„Angriffe auf die Erinnerungskultur werden wir nicht dulden“

Zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome starten die deutschlandweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus mit über 150 Veranstaltungen…

Berlin, 01.11.2018. „Gegen Antisemitismus – Mehr als warme Worte!“ Zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome starten die Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus – deutschlandweit und stärker denn je. Das Gedenken steht am Anfang eines breiten Engagements gegen Antisemitismus hier und heute. Über 150 Veranstaltungen sind mit 90 Kooperationspartner*innen für die kommenden Wochen geplant. Schirmherr der diesjährigen Aktionswochen ist der Beauftragte der Bundesregierung für die Bekämpfung des Antisemitismus Dr. Felix Klein.

„Am 9. November vor neuem Antisemitismus zu warnen, klingt wie die hohle Ansage politischer Routine. Aber allein die Tatsache, dass es politische Gruppen gibt, die jene Verbrechen für einen Vogelschiss halten oder sonstige gedankliche Anleihen aus der Ideologie der Mörder beziehen, muss ein Grund sein zu handeln“, betont Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, die die Aktionswochen vor 15 Jahren ins Leben rief. Keine Form von Antisemitismus soll dabei ignoriert werden: „Angriffe auf die Erinnerungskultur dürfen wir ebenso wenig dulden wie religiös motivierten Antisemitismus. Israelbezogener Antisemitismus ist überall zu finden: von links bis rechts und oben bis unten. Auch Verschwörungserzählungen, die immer häufiger an Stammtischen und online verbreitet werden, mögen in ihrer Skurrilität verlacht werden, doch sie sind eine gefährliche Basis für antisemitische Angriffe.“

Als größte Kampagne ihrer Art wirken die Aktionswochen gegen Antisemitismus der Ermüdung von Politik und Zivilgesellschaft entgegen. Sie wirken in der gesamte Breite der Gesellschaft: von der kleinen Jugendinitiative, über bekannte Museen und Gedenkstätten, bis hin zu politischen und zivilgesellschaftlichen Institutionen. Jüdische Gemeinden und Organisationen sind aktiv beteiligt und teilen im Rahmen vieler Veranstaltungen die aktuellen Erfahrungen, die Jüdinnen und Juden in Deutschland machen. Ziel ist, gemeinsam entschieden und kraftvoll gegen Antisemitismus zu handeln. In Berlin wird als Teil des vielfältigen Angebots der Aktionswochen am 19.11.2018 die Anne Frank-Ausstellung neu eröffnet. In Chemnitz lädt die Landeszentrale für politische Bildung zum Vortrag: „Was ist Antisemitismus?“. In Köln wird es an der Antoniter City Kirche am 20.11.2018 eine Projektion antisemitischer Vorfälle geben. Das Puppentheaterstück „Isaak und der Elefant Abul Abbas“ wird im November an verschiedenen Orten in Thüringen in Deutsch und Arabisch aufgeführt.

Alle Veranstaltungen zu den Aktionswochen finden Sie online unter: http://www.aktionswochengegen-antisemitismus.de/

Die Bildungs- und Aktionswochen wurden 2003 von der Amadeu Antonio Stiftung ins Leben gerufen. An über 200 Orten bundesweit fanden seither 3.000 Veranstaltungen mit 500 Partnerorganisationen statt. Im dritten Jahr in Folge finden sie in Kooperation mit dem Anne Frank Zentrum statt. Sie werden gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Die offizielle Eröffnung findet am 8. November in Berlin statt – unter anderem mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Niels Annen und dem israelischen Botschafter Jeremy Issacharoff.

Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich seit 1998 für eine demokratische Zivilgesellschaft ein, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Ziel ist es, jene zu unterstützen, die antidemokratischen Tendenzen entschieden entgegentreten und sich für Minderheitenschutz und die Menschenrechte stark machen. Die gemeinnützige Stiftung steht unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Thierse.

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