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Kippa am Domvorplatz

Knapp 1000 Menschen demonstrieren in Köln mit Kippa für Solidarität mit Israel – und am Rande gab es einen winzigen „Skandal“…

Von Roland Kaufhold

Es war ein wirklich eindrucksvolles Bild: Knapp 1000 Menschen, die meisten mit Kippa,  hatten sich am Mittwoch, 25. April um 18 Uhr bei bestem Frühlingswetter auf dem Kölner Domvorplatz eingefunden. Und sie demonstrierten in eindrücklicher Weise ihre – wie es in dem in Köln sehr zahlreich verbreiteten Demonstrationsaufruf hieß – „Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin“. Dabei war die Initiative zu dieser eindrücklichen Solidaritätskundgebung mit in Deutschland angegriffenen Juden erst vier Tage zuvor geboren worden: Der Kölner Schauspieler Gerd Buurmann – politisch insbesondere in eher linken Kreisen durchaus nicht unumstritten – hatte mit einigen Freunden die Idee binnen weniger Tage in die Tat umgesetzt. Vier Tage später war der Domvorplatz, auch Dank der modernen Kommunikationsmöglichkeiten wie Facebook und WhatsApp, zu Dreiviertel gefüllt. Sprecher aller größeren Parteien Kölns traten als Redner auf, wie auch Vertreter nicht nur der Kölner Synagogengemeinde sondern auch der beiden Kirchen sowie der – als „Erdogannah“ bzw. als „trojanisches Pferd“ (so der Grüne Politiker Volker Beck) geltenden – Ditib. „Es reicht!“ Dieser Rufe, diese Mahnung wurde immer wieder verkündet, und auf parteipolitische Selbstdarstellungen wurde zum Glück ganz verzichtet. Auch die Kölner Synagogengemeinde hatte zur Teilnahme an der Kundgebung aufgerufen und kurzfristig 500 Kippot zur Verfügung gestellt.

„Auf die Kölner ist immer Verlass!“

„Auf die Kölner ist immer Verlass!“, rief die Kölner Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes auf der von Kameras dicht belagerten Bühne. Juden würden im Jahr 2018 auch in Köln diskriminiert. Und die Sozialdemokratin zitierte ihre 99 Jahre alte Mutter: „Seid wachsam und schweigt nicht!“ Dies sei unsere Verpflichtung, immer noch. Sehr deutliche Worte fand Dr. Felix Schotland vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Köln: „Es ist nicht mehr auszuhalten! Es reicht!“ Es sei unerträglich, wenn Juden in Deutschland beleidigt und sogar körperlich angegriffen würden. Und wenn Angriffe auf Synagogen, wie in Wuppertal geschehen, von Gerichten als „antiisraelisch“ legitimiert statt als antisemitisch strafrechtlich bestraft würden. Und auch das bisher ungestrafte Verbreiten von Antisemitismus in sozialen Netzwerken „muss geächtet werden“, forderte Felix Schotland unter großem Beifall.

Als Redner trat auch Bekir Alboga, Beauftragter für interreligiösen Dialog der Ditib, auf: Juden dürften nicht zum Ziel von Übergriffen gemacht werden; dies untersage sich „übrigens auch aus theologischer Sicht“. Und Alboga forderte unter Beifall Bündnisse gegen jede Form von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. „Verschiedenheit zwischen Menschen“ sei „gewollt“.

