ritschard, die unter massivem Zeitdruck den Täter finden müssen. Was den 14. Schweizer „Tatort“ einzigartig macht: Die gesamte Handlung wurde in einer einzigen Kameraeinstellung gedreht. Dies erforderte eine punktgenaue Inszenierung und intensive Proben. Der Tatort „Die Musik stirbt zuletzt“ wurde an vier Abenden – ähnlich einer Theateraufführung – durchgespielt, während der Kameramann Filip Zumbrunn den Schauspielerinnen und Schauspielern stetig folgte, ohne je die Aufnahmen zu unterbrechen.

Mo, 26. Nov · 01:30-03:00 · HR
Das Wunder von Leningrad

Noch im Sommer 1941 genießt die 17-jährige Olga Kvade ihre von Musik und Theater geprägte Jugend im traumhaft schönen Leningrad. Doch schon wenige Wochen später steht die deutsche Wehrmacht, unter ihnen Unteroffizier Buff, vor den Toren der Stadt und schließt den Blockadering. Während der folgenden, 872 Tage andauernden Blockade Leningrads werden mehr als eine Million Zivilisten den Tod finden. Mit der Strategie des Aushungerns begeht die deutsche Wehrmacht auf Befehl Adolf Hitlers eines der größten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs. Eine Quelle des Lebens in diesen schweren Tagen ist das Radio und die Musik von Karl Eliasberg und seines Rundfunkorchesters. Unermüdlich kämpft er mit den Mitteln der Kunst gegen die Grausamkeit des Krieges an. Gerade als Eliasberg verzweifelt aufhören will, bekommt er den Auftrag seines Lebens. Er soll die 7. Symphonie von Dimitri Schostakowitsch aufführen. Als Zeichen des Widerstands soll das Werk den Deutschen und der Welt zeigen, dass Leningrad lebt. Der deutsche Unteroffizier Wolfgang Buff verzweifelt in dieser Zeit zunehmend an der Grausamkeit der Ostfront. Die Stadt verwandelt sich in eine Hölle aus Hunger, Kälte und Tod. Als endlich die vollständige Partitur von einem tollkühnen Flieger in die Stadt gebracht wird, gelingt Eliasberg und dem Orchester das schier Unmögliche: Für einen kurzen Moment hält im Sommer 1942 der Krieg inne, und die Klänge der „Leningrader Symphonie“ bahnen sich ihren Weg durch die Stadt bis hin zu den Stellungen der Deutschen. Eindrückliche Interviews mit Zeitzeugen, einzigartige Archivaufnahmen aus dem besetzten Leningrad und aufwändig produzierte Spielszenen zeichnen die erschütternde Geschichte einer der berühmtesten Symphonien des vorigen Jahrhunderts. Die Belagerung Leningrads war eines der größten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs und zugleich eine große Propagandaschlacht dieser Zeit: Die Aufführung der „Leningrad Symphonie“ gilt in Russland bis heute als ein Wendepunkt des Krieges. „Das Wunder von Leningrad“ schildert als packendes Doku-Drama diese Tragödie aus der Perspektive der Belagerten und der Belagerer und zeigt den grausamen Alltag einer Stadt, die dem Tode geweiht scheint. Neben den Interviews mit Zeitzeugen wie Olga Kvade und Joachim Buff, dem Bruder des Wehrmachtssoldaten Wolfgang Buff, wird der Film wissenschaftlich untermauert durch Experteninterviews mit dem Historiker Prof. Dr. Sönke Neitzel und der britischen Journalistin und Schriftstellerin Anna Reid.

Di, 27. Nov · 20:15-21:45 · arte
Unantastbar – Der Kampf für Menschenrechte

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Anlässlich des 70. Jahrestages der UN-Menschenrechtserklärung zeigen Angela Andersen und Claus Kleber, wie es real um diese Säulen der menschlichen Zivilisation steht. Eine globale Bestandsaufnahme, die unbequeme Fragen aufwirft. Zwar wurden 1948 angesichts der Gräuel des Zweiten Weltkriegs die vermeintlich für alle Erdenbürger gültigen Menschenrechte formuliert, diese manifestierten aber eine rein westlich-abendländische Weltanschauung. Die Sitten und Wertevorstellungen der islamischen Welt und asiatische Gesellschaftsnormen wurden nicht gleichermaßen berücksichtigt. Liegt hier vielleicht ein Schlüssel zum Verständnis aktueller Konflikte und Krisen? Welche Nachbesserungen sind nötig? Es kommen Stimmen aus vielen Teilen der Welt zu Wort – Menschen, die an der Basis arbeiten, ebenso wie solche, die die Last politischer Verantwortung kennen. Biografisch stechen dabei zwei Protagonisten heraus: die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright, die als Kind die Schrecken des Naziterrors erlebte, und Joachim Gauck. Dieser stritt in verschiedenen Funktionen für die Einhaltung der Menschenrechte: als Pastor in der DDR, nach der Wende als Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen und schließlich sogar als Bundespräsident. Die Dokumentation belegt: 70 Jahre nach der UN-Deklaration ist die globale Einhaltung der Menschenrechte nach wie vor ein unerreichtes Ideal – aber eines, für das es sich zu kämpfen lohnt.

