Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 30. September 2018…

So, 16. Sep · 17:15-17:30 · Das Erste (ARD)
Ein Kind der Stunde Null

David Avnir lebt in Jerusalem. In seinem Pass steht als Geburtsdatum der 12. Juni 1947. Und als Geburtsort: St. Ottilien. Er ist Sohn von Holocaustüberlebenden – von Eltern, die es irgendwie geschafft haben, der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie zu entgehen. Doch warum ist er ausgerechnet in einem Benediktinerkloster nördlich des Ammersees zur Welt gekommen? Der Film von Tilmann Kleinjung erzählt eine ganz besondere Geburtsgeschichte und begleitet David Avnir zurück an seinen Geburtsort: Von 1945 bis 1948 hatte die amerikanische Armee im oberbayerischen Kloster St. Ottilien ein Krankenhaus für ehemalige jüdische KZ-Häftlinge, Displaced Persons (DPs), eingerichtet. St. Ottilien entwickelte sich in diesen Jahren nach dem Holocaust zu einem kulturellen und politischen Zentrum für den Neubeginn jüdischen Lebens in Deutschland. Es gab Toraschulen und Synagogen, hier wurde die erste Talmudausgabe in Deutschland nach dem Krieg gedruckt und ein eigenes „Ottilien-Orchestra“ trat in den DP-Lagern der Umgebung auf. Von Mai 1946 bis April 1948 wurde in St. Ottilien außerdem eine Entbindungsstation betrieben, wo über 400 Kinder zur Welt kamen, die sogenannten Ottilien Babys, „die Kinder der Stunde Null“.

So, 16. Sep · 21:45-22:30 · PHOENIX
mein ausland: Am Ende oder Neuanfang? Der Nahe Osten 40 Jahre nach Camp David

Im September 1978 eilten in Israel Zehntausende auf die Straßen, um den lange ersehnten Sieg zu bejubeln. Im weit entfernten Weißen Haus in Washington war ein wegweisender Vertrag unterzeichnet worden, der erstmals Frieden im Nahen Osten in Aussicht stellte. Israels Ministerpräsident Menachem Begin erhob später das Gipfeltreffen mit US-Präsident Jimmy Carter und dem ägyptischen Staatspräsidenten Anwar el-Sadat zur „vielleicht wichtigsten Friedenskonferenz seit dem Wiener Kongress im 19. Jahrhundert.“ Doch der Wendepunkt der Geschichte, den viele in den Rahmenabkommen von Camp David sahen, blieb aus. ARD-Korres pondentin Susanne Glass aus dem Studio Tel Aviv berichtet vom Alltag in Israel und dem nahezu aussichtslosen jahrzehntelangen Kampf um ein friedliches Miteinander von Juden, Arabern und Palästinensern. Drei Monate nach den Verhandlungen schlossen Israel und Ägypten einen formellen Friedensvertrag, der die Rückgabe des Sinai an Ägypten festschrieb. Der Separatfrieden brachte Ägypten zwar bis heute Frieden mit Israel. Zu einer Aussöhnung zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten führte das Abkommen jedoch nicht. Durch die Zersplitterung des arabischen Kräftedreiecks hat es sich vielmehr für den israelisch-palästinensischen Friedensprozess als hinderlich herausgestellt. Vier Jahrzehnte und mehrere Friedensinitiativen später hat sich der Geist von Camp David vollständig verflüchtigt und ist Hoffnungslosigkeit und Zermürbung gewichen. Eine Lösung scheint bis heute in weiter Ferne zu liegen. ARD-Korrespondentin Susanne Glass traf Avi Farhan und Avraham Burg und sprach mit beiden über Geschichte und Gegenwart im Nahen Osten. Avi Farhan war Ende 1978 Aktivist der „Stoppt den Rückzug-Bewegung“. Als der Sinai an Ägypten zurückgegeben wurde, zog er von Yamit nach Gaza und errichtete nahe bei Erez die Siedlung Elei Sinai, zu Deutsch «Dem Sinai entgegen». 2003 zog sich Israel aus dem Gaza-Streifen zurück, die Siedlung Elei Sinai wurde geräumt. Erneut musste Avi Farhan umsiedeln, dieses Mal in den Norden Israels. Avraham Burg, langjähriger Parlamentspräsident und Knessetsprecher, trat 1982 der israelischen Friedensbewegung Peace Now bei. Sie wurde 1978 während der israelisch-ägyptischen Friedensgespräche gegründet, als diese zu scheitern drohten.

So, 16. Sep · 22:30-23:15 · PHOENIX
mein ausland spezial: Gelobtes Land, ewiger Konflikt

Gerade mal 70 Jahre ist es her, als David Ben-Gurion die Unabhängigkeit des Staates Israel ausgerufen hat. 70 rasante Jahre, in denen sich die Träume vieler Juden erfüllt haben, aber auch Jahre in denen der Nahostkonflikt immer wieder Gewalt und Krieg hervorgebracht hat. ZDF Korrespondentin Nicola Albrecht zeigt ein Land voller Gegensätze. In der Partymetropole Tel Aviv macht die junge Generation jede Nacht zum Tag, um sich am Morgen zum Yoga auf dem Surfbrett zu treffen. Und dort ist er täglich zu hören, der Sound des „Matkot“ – also Strandtennis – Israels Nationalsport. Laut und nervig, aber irgendwie macht es wohl süchtig, erklärt uns Amnon Nissim. Der 70jährige ist Matkot-König und hat sogar ein Matkot Museum, durch das er jeden Besucher gerne führt, wenn er da ist und nicht am Strand, wo er – klar – Matkot spielt. Im arabischen Stadtteil Jaffa geht es deutlich orientalischer zu. Bei Barbier Rami Gilucha ist nie ein Stuhl frei. Gilucha, das heißt rasieren auf Hebräisch. Rami ist gläubiger Jude, seine Familie stammt aus Usbekistan, in seinen Laden dürfen nur Männer, fremde Frauen darf Rami nicht anfassen. Und trotzdem könnte die Mischung der Kunden nicht bunter sein: Juden, Araber und Christen, alle schwören auf Ramis Handwerk, nur unterscheiden kann man sie kaum. Denn alle haben Glatze und wollen den neusten Jaffa-Gossip hören. Im 70 Kilometer entfernten Jerusalem geht es weniger entspannt zu. Hier wird schon immer um jeden Zentimeter Land gekämpft. Seit der Entscheidung von US-Präsident Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, hat sich die Lage in der Heiligen Stadt noch einmal zugespitzt. Und auch an Orten wie Hebron im besetzten Westjordanland macht sich der Konflikt täglich bemerkbar. Im Süden des Landes dagegen boomt der Tourismus auch dank günstiger Direktflüge aus Deutschland. Eilat, die Stadt am Roten Meer, ist der Magnet für Strandurlauber. Hier kann man mit Delphinen schwimmen oder aber dem Wasser entkommen und einen Trip in die nahegelegene Wüste machen. Und wer im Kibbutz übernachtet, erfährt meist im Gespräch eine Menge über die israelische Seele. 70 Jahre Israel, ein Grund zu feiern, zu bangen und zu hoffen, dass die nächsten 70 Jahre friedlicher werden.