„Für mich ist es selbstverständlich öffentlich gegen Antisemitismus einzustehen“

In der Zwischenzeit war die Anzahl der Teilnehmer auf knapp 1000 angewachsen. Das Spektrum der Teilnehmer war erkennbar bunt: Zahlreiche Mitglieder aus der Kölner Jüdischen Gemeinde waren da, viele Teilnehmer gehörten eher der älteren Generation an. Ein Antifa-Transparent von zwei jungen Leuten forderte in großen schwarz-blauen Lettern „Gegen jeden Antisemitismus“, und auch die in Köln bekannte Kurdistan Israel Friendship Association war nicht nur mit einem Transparent vertreten. Olaf Hensel, der in der Kölner Kampagne Kein Veedel für Rassismus aktiv ist, bemerkte am Rande der Veranstaltung: „Für mich ist es selbstverständlich hier öffentlich gegen jeden Antisemitismus einzustehen. So wie ich auch gegen Neonazis oder die AfD Flagge zeige. Deshalb bin ich froh, dass sich soviele Menschen heute solidarisch zeigen.“

Und Reinhold Goss, Vorsitzenden der Elternschaft Kölner Schülerinnen und Schüler, betonte am Rande der Kundgebung: „Wiedererstarkender Antisemitismus lässt sich natürlich nicht über das Betonen von Religionsfreiheit oder dem bloßen Insistieren auf eine weltoffene Gesellschaft begegnen. Oder indem wir so tun, als wären nicht wir, sondern nur „die anderen“ infiziert. Es bleibt eine sich wieder neu stellende Aufgabe. Ganz individuell wie auch als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe. Da muss sich was tun. Dringend. Deswegen bin ich hier und trage auch heute als gläubiger Atheist Kippa.“

„… gleichgültig ob von Rappern oder von Stammtischen“

Eine deutliche Rede hielt Volker Görzel von der FDP: Er sei nicht bereit, antisemitische Beleidigungen und Angriffe gegen Juden hinzunehmen, „gleichgültig ob von Rappern oder von Stammtischen“. Der Beifall war groß. Und wir sollten auch nicht mehr hinnehmen, „dass bis heute vor Synagogen Polizeiautos stehen müssen.“

Mehrere Redner, darunter auch Helge David Gilberg von der SPD und Hannes Platz von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Köln, attackierten in scharfen Worten den Antisemitismus der AfD (Gilberg: „Ich möchte ihren Namen gar nicht nennen“) und der übrigen „Rechtspopulisten“: „Wir stellen uns gegen solche Lügner die den Boden für Antisemitismus bereiten. Ich werde es nicht zulassen, dass das braune Pack die Oberhand gewinnt. Wer Hass sät ist kein Demokrat!“ rief Gilberg. Deutschland müsse für die Sicherheit Israels eintreten: „Diese Verantwortung endet niemals!“

Bei dieser Beschreibung hätte man es belassen können – so wie ich es in dem Beitrag für die Jüdische Allgemeine gemacht habe. Dennoch sei ein kleiner „Skandal“ erwähnt und ausführlicher betrachtet, der sich auf der Bühne zwischen einem offiziellen Redner (Hannes Platz, DIG Köln) sowie einem auf dem Podium stehenden Kundgebungsteilnehmer (Rainer Stuhlmann, evangelischer Theologe und Publizist) ereignet hat. Dem Konflikt kommt eine exemplarische Bedeutung zu. Dieser beleuchtet auch die Tiefendimension der Entfremdung zwischen der jüdischen Community in Deutschland und der deutschen Mehrheitsgesellschaft – allen verbalen Lippenbekenntnissen zum Trotz…

… und ein kleiner „Eklat“: Dr. Johannes Platz versus Dr. Rainer Stuhlmann

Auch Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche äußerten sich in eindeutigen Worten. Stadtdechant Robert Kleine: „Ich bin beschämt, dass ich hier stehen muss.“ Die Verantwortlichen für die Übergriffe gegen Juden müsse man „alle nach Yad Vashem schicken“, schlug Kleine vor.

