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Inklusionsprojekt „Gesher“ der ZWST für jüdische Menschen mit und ohne Behinderung

Gesher - Freizeit in Bad Kissingen 2016

Die ZWST arbeitet auf vielen Ebenen für Inklusion. Eine wichtige Säule ist die Arbeit für Teilhabe von Menschen mit einer Behinderung in das Gemeindeleben und die deutsche Gesellschaft. Seit 2005 die erste Veranstaltung stattfand, die sich ausdrücklich auch an jüdische Menschen mit einer Behinderung richtete, ist ein vielseitiges Angebot für alle Altersgruppen gewachsen…

Von Wibke Rasumny, Geshermitarbeiterin

„Über Behinderungen spricht man nicht“ – das galt für viele Mitglieder jüdischer Gemeinden, die aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen waren. Schlechte Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem und die Erfahrung von Ausgrenzung hat bei vielen Betroffenen die Überzeugung gefestigt, dass sie für sich allein kämpfen müssen und eigene Behinderungen oder behinderte Familienmitglieder besser nicht offen zugeben. Doch diese Angst und die daraus folgende soziale Isolation stellt eine hohe zusätzliche Belastung für die Betroffenen und ihre Familien dar.

Das Thema Behinderung und jüdische Gemeinden in Deutschland

Inklusion, die selbstverständliche und gleichberechtigte Teilhabe von allen Menschen an der Gesellschaft und ihren Einrichtungen, ist aus jüdischer Perspektive ein wichtiger ethischer Wert. Jüdische Inklusionsarbeit ist von der Überzeugung getragen: So individuell, wie der Ewige jede und jeden erschaffen hat, leisten alle ihren ganz eigenen Beitrag für die Welt. In diesem Sinne ist es Anliegen der ZWST, nicht für Menschen mit Behinderung zu arbeiten, sondern mit ihnen. Dennoch geschieht Inklusion nicht von allein – konkret bedeutet das für die ZWST, die Rahmenbedingungen für gelingende Inklusion schaffen zu helfen.

Eine besondere Herausforderung für den Inklusionsgedanken in jüdischen Gemeinden in Deutschland liegt darin, dass viele Betroffene aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion eingewandert sind. Aufgrund ihrer Migrationsgeschichte fällt es ihnen oft schwer, Hilfsangebote anzunehmen. Durch negative Erfahrungen in der Sowjetunion ist die Behinderung häufig mit starker Scham besetzt. Die Leistungen des deutschen Gesundheits- und Pflegesystems sind ihnen nicht vertraut. Es bestehen Sprachbarrieren, die für Menschen mit einer geistigen, psychischen oder Sinnes-Beeinträchtigung oft schwer zu überwinden sind. Darum sind die jüdischen Gemeinden häufig die ersten Ansprechpartner und besonders gefordert, Mitglieder mit besonderen Bedürfnissen zu beraten und an weiterführende Hilfsangebote weiterzuleiten.

Die Rolle der ZWST bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung

Die ZWST möchte mit ihrer Inklusionsarbeit die Gemeinden bei der wichtigen Aufgabe unterstützen: MitarbeiterInnen in den Sozialabteilungen der Gemeinden fortbilden, Hemmschwellen bei den Gemeindemitgliedern abbauen und niedrigschwellige Angebote schaffen, die Betroffene und ihre Familienangehörigen dort abholen, wo sie stehen. Die mittlerweile mehr als 10-jährige Erfahrung zeigt, dass durch Information, Vernetzung und Freizeitangebote in Gemeinden jüdische Menschen mit einer Behinderung und einem Migrationshintergrund aus der Isolation herausfinden können und zu mehr Lebensfreude finden, indem sie am jüdischen Gemeindeleben und der deutschen Gesellschaft teilhaben.

Die drei Wege, auf denen die ZWST sich für die Inklusion von Menschen mit Behinderung einsetzt, sind:

 

Die ZWST bietet auf regionaler Ebene in jüdischen Gemeinden Informationsveranstaltungen allgemein zum Thema Behinderungen, aber auch zu spezifischen Behinderungen und Krankheitsbildern, wie z.B. Depression, an. Im Fokus steht hier Information über die Strukturen des deutschen Gesundheits- und Pflegesystems und Beratung für Betroffene und ihre Angehörigen, welche Beratungsstellen es gibt, welche Unterstützungsmöglichkeiten für sie existieren und wie man sie beantragt.

Außerdem wird die Gründung von Selbsthilfegruppen in Jüdischen Gemeinden gefördert. So bestehen zum Teil schon seit  Jahren Selbsthilfegruppen in Frankfurt am Main, Düsseldorf, Nürnberg, Magdeburg und anderen Städten. In Jüdischen Gemeinden wie beispielsweise in Köln und  Recklinghausen erkunden Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen in Schreibwerkstätten mit theaterpädagogischem Anteil ihre persönliche Lebensgeschichte und entwickeln Visionen für ihre Zukunftsplanung. Auch bei Interesse an der Suche oder Neugründung von Wohngruppen für behinderte Menschen kann die ZWST Hilfestellung leisten.