Mo, 17. Sep · 01:30-02:15 · HR
Die Sudetendeutschen und Hitler (1/2)

Das Münchner Abkommen vom 29. September 1938 markiert das vorläufige Ende eines Konflikts zwischen Tschechen und Deutschen, dessen kritische Phase 1918 mit dem Zerfall der Donaumonarchie beginnt. Nach einer Revolution gründen Tschechen und Slowaken auf dem Boden der einstigen österreichischen Kronländer Böhmen und Mähren die erste tschechoslowakische Republik – für die Tschechen ein Durchbruch zu einer eigenen Identität, für die mehrheitlich Deutsch sprechende Bevölkerung ein Alptraum. Früher tonangebend, ist sie im neuen Staat zur Minderheit geworden, kämpft verzweifelt um ihr kulturelles und wirtschaftliches Überleben. Deutsche Schulen werden geschlossen, die Kinder sollen auf tschechische Schulen gehen und Tschechisch lernen. Je heftiger die Deutschen bedrängt werden, umso stärker wird ihr Widerstand. Tschechoslowakische Truppen besetzen die deutschsprachigen Grenzgebiete zu Deutschland und Österreich, das so genannte Sudetenland. Bei gewalttätigen Protesten gibt es die ersten Toten. Die Repressionen nehmen zu, die Benachteiligungen durch den tschechischen Staat wachsen. Beflügelt durch die Machtübernahme Adolf Hitlers in Deutschland, gründet 1933 der Sudetendeutsche Konrad Henlein eine Sammlungsbewegung, die sich Autonomie und Selbstbestimmung der Deutschen auf die Fahnen schreibt. Je radikaler ihre Parolen werden, umso mehr Zulauf erhält sie. Nicht alle Sudetendeutschen unterstützen Konrad Henlein, so etwa der Sozialdemokrat Lorenz Knorr; doch auch sie können nicht verhindern, dass die Mehrheit sich immer klarer auf Seite der Nazis stellt. Besonders prekär wird die Lage insbesondere für die jüdischen Sudetendeutschen. Gezielt und mit tatkräftiger Unterstützung Hitlers provoziert die Henlein-Partei Unruhen und versucht, die Krise anzuheizen, damit ein Krieg unvermeidlich scheint. Die Tschechen machen mobil und sind überzeugt, Hitler militärisch aufhalten zu können, auch mit Unterstützung der Verbündeten England und Frankreich. Doch zu groß ist der Wunsch in Europa, nach dem verheerenden Ersten Weltkrieg einen neuen Krieg auf alle Fälle zu verhindern. Die Alliierten unterzeichnen das Münchner Abkommen. Den Preis zahlen die Tschechen. Ihre gut gerüstete Armee muss kampflos zusehen, wie das Land zerstückelt wird.

Mo, 17. Sep · 14:50-15:35 · 3sat
Basare der Welt (1/4) Jerusalem

Jerusalem – Heiligtum und uralter Handelsplatz. Sieben Tore führen durch dicke Mauern in eine Altstadt, die drei Weltreligionen heilig ist: Juden, Christen und Muslimen. Innerhalb der Mauern wohnen 37 000 Menschen in nach Religionen getrennten Vierteln auf knapp einem Quadratkilometer Fläche. Dazu kommen täglich Tausende Pilger, die sich auf der Suche nach den Wurzeln ihrer Religion befinden. Konflikte sind vorprogrammiert. Die Altstadt ist ein brodelnder Kessel, der jeden Moment explodieren kann. Deshalb ist auch der Basar, der sich über weite Strecken des muslimischen und christlichen Viertels erstreckt, kein Basar wie jeder andere. Die Filmautorin zeigt Orte und Innenansichten, die den meisten Touristen verborgen bleiben. Sie porträtiert Händler der verschiedenen Viertel und ihren ungewöhnlichen Alltag. Sie besucht jahrhundertealte Marktgewölbe, in denen die Bewohner ihren Lebensmittelbedarf decken, die alte Metzgergasse „Souk Lahamin“ und eine palästinensische Bäckerei. Sie trifft einen armenischen Fotografen in seinem nostalgischen Laden mit hunderten Fotografien des alten Jerusalem und verweilt in Gässchen, in denen mit „heiligen“ Souvenirs gute Geschäfte gemacht werden. Sie macht Station in einer muslimischen Pilgerherberge, bei einem Judaica-Händler und in einem Friseurgeschäft, in dem Frauen aller Religionen für kurze Zeit ihren anstrengenden Alltag vergessen und miteinander ins Gespräch kommen.

