Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 31. Januar 2018…

Di, 16. Jan · 02:00-03:15 · arte
Die Familie Yatzkan

Anna-Célia Kendall-Yatzkans Mutter, Tiya Yatzkan, war Malerin und hinterließ nach ihrem Tod Selbstporträts, Gemälde, unzählige Zettel, Briefe, Notizen und ein altes Klavier. Die Jüdin verließ Polen im Jahr 1938 und flüchtete gerade noch rechtzeitig nach Paris. Für den Dokumentarfilm beginnt die Filmemacherin, im Nachlass ihrer Mutter zu stöbern: Aber wie soll man seine Wurzeln finden, wenn man nicht weiß, wo man sie suchen soll? Und wohin mit den ganzen Hinterlassenschaften wie dem alten Klavier? Ihre Reise in die eigene Vergangenheit beginnt mit einem unscheinbaren Zettel, den sie in einer alten Schachtel findet. Sie führt zur Geschichte ihres Großvaters Schmuel Yakov Yatzkan, den sie nie kennengelernt hat. Er soll im Jahr 1908 in Warschau die erste jiddische Tageszeitung „Haynt“ gegründet haben, ein Vorzeigeblatt der einst blühenden jiddischen Kultur. In Warschau hat sich die Zeitung nie vom ersten Weltkrieg erholt, und 1920 fühlt er sich gezwungen die Leitung abzugeben. 1926 gründet er in Paris die Tageszeitung „Parizer Haynt“, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1936 arbeitet. Er bietet den Einwanderern, die durch Hunger und Pogrome vertrieben wurden, Orientierung. Anna-Célia Kendall-Yatzkan kann es kaum glauben, dass ihr Großvater ein berühmter Pionier der jiddischen Presse war. Sie folgt seinen Spuren, vom litauischen Jiddischland des 19. Jahrhunderts bis nach Paris. Die Chronik ihrer Familie erzählt von den Wunden der Geschichte, davon, wie eine Familie durch die Schoah zerrissen wurde. Der Dokumentarfilm kittet die Brüche in der Familiengeschichte und sucht nach Versöhnung. Außerdem beleuchtet er nicht ohne Humor ein ausgelöschtes Stück europäische Geschichte. Schließlich weiß die Filmemacherin am Ende ihrer Identitätsfindung sogar eine Antwort auf die scheinbar banale Frage, was sie mit dem alten Klavier anfangen soll, die Ausgangspunkt ihrer persönlichen Recherchen war. Nun kann sie sich endlich vom umfangreichen Nachlass ihrer Mutter trennen.

Mi, 17. Jan · 02:30-03:25 · arte
Durch die Nacht mit … Feo Aladag und Noa

ARTE begleitet zwei außergewöhnliche Frauen durch das nächtliche Tel Aviv. Die eine ist temperamentvoll, die andere äußert sich eher durchdacht, und beide sind starke Frauen, die für ihre Überzeugungen einstehen und die ihrer Arbeit mit Lebenslust und Leidenschaft nachgehen. Mit der Filmemacherin Feo Aladag und der Sängerin und Friedensaktivistin Noa unternimmt der Zuschauer einen Streifzug durch die israelische Metropole.Beim Schlendern über den Markt wird Noa wegen ihrer politischen Auffassung von Händlern beschimpft und beleidigt, doch sie sucht die Diskussion und es gelingt ihr sogar zu überzeugen. Am Rabin-Platz erzählt sie, wie sie die Ermordung des ehemaligen Ministerpräsidenten ganz nah miterlebt hat, und redet mit Feo über die politische Situation Israels. Beim Abendessen dann sprechen sie offenherzig über Sex und Kindererziehung. Anschließend empfängt der Regisseur Tomer Heymann die beiden in Tel Avivs Problemviertel. Er erzählt von einer Gruppe transsexueller Filipinos, die im orthodoxen Viertel als Pfleger tätig waren und ausgewiesen wurden. Am Ende besuchen die Frauen eine speziell für sie aufgeführte Drag-Queen-Show in einem der coolsten Clubs der Stadt. Im Laufe des Abends schaffen es Feo und Noa, ihre Verschiedenheit zu überwinden und einen Weg zueinander zu finden – genau, wie sie es in ihrer Arbeit tun, und so, wie man es sich in Israel herbeisehnt.

Mi, 17. Jan · 21:55-22:50 · arte
Der grausame Gott? Gewalt, Religion und Kunst

Menschen töten im Auftrag ihrer Religion – so sagen sie. Menschen töten Menschen aus Gehorsam zu Gott – so verkündigen sie es. Das aber habe mit Religion nichts zu tun, sagt der französische Grand Imam Tareq Oubrou. Nichts rechtfertige einen Mord, betont der Rabbiner Michaël Azoulay. Religion sei zu allen Zeiten missbraucht worden, gibt die evangelische Dompredigerin Petra Zimmermann zu bedenken. Der Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann wiederum warnt, dass man die heiligen Schriften nicht wortwörtlich nehmen dürfe, sondern sie stets im Kontext deuten müsse. Das gilt auch unbedingt für die Geschichte der Opferung Isaaks, eine der rätselhaftesten Geschichten der Bibel und des Korans überhaupt. Darin wird Abraham von Gott befohlen, seinen Sohn Isaak zu töten, um seine Gottesfurcht unter Beweis zu stellen. Es ist eine verstörende Geschichte, in der ein scheinbar grausamer Gott Blut fordert und dann im letzten Moment doch Gnade walten lässt. Eine geradezu gefährliche Geschichte, die viele Fragen aufwirft, darunter eine, die uns aktuell beschäftigt: Wieso sind Menschen bereit, im Namen ihres Glaubens zu töten und zu sterben? Judentum, Christentum und Islam haben diese dramatische Geschichte um Gottesfurcht, Glauben und Gehorsam auf unterschiedliche Art gedeutet. Aber auch in der Kunstgeschichte, in den Werken Rembrandts oder Caravaggios etwa, ist sie immer wieder Gegenstand der Auseinandersetzung gewesen. Auch der britische Filmemacher Peter Greenaway und die niederländische Künstlerin Saskia Boddeke haben sie zum Thema ihrer aktuellen Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin gemacht. Das Künstlerpaar begreift die Opferung Isaaks als menschliches Drama und setzt sie in seinem künstlerischen Szenario in Beziehung zu den aktuellen politischen Ereignissen, Kriegen und Attentaten. In der Dokumentation kommen unter anderem das Künstlerpaar Greenaway und Boddeke, der Grand Imam Tareq Oubrou, der Rabbiner Michaël Azoulay, die evangelische Dompfarrerin Petra Zimmermann sowie der Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann zu Wort.

Mi, 17. Jan · 23:00-00:55 · RBB
Rosa Luxemburg

„Wie kommt das, dass Menschen über andere Menschen entscheiden dürfen?“ Im Gefängnis notiert Rosa Luxemburg eine Frage, die sie ihr Leben lang umgetrieben hat: als politische Autorin, Rednerin, Führerin der deutschen Sozialdemokratie und des revolutionären Spartakusbunds. Margarethe von Trottas passioniert inszenierter historischer Film sucht nach den utopischen Versprechen in der Vita einer Frau, die für die einen die „blutige Rosa“, für die anderen eine politische Ikone war. Ein Gefängnis in Warschau, 1906. Die „Vorwärts“-Redakteurin Rosa Luxemburg (Barbara Sukowa) ist unter dem Eindruck der Ersten Russischen Revolution nach Polen gekommen, um mit ihrem Geliebten Leo Jogiches (Daniel Olbrychski) die Ideen der Arbeiterbewegung zu verbreiten. Es ist nicht ihre erste Haft. Geboren 1871 als Tochter einer wohlhabenden, polnisch-jüdischen Kaufmannsfamilie, hatte Luxemburg früh begonnen, sich politisch zu exponieren. Nach ihrer Promotion zum Dr. jur. ließ sie sich in Berlin nieder und trat der SPD bei. Innerhalb der deutschen Sozialdemokratie, neben Figuren wie August Bebel (Jan-Paul Biczycki) und Karl Kautsky (Jürgen Holtz), wirkte sie wie ein Paradiesvogel: eine eigenwillige, dem Leben zugewandte Frau, kompromisslos im Privatleben und in ihrer Politik. Nachdem Bebel ihre Freilassung aus der Warschauer Zitadelle erkauft hat, gerät die hoch begabte Journalistin und Rednerin in Konflikt mit der zunehmend staatstragenden Linie ihrer Partei. Verbündete findet sie in Clara Zetkin (Doris Schade), mit deren Sohn Kostja (Hannes Jaenicke) sie ein Verhältnis beginnt, und schließlich in Karl Liebknecht (Otto Sander), dem einzigen Reichstagsabgeordneten, der 1914 gegen die Kriegskredite stimmt. Luxemburgs leidenschaftliche Reden gegen den Krieg führen zum Zerwürfnis mit der SPD, zu Prozessen und weiteren Haftstrafen. Aber weder Isolation noch Krankheit brechen ihren Geist. Als Mitbegründerin des „Spartakus“-Bunds und Redakteurin der „Roten Fahne“ setzt sie nach dem Krieg ihre Arbeit unter veränderten Vorzeichen fort. Den Optimismus ihres Genossen Liebknecht, der auf eine deutsche Revolution hofft, teilt sie allerdings nicht. Und die Ereignisse geben ihr auf furchtbare Weise recht: In der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 werden Luxemburg und Liebknecht verhaftet und ermordet.

So, 21. Jan · 23:35-01:25 · Das Erste (ARD)
Der Kongress

Schauspieldiva Robin Wright steht vor einer kniffligen Entscheidung. Längst über den Zenit ihrer glänzenden Karriere hinaus, laufen ihr jüngere Darstellerinnen den Rang ab. Um als Star nicht verdrängt zu werden, bietet man ihr eine Chance: Sie soll sich komplett scannen lassen und dem Filmstudio alle Rechte am digitalen Ebenbild abtreten. Der lukrative Deal hat aber einen Haken: Damit sie in den Augen des Publikums alterslos bleibt, darf Robin selbst nie wieder vor die Kamera treten. Für diese kühne Vision über die Zukunft des Kinos ließ sich Kultregisseur Ari Folman von Stanislaw Lem inspirieren. Mutig verkörpert Hollywoodstar Robin Wright darin sich selbst. Robin Wright (Robin Wright) gilt als launische Diva, die mit Rollenangeboten sehr wählerisch umgeht und Filmproduzenten schon viel Geld gekostet hat. Doch inzwischen hat die charismatische Darstellerin den Zenit ihrer glänzenden Laufbahn überschritten. Um ihren Starruhm zu sichern, unterschreibt sie auf Drängen von Studioboss Jeff Green (Danny Huston) und ihres langjährigen Agenten Al (Harvey Keitel) ihren letzten Vertrag. Wie schon einige Darsteller vor ihr lässt Robin ihre Gestik, ihre Mimik sowie ihr gesamtes Ausdrucksrepertoire einscannen. Mit dem Erwerb des Images „Robin Wright“ können die Miramount Studios nun ihr digitales Abbild beliebig oft in Filmproduktionen einsetzen – sie selbst wird nicht mehr gebraucht. Während ihr altersloses Ebenbild in zahllosen Fantasyfilmen erscheint, verschwindet das Original in der Versenkung. Erst 20 Jahre später hat sie wieder einen öffentlichen Auftritt, als das Studios die nächste Revolution der Filmproduktion verkündet und mit der authentischen Robin für ihr neues Produkt wirbt. Doch während der Gala, zu der die geladenen Gäste nur in Gestalt ihrer Avatare erscheinen, kommt es zu einem Zwischenfall: Rebellen stürmen die Bühne und behaupten, das Leben der Menschen sei nur noch eine manipulierte Halluzination. Mit dieser bildgewaltigen Fantasie über die Zukunft des manipulierten Menschen lotet Ari Folman die Grenzen des Kinos neu aus. Nach dem bewegenden Intro, in dem Stars wie Harvey Keitel, Danny Huston und Robin Wright auftreten, katapultiert der Film seine Figuren in eine psychedelische Welt aus farbenprächtigen Animationen. „Der Kongress“ verblüfft als entfesselter Bilderrausch, der zuweilen an Klassiker wie „Yellow Submarine“ erinnert. Der israelische Visionär entwickelt die faszinierende Verknüpfung von Realfilm und Animation weiter, die schon „Waltz with Bashir“ zu einem Publikumserfolg machte. Bei dieser fantastischen Kinoreise greift Folman auf eine Vorlage des polnischen Kultautors Stanislaw Lem zurück, der das Science-Fiction-Genre mit Klassikern wie „Solaris“ prägte.

Mo, 22. Jan · 22:45-23:30 · Das Erste (ARD)
Hitlers letzte Mordgehilfen?

Es ist ihre letzte Chance, NS-Verbrecher hinter Gitter zu bringen: Bei der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg und bei der Staatsanwaltschaft Dortmund laufen die Ermittlungen gegen die letzten lebenden Nazi-Verbrecher auf Hochtouren. Nur noch wenige, die in den KZ Aufseher waren, sind heute noch am Leben und können vor Gericht gebracht werden. Kriminalistisches Puzzle und ein Wettlauf gegen die Zeit Angeschoben wurde der Endspurt der Ermittler durch einen historischen Wendepunkt in der deutschen Rechtsprechung: In den Verfahren gegen Iwan Demjanjuk und Oskar Gröning (2011 und 2016) wurden zum ersten Mal in der jüngeren Rechtsgeschichte SS-Wachmänner verurteilt, obwohl sie selbst nicht gemordet hatten. Durch ihren Wachdienst waren sie jedoch Teil des Vernichtungssystems und hatten somit das massenhafte Töten von KZ-Häftlingen ermöglicht. Deshalb nehmen sich jetzt die Ermittler ein Konzentrationslager nach dem anderen vor. Und tatsächlich machen sie immer noch KZ-Wachmänner ausfindig, nach denen vor der neuen Rechtsprechung schlicht nicht gesucht wurde. Über all die Jahrzehnte lebten diese unbehelligt in Deutschland – bis jetzt. Im Mittelpunkt des Films stehen die Ermittler: Staatsanwälte und Kriminalbeamte erzählen ganz persönlich, wie sie vorgehen und was sie motiviert, heute in Archiven und an historischen Tatorten auf Tätersuche zu gehen. Sie nehmen die Autoren mit auf ihre Spurensuche und geben ihnen Einblick in die kriminalistischen Methoden, mit denen die Täter der Beteiligung am hundertfachen Mord überführt werden sollen. Die Filmemacher begleiten die Staatsanwälte und Kriminalbeamte bei ihren aktuellen Ermittlungen gegen zwei ehemalige SS-Wachmänner des Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig und auf ihrer Suche nach weiteren Tätern. Gerade weil die Taten mehr als 70 Jahren zurückliegen, ist das für die Ermittler ein ständiger Wettlauf gegen die Zeit – die verbleibende Lebenszeit der mutmaßlichen Täter. Doch es geht auch um die Überlebenden des Holocaust und die Angehörigen der Ermordeten. In Israel begleitet der Film einen deutschen Rechtsanwalt, der für die anstehenden Stutthof-Verfahren in sehr persönlichen Gesprächen Überlebende des KZ als Nebenkläger gewinnt. Ihre Sicht ist wichtig und auch die des deutschen Anwalts: Jahrelang hat er selbst als Staatsanwalt in der Zentralen Stelle in Ludwigsburg gearbeitet und dabei auch die Schwächen und Fehler der bisherigen deutschen NS-Strafverfolgung kennengelernt.

Mo, 22. Jan · 23:30-00:15 · Das Erste (ARD)
Der Mossad, die Nazis und die Raketen

Die Rakete steigt steil in die Höhe über der Wüste. Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser ist zufrieden. Deutsche Experten sichern ihm einen ungeheuren Propaganda-Erfolg und Prestige-Gewinn. Diese Waffen, so verkündet Nasser, könnten bis nach Israel fliegen. Nur zwei Tage später, am 23. Juli 1962, werden der Weltöffentlichkeit in Kairo weitere Raketen auf einer Parade präsentiert. In Jerusalem schrillen die Alarmglocken. Der ehrgeizige israelische Geheimdienstchef Isser Harel, gerade noch für seinen Erfolg bei der Jagd nach Adolf Eichmann gefeiert, richtet seinen gesamten Dienst auf die neue Aufgabe aus: Die Abwehr der drohenden Vernichtung des jüdischen Volkes. Während in der Knesset noch über das Ausmaß der Bedrohung gestritten wird, sind Mossad-Agenten bereits aktiv. In der Raketenfabrik Kairo-Heluan explodieren Pakete, die Sekretärin des deutschen Chef-Ingenieurs, Professor Wolfgang Pilz, wird durch eine Briefbombe schwer verletzt. Dann verschwindet in München der Chef der Material-Zulieferer-Firma für das ägyptische Raketenprojekt, Dr. Heinz Krug, spurlos. Bis heute hat die Staatsanwaltschaft dessen Akte nicht geschlossen. Erst jetzt erhellen neue Dokumente und Aussagen hoher ehemaliger Mossad-Mitarbeiter sein Schicksal. Bei der Verfolgung seines Zieles, die deutschen Raketen aus Kairo unschädlich zu machen, scheint Geheimdienst-Chef Harel fast jedes Mittel recht. Er lässt sogar in Madrid den ehemaligen SS-Offizier Otto Skorzeny anwerben – einen Alt-Nazi, der 1943 durch seine Beteiligung an der Mussolini-Entführung auf dem Gran Sasso zu Ruhm gelangt war. Er liefert, wie Ex-Mossad-Offiziere berichten, über einen einstigen SS-Untergebenen entscheidende Informationen zu dem Raketen-Projekt am Nil. Alarmiert durch die Mossad-Aktionen, versucht der israelische Vize-Verteidigungsminister Shimon Peres gemeinsam mit seinem deutschen Amtskollegen Franz-Josef Strauß die Situation zu entschärfen. Auf Israels Straßen demonstrieren derweil aufgebrachte Bürger gegen „einen zweiten deutschen Holocaust“, skandieren „Strauß raus und Peres auch!“. Und der Poker geht weiter. Außenministerin Golda Meir nutzt die Gunst der Stunde, treibt den auf Aussöhnung mit Deutschland hin arbeitenden Ministerpräsidenten Ben Gurion vor sich her. Der nimmt schließlich, entnervt von vielen Affären, seinen Hut. Eine tragische Entwicklung, wie Shimon Peres in der Rückschau bedauert. Denn Nassers Raketen hatten weder Steuerung noch Sprengköpfe, hätten also für Israel nie zur Gefahr werden können. „Es war alles ein Bluff“, sagt Peres heute in einem Interview. Die 45-Minuten-Dokumentation präsentiert neue Augenzeugen, Fakten und Beweise in dem politischen Thriller um Nassers Raketen, deutsche Experten und zweifelhafte Aktionen des Mossad.

Mi, 23. Jan · 20:14-02:16 · arte
Gegen das Vergessen – Zum Gedenktag der Befreiung von Auschwitz

Am 27. Januar 1945 befreit die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz. Dieses Datum wird 60 Jahre später durch die Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt. Aus diesem Anlass hat ARTE im Januar 2018 einen Themenschwerpunkt mit Filmen der französischen Filmemacher Claude Lanzmann und Emil Weiss ins Programm genommen. Claude Lanzmann versuchte mit seinem großen Dokumentarfilm „Shoah“ das Unnennbare zu benennen. Damit ging der hebräische Begriff der „Schoah“ in den aktiven Wortschatz vieler Sprachen und Gesellschaften für das unvergleichliche Geschehen während des Zweiten Weltkriegs ein: die industrielle Ermordung – der Genozid – von sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens auch Holocaust – „ganz verbrannt“ – genannt. Claude Lanzmann reiste über elf Jahre durch ganz Europa und Israel und sprach mit Menschen, die die Schoah überlebt hatten. Er arbeitete nahezu zwei Jahrzehnte an dem mehr als neunstündigen Dokumentarfilm. Bei der Montage von „Shoah“ stellte Claude Lanzmann aber fest, dass er einige der langen Gespräche, die er geführt hatte, nicht für „Shoah“ verwenden konnte. Aus diesem Material entstanden in den letzten Jahren mehrere Dokumentarfilme, die ARTE nun zeigt. Vier bewegende Interviews mit Frauen, die den Gräueln der Nazis entkommen konnten, montierte Lanzmann zu der Dokumentarfilmreihe „Vier Schwestern“. Ruth Elias, Ada Lichtman, Paula Biren und Hanna Marton sind Überlebende und schildern ihre Geschichte sehr intim und schonungslos offen. 2013 erscheint ein weiterer Film aus den „Shoah“-Interviews. „Der letzte der Ungerechten“ basiert auf unveröffentlichtem Material aus Gesprächen mit dem Rabbiner Benjamin Murmelstein. Dr. Murmelstein war eine sehr ambivalente Persönlichkeit. Er wurde von den Nationalsozialisten unter Zwang zum Mitglied des Wiener „Judenrates“ und später nach der Ermordung Dr. Eppsteins zum dritten „Judenältesten“ in Theresienstadt ernannt. Zeitlebens stand er unter Kollaborationsverdacht. Doch sein Bemühen, möglichst viele Menschen zu retten, rückt ihn in ein anderes Licht. Claude Lanzmann marschiert mit Dr. Murmelstein durch das hell erleuchtete Rom und lässt ihn von der Dunkelheit Theresienstadts erzählen. Ergänzt wird die Lanzmann-Reihe mit dem Dokumentarfilm „Auschwitz. Das Projekt“ von Emil Weiss. Der Film zeigt in bedrückender Stille Zeitzeugenberichte von vier Auschwitz-Überlebenden.

Di, 23. Jan · 20:15-21:45 · arte
Vier Schwestern (1/4) Der hippokratische Eid, Ruth Elias

Ruth Elias war 17, als Reichswehr und SS am 15. und 16. März 1939 die Tschechoslowakei besetzten. Drei Jahre lang wurde ihre Familie von Bauern versteckt, bis sie im April 1942 denunziert und nach Theresienstadt deportiert wurde. Im Winter 1943 stellte Ruth fest, dass sie schwanger war. Kurz darauf wurde sie nach Auschwitz deportiert. Im Juni 1944 wurden tausend ausgewählte Frauen zur Beseitigung der Trümmer einer zerbombten Raffinerie nach Hamburg geschickt. Ruth, zu dieser Zeit schon im achten Monat schwanger, gelang es, in diese Gruppe aufgenommen zu werden, was zunächst ihre Rettung war. Doch die junge Frau wird als Schwangere erkannt und nach Auschwitz zurückverfrachtet, in die furchtbare Obhut des KZ-Arztes Josef Mengele. In Auschwitz hat sie ihr Kind zur Welt gebracht. Mengele ließ ihre Brust bandagieren. Das Baby sollte nicht genährt werden. Bevor KZ-Arzt Josef Mengele ihr Kind töten konnte, tat sie es selbst.

Di, 23. Jan · 21:45-22:40 · arte
Vier Schwestern (2/4) Zum lustigen Floh, Ada Lichtman

Ada Lichtman traf das Grauen der Naziherrschaft unvermittelt: Als die deutschen Soldaten in Polen einmarschierten, verschleppten sie jüdische Männer aus der Kleinstadt Wieliczka in der Nähe von Krakau in ein Waldstück und richteten sie dort hin. Anschließend ordneten sie die blutverschmierten Leichen wie in einem makabren „Kunstwerk“ im Halbkreis so auf dem Boden an, dass sich ihre Füße berührten und die Köpfe nach außen zeigten. Ab diesem Tag fragte sich Ada nicht, ob sie überleben, sondern nur noch, wie sie sterben würde. Sie kam ins Vernichtungslager Sobibor, in dem insgesamt 250.000 Juden in Gaskammern ermordet wurden. Ada gelangt es, beim Aufstand am 14. Oktober 1943 zu fliehen. Sie gehört zu den knapp 50 Lagerinsassen, die bis Kriegsende überlebten.

Di, 23. Jan · 22:40-02:15 · arte
Der Letzte der Ungerechten

Rom, 1975: Der französische Filmemacher Claude Lanzmann läuft mit Benjamin Murmelstein durch das hell erleuchtete Rom. Er filmt den dritten und letzten Vorsitzenden des Judenrates in Theresienstadt und einzigen sogenannten Judenältesten, der nicht ermordet wurde, und lässt ihn über die dunklen Zeiten in Theresienstadt erzählen. Der Rabbiner Benjamin Murmelstein war bis zum „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 in der Kultusgemeinde Wien tätig, dann Mitglied des Judenrates. 1943 wurde Dr. Murmelstein nach Theresienstadt deportiert, 1944, nach der Ermordung Dr. Paul Eppsteins, wurde er Judenältester. In Kollaboration mit Adolf Eichmann versucht er, die Räumung des Ghettos zu verhindern. Etwa 120.000 Verfolgten verhilft er erfolgreich zur Emigration. Als 87-Jähriger kehrt Claude Lanzmann nach Theresienstadt zurück, in das vorgebliche „Vorzeige-Ghetto“, mit dem es den Nazis sogar gelang, das Internationale Rote Kreuz in der Person des Schweizer Offiziers und Arztes Dr. Maurice Rossel zu täuschen. Lanzmann verbindet die Interviewszenen von damals mit neuen Aufnahmen in Theresienstadt. Sein Dokumentarfilm beleuchtet die Genesis der sogenannten Endlösung und das moralische Dilemma der Judenräte zwischen Ohnmacht und Widerstand. Der Dokumentarfilm offenbart die außergewöhnliche Persönlichkeit von Benjamin Murmelstein: Ausgestattet mit einer faszinierenden Intelligenz, einem unumstößlichen Mut und einem unvergleichlichen Erinnerungsvermögen ist er ein großartiger Geschichtenerzähler: ironisch, sarkastisch, aufrichtig. Über die drei Epochen hinweg, von Nisko im heutigen Polen nach Theresienstadt in der heutigen Tschechischen Republik und von Wien nach Rom, beleuchtet der Film die Genesis der sogenannten Endlösung, er enthüllt das wahre Gesicht Adolf Eichmanns und entschleiert unverblümt die schwerwiegenden Widersprüche der Judenräte, die gezwungenermaßen zu Werkzeugen der Nationalsozialisten wurden.

Mi, 24. Jan · 21:00-21:45 · NDR
Unsere Geschichte: Kapitän Schröder und die Irrfahrt der St. Louis – Erinnerungen an ein Drama auf See

Im Mai 1939 versuchen rund 900 jüdische Mitbürger Deutschland mit dem Hapag-Dampfer „St. Louis“ zu verlassen. Ihr Ziel: Havanna auf Kuba. Dort wollen sie abwarten, bis sie ein Visum für die USA bekommen. Doch das Schiff kommt niemals ans Ziel. 76 Jahre nach der Irrfahrt der „St. Louis“, die bereits in Büchern, Dokumentationen und in einem Spielfilm erzählt wurde, taucht auf einem Hamburger Dachboden eine alte Seekiste auf. Die Dokumente zeigen den Kapitän in einem neuen Licht, erlauben eine genaue Rekonstruktion der Ereignisse. Im Mai 1939 versuchen rund 900 jüdische Mitbürger Deutschland zu verlassen. Sie haben ein Schiff gechartert: Den Hapag-Dampfer „St. Louis“. Ihr Ziel: Havanna auf Kuba. Dort wollen sie abwarten, bis sie ein Visum für die USA bekommen. Für die Passagiere ist es die letzte Gelegenheit, dem Terror der Nationalsozialisten zu entkommen. Doch das Schiff kommt niemals ans Ziel: Die kubanischen Behörden, später auch die USA, verweigern die Einreise. In dieser Situation kommt alles auf den Kapitän an, Gustav Schröder, einen Hamburger mit dänischen Wurzeln. In einer dramatischen Seereise gelingt es ihm, die Flüchtlinge vor dem Zugriff der Nationalsozialisten in Sicherheit zu bringen. 76 Jahre nach der Irrfahrt der „St. Louis“, die bereits in Büchern, Dokumentationen und in einem Spielfilm erzählt wurde, taucht auf einem Hamburger Dachboden eine alte Seekiste auf. Ihr Inhalt: Fotos, Briefe und das Originalmanuskript der Lebenserinnerungen von Gustav Schröder. Die Dokumente zeigen den Kapitän in einem neuen Licht, erlauben eine genaue Rekonstruktion der Ereignisse. In einer Collage aus Logbucheintragungen, Tagebuchnotizen und Erinnerungen von Überlebenden zeichnet der NDR die abenteuerliche Reise nach; der Schauspieler Christian Berkel verleiht dabei der Figur des Kapitäns mit seiner Stimme Gestalt. Von den über 900 Passagieren leben heute noch ein gutes Dutzend – überall auf der Welt verstreut. Fünf von ihnen hat der Hamburger Filmemacher Manfred Uhlig für diesen Film besucht. Die hoch betagten Herrschaften waren auf der Fahrt zwischen sieben und 16 Jahre alt. Für die Kinder war die Seereise in erster Linie ein Abenteuer, für ihre Eltern ein Drama. Herbert Karliner, der als Rentner in Miami-Beach lebt, erinnert sich noch genau an den Moment der Abfahrt: Eine Kapelle spielte „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“. Während die Eltern weinend von ihrer Heimat Deutschland Abschied nahmen, spielten die Kinder an Deck Verstecken. Noch heute hadert der alte Mann mit der Entscheidung der damaligen US-Regierung, die Flüchtlinge abzuweisen. Hätte die „St. Louis“, so wie von Kapitän Schröder geplant, in Florida anlanden dürfen, hätten seine Eltern nicht nach Europa zurückkehren müssen – sie hätten den Holocaust überlebt.

Mi, 24. Jan · 22:25-23:25 · arte
Stärker als der KGB – Das Stalingrad-Epos „Leben und Schicksal“

An einem Morgen im Oktober 1961 beschlagnahmte der KGB ohne Vorwarnung das Manuskript zu „Leben und Schicksal“ des Schriftstellers Wassili Grossman und brachte es in den unterirdischen Geheimdienstarchiven seines Hauptquartiers unter Verschluss. Alle Gnadengesuche blieben vergeblich. Erst den vereinten Bemühungen eines Dissidentennetzwerks gelang es schließlich, Teile des Manuskripts ins Ausland zu schmuggeln. 2007 konnte schließlich die vollständige Fassung des Werks in Deutschland veröffentlicht werden. Grossman, der seine schriftstellerische Tätigkeit lange in den Dienst der sowjetischen Ideologie gestellt hatte, schildert in „Leben und Schicksal“ die düstersten Stunden des Stalinismus, darunter die Entkulakisierung und die politischen Säuberungen von 1937. Er enthüllt die unbarmherzige Maschinerie eines totalitären Regimes und kritisiert die zynischen Auswüchse der Ideale von 1917. Grossman zeichnete eine Parallele zwischen Nationalsozialismus und Stalinismus und ging damit weiter als je ein sowjetischer Schriftsteller zuvor. „Leben und Schicksal“ ist aber auch die Geschichte eines Mannes, der nach der Ermordung seiner Mutter durch die Nazis mit seiner jüdischen Abstammung konfrontiert wird; das Buch enthält einige der erschütterndsten Seiten, die jemals über den Holocaust geschrieben wurden. Die fesselnde Dokumentation zeichnet anhand von Auszügen aus dem Roman das Leben Wassili Grossmans nach. Zeitzeugen, Historiker, Übersetzer und Schriftsteller erzählen in ihren Worten vom Leben und Werk eines Mannes, der nicht wegschaute und sein Jahrhundert mit Klarsicht, Mut und Humanismus so beschrieb, wie es war.

Mi, 24. Jan · 22:45-23:35 · BR
Sie spielten um ihr Leben

„Das Cello hat mein Leben gerettet“, sagt Anita Lasker-Wallfisch. Sie spielte in dem Mädchenorchester, das die Nazis im KZ-Auschwitz betrieben und entging so der Gaskammer. Auch Frank Grunwald, dessen Bruder von Mengele getötet wurde, entging durch Musik dem Tod. Er war noch ein Kind und spielte Akkordeon in Auschwitz. Die Komponistin, Dozentin und Filmemacherin Nurit Jugend spürte acht Musikerinnen und Musiker auf, die die Vernichtungslager musizierend überlebt haben, zeigt, was aus ihnen nach dem Krieg geworden ist und porträtiert eindringlich die Schicksale von Menschen, für die die Musik überlebensnotwendig war und ist. „Das Cello hat mein Leben gerettet“, sagt Anita Lasker-Wallfisch. Sie spielte in dem Mädchenorchester, das die Nazis im KZ-Auschwitz betrieben. Das Orchester, das von Alma Rosé, der Nichte Gustav Mahlers, geleitet wurde, bewahrte die Cellistin vor der Gaskammer. Auch Frank Grunwald, dessen Bruder von Mengele getötet wurde, entging durch Musik dem Tod. Er war noch ein Kind und spielte Akkordeon in Auschwitz. Einen engen Freund fand er damals in Hellmuth Sprycer, der Pfeifer bei den „Ghettoswingers“ in Theresienstadt war, bevor er, um seinen Großeltern zu helfen, heimlich auf den Zug nach Birkenau aufsprang, wo er wieder als Pfeifer auftrat, um etwa eine Decke für seine Großeltern zu erhalten. In Theresienstadt kämpfte auch Greta Klingsberg durch ihre Musik ums Überleben. Sie sang in dem Kindermusical „Brundibar“ die Hauptrolle. Das sind nur vier der Schicksale, die die Komponistin, Dozentin und Filmemacherin Nurit Jugend in ihrem Debütfilm vorstellt. In intimen Interviews und kunstvoll animierten Bleistiftskizzen porträtiert sie die düstere Vergangenheit von acht Musikerinnen und Musikern, die die Vernichtungslager musizierend überlebt haben. Außerdem erzählt sie, wie der Lebensweg der Musikerinnen und Musiker, die nach dem Krieg in unterschiedlichste Teile der Welt zogen, weiterging, wie sie Jahrzehnte nach dem Holocaust immer noch ihre Lebenskraft aus der Musik ziehen – und wie sich nach 60 Jahren zwei der Überlebenden zum ersten Mal wieder begegnen. In zahlreichen Konzentrationslagern existierten musikalische Ensembles und Orchester. Die Gründe, weshalb die Nazis diese einrichteten, sind vielfältig. Das Mädchenorchester etwa spielte Märsche, damit die zur Zwangsarbeit ausrückenden Insassen im Gleichschritt marschierten, manche Ensembles dienten den SS-Mannschaften zur Unterhaltung, manche Lieder, die von den Häftlingen gesungen werden mussten, dienten ihrer Erniedrigung und manche auch der Propaganda, die die wahren Zustände in den Lagern verschleiern sollten. Wie in „Sie spielten um ihr Leben“ förderte die Musik aber auch oft den Überlebenswillen der Deportierten. „Mit diesem Film möchte ich die Verfolgten in ehrenwerter Erinnerung halten und ihr Erbe anerkennen“, erklärt die Regisseurin Nurit Jugend, „und ich möchte die Botschaft senden, dass Musik die universelle Sprache der ganzen Menschheit ist und eine der kraftvollsten Ressourcen, die wir besitzen. Sie kann im Grauen Erleichterung schaffen und hat die Macht, die Selbstheilungskräfte, die der Mensch in sich hat, zu aktivieren. Und sie kann Menschen, egal welcher Religion vereinen und zu gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz anstiften.“ Dementsprechend ist „Sie spielten um ihr Leben“ nicht als gewöhnlicher, kommerzieller Film entstanden, sondern wurde in den USA als Non-Profit-Projekt für Bildungsarbeit anerkannt. „They played for their lives“ ist an diesem Abend als Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen zu sehen.

Mi, 24. Jan · 23:00-00:45 · RBB
Hannah Arendt

Hannah Arendts Denken veränderte die Welt. Ihre gesellschaftspolitischen Schriften über totalitäre Systeme und Demokratie prägen bis heute unsere Sichtweise auf das 20. Jahrhundert und sind aus unserem Verständnis für politische Zusammenhänge – auch der aktuellen – nicht mehr wegzudenken. Als die jüdische Philosophin Hannah Arendt 1961 in Jerusalem