Ein wichtiger Bereich ist auch die Schulung und Fortbildung von MitarbeiterInnen in den Sozialabteilungen der Jüdischen Gemeinden, da diese oft die ersten Ansprechpartner für ratsuchende Betroffene und Familienangehörige sind. Die ZWST veranstaltet Fachtagungen und überregionale Fortbildungen zu psychischen Erkrankungen und Behinderungen mit erfahrenen  ReferentInnen. Hierbei werden grundlegende Fragen im Umgang mit Behinderung besprochen, aber auch aktuelle Entwicklungen im Behindertensektor; nicht zuletzt bieten diese Veranstaltungen auch die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch von Betroffenen, Angehörigen und Gemeinde-MitarbeiterInnen.

Außerdem engagiert die ZWST sich für Behinderte und psychisch Kranke und ihre Angehörigen, indem sie Bildungsfreizeiten und Betreuungsfreizeiten für Menschen mit besonderen Bedürfnissen anbietet. Diese finden in den ZWST-eigenen Einrichtungen in Bad Kissingen und Bad Sobernheim statt. Besonders wertvoll werden sie von Familien erlebt, die an ihrem Wohnort keine jüdische Gemeinde in ihrer Nähe haben. Auf den ZWST-Freizeiten erleben sie, dass sie nicht allein sind, und finden ein soziales Netzwerk mit Menschen in ähnlichen Situationen, das sie in ihrem Alltag häufig vermissen. Auf dem Programm stehen getrennte Angebote für die Behinderten und ihre Angehörigen, wie z.B. Workshops zu Kunst und Gestaltung, israelischer Tanz, Vorträge durch Fachleute sowie gemeinsame Spaziergänge.

Seit 2013 initiiert die ZWST zusätzlich spezielle Projekte, die gezielt bestimmte Personengruppen ansprechen. So haben  Betroffene und ihre Angehörigen im Rahmen des Autismus-Projektes spezielle Informationen über dieses Behinderungsbild erfahren. Schwerpunktmäßig in Süddeutschland ist das ‚Inklusionsprojekt für Kinder und Jugendliche‘ aktiv, das Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung in bestehende und neu entwickelte adäquate Aktivitäten der jüdischen Gemeinden Süddeutschlands stärker einbindet als bisher.

Hinweise zu den Aktivitäten des Projektes, aber auch Informationen zum Sozialrecht in russischer Sprache finden sich auf der Webseite http://www.zwst.org/de/menschen-mit-behinderung/

Weiterführende Informationen können auch direkt erfragt werden:

Marina Chekalina
Tel.: 069 / 944 371-19 (Mo.-Do., 10-17 Uhr)
E-Mail: chekalina(at)zwst.org  

VERANSTALTUNGSHINWEIS

Das Sozialreferat der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland führt eine Fachtagung zum Thema „Junge Familien mit einem behinderten Kind“ durch. Sie findet am Donnerstag, den 31.Mai 2018 in der Synagogen Gemeinde Köln, Ottostraße 85/ Eingang  Nußbaumerstraße 50823 Köln-Ehrenfeld, statt und richtet sich an Familien, Mitarbeiter und Multiplikatoren in den Jüdischen Gemeinden.

Themen:

  1. a) Umgang mit herausforderndem Verhalten von Kindern / Jugendlichen
    b) Überblick über Unterstützungsmöglichketen für Familien
    c) Erfahrungen aus der Arbeit mit betroffenen Familien in der jüdischen Gemeinschaft

 

Teilnahmegebühren:

 

Verpflegung, Fahrtkosten und Unterbringung (bei Bedarf) werden von der ZWST übernommen.

Anmeldung bis Montag, den 30.04.2018.

Kontakt: 
Marina Chekalina   
ZWST e.V.  Hebelstr.6  60318 Frankfurt am Main
Tel.: 069 – 94 43 71-19 / Fax: 069 – 49 48 17
E-Mail: chekalina(at)zwst.org

 

Социальный отдел Центральной благотворительной организации евреев Германии (ZWST) проводит очередное информационное мероприятие для родителей и родственников детей с когнитивными расстройствами и сотрудников еврейских общин.

Мероприятие состоится в четверг, 31 мая 2018 в помещении Синагогальной общины г. Кельна по адресу: Ottostraße 85/ Nußbaumerstraße 50823 Köln-Ehrenfeld

Темы:

  1. a) Работа с детьми и подроcтками с поведенческими проблемами
  2. b) Обзор возможностей поддержки семей
  3. c) Опыт работы в еврейских общинах с семьями с подобными проблемами

 

Стоимость участия:

 

Расходы на проезд, питание и проживание (в случае необходимости) будут возмещены.

Все желающие могут зарегистрироваться до понедельника, 30.04.2018.

Контакт:        

Марина Чекалина
ZWST e.V.  Hebelstr.6  60318 Frankfurt am Main
тел: 069-94 43 71-19;  факс: 069-49 48 17;  E-Mail: chekalina(at)zwst.org