Mo, 17. Sep · 22:00-23:40 · arte
Gruppenbild mit Dame

Deutschland, 1941: Trotz der Gefahr sucht die 18-jährige Unternehmertochter Leni Gruyten weiterhin den Kontakt zu ihrer jüdisch-stämmigen Lehrerin, der Nonne Rahel, die man hinter Klostermauern gefangen hält. Die Nonne ist der einzige Mensch, dem Leni sich anvertrauen und von der Liebe zu ihrem Cousin Erhard erzählen kann. Als Erhard zur Wehrmacht eingezogen wird, folgt die junge Frau ihm kurz entschlossen nach Dänemark. Aber auch dort ist den beiden nur eine kurze Zeit des gemeinsamen Glücks vergönnt – denn schon wenig später werden Erhard und Lenis Bruder Heinrich wegen Vaterlandsverrats erschossen. Es ist nicht der letzte Schicksalsschlag: Lenis Mutter stirbt und ihr Vater wird wegen illegaler Bereicherung verhaftet und enteignet. Leni, der nur das elterliche Haus bleibt, nimmt einen Job als Hilfsarbeiterin in einer Friedhofsgärtnerei an. Dort verliebt sie sich in den russischen Kriegsgefangenen Boris – es wird die glücklichste Zeit ihres Lebens. Leni und Boris werden Eltern und sie beschafft ihm nach dem Krieg das Soldbuch eines deutschen Soldaten, damit er bei ihr bleiben kann. Die Tarnung fliegt auf: Boris wird verhaftet. Es ist das letzte Mal, dass Leni ihn lebend sieht. 20 Jahre später: Leni führt ein bescheidenes, aber glückliches Leben. Noch immer ist sie eine Frau, die ihren eigenen Idealen folgt. Selbst als sie von anderen in den Dreck gezogen und von einem Spekulanten aus dem elterlichen Haus vertrieben wird, bleibt sie sich treu: Ja, sie liebt den Türken Mehmed, sie werden ein Kind bekommen und heiraten – ganz gleich, was „die Leute“ sagen.

Mi, 19. Sep · 17:10-17:40 · arte
So isst Israel – Von den judäischen Hügeln nach Galiläa

Auf einem jüdischen Slow-Food-Markt in dem arabischen Dorf Abu Gosch probiert Tom Köstlichkeiten der Biobauern aus der Region und erfährt, dass die palästinensischen Israelis dort seit Jahren beste kulinarische Beziehungen mit ihren jüdischen Nachbarn pflegen. Die Jüdin Elisa Moed und die Palästinenserin Christina Samara organisieren kulinarische Begegnungen mit Einwohnern auf beiden Seiten des Heiligen Landes und nehmen Tom mit auf eine Tour ins Palästinensergebiet. Gemeinsam besuchen sie einen jüdischen Winzer im Westjordanland, der in der israelischen Siedlung Har Bracha koscheren Wein produziert. Die kulinarische Reise geht weiter vorbei an Olivenhainen und Bananenplantagen, hoch in den Norden von Israel: nach Galiläa, das als eines der besten Weinanbaugebiete in Israel gilt. Schon vor 6.000 Jahren wurde hier Wein angebaut. Unter islamischer Herrschaft war die Produktion von Alkohol jahrhundertelang verboten. Baron Rothschild investierte Ende des 19. Jahrhunderts Millionen, aber erst in den 1980er Jahren begann in Israel die Weinrevolution. Heute gibt es über 200 Boutique-Weingüter. An der Grenze zum Libanon hilft Tom bei der Weinlese der Tulip Winery. Der junge Besitzer Roy Itzhaki hat mit Tulip eine Vision verwirklicht: Er produziert Spitzenwein mit Mitarbeitern, die geistig behindert sind. Sein Weingut liegt mitten in dem Behindertendorf Kfar Tikva, dem „Dorf der Hoffnung“.

Mi, 19. Sep · 00:20-02:45 · ZDF
Inglourious Basterds

Angeführt von Lt. Aldo Raine, soll die durchgeknallte Truppe „Inglourious Basterds“ die Führungselite des „Dritten Reichs“ ausschalten. Kultfilm von Quentin Tarantino mit Brad Pitt. Aber da haben die aufrechten Kämpfer die Rechnung ohne den skrupellosen SS-Offizier Landa gemacht, der alles daransetzt, dem Deutschen Reich zum Endsieg zu verhelfen. Christoph Waltz eroberte mit dieser Rolle seinen ersten Oscar und Hollywood. Frankreich, um 1944: Nachdem sie vor Jahren miterleben musste, wie der ehrgeizige SS-Offizier Hans Landa (Christoph Waltz) ihre Familie ermordete, ist die Jüdin Shosanna (Mélanie Laurent) unter falschem Namen in Paris untergetaucht, wo sie mittlerweile ein Kino leitet. Eben jenes wird für Joseph Goebbels‘ (Sylvester Groth) neuestes „Meisterwerk“ als Premierenort empfohlen. Die ideale Gelegenheit für Shosanna, ihre Rache zu planen. Aber auch ein idealer Ort für die „Inglourious Basterds“, einer Truppe von US-Soldaten unter Führung von Lt. Aldo Raine (Brad Pitt), die gesamte Nazi-Führungselite auf einmal auszulöschen – einschließlich des Führers Adolf Hitler (Martin Wuttke). Für die Mission hatte Raine zuvor ein internationales Team von skrupellosen Kämpfern zusammengestellt, darunter den deutschen Überläufer Hugo Stiglitz (Til Schweiger) und den britischen Spion Archie Hicox (Michael Fassbender). Zudem bekommen die „Basterds“ Unterstützung von der deutschen Schauspielerin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger), die jedoch nicht verhindern kann, dass die Tarnung der Agenten nach einem Kneipenausflug auffliegt. Nun müssen die „Basterds“ kreativ werden und erhalten unerwartet Hilfe von der Kinobetreiberin Shosanna. Am Tag der Aufführung beginnt für die tollkühnen Nazi-Gegner ein ebenso irrwitziges wie lebensgefährliches Theaterspiel, das die Geschichte völlig neu schreibt. Mit einem Reichtum an Filmwissen – der Legende nach während seiner langjährigen Arbeit in einer Videothek angeeignet – führt Regisseur und Drehbuchautor Quentin Tarantino die Zuschauer durch und in ein alternativ-historisches Szenario, das aus dem Fundus der deutschen Filmgeschichte schöpft. Dabei gibt es kaum eine Figur in „Inglourious Basterds“, die nicht durch eine leidenschaftliche Lust am Kino geprägt ist. Mit Verweisen auf Filmemacher der Weimarer Republik, wie G. W. Pabst und Arnold Fanck („Die weiße Hölle vom Piz Palü“), und auf die Propagandafilme des „Dritten Reichs“, vermischt mit anachronistischen Bezügen, zeichnet Tarantino hier ein groteskes und urkomisches Bild des besetzten Paris als Schmelztiegel für unterschiedliche cineastische Kulturen, in dem Nazis und Alliierte nur eines eint: die Liebe zum (guten und schlechten) Film. Gleichzeitig sorgt die Authentizität der Dialoge, für die Regisseur Tom Tykwer („Lola rennt“ und „Der Wolkenatlas“) Tarantino bei der deutschen Übersetzung unterstützte, für ein glaubhaft wirkendes Ineinandergreifen von Kino und realer Historizität. Sein Filmtitel dagegen verweist auf den italienischen Spaghetti-Western „Inglorious Bastards“, der vor allem die geniale Exposition dieser gelungenen Weltkriegssatire prägt. Für seine deutsch-amerikanische Koproduktion konnte Tarantino nicht nur Weltstar Brad Pitt gewinnen. Mit Diane Kruger, Til Schweiger, Daniel Brühl, Sylvester Groth, Martin Wuttke und Christoph Waltz spielen auch zahlreiche deutsche Schauspieler mit Lust an der Farce auf höchstem Niveau. Vor allem für den Deutsch-Österreicher Christoph Waltz wurde „Inglourious Basterds“ zum Beginn einer beispiellosen internationalen Kinokarriere.

