Kampf gegen Antisemitismus ist Aufgabe von uns allen

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßt ausdrücklich den am Donnerstag im Bundestag verabschiedeten Antrag zur Bekämpfung des Antisemitismus. Damit haben die Parlamentarier deutlich signalisiert, dass sie die Sorgen der jüdischen Gemeinschaft ernst nehmen. Der Kampf gegen Antisemitismus ist Aufgabe von uns allen. Der respektvolle Umgang mit Minderheiten gehört zu den grundlegenden Werten unserer Demokratie…

Die Einsetzung eines Antisemitismusbeauftragten ist im Kampf gegen den Judenhass ein wirkungsvolles Instrument. Ein solcher Beauftragter muss zudem dafür sorgen, dass die Forderungen des Antrags umgesetzt werden. Um ressortübergreifend tätig werden zu können, sollte die Stelle des Antisemitismusbeauftragten im Bundeskanzleramt eingerichtet werden.

Wichtig ist weiterhin, dass die Gesellschaft als Ganzes Flagge zeigt gegen jede Form von Antisemitismus. Dazu brauchen wir auch zukünftig eine starke Zivilgesellschaft, die nachhaltig gefördert wird.

Zum Antrag erklärt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster:
„Es ist gut, dass der Bundestag alle Formen des Antisemitismus behandelt hat. Wir müssen uns ebenso sehr mit dem Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft wie bei Rechtsextremen, Muslimen und Israel-Hassern auseinandersetzen. Ein stärkeres Vorgehen gegen die BDS-Bewegung ist dringend notwendig. Daneben ist es überfällig, in den Lehrplänen der Integrationskurse das Thema Antisemitismus stärker zu berücksichtigen. Einen Generalverdacht gegen Muslime oder gar eine Instrumentalisierung des Themas, um diese religiöse Minderheit auszugrenzen, lehnen wir jedoch ausdrücklich ab.“

Berlin, 18. Januar 2018 / 2. Schwat 5778

4 Kommentare zu “Kampf gegen Antisemitismus ist Aufgabe von uns allen

  1. Die Pforten der Hölle und der Antisemitismusbeauftragte

    Chajm, 19. Januar 2018 – 3 Shevat 5778 Permalink

    http://www.sprachkasse.de/blog/2018/01/19/die-pforten-der-hoelle-und-der-antisemitismusbeauftragte/

    […] Spannend wird es nun durch die Änderung des Rituals. Es wird nämlich einen »Antisemitismusbeauftragten« geben. Daran arbeitet die wir-sind-alle-gemeint-Politik derzeit und dann ist nicht mehr die Gesellschaft zuständig, sondern der Antisemitismusbeauftragte. Oder Schlußstrich-Beauftragte, je nachdem, welche Sicht man auf die Dinge hat. Der wird die Beschwerden entgegennehmen und warme Worte dazu finden. In Zukunft kann man dann sagen: Wir haben doch schon einen Antisemitismusbeauftragten?!

    Wie die »Community« darauf reagiert, das kann ich schon jetzt prognostizieren: …

  2. https://www.futurelearn.com/courses/antisemitism/1

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    We will examine different periods and societies, exploring the development of antisemitism as well as its changing nature over time, place and culture.

  3. Was soll das bringen. Man kann nicht mit Anträge die Gesinnung der Menschen ändern.
    Mein Vater hat mit 13 (1942)seine Eltern im KZverloren. Und war im KZ Auschwitz,bergen belsen mathausen. Ich bin 1974 geboren und hatte nichts mit der zeit zu tun. Aber mein Vater hat seinen Hass auf mich abgelassen. Jetzt bin ich 43 und meine ganze Familie hat sich das Leben genommen. 1984 mein Vater. 1996 ist meine Schwester vor die bahn gesprungen. 2002 hat sich meine Mutter das leben genommen. Nachdem ich sie 3 Jahre geflegt hab.
    Nach außen hab ich fast nie meine Herkunft gesagt. Außer Personen die ich schon gut kenne.
    da ich auf dem bau arbeite lerne ich viele Leute kennen .
    Und muß sagen Juden sind nur Abschaum für die meisten Leute. Ich bewege mich zwischen den Welten.

