Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 31. Mai 2018…

Mi, 16. Mai · 03:25-04:10 · arte
Städte am Meer: Tel Aviv

Tel Aviv war einst der rettende Hafen für Juden aus der Diaspora, heute reißt der Strom freiwilliger Zuwanderer nicht ab. Die Dokumentation zeichnet ein facettenreiches Bild von Israels zweitgrößter Stadt, deren Name so viel wie „Hügel des Frühlings“ bedeutet. Tel Aviv wurde buchstäblich auf Sand gebaut, nachdem jüdische Familien 1909 mit Muscheln vom Strand die Parzellen ausgelost hatten, auf denen sie die ersten Häuser errichteten. Nazi-Verfolgung, stalinistische Bedrohung und Anfeindungen in arabischen Ländern machten sie zum Zufluchtsort für Juden unzähliger Nationalitäten. In Israel heißt es, Jerusalem betet, Haifa arbeitet und Tel Aviv tanzt. Lifestyle, Kreativität und Individualität sind die Visitenkarte der Stadt am Mittelmeer. Wer hier mithalten will, nimmt sich einen Personal Trainer wie Maria Pomerantz. Die Bodybuilderin erzielt Spitzenhonorare, indem sie ihre Kunden quält. Die Sicherheitsstandards der immer wieder von terroristischen Anschlägen bedrohten Stadt sind hoch. Dennoch gibt die Dokumentation Einblick in den War-Room, ein multimedial ausgerüstetes Krisenzentrum drei Stockwerke unter der Erde, und begleitet den städtischen Sicherheitschef David Aharony. Um die alltäglichen Sorgen der Bewohner Tel Avivs kümmern sich etwa die Gassigeher von DogMen, einem Start-up, das einen allumfassenden Service für rund 80.000 Hunde bietet. Der neueste Trend ist die vegane Küche. Als die Restaurantchefin Nana Shrier Fleisch von ihrer Speisekarte verbannte, prophezeiten ihr viele das Aus. Aber bis heute wird im „Nanuchka“ jeden Abend auf den Tischen getanzt.

Mi, 16. Mai · 13:00-13:45 · ARD-alpha
Der Mossad, die Nazis und die Raketen

Die Rakete steigt steil in die Höhe über der Wüste. Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser ist zufrieden. Deutsche Experten sichern ihm einen ungeheuren Propaganda-Erfolg und Prestige-Gewinn. Diese Waffen, so verkündet Nasser, könnten bis nach Israel fliegen. Nur zwei Tage später, am 23. Juli 1962, werden der Weltöffentlichkeit in Kairo weitere Raketen auf einer Parade präsentiert. In Jerusalem schrillen die Alarmglocken. Der ehrgeizige israelische Geheimdienstchef Isser Harel, gerade noch für seinen Erfolg bei der Jagd nach Adolf Eichmann gefeiert, richtet seinen gesamten Dienst auf die neue Aufgabe aus: Die Abwehr der drohenden Vernichtung des jüdischen Volkes. Während in der Knesset noch über das Ausmaß der Bedrohung gestritten wird, sind Mossad-Agenten bereits aktiv. In der Raketenfabrik Kairo-Heluan explodieren Pakete, die Sekretärin des deutschen Chef-Ingenieurs, Professor Wolfgang Pilz, wird durch eine Briefbombe schwer verletzt. Dann verschwindet in München der Chef der Material-Zulieferer-Firma für das ägyptische Raketenprojekt, Dr. Heinz Krug, spurlos. Bis heute hat die Staatsanwaltschaft dessen Akte nicht geschlossen. Erst jetzt erhellen neue Dokumente und Aussagen hoher ehemaliger Mossad-Mitarbeiter sein Schicksal. Bei der Verfolgung seines Zieles, die deutschen Raketen aus Kairo unschädlich zu machen, scheint Geheimdienst-Chef Harel fast jedes Mittel recht. Er lässt sogar in Madrid den ehemaligen SS-Offizier Otto Skorzeny anwerben – einen Alt-Nazi, der 1943 durch seine Beteiligung an der Mussolini-Entführung auf dem Gran Sasso zu Ruhm gelangt war. Er liefert, wie Ex-Mossad-Offiziere berichten, über einen einstigen SS-Untergebenen entscheidende Informationen zu dem Raketen-Projekt am Nil. Alarmiert durch die Mossad-Aktionen, versucht der israelische Vize-Verteidigungsminister Shimon Peres gemeinsam mit seinem deutschen Amtskollegen Franz-Josef Strauß die Situation zu entschärfen. Auf Israels Straßen demonstrieren derweil aufgebrachte Bürger gegen „einen zweiten deutschen Holocaust“, skandieren „Strauß raus und Peres auch!“. Und der Poker geht weiter. Außenministerin Golda Meir nutzt die Gunst der Stunde, treibt den auf Aussöhnung mit Deutschland hin arbeitenden Ministerpräsidenten Ben Gurion vor sich her. Der nimmt schließlich, entnervt von vielen Affären, seinen Hut. Eine tragische Entwicklung, wie Shimon Peres in der Rückschau bedauert. Denn Nassers Raketen hatten weder Steuerung noch Sprengköpfe, hätten also für Israel nie zur Gefahr werden können. „Es war alles ein Bluff“, sagt Peres heute in einem Interview. Die 45-Minuten-Dokumentation präsentiert neue Augenzeugen, Fakten und Beweise in dem politischen Thriller um Nassers Raketen, deutsche Experten und zweifelhafte Aktionen des Mossad.

Mi, 16. Mai · 14:15-15:00 · ARD-alpha
So isst Israel (1/3) Von der Wüste nach Jerusalem

Es gibt kaum einen besseren Zugang zu der reichen Kultur des Landes als über ihre Küche: Kulinarik ist der Türöffner zum Leben in Israel. Wir begeben uns auf filmische Entdeckungsreise mit Tom Franz quer durch ganz Israel. Eineinhalb Jahre arbeitete die Filmemacherin Mica Stobwasser mit Co-Regisseur Louis Saul an der Realisation der Reihe, die ein anderes Israel zeigt, als wir es aus den Nachrichten kennen. In der ersten Folge von „So isst Israel“ reist Tom Franz von der Wüste Negev nach Jerusalem. Die kulinarische Tour beginnt in einer Wüstenoase an der Südspitze des Landes: der Dattelplantage des Kibbuz Samar. In der ersten Folge von „So isst Israel“ reist Tom Franz von der Wüste Negev nach Jerusalem. Die kulinarische Tour beginnt in einer Wüstenoase an der Südspitze des Landes: der Dattelplantage des Kibbuz Samar. Die meisten Kibbuzim sind im modernen Israel privatisiert. In Samar wird die sozialistische noch gelebt. „Tu, was dich glücklich macht“, lautet das Lebensmotto in Samar. Jeder kann arbeiten, was und wie viel er will, und alle haben eine gemeinsame Kreditkarte. Klingt wie Utopia? Tom hilft bei der Dattelernte und Freiwillige aus Deutschland erzählen ihm dabei begeistert, wie das Leben in der Wüstenkommune funktioniert. Über das Essen öffnet Tom Franz auch das Tor zur Heiligen Stadt: Ist Humus, dieses urorientalische Streetfood, eigentlich ein israelisches Essen oder ein arabisches? Mit Dvir Hollander, dem engagierten Führer durch den Souk der Altstadt klärt Tom die Humus-Frage. Sein Fazit: „Gutes Essen vereint die Menschen, es gehört niemandem!“ Überall ragen die Glaubenssymbole der drei Weltreligionen in den Himmel: Minarette, Kreuze, Kuppeln soweit das Auge reicht: 1200 Synagogen, 158 Kirchen und 73 Moscheen geben ein Gefühl dafür, warum Jerusalem die Heilige Stadt heißt. Wo die Wege zu den Heiligtümern der Christen, Muslime und Juden sich kreuzen, liegt das Österreichische Hospiz mit seinem Wiener Kaffeehaus, ein Ort der Stille. Dort trifft Tom den deutschen Benediktinerpater Nikodemus, seit mehr als zehn Jahren ein ebenso überzeugter wie kritischer Bewohner der Hauptstadt Israels. Pater Nikodemus lädt Tom zum Besuch seines Klosters, der Dormitio Abtei. Das Stammkloster der Mönche liegt auf dem Berg Zion, im Nebengebäude soll Jesus sein letztes Abendmahl eingenommen haben. Alles in Jerusalem scheint irgendwie mit Religion und Politik zu tun zu haben. Tom trifft die „Chefs for Peace“, eine Gruppe jüdischer, christlicher und muslimischer Köche, die sich für den Frieden im Land engagieren. Die renommierten Chefs nutzen ihre Kochkunst, um Menschen unterschiedlichen Glaubens zusammenzubringen und eine Brücke zur gegenseitigen Akzeptanz zu schlagen. Am Mahane Yehuda Markt, einem Eldorado orientalischer Genüsse, kocht Shabi, der Chef des Restaurants Azura, traditionelle jüdische Shabbat-Gerichte. Auf winzigen Petroleum-Flammen schmelzen köstlich duftende Kube Suppen vor sich hin. Shabi lädt Tom zu einer kulinarischen Probiertour durch den Nahen und Mittleren Osten ein. Nur wenige Schritte entfernt tobt die säkulare Szene der Heiligen Stadt: Das Machneyuda Restaurant ist Keimzelle der jungen wilden Köche Israels und der heißeste „food and entertainment – spot“ der Stadt. Das kulinarische Abenteuer endet vor den Toren Jerusalems: nur ein paar Kilometer entfernt landet Tom in einer einzigartigen Naturlandschaft, den Judäischen Hügeln. Mittendrin Israels ältestes Gourmetrestaurant: „Rama`s kitchen“. Der Israelin Rama Ben Zvi gelang es, Tomer Niv als Chefkoch zu gewinnen. Er hat in den besten Restaurants der Welt in Kopenhagen und London gearbeitet. Rama geht es um Harmonie im Leben: Die köstlichen Gerichte haben ihre Wurzeln in der palästinensischen Küche. Produkte kennen keine nationalen Grenzen, und das Team in Rama´s kitchen auch nicht: Muslime und Juden kochen hier friedlich am selben Herd und schaffen in ihrer Küche das, wovon die Weltpolitik seit Jahrzehnten träumt: Ein Stückchen Frieden in Nahost.

Mi, 16. Mai · 16:00-16:30 · ARD-alpha
alpha-retro: Frauen in Israel

Kurze Einblicke in das Leben von Frauen in Israel. Die portraitierten Frauen sind aus unterschiedlichen Gründen nach Israel gekommen und haben verschiedene kulturelle Hintergründe. Vertreterinnen der älteren Generation stehen für den Aufbau des jüdischen Staates, die jüngeren Frauen sind beispielhaft für das Erreichte und die Herausforderungen der israelischen Gesellschaft im Jahr 1969.

