Mazel Tow Chawer!

Der deutsch-jüdische Fotograf Werner Braun feiert seinen 100. Geburtstag…

Von Jim G. Tobias

„Mit Hitler ging meine deutsch-jüdische Philosophie flöten, ich wurde Zionist!“ Werner Braun, am 12. Juni 1918 in Nürnberg geboren, flüchtete in den 1930er Jahre aus seiner Geburtsstadt und verbrachte fast zehn Jahre in Skandinavien. Erst 1946 konnte er endlich nach Erez Israel einreisen. Dort übernahm er ein kleines Fotoatelier – Pressefotograf zu werden waren sein Jugendtraum. Es waren unruhige Zeiten: Auseinandersetzungen zwischen Engländern, Arabern und Juden bestimmten den Alltag im damals noch britisch verwalteten Palästina. „Doch Krieg und Terrorismus halfen mir bei meiner Karriere“, erinnert sich der rüstige Hochbetagte, der nun seinen 100. Geburtstag feiert.

Werner Braun erlebte die Gründung des jüdischen Staates und wurde von nun an zu einem fotografischen Wegbegleiter Israels. Über eine halbe Million Negative befinden sich in seinem Archiv. Zahlreiche seiner Bilder sind inzwischen historische Dokumente. Darunter Portraits von David Ben Gurion, Golda Meir oder Mosche Dayan, Aufnahmen vom Eichmann-Prozess, aber auch Fotografien, die einfühlsam das Lebensgefühl der Menschen in Israel zeigen: die Erleichterung der Neueinwanderer, die Freude der Soldaten an der zurückeroberten Klagemauer in Jerusalem oder die verängstigten Kinder in den Luftschutzbunkern.

Viele Auszeichnungen hat der Wegbegleiter Israels für seine Fotos erhalten. Gleichwohl stand er immer ein bisschen im Schatten seines bereits verstorbenen Kollegen David Rubinger. Zu Unrecht – denn auch Werner Brauns Bilder sind authentische Zeugnisse des politischen und gesellschaftlichen Alltags in Israel, die schon lange den nationalen „Israelpreis“ verdient hätten. Aber vielleicht bekommt er ihn ja noch für sein Lebenswerk. Einen langen Atem hat er, der deutsch-israelische Fotograf: „Nur wenn man Geduld hat und neugierig ist, gelingen einem gute Fotos“, meint der lebenslustige und rüstige Jecke. Eigenschaften, die sicher auch dazu beigetragen haben, dieses biblische Alter zu erreichen.

Bild oben: Werner Braun im Museum of Photography ,Tel Chaj. Foto: Jim G. Tobias

Zu seinem 80. Geburtstags drehte der Autor ein kurzes TV-Portrait über Werner Braun:

Kommentar verfassen