    Ich bin hier geboren und fühle mich auf jeden Fall alleine gelassen auf beiden Seiten. Mein Vater wollte nicht das man uns als Juden erkennt. Als er sich das leben nahm hat er einen großen Davids Stern an der Haustür rein geritzt. Hab es als 10 jähriger nicht verstanden.
    Wie so vieles andere.
    Hab immer das beste versucht aus meinen leben zu machen. Hab nie aufgeben.( Hab ich wohl von meinen Vater).
    Aber Anträge werden das nicht ändern.
    Bin einfach nur noch enttäuscht von beiden Seiten. Von der jüdischen Gemeinde die mir nach der Tragödie nicht hilft. und vom deutschen Staat der mir auch nicht geholfen hat. Für die jüdische Gemeinde bin ich kein Jude da meine Mutter deutsche ist. Und für den deutschen Staat bin ich ein Jude.
    Und deren Einstellung ist nicht anders als die anderen die ich kennen gelernt habe.
    Warum so ein Antrag. Ich weiß schon was viele Leute sagen werden.
    Man hat das ja gesehen in Berlin als die flaggen von Israel verbrannt wurden.

    Wir werden in diesem und anderen Ländern immer gehasst werden. Und Anträge werden das nur verstärken.

    Also kann man sich nicht darüber freuen. Ich werde das schon sehen wie noch mehr Hass dadurch verursacht wird.
    Werde gerne darüber berichten was für aussagen kommen.

    • Hallo Zwischenwelt,

      ich hoffe, du bist einverstanden, wenn ich dich duze.

      Zunächst scheint mir die politische Stoßrichtung des Artikels in die Richtung zu gehen, dass die Bekämpfung des Antisemitismus nicht nur Sache der hier lebenden Juden sein kann. Im Gegenteil – so sehe ich das – ist es nicht bloß die „Aufgabe von uns allen“ sondern vorrangig die Aufgabe der nichtjüdischen Mehrheit, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, dass der Antisemitismus in allen seinen Erscheinungsformen zurückgedrängt wird.

      Dass dies mit einem entsprechenden Beauftragten besser gelingt, da habe ich allerdings auch erhebliche Zweifel und stimme deiner Skepsis hier zu. Nach meiner Beobachtung kommt die hauptsächliche Bedrohung aus zwei Richtungen. Einmal ist ein erheblicher Teil unserer Gesellschaft infiziert mit dem israelbezogenen Antisemitismus. Dieser ist beängstigend weit verbreitet, besonders in linken, linksliberalen, sozialdemokratischen und kirchlichen Kreisen und Medien. Darin sehe ich mit Abstand die größte Gefahr. Dadurch fühlt sich die zweite große Gruppe – die aus Muslimen, muslimischen Migranten und Flüchtlingen besteht – ermuntert, ihren Hass auf Israel (=Juden) ebenfalls ausleben zu können. Sie spüren die Sympathien der erstgenannten Gruppe, deren politisches und moralisches Versagen absolut unentschuldbar ist.
      ——-
      Nun zum zweiten Teil deines Beitrages. Lieber Freund, ich gebe zu, ich war schockiert von deinen Ausführungen zu der tragischen Geschichte deiner Familie und gleichzeitig ratlos, was ich dazu sagen kann, oder darf, ohne überheblich zu wirken oder Grenzen zu überschreiten. So wie ich es verstanden habe, hat dein Vater nicht versucht, professionelle Hilfe von außen zu suchen. Das wäre eine Möglichkeit gewesen, zumindest die schlimmsten psychischen Verletzungen – wenngleich nicht zu heilen – aber vielleicht zumindest zu lindern.

      Andererseits verstehe ich ihn auch, was soll er noch alles machen? Er ist mit seiner Familie ohne das geringste eigene Verschulden in die grauenhaftesten Situationen gekommen, die Menschen erleiden können. Das ist erheblich mehr, als ein Einzelner es ertragen kann. Niemand, außer dir, hat das Recht, ihm Vorwürfe zu machen. Die Haltung, deine familiären Zusammenhänge für dich zu behalten, kann ich gut verstehen – hätte ich an deiner Stelle auch gemacht.

      Eine Frage bewegt mich noch: Wie hast du es geschafft, diese Situation augenscheinlich zu überstehen?

      Herzliche Grüße und alles erdenklich Gute
      nussknacker56

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