Mi, 19. Sep · 02:15-03:10 · arte
Paul Celan – Dichter ist, wer menschlich spricht

Der jüdische Lyriker Paul Celan war zeitlebens auf der verzweifelten Suche nach Heimat und Halt. Sein Weg aus der Bukowina, dem ostjüdischen Buchenland, über Wien nach Paris ist der Weg eines anarchischen und sensiblen Charmeurs in die Dunkelheit eines unheilbaren Traumas: Unter den Erfahrungen des Holocaust leidend, wählt er 1970 mit noch nicht einmal 50 Jahren den Freitod in der Seine. Die Dokumentation erzählt die Geschichte eines unbedingt Liebenden, eines sehnsüchtig nach Verständnis und Verständigung Suchenden. Erstmalig spricht der Sohn des Dichters, Eric Celan, vor einer Kamera über seinen Vater über das schwierige, von Celans psychischen Krisen überschattete Leben der Familie. Mit der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, Tochter eines Kärntner Nazis, verbindet den jüdischen Dichter eine leidenschaftliche, unglücklich bleibende Liebe. Immer wieder sucht er Deutschland auf, das Land der Mörder, aber doch auch das Land jener Sprache, die er liebt und in der er schreibt. Zum einschneidenden Erlebnis wird ihm, der neugierig ist auf die junge Bundesrepublik, eine Lesung vor jungen Schriftstellern der „Gruppe 47“: Man verhöhnt seinen Vortragston, Vergleiche mit Goebbels und dem „Singsang wie in einer Synagoge“ muss er ertragen. Celan wagt sich dennoch weiter vor in Deutschland, seine „Angstlandschaft“, wo er das Gespräch mit dem nationalsozialistisch belasteten Philosophen Martin Heidegger sucht. Die Dokumentation von Ullrich H. Kasten und Hans-Dieter Schütt erzählt Celans Biografie als ein packendes Stück deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert. Reisebilder von Aufenthaltsorten des Dichters, Archivaufnahmen sowie Interviews mit dem Celan-Forscher Bertrand Badiou und Eric Celan verbinden sich zu einem bewegenden Porträt. Dies ist der bislang erste Film, der die Größe und die Tragik dieses Dichterlebens erfasst und in einem erzählerischen Sog vergegenwärtigt.

Do, 20. Sep · 16:00-16:30 · ARD-alpha
alpha-retro: Die Juden und Frankfurt

Der Dokumentarbericht beginnt mit dem, was vom schlimmsten Kapitel der Geschichte der Juden in Frankfurt übriggeblieben ist: Eine ungeheure Sammlung von Kennkarten jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger mit dem „J“ vorne drauf. Die Besitzer dieser Kennkarten fielen so gut wie alle dem Holocaust zum Opfer. Daran anschließend macht sich der Film daran, die lange, lange Geschichte der Juden in Frankfurt aufzuzeigen: ihren Alltag, ihre Synagogen, ihre Erfolge, ihre Diskriminierung aufgrund von Antisemitismus, ihre herausragenden Persönlichkeiten usw. Und am Ende befragt der Film junge, in Frankfurt lebende Juden nach ihrer aktuellen Lebenssituation und ihren Erwartungen an die Zukunft: Sehen sich heute noch Antisemitismus ausgesetzt? Wo wollen sie künftig leben? In Frankfurt bzw. überhaupt in Deutschland? In Israel, in den USA? Zu Wort kommen dabei später so berühmte Personen wie z.B. Benjamin Korn (Theatermacher), Petra Kunik (Schriftstellerin), Salomon Korn (Architekt und ehem. Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland), Marek Lieberberg (Konzertveranstalter).

