Wieder antisemitischer Vorfall an Berliner Schule

Zentralrat der Juden fordert Meldesystem für antisemitische Vorfälle…

Zum antisemitischen Vorfall an der Berliner John-F.-Kennedy-Schule erklärt der Zentralrat der Juden in Deutschland:

Die antisemitischen Übergriffe gegen einen jüdischen Schüler der John-F.-Kennedy-Schule liegen bereits einige Zeit zurück. Leider hat sich die Schule erst sehr spät und nur unter Druck einer geplanten Veröffentlichung entschieden, die Vorfälle aufzuarbeiten und an die Öffentlichkeit zu gehen.

Dazu erklärt der Präsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster: „Antisemitische Vorfälle müssen von den Schulen ernst genommen und dürfen nicht vertuscht werden. Denn wir haben es mit einem gesamtgesellschaftlichen Problem zu tun. Solche Vorfälle finden an allen Schulformen und überall in Deutschland statt. Religiöses Mobbing geht häufig von muslimischen Schülern aus, aber nicht nur. Antisemitismus findet sich unabhängig von der Herkunft in allen Teilen der Gesellschaft.“

Es ist dringend notwendig, einen besseren Überblick über die tatsächliche Lage zu bekommen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland unterstützt ausdrücklich Überlegungen, ein bundesweites niedrigschwelliges Meldesystem für antisemitische Vorfälle einzuführen, nicht nur für Schulen, sondern generell. Nur wenn sich die Ist-Situation genau analysieren lässt, kann Antisemitismus wirksam bekämpft werden. Bund und Länder müssen dafür rasch die notwendigen Voraussetzungen schaffen.

Daneben müssen Lehrer durch gezielte Fortbildungen in die Lage versetzt werden, auf antisemitische Vorfälle in Schulen angemessen zu reagieren. Hierzu brauchen Lehrer sowohl den Rückhalt der Schulleitungen als auch der zuständigen Behörden.

Berlin, 27. Juni 2018 / 14. Tamus 5778

Ein Kommentar zu “Wieder antisemitischer Vorfall an Berliner Schule

  1. Ein Meldesystem, ein Antisemitismus-Beauftragter, kollektive Empörung in den Medien – es ist Aussichtslos. Kenne einige Leute, die schon ernsthaft überlegen, weg zu gehen und das ist mehr als bitter.

    Dieser Vorfall, besser, dieses Phänomen geht nun anlassbezogen durch die Medien, überall wird darüber berichtet, von Printmedien bis zur Tagesschau. Der Antisemitismus-Beauftragte wird um seine Meinung dazu befragt und er hat Vorschläge was zu tun wäre. Alles ok, soweit normal, alles wie gewohnt, man kann nun in der Zeitung weiterblättern, wegzappen, abschalten. Wie gewohnt, nun ja.

    Empörung allerseits, wie gewohnt.

    Abwesend die Empathie, das Mitfühlen mit dem Erniedrigten, dem Beleidigten, dem Ausgegrenzten. Abwesend die Empathie mit dem Juden, dem Außenseiter und damit mit allen jüdischen Mitbürgern, die so und auf diese Weise immer noch als Andere, als fremd begriffen, ihr Außenseitertum immer und immer wieder vermittelt bekommen, in ihrer Identität, ihrer Existenz irritiert und zutiefst verletzt sind.

    Antisemitismus ist im Zunehmen begriffen und er ist ein Symptom, ein Symptom für den erbärmlichen Zustand unserer Gesellschaften!

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