Dogan Akhanli erhält Europäischen Toleranzpreis

Der Europäische Toleranzpreis 2018 für Demokratie und Menschenrechte des Österreichischen PEN-Club und der Stadt Villach geht an den in Köln lebenden türkischen Schriftsteller Dogan Akhanli. „Die Auszeichnung erfolgt für seine humanistische Haltung, seinen aufrichtigen Umgang mit historischen Gewalttaten und sein uneingeschüchtert detailgenaues Schreiben“, so der PEN-Club in einer Erklärung…

„Dogan Akhanli hat die Willkür eines demokratiefeindlichen, autoritären Regimes mehrfach am eigenen Leib zu spüren bekommen und als unbescholtener Schriftsteller, der die freie Meinungsäußerung als Menschenrecht ansieht, mehrere Gefängnisse in der Türkei und jüngst eines in Spanien von innen kennengelernt, als dürfte – in einer manipulativen Umkehr der Tatsachen – keine gute Tat ungesühnt bleiben“, erklärte PEN-Vizepräsident Harald Kollegger bei der Preisverleihung.

Dogan Akhanli wurde 1957 in der Türkei geboren, lebt seit 1992 in Köln und ist deutscher Staatsbürger. Für seinen Kampf um Demokratie und Menschenrechte in seiner Heimat verbüßte er fünf Jahre nach dem Militärputsch 1980 eine zweijährige Haftstrafe im Militärgefängnis von Istanbul. 2010 wurde Akhanli in der Türkei unter dem Vorwand der Konspiration vier Monate in Untersuchungshaft genommen. Bis heute wird er von den türkischen Behörden europaweit verfolgt.

Über seine jüngste Verhaftung am 19.8.2017 in Spanien hat Dogan Akhanli ein Buch mit dem Titel „Verhaftung in Granada“ geschrieben. In einem anderen seiner Werke, dem dritten Band der Trilogie „Die verschwundenen Meere“, thematisierte er den Völkermord an den Armeniern, in einem weiteren mit dem Titel „Der letzte Traum der Madonna“, die Versenkung eines Frachters mit 700 jüdischen Flüchtlingen an Bord im Schwarzen Meer 1942 durch ein russisches U-Boot.

Humanistische Haltung und aufrichtiger Umgang

Der österreichische PEN-Club und die Stadt Villach verleihen Dogan Akhanli im Rahmen der Fresacher Toleranzgespräche 2018, deren Eröffnungsreferat „Sehnsucht nach Europa – Die Suche nach dem verlorenen Paradies“ der verdienstvolle Autor am 17. Mai 2018 gehalten hat, für seine humanistische Haltung, seinen aufrichtigen Umgang mit historischen Gewalttaten und sein uneingeschüchtert detailgenaues Schreiben den Europäischen Toleranzpreis für Demokratie und Menschenrechte.

Der Toleranzpreis soll künftig jährlich vergeben werden, eine individuelle Bewerbung ist nicht möglich. Der österreichische PEN-Club legt Wert auf die Feststellung, dass die Statuten für die Suche der Auszuzeichnenden gerade erarbeitet werden und ausgeschlossen ist, dass Vertreter/innen von Politik oder Parteien die Entscheidung beeinflussen.

Mehr Informationen zu den Europäischen Toleranzgesprächen auf: http://www.fresach.org

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Bild oben: Toleranzpreisverleihung in Fresach, Foto: Gerhard Kampitsch

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