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Misrachi in Israel

Das erste Gesetz, das im israelischen Parlament erlassen wurde, war das Rückkehrgesetz, das allen Juden die Staatsbürgerschaft im jüdischen Staat anbietet. In den zehn Jahren nach der Staatsgründung wuchs die Einwohnerzahl Israels von knapp 800.000 auf 2 Millionen. Da die meisten Einwanderer aus dem Nahen Osten und Nordafrika kamen, veränderte sich auch die Zusammensetzung der Bevölkerung…

Von Oliver Vrankovic

In der Militäroperation „Magischer Teppich“ wurden zwischen 1949 und 1950 fast 50.000 Juden aus dem Jemen nach Israel ausgeflogen. Die verbliebenen jemenitischen Juden verließen das Land in den folgenden Jahren. In Marokko kam es nach Ausbruch des israelisch-arabischen Krieges zu Pogromen und 18.000 marokkanische Juden flüchteten nach Israel. Als Anfang der 1950er Jahre die Zahl der Einwanderer aus Marokko zurückging, begannen zionistische Organisationen gezielt um marokkanischen Juden zu werben, die sich in der Landwirtschaft auskannten. Nach der marokkanischen Unabhängigkeit verschlechterten sich die Lebensbedingungen für die marokkanischen Juden und 1955 und 1956 kamen statt „Premiumeinwanderern“ auch aus Marokko die Massen. Auf die Flucht reagierte Marokko mit einem Verbot der Ausreise. Nachdem 1961 ein illegales Flüchtlingsboot gesunken war, wurde die Auswanderung erlaubt und weitere 70.000 marokkanische Juden gelangten nach Israel. Heute zählt die einst 250.000 Mitglieder große jüdische Gemeinde in Marokko nur noch 2500 Juden.

Aus dem Irak flohen bis 1952 120.000 Juden. Lediglich 6000 Juden blieben im Irak zurück. 1969 zählte die jüdische Gemeinde im Irak 2000 Mitglieder, die Zeuge einer Hinrichtungswelle wurden. Heute leben nach einem jüngsten Bericht nur noch 10 Juden im Irak.

Bis in die frühen 1970er Jahre flüchteten ca. eine Million Juden aus ihren Heimatländern im Nahen Osten und Nordafrika. Ca. 600.000 von ihnen gelangten nach Israel. Heute bilden sie und ihre Nachfahren die größte Einwanderergruppe Israels.

Der Flüchtlingsstrom wurde Anfang der 1950er Jahre so gewaltig, dass in Israel Auffanglager notwendig wurden. 1952 haben rund 200.000 Flüchtlinge in Zeltstädten gewohnt, so genannten Übergangslagern. Die Auflösung dieser Lager und die Integration der Einwanderer war eine Herausforderung für den jungen Staat.

Es muss hier eingeschoben werden, dass Israel das einzige Land der Welt ist, dass aus der Arbeiterbewegung entstanden ist. Der mächtige Arbeiterverband Hisadruth, der von sozialistischen Zionisten geschaffen wurde, errichtete ein vorstaatliches Gemeinwesen auf dem der jüdische Staat schließlich gegründet wurde. Die Histadruth war mit Wirtschaft, Kultur, Sozialversicherung , Medien und Armee verflochten. Der Arbeiterverband besaß wichtige genossenschaftliche Unternehmen wie Solel Boneh, Tnuva oder Egged, die Krankenkasse, Altenheime, Kliniken, die Arbeiterbank, Verlage, Zeitungen. Politisch war sie schon seit ihrer Gründung im vorstaatlichen Yishuv mit der Arbeiterpartei assoziiert, deren Führungsanspruch auf ewig zementiert schien.