Dann ereignete sich auf der Bühne ein kleiner „Eklat“: Zuerst hatte Rolf Domning, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte, gesprochen. Danach trat der Gewerkschaftshistoriker (und SPD-Mitglied) Hannes Platz von der Kölner DIG ans Podium und  thematisierte explizit die kürzlich publizierte Broschüre der Evangelischen Kirche im Rheinland – bzw. er wollte diese thematisieren, wurde aber nach wenigen Sätzen durch zornerfüllte Zwischenrufe unterbrochen. Er wurde, vom Podium aus mehrfach der „Lüge“ bezichtigt. In dieser offiziellen kirchlichen Broschüre, anlässlich des 70. Geburtstages des jüdisch-demokratischen Staates Israel verfasst, fanden sich eher unfreundliche Worte über das seit seiner Staatsgründung von Todfeinden umgebene Israel – deren verkündete Ideologie und Praxis immerhin die Auslöschung des jüdisch-demokratischen Staates intendiert: Israels militärische Überlegenheit habe dazu geführt, dass Israel „brutal seine Interessen gegenüber Palästina durchsetze“, heißt es in dem „70 Jahre Geburtstags“ – Beitrag.

Dass der arabische Bruderfreund der selbsternannten ewigen palästinensischen Opfer, Baschar al-Assad, zeitgleich palästinensische Flüchtlingslager bombardieren lässt, dass die zahlreichen palästinensischen Despoten Hunderttausende Palästinenser seit 1948 bewusst in Flüchtlingslagern vegetieren lassen, als ideologisch-taktische „Manövriermasse“ gegen „den Zionismus“, statt sie zu integrieren und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten, dass sich der „Flüchtlingsstatus“ dieser „Opfer“ also seit Generationen vererbt, ganz im Gestus und Ideologie hiesiger „Vertriebenenpolitiker á la Erika Steinbach, dies bleibt natürlich eher unerwähnt.

Vielleicht hätten man in der Broschüre auch Mahmoud Abbas´ bereits 1982 in seiner Promotion niedergelegte Position berücksichtigen können, die immerhin eine Leugnung der Shoah beinhaltet: In seiner jüngsten Rede in Rammalah interpretierte der palästinensische Führer die deutsche Shoah ganz in nationalsozialistischer Weise – übrigens im argumentativen Einklang mit militanten deutschen Neonazis, die am 1. Mai in mehreren Städten die Shoah öffentlich in Abrede gestellt und antisemitische Symbole aufgegriffen haben: „Palestinian Authority President Mahmoud Abbas on Monday said that the Holocaust was not caused by anti-Semitism, but by the “social behavior” of the Jews, including money-lending.“[i] Der Spiegel griff den zitierten Beitrag aus The Times of Israel auf und titelte: „Antisemitische Rede: Abbas gibt Juden Schuld am Holocaust“. Die Shoah sei, so führte Israels Verhandlungspartner Mahmoud Abbas vor dem Palästinensischen Nationalrat der PLO in Rammalah aus, nicht durch den Antisemitismus ausgelöst worden sondern durch das „soziale Verhalten“ der Juden. Die Juden werden also selbst für die systematisch von Deutschen organisierte Massenvernichtung verantwortlich gemacht – nicht die deutschen Nationalsozialisten. Abbas hatte die international anerkannte Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 schon öfters als „koloniales Projekt“ bezeichnet, die Juden würden „als Werkzeug benutzt.“

Neu sind die Ansichten von Abbas keineswegs. Der Geschichtswissenschaftler und Jurist Dr. Mahmoud Abbas ist „vom Fach“: 1982 hat der Nachfolger des korruptes und  verschiedentlich als verhandlungs- und kompromissunfähig beurteilten Arafat[ii] in Moskau als Historiker im Fachbereich „Israelische Politik“ mit einer Arbeit über Die Zusammenhänge zwischen Zionismus und Nazismus 1933–1945 promoviert. Gemäß den Angaben des Middle East Media Research Institute, die vom deutschen Wikipedia aufgegriffen wurden, soll der von der EU als „moderat“ – im Vergleich zur Hamas – hoch geschätzte und finanziell massiv unterstützte Abbas im Vorwort seiner 1982 abgeschlossenen und ein Jahr später als Buch publizierten arabischsprachigen Dissertation mit Verweis auf bekannte Shoahleugner die Gaskammern sowie die Anzahl von sechs Millionen ermordeter Juden in Frage gestellt haben sollen. Abbas, der auch schon vor dem EU-Parlament „das antisemitische Klischee der Juden als Brunnenvergifter verbreitet“ hat (Gideon Böss)[iii], soll in seiner Promotion den französischen Shoahleugner Robert Faurisson zitiert und die Anzahl von weniger als eine Millionen ermordeter Juden genannt haben.[iv]