Do, 20. Sep · 20:15-21:00 · PHOENIX
Hitlers letzte Mordgehilfen – Die späte Suche nach KZ-Tätern

Es ist ihre letzte Chance, NS-Verbrecher hinter Gitter zu bringen: Bei der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg und bei der Staatsanwaltschaft Dortmund laufen die Ermittlungen gegen die letzten lebenden Nazi-Verbrecher auf Hochtouren. Nur wenige, die in den KZ Aufseher waren, sind heute noch am Leben und können vor Gericht gebracht werden. Die Filmemacher begleiten die Staatsanwälte und Kriminalbeamten bei ihren aktuellen Ermittlungen. In Israel begleitet der Film einen Rechtsanwalt, der für die Stutthof-Verfahren in sehr persönlichen Gesprächen Überlebende des KZ als Nebenkläger gewinnt.

Do, 20. Sep · 23:30-01:30 · RBB
Die Frau die singt – Incendies

Ein kanadisches Geschwisterpaar reist in den Nahen Osten. Dem rätselhaften Testament ihrer Mutter folgend suchen die beiden den tot geglaubten Vater und einen ihnen unbekannten Bruder. In einem nicht benannten, von Bürgerkrieg und religiösen Spannungen zwischen Christen und Muslimen zerrissenen Land, kommen sie dem Leidensweg der Mutter auf die Spur. Und damit auch der ungeheuerlichen Wahrheit über ihre eigene Herkunft. Denis Villeneuve hat vor dem Hintergrund der Verwerfungen im Nahen Osten eine epische Parabel über die Folgen von Krieg und Gewalt inszeniert. Das Familiendrama wurde 2011 für den Oscar nominiert. Der Letzte Wille ihrer Mutter Nawal (Lubna Azabal), die im kanadischen Exil starb, versetzt die Zwillinge Jeanne (Mélissa Désormeaux-Poulin) und Simon Marwan (Maxim Gaudette) in tiefes Erstaunen. Notar Jean Lebel (Rémy Girard), ein enger Freund der Familie, überreicht ihnen zwei Briefe: Einer ist bestimmt für ihren Vater, den sie für tot hielten, der zweite für einen Bruder, von dessen Existenz sie bislang nicht einmal eine Ahnung hatten. Diese Briefe müssen laut Nawals Testament erst übergeben werden, bevor ein Grabstein auf ihre letzte Ruhestätte gesetzt werden darf. Um den Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen, bricht Jeanne in den Nahen Osten auf; Simon folgt ihr nur widerwillig. Im Zuge einer ereignisreichen Odyssee durch ein verwüstetes Land finden beide heraus, dass ihre Mutter nach einem politisch motivierten Attentat in einem Spezialgefängnis inhaftiert wurde. 15 Jahre verbrachte sie in Einzelhaft, wurde von einem „Verhörspezialisten“ immer wieder gefoltert. Als Folge mehrfacher Vergewaltigung brachte sie hier Simon und Jeanne zur Welt. Der unbändige Überlebenswille ihrer Mutter, die sich durch das Singen in der Haft den Verstand bewahrte, beeindruckt die Zwillinge. Die Konfrontation mit der ganzen Wahrheit versetzt beiden jedoch einen Schock, der ihr ganzes weiteres Leben beeinflussen wird.

Sa, 22. Sep · 18:45-19:30 · HR
Von Hessen ins gelobte Land – Eine tierische Erfolgsgeschichte

Eigentlich ist es eine Sensation, dass sie heute wieder in freier Wildbahn leben, und es ist nur dem Pioniergeist des Hessen Georg von Opel zu verdanken, dass sie gerettet wurden: die Mesopotamischen Damhirsche. Sie sind nicht nur das zoologische Vermächtnis des Zoogründers, sondern aus Sicht der Arterhaltung wohl auch die wertvollsten Tiere des Kronberger Opel-Zoos. Als vor über sechzig Jahren die ersten beiden gepunkteten Jungtiere vom Iran in den Opel-Zoo kamen, galt diese Spezies bereits als annähernd ausgestorben. Heute sind alle in Zoos lebenden Mesopotamischen Damhirsche genetisch mit diesen Tieren eng verwandt. In Israel, ihrer ursprünglichen Heimat, werden sie sogar wieder ausgewildert. Das ist nur durch die Mitwirkung des Opel-Zoos möglich. Ein Fernsehteam war bei der Auswilderung dabei.

So, 23. Sep · 10:55-11:20 · arte
Vox Pop – Wird Antisemitismus banalisiert? Ein Land ohne Obdachlose?

(1): Wird Antisemitismus banalisiert? Ist der Antisemitismus wieder auf dem Vormarsch? Und wird das Phänomen banalisiert? 76 Prozent der Europäer glauben, dass der Judenhass in den letzten fünf Jahren zugenommen hat. In Deutschland, Frankreich und Großbritannien ist die Zahl der Angriffe auf die jüdische Gemeinschaft stark angestiegen; 2016 im Vereinten Königreich sogar um mehr als 36 Prozent. Kontroverse der Woche: Tun die Staaten genug gegen den Antisemitismus? Recherche der Woche: In Deutschland scheinen alte Dämonen wieder aufzuerstehen. Seit 2013 hat sich die Zahl der Straftaten mit antisemitischem Hintergrund verdoppelt. Der Judenhass schleicht sich zurück in Alltag und Schulen. Angesichts dieser alarmierenden Feststellung hat die Bundesregierung eine in Europa einzigartige Stelle geschaffen: den Beauftragten für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus. (2): Ein Land ohne Obdachlose? Die Zahl der Personen ohne festen Wohnsitz steigt in Europa rasant an. In Frankreich sollen 143.000 Personen auf der Straße leben, doppelt so viele wie noch 2001. Und in Deutschland werden es 2018 geschätzt 1,2 Millionen Menschen sein. Wie kann man das Phänomen aufhalten? Und wie muss man damit umgehen, dass immer mehr Sicherheitsfanatiker in den Obdachlosen eine Gefahr für die öffentliche Ordnung sehen? Diese Woche ist Juha Kaakinen, Gründer der „Housing First“-Initiative, bei „Vox Pop“ zu Gast. Das europaweit einzigartige Programm ermöglichte es, die Zahl der Obdachlosen in Finnland innerhalb von zwei Jahren um 20 Prozent zu reduzieren. Die Reportage führt nach Großbritannien. Hier werden immer mehr Menschen wegen Bettelei festgenommen und regelrechte Jagden auf Wohnungslose veranstaltet. Und wie immer berichten „Vox Pop“-Korrespondenten aus ihren Ländern über das Thema der Woche; dieses Mal über das Scheitern der Notmaßnahmen zur Reduzierung der Obdachlosigkeit.