Mi, 16. Mai · 20:15-21:00 · ARD-alpha
So isst Israel (2/3) Von den Judäischen Hügeln zum See Genezareth

In der zweiten Folge von „So isst Israel“ reist Tom Franz von den Judäischen Hügeln über das Westjordanland hoch in den Norden Israels nach Galiläa und trifft auf Menschen, die spannende Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gefunden haben. Die Reise beginnt in der Judäischen Bergwelt westlich von Jerusalem mit einem der interessantesten Käsemacher in Israel: Shai Seltzer. In der zweiten Folge von „So isst Israel“ reist Tom Franz von den Judäischen Hügeln über das Westjordanland hoch in den Norden Israels nach Galiläa und trifft auf Menschen, die spannende Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gefunden haben. Die Reise beginnt in der Judäischen Bergwelt westlich von Jerusalem mit einem der interessantesten Käsemacher in Israel: Shai Seltzer. Heute zählt heute der Mann mit dem Prophetenbart zu den besten Käseproduzenten der Welt und ist ein origineller Lebensphilosoph. Dort lernt Tom auch Shais Freund Yftach Bereket kennen. Der Bäcker ist einer der Väter der wachsenden veganen Szene in Israel und nutzt Shais Erdofen, um sein Brot zu backen: nicht irgendein Brot, sondern „Nahrung für Körper und Geist“, gefüllt mit in Weinbrand getränkten Feigen und Mandelmarzipan. Die slowfood Produzenten der Region veranstalten regelmäßig einen Markt in Abu Gosh, einem arabischen Dorf 10 Kilometer weiter. Die palästinensischen Israelis pflegen dort seit Jahren beste kulinarische Beziehungen mit ihren jüdischen Nachbarn. Tom trifft Amit Cohen von den Chefs for Peace, einer Gruppe jüdischer, christlicher und muslimischer Köche. Sie nutzen ihre Kochkunst, um Menschen unterschiedlichen Glaubens an einen Tisch zu bringen. Nicht nur für die Friedensköche ist Esskultur ein Türöffner. Der Reiseveranstalter Breaking Bread Journeys bietet sogar kulinarische Touren in die Palästinensergebiete an. Die Jüdin Elisa Moed und die Palästinenserin Christina Samara organisieren kulinarische Begegnungen mit Einwohnern auf beiden Seiten des Heiligen Lands und nehmen Tom mit auf eine Tour ins Palästinensergebiet. Gemeinsam besuchen sie einen jüdischen Winzer im Westjordanland, der in der israelischen Siedlung Har Bracha koscheren Wein produziert.. Der Film streift die Konflikte der Region, erzählt aber auch die völkerversöhnende Liebesgeschichte des Arabers Yakub Barhum, der unbedingt die jüdische Köchin Michal Baranes heiraten wollte. Tom besucht das ungewöhnliche Paar in dem arabischen Dorf Ein Rafa abseits von Jerusalem. Der Traum vom Frieden im Nahen Osten – Michal und Yakub haben ihn in ihrem kleinen Restaurant Magda ganz unaufgeregt verwirklicht. Die kulinarische Reise geht weiter nach Galiläa, das heute zu den besten Weinanbaugebiete in Israel zählt. An der Grenze zum Libanon hilft Tom bei der Weinlese der Tulip Winery. Der junge Besitzer Roy Itzhaki hat mit Tulip eine Vision verwirklicht: Er produziert Spitzenwein mit Mitarbeitern, die geistig behindert sind. Nächste Station der filmischen Reise ist das Dorf Peki`in auf den malerischen Hügeln im oberen Galiläa: Peki´in ist eine Heimat der Drusen, und Tom kostet das typische Pitabrot, riesige Fladen, die überall im Dorf auf offenen Kugelöfen gebacken werden. Mit am Tisch sitzt Oma Jamila, eine geachtete Drusin, die ihm erzählt, wie hier im Dorf seit Jahrhunderten Drusen, Muslime, Christen und Juden zusammen leben. Letzte Station dieser Folge ist der See Genezareth, das größte Süßwasserreservoir Israels. Der Fischer Menachem erzählt von der besonderen Magie des Sees, die sich für gläubige Christen vor allem am Nordostufer entfaltet. Im Kloster Tabgha zeigt Pater Nikodemus Tom die berühmten Mosaike und den Stein, auf dem Jesus das Wunder der Brotvermehrung vollbracht haben soll: Mit fünf Broten und zwei Fischen speiste er 5000 Menschen. Heute kümmern sich die Benediktinermönche darum, dass benachteiligte Familien aller Glaubensrichtungen hier ein wenig Erholung finden.

Mi, 16. Mai · 21:00-21:45 · ARD-alpha
In Erwartung des Messias – Israel und seine Siedler

Sie sind überzeugt von ihrem Auftrag: Das Land, das Gott den Juden verheißen hat, zu besiedeln und zu bebauen, um es auf die Ankunft des Messias vorzubereiten. Die Siedler im Westjordanland erscheinen regelmäßig in den Nachrichten und Kommentaren als eines der Haupthindernisse für den Frieden im Heiligen Land. Der Film ist eine Gelegenheit, die Geschichte der Siedler und einige von ihnen kennenzulernen und sich ein Bild zu machen von ihren politischen wie religiösen Vorstellungen und Zielen. Sie sind überzeugt von ihrem Auftrag: Das Land, das Gott den Juden verheißen hat, zu besiedeln und zu bebauen, um es auf die Ankunft des Messias vorzubereiten. Die Siedler im Westjordanland erscheinen regelmäßig in den Nachrichten und Kommentaren als eines der Haupthindernisse für den Frieden im Heiligen Land. Entstanden ist der harte Kern der Siedler aus der „Gush Emunim“-Bewegung der 60er und 70er Jahre (Gush Emunim – Der Block der Getreuen). In ihrer religiösen Überzeugung sind diese Gruppen immer radikaler, um nicht zu sagen extremistischer geworden. Die Jüngeren sehen sich häufig nicht mehr als Staatsbürger Israels. In ihren Augen ist Israel kein jüdischer Staat mehr, sondern ein Staat von „Israelis“, der nur noch den Interessen der Araber diene. Nur sich selbst sehen sie als echte Juden an, als die wahren Besitzer des Landes, und nicht einmal vom israelischen Obersten Gericht lassen sie sich dieses Recht nehmen. Der Film ist eine Gelegenheit, die Geschichte der Siedler und einige von ihnen kennenzulernen und sich ein Bild zu machen von ihren politischen wie religiösen Vorstellungen und Zielen.

Mi, 16. Mai · 22:45-00:15 · BR
Der Mann, der zweimal starb

Als der israelische Filmemacher Yair Lev sich wegen einer Erbschaft um die Papiere seines in Wien geborenen und in Israel verstorbenen Großvaters kümmert, macht er eine mysteriöse Entdeckung. Neben seinem Großvater gibt es noch einen zweiten Ernst Bechinsky, mit denselben Geburtsdaten. Die Identität seines Großvaters wurde kurz nach 1945 anscheinend von einem hohen Nazi gestohlen, der später sogar Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in Innsbruck/Tirol wurde. Der Regisseur begibt sich auf intensive Spurensuche, indem er wie ein Detektiv Schritt für Schritt die verzweigte Wahrheit ans Licht bringt. Neben der unglaublichen Aufdeckung eines kriminalistischen Falles handelt der Film von den Nachfolge-Generationen der Holocaust-Überlebenden und den deutschsprachigen Nazi-Nachfahren und deren Verhältnis heute. Der Filmemacher wird dabei konfrontiert mit Überlebenden, Verdrängung und nicht aufgearbeiteter Vergangenheit sowie einem tiefen Geheimnis in seiner eigenen Familie. Doch ihm begegnen auch neue Freunde und die Geschichte einer großen Liebe.

Mi, 16. Mai · 22:55-00:25 · WDR
Israel – Geschichte einer Staatsgründung

Im Mai 2018 feiert Israel den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung – ein Ereignis, das wie kaum ein anderes die Nachkriegszeit über Jahrzehnte geprägt hat. Im November 1947 verabschiedeten die Vereinten Nationen ziemlich unerwartet einen Teilungsplan für Palästina, der die Gründung eines jüdischen und eines arabischen Staates vorsah. Für die Bewohner Palästinas, das damals unter britischem Mandat stand, hatte dieser Schritt höchst unterschiedliche Bedeutung. Für die jüdische Bevölkerung schien es der Beginn eines wahrgewordenen Traums, für die Araber entwickelte es sich zum Beginn einer Katastrophe, der Vertreibung. Bis heute ist das frühere Palästina eine offene Wunde, ein umkämpftes Land zwischen zwei Völkern, eine Quelle unauflöslicher Spannungen in der Region und weit über den Nahen Osten hinaus. Vor diesem Hintergrund erzählt der vielfach preisgekrönte Autor William Karel zusammen mit seiner Co-Autorin Blanche Finger die Geschichte der folgenreichen Staatsgründung Israels. Am Ende des Zweiten Weltkriegs schien es noch höchst unwahrscheinlich, dass es diesen Staat jemals geben könnte. Heute ist die Kette von Ereignissen, die dies ermöglicht haben, kaum noch bekannt, ebenso wie die unmittelbaren Folgen, die die Staatsgründung auslöste. Wie war die Situation der arabischen und der jüdischen Bevölkerungsgruppen in Palästina vor 1947? Wie waren Kräfte und Interessen im britischen Mandatsgebiet verteilt? Wie erging es Holocaust-Überlebenden, die nach langen Jahren des Leidens in Palästina eine Heimat finden wollten? Wie groß war der Schock der arabischen Bevölkerung, als ihnen klar wurde, dass auf die Vertreibung von 1948 keine Rückkehr folgen würde? Welche frühen Weichenstellungen haben Israelis und Palästinenser in die Situation gebracht, in der sie sich heute befinden? William Karel und Blanche Finger spannen den Bogen ihrer Erzählung vom Ende des 19. Jahrhunderts, als Theodor Herzl die Idee eines Staates für die Juden entwickelte, über die britische Mandatszeit, in der die Engländer den Grundstein für die Gründung eines jüdischen Staates, aber gleichzeitig auch die Basis für den jüdisch-arabischen Konflikt legten, bis hin zum Teilungsplan, der die Vertreibung der Palästinenser auslöste und die Ausrufung des Staates Israel ermöglichte. Ebenso schildern sie den schwierigen Beginn des Staates, die militärischen Auseinandersetzungen mit den arabischen Nachbarstaaten und die Aufnahme und Integration von Hunderttausenden Juden aus unterschiedlichsten Kulturkreisen. Der Sieg im Sechs-Tage-Krieg von 1967 schließlich schuf die Grenzen des heutigen Israel, mitsamt der Besetzung von Westjordanland und Gaza und dem zunehmend gewalttätigen Konflikt mit den Palästinensern. Die Dokumentation macht diese vielschichtige Geschichte lebendig, auf der Basis von umfangreichem Archivmaterial aus den unterschiedlichsten öffentlichen und privaten Quellen. Erinnerungen und Einschätzungen namhafter israelischer und palästinensischer Experten, Historiker und Publizisten lassen die persönlichen Schicksale dahinter spürbar werden und erlauben es, jeden Wendepunkt der Erzählung aus beiden Perspektiven zu erleben und nachzuvollziehen.

Do, 17. Mai · 20:15-21:00 · ARD-alpha
So isst Israel (3/3) Von Galiläa nach Tel Aviv