Die jüdischen Flüchtlingen aus arabischen Ländern und aus Persien wurden in Städte geschickt, die nach dem Befreiungskrieg auf wenig erschlossenem Boden errichtet wurden, um das Siedlungsgebiet zu definieren. Ihre Bewohner fanden sich physisch an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Die arabisch und persisch sprechenden und aussehenden Juden wurden dazu gedrängt, Hebräisch zu lernen und auch sonst die israelischen Normen zu übernehmen. Die soziokulturelle Ausgrenzung ging mit sozioökonomischen Härten einher. Viele Einwanderer aus den arabischen Ländern beherrschten ein Handwerk oder hatten einen Beruf gelernt, dem sie in ihrer neuen Heimat plötzlich nicht mehr nachgehen konnten.

Bei einer Konferenz nordafrikanischer Einwanderer wurde schon im August 1949 offizielle und inoffizielle Diskriminierung angeprangert. Von Seiten der Jewish Agency wurde den aufgebrachten Einwanderern nahegelegt, sich von den Bräuchen der Diaspora zu trennen. Vier Monate zuvor wurde die Herabwürdigung der Einwanderer aus Nordafrika in der Haaretz manifestiert. Arye Gelblum teilte in seinem Artikel „Ich war Einwanderer für einen Monat“ den Flüchtlingsstrom nach der Staatsgründung in drei Einwanderergruppen auf. Juden vom Balkan, aschkenasische Juden aus Europa und arabisch-afrikanische Juden. Für Jugoslawen und Bulgaren fand Gelblum lobende Worte und beschrieb sie als Elite während er den Holocaust-Überlebenden einen vergleichbar geringeren Wert zuwies. 
Über die arabisch-afrikanischen Einwanderer schrieb er, dass die Primitivität dieser Leute in Israel beispiellos sei. Ihre Bildung sei begrenzt und sie seien unfähig, etwas intellektuell aufzunehmen. Ihr Niveau sei unter dem der Araber, die sie im Land Israel angetroffen hätten.

Wie die Einwanderer aus Nordafrika erfuhren auch die Einwanderer aus den Staaten des Nahen Ostens Diskriminierung. Ruti Samir war sechs Jahre alt, als sie 1951 mit ihrer Familie aus ihrer Heimatstadt Bagdad nach Israel geflohen ist. Nachdem arabische Armeen, unter ihren die irakische Armee, 1948 den jüdischen Staat überfielen, kam es im Irak zu antizionistischen Demonstrationen. Die Juden im Irak sahen sich zunehmender Diskriminierung ausgesetzt. Berufsverbote griffen auf immer mehr Bereiche über. Immer mehr jüdisches Eigentum wurde konfisziert. Auf die Unterstützung des Zionismus standen drastische Strafen bis zum Tod. Die Ausreise wurde den Juden zunächst verweigert. Israel sollte nicht durch Zuwanderung gestärkt werden.

1950 gelang es dann dem irakischen Juden Shlomo Hillel ein Abkommen auszuhandeln, dass den irakischen Juden für den Zeitraum von einem Jahr die Ausreise ermöglichte. Als der Vater von Ruti Samir, der viele Sprachen beherrschte, seine Anstellung als Kurier im Staatsdienst verlor, schrieb sich ihre Familie für die Ausreise ein. Im Irak wurden ihre Koffer noch am Flughafen nach Wertgegenständen durchsucht. Als sie am Flughafen in Lod angekommen und israelischen Boden betreten hatten, wurden sie mit dem Insektizid DDT abgespritzt. Mit Gift besprüht zu werden, verursachte vielen Einwanderern ein Trauma, von dem sie sich nur sehr schwer erholten. 

Vom Flughafen weg wurde die Familie von Ruti ins ehemalige britische Internierungslager Atlit gebracht, das zu der Zeit als Durchgangslager für den Flüchtlingsstrom genutzt wurde und in dem eine Moskitoplage wütete. Der Familie von Ruti Samir wurde eine Wellblechbehausung in einem Flüchtlingslager in Kaduri zugewiesen, einem Ort im Norden von Israel, wo die Lebensmittelzuteilungen den Hunger nicht stillen konnten. Mit ihrer Schwester hätte sie sich das zugeteilte Ei teilen müssen, erzählt sie und später sei das Ei durch Eipulver ersetzt worden.