So, 23. Sep · 23:30-00:15 · ZDF
ZDF-History: Rettung der Zehntausend – Die Kindertransporte

Ihre Eltern blieben zurück, doch sie wurden gerettet: 10 000 jüdische Kinder entkamen vor Kriegsbeginn aus Deutschland nach England und entgingen so dem Holocaust. Das Pogrom vom 9. November 1938 gegen jüdische Deutsche schockierte die Welt. In Großbritannien taten sich Helfer zusammen, die sofort eine groß angelegte humanitäre Rettungsaktion organisierten. Die Insel wurde zum Zufluchtsort für jüdische Kinder aus Hitlers Reich. Am Abend des 30. November 1938 verließ der erste Transport mit 196 Kindern den Bahnhof Berlin-Friedrichstraße. In Großbritannien hatten jüdische Organisationen und die Quäker bereits vier Tage nach dem Pogrom an Premierminister Chamberlain appelliert, deutsch-jüdische Kinder ohne bürokratische Hürden ins Land zu lassen. Kurz darauf billigte das Parlament den Plan. Per Radio suchte man nach Gasteltern für die Kinder aus der Fremde. Aus vielen Städten des Deutschen Reiches fuhren jetzt Züge in die Sicherheit – bis zum Kriegsbeginn Anfang September 1939. 80 Jahre nach dem November-Pogrom erzählt der Film „Rettung der Zehntausend – Die Kindertransporte“ Geschichten vom Überleben und vom Leben in einem fremden Land. Er zeichnet anhand von Einzelporträts typische, aber auch besondere Lebenswege nach. Bei Kriegsende wurde vielen der Geretteten klar, dass ihre Eltern in den Lagern ermordet worden waren. Doch trotz der vielfältigen Wunden, die Krieg und Trennung schlugen, schufen sich die meisten „Transportkinder“ erfolgreiche Existenzen in ihrer neuen Heimat.

Mo, 24. Sep · 22:25-23:50 · 3sat
Muhi – Über alle Grenzen

Der sechsjährige Muhi ist Sohn eines Hamas-Aktivisten und leidet an einer Immunkrankheit, die im Gaza-Streifen nicht behandelt werden kann. Jetzt ist Muhis Heimat ein Krankenhaus in Israel. Der feinfühlige Film fängt die Unauflösbarkeit dieser individuellen Tragödie vor dem Hintergrund eines politischen Dauerdramas im Nahen Osten ein. Es bleibt die Frage, wie es diesem ungewöhnlichen Kind eines Tages gelingen könnte, seinen eigenen Weg zu gehen. Muhi ist ein fröhliches Kind. Er liebt seinen Opa, der stets bei ihm ist. Als Muhi zwei Jahre alt war, mussten ihm Füße und Hände amputiert werden. Mittlerweile helfen ihm Prothesen, seinen Bewegungsdrang zu stillen. Sein Großvater hat sich neben ihm im Hospital eingerichtet und mittlerweile solide Freundschaften zur Ärzteschaft und zum Pflegepersonal aufgebaut. Der Vater durfte nicht nach Israel einreisen. Er verurteilt nach wie vor den Staat, in dem sein Sohn am Leben erhalten wird. Auch Mutter und Geschwister sieht Muhi selten. Doch obwohl Muhis Aktionsradius beschränkt ist, richtet er sich wie selbstverständlich in seinem Leben ein und schafft es, mit seinem Mut und seiner Heiterkeit die ihn behindernden Grenzen immer wieder aus den Angeln zu heben. „Muhi – Über alle Grenzen“ ist der erste Dokumentarfilm der beiden Autoren Rina Castelnuovo-Hollander und Tamir Elterman. Der Film wurde auf dem Dokumentarfilmfestival in Leipzig mit der „Goldenen Taube“ ausgezeichnet. Rina Castelnuovo-Hollander ist eine in Tel Aviv geborene Fotografin und Kamerafrau, die sich seit drei Jahrzehnten dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern verschrieben hat und unter anderem für die „New York Times“ und das „Time Magazin“ arbeitet. Tamir Elterman aus Berkeley in Kaliforien hat an der Columbia Universität für Journalismus studiert und arbeitet ebenfalls für die „New York Times“. 3sat zeigt „Muhi – Über alle Grenzen“ als Free-TV-Premiere.
Bild oben: © ZDF und Rina Castelnuovo-Holland Starker Zusammenhalt: Muhi (Mitte) übt zusammen mit seinem Großvater Abu Naim (links) und seinem israelischen Betreuuer Buma Inbar (rechts) den Umgang mit seinen Prothesen.

Mi, 26. Sep · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Die Charité – Geschichten von Leben und Tod