Die Stadt, in der die Party angeblich niemals endet, macht sich ausgehbereit und Tom taucht ein in das exzessive Nachtleben von Tel Aviv. Einer der Geheimtipps des Landes ist das HaSalon von Eyal Shani. Essen wird zur Performance. Eyal Shani ist der Philosoph unter den Kochstars Israels und inszeniert mit seinem Tanz auf dem Vulkan das fulminante Finale der Doku-Reihe „SO ISST ISRAEL“. „Das Land, wo Milch und Honig fließt“, so nennt die Bibel das nordisraelische Galiläa, die Urlandschaft des Christentums und Heimat unzähliger köstlicher Aromen der mediterranen Küche. Die Jahrtausende alte Hafenstadt Akko ist die Heimat von Uri Buri. Er gilt als einer der besten Fischköche im Nahen Osten und ist ein absolutes Original. Heute gibt er sein Wissen weiter: an junge arabische Israelis, die in der orientalischsten Stadt Israels keine Arbeit finden. 40 Kilometer weiter im grünen Norden des Landes besucht Tom einen der Väter der Food-Revolution in Israel. Erez Kamorovsky. Sein kulinarischer Horizont reicht von Japan über Frankreich bis nach Kalifornien. Heute lebt Erez in einem kleinen Dorf im oberen Galiläa, nur 700 Meter entfernt von der libanesischen Grenze. Dort ist er mit all seinem Wissen an der Basis des Kochens angekommen: der Liebe zu einfachen Produkten aus seinem Garten und der Region. Nächste Station ist Tel Aviv, wo Tom Franz zuhause ist. In der Metropole am Mittelmeer bestimmt das Leben im Hier und Jetzt den Rhythmus der Stadt. Tel Aviv gilt als die modernste und zugleich lässigste Stadt im Nahen Osten. Durchschnittsalter: 34. In der antiken Hafenstadt Jaffa im Süden von Tel Aviv begleitet Tom Haim Cohen, den Vater der Spitzenköche in Israel, auf den Spuren seiner Kindheit, die geprägt war vom Miteinander von Juden und Arabern. Ein Restaurant in Tel Aviv zu haben, heißt immer wieder auch mit Kriegsgefahr leben zu müssen. Ein Schlüssel zum Lebensgefühl in dieser Stadt? Beeindruckend offen erzählt Haim Cohen, warum die Israelis den Moment leben. Über das Essen öffnet Tom auch die Tür zu Protagonisten, die nur selten Kameras zulassen: In Bnei Brak, der Vorstadt von Tel Aviv leben 180 000 ultraorthodoxe Juden. Toms abenteuerliche Reise führt in eine kulinarische Institution von Bnei Brak: In Hillels Restaurant soll es die besten Shabbatgerichte der Stadt geben. Das säkulare Tel Aviv ist für viele fromme Juden ein Sündenpflaster. Tom trifft Meir Adoni, ein kreatives Genie der Gourmetmetropole und kulinarisch ein Gegenpol zu Bnei Brak. Adoni nennt sich spaßhaft den „bösen Jungen unter den Juden“, denn in seinem Gourmetrestaurant bricht er alle Regeln der koscheren Speisegesetze und befördert Tradition in die Gegenwart. Die Neue Israelische Küche – in fünf Jahren sieht Adoni sie an der Weltspitze. Nächste Station ist ein Viertel in Tel Aviv, das in keinem Reiseführer steht. Am alten Busbahnbahnhof trifft Tom Gil Hovav. Gil ist der Urenkel des berühmten Eliezer Ben-Yehuda, dem Erneuerer der hebräischen Sprache. Gil Hovav zeigt Tom im ärmsten Viertel von Tel Aviv kulturellen Reichtum: in seinem Lieblingsrestaurant Tenat kocht der Äthiopier Itzak für die beiden veganes Power-Frühstück auf äthiopische Art. Die Stadt, in der die Party angeblich niemals endet, macht sich ausgehbereit und Tom taucht ein in das exzessive Nachtleben von Tel Aviv. Einer der Geheimtipps des Landes ist das HaSalon von Eyal Shani. Essen wird zur Performance. Eyal Shani ist der Philosoph unter den Kochstars Israels und inszeniert mit seinem Tanz auf dem Vulkan das fulminante Finale der Doku-Reihe „SO ISST ISRAEL“.

Do, 17. Mai · 21:00-22:15 · ARD-alpha
#Uploading_Holocaust

#Uploading_Holocaust ist der erste Dokumentarfilm, der zu 100% aus YouTube-Material besteht und zeigt, wie sich die Erinnerung an den Holocaust im digitalen Zeitalter verändert. Sieben Tage, vier Konzentrationslager, drei Massengräber, zwei Ghettos, 14 Gedenk-Zeremonien, 200 Teenager in einem Hotel. Jedes Jahr reisen ca. 30.000 israelische Schüler mit ihren Geschichtslehrern nach Polen, um die Erinnerung an die Geschichte der Juden in Europa und den Holocaust lebendig zu halten. Diese besondere Klassenfahrt wird in Israel auch „Journey to Poland“ genannt. Was als Suche jedes Einzelnen nach Spuren seiner Familiengeschichte beginnt, wird mehr und mehr zu einer Art gemeinsamer Pilgerfahrt, die es den Teilnehmern ermöglicht, den Verlust und das Leid ihrer Vorfahren nachzuvollziehen. In einer Zeit, in der es immer weniger Holocaust-Überlebende gibt, die von ihren Erfahrungen berichten können, will die junge Generation das kollektive Trauma vor dem Vergessen bewahren. Videos werden zu einem wichtigen Instrument des Erinnerns: Auf ihrer Reise filmen die Jugendlichen jeden Zeitzeugen, jede Gaskammer und jede Gedenkfeier. Sie produzieren ihre ganz eigene Version der Geschichte, laden sie auf YouTube hoch und teilen sie in den sozialen Netzwerken. Mehr als 20.000 Clips finden sich bei YouTube unter dem Suchbegriff „Journey to Poland“. In ihren Videos teilen die Schüler sehr private, emotionale Momente und versuchen in ihren unverstellten Aussagen, das Erlebte zu begreifen.

Do, 17. Mai · 23:40-00:35 · HR
Du sollst nicht schwul sein

„Ein Mann soll keinen Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann haben, denn das ist abscheulich.“ Ob Bibel, Thora oder der Koran – die heiligen Bücher lehnen sie allesamt ab: die Homosexualität. Bis heute diktieren die jahrtausendalten Schriften den Umgang der Religionen mit ihren ungeliebten Söhnen und Töchtern. Sie gelten als krank oder vom Teufel besessen. Um ihrem Gott, ihrer Religionsgemeinde oder einfach nur der eigenen Familie zu gefallen, sollen die Homosexuellen umkehren, heterosexuell werden oder ein Leben lang Verstecken spielen. „Ein Mann soll keinen Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann haben, denn das ist abscheulich.“ Ob Bibel, Thora oder der Koran – die heiligen Bücher lehnen sie allesamt ab: die Homosexualität. Bis heute diktieren die jahrtausendalten Schriften den Umgang der Religionen mit ihren ungeliebten Söhnen und Töchtern. Sie gelten als krank oder vom Teufel besessen. Um ihrem Gott, ihrer Religionsgemeinde oder einfach nur der eigenen Familie zu gefallen, sollen die Homosexuellen umkehren, heterosexuell werden oder ein Leben lang Verstecken spielen. Der Film zeigt, welchem zusätzlichen psychischen Druck junge homosexuelle Menschen mitten in Europa ausgesetzt sind, weil sie gläubig sind: Ein homosexueller Muslim wird in einer Einwanderer-Gesellschaft, die nur echte Männer kennt, von der eigenen Familie mit dem Tod bedroht, verfolgt, zur Heirat gezwungen oder für immer verstoßen. Ein Katholik führt in katholisch-konservativen Kreisen sein Leben zwischen Selbsthass und Verdrängung. Einem schwulen orthodoxen Juden wird in der eigenen Gemeinde auf Verdacht nicht die Hand gegeben. Ein Mitglied in bibeltreuen fundamental-evangelikalen Kreisen fühlt sich wie ein Gefangener einer Welt, in der Homosexualität geheilt werden muss, weil man sonst in der Hölle landet. Und katholische Ärzte in Bayern versprechen verzweifelten Homosexuellen, ihren Leidensdruck mindern zu können. Das Thema Homosexualität ist in Kirche und Moschee oft tabu. So sieht ein evangelikaler Pfarrer das Ende der Welt nahen, so darf ein Bischof sich nicht für Schwule einsetzen. Doch es gibt auch Homosexuelle, die offen versuchen, das Tabu zu brechen. So gründeten sie in Paris eine „schwule“ Moschee, in der alle zusammen – ob Mann ob Frau, ob heterosexuell oder homosexuell – einen Platz finden können. Der Film „Du sollst nicht schwul sein“ zeigt aber auch, was Lederfetisch mit der katholischen Kirche zu tun hat, weshalb ein Comiczeichner die Sexualmoral des Apostels Paulus erforscht und was das alles um Gottes Willen auch noch mit Black Metal, der düstersten Form des Heavy Metals, zu tun hat. Gott und die Krux mit den Schwulen: ein Film über verbotene Liebe und die Strategien, die Verbote zu umgehen, angebliche Heilungsmethoden, priesterliche Keuschheitsgelübde, Lügen, Ausgrenzungen und den Versuch, sich mit Gott zu versöhnen und sich die eigene Religion nicht wegzunehmen zu lassen. In seinem Film zeigt Marco Giacopuzzi, wie mitten in Europa junge Menschen an Gott verzweifeln, weil seine Diener auf Erden sie nicht so sein lassen, wie sie sind.

Do, 17. Mai · 23:45-01:15 · SWR
Titos Brille

Adriana Altaras stammt aus einem Land, das es nicht mehr gibt: Jugoslawien. Die Tochter jüdischer Partisanen, die für Tito kämpften und im Nachkriegsdeutschland ein neues Leben begannen, erzählt in „Titos Brille“ von ihrer strapaziösen Familie. Heute ist Altaras Regisseurin, Schauspielerin, Autorin, Mutter zweier Kinder und Ehefrau eines deutschen Katholiken. So ungewöhnlich ihr Familienleben auf den ersten Blick auch sein mag, so beispielhaft ist es für einen Großteil der Generation der Nachkriegskinder. Trotz ihres eigenen prallen Lebens sind die Wunden der Vergangenheit bis heute spürbar und die Suche nach den eigenen Wurzeln ein ständiger Begleiter. Altaras nimmt die Dinge ernst, aber stets mit Humor, ihre ungewöhnliche, filmreife Familiengeschichte genauso wie die Historie, die die Lebensläufe vieler Verwandter bestimmt haben. All das macht sie zu einer Protagonistin, die zwischen den Welten steht und so vieles in sich vereint – das alte Europa, K. u. K., das hippe, heutige Berlin und den jüdischen Witz, gepaart mit deutscher Gründlichkeit. Die Regisseurin Regina Schilling begleitet Adriana zu den Spuren der Familie Altaras auf einer Reise von Berlin über Gießen, Italien bis nach Zagreb, Split und Rab. Sie führt vor Augen, wie es sich anfühlt, wenn Geschichte persönlich wird – die Lager, der Widerstand, die Schauprozesse, Flucht und Neuanfang. Mit jüdischem Witz, balkanischem Furor und deutscher Gründlichkeit knüpft sich Adriana all jene vor, die ihr den Schlaf rauben: ihren Vater, der immer ein Held sein wollte, ihre strenge Mutter, Tito und Tante Jele, und auch der kroatische Staat kommen nicht ungeschoren davon. „Titos Brille“, ein selbstironischer Roadmovie durch die Geschichte einer wahrhaft „strapaziösen“ Familie.

Fr, 18. Mai · 01:15-02:45 · SWR
Die Siedler der Westbank

Seit Israels entscheidendem Sieg im Sechstagekrieg im Jahr 1967 haben sich israelische Bürger in den besetzten Gebieten des Westjordanlandes angesiedelt. Der Dokumentarfilm „Die Siedler der Westbank“ zeigt ungewöhnliche Einblicke in das Leben der Pioniere der Siedlerbewegung und einer schillernden Gruppe von jungen radikalen Siedlern. Es ist eine eindringliche Betrachtung der umstrittenen Bewegung, die gewaltigen Einfluss auf die Zukunft der Schicksalsgemeinschaft von Israel und Palästina hat. Seit Israels entscheidendem Sieg im Sechstagekrieg im Jahr 1967 haben sich israelische Bürger in den besetzten Gebieten des Westjordanlandes angesiedelt. Der Dokumentarfilm „Die Siedler der Westbank“ zeigt ungewöhnliche Einblicke in das Leben der Pioniere der Siedlerbewegung und einer schillernden Gruppe von jungen radikalen Siedlern. Es ist eine eindringliche Betrachtung der umstrittenen Bewegung, die gewaltigen Einfluss auf die Zukunft der Schicksalsgemeinschaft von Israel und Palästina hat. Zwischen 1948 und 1967 lebten keine Juden im historischen Kernland Judäa und Samaria, heute ist das Gebiet Heim von Hunderttausenden jüdischen Siedlern, die fast so unterschiedlich in Ansichten, Herkunft, und sozioökonomischem Status sind wie die restliche israelische Gesellschaft. Wie konnte das geschehen? Was hat sie dorthin gezogen? Die Geschichte der israelischen Siedlungen im Westjordanland ist ein äußerst wechselhafter Prozess. Während die frühen Siedler sich noch gegen den erklärten Widerstand der israelischen Regierung aus religiöser Überzeugung in Samaria und in Hebron niederließen, gewannen die Siedler über die Jahrzehnte hinweg zunehmend an Bedeutung und politischem Einfluss. Für ihre Unterstützung der Siedlerbewegung wird die israelische Regierung international heftig kritisiert. Die Siedlungen gelten vielen als Haupthindernis im Friedensprozess. Über die Besatzung und über das Siedlerphänomen wurde schon oft berichtet, aber diese Berichterstattung konzentrierte sich auf die Auswirkungen und nur selten auf die ideologischen und historischen Kräfte, die zur Entstehung der Siedlungen auf der Westbank führte. Dies tut diese Dokumentation. Vor allem aber gelingt in diesem Film eine ungewöhnlich intime Innensicht einer sonst nach außen abgeschotteten Gemeinschaft. In einem jahrelangen Prozess ist es dem renommierten israelischen Dokumentarfilmemacher Shimon Dotan gelungen, mit unterschiedlichsten Siedlern ins Gespräch zu kommen. Sie erzählen offen von ihren Visionen, ihrem Leben und ihrer Zukunftsvorstellung. Dem Dokumentarfilm „Die Siedler der Westbank“ gelingt eine umfassende Verknüpfung von Historie und aktuellen Schlagzeilen. Radikale, Idealisten, messianische Fanatiker, wahre Glaubensanhänger und politische Opportunisten treffen aufeinander – an der Erdbebenlinie des uralten Konfliktes stehen sie Auge in Auge mit der Geschichtsschreibung und im Konflikt mit dem Selbstverständnis Israels als moderne Demokratie.