Aber kommen wir zu der Broschüre der Evangelischen Kirche zurück: Verfasser dieses Textes ist der inzwischen pensionierte Geistliche Rainer Stuhlmann. Der ehemalige Kölner Schulreferent und frühere Superintendent des Kirchenkreises An Sieg und Rhein war von 2011 – 2016 Studienleiter des in Nordisrael gelegenen „Friedensdorfes“ Nes Ammim; dort leben selbstredend Juden, Christen und Moslems friedlich miteinander; seitdem lebt der streitbare Theologe wieder in Köln.

Dieser kirchenintern ausgerichtete Broschürenbeitrag hatte dazu geführt, dass die Jüdischen Gemeinden von NRW die Beteiligung an einer für den 26. – 29. April vereinbarten Israelreise mit einer Delegation der Evangelischen Kirche im Rheinland wieder absagte – ein zumindest diplomatischer und atmosphärischer Eklat. Diese Reise war anlässlich des 70. Geburtstages Israels geplant worden. Und sie fand also just während des Kölner Kippa-Protests statt, allerdings ohne jüdische Beteiligung. Ergo ein wirklich gelungener Brückenschlag der akademischen Theologen – die seit ihrer frühen Jugend tief bewegt „Lehren aus der deutschen Geschichte ziehen“, emsig Stolpersteine verlegen – im vielbeschworenen jüdisch-christlichen Dialog…

„Das ist eine Lüge!“

Der Kölner DIG-Vorsitzende Johannes Platz setzte also in seiner Rede dazu an, die Hintergründe für die Absage dieser gemeinsamen Reise zu erwähnen, woraufhin auf der Bühne empörte Schreie zu hören waren: „Das ist eine Lüge! Das ist eine dreiste Lüge!“ schrie ein älterer Herr mit Kippa. Es handelte sich um den Theologen Rainer Stuhlmann persönlich. Mit „christlich-jüdischem“ Shalom war es kurzzeitig vorbei, der DIG-Vertreter geriet etwas aus dem Konzept, dann wurde „die gemeinsame Sache“ doch noch zu einem verträglichen Ende gebracht: Die Kölner Kippa- Kundgebung, auf der 13 Männer und eine Frau sprachen und die atmosphärisch durchaus vom Geist einer aufkeimenden Besorgnis geprägt war, wurde durch ein kölsches Karnevalslied – Unser Stammbaum von den Bläck Fööss – abgeschlossen. Musikalisch fiel es eher problematisch aus, dennoch: Der Frieden, Shalom, war danach in Köln wieder hergestellt.

„… den anderen Vertreibung, Zerstörung, Zwang und Unrecht.“ Die Absage der jüdischen Gemeinden NRWs an der gemeinsamen Reise nach Israel

Ergänzend sei angemerkt: Auf Anfrage hat uns Rainer Stuhlmann zu seiner Beteiligung am Kippa-Protest mitgeteilt: „Ich hatte den ganzen Tag öffentlich Kippa getragen und bin bewusst an belebte Orte gegangen. Um 18 Uhr habe ich in der Antoniterkirche eine Minutenandacht zum Thema gehalten und zu der Demo eingeladen.“ Insofern konnte er erst etwas verspätet auf dem Domvorplatz erscheinen. Dort begab er sich sogleich auf das Podium.

Rainer Stuhlmanns erwähnter Beitrag ist in einer von der Evangelischen Kirche im Rheinland herausgegebenen Gottesdienst-Arbeitshilfe zum Thema „70 Jahre Staat Israel. Ein Termin auch im christlichen Kalender?“ erschienen.