Ein Campus im Herzen Berlins, nahe den politischen Machtzentren: Die Charité – das einflussreichste deutsche Krankenhaus. Einst Weltzentrum der Medizin. Ein Ort der täglichen Duelle um Leben und Tod, aber auch um Einfluss und Macht. Der Glanz der Spitzenleistungen der Mediziner spiegelt auf die jeweils Herrschenden zurück, demonstriert ihr Potenzial. Im Gegenzug vergeben sie Privilegien und Ämter. Erfolgreiche Ärzte können zu Stars werden. Der Mythos der „Halbgötter in Weiß“ ist untrennbar verbunden mit dem der Charité. Auf dem Areal nahe der Spree, in dichter Nachbarschaft zum Schloss, zum Reichstag, zur Reichskanzlei und zum Führerbunker, aber auch zum Staatsrat der DDR und nun zum Kanzleramt, verlief die Entwicklung in mehr als 300 Jahren nie geradlinig, sondern auf Umwegen und mit Wendungen. Die Charité ist Schaffensort so genialer Ärzte und Wissenschaftler wie Rudolf Virchow, Robert Koch oder Emil von Behring; ist weltberühmter Ort der Sternstunden der Medizin des 19. Jahrhunderts, aber auch ein Ort tödlicher Irrtümer und sogar Schuld und Verstrickung. Die Dokumentation begibt sich auf Spurensuche an den Orten, an denen in der Vergangenheit medizinhistorisch Unvergleichliches geschah und führt in Rudolf Virchows einmalige Sammlung anatomisch-pathologischer Präparate und ins unscheinbare Arbeitszimmer im Reichsgesundheitsamt gegenüber der Charité. Hier entdeckte Robert Koch den Tuberkulose-Erreger. Im ehrwürdigen Anatomischen Institut war es Frauen lange Zeit verboten, Leichen zu präparieren. In der ehemaligen chirurgischen Universitätsklinik in der Ziegelstraße vollbrachte Ernst von Bergmann chirurgische „Wunder“ und wurde zum Schrittmacher der medizinischen Entwicklung im 19. Jahrhundert. In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich hier eine NS-Kaderschmiede. An dramatische Tage und Nächte im Operationsbunker mit dem weltbekannten Chirurgen Ferdinand Sauerbruch erinnert sich ein Arzt, der als 20-jähriger Medizinstudent die Übergabe der Charité an die Rote Armee am Kriegsende miterlebte. Professorin Ingeborg Rapoport ist 104 Jahre alt (2017). Die jüdische Emigrantin kommt – verfolgt durch die McCarthy-Doktrin – in den 50er Jahren aus den USA zurück nach Deutschland. Für die Kinderärztin wird die Charité, die Säuglingsstation, Heimat. Die Dokumentation zur historischen Eventserie „Charité“ erzählt mit seltenen Archivaufnahmen, historischen Fotos, Zeitzeugen und Experteninterviews von berühmten und vergessenen Patienten, von „Halbgöttern in Weiß“, den Sternstunden und den Abgründen in der Geschichte der Charité.

Fr, 28. Sep · 20:15-22:04 · arte
Der Verrat von München

Er war ein echter Bohemien aus Böhmen. Er liebte die Frauen, das exzessive Nachtleben der 20er und frühen 30er Jahre und durchaus auch die Drogen. Doch als Sohn des ersten Staatspräsidenten der Tschechoslowakei, Tomas Garrigue Masaryk, muss Jan Masaryk seiner Heimat bald als Diplomat dienen. 1938, als Hitler gerade ansetzt, die sudetendeutsche Frage als Vorwand für die Besetzung des Nachbarlandes zu nutzen, ist Masaryk bereits Botschafter in London. Verzweifelt versucht er die beiden Schutzmächte Großbritannien und Frankreich an ihre Pflicht, seine Heimat zu schützen, zu erinnern. Doch nach und nach verschließen sich vor ihm alle Türen: Am 29. September 1938 verhandeln die europäischen Großmächte aus Angst vor der Eskalation ohne ihn mit dem Deutschen Reich und Italien. Das Ergebnis: das Münchner Abkommen. Bereits am 1. Oktober besetzt die Wehrmacht dann Teile, Mitte März 1939 schließlich den Rest des Landes. Masaryk erleidet daraufhin einen Zusammenbruch. In einem Sanatorium in Neuengland versucht er seiner Depression Herr zu werden, wobei sich ausgerechnet Doktor Stein, ein deutscher Arzt im Exil, des prominenten Patienten annimmt. Es gelingt ihm letztendlich Masaryk dazu zu ermutigen, in die Exilregierung in London einzutreten und über die BBC zu seinen Landsleuten zu sprechen. Und auch der ersten Nachkriegsregierung tritt Masaryk bei, bis er 1948 aus dem Fenster seines Büros in den Tod stürzt. Man geht mittlerweile von Mord aus.

Sa, 29. Sep · 21:45-23:15 · PHOENIX
Gysi

Als Gregor Gysi im Herbst 1989 die politische Bühne betrat, war er keineswegs ein unbeschriebenes Blatt. Er war seit über 20 Jahren SED-Mitglied und pflegte Kontakte in höchste Staatskreise. Als Vorsitzender des Kollegiums der DDR-Rechtsanwälte gehörte er zur Elite des Staates. Manche sahen ihn auf dem Weg nach ganz oben – auch wegen seiner Herkunft. Gysis Eltern stammen aus großbürgerlichen Familien mit jüdischen Wurzeln und machten in der DDR Karriere. Vater Klaus Gysi war Minister für Kultur und später Staatssekretär für Kirchenfragen, loyal und kritisch zugleich. Mutter Irene Gysi war u.a. Verlagsleiterin. Ohne dieses Elternhaus lässt sich Gregor Gysi nicht begreifen. Der Rechtsanwalt Gysi verteidigte in politischen Prozessen Dissidenten und stand doch loyal zum DDR-Staat. Als SED-Vorsitzender verurteilte Gysi seine Partei und wollte sie dennoch unbedingt retten. Widersprüchlich erscheint auch Gysis Verhältnis zur Staatssicherheit der DDR. Gegen den Vorwurf, er habe als Inoffizieller Mitarbeiter seine Mandanten verraten, hat er oft und erfolgreich prozessiert. Dennoch wirft die Aktenlage im Stasi-Archiv Fragen auf. In ihrem 90-minütigen Dokumentarfilm zeichnen Nicola Graef und Florian Huber Gysis Aufstieg in der DDR nach, seine Rolle als Verteidiger von Dissidenten und gleichzeitig Chef aller DDR-Anwälte. Sie zeigen seinen Aufstieg zum „Parteipatron“ der Linken und „Volkstribun“ der Ostdeutschen, aber auch den Hass, der ihm auf der Straße wie im Bundestag entgegen schlug. Und sie lenken den Blick immer wieder auf das für ihn prägende Elternhaus.