Fr, 18. Mai · 03:00-04:30 · PHOENIX
Cafe Ta´amon

Unscheinbar sieht es aus, doch es ist weltberühmt: das Café Ta´amon in Jerusalem. Hier gingen Aktivisten, Politiker, Künstler und Literaten ein und aus. Ihr Thema: Israel. Ein Film über den Alltag des Cafés von heute und bewegende Momente von damals.Im Jahre 1938 in Jerusalem von deutsch- jüdischen Emigranten eröffnet, ist das Café Ta´amon zehn Jahre älter als der Staat Israel. Die Knesset, das Israelische Parlament, etablierte sich 1950 in der King-George-Street schräg gegenüber, und so wurde das Ta´amon zum Treffpunkt für aufstrebende Politiker, Journalisten und linke Aktionsgruppen wie „Matzpen“ (Kompaß) und „Black Panther“, die das Lokal in den 1970er/1980er Jahren des letzten Jahrhunderts sogar als Versammlungsraum nutzten. Golda Meir trank hier Kaffee, ebenso Shimon Peres: Das Ta´amon ist eines der ältesten Lokale Jerusalems. Und weltberühmt. Es war der Treffpunkt politischer Aktivisten, Künstler, Literaten und Politiker. Über Israel und die Entwicklungen wurde heftig debattiert – damals wie heute. Das Café ist Geschichte im Mikrokosmos. 1936 gegründet, übernahm es in den 60er-Jahren wieder eine jüdische Familie. Zusammen mit Hamis, einem Moslem, bewirten sie Tag für Tag ihre Gäste. Genau diesen Alltag dokumentiert der Regisseur. Er zeigt das Bistro, seine Besitzer und die Gäste – er bewegt sich mit ihnen weg, um Geschichten nachzuspüren, und kommt zurück. Ins Ta´amon. Ein Dokument der Zeitgeschichte.

Fr, 18. Mai · 05:00-06:15 · arte
Last Work

Der israelische Tänzer und Choreograph Ohad Naharin bringt seine jüngste Choreographie „Last Work“ mit den Tänzern der Batsheva Dance Company auf die Bühne des Pariser Théâtre National de Chaillot – uraufgeführt wurde das Werk im Mai 2015 in Tel Aviv. Einmal mehr fesselt dieses Genie des zeitgenössischen Tanzes die Zuschauer mit einer faszinierenden Mischung aus Bewegung, Musik, Raum, Licht und Klang. Im Hintergrund läuft eine Frau wie hypnotisiert von Osten nach Westen, ohne vorwärts zu kommen. Aus mal langsam fließenden, mal abrupten Bewegungen entsteht eine unglaublich dichte Choreographie, die von der ganzen Bühne Besitz ergreift. Naharin und seinen Tänzern geht es dabei um die tänzerische Umsetzung eines scheinbar unendlichen Spektrums von Gefühlen und Empfindungen. Wie im Selbstlauf entfalten die Tänzerinnen und Tänzer ihre Virtuosität, die jedoch nie demonstrativ wirkt. Als Gaga Dance bezeichnet Naharin die unglaublich flexiblen, aber kontrollierten Verrenkungen ihrer Körper, bei denen die Tänzer auch die schwachen Teile ihres Körpers wahrnehmen sollen. Das engagierte, sehr aktuelle Werk bleibt ganz bewusst rätselhaft, indem es sich jenseits eines vertrauten Tanzvokabulars bewegt.

Fr, 18. Mai · 06:15-07:10 · arte
ARTE Reportage: Israel: Zusammen leben

(1): Israel: Zusammen leben 70 Jahre Israel – in Jaffa leben Israelis und Palästinenser friedlich zusammen, in einem gelegentlich fragilen Gleichgewicht … Israel feiert in diesem Jahr den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung. Diese 70 Jahre waren immer vom Konflikt mit den Palästinensern geprägt, so sehr, dass man die real existierenden Beispiele einer friedlichen Koexistenz bis heute kaum noch wahrnahm. In Jaffa, dem heutigen Vorort von Tel Aviv, leben Israelis und Palästinenser nebeneinander in denselben Häusern, kaufen in denselben Geschäften ein und arbeiten in denselben Unternehmen. Allerdings haben der Tourismus und die zunehmende Gentrifizierung dieses Zusammenleben am Ufer des Meeres in den letzten Jahren erschwert: Grundstücksspekulationen erregen in manchen Palästinensern den Argwohn, sie könnten beiseite gedrängt oder gar ausgegrenzt werden. Jaffa war vor der Gründung des Staates Israel eine rein palästinensische Hafenstadt – heute ist Jaffa eine Stadt in Israel, in der in der Mehrheit Menschen jüdischen Glaubens leben.(2): Israel: Koscher kiffenSogar die Rabbiner reden von der heilenden Kraft des Cannabis – Israel gehört international zur Haschisch-Avantgarde … „Cannabis aus Israel“ könnte in ein paar Jahren auf dem Weltmarkt so erfolgreich sein wie „Orangen aus Jaffa“ – schon wegen des „Know How“: Seit zehn Jahren ist die medizinische Anwendung von Produkten aus Cannabis in Israel erlaubt. Der Startschuss zu einem neuen „Green Rush“ war die Liberalisierung des Konsums in den USA. Seit dem 1. Januar dieses Jahres dürfen die Menschen in sechs Bundesstaaten der USA legal Produkte aus Cannabis erwerben. Über 200 Farmen haben inzwischen eine Lizenz beantragt, Cannabis anzubauen, vor allem für den Export. In Israel sind die Produktionsbedingungen ideal: mildes Klima, eine seit Jahrzehnten hoch entwickelte Landwirtschaft und eine stete Bereitschaft zur Innovation.Alles begann im Jahr 1964, als Professor Raphael Mechoulam an der Universität von Jerusalem die Cannabis-Pflanze wissenschaftlich untersuchte und das THC daraus extrahierte – die Substanz, die das Bewusstsein berauscht. Mit inzwischen 90 Jahren forscht der Urvater der medizinischen Anwendung des Cannabis noch immer täglich in seinem Labor. In Israel wird Cannabis bei Epilepsie verschrieben, bei Parkinson, zur Milderung der Symptome bei Krebserkrankungen und auch autistischen Kindern. Sogar die Armee hat ein Versuchs-Programm aufgestellt, um die Wirkung von Cannabis bei post-traumatischen Belastungsstörungen ihrer Soldaten zu testen. Und auch ultra-orthodoxe Rabbiner segnen das alles ab. Einmal im Jahr treffen sich Produzenten, Wissenschaftler, Investoren und Patienten in Tel Aviv zur „Cannatech“, der großen internationalen Messe für alles Heilende aus Cannabis.

Fr, 18. Mai · 16:00-16:30 · ARD-alpha
alpha-retro: Kinder dieser Welt – Israel

Die israelische Bevölkerung setzt sich aus Juden, Christen und Mohammedanern zusammen – ein Bericht über das Zusammen- und Nebeneinanderleben von Juden und Arabern, das Erobern und Verdrängen aus angestammten Lebensraum; über den Alltag der Kinder, sichergemacht durch die Präsenz der Waffen.

Fr, 18. Mai · 17:40-18:35 · arte
In den Hügeln der Negev

Für den Beduinenstamm El Talalka in der Negev-Wüste im Süden Israels sind die Lebensbedingungen prekär. Die israelische Regierung hat zudem beschlossen, die Behausungen der arabischen Beduinen zu zerstören, um die Nomaden in einer Stadt sesshaft – und damit besser kontrollierbar – zu machen. Die Dokumentation berichtet über den Alltag des Beduinen Muhammad, der täglich um den Erhalt der traditionellen Lebensweise der Beduinen inmitten einer modernen Welt kämpfen muss, zugleich aber für seine Kinder ein Leben im Zeichen des Fortschritts erhofft. Muhammad reibt sich in seinem einsamen Kampf auf. Wird ihm sein Glaube eine Hilfe sein?

Fr, 18. Mai · 20:15-21:45 · ARD-alpha
Töte zuerst – Der israelische Geheimdienst

Der Schin Bet ist der Inlandsgeheimdienst Israels, zuständig für die innere Sicherheit Israels und der seit 1967 besetzten Gebiete, nämlich das Westjordanland und Gaza. Erstmals treten alle sechs ehemaligen Schin-Bet-Chefs vor die Kamera und berichten offen über ihre Arbeit – über Erfolge und Niederlagen, darüber, wie sie den Sicherheitsapparat nach dem Sechstagekrieg aufbauten und zu einem der ausgeklügeltsten Überwachungssysteme der Welt machten. Sie sprechen über gezielte Tötungen von Palästinenserführern, über Bombenabwürfe auf Gaza, aber auch über den Terror ultraorthodoxer Juden, die den Tempelberg sprengen wollten. Der Schin Bet ist der Inlandsgeheimdienst Israels, zuständig für die innere Sicherheit Israels und der seit 1967 besetzten Gebiete, nämlich das Westjordanland und Gaza. Erstmals treten alle sechs ehemaligen Schin-Bet-Chefs vor die Kamera und berichten offen über ihre Arbeit – über Erfolge und Niederlagen, darüber, wie sie den Sicherheitsapparat nach dem Sechstagekrieg aufbauten und zu einem der ausgeklügeltsten Überwachungssysteme der Welt machten. Sie sprechen über gezielte Tötungen von Palästinenserführern, über Bombenabwürfe auf Gaza, aber auch über den Terror ultraorthodoxer Juden, die den Tempelberg sprengen wollten. „Wenn einer kommt, dich zu töten, dann steh auf und töte ihn zuerst“, lautet das Motto. Sie berichten über Zweifel an der politischen Führung Israels, darüber, dass ihrer Meinung nach Regierung nach Regierung ziellos und ohne klare Strategie agierte. Niemals erzählten sie so offen und unverblümt. Ihr Fazit: Israels Zukunft ist düster, Jerusalem gewinne zwar jede Schlacht, verliere aber den Krieg. Und die Israelis seien grausam geworden – nicht nur zu den Palästinensern, auch zu sich selbst. Als der Film 2013 in die israelischen Kinos kam, erlebten viele Menschen in Israel schockiert, dass aus dem Zentrum der Macht harsche Kritik an der israelischen Politik laut wurde, wie sie sonst nur von der linken Opposition kommt. „Diese Kritik an der israelischen Politik können die Leute nicht mehr ignorieren. Diese Worte kommen nicht von Amos Oz oder David Grossman, auf die die Konservativen eh nicht hören. Man mag diese Männer verehren oder verabscheuen – doch sie wissen auf jeden Fall mehr als jeder andere im Staat Israel, was wirklich vorgeht. Sie sind Pragmatiker und sie lieben ihr Land“, so Regisseur Dror Moreh. Der 51-jährige Moreh, selbst ehemaliger Soldat einer Geheimeinheit, beschäftigt sich schon lange in seinen Filmen mit israelischer Politik. Während der Dreharbeiten zu seinem Dokumentarfilm über Ariel Sharon erklärte Sharon ihm, wie wichtig das Urteil des Schin-Bet-Chefs sei, obwohl dieser Sharons Politik sehr kritisch beurteilte. Sharon gab zu erkennen, dass diese Kritik ihn im Innersten traf, kam sie doch aus dem Herzen des Sicherheitsapparates – aus berufenem Munde. Da wusste Moreh, dass er einen Film über diese Männer im Zentrum der israelischen Macht machen wollte, deren einzige Aufgabe die Palästinenser und die israelische Sicherheit sind. Der ehemalige Schin-Bet-Chef Ami Ayalon sagte Moreh sofort zu, bei einem solchen Projekt mitzuwirken. Nach und nach bekam Moreh auch Kontakt zu den anderen ehemaligen noch lebenden Schin-Bet-Chefs: Avraham Shalom, Carmi Gillon, Yaakov Peri und Avi Dichter. Zuletzt willigte auch der bis 2011 amtierende Chef Yuval Diskin ein, nach Ende seiner Amtszeit im März 2011 ein Interview zu geben. Yuval Diskin erklärte in einem weiteren Interview mit Moreh, warum er für den Film vor die Kamera ging: Die gegenwärtige israelische Regierung sei ängstlich, sprunghaft und entscheidungsscheu. „In Israel herrscht eine Führungskrise. Unter Missachtung sämtlicher Werte werde die Öffentlichkeit verachtet“, das habe er aus nächster Nähe erlebt.