Einwanderer aus dem Jemen im Beit Lid Lager, 1950, National Photo Collection, Israel

Als Ruti wenige Wochen nach ihrer Einreise eingeschult wurde, musste sie Hebräisch sprechen. In ihrer Familie wurde nur Arabisch geredet. Zwei Jahre nach ihrer Ankunft in Israel, als Ruti Samir acht Jahre alt war, wurde der Familie eine jener Holzhütten zugeteilt, die in Israel errichtet wurden, um die Zeltstädte aufzulösen. Es sei ein großer Schritt hin zur Normalisierung der Lebensverhältnisse gewesen, sagt Ruti. Im Alter von 15 ging Ruti Samir von der Schule und begann Arbeiten anzunehmen, die Jugendlichen erlaubt waren. Sie packte Orangen ab und fand eine Vielzahl weiterer Tätigkeiten.

Ruti Hiauwis Eltern hatten ein zweistöckiges Haus in Basra, in dem sie oft Verwandte und Freunde empfingen. Ihrem Vater gehörte eine Textilfabrik. Ihre Mutter sei so schön gewesen, erzählt sie, dass wiederholt versucht wurde, sie zu entführen. Als ihren Eltern 1951 den Irak verließen, verloren sie all ihren Besitz. In Israel arbeitete ihr Vater auf dem Carmel Markt in Tel Aviv, wo er einen Stand hatte und Gemüse verkaufte. Eine seiner Schwestern erkrankte schwer vom DDT, das bei ihrer Ankunft in Israel auf sie gesprüht wurde. In der Schule, so versichert Ruti Hiauwi, hätten die aschkenasischen LehrerInnen den Mizrahi Schülern mit Freude das Lineal auf die Finger geschlagen.

1959 kam es zu Ausschreitungen, die im Wadi Salib in Haifa ihren Ausgang nahmen. Im diesem vormals arabischen Stadtviertel wurden viele nordafrikanische und orientalische Einwanderer angesiedelt. Das Viertel entwickelte sich schnell zu einem vernachlässigten, übervölkerten Slum. Im Verlauf des Aufruhrs wurden Gebäude der regierenden Arbeiterpartei und der Histadrut angegriffen, sakrosankte Institutionen des jüdischen Arbeiter- und Bauernstaates.

Die Fundamente der israelischen Politik konnten die Ausschreitungen indes noch nicht erschüttern. Anfang der 70er Jahre aber flammten die Proteste ausgehend vom Stadtteil Musrara in Jerusalem mit beispielloser Heftigkeit wieder auf. Auslöser war die Besserbehandlung der Einwanderer aus der UdSSR, die Ende der 60er Jahre einsetzte. Nachkommen von Einwanderern aus orientalischen und nordafrikanischen Ländern formierten eine Black Panther Bewegung nach amerikanischem Vorbild. Die heftigen Sozialproteste der Black Panther zwangen schließlich Golda Meir, sich mit deren Anführern zu treffen. Obwohl Stillschweigen über das Treffen vereinbart war, sagte die israelische Premierministerin unmittelbar nach dem Treffen über die Schwarzen Panther: “Sie sind nicht nett”.

Nach gängiger Lesart war die misslungene Integration der Juden aus Nordafrika und dem Orient der Grund für das politische Erdbeben 1977, als die Arbeiterpartei, deren Führungsanspruch auf ewig zementiert zu sein schien, gestürzt wurde. Der historische Wahlerfolg von Begin mit seinem rechtskonservativen Likud beruht auf der Mobilisierung der unzufriedenen Einwanderer aus arabischen Ländern. Und tatsächlich stützt sich die strukturelle rechte Mehrheit in Israel noch heute auf diese Einwanderergruppe. So erzielt der Likud in den Entwicklungsstädten seine besten Wahlergebnisse.

