Holocaustgedenken in Kosova

Votim Demiri, Vorsitzender der „Jüdischen Gemeinde in Kosova“ (Bashkësisë Hebraike të Kosovës ) veröffentlichte in der Tageszeitung Koha Ditore einen langen Artikel zum Holocaustgedenktag in Kosova…

Darin erinnert er sich auch an die Opfer in seiner Familie und zitiert aus einigen Dokumenten.
Artikel in Auszügen – Übersetzung Max Brym

Die Präsenz von Juden in den Gebieten Kosovas reicht bis ins 15. Jahrhundert nach der Flucht aus Spanien und Portugal zurück. Im Laufe der Jahre bauten sie ein organisiertes Leben auf, hatten ihre Schule (Jeschiwa), ihre Kommune, ihre Synagogen, welche die osmanische Zeit überstanden hatten, erst 1963 wurde das jüdische Leben vom damaligen Regime zerstört.

Bis 1943 erlebte meine Familie keine Tragödie. Nachdem ein Teil meiner Familie den Holocaust überlebt hatte kamen sie nach Prishtina zurück und erhielten von ihren albanischen Nachbarn versteckte Kisten, mit religiösen Gegenständen ausgehändigt.

Aus Ruth Bahar Demiris Aussage: -Ich wurde 1924 in Priština in einer jüdisch-patriarchalischen Familie geboren. Bis 1943 lebte ich in Pristina, zu dieser Zeit lebten etwa 460 Juden in Pristina. Wir wurden als „Ungerechte“ behandelt und mussten einen Gelben Stern tragen. Die Männer wurden von den Italienern zur Zwangsarbeit herangezogen. Damals war ich Teil einer illegalen antifaschistischen Jugendorganisation Die Arbeit fand unter sehr schwierigen Bedingungen statt und dauerte bis Mai 1943, Dann wurden wir – ein Teil meiner Familie- nach Berat in Albanien transportiert.

Als Italien kapitulierte, versteckten wir uns alle im Wald, indem wir nur drei Tage blieben. Wir kehrten Ende 1943 nach Pristina zurück. Nach unserer Ankunft in Pristina merkten wir dass die Deutschen neue Listen für die Deportation in die Nazi-Lager vorbereitet hatten. Wir betätigten uns wieder illegal in unserer antifaschistischen Organisation. Bei einem Treffen traf ich Gani Demiri aus Prizren. Im Mai 1944 wurden fast alle noch bekannten Juden aus Prishtina in das Lager Bergen-Belsen deportiert. Von dort kehrte mein Vater, meine Mutter, sowie mein großer Bruder nicht zurück. Sie wurden ermordet. Die anderen Familienmitglieder, zwei weitere junge Brüder und zwei Schwestern, kehrten nach der Befreiung 1945 heim und leben heute in Israel. Nach der Deportation der Juden in das Lager Bergen-Belsen gingen ich und Gani Demiri durch gute Beziehungen nach Tirana. Dort nahmen wir Verbindungen zu den Partisanen auf und schlossen uns der „Ersten Proletarischen Albanischen Brigade“ an. Mit dieser Brigade kehrten wir nach Kosovo zurück und wurden ein Teil der „Vierten antifaschistischen Brigade“ in Kosova. Ich wurde 1945 in Gjilan wieder Zivilist nachdem die Faschisten geschlagen waren.

Ungefähr 460 Juden lebten vor dem Krieg in Pristina, es gab viele Ehen zwischen Juden, nur sehr selten entstanden Mischehen. Jüdische Kinder gingen in eine religiöse Schule und unser Lehrer war Sinjor Ruby. In derselben Klasse waren Jungen und Mädchen und wir saßen auf Holzbänken ohne Kissen. Wir lernten literarisches lesen auf Hebräisch und blieben der jüdischen religiösen Tradition treu. Juden in Pristina hatten nie Konflikte mit ihren Nachbarn. Alle waren zu dieser Zeit loyale Bürger und benahmen sich ehrlich. Es gab keine einzige Situation, in der die Juden Probleme mit Angehörigen einer anderen ethnischen Gruppe hatten. „Es gibt so viele Beweise für den Mut und Humanismus der Kosovo-Albaner gegenüber den Juden, aber es muss akzeptiert werden, dass die Publizisten und Historiker im Kosova nicht viel dazu beigetragen haben, das Leben der Juden im Kosova darzustellen. Die Gemeinschaft der Kosova-Hebräer wurde durch das JDC wiederbelebt, welche 1999 als humanitäre Organisation nach Kosova kam und zur Wiederauferstehung der Kosovo-Jüdischen Gemeinde mit Sitz in Prizren beitrug Auch bei der Renovierung von Gebäuden,der Unterstützung von Schulen mit Möbeln und vielen anderen Hilfsmitteln war die Organisation, in der Nachkriegszeit sehr hilfreich-

Die Republik Kosova und die kosovarische Gesellschaft legten ebenfalls besonderen Wert auf die Wiederbelebung des jüdischen Lebens in Kosova. Die jüdische Gemeinschaft des Kosova ist ein untrennbarer Bestandteil aller Entwicklungen in Kosova und trägt mit Hingabe zum Aufbau einer toleranten und fortschrittlichen demokratischen Gesellschaft bei. Unsere Existenz in Prizren ist ein seltener Fall für ganz Kosova. Im Jahr 2013 hat die kosovarische Regierung auf Initiative des Kongressabgeordneten Eliot Engel, zusammen mit der „Jüdischen Gemeinde Kosovas“ eine Kachel zur Erinnerung an die im Holocaust umgekommenen Juden eingeweiht. Die Gedenktafel befindet sich im Hof der Regierung Kosovas, genau dort, wo die letzte Synagoge stand.

Die „Jüdische Gemeinde Kosovas“ hat zusammen mit allen anderen bestehenden Religionsgemeinschaften lange an dem Gesetz über die Religionsfreiheit in Kosova gearbeitet, in dem das Judentum als eine der fünf traditionellen Religionen Kosovas aufgeführt ist (die Islamische Gemeinschaft des Kosovas, die katholische Kirche, die Serbisch-Orthodoxe Kirche, die Jüdische Gemeinde des Kosovas, sowie die Protestantische Kirche). Seit 2013 ist die Jüdische Gemeinde des Kosovo als vollwertiges Mitglied des „Europäischen Jüdischen Parlaments“ anerkannt und nimmt an jährlichen Treffen in verschiedenen europäischen Ländern teil. Wir sind Teil des Jüdischen Weltkongresses.

Quelle http://www.koha.net/veshtrime/71714/ne-perkujtim-te-familjes-time-dhe-te-gjithe-atyre-qe-humben-jeten-ne-holokaust/

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