Fr, 18. Mai · 22:45-23:15 · ARD-alpha
puzzle: Viele Kulturen – ein Land

* „Nie wieder. Schon wieder. Immer noch.“ – Rechtsextremismus in Deutschland * „Kazim, wie schaffen wir das?“ – „Nichtstun ist keine Lösung!“ * Emilia Smechowski: „Wir Strebermigranten“ * Daniel Kahn & The Painted Bird * Musik des Lebens Moderation: Özlem Sarikaya * „Nie wieder. Schon wieder. Immer noch.“ – Rechtsextremismus in Deutschland Rechtsextremistisches Denken und Handeln in Deutschland ist nicht Vergangenheit. Es ist Gegenwart und es war nie weg. Das thematisiert das NS-Dokumentationszentrum München in seiner Ausstellung „Nie wieder. Schon wieder. Immer noch. Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945“. Dabei werden rassistisch motovierte Gewalt, fremdenfeindliche Übergriffe und Ausschreitungen wie in Rostock-Lichtenhagen oder die Mordserie des NSU genauso thematisiert wie die Verrohung unserer Sprache. Von Rassismus betroffen sind vor allem Juden, Moslems, People of Colour und Angehörige der Sinti und Roma. Letztere haben uns von ihren persönlichen Erfahrungen erzählt. * „Kazim, wie schaffen wir das?“ – „Nichtstun ist keine Lösung!“ Im Herbst 2015, als viele Menschen aus Krisengebieten Zuflucht in Europa suchten, rief die Bundeskanzlerin das Motto aus: „Wir schaffen das!“. Und dahinter standen zig Millionen Menschen. Ihre Empathie beherrschte die Atmosphäre im Land. Anfang 2018 scheinen wir vor einem Scherbenhaufen aus Desillusionierung, Skepsis, Hetze, Rassismus und Nationalismus zu stehen. Was ist aus unserer Auffassung von Menschlichkeit, Moral und Hilfsbereitschaft geworden? Warum sind Respekt vor der Würde des Menschen und Empathie nicht mehr „angesagt“? Wir haben nachgefragt: Bei Kazim Erdogan. Er ist Psychologe, Soziologe und rastloser Streetworker in Berlin. In dem Buch „Kazim, wie schaffen wir das?“ zeigt er, was Deutschland dringend braucht. Und bei der Philosophin Hilal Sezgin, die sich unter dem Titel „Nichtstun ist keine Lösung!“ mit der Frage nach der politischen Verantwortung des Einzelnen in unserer Gesellschaft auseinandersetzt. * Emilia Smechowski: „Wir Strebermigranten“ Was macht es mit einem, wenn man seine eigene Herkunft wegdrückt? Wenn man versucht, sich als Migrant der Kultur des neuen Landes so sehr anzupassen, das die eigene verschwindet? Und alles nur, um selbstverständlich angenommen zu werden, um schlicht dazuzugehören. Emilia Smechowski hat darüber ein Buch geschrieben: „Wir Strebermigranten“. Es ist ein Buch über ihre eigene Geschichte. Emilia hieß noch Emilka, als ihre Eltern in den 1980er Jahren aus Polen nach Deutschland kamen. Sie bekam einen neuen Namen, eine neue Sprache und es gab zu Hause deutsches Essen. So, wie bei vielen anderen Migranten aus Polen. Aber das Unterdrücken ihrer eigenen Identität holte sie doch irgendwann ein. Sie spricht mit uns über Integration, Assimilation und über das „ehrlichere“ Leben. * Daniel Kahn & The Painted Bird The Painted Bird ist eine Band um den Sänger Daniel Kahn. Der in Detroit geborene, aber seit 2005 in Berlin lebende Musiker vereint mit seiner Band die Traditionen amerikanischer und jüdischer Musik mit großen politischen und persönlichen Themen unserer Zeit. In ihrem fünftem Album „The Butcher’s Share“ mischen sie mal explosiv, mal melancholisch und immer mit viel Humor Punk, Klezmer, Jazz, Folk. Dabei greifen sie auf Originalstücke zurück von Tom Waits bis Bertolt Brecht. In Augsburg spielen sie live im Rahmen des Brecht-Festivals. * Musik des Lebens Musik ist so etwas wie der Soundtrack des Lebens. Sie hinterlässt Spuren in unserem Gehirn, holt Erinnerungen hervor, lässt Gefühle wieder aufleben. Manchmal können bestimmte Lieder über schwierige Zeiten hinweg trösten, manchmal helfen, in andere Gedankenwelten einzutauchen. Wir haben Geflüchtete gefragt, was ihre Lieblingslieder sind. Welche Lieder ihnen besonders viel bedeuten, weil sie etwas Persönliches damit verbinden, weil sie ihnen Kraft geben. Dabei haben wir den ein oder anderen bekannten Song wiedergehört, aber auch Neues entdeckt.

Sa, 19. Mai · 08:15-08:25 · Das Erste (ARD)
neuneinhalb – 70 Jahre Israel – Ein Land mit einer bewegten Geschichte

Zum 70. Geburtstag des Staates Israel trifft Jana die 15-jährige Naomi. Sie hat israelische Wurzeln und die Geschichte des Landes ist eng mit ihrer eigenen Familiengeschichte verknüpft. Naomis Vorfahren waren Opfer des Nationalsozialismus. Ihre Ururgroßeltern, die in Köln gelebt haben, wurden von den Nazis umgebracht, ihrem Urgroßvater gelang die Flucht. Mit der Gründung des Staates Israel ging für ihn, wie für viele Juden weltweit, ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. Doch das Land Israel kommt nicht zur Ruhe, immer wieder gibt es Konflikte und Gewalt. Naomi erzählt, wie sie die Situation bei ihrem jüngsten Besuch erlebt hat. Außerdem spricht sie darüber, was sie an Israel besonders liebt – und versucht, Jana ein paar Wörter hebräisch beizubringen.

Sa, 19. Mai · 21:50-23:35 · One
Hannah Arendt

Die jüdische Philosophin Hannah Arendt verfolgt 1961 den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem. Im Gerichtssaal trifft sie auf einen unscheinbaren Mann, der, wie er nicht müde wird zu betonen, „nur“ Befehle ausführte. In einer Artikelserie charakterisiert sie ihn, einen der Hauptverantwortlichen für die Shoa in Europa, als mediokren Schreibtischtäter und löst damit ungeahnte Proteststürme aus. Hannah Arendt (Barbara Sukowa) ist aus Nazideutschland geflohen und lebt mit ihrem Mann Heinrich (Axel Milberg) schon seit 20 Jahren im amerikanischen Exil. Ihre New Yorker Wohnung ist Treffpunkt immigrierter jüdischer Intellektueller, die sich um die Aufarbeitung der Shoa bemühen. Die überraschende Nachricht von der Ergreifung des NS-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann elektrisiert die Totalitarismusforscherin, die schon mehrfach über den deutschen Faschismus publiziert hat. Im Auftrag der Zeitung „The New Yorker“ reist sie nach Jerusalem, um über den Prozess zu berichten. Im Gerichtssaal erwartet sie, ein Monster anzutreffen, und ist zunächst irritiert. Die Mittelmäßigkeit des Bürokraten, der keine Reue zeigt, passt scheinbar gar nicht zur unvorstellbaren Grausamkeit seiner Taten. Sie sieht in dem Massenmörder einen Beamten, der die Ermordung der Juden mitleidslos wie eine ihm auferlegten Pflicht erfüllte. Im Februar 1963 erscheint ihre Artikelserie, deren provozierende These von der „Banalität des Bösen“ für weltweite Empörung sorgt. Trotz einer beispiellosen Hetzkampagne verteidigt die Denkerin ihre Interpretation, wonach ganz normale Menschen zu Gräueltaten unvorstellbaren Ausmaßes fähig sind. Der Vorwurf, sie würde einen der Hauptverantwortlichen für den Holocaust verteidigen, führt zum Bruch mit nahen Freunden wie Hans Jonas (Ulrich Noethen) und Kurt Blumenfeld (Michael Degen).

So, 20. Mai · 20:15-23:10 · 3sat
Der Medicus

England, frühes elftes Jahrhundert: Der junge Halbwaise Rob Cole muss hilflos mit ansehen, wie seine Mutter an einer unheilbaren Krankheit stirbt. Das Erlebnis prägt ihn nachhaltig. Rob schließt sich einem fahrenden Bader an, der ihn in das medizinische Halbwissen des Mittelalters einweiht. – Regisseur Philipp Stölzl verfilmt Noah Gordons Weltbestseller „Der Medicus“ als bildgewaltige Reise ins Mittelalter. Als der Wanderheiler allmählich sein Augenlicht verliert, übernimmt sein Zauberlehrling Rob bald die „Behandlungen“ – für die Patienten eher schmerzhafte als heilsame Prozeduren. Von einem jüdischen Medicus, der dem fast Erblindeten durch einen kunstvollen Eingriff das Augenlicht wiedergibt, erfährt Rob, dass es außer seinem bescheidenen Wissen eine sehr viel weiter entwickelte Heilkunst gibt. Elektrisiert macht er sich auf den Weg in die persische Stadt Isfahan, wo der sagenumwobene Ibn Sina Medizin lehrt. Dank seiner erstaunlichen Fähigkeiten avanciert Rob bald zum Meisterschüler des Universalgelehrten. Als in Isfahan die Pest wütete, findet Rob heraus, dass Rattenflöhe den Erreger übertragen. Dank seiner Entdeckung wird die Epidemie eingedämmt. Ein phänomenaler Erfolg, doch der gefeierte Mediziner ist nicht zufrieden. Rob will das Geheimnis jener unheilbaren Krankheit lüften, an der auch seine Mutter starb. Trotz ausdrücklichen Verbots seines Lehrmeisters obduziert Rob heimlich eine Leiche und beginnt zu verstehen, dass die berüchtigte „Seitenkrankheit“ eine Blinddarmentzündung ist. Mit diesem Wissen rettet er sogar dem Schah das Leben. Doch er wird an die Mullahs verraten, fanatische Koraneiferer, in deren Augen Ibn Sina und seine Schüler sich gegen Gott versündigen. Mit dem Überfall der kriegerischen Seldschuken, die den Mullahs zur Seite stehen, endet in Isfahan die Epoche der freien Wissenschaft. Ibn Sina verübt Selbstmord. Im letzten Moment rettet Rob seine große Liebe Rebecca aus den Fängen ihres Gatten, der die Ehebrecherin nach alter Tradition steinigen will. In ihrer Begleitung kehrt der Medicus nach England zurück, wo er seine Kenntnisse in den Dienst der freien Forschung stellt.

