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Kitschstory für einen Holocaustleugner

Der Kölner WDR hat nicht immer „ein glückliches Händchen“, wenn es um offenkundigen Antisemitismus und um Holocaustleugnung geht. Die Geschichte der Fehlleistungen und Eigentümlichkeiten des WDR ist schon einmal nacherzählt worden. Höhepunkt war die vom WDR anfangs abgelehnte Ausstrahlung der Fernsehdokumentation Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa

Von I. Schmidt

Als die Kritik an dieser befremdlichen Ausgrenzung unüberhörbar wurde, machte der WDR die Sache nur noch schlimmer: Er strahlte die Sendung zwar aus, unterzog sie jedoch einem „Faktencheck“ – und stattete sie mit denunziatorisch-oberlehrerhaften Untertitelungen aus, um den seriösen Ruf der Filmemacher wirklich für immer zu ruinieren. Dann unterstützte der WDR ausgerichtet den BDS-Protagonisten Roger Waters. Immerhin: Nach Beschwerden und einem Offenen Brief machte der WDR einen Rückzieher.

Der WDR: Walter Herrmann und Reza Begi

Antisemitismus war und ist in Köln ein allgegenwärtiges Thema. Der WDR erlebte ihn direkt vor seinen Toren: Über Jahre zelebrierte Walter Herrmann und seine „Klagemauer“ seinen antisemitischen Wahn auf der Kölner Domplatte. Dabei, so muss es scheinen, räumte der WDR dem fanatischen Israelfeind ein außergewöhnliches Privileg ein: Über Wochen, wenn nicht sogar Monate lagerte der „Antizionist“ Herrmann seine wuchtigen „Befestigungssteine“, mit denen er seine antisemitische Kölner „Klagemauer“ aufbaute, nachts vor dem Eingang eines WDR-Gebäudes nahe des Domvorplatzes. Hunderte von Menschen und WDR-Mitarbeitern nahmen dies morgens und abends wahr. Gestört hat es sie offenkundig nicht – zumindest unternahmen sie nichts dagegen.

Erst als der Kölner Schauspieler und Blogger Gerd Buurmann hierauf öffentlich hinwies reagierte der WDR – jedoch in einer höchst bemerkenswerten Weise: Er drohte nicht dem Übeltäter, sondern dem Überträger der Botschaft. Beim WDR war es nun mit der vorgeblichen Liberalität und Diskursfreudigkeit der WDR jäh vorbei: Eine WDR-Juristin drohte mit Klagen. Buurmann, so teilte er uns auf Nachfrage mit, ließ sich durch den WDR nicht einschüchtern. Wenig später war es denn doch vorbei mit dem Außenlager der „Kölner Klagemauer“ neben den Treppen des WDR-Gebäudes.

Von Einsicht aber keine Spur. Stattdessen feierte der WDR Walter Herrmann, den „Mahner mit Hang zur Egomanie (Pascal Beucker, taz 2007) in seiner traditionsreichen Sendung „Zeitzeichen“ als eine besondere Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Selbstredend fiel das Wort „Antisemitismus“ in dieser Sendung kein einziges Mal. 

Reza Begis antisemitische und die Shoah leugnende Postings

Der iranischstämmige „Taxifahrer“ Reza Begi hat sich früh als enger Freund und Wegbegleiter Walter Herrmanns in Szene gesetzt. Die beiden traten gemeinsam mit der damaligen Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel auf der Domplatte auf

Im Oktober 2015 kündigte das traditionell „pro palästinensische“ Kölner Bürgerzentrum Alte Feuerwache Walter Herrmann einen kleinen Lagerraum, wo er seine antisemitischen Manifestationen nachts unterbrachte. Bereits seinerzeit war Reza Begi mit seinen vulgär antisemitischen Facebook-Postings aufgefallen. Jungle World schrieb hierzu Anfang 2016:

„Während Reza Begi sich bei seinen Auftritten um ein friedensbewegtes Image bemüht, erlegt er sich auf seiner Facebook-Seite keine taktische Zurückhaltung auf. So postete er Anfang vergangener Woche, die Welt solle sich, anstatt Iran zu sanktionieren, mit »dem Terrorstaat Israel« und dessen »Helfer Deutschland« beschäftigen, der Israel alle paar Monate ein mit deutschen Steuergeldern bezahltes U-Boot schenke. Weiter schrieb Begi wörtlich: »Die Halbjüdin und Faschistin Angela Merkel sollte sanktioniert oder gestürzt werden. Iran ist ein friedliches Land, FUCK U USA, FUCK U ISRAEL, FUCK U HURE ANGELA MERKEL.« 

Am 7.11.2015 traten Reza Begi und Walter Herrmann gemeinsam mit dem Berliner „Palästina-Vertreter“ und Kampfredner Fuad Afane auf der Kölner Domplatte bei einer von ihm angemeldeten Kundgebung für Walter Herrmann auf. Hierbei geißelte er, ganz im Sinne Walter Herrmanns, das „brutale jüdische Besatzungsregime“. Wenig überraschend sprach Reza Begi auch vom „Konzentrationslager Gaza“

Es kam, wie in Videos dokumentiert ist, zu massiven Beleidigungen und körperlichen Angriffen gegenüber Gegendemonstranten, die antifaschistische und israelische Transparente trugen. Schließlich griff Fuad Afane eine migrantische Gegendemonstrantin an, entriss ihr ein Transparent und zerstörte dieses. Die Polizei griff ein, die Veranstaltung wurde abgebrochen.