Mi, 28. Nov · 06:00-07:30 · PHOENIX
Aidas Geheimnisse

Der Film erzählt eine ungewöhnliche Familiengeschichte, die den Zeitraum von rund 70 Jahren umfasst. Als Izak erfährt, dass ihm seine engsten Angehörigen viele Jahre lang die Wahrheit über seine Herkunft verschwiegen haben, bricht für ihn eine Welt zusammen. Er kam 1945 im Lager Bergen-Belsen zur Welt. Als „Nachkriegswaise“ wurde er nach Israel geschickt und dort adoptiert. Als er nach seiner leiblichen Mutter sucht, kommt heraus, dass es ein noch viel größeres Geheimnis geben muss. Seine Spurensuche führt von Israel in die USA, nach Kanada und nach Deutschland.

Mi, 28. Nov · 13:55-15:25 · arte
Akte Grüninger

1938 herrscht in Europa noch Frieden. Doch die Judenverfolgung und die Aggression von Nazi-Deutschland werfen ihre Schatten über den Kontinent. Im August versammeln sich im Schweizerischen Bundeshaus in Bern die zuständigen Minister und Polizeidirektoren aus 23 Kantonen auf Einladung des Chefs der Eidgenössischen Fremdenpolizei Heinrich Rothmund, um alarmierende Berichte von der Grenze zu diskutieren: Täglich überschreiten zahlreiche jüdische Ankömmlinge die Schweizer Grenze. Nach der Versammlung schließt die Schweiz ihre Grenze für jüdische Flüchtlinge. Von diesem Moment an darf niemand ohne gültiges Visum über die Grenze. Zur Überprüfung der bisherigen illegalen Grenzübertritte leitet Rothmund eine Untersuchung ein. Polizeiinspektor Robert Frei, ein junger, ehrgeiziger und obrigkeitsgläubiger Beamter, wird in den Kanton Sankt Gallen beordert. Doch weiterhin gelangen Hunderte von Menschen ohne gültiges Visum über die Grenze. In Sankt Gallen kommt Frei einem Hilfssystem auf die Schliche, das von breiten Teilen der Bevölkerung getragen und vom Kommandanten der Schweizer Grenzpolizei Paul Grüninger ermöglicht wird. Die jüdischen Einreisenden werden in einem Lager in Diepoldsau untergebracht, das Grüninger mithilfe des Vorstehers der Israelitischen Gemeinschaft Sidney Dreifuss in Betrieb hält. Im Laufe der Ermittlungen erhärtet sich der Verdacht, dass Grüninger Dokumente fälscht und Flüchtlinge ohne gültige Visa einreisen lässt. Der Sankt Galler Polizeihauptmann gesteht Frei zwar seinen Gesetzesbuch: Doch er tue dies aus reiner Menschlichkeit und könne nicht anders. Grüningers Uneinsichtigkeit und der Anblick der hilfesuchenden Flüchtlinge lassen bei Frei Zweifel an der Richtigkeit seines Auftrags aufkommen. Soll er seinen Vorgesetzten seinen Bericht vorlegen? Oder Paul Grüninger decken?

Do, 29. Nov · 00:40-01:35 · arte
Die Grauen der Shoah, dokumentiert von sowjetischen Kameramännern