Mo, 21. Mai · 11:10-11:40 · BR
Lebensgeschichten in Farbe – Die Malerin Ilana Lewitan

Ilana Lewitans Bilder tragen Namen wie „Spuren aus der Vergangenheit“, „Das Geheimnis des Glücks liegt im Verborgenen“ oder „Versuche es, flüstert der Traum“. Die Münchner Malerin wählt nicht nur erzählerische Titel, ihre Werke muten selbst wie Geschichten an. Die Bilder und Objekte kommen „direkt aus ihrer Seele“, sagt sie. Ob es gesellschaftliche Themen sind wie die Technologien, die echte Begegnungen infrage stellen, oder Themen, die ein Stück ihrer eigenen Biografie sind. Ilana Lewitan ist die Tochter von polnischen Holocaust-Überlebenden. Sie wurde in München geboren, studierte Innenarchitektur und Architektur und arbeitete bei dem Architekten Richard Meier in New York. Doch nach einer Weile wurde ihr bewusst, dass sie etwas anderes suchte. Schon als Kind hatte Ilana Lewitan gemalt, auch während ihrer Zeit als Architektin machte sie nebenher Illustrationen. Zurückgekehrt nach München, studierte sie Malerei. Was an ihren Bildern „jüdisch“ sei? Sie wolle nicht darauf festgelegt werden, eine „jüdische Künstlerin“ zu sein, sagt Ilana Lewitan. Und doch seien bestimmte Facetten ihrer Arbeit, der Humor, die Rastlosigkeit und natürlich auch die biografischen Elemente sicher ein Teil ihres jüdischen Erbes.

Di, 22. Mai · 00:00-00:15 · PHOENIX
Mein Ausland spezial: Vilnius – Spurensuche im Jerusalem des Nordens

Wenn man wissen will, wie die Sowjetunion auf dem jüdischen Erbe herumgetrampelt hat, muss man mit Amit Belaite auf Spurensuche gehen. Startpunkt ist der Sportpalast. Es ist eine Reise auf der Suche nach der verlorenen Zeit. „Und dein Vater hatte dich gewarnt?“ „Und mein Vater hat mich gewarnt: ‚Tritt nicht auf diese Stufen!‘ Und ich habe mich gefragt: Warum?“ Es gibt eine Generation deren Wissbegier größer ist als der Schmerz. Und es weht ein neuer Wind durch Vilnius: Jetzt werden die Steine gesammelt – und wieder etwas in Ordnung gebracht. Niemand soll mehr auf jüdischen Grabsteinen herumtreten. Vilnius ist eine Stadt der Denkmäler, und pflegt seine Heroen. Manche werden geehrt wie John Lennon, andere nicht erwähnt, obwohl sie oder ihre Ahnen von hier stammen: Man könnte sich fragen, warum Lennon von den Beatles, der nie hier war, so ein Denkmal kriegt, und andere wie Leonard Cohen und Bob Dylan, deren Wurzeln in Litauen liegen nicht vorkommen. Der Bürgermeister in seinem Büro, hoch über der Stadt, ist schon einen Schritt weiter. Er versucht ständig, Juden aus aller Welt zu einem Besuch in der alten Heimat zu überreden. Wir fragen: „Halb Hollywood stammt doch von hier. Und ihr früherer Kollege Michael Bloomberg – war er schon hier?“In allem liegt eine Wehmut und Sehnsucht, etwa wenn Amit durch das frühere Ghetto streift und in die Hinterhöfe schaut. Fast alle litauischen Juden starben, umgebracht von SS-Truppen und einheimischen Helfershelfern:“Ich weiß nicht wer hier wohnte, vielleicht Deportierte oder Leute, die umgebracht wurden.“(Amit Belaite) Die Fotos auf der Hauptstraße des früheren Ghettos wurden zwischen den Ruinen gefunden, Szenen einer besseren Zeit: Man sieht glückliche Menschen – und keiner weiß, ob so ein Leben jemals wieder nach Vilnius zurückkehrt. Die einzige Synagoge, die noch in Gebrauch ist: Es reicht auch ein Gotteshaus, für die kleine jüdische Gemeinschaft. Während der Sowjetzeit überlebt es als Lagerhalle für Arzneien:“Vilnius trug den Beinamen „Jerusalem des Norden“. Wir waren mal 250.000 Juden, fast jeder zweite Bewohner von Vilnius war Jude und wir hatten mehr als 100 Synagogen. Jetzt sind wir noch 2500 Leute in der Gemeinde. Wenn wir uns heute in der Siemens-Arena mit 10.000 Plätzen versammeln, dann sieht sie immer noch leer aus.“ (Simas Levinas, Vorsitzender der jüdischen religiösen Gemeinde Vilnius) Amit hat für sich einen Weg gefunden, ihre Familie zu vergrößern, die so klein geworden ist: Großvater und Großmutter waren die einzigen Familienmitglieder, die den Holocaust überlebten, so dachte sie jedenfalls. Sie blättert im Familienstammbaum. Dorf findet sie auch die Schwester ihres Großvaters, die, wie sie erst jetzt weiß, erst vor einem Jahr gestorben ist.

Di, 22. Mai · 01:00-02:35 · arte
Die Unvergessenen

Die junge französische Fotografin Dora reist durch Israel. Sie fotografiert Soldaten, die an Beisetzungen gefallener Kameraden teilnehmen. Was sie antreibt, ist unklar, doch sie scheint jemanden zu suchen, bisher erfolglos. Dann trifft sie Yossi, einen ehemaligen israelischen Soldaten. Yossi hat keinerlei Erinnerung an seine Zeit beim Militär, irgendetwas ist dort geschehen, das sein Gedächtnis ausgelöscht hat, und niemand kann oder will ihm etwas darüber sagen. Dora ist von Yossis Persönlichkeit fasziniert. Er scheint anders zu sein als die anderen israelischen Männer, ist wie ein Fremder im eigenen Land. Und Yossi ist überwältigt von Dora, die etwas frischen Wind mit sich bringt, ein anderes Land, eine andere Kultur, einen anderen Duft. Sie haben ein unausgesprochenes Übereinkommen, nicht über ihre Vergangenheit zu reden. Stattdessen erfinden sie sich eine Vergangenheit, eine gemeinsame Geschichte, die nur in ihrer Vorstellung existiert, und lieben sich im Hier und Jetzt. Irgendwann erwacht Yossi mitten in der Nacht. Dora steht vor ihm und zielt mit einer Waffe auf ihn. Sie will schießen, aber sie kann es nicht. Dann läuft sie weg. Yossi begreift nicht, warum sie ihn töten wollte, warum sie ihn verlassen hat. Es beginnt eine Reise, die ihn zurück zu den Menschen und Orten seiner Armeezeit führt, und die ihn zwingt, sich mit seiner dunklen Vergangenheit auseinanderzusetzen …

Mi, 23. Mai · 20:15-22:10 · arte
Sophie Scholl – Die letzten Tage

Februar 1943: Die Schlacht um Stalingrad ist entschieden und in München überziehen die Mitglieder der „Weißen Rose“ die Stadt mit immer neuen Anti-Hitler-Aktionen und Parolen. Als Sophie und Hans Scholl in der Aula der Münchner Universität Flugblätter verteilen, werden sie beobachtet und kurz darauf verhaftet. Sophie gibt sich in den Verhören ahnungslos. Sie kämpft um ihre Freiheit und die ihres Bruders. Sie ahnt, dass sie die Todesstrafe erwartet und stellt sich doch schützend vor ihren Bruder und die anderen Widerstandskämpfer. Der Gestapo-Mann Mohr ist von Sophies Entschlossenheit beeindruckt. Er wäre bereit, ihr zu helfen, würde sie sich als Mitläuferin darstellen. Der Chef des Volksgerichtshofes Roland Freisler wird von Berlin nach München geschickt, um einen Schauprozess gegen die Studenten zu führen. Obwohl das Urteil schon vorher feststeht, zeigt die 21-Jährige unerwartete Standfestigkeit und gewinnt durch ihre unerschütterliche Haltung im Prozess sogar die Zustimmung der anwesenden Nationalsozialisten. Mit ihrem Widerwort gegen Freisler: „Heute hängt ihr uns, und morgen werdet ihr es sein, deren Köpfe rollen!“ bleibt sie sich bis zum Schluss treu.

Mi, 23. Mai · 20:15-21:50 · Das Erste (ARD)
Der Staat gegen Fritz Bauer

Ende der 1950er Jahre will der hessische Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer den in Argentinien untergetauchten Deportationsexperten des dritten Reiches, SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, in Deutschland vor Gericht stellen. Da die deutschen Behörden von ehemaligen Nationalsozialisten durchsetzt sind, wendet er sich an den israelischen Geheimdienst Mossad, und begeht damit Landesverrat. Für den Juden Bauer geht es dabei nicht um Rache für den Holocaust, es geht ihm um die Zukunft Deutschlands, dass in seiner Depression ebenso zu versinken droht wie Bauer selbst.

Mi, 23. Mai · 22:10-23:55 · arte
Son of Saul

Auschwitz-Birkenau, das Hauptvernichtungslager der Nazis, operiert wie eine Fabrik. Im Herbst 1944 ist Saul Ausländer dort Mitglied des Sonderkommandos. Seine Aufgabe ist es, die Menschen in die Räume zu begleiten, sie sich ausziehen zu lassen, sie in die Todeskammern zu schicken – um dann Haare, Schmuck und Goldzähne herauszuholen. Es muss schnell gehen, da andere Konvois von Deportierten schon warten. Als Belohnung für diese Tätigkeit gewährt die Lagerleitung einen viermonatigen Aufschub der eigenen Vernichtung. Eines Tages beobachtet Saul, wie ein Junge das Gas überlebt, von einem deutschen Arzt eigenhändig getötet und zur Obduktion geschickt wird. Unbegreiflicherweise fühlt er, dass dieses Kind sein Sohn sein könnte, und entscheidet, dass er ihm um jeden Preis ein rituelles Begräbnis nach der jüdischen Tradition verschaffen will. Dafür braucht er einen Rabbiner, der das Kaddisch rezitieren kann. Saul ist von diesem Gedanken besessen und bereit, alles und jeden in Gefahr zu bringen, um seine Mission zu erfüllen. Durch den hartnäckigen Eigensinn, mit dem er seinen Plan verfolgt, gefährdet er mehr als einmal den Plan zu einem Aufstand, den seine Kameraden vom Sonderkommando entwickeln. Er riskiert viele Leben – für einen Toten. „Son of Saul“ handelt von der verzweifelten Suche nach Menschlichkeit an einem Ort unmenschlicher Barbarei.
Bild oben: © Lakoon Filmgroup/Magyar Nemzeti Filmalap Saul Ausländer (Geza Röhrig, li.), Sonderkommando-Mitglied im KZ Auschwitz-Birkenau, ist entschlossen, seine Mission um jeden Preis zu erfüllen.

Mi, 23. Mai · 22:55-23:40 · WDR
„Und dann waren sie weg“ – Solingen 25 Jahre nach dem Brandanschlag

„Es waren Menschen, wie Du und ich. Mit Träumen und Hoffnungen und dann waren sie einfach weg“, kopfschüttelnd steht die Solinger Abiturientin Dilan Kaplan vor der Baulücke in der unteren Wernerstraße. Dort, wo vor 25 Jahren das Haus der Familie Genc brannte und fünf Mädchen und Frauen ums Leben kamen. Dilan kommt gerade von einem Interview, das sie mit zwei anderen Schülerinnen führen durfte. Die Gesprächspartnerin: Mevlüde Genc, die Großmutter und Mutter der verbrannten Mädchen. Dilan Kaplan sitzt im Jugend-Stadtrat, der nach dem Anschlag gegründet wurde. Sie war damals noch gar nicht geboren. Aber in Solingen hat man die Nacht auf den 29. Mai 1993 nicht vergessen. Auch das Nichts, die Baulücke mit den fünf Kastanienbäumen, ist ein Mahnmal für die wohl bis heute folgenschwerste rassistische Tat in der Geschichte der Bundesrepublik. Solingen wurde zum Symbol für Fremdenhass und militante Ausländerfeindlichkeit. Die vier Jugendlichen, die die Tür des Hauses mit Brandbeschleunigern bewarfen, wurden verurteilt und leben heute mit einer neuen Identität irgendwo in Deutschland. Familie Genc ist in Solingen geblieben. „Ich habe Frau Genc damals versprochen, dass ich alles dafür tue, dass die Opfer nie vergessen werden“, sagt Heinz Siering. Er leitete die Jugendhilfewerkstatt. Ihm grauste davor, dass auch einer „seiner“ Jugendlichen sich von den Neonazis hätte anstiften lassen können. Er baute gemeinsam mit anderen ein Mahnmal. Das einzige Mahnmal, das es in Solingen zum Brandanschlag gibt. Gepflegt wird es bis heute von den Jugendlichen der Jugendhilfewerkstatt. Der heutige Leiter, Winfried Borowski, versucht Jahr für Jahr Jugendliche gegen Propaganda und Populismus zu immunisieren. „Die haben so wenig Schulbildung, die kennen zum Teil Auschwitz nicht.“ Umso mehr ärgert es ihn, dass die Politiker heute wieder ähnlich reden wie vor 25 Jahren. 1993 hieß es „Das Boot ist voll“. Auch heute, sagt Borowski, gibt es sie wieder, die „Einflüsterer, wie ich sie nenne. Die geistigen Brandstifter.“ Der Film zeichnet die Entwicklung der Nacht, zeigt die Erinnerungen von Opfern und Helfern. Aber, er bleibt nicht nur in der Vergangenheit, sondern geht auch ins heute. Dilan steht für ein anderes Solingen. Einerseits ist sie politisch engagiert, macht Abitur, wird bald studieren. „Aber wenn ich durch die Stadt gehe, werde ich immer noch komisch angeschaut“, sagt sie und zupft an ihrem Kopftuch. „Dabei ist das doch nur ein Stück Stoff“.

