Per Digitalisierung zurück nach Bayern

Bayerns Antisemitismusbeauftragter will Archivmaterial der jüdischen Gemeinden aus Israel künftig Nutzern in Bayern zugänglich machen. Israels Generalkonsulin Sandra Simovich und Bernhard Purin vom Jüdische Museum München unterstützen sein Anliegen…

„Wir wissen viel zu wenig über die rund 300 ehemaligen jüdischen Gemeinden in Bayern, ihre Mitglieder und das jüdische Gemeindeleben. Die Jüdinnen und Juden haben mit ihren Gemeinden bis zum Holocaust das Leben in Bayern mitgestaltet und bereichert. Das möchte ich ändern. Ich möchte deshalb das Archivmaterial der ehemaligen jüdischen Gemeinden Bayerns, das derzeit in den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem befindet, für Nutzer und Forscher in Bayern zugänglich machen. Die Digitalisierung liefert den Schlüssel dazu“, so der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungskultur und geschichtliches Erbe, Dr. Ludwig Spaenle heute bei einem Pressegespräch in München. An diesem haben auch Israels Generalkonsulin Sandra Simovich und der Direktor des Jüdischen Museums München, Bernhard Purin, teilgenommen haben. Sie unterstützen das Vorhaben von Dr. Spaenle.

„Ich habe dazu bereits Gespräche mit den Verantwortlichen in den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem und der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayern in München geführt und bin dabei  auf sehr positive Resonanz gestoßen. Ich werde das Bayerische Wissenschaftsministerium darum bitten, hier entsprechende Ressourcen zur Digitalisierung bereitzustellen“, so der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung. „Ich bin sicher, dass wir über Protokollbücher, Mitgliederlisten, Bauunterlagen von Synagogen vielfältige Informationen über das gesellschaftliche und religiöse Leben in Bayern erfahren werden.“

Generalkonsulin Sandra Simovich merkte an: „Juden waren seit jeher Bürger in Bayern und gestalteten das Leben hier im Land aktiv mit. Mit dem Nationalsozialismus und dem daraus folgendem Holocaust fand das fruchtbare und weitgehend friedliche Zusammenleben ein brutales Ende. Wir können von Glück sprechen, dass zumindest ein Bruchteil an Dokumenten jüdischen Lebens in Bayern gerettet werden konnte und in Jerusalem im Central Archives for the History of the Jewish People aufbewahrt wurde. Dass diese Dokumente nun, dank ihrer Digitalisierung, ihren Weg zurück nach Bayern finden, erfüllt mich mit Zufriedenheit und Zuversicht.“

Direktor Bernhard Purin betonte: „Mit der Digitalisierung der bayerisch-jüdischen Gemeindearchive wird es für Forscher künftig möglich sein, umfassende neue Einblicke in das Innenleben jüdischer Gemeinden im heutigen Bayern zu gewinnen. Das wird unser Wissen über jüdisches Leben in den letzten drei Jahrhunderten erheblich erweitern.“

Über 300 jüdische Gemeinden von Aschaffenburg bis Regensburg, von Augsburg bis Bayreuth und davor allem auch viele Landgemeinden, waren allein in Bayern durch die Nationalsozialisten vernichtet, die Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet worden. Das Archivmaterial der Gemeinden konnte weithin gesichert werden und liegt heute in den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem.

Zu dem reichhaltigen Archivmaterial gehören z. B. Protokollbücher, Personalakten, Gemeinderechnungen, Mitgliederlisten sowie Bauunterlagen von Synagogen. So könnte die Vielfalt des Alltagslebens der jüdischen Gemeinden wieder sichtbar und mit ihm auch Personen wieder greifbar. werden, die die Gesellschaft in Bayern mitgeprägt haben.

Das Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung hat zu den Beständen aus den CAHJP eine thematische Karte erstellt, die im Bayern-Atlas abrufbar ist: https://v.bayern.de/RqLZJ

Jüdisches Museum München

Kommentar verfassen