Tatsächlich entstammen heute ein Drittel der israelischen Kinder gemischten Ehen. Doch im kollektiven Gedächtnis der Einwanderer aus dem Nahen Osten und Nordafrika wirkt die Diskriminierung durch das linke Establishment bis heute nach. Der abgelaufene Wahlkampf hat in Erinnerung gerufen, dass es jenseits von Tel Aviv einen Staat Israel mit einer wertkonservativen Bevölkerung gibt, die ihre Traditionsverbundenheit von „den Linken“ gefährdet sieht.
Der linke Künstler Yair Garbutz hat wenige Tage vor den Parlamentswahlen auf einer Großdemonstration in Tel Aviv gesprochen, über die groß und breit als Beleg für die Wechselstimmung berichtet wurde, und sich in seiner Rede abfällig über das „Amulett-Küssen“ geäußert, eine weit verbreitete jüdische Tradition. Viele Wähler orientalischer und nordafrikanischer Herkunft, die tatsächlich damit geliebäugelt hatten, ihre Stimme dem Wechsel zu geben, haben nach der Demonstration davon Abstand genommen.

Die Wahl brachte mit Miri Regev eine Mizrahi als Kulturministerin. Regev entstammt einer Familie marokkanischer Einwanderer und ist in der Entwicklungsstadt Kiriat Gat aufgewachsen. In ihrem Auftreten verkörpert sie die israelische Peripherie, jenen Gegenpol zum säkularen, modernen, weißen Tel Aviv. Ihre Entschlossenheit, gegen die linke aschkenasische Hegemonie in der israelischen Kultur vorzugehen, bedingt seit ihrem Amtsantritt die ärgsten Kontroversen.

In den späten 1970er Jahren begann der Aufstieg der Juden aus orientalischen Ländern und dieser Aufstieg ist untrennbar mit Aryeh Deri verbunden. Aryeh Deri ist der Gründer der sephardisch-orthodoxen Shas Partei. 1984 gewann Shas vier Sitze in der Knesset. Deri widersetzte sich der zionistischen Doktrin seiner Zeit und bekannte sich selbstbewusst zu seiner marokkanischen Herkunft und seiner Tradiotionsverbundenheit. Deri wurde zur Identifikationsfigur für die Einwanderer aus orientalischen und nordafrikanische Ländern, die der Abwertung ihrer Familientraditionen durch die aschkenasischen Zionisten überdrüssig waren. Als es 1992 zur Regierung Rabin-Deri kam schien das Ende des Kulturkampfs nah. Doch dem fantastisch anmutenden Aufstieg von Deri folgte die Anklage wegen Korruption während des Wahlkampfes 1999. Nachdem Deri verurteilt wurde schloss er sich für Stunden in einen Raum ein und nahm ein Video auf, in dem er zu Anfang J’accuse schreit und sich dann lang und breit über die Diskriminierung der Mizrahi in Israel beklagt. Die Nachfrage nach dem Tape überstieg die Möglichkeiten der Vervielfältigung in Israel, so dass im Ausland Kopien gefertigt werden mussten. Shas erreichte trotz der Verurteilung Deris 1999 die Rekordzahl von 17 Mandaten. Die Entwicklung einer selbstbewusst-trotzigen Mizrahi Identität wurde nicht angehalten.

Ma’or Zaguri ist Israeli marokkanischer Abstammung und angesehener Drehbuchautor und Regisseur. Seine Theaterstücke verdienten sich in den Feuilletons großer Zeitungen Bestnoten. Zaguri ist als Autor und Regisseur für die Fernsehserie “Zaguri Imperium” verantwortlich, in deren Mittelpunkt eine marokkanische Einwandererfamilie in der Entwicklungsstadt Beer Sheva steht. Thematisch behandelt die Serie die patriarchalischen Strukturen der Einwandererfamilie und die Spannungen zwischen Mizrahi  und Ashkenasi. Die Serie wurde ein beispielloser Erfolg.

Zaguri ist ein streitbarer Gegner der aschkenasischen Vorherrschaft in der israelischen Kultur. Und er sieht deren Dämmerung gekommen. Ein Indiz für ihn ist die Biton Kommission unter Federführung von Erez Biton, eines israelischen Poeten algerischer Abstammung. Biton legte dem Bildungsministerium im Sommer 2016 einen Katalog von Vorschlägen für die Stärkung des sephardischen und orientalischen Erbes vor, u.a. eine Erneuerung des Literaturkanons und Schulausflüge nach Spanien und Marokko.