Mi, 23. Mai · 23:55-00:50 · arte
Sonderkommando Auschwitz-Birkenau

Als die Rote Armee am 27. Januar 1945 Auschwitz-Birkenau erreichte, fand sie die vier Krematorien des Vernichtungslagers zerstört vor. Um ihre Verbrechen zu vertuschen, hatten die Nazis alle Entkleidungsräume, Gaskammern und Verbrennungsöfen in die Luft gesprengt. Über eine Million Menschen waren hier ermordet worden, die meisten von ihnen waren Juden. Zu Kriegszeiten wurden die Krematorien jedoch nicht nur von Nazis bedient. Die SS hatte für diese Aufgabe eigens das sogenannte „Sonderkommando“ eingerichtet. Es bestand aus jüdischen Häftlingen, die dazu gezwungen wurden, bei der Ermordung ihrer Mitdeportierten mitzuhelfen. Die meisten Sonderkommando-Mitglieder erlebten das Ende des Krieges nicht – die Nazis wünschten keine Zeugen ihrer Gräueltaten. Vier Überlebende – Shlomo Dragon, Henryk Tauber, Alter Feinsilber und Dr. Miklos Nyiszli – sagten jedoch vor Gericht aus. Außerdem wurden nach der Befreiung des Lagers Tagebücher und Berichte in jiddischer Sprache gefunden. Sie stammten von den Sonderkommando-Häftlingen Salmen Gradowski, Lejb Langfuß und Salmen Lewenthal, die die wichtigen Dokumente auf dem Lagergelände vergraben hatten. Gradowski war auch einer der Organisatoren des bewaffneten Sonderkommando-Aufstands von Krematorium III im Oktober 1944. Er wurde mit 451 seiner Gefährten hingerichtet. Langfuß und Lewenthal starben zwei Monate vor der Befreiung des Lagers. Die Aufzeichnungen und Zeugenaussagen vermitteln ein genaues und erschreckendes Bild vom Vernichtungsprozess in Auschwitz, der sogenannten „Endlösung“.

Do, 24. Mai · 02:10-02:45 · arte
Kampf ums Überleben – Polen unter deutscher Besatzung

Hitlers Krieg traf 1939 Polen zuerst – und am härtesten. Kein Land musste im Zweiten Weltkrieg, gemessen an der Einwohnerzahl, einen so hohen Blutzoll entrichten wie Deutschlands östlicher Nachbar. Doch von Beginn an formierte sich auch Widerstand gegen die Besatzer. Von 35 Millionen Bewohnern Polens zu Kriegsbeginn fielen sechs Millionen Menschen, meist jüdischer Herkunft, dem Wüten der Nazis zum Opfer.Trotz militärischer Aussichtslosigkeit formierte sich im Verborgenen von Beginn an auch Widerstand gegen die Fremdherrschaft. Guerillagruppen verübten Anschläge im schwer zugänglichen Hinterland, Untergrundkämpfer bildeten ein Netzwerk zur Weitergabe von Waffen und Informationen. Neben der national orientierten „Heimatarmee“ (Armia Krajowa, AK), die mit Unterstützung der Exilregierung operierte, nahmen lokale, katholisch oder auch kommunistisch orientierte Gruppierungen den Kampf auf, den die Besatzungsmacht mit brutaler Repression und Massenerschießungen erwiderte.Die Dokumentation „Kampf ums Überleben – Polen unter deutscher Besatzung“ beschreibt das Ausmaß dieses ungleichen Ringens und die erschreckenden Folgen besonders für die jüdische Bevölkerung Polens – auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse, mit Einschätzungen polnischer und israelischer Historiker sowie mit Schilderungen unmittelbar Beteiligter.Dabei spart der Film auch die in Polen heftig diskutierte Frage nicht aus, welchen Anteil antisemitisch gesinnte Polen an der Verfolgung ihrer jüdischen Landsleute hatten und belegt zugleich, dass es in fast keinem Volk so viele Menschen gab, die die Todgeweihten unter eigener Lebensgefahr retteten wie in Polen.

Do, 24. Mai · 05:00-05:45 · arte
Lieder der Libération

Trotz der anhaltenden Schrecken der Nazizeit sorgte die Befreiung von Paris im August 1944 für eine rauschhafte Stimmung, überall herrschte Jubel und Heiterkeit. Die Franzosen genossen die wiedergewonnene Freiheit, summten „Fleur de Paris“ oder hörten im Radio Bourvils Chanson „Les Crayons“. Das „geschändete, gemarterte, aber befreite Paris“, wie General de Gaulle es in seiner Rede vom 25. August 1944 nannte, sang die Refrains von Marlene Dietrich, Edith Piaf und Yves Montand. Und in Saint-Germain-des-Prés berauschte sich die französische Swing-Jugend an Jazz und Bebop. Unter dem Namen „Zazous“ hatten diese Jugendlichen bereits während des Zweiten Weltkriegs Widerstand gegen die Besatzer geleistet. Im zerstörten Berlin besang Hans Albers, Marlene Dietrichs Partner aus Sternbergs „Der blaue Engel“, mit dem „Lied der Flüchtlinge“ die tragische Lage der Bevölkerung. Als die Deutschen nach dem Krieg mit dem Wiederaufbau beschäftigt waren, lebten sie in einem zerteilten Land: in der sowjetisch besetzten Zone im Osten und der amerikanischen, britischen und französischen Zone im Westen. In Ostdeutschland wurde vom Chor der Freien Deutschen Jugend zum Ruhm des Genossen Stalin gesungen, und auch der Arbeiterklasse wurde in Liedern gehuldigt. Nach dem Sieg der Alliierten brach mit den US-Truppen sowohl über Frankreich als auch über Deutschland in den späten 40er Jahren eine Flut neuer Musik herein. Der Marshallplan wurde in Chansons gewürdigt und von Journalisten reichlich kommentiert. Der Reigen der Melodien spannt sich von Frank Sinatra bis zu den Andrew Sisters, von Duke Ellington bis Nat King Cole, von Juliette Gréco bis zu Boris Vian. Yves Riou und Philippe Pouchain geben dem Zuschauer in ihrer Dokumentation mit außergewöhnlichen Archivbildern neue Einblicke in die Nachkriegsgesellschaften von Frankreich und Deutschland.

Fr, 25. Mai · 09:30-10:25 · arte
Iran – Vom Gottesstaat zur Großmacht

Am 14. Juli 2015 unterzeichnete Teheran in Wien ein historisches Abkommen über den Verzicht auf Nuklearwaffen. Erstmals seit der Gründung der Islamischen Republik 1979 und nach jahrelangen Krisen und Spannungen gab es damit ein bedeutendes Abkommen zwischen dem Iran und der internationalen Gemeinschaft. Die Vereinbarung, die auf Verhandlungen und Dialog beruhte, markierte auch die Rückkehr des Irans auf die Weltbühne. Die Dokumentation wurde im Iran, in Saudi-Arabien und den USA gedreht. Sie lässt Regierungsvertreter und Experten aus diesen Ländern zu Wort kommen und erklärt, wie und warum Teheran seine militärische und politische Stellung kontinuierlich ausgebaut hat, während die Karten dort neu gemischt wurden. Geht es dem Land um Eroberungen – auf militärischer, aber auch politischer und wirtschaftlicher Ebene? Oder will der Iran nur seine Grenzen sichern und das Regime vor den Krisen schützen, welche die Region permanent erschüttern? Die Dokumentation versucht, das Chaos der Nahost-Kriege zu entwirren, um durchgängige Strukturen und Brüche erkennbar zu machen und Erklärungen für die Renaissance des Islamismus zu liefern. Der Iran ist für die Weltgemeinschaft nach langer Isolation wieder wichtig, aber das Land ist auch gefürchtet. Es hat sich dem Dialog geöffnet und auf Nuklearwaffen verzichtet, postiert gleichzeitig aber Revolutionswächter überall im Nahen Osten – und läuft dabei Gefahr, die Befindlichkeiten alter Erzfeinde wie Israel, Saudi-Arabien und der USA unter Donald Trump zu wecken.

Sa, 26. Mai · 07:35-07:50 · Das Erste (ARD)
Schmecksplosion – Lasst uns feiern: Nurey und Lea backen für Purim

Nurey hat heute ihre Schulfreundin Lea eingeladen. Gemeinsam backen die Mädels Haman-Taschen für das jüdische Purim-Fest. Lea hat in der Schule schon viel über die jüdische Kultur erfahren und ist neugierig auf das fröhliche Fest! Aber dass sie am Ende verkleidet in der Synagoge tanzt und während der Predigt viel Lärm machen soll, hätte Lea nicht erwartet!

Sa, 26. Mai · 21:45-23:15 · HR
Der Tel-Aviv-Krimi: Alte Freunde

In „Alte Freunde“, dem vierten Film mit Katharina Lorenz in der Rolle von Sara Stein, wird der Kommissarin bewusst, welche Traumata der dauerhafte Kriegszustand bei Israelis verursacht. Sara weiß, dass es zwischen ihrem Lebensgefährten David und ihrem Kollegen Blok seit der gemeinsamen Militärzeit ein unaussprechliches Geheimnis gibt. Doch erst jetzt erfährt sie die Wahrheit und ist zutiefst erschüttert. Sara muss sich der israelischen Realität stellen, führt ihr aktueller Fall die Neubürgerin doch in das Milieu der gefallenen Kriegshelden. Am Strand von Tel Aviv wird eine abgetrennte Hand gefunden. Sie gehörte zu Dori Meyer (Ofri Biterman), einem jungen Menschenrechtsaktivisten, der kurz zuvor von seiner Mutter Zvia (Orly Zilbershatz) als vermisst gemeldet wurde. Zunächst ist nicht klar, ob es sich um einen Unfall oder ein Verbrechen handelt. Doch dann taucht Doris Schützling Dahir (Sean Mongoza) auf, ein junger sudanesischer Flüchtling, der sich illegal in Israel aufhält. Dahirs Aussage bringt Blok (Samuel Finzi), Sara Steins (Katharina Lorenz) raubeinigen Kollegen, in einen schweren Konflikt: Blok muss in vertrauten Kreisen aus seiner Militärzeit ermitteln, in einer Gruppe Männer, die sich damals gegenseitig das Leben anvertraut haben und heute kaum noch etwas gemein haben. Dazu gehört auch Saras Lebensgefährte, David Shapiro (Itay Tiran), der damals in Bloks Einheit diente und heute kaum noch dessen Anblick ertragen kann. Oder der zwielichtige Shooting-Range-Besitzer Yoram (Jakob Daniel), dem sich Blok nach wie vor verbunden fühlt. Für Sara ist es schwer, diese für sie immer noch fremde Welt zu durchschauen, zumal sie eine Wahrheit über David erfährt, die sie zutiefst erschüttert.

