Wiedereröffnung der ständigen Ausstellung „Tuet auf die Pforten“

Seit der Eröffnung der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum im Mai 1995 haben mehr als 3 Millionen Besucherinnen und Besucher aus aller Welt die Ausstellungen im Centrum Judaicum besucht. Nach achtmonatiger Umbauphase wird das Museum am 5. Juli 2018 in neu renovierten Räumen wieder eröffnet. Die Neukonzeption beinhaltet neue Formen der Präsentation, darunter Videointerviews und interaktive Elemente wie Medientische. Die Lichtgestaltung setzt die Architektur des historischen Gebäudes sowie die Exponate neu in Szene…

„Tuet auf die Pforten“ … ist Beginn und Leitmotiv der Ausstellung. Denn dieses biblische Zitat über ihren Portalen verband die Neue Synagoge mit der Stadt. Heute ist sie zu einem Leuchtturm und Wahrzeichen Berlins geworden. Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Neuen Synagoge als Mittelpunkt des Berliner jüdischen Lebens während Kaiserreich und Weimarer Republik und die gewaltsame Zerstörung in der NS-Zeit ab 1933 bis hin zum teilweisen Wiederaufbau seit Ende der 1980er Jahre. Seltene, sogar bisher nie gezeigte Film- und Tonelemente sind zu sehen und zu hören, etwa der Originalmitschnitt von den Synagogenchören, die 1932 in der Synagoge für die Deutsche Wochenschau „Kol Nidre“ aufnahmen. Gleichzeitig stehen die historischen Objekte stark im Vordergrund und mehr als zuvor spielen Lebensgeschichten von Berliner Juden eine Rolle. Die Präsentationsformen sind vielfältig, von medial bis haptisch: So gibt es im Kontext einer vorgestellten Biographie einen Kalender, der in die Hand genommen und durchgeblättert werden kann.

Doch das eigentliche Hauptobjekt ist das Gebäude selbst. Dem trägt die Ausstellungsarchitektur Rechnung, die zumeist Abstand zum Gebäude hält. Ein im Zentrum der Ausstellungsräume angeordnetes, in der Mitte „zerschnittenes“ Element, verbindet diese miteinander und bekräftigt das Gebäude als Fragment. Neu ist, dass nicht nur die Ausstellungsräume in Rotunde, Vestibül und ehemaliger Vorsynagoge, sondern auch das historische Treppenhaus und der zweite Stock integrativer Teil der ständigen Ausstellung sind. Die neue Lichtgestaltung betont die Atmosphäre der Räume. So gut es bei einem mehr als 150 Jahre alten Gebäude funktioniert, ist Barrierefreiheit gewährleistet worden.

Ein Höhepunkt ist der neu renovierte und nun hell strahlende Repräsentantensaal – in dem sich einst die Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin trafen. Heute gedacht auch als Raum zur Reflexion und Regeneration, ist er mit Lektüreangeboten und Tablets ausgestattet. Diese zeigen eigens für diese Ausstellung produzierte Videointerviews mit Menschen, die als Kinder und Jugendliche aus Berlin fliehen mussten oder die Berlin als Erinnerungsort der Eltern und Großeltern erlebten. Mobile Sitzbänke laden zum Verweilen und Lesen ein, und können für Veranstaltungen an andere Stellen bewegt werden. Am Ende lohnt der etwas mühsame Aufstieg in die Kuppel und ein Blick nach oben….

5. Juli: Neueröffnung des Museums für Besucherinnen und Besucher

9. Juli: Begleitveranstaltung anlässlich der Neueröffnung der ständigen Ausstellung:
Diskussionsrunde zum „Mythos des Jüdischen Berlin“
Mit Prof. Michael Brenner (Präsident des Internationalen Leo Baeck Instituts; LMU München; American University, Washington D.C.) Marina Chernivsky (Leiterin des Kompetenzzentrums der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland), Dr. Elad Lapidot (Philosoph/FU/UdK), Prof. Susan Neiman (Direktorin des Einstein Forums, Potsdam) und Zafer Senocak (deutschtürkischer Schriftsteller) sowie Dr. Anja Siegemund (Centrum Judaicum, Moderation). Grußworte: Petra Pau (Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags); Gerry Woop (Staatssekretär für Europa); Prof. Rainer Kampling (Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg)

Weitere Informationen:
www.centrumjudaicum.de

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