Dresden: „Kölner Klagemauer vereint mit Neonazis“

Danach ließ der iranischstämmige Kölner Taxifahrer Reza Begi alle taktischen Zurückhaltungen fallen. Am 11.2.2017 trat der Nachfolger Walter Herrmanns – also der Erbe der antisemitischen Kölner „Klagemauer“ – in Dresden bei einer Neonazikundgebung auf, bei der mehrere Holocaustleugner wie auch ein bekannter Reichsbürger auftraten. Der Nürnberger Neonazi Gerhard Ittner war der Hauptredner, wegen seiner in dieser Rede erneut getätigten Holocaustleugnung wurde Ittner ein halbes Jahr später zu einer Geldstrafe von 5400 verurteilt.

Auch Sylvia Stolz war dabei. Der Nationalsozialismus wurde verherrlicht, die Leugnung der Shoah wurde zum mutigen Akt gegen das Herrschaftssystem erklärt. Mitten dabei war Reza Begi mit einem riesigen Transparent.  Ein Autorinnenkollektiv publizierte am 13.2.2017 auf haGalil eine bebilderte Dokumentation über Reza Begis skandalösen Auftritt. Spätestens mit dieser eindrücklichen Dokumentation war Reza Begis Name öffentlich bekannt. Auch dem WDR kann dies nicht verborgen geblieben sein. Eine solche politische Unkenntnis sollte man dem WDR wirklich nicht unterstellen…

Reza Begi nimmt bis heute an zahlreichen sehr rechten, Neonazi- und Holocaustleugnerkundgebungen teil. So tauchte er am 29.9.2018 in Köln auf der Kundgebung des „Begleitschutzes“ offenkundig als Beobachter auf. Wenige Stunden zuvor war Erdogan in Köln gelandet, um die Ditib-Moschee einzuweihen. Dies feierte Begi mit einem Posting über den „lieben Herr Präsident Erdogan“, den er gerne persönlich als Taxifahrer am Köln-Bonner Flughafen abgeholt hätte. Auch auf der Berliner Kundgebung der extremen Rechten von „Wir für Deutschland“ am 3.10.2018 mit 2000 Teilnehmern, darunter zahlreiche Neonazis, hat Reza Begi teilgenommen, wie das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus in einer Fotodokumentation belegt hat.

Das kitschige WDR-Homestory-Video für Reza Begi: „Deutschlands jüngster Taxifahrer“

Der Kölner WDR, Walter Herrmann und der „Klagemauer“ recht zugeneigt, ließ sich selbst durch diese antisemitischen und geschichtsleugnenden Skandale nicht beirren. Er  veröffentlichte auf seiner Website ein rührendes Portrait Reza Begis: Dieser sei „Deutschlands jüngster Taxifahrer“ heißt es dort. Und: Er versuche immer, die Wartezeit im Taxi zu nutzen, um zu lernen, verkündet der WDR. Er habe, so sagt Reza Begi dort, „die Zeit im Taxi genutzt, um etwas Positives zu machen.“ Er habe „Zauberei gelernt und die spanische Sprache gelernt.“

Reza Begis militante Israelfeindschaft war zu diesem Zeitpunkt wirklich kein Geheimnis. Spätestens nach der hagalil-Dokumentation hätte der WDR seine peinliche Hommage auf den Holocaustleugner Reza Begi löschen müssen. Dies ist jedoch bis heute nicht geschehen, obwohl auch in späteren Beiträgen mehrfach auf Begis Aktivitäten hingewiesen worden ist.

„Gegen Merkel – Reza Begi: Frau Merkel, treten Sie von Ihrem Amt zurück!“

Der im Iran geborene Reza Begi hat aus seinem Antisemitismus, seinen fortgesetzten Beleidigungen Angela Merkels und Israels und aus seiner mentalen Zugehörigkeit zur Reichbürgerbewegung wirklich kein Geheimnis gemacht.

Wie in einer zweiminütigen Videobotschaft, die mit „Gegen Merkel – Reza Begi: Frau Merkel, treten Sie von Ihrem Amt zurück!“ überschrieben ist. Wir sehen den „Friedenstaxifahrer“ Reza Begi in seinem „Friedenstaxi“. „Sie beschreiben in diesem Land klar eine falsche illegale Politik“, verkündet er hierin. Weiterhin fordert er Angela Merkel dazu auf, am 11.2.2016 von ihrem Amt zurück zu treten. Auch der Rest der Regierung müsse zurück treten. Warum ausgerechnet am 11.2.? Dies sei der 37. Geburtstag der iranischen Revolution. Sofern Kanzlerin Merkel der Aufforderung nicht nachkomme „werden Sie persönlich für die Konsequenzen verantwortlich gemacht. Ich hoffe, das wird nicht so weit kommen“, fügt Reza Begi mit drohendem Unterton hinzu.

Weitere Holocaustleugnungen von Reza Begi:Holocaust is a lie“

Reza Begi hat in den vergangenen Monaten vor allem auf Facebook, aber auch in eigenen Videos zahlreiche weitere Holocaustleugnungen veröffentlicht. Diese könnten eher für seine Hilfsbedürftigkeit sprechen als für seine politische Relevanz. (https://www.facebook.com/stophatesites…)

Man darf gespannt sein, ob der WDR weiterhin via rührseligem Video Werbung für den friedensbewegten kölschen Taxifahrer Reza Begi macht. Immerhin ist der ja Nachfolger der „Kölner Klagemauer“. Und die passt wiederum offenkundig ganz gut zum WDR…

Update:
Mittlerweile haben sich Leser von haGalil an den WDR gewandt, der den im Beitrag genannten Bedenken und Argumenten gefolgt ist und den Beitrag nun endlich entfernt hat.