Die weltbekannten Filmaufnahmen von der Befreiung der Konzentrationslager waren lange die einzigen Dokumente, die der Shoah im kollektiven Gedächtnis ein Gesicht gaben und den Horror ansatzweise greifbar machten. Doch was wissen wir von den drei Millionen Juden, die auf sowjetischem Boden ums Leben kamen? Nach Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Paktes 1939 hatte die UdSSR die baltischen Länder und den östlichen Teil Polens annektiert. In diesen Ländern und in der Ukraine werden sich die größten Massaker abspielen: Millionen sowjetischer Zivilisten werden ermordet und mit ihnen die ganze jüdische Bevölkerung. In den von der Wehrmacht eroberten Gebieten betreiben sogenannte Einsatzgruppen aus Polizei und Waffen-SS eine mörderische Jagd ohnegleichen. Die Bilder, die bei der Öffnung der sowjetischen Archive rund 60 Jahre nach Kriegsende ans Licht kamen, enthüllen nun das ganze Ausmaß dieses Dramas. Zusammen mit deutschen, litauischen und ukrainischen Aufnahmen erzählen sie vom Holocaust jenseits der offiziellen Geschichtsschreibung und von diesem vergessenen Massenmord am jüdischen Volk. Ab 1941 wurden sowjetische Kameramänner an die Front geschickt, um das festzuhalten, was Stalin den „Großen Vaterländischen Krieg“ nannte. Ihre Bilder sollten das sowjetische Volk davon überzeugen, gemeinsam gegen den Nationalsozialismus zu kämpfen. Ununterbrochen und bis zum Kriegsende filmten diese Männer die Gräueltaten des Feindes – zur Bewahrung der nationalen Einheit wurde jedoch verschwiegen, dass die jüdische Bevölkerung zu den ersten Opfern der Besatzer gehörte.

Do, 29. Nov · 05:15-05:30 · PHOENIX
Vilnius – Spurensuche im Jerusalem des Nordens

Wenn man wissen will, wie die Sowjetunion auf dem jüdischen Erbe herumgetrampelt hat, muss man mit Amit Belaite auf Spurensuche gehen. Startpunkt ist der Sportpalast. Es ist eine Reise auf der Suche nach der verlorenen Zeit. „Und dein Vater hatte dich gewarnt?“ „Und mein Vater hat mich gewarnt: ‚Tritt nicht auf diese Stufen!‘ Und ich habe mich gefragt: Warum?“ Es gibt eine Generation deren Wissbegier größer ist als der Schmerz. Und es weht ein neuer Wind durch Vilnius: Jetzt werden die Steine gesammelt – und wieder etwas in Ordnung gebracht. Niemand soll mehr auf jüdischen Grabsteinen herumtreten. Vilnius ist eine Stadt der Denkmäler, und pflegt seine Heroen. Manche werden geehrt wie John Lennon, andere nicht erwähnt, obwohl sie oder ihre Ahnen von hier stammen: Man könnte sich fragen, warum Lennon von den Beatles, der nie hier war, so ein Denkmal kriegt, und andere wie Leonard Cohen und Bob Dylan, deren Wurzeln in Litauen liegen nicht vorkommen. Der Bürgermeister in seinem Büro, hoch über der Stadt, ist schon einen Schritt weiter. Er versucht ständig, Juden aus aller Welt zu einem Besuch in der alten Heimat zu überreden. Wir fragen: „Halb Hollywood stammt doch von hier. Und ihr früherer Kollege Michael Bloomberg – war er schon hier?“ In allem liegt eine Wehmut und Sehnsucht, etwa wenn Amit durch das frühere Ghetto streift und in die Hinterhöfe schaut. Fast alle litauischen Juden starben, umgebracht von SS-Truppen und einheimischen Helfershelfern:“Ich weiß nicht wer hier wohnte, vielleicht Deportierte oder Leute, die umgebracht wurden.“(Amit Belaite) Die Fotos auf der Hauptstraße des früheren Ghettos wurden zwischen den Ruinen gefunden, Szenen einer besseren Zeit: Man sieht glückliche Menschen – und keiner weiß, ob so ein Leben jemals wieder nach Vilnius zurückkehrt. Die einzige Synagoge, die noch in Gebrauch ist: Es reicht auch ein Gotteshaus, für die kleine jüdische Gemeinschaft. Während der Sowjetzeit überlebt es als Lagerhalle für Arzneien:“Vilnius trug den Beinamen ‚Jerusalem des Norden‘. Wir waren mal 250.000 Juden, fast jeder zweite Bewohner von Vilnius war Jude und wir hatten mehr als 100 Synagogen. Jetzt sind wir noch 2500 Leute in der Gemeinde. Wenn wir uns heute in der Siemens-Arena mit 10.000 Plätzen versammeln, dann sieht sie immer noch leer aus.“ (Simas Levinas, Vorsitzender der jüdischen religiösen Gemeinde Vilnius) Amit hat für sich einen Weg gefunden, ihre Familie zu vergrößern, die so klein geworden ist: Großvater und Großmutter waren die einzigen Familienmitglieder, die den Holocaust überlebten, so dachte sie jedenfalls. Sie blättert im Familienstammbaum. Dorf findet sie auch die Schwester ihres Großvaters, die, wie sie erst jetzt weiß, erst vor einem Jahr gestorben ist.

