Neues Denkmal in Würzburg-Heidingsfeld

In Würzburg-Heidingsfeld, früher einer eigenen politischen Gemeinde und von 1367 bis 1929 einer selbständigen Stadt (also nicht zum Fürstbistum Würzburg gehörend, wo die Juden sehr unter den verschiedenen Verfolgungen durch die Fürstbischöfe – bis hin zur Vertreibung – zu leiden hatten) existierte vom 13. Jahrhundert (erweitert 1565 durch aus Würzburg vertriebenen Juden) bis zum Juni 1937 eine Jüdische Kultusgemeinde, eine der ältesten Jüdischen Gemeinden Deutschlands…

Von Israel Schwierz

Sie besaß eine 1780 erbaute Synagoge, zwei Wohnhäuser mit Schulräumen und einer Lehrerwohnung, ein Ritualbad und einen Friedhof mit Taharahalle. Die Synagoge wurde 1938 in Brand gesetzt, die Ruine nach 1945 abgerissen. Erhalten geblieben ist jedoch der Chuppahstein aus der Synagoge, der sich heute an der Außermauer der Synagoge der IKG Würzburg befindet. Im Dezember 1986 wurde in der Nähe der ehemaligen Synagoge gegenüber dem Haus Dürrenberg 1a eine Gedenksäule für die einstige Synagoge, auf deren Grundstück heute zwei Wohnhäuser stehen mit der folgenden Inschrift errichtet: „ GOTTLOSE MENSCHEN ZERSTÖRTEN AM 9. NOV. 1938 DIE HIER GESTANDENE SYNAGOGE – ZUR ERINNERUNG AN DEN LEIDENSWEG DER JÜDISCHEN GEMEINDE„.

Seit Anfang Juli 2018 befinden sich hinter der Gedenksäule drei Stelen. Der interessierte Betrachter kann dort in Wort und Bild zahlreiche wichtige Fakten über die frühere Jüdische Gemeinde Heidingsfeld sehen. Er erfährt, dass die Würzburger Juden – durch die Fürstbischöfe im 15. Jahrhundert aus der Residenzstadt vertrieben – in Heidingsfeld – dem „Städtle“ – eine neue Heimat fanden. So wurde die Heidingsfelder Kultusgemeinde bald das Zentrum jüdischen Lebens in Franken.

Die Stelen, an deren feierlicher Übergabe Dr. Josef Schuster, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg, Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie der Oberbürgermeister der Stadt Würzburg, Christian Schuchardt, teilnahmen, sind in drei Informationstafeln aufgeteilt: Die erste Stele verdeutlicht die Geschichte der Heidingsfelder „Alten Burg“ , die bereits im 12./13. Jahrhundert entstanden war und von Kaiser Karl IV. als Residenz genutzt wurde. Die zweite Stele erinnert an die auf dem Grundstück der Burg erbaute Synagoge. Durch den Zuzug der aus Würzburg vertriebenen Juden war der Platz in der kleinen Heidingsfelder Vorgängersynagoge nämlich viel zu klein geworden. So wurde auf dem Areal der zerfallenen Burg eine Synagoge und später auch die jüdische Schule errichtet. Die dritte Stele informiert über die Mitglieder der Heidingsfelder Jüdischen Gemeinde und ihr Leben. Zu sehen ist dort ein Foto des jüdischen Bankiers Leopold Bamberger – in Heidingsfeld „Lord Bambux“ genannt, der den Würzburger Studenten Geld geliehen hatte, damit diese ihr Studium fortsetzen konnten. Erinnert wird aber auch an die Märtyrer der Shoa – unter ihnen an die erste Heidingsfelder jüdische Stadträtin Herta Mannheimer.

Treibende Kraft für die Errichtung der neuen Gedenkstätte ist Stefan Rettner, der Vorsitzende der Bürgervereinigung Heidingsfeld. Er ist sich mit Oberbürgermeister Schuchardt darin einig, dass mit der neuen Gedenkstätte Würzburg ein sichtbares und deutliches Zeichen setzen will. „Die Stelen sollen an das Geschehene erinnern und gegenwärtige Generationen dazu aufrufen, klare Haltung zu zeigen gegen Rassismus, Antisemitismus und andere Formen der Ausgrenzung von Minderheiten in Würzburg oder ganz Deutschland“.

Getragen wird die neue Gedenkstätte am Dürrenberg von ehrenamtlichen Helfern, unterstützt von der Stadt Würzburg. Für die fachliche Gestaltung des Denkmals ist das Johanna Stahl Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken zuständig.

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