In dieser Arbeitshilfe wird in einer historisch durchaus problematischen Kausalität – die jedoch den Vorzug einer die Deutschen entlastenden, anklagenden Moralität bzw. Schuldzuschreibung hat – , u. a. postuliert: „Was für Juden ein Grund zum Feiern ist, das ist für andere ein Grund zur Trauer. Den einen hat die Staatsgründung Schutz, Sicherheit, Gerechtigkeit und Freiheit gebracht, den anderen Vertreibung, Zerstörung, Zwang und Unrecht.“ Und: „Die beschlossene Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat hat zu einem grausamen Krieg geführt, in dem es auf allen Seiten Opfer gegeben hat. Am Ende des Krieges hatten die Juden ihren Staat, der weit größer war, als es der Teilungsplan vorsah. Und die Palästinenser nichts. Das nennen sie mit Recht „Katastrophe“, arabisch: „Nakba“. Bis heute haben sie nicht den ihnen versprochenen Staat.“ Immerhin wird dann noch der etwas relativierende Zusatz nachgeschoben: „ Daran ist nicht nur Israel schuld und nicht nur sie selbst“, was aber in der Sache nicht zwingend weiter hilft. Der Gesamteindruck, die Botschaft ist eindeutig – und wurde von der jüdischen Seite auch so wahrgenommen.

Hierzu sei kurz angemerkt: Dass die Staatsgründung Israels am 14.5.1948, drei Jahre nach der deutschen Shoah, durch ein Votum der II. UN-Vollversammlung, einschließlich der Stimme der UdSSR,  international anerkannt, aber durch den Angriff von fünf arabischen Staaten einseitig in Frage gestellt wurde, kommt hierbei nicht zur Geltung.

Sowohl argumentativ als vor allem auch sprachlich ist im Beitrag  die Differenz zu – auch von katholischen Minigruppierungen wie „Pax Christi“ unterstützten – , antisemitisch konnotierten BDS-Gruppierungen nicht sonderlich weit. Der lakonische Satz, dass die „Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat“ zu einem „grausamen Krieg geführt“ habe, „in dem es auf allen Seiten Opfer gegeben hat“ ist eine zumindest recht missverständliche Formulierung. Als Geburtstagsgruß und als eine historisch-politische Einschätzung ist der Beitrag schon mehr als problematisch: Es war keineswegs die Empfehlung der UN-Generalversammlung vom 29.11.1947 in New York (Resolution 181 (II) ), die zu einem Krieg „geführt“ hat: Es war der einseitige Angriff von fünf arabischen Armeen, im Widerspruch zum UN-Beschluss zur Gründung des Staates Israel, der den Krieg „ausgelöst“ hat. Die wohl Zehntausenden von Shoahüberlebenden, die Hunderttausenden von jüdischen Flüchtlingen, die auf waghalsigstem Wege mit äußerstem Glück nach Palästina gelangt waren, auch weil kein weiteres Land bereit war sie aufzunehmen: Sie könnten diese „christliche“ Geschichtsinterpretation als befremdlich, wenn nicht sogar als herz- und mitleidlos empfunden haben.

„Ein fader Beigeschmack antizionistischer Stereotype“

Als Vertreter des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von NRW drei Tage vor der gemeinsamen Reise nach Israel – Ziel war vor allem besagtes Dorf Nes Ammim – von dieser „Arbeitshilfe“ hörten waren sie geschockt.