Sa, 29. Sep · 23:15-00:00 · PHOENIX
ZDF-History: Rettung der Zehntausend

Ihre Eltern blieben zurück, doch sie wurden gerettet: 10 000 jüdische Kinder entkamen vor Kriegsbeginn aus Deutschland nach England und entgingen so dem Holocaust. Das Pogrom vom 9. November 1938 gegen jüdische Deutsche schockierte die Welt. In Großbritannien taten sich Helfer zusammen, die sofort eine groß angelegte humanitäre Rettungsaktion organisierten. Die Insel wurde zum Zufluchtsort für jüdische Kinder aus Hitlers Reich. Am Abend des 30. November 1938 verließ der erste Transport mit 196 Kindern den Bahnhof Berlin-Friedrichstraße. In Großbritannien hatten jüdische Organisationen und die Quäker bereits vier Tage nach dem Pogrom an Premierminister Chamberlain appelliert, deutsch-jüdische Kinder ohne bürokratische Hürden ins Land zu lassen. Kurz darauf billigte das Parlament den Plan. Per Radio suchte man nach Gasteltern für die Kinder aus der Fremde. Aus vielen Städten des Deutschen Reiches fuhren jetzt Züge in die Sicherheit – bis zum Kriegsbeginn Anfang September 1939.  80 Jahre nach dem November-Pogrom erzählt der Film „Rettung der Zehntausend – Die Kindertransporte“ Geschichten vom Überleben und vom Leben in einem fremden Land. Er zeichnet anhand von Einzelporträts typische, aber auch besondere Lebenswege nach. Bei Kriegsende wurde vielen der Geretteten klar, dass ihre Eltern in den Lagern ermordet worden waren. Doch trotz der vielfältigen Wunden, die Krieg und Trennung schlugen, schufen sich die meisten „Transportkinder“ erfolgreiche Existenzen in ihrer neuen Heimat.

So, 30. Sep · 15:00-16:30 · Das Erste (ARD)
So ein Schlamassel

Eigentlich müsste Jil im siebten Himmel schweben, hat sie in dem Landschaftsarchitekten Marc doch endlich die große Liebe gefunden. Es gibt da nur ein klitzekleines Problem: Marc ist kein Jude, und Jils strenggläubige jüdische Familie würde es niemals akzeptieren, dass sie einen „Goi“, einen Nichtjuden, heiratet. Da hilft nur eines: Marc, Sohn einer bürgerlichen deutschen Familie, muss so tun, als sei er ebenfalls Jude. Nach einem Schnellkurs in Sachen Traditionen und Gebräuche scheint das auch ganz gut zu funktionieren. Jils Familie ist von dem neuen Freund hellauf begeistert. Doch dann fliegt der Schwindel ausgerechnet während einer großen Bar-Mizwa-Feier auf – und Jil muss sich entscheiden. Mit viel Humor, aber nicht ohne ernste Untertöne, erzählt der Familienfilm „So ein Schlamassel“ von einem Zusammenprall der Kulturen und deutsch-jüdischen Vorbehalten. Zum prominenten Ensemble gehören Natalia Avelon, Johannes Zirner, August Zirner, Michael Mendl und Marianne Sägebrecht. Seit einer gefühlten Ewigkeit wird Jil Grüngras (Natalia Avelon) von ihrem Familienclan mit der Frage belagert, wann sie sich denn endlich einen passenden Mann suchen will. Nicht nur ihr verwitweter Vater Benno (Michael Mendl), sondern auch der Rest ihrer herrlich „meschuggenen“ jüdischen Familie würde sie gerne unter die Haube bringen – immerhin ist Jil schon Anfang 30, sieht gut aus und steht als erfolgreiche Steuerberaterin mit beiden Beinen fest im Leben. Eines Tages lernt sie bei einem Beinahe-Unfall den sympathischen Marc Norderstedt (Johannes Zirner) kennen – und plötzlich hängt für die romantisch veranlagte Karrierefrau der Himmel über Berlin voller Geigen: Marc, Landschaftsarchitekt von Beruf, ist ein echter Traumtyp, sensibel, gutaussehend, charmant. Dummerweise hat er einen kleinen „Schönheitsfehler“: Er ist kein Jude. Und Jil weiß genau, dass ihre traditionsbewusste Familie niemals einen „Goi“, einen Nichtjuden, akzeptieren würde. Da hilft nur eines: Marc muss sich als Jude ausgeben. Von Jils bester Freundin, der chassidischen Lesbe Zippi (Cornelia Saborowski), bekommt der leicht irritierte Marc einen Crashkurs in Sachen jüdische Traditionen – und kann so als „Marc Rosenzweig“ während der Sabbat-Feier bei versammelter Familie jede Menge Punkte sammeln. Sowohl Jils Vater als auch ihr Großvater Mosche (Rolf Hoppe), ihr Cousin Patrick (Gedeon Burkhard), ihre Tante Sarah (Marianne Sägebrecht) und Onkel David (Hans Peter Hallwachs) schließen den jungen Mann sofort ins Herz. Weniger fröhlich verläuft kurz darauf ein Essen bei Marcs Eltern Frederike (Gudrun Landgrebe) und Ludwig (August Zirner). Völlig überraschend wird Jil dort mit Vorurteilen und einer aus Unsicherheit geborenen Befangenheit konfrontiert. Trotzdem will das Liebespaar nicht einfach aufgeben. Beide sind bereit, für ihre Gefühle und gegen die Engstirnigkeit ihrer Umwelt zu kämpfen. Bei der anstehenden Bar-Mizwa-Feier ihres Großcousins Ruven (Ben Orthen, David Orthen), zu der auch Marcs Eltern eingeladen sind, will Jil der Familie die Wahrheit sagen. Unglücklicherweise kommt der kleine Ruven ihr zuvor und deckt den Schwindel vor allen auf – die Feier endet in einem Eklat. Nun muss Jil sich entscheiden, ob sie der Tradition gehorchen oder ihrem Herzen folgen will.

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