Do, 29. Nov · 23:15-00:00 · HR
Geheimnisvolle Orte: Die Synagoge mit der goldenen Kuppel

Als die „Neue Synagoge“ 1866 eingeweiht wurde, kam selbst der preußische Ministerpräsident und spätere Reichskanzler Otto von Bismarck und war beeindruckt vom Bau mit der goldenen Kuppel. Diese Synagoge erinnerte – ganz bewusst – an die spanische Alhambra. Ein Wunder der Baukunst und – der Politik. Die „Neue Synagoge“ war ein sichtbares Zeichen der Toleranz und Akzeptanz gegenüber Juden und gleichzeitig eine Provokation für Antisemiten: Sie war ein Symbol für das Selbstbewusstsein der jüdischen Gemeinschaft. Die Hoffnung, in der deutschen Gesellschaft angekommen zu sein, trug über sechs Jahrzehnte und zerbrach endgültig in der Pogromnacht vor 80 Jahren – am 9. November 1938. Ein preußischer Polizeibeamter rettete die „Neue Synagoge“ damals vor dem Feuer. Doch 1943 wurden große Teile des Gebäudes in einer Bombennacht zerstört. Erst in den 1990er Jahren wurde die Synagoge als „Centrum Judaicum“ mit restaurierter Fassade und neugebauter Kuppel wieder aufgebaut, doch ohne ihr Herzstück – die große Hauptsynagoge. Hinter den verglasten, konservierten Ruinenteilen verbergen sich noch immer rätselhafte, geheimnisvolle, auch unbekannte Geschichten, über die unter anderem der langjährige Direktor des Centrum Judaicum, Hermann Simon, und Ruth Winkelmann, ehemalige Schülerin der nahegelegenen Mädchenschule, berichten. Der Film erzählt von einer bis heute in vielen Teilen verschwundenen Kunstsammlung, von entdeckten Inschriften von NS-Gefangenen, von einer heimlichen Bar Mizwa unter den Augen der Nazis und von der Chuzpe ostdeutscher Juden und weitsichtiger SED-Genossen, die den vollständigen Abriss der Synagoge verhinderten. Die Schönheit dieses faszinierenden Baus ist heute nur noch zu erahnen und wird – exklusiv für diesen Film – durch einzigartige Animationen und Fotos wieder erlebbar.

Fr, 30. Nov · 00:00-01:35 · RBB
Heil

Der gefeierte afrodeutsche Autor Sebastian Klein ist auf Lesereise in der ostdeutschen Provinz und wird von den ortsansässigen Neonazis standesgemäß begrüßt: mit einem Schlag auf den Kopf. Sebastian verliert prompt sein Gedächtnis und plappert alles nach, was man ihm sagt. Nina, Sebastians hochschwangere Freundin in Berlin, ist in höchster Aufregung. Kurzerhand fährt sie nach Prittwitz und setzt sich zusammen mit dem Dorfpolizisten Sascha auf die Fersen ihres Freundes. Der ist in der Hand der rechten Kameraden und ihres Anführers Sven und fühlt sich pudelwohl. Feixend tingelt er durch die Talkshows und drischt die Parolen, die Sven ihm einflüstert. Ein „Schwarzer“, der gegen Integration wettert – die Öffentlichkeit ist aus dem Häuschen. Und Sven sieht sich endlich auf dem Weg zum Meinungsführer. Bei seiner Angebeteten, der Nazibraut Doreen, kann er damit aber nicht punkten. Die will Taten sehen. Historische Taten. Und so rüstet Sven seine Leute zum großen Showdown – während beim Verfassungsschutz die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, und beide gerade nicht ins Internet kommen. Was kann die Welt jetzt noch retten? Und was die Liebe von Nina und Sebastian? HEIL ist eine Gesellschaftssatire, in der alle durch den Kakao gezogen werden: Die alten rechtsradikalen Schläger und die neuen, sich harmlos gebenden „Nipster“, die liberalen Intellektuellen mit ihren Denkverboten, die Antifa mit ihren Schwarzweiß-Feindbildern, der Verfassungsschutz, der Kulturbetrieb und nicht zuletzt die Medienöffentlichkeit, die süchtig ist nach Erregung und sich ihre eigene Wirklichkeit schafft.