Ungefähr in der Zeit, als die Kommission ihren 350seitigen Bericht vorlegte, lieferte Gidi Orscher ein Paradebeispiel für dessen Notwenigkeit. Der Filmkritiker des Armeesenders enthemmte sich, auf Facebook eine rassistische Tirade gegen die Taditionsverbundenheit der Mizrahi vom Stapel zu lassen. „Und das nächste Mal wenn ihr einen Herzinfarkt habt“, so ging sein rant, „macht keinen Bypass, sondern legt Euch ein Hühnerbein auf die Stirn“ usw. Im Zuge der anschließenden Diskussion empfahl der Wissenschaftler Arie Ruttenberg den Mizrahi, die Überlegenheit der europäischen Kultur anzuerkennen.

Dies veranlasste Maor Zaguri am 15.7.16  in der auflagenstärksten israelischen Zeitung Yedioth Achronith den Artikel „Die weißen Panther“ zu veröffentlichen: Maor ruft die Bürger Israels in polemischer Absicht auf, sich zu entscheiden, ob sie auf der Seite der Mizrahi stehen oder auf der Seite der Rassisten unter den Ashkenasi. Er beschreibt eine neue Phase des Kulturkrieges. Nachdem die Mizrahi in der ersten Phase herabgewürdigt und an den Rand gedrängt worden seien und in der zweiten Phase den Spott hätten ertragen müssen, sei nun eine Phase erreicht, in der die rassistischen Ashkenasi eine Abwehrschlacht schlagen. Seit Staatsgründung, so fasst Zaguri zusammen, hätte eine Einwanderergruppe geherrscht und eine Einwanderergruppe gedient und damit sei Schluss. Bezug nehmend auf Kulturschaffenden, die öffentlich drohen das Land zu verlassen, ruft er auf, die Koffer zu packen. Wenn die Rassisten tatsächlich verschwinden würden, könnten Ashkenasi und Mizrahi in Frieden leben. Und dann auch Frieden mit ihren arabischen Nachbarn schließen.

Eine der letzten Abwehrschlachten der aschkenasischen Elite, konnte vor wenigen Wochen beobachtet werden, als der Haaretz Herausgeber Amos Shocken mit Ravit Dahan, einer unbekannten Frau mit unverkennbar marokkanisch/algerischen Nachnamen auf Twitter in Streit geriet, in dessen Zuge Dahan schrieb, dass die herrschende rechte Ideologie Schocken erlaube, wie ein König zu leben und ununterbrochen seine surreale Zeitung zu veröffentlichen. Schocken erwiderte: “Unverschämte Frau. Meine Familie führte die zionistische Bewegung, als Ihr noch auf den Bäumen herumgeklettert seid.”

Der Aufschrei blieb vergleichsweise gering. Tatsächlich erleben wir gerade das Ende des Kulturkampfes, der sowohl in der Küche als auch in der Populärkultur zu Gunsten der Durchsetzung der Mizrahi Identität entschieden ist.

Unverkennbar ist das Ende der aschkenasischen Vorherrschaft und die Durchsetzung der Mizrahi Identität in der Musik. Mizrahi Musik war zu Zeiten der Vormachtstellung der säkular-aschkenasischen Eretz Israel Musik Spartenmusik, der keine Bühne geboten wurde. Ihre Ablehnung ging einher mit der Ablehnung der orientalischen Kultur an sich. Entsprechend trug die an den Rand gedrängte orientalische Musik Züge des Protestes. Den Charakter des Protestes gegen die Vorherrschaft der sekulär-ashkenaisischen Musik trägt sie noch heute. In der Mittelmeermusik hat sie Vergeltung geübt. Der beispielhafte Song “Glücksrevolution” von Lior Narkiss und Omer Adam hat über 20 Millionen Klicks. Mehr als doppelt so viele wie es Hebräisch sprechende Menschen auf der Erde gibt.

Bild oben: „Kaffee Misrachi“ in Tel Aviv, (c) O. Vrankovic

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