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Wie Uri Avnery einmal einen Brief erhielt

Der am 20. August verstorbene Uri Avnery war ein in Deutschland gern gesehener Gast. Als Zeuge für eine radikale Kritik der israelischen Politik absolvierte er eine ganze Serie von Veranstaltungen. So trat er Ende 2003 oder Anfang 2004 auch im Frankfurter DGB Haus auf. Das war zur Zeit der zweiten bzw. „Al Aksa“ Intifada, deren für Außenstehende kaum nachvollziehbarer Anlass ein Besuch von Ariel Scharon auf dem Jerusalemer Tempelberg gewesen war…

Von Detlef zum Winkel

Erwartungsgemäß verlief der Abend wie eine Vollversammlung der hessischen Palästina-Solidarität, so dass eine inhaltliche Diskussion nicht stattfand. Irgendwie schien es aber doch sinnvoll zu sein, dem weißhaarigen Friedenskämpfer eine aus der Mitte der Gewerkschaften formulierte, wenn auch sehr individuelle Meinung mit auf den Weg zu geben, damit er diesen Ort in Erinnerung behalte. So überlegte der Autor dieser Zeilen und dann dachte er, da kannst du auch gleich Arafat anschreiben. Der kurze Brief in einfachem Schulenglisch schrieb sich während der Veranstaltung quasi von selbst.

Nach dem Event war Avnery von vornehmlich weiblichen Fans der Firmen attac und Evangelische Kirche umringt. Dennoch gelang es zu ihm vorzudringen, ihm den Zettel in die Hand zu drücken und um eine Zustellung an den Adressaten zu bitten. Den Brief könne er aber auch selber gerne lesen. Arafat würde ihn ohne eine Erklärung des Überbringers kaum verstehen können. Avnery sagte es zu.

Arafat war zu diesem Zeitpunkt wohl schon schwer erkrankt und verstarb einige Monate später, ohne seine Post beantwortet zu haben. Auch von Avnery gab es kein feedback. Damit der Brief wenigstens in irgendein Archiv eingehen kann, wird er an dieser Stelle noch einmal wiedergegeben.

Another letter to Mr. Arafat

Dear Mr. President,

Your Intifada has become a war. You don’t say it, but you know it. And we know it, too.

You voted for war.

You got the war.

You lose the war.

It is very simple and easy to understand. You have already lost this war. Now, listen to us. We know, that you like Germany. You prefer not to explain the reason why. But many of your comrades did so after the official parts of the meetings. Although the reason of this sympathy is no fun at all, we will tell you something, that might be interesting for you:

We Germans have some experience in losing a war!

Last time we gave up. Total capitulation, no conditions, no Versailles. No honest end nor other toys for stupid white men. We did so on May 8th and 9th in 1945. From there on – for more than 58 years! – it became better day by day. And now look at us, look at our Mercedes, our Vice champions in football world cup and the lot of beer and Coca-Cola we drink.

This is our little conspiracy. It is not more and not less than the road map, on which Palestinians become a leading nation of future M-EU (Middle East Union). Just like we became a leading nation of Europe.

Allah is great, but not always in the same sense.

„Tagsüber arbeitete ich beim Rechtsanwalt, und abends war ich im Untergrund“
Der Utopist und Kämpfer Uri Averny ist tot. Am 10. September wäre er 95 geworden…