Paul Adler (wieder-)entdecken

2018 jährt sich der Geburtstag des deutsch-jüdischen Dichters Paul Adler (1878–1946) zum 140. Mal, und sein Schritt aus der Literatur in die Politik liegt genau 100 Jahre zurück. Das ist Anlass genug, mit einer Veranstaltung, die Erforschen, Edieren und das Erleben von Adlers Literatur zusammenbringt, an diesen ungewöhnlichen Autor zu erinnern: in Dresden und Hellerau, wo Adler fast 20 Jahre lang, bis zu seiner Vertreibung im März 1933, lebte…

1. Internationale Paul-Adler-Konferenz
Dresden, 27.-29. September 2018

Der gebürtige Prager Paul Adler zählt zu den faszinierendsten Gestalten der klassischen Moderne. Er hatte sich in den 1910er Jahren rasch einen Namen gemacht: als kompromissloser Pazifist während des Ersten Weltkriegs, als ›sozialistischer Geistesarbeiter‹, aber auch als Mitarbeiter der Berliner »Aktion« – und als Autor verstörend moderner Dichtungen wie der Legenden der »Elohim« (1914), der Ich-Erzählung eines Schizophrenen, »Nämlich« (1915), und des absurden Romans der Menschheitsgeschichte, »Die Zauberflöte« (1916), der an Mozarts berühmte Märchenoper anknüpft. Diese Dichtungen und Adlers publizistische Texte werden mit der im Jahr 2017 gestarteten Ausgabe der »Gesammelten Werke« endlich wieder verfügbar.

Die Konferenz will die wissenschaftlichen Voraussetzungen für eine Wiederentdeckung Paul Adlers schaffen: Sie führt darum erstens die Ansätze der bisherigen Adler-Forschung zusammen und stellt die Fortschritte der kritischen Ausgabe von Adlers Werken zur Diskussion. Zweitens bietet die Konferenz, beispielhaft für die Epoche, Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen und aus neuen Perspektiven: der Geschichts- und Religionswissenschaft, der Philosophie, der Judaistik, der Musik- sowie der Politikwissenschaft. Davon ausgehend erkundet die Konferenz exemplarisch die Feldbedingungen von Ruhm und Vergessenwerden im Kontext der Avantgarde. Es sprechen Referentinnen und Referenten aus Belgien, Deutschland, Italien, der Schweiz, der Tschechischen Republik und aus den USA.

Der wissenschaftliche Teil der Veranstaltung wird von Lesungen aus Adlers Texten sowie aus aktuellen literarischen Antworten auf diese Texte begleitet. Durs Grünbein liest gemeinsam mit Annette Teufel, der Herausgeberin der Adler-Ausgabe, aus »Nämlich« sowie aus seinem ›Kaleidoskop‹ »Die Jahre im Zoo«. Angelika Meier stellt »England« vor, ihren ersten Roman, der auf Adlers »Nämlich« antwortet.

Lesungen und Konferenz sind öffentlich, Gäste herzlich willkommen.

Weitere Informationen und Programm

Bild oben:  (c) The National Library of Israel. Schwadron Autograph collection