Oded Horowitz, Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein, kritisierte am 24. April – also zwei Tage vor der geplanten gemeinsamen Reise – in einer Erklärung , in der Arbeitshilfe zur Gestaltung von Gottesdiensten würde der Staat Israel „als brutale Besatzungsmacht” verunglimpft; historische Fakten würden unterschlagen. Das hinterlasse „einen faden Beigeschmack antizionistischer Stereotype.“

Die „darin geäußerte Verunglimpfung des Staates Israel“ sei „für uns nicht hinnehmbar.“ Da sich die rheinische Kirchenleitung nicht von Stuhlmanns Text distanziert habe – was ja durchaus möglich gewesen wäre – werde der NRW-Landesverband der Jüdischen Gemeinden die Reise nicht antreten, wie die Wochenzeitung Jüdische Allgemeine einen Tag später (25.4.2018) mitteilte. Weiterhin sagte Horowitz, Stuhlmanns Beitrag habe den jüdischen Landesverband „bestürzt und traurig“ zurückgelassen. Hierdurch werde das Existenzrecht Israels in Frage gestellt – und dies just am 70. Jahrestag seiner Gründung. Für regelmäßige Konsultationen mit der evangelischen Kirche stehe man jedoch weiter zur Verfügung.

Hiervon abgesehen: Es war eine wirklich eindrucksvolle, Mut machende Kundgebung in Köln. Warum jedoch nahezu nur Männer sprachen, das war doch ziemlich verwunderlich.

22 Stunden später fand auf dem nur wenige Hundert Meter entfernt gelegenem Heumarkt der Israel-Tag der Jüdischen Gemeinde Kölns statt. Die Sicherheitsmaßnahmen waren  noch stärker als in den Jahren zuvor.

Empfohlene WDR-Sendung zum Thema: Jüdisches Leben: Zwischen Alltag und Angst? – eine Schule ohne Antisemitismus:

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/unterwegs-im-westen/video-juedisches-leben-zwischen-alltag-und-angst–100.html

Eine stark gekürzte Version dieses Beitrages ist in der aktuellen Jüdischen Allgemeinen (3.5.2018) erschienen.

[i] The Times of Israel: https://www.timesofisrael.com/abbas-says-jews-behavior-not-anti-semitism-caused-the-holocaust/

[ii] Ivo Bozic: Und ewig grüßt der Arafat, Jüdische Allgemeine, 10.7.2012: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/13433

[iii] Gideon Böss: Antisemitismus: Und nun?, Jüdische Allgemeine, 21.12.2017: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/30435

[iv] Das Magazin Cicero hat vor einem Jahr unter dem  wenig gelungenen Titel „Wer ist Abbas wirklich?“ eine scharfe Abrechnung mit Abbas vorgelegt, in der ausführlicher auf dessen Promotion eingegangen wird: „Folgt man dem „Historiker“ Mahmud Abbas, hat Hitlers Massenvernichtung von sechs Millionen Juden nicht stattgefunden. „Die Wahrheit ist, dass niemand diese Zahl bestätigen oder widerlegen kann. Mit anderen Worten: Es ist möglich, dass die Zahl jüdischer Opfer sechs Millionen erreichte, aber gleichzeitig ist es möglich, dass die Zahl viel geringer ist – weniger als eine Million. Es scheint, dass es das Interesse der zionistischen Bewegung ist, diese Zahl aufzublähen, damit ihre Gewinne größer sein werden“, schreibt er. (…) Zusätzlich zur Ermutigung der Verfolgung der Juden, damit diese ins Heilige Land emigrierten, wollten die Zionistenführer auch, dass Juden ermordet würden, weil mehr Opfer zu haben bedeutete, größere Rechte und stärkere Privilegien am Verhandlungstisch zu bekommen. Die Zionisten mussten die Zahl der Opfer erhöhen; mit diesen konnten sie dann bei der Abrechnung prahlen.“ Gaskammern finden in der Dissertation von Mahmud Abbas keine wahrhaft wissenschaftliche Würdigung. Es habe sie nicht gegeben. Abbas zitiert eine „wissenschaftliche Studie“ hierzu, die der französische Holocaust-Leugner Robert Faurisson erstellte.“ https://www.cicero.de/weltb%C3%BChne/wer-ist-abbas-wirklich/36947