Fr, 30. Nov · 00:00-01:30 · HR
Rabbi Wolff

Willy Wolff ist der Publikumsliebling aus „Im Himmel, unter der Erde“, dem Dokumentarfilm über den Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee. Dort war der kleine Mann mit Hut eine Nebenfigur, aber er schaffte, was unmöglich schien: Er sprach witzig, klug und charmant über Tod, Trauer und die Vorstellungen vom Jenseits. Seinetwegen verließen die Zuschauer den Film in heiterer Stimmung. 1927 in einer jüdisch-orthodoxen Familie in Berlin geboren, lebt Willy Wolff seit seinem zwölften Lebensjahr in England. Bevor er mit über 50 Jahren Rabbiner wurde, war Willy Wolff Journalist. Als politischer Korrespondent verschiedener englischer Tageszeitungen begleitete er drei Jahrzehnte Weltpolitik aus nächster Nähe. So reiste er mit dem britischen Außenminister nach China, in die Sowjetunion oder traf sich mit den Regierungschefs aus ganz Europa. Dieses Leben gab er auf für seinen Traum: Rabbiner zu werden. Als Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern betreut Willy Wolff die jüdischen Gemeinden in Schwerin und Rostock, aber er wohnt in einem kleinen Haus bei London. Mitte der Woche fliegt er meist nach Hamburg, steigt dort in den Zug und pendelt zu seinen Einsatzorten im Nordosten Deutschlands. In der Regel tritt er samstags die Rückreise nach England an. Oder er ist unterwegs zu einer Hochzeit in Mailand, zu einem Ausflug nach Wien oder zu den regelmäßig tagenden Rabbinerkonferenzen irgendwo in Deutschland. Höhepunkte im Jahr sind für ihn das königliche Pferderennen von Ascot, das Weihnachtssingen in der Schlosskirche von Windsor und das Neujahrsfasten in Bad Pyrmont. Willy Wolff führt ein Jetset-Leben, das er sich eigentlich nicht leisten kann. Der Umgang mit Geld zählt nicht zu seinen Stärken, das führt gelegentlich zu ziemlich weltlichen Konflikten. Rabbi Wolff ist nicht nur unterhaltsam, er öffnet Türen. Mit Witz und Charme gibt er Einblick in die Welt des Judentums. Der Dokumentarfilm über Willy Wolff ist nicht nur das Porträt einer bezaubernden Persönlichkeit, es ist auch eine Reise zu uns selbst, inspirierend und sehr unterhaltsam.

Fr, 30. Nov · 18:50-18:54 · MDR
Gedanken zu Chanukka

Das jüdische Lichterfest wird in der dunklen Jahreszeit gefeiert, der Termin variiert in jedem Jahr. 2018 werden die Chanukka-Kerzen vom 03. bis 10. Dezember entzündet. Das Fest erinnert an drei wichtige Ereignisse in der Geschichte des jüdischen Volkes: die Befreiung aus griechischer Herrschaft, die zweite Weihe des Tempels und ein Lichtwunder. Felix Seibert-Daiker erzählt, was es mit diesem Lichtwunder auf sich hat und wie in jüdischen Familien heute Chanukka gefeiert wird.

Fr, 30. Nov · 20:15-22:05 · arte
Napola – Elite für den Führer

Berlin im Spätsommer 1942. Noch glaubt man im Reich an den Gewinn des Krieges. Bei einem Kampf seines Boxvereins wird das 17-jährige Boxtalent Friedrich Weimer entdeckt. Heinrich Vogler, Lehrer an der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt (Napola) Allenstein, lädt Friedrich zur Aufnahmeprüfung ein, die dieser erfolgreich absolviert. Entgegen dem Verbot seiner Eltern erschleicht Friedrich sich so den Eintritt in eine der Eliteschulen des Dritten Reichs. In der Napola staunt Friedrich über den militärischen Drill und die Hierarchien, die Ausstattung und das reichliche Essen. Mit Albrecht Stein kommt ein weiterer Neuzugang in seine Stube: Albrecht ist der Sohn des neuen Gauleiters Heinrich Stein, der keinen Zweifel daran lässt, dass er von seinem Sohn Großes erwartet. Zucht und Ordnung bestimmen den Schulalltag. Vor allem Josef Peiner, zuständig für Leibeserziehung, macht seinem Spitznamen „Peiniger“ alle Ehre. Nicht alle halten dem sadistischen Druck stand. Obwohl Friedrich und Albrecht ganz unterschiedlich sind, wächst zwischen ihnen eine intensive Freundschaft. Albrechts Vater, der die sanfte Art seines Sohnes verachtet, ist von Friedrichs Draufgängertum begeistert. Bei seiner Geburtstagsfeier fordert er die Freunde auf, gegeneinander zu kämpfen, und ermuntert Friedrich, den schwächeren Albrecht nicht zu schonen… In der Napola wird die Lage ernst, als die Jungmannen zu den Waffen gerufen werden, um einen Trupp geflohener Kriegsgefangener aufzuspüren. Langsam öffnen sich Friedrich die Augen.

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