Messi, Ronaldo, Neuer & Co.

Das Kölner JuZe Jachad lud zum Turnier: Es siegte die Mannschaft vom JuZe Kadima aus Düsseldorf…

Von Roland Kaufhold
Erschienen in: Jüdische Allgemeine v. 28.06.2018

»Liebe Chaverim! Bei diesem Turnier handelt es sich um ein Spiel! Wir sind stets freundlich zueinander.« Das Team des Kölner Jugendzentrums Jachad hatte zum Fußballturnier eingeladen. Und 100 Kinder und Jugendliche kamen aus ganz Nordrhein-Westfalen zur SoccerWorld nach Köln.

Um 14 Uhr wird schließlich das siebte jüdische NRW-Jugendfußballturnier eröffnet. Judith Steinhauer, seit vielen Jahren bei Jachad als Madricha engagiert und heute dessen Leiterin, ist begeistert über den Zuspruch: »Es sind diesmal fünf jüdische Jugendzentren mit jeweils zwei Teams vertreten: Dortmund, Düsseldorf, Krefeld, Wuppertal und Köln!« Die weiteste Anreise haben die Dortmunder.

Dass drei Stunden später auch die deutsche Nationalmannschaft ihr Spiel bei der Fußballweltmeisterschaft bestreiten sollte, daran habe man »gar nicht gedacht«, bemerkt der 25-jährige Aaron amüsiert. »Aber viele streamen einfach auf der Rückfahrt.« Vor zwei Monaten hatten Kamilla, Judith und Aaron die Einladungen verschickt. »Der letzte Monat war dann schon etwas intensiver«, erzählt der fußballbegeisterte Aaron von den Vorbereitungen.

Begonnen hatte der Tag bereits um 11 Uhr mit 80 Jugendlichen und einigen Eltern, die sich zu einem gemeinsamen Frühstück im Gemeindehaus in der Roonstraße eingefunden hatten. Dabei tauschten die Spieler schon einmal fußballerische Tipps aus, gaben Prognosen über den Sieger ab und erneuerten Freundschaften aus früheren Begegnungen. Gut zwei Stunden später startet der Bus zum Spielort.

Die weniger fußballbegeisterten oder sehr viel jüngeren Familienangehörigen können sich in der Zwischenzeit im direkt gegenüber liegenden Indoor-Spielplatz »Silly Billy« austoben. Hier gibt es riesige Hüpfburgen, die sie emporklettern können, um sich nachher herunterrollen zu lassen, außerdem zahlreiche Autoscooter und Rolleys. Auf sechs nebeneinander liegenden Trampolinen probieren die Kleinen und auch die Älteren kleine Kunststücke aus. Oder sie erklimmen eine vier Etagen hohe Kletterburg und sausen auf den Rutschen hinab in das Bällchenbad.

Das jüdische Jugend-Fußballturnier hat bereits eine kleine Tradition. 2012 fand es erstmals in Köln statt, und die Rahmenbedingungen sind bis heute gleich geblieben: Es treten keine festen Fußballmannschaften an, auch wenn einige der Kölner Teilnehmer beim jüdischen Sportverein Makkabi spielen. Die Mannschaften werden von den Jugendzentren gebildet, jedes von ihnen kann bis zu zwei Teams entsenden. In der Gruppe der Älteren – 13 bis 16 Jahre – sind alle fünf jüdischen Jugendzentren vertreten, die gegeneinander antreten.

Vier Fußballfelder mit 32 mal 16 Metern sind hierfür reserviert, jedes Spiel dauert zehn Minuten, außerdem sollte in jedem Team mindestens ein Mädchen mitspielen. Alle coachen sich selbst, und es klappt hervorragend. Einige Teams tragen eine farbige Weste, viele Emanu- und Jachad-T-Shirts sind zu sehen, aber auch Ronaldo, Neuer und Messi laufen auf.

Die 27-jährige Kamilla übernimmt souverän gleich mehrere Rollen: als Schiedsrichterin, als Trösterin für »Verletzte«, aber vor allem als Stimmungsmacherin. Immer wieder heult die Jachad-Flüstertüte, immer wieder spornt sie die Teams an. Auch Maria Gordin, die als Mutter aus Krefeld mit angereist ist, feuert mit Inbrunst auf Russisch und auf Deutsch die vier Teams der Jüngeren – sechs bis zwölf Jahre – an. »Motivation ist das Beste, was es gibt«, ruft sie engagiert.

»Durchziehen mit dem Ball. Das ist doch kein Lederball«, treibt der Düsseldorfer Madrich das Team der Älteren an. Für die erschöpften Spieler gibt es anschließend leckere Lunchpakete, Obst und Getränke.

Zur Siegerehrung versammeln sich alle 100 Jugendlichen auf einem Feld. Den dritten Platz erreicht Dortmund, der zweite Platz geht an das große Kölner Jachad-Team. Viel umjubelter Sieger ist dieses Mal das Kadima-Team aus Düsseldorf.

»Warum ist es uns wichtig, dass ihr aus vielen NRW-Städten zusammenkommt?«, fragt Aaron zum Schluss. »Das Wichtigste ist das Miteinander und unsere jüdische Zukunft in Deutschland. Wir haben die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen: Wir sind jüdisch, wir sind jüdische Bürger. Wir feiern. Und der nächste Messi ist bestimmt unter uns!« Die Spieler bejubeln seine Abschiedsworte.

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