Sa, 26. Mai · 21:50-23:25 · NDR
Eskimo Limon

Drei Jungs erleben tragikomische Freuden und Nöte der ersten Liebe: 1978 wurde die Pubertätsgeschichte „Eis am Stiel“ (Originaltitel: „Eskimo Limon“) ein Welterfolg. Eric Friedler porträtiert Gewinner und Verlierer dieses ungewöhnlichen Erfolgs und zeigt, wie eng Glanz und Elend in der Glitzerbranche beieinander liegen. Im Anschluss folgt der erste Teil der erfolgreichen Filmserie „Eis am Stiel“. 1978 eroberte die Pubertätsgeschichte „Eis am Stiel“ (Originaltitel: „Eskimo Limon“) ein internationales Publikum und befeuerte die erotischen Fantasien einer ganzen Generation. Auch in Deutschland. Der erste Film lief sogar im Wettbewerb der Berlinale und erhielt eine Golden-Globe-Nominierung. Nur wenigen Zuschauern war klar, dass der Film und seine sieben Fortsetzungen aus Israel kamen. „Eis am Stiel“ katapultierte die Produzenten Yoram Globus und Menahem Golan sowie Regisseur Boaz Davidson nach Hollywood und machte die Schauspieler Yftach Katzur, Anat Atzmon und Zachi Noy weltbekannt. Eine ganz andere Wahrheit hinter dem Erfolg entdeckt der Dokumentarfilm „Eskimo Limon: Eis am Stiel – Von Siegern und Verlierern“. Eric Friedler, mehrfacher Gewinner von Grimme- und Deutscher Fernsehpreis, begleitet die Akteure von damals auf einer Reise in ihre Vergangenheit. In intensiven Begegnungen und Interviews fördert er schmerzhafte Geständnisse und unterdrückte Schuldgefühle zutage und zeigt, wie nahe Ruhm und Elend, Aufstieg und Fall beieinander liegen.

Sa, 26. Mai · 22:00-22:45 · 3sat
Soul Chain

In der Ballett-Produktion „Soul Chain“ der Choreografin Sharon Eyal verbinden sich mal geschmeidige, mal abrupte Bewegungen mit treibenden Bässen zu einem Tanz von großer physischer Wucht. 3sat zeigt eine Dokumentation über die elektrisierende Inszenierung am Staatstheater Mainz. Die Dokumentation nähert sich sowohl dem Stück „Soul Chain“, den Tänzern des Ensembles „tanzmainz“ als auch der international erfolgreichen Choreografin Sharon Eyal aus Tel Aviv. Eine gleichförmig scheinende Masse mit exzentrischen Bewegungen, unentwegt auf halber Spitze tanzend zu harten Techno-Beats: Das beschreibt nur im Ansatz den Hochleistungstanz von „Soul Chain“, einem Stück, das die renommierte Choreografin Sharon Eyal eigens für das Tanzensemble „tanzmainz“ des Mainzer Staatstheaters entwickelt hat. Präzise und gleichförmig pulsieren die Körper zum Beat – und trotzdem schlägt das Individuum plötzlich und manchmal fast unmerklich seinen eigenen Weg ein. „Soul Chain“ macht den Kontrast zwischen dem Einzelnen und der Gruppe sichtbar. Atemlos legt sich die Seelenkette um die Tänzer und deren Bewegungen. Ein mitreißendes und elektrisierendes Gesamtkunstwerk rund um das Thema „Liebe und Sehnsucht“. Sharon Eyal ist eine Ikone des zeitgenössischen Tanzes. Zusammen mit ihrem Partner Gai Behar kreiert sie seit Jahren nicht nur Stücke für ihre eigene Kompanie „L-E-V“, sondern auch für andere Tanzensembles weltweit. Zu ihrem festen Team gehört auch der Musiker und DJ Ori Lichtik, der mit seinen Klangkompositionen maßgeblich die Tanzstücke Eyals mitgestaltet. Die Choreografin wurde in Jerusalem geboren, heute lebt und arbeitet sie in Tel Aviv. Über 20 Jahre lang tanzte und choreografierte sie für die berühmte israelische „Batsheva Dance Company“ unter Ohad Naharin. In der Dokumentation werden mit dynamischen Kameraeinstellungen einzelne Tanzsequenzen der Choreografie aufgelöst, Details und Perspektiven gefunden, die neu und anders sind. Die Bewegungen der Tänzer werden emotional erlebbar und „Soul Chain“ als Tanzstück damit spürbar. Mitglieder des Ensembles erzählen von der Arbeit mit der Choreografin, den körperlichen und seelischen Herausforderungen dieses intensiven Stücks. In den persönlichen Begegnungen mit Sharon Eyal in Tel Aviv taucht der Film in ihre Welt ein und versucht, einen Zugang zu ihrer Arbeitsweise zu finden, um damit „Soul Chain“ aus einer anderen Perspektive wahrnehmbar zu machen.

Sa, 26. Mai · 23:25-00:55 · NDR
Eis am Stiel

Die drei Freunde Benny, Momo und Johnny durchleben Liebesfreud und -leid im Israel des Jahres 1958. Als Weiberheld Momo seine schwangere Freundin Nili sitzen lässt, scheint endlich Bennys große Stunde zu schlagen, denn der schüchterne Junge ist schon lange in Nili verliebt. Zwischen Schule, Kino, Partys und Eisdiele sind die drei Schüler Benny, Momo und Johnny auf der Jagd nach der ersten sexuellen Erfahrung. Gemeinsam erleben sie die ersten großen Gefühle, den ersten Liebeskummer und das „erste Mal“. Im Gegensatz zu seinen Freunden, dem dicken Johnny und dem extrovertierten Schönling Momo, ist Benny eher schüchtern. Als er sich in Nili verliebt, schnappt sie ihm ausgerechnet Momo vor der Nase weg. Aber Nili wird schwanger – und Momo lässt sie sitzen. Benny springt als Helfer in der Not ein: Während seine Eltern ihn im Ferienlager wähnen, arrangiert er die Abtreibung und hilft Nili, über den Schock hinwegzukommen. Endlich traut sich Benny, ihr seine Liebe zu gestehen. Aber wo steht geschrieben, dass die erste Liebe ein Happy-End hat?

Mo, 28. Mai · 23:30-01:00 · Das Erste (ARD)
Geschichte im Ersten: Frühjahr 48

Schon drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg steht Europa wieder vor einer Herausforderung: Kann der Kontinent endlich Frieden finden? Bei den Alliierten zeigt sich nach 45 sehr schnell wieder die alte Feindschaft zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten. Ost und West, Kommunismus und Kapitalismus trennen Europa und Deutschland. Im Frühjahr 48 wird in Prag ein Putsch gegen das Regime gewaltsam niedergeschlagen. In Jugoslawien bricht Tito mit Stalin und so auch mit der Sowjetunion. Die Berlinkrise wird zur Machtprobe zwischen den beiden Weltmächten. „Frühjahr 48“ ist eine Reise zurück mit Zeitzeugen aus europäischen Ländern und mit seltenem Archivmaterial. Schon drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg steht Europa wieder vor einer Herausforderung: Kann der Kontinent endlich Frieden finden? Bei den Alliierten zeigt sich nach 45 sehr schnell die alte Feindschaft zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten. Ost und West, Kommunismus und Kapitalismus trennen Europa und Deutschland. Im Frühjahr 48 wird in Prag ein Putsch gegen das Regime gewaltsam niedergeschlagen. Stalin festigt so seine Macht im Osten Europas. In Jugoslawien bricht Tito mit Stalin und so auch mit der Sowjetunion. Die Berlinkrise wird zur Machtprobe zwischen den beiden Weltmächten und schürt die Angst vor einem neuen Weltkrieg. Juden aus ganz Europa gehen in ihr gelobtes Land Israel. Das Frühjahr 48 ist für viele Menschen ein Aufbruch. Zeitzeugen wie der Franzose Marc Ferro, der Deutsche Günter Lamprecht oder die Russin Maya Turovskaya erzählen von ihren Erlebnissen im krisengeschüttelten Nachkriegsfrankreich, von der Hoffnung auf einen demokratischen Aufbruch in der Tschechoslowakei, vom Stalinismus in Moskau. Der Film erzählt von der Euphorie in Jugoslawien über einen eigenen politischen Weg ohne die Sowjetmacht und er zeigt die Angst der Berliner, die gerade erst ihre Trümmer beiseite geschafft haben, vor den Drohgebärden der Großmächte. Texte von Anna Seghers und Simone de Beauvoir beleuchten diese Entwicklungen, die von Unsicherheit und Orientierungssuche geprägt sind. Selten gezeigtes Archivmaterial lässt den Zuschauer in die Zeit blicken, in der entscheidende Weichen für die Zukunft des Kontinents gestellt werden.

Mi, 30. Mai · 11:15-11:40 · 3sat
Grüningers Erbe

Nachdem der St. Galler Polizeikommandant Paul Grüninger aus dem Dienst entlassen wurde, ignorierten ihn die meisten. Auch diejenigen, deren Leben dank Grüninger gerettet wurde. Jonathan Kreutner ist nicht nur der Generalsekretär des Schweizerisch-Israelitischen Gemeindebundes SIG, sondern auch Historiker und vor allem: der Sohn eines dank Paul Grüninger Geretteten. Er ist betroffen von der Frage, warum Grüningers Andenken nicht bewahrt wird. Zusammen mit seinem Vater Robert besucht Jonathan Kreutner den alten Rhein – die Grenze zwischen der Schweiz und Österreich. Hier hat die Familie 1938 die Grenze passiert und damit ihr Leben gerettet. Nur durch die heimliche Intervention Grüningers konnten die Kreutners trotz des strikten Einreiseverbots in der Schweiz bleiben und überleben. Als Historiker bleibt Jonathan Kreutner aber nicht nur bei seiner Familiengeschichte. Er will vor allem wissen, warum es niemanden gab, der in der Schweiz der Nachkriegszeit den Mut aufbrachte, Paul Grüninger für seine Heldentaten zu danken. Er befragt Zeitzeugen und durchforstet Archive. Am Ende ist er der Schweizer Zeitgeschichte ein Stück näher gekommen.

Mi, 30. Mai · 23:20-00:15 · arte
Eva Hesse

Die Dokumentation erzählt das Leben der jüdischen Künstlerin Eva Hesse mit seinen Schicksalsschlägen und Hindernissen bis zum Erfolg in der männerdominierten New Yorker Kunstwelt. Sie nähert sich der Faszination, die Eva Hesse als Person auf ihre Mitmenschen ausübte, und zeigt, wie außergewöhnlich ihre Kunst zu ihrer Zeit war und wie eigenständig ihre künstlerischen Positionen noch heute weiterwirken. Zu Wort kommen unter anderem Evas Künstlerfreunde wie Sol LeWitt, Robert und Sylvia Mangold, Nancy Holt, Richard Serra, Dan Graham, Carl Andre und Werner Nekes, aber auch Experten wie Tate Gallery Direktor Nicolas Serota und die Schriftstellerin, Kunsttheoretikerin und Kuratorin Lucy R. Lippard.Die Regisseurin Marcie Begleiter, Professorin am Art Center College of Design Los Angeles und Dozentin an der Internationalen Filmschule Köln, hat sich von Eva Hesse seit Jahren fesseln lassen und auch ein erfolgreiches Theaterstück über ihr Leben geschrieben. Mit Hesse teilt sie die deutsch-jüdischen Wurzeln, die Erfahrung des Schritts aus den USA zurück ins Land der Eltern.Eva Hesse, die mit einem der letzten Kindertransporte vor den Nazis in die USA gerettet werden konnte, hatte ihre künstlerische Erweckung 1964/65 während eines Deutschland-Aufenthaltes in Essen-Kettwig; eine ihrer ersten Ausstellungen war im Düsseldorfer Kunstverein. Als sie 1970 in New York starb, hatte sie in dieser kurzen Zeit ein sehr eigenständiges Werk geschaffen.“Ich will meinen eigenen Weg finden. Es macht mir nichts aus, Meilen von jedem anderen entfernt zu sein; die besten Künstler waren die, die alleine standen,” sagte sie.

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