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Neue Gedenkstätte an die Opfer der Shoa in Würzburg

Seit Ende April gibt es in der Stadt Würzburg ein neues Denkmal, das an die jüdischen Opfer der Shoa erinnert: Im Kaisergärtchen wurde eine neue Stele enthüllt. Sie soll an die von den Nationalsozialisten vertriebenen jüdischen Geschäftsleute in der Kaiserstraße erinnern. Auf der Stele, von den Architekten Matthias Braun und Juhani Karanka entworfen, sind alle jüdischen Geschäfte dokumentiert, die es einst in der vom Bahnhof in die Innenstadt führende Straße gegeben hatte…

Von Israel Schwierz

Die Idee zur Schaffung eines Denkmals für die jüdische Geschäftswelt in der Kaiserstraße kam von John Stern, dessen Großvater Bruno Stern zusammen mit seinem Partner Gerson Haas hier einst eine angesehenen Rechtsanwaltspraxis betrieb, bis zu den Tag, als er deportiert und die Kanzlei aufgelöst wurde. Es ist aber auch der Projektgruppe „Wir wollen uns erinnern“ und dem Johanna-Stahl-Zentrum zu verdanken, dass die Idee von John Stern verwirklicht wurde.

Bei der Einweihungsrede bezeichnete Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt die Errichtung der Gedenkstele als „ein deutliches Signal gegen Hetze und Parolen“;  er meinte, es sei heute besonders wichtig Zeichen zu setzen, in einer Zeit, in der Rassismus und Antisemitismus europaweit zu den wachsenden gesellschaftlichen Tendenzen gehörten. Dafür stehe die Gesellschaft der Stadt Würzburg, in der die Jüdische Gemeinschaft ein fester Bestandteil sei.

Danach gab Frau Rotraud Ries vom Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte  und Kultur in Unterfranken eine Einführung in die Zeit von Würzburg, in welcher die jüdische Geschäftswelt ein ökonomisches Schwergewicht, besonders in der Kaiserstraße, dargestellt hatte. Hier gab es damals 20 jüdische Betriebe, zum Teil in  Familienbesitz, die das Straßenbild sehr lange prägten: Ärzte- und Anwaltspraxen, Versicherungen, Wein- und Textilhandlungen. Bis 1938 war es dann den Nationalsozialisten gelungen, alle Juden aus der Kaiserstraße zu entfernen; sie wurden dann später vertrieben oder in die Vernichtungslager deportiert.

Die größere Anzahl der jüdischen Geschäftsinhaber in der Kaiserstraße konnte den Deportationen entgehen und ins Ausland emigrieren.  John Stern und Michael Haas, beides Enkel der Inhaber der Anwaltskanzlei  von Bruno Stern und Gerson Haas, die nun in den USA und in Großbritannien leben, sprachen in ihren Grußworten von einem Geist der Versöhnung und davon, dass eine neue Generation nichts für die Sünden der Elterngeneration könne, dass die Stele aber als Mahnmal dafür stehen müsse, dass sich so etwas wie damals nie mehr wiederholen dürfe. „ Unser Großvater hätte dem zugestimmt“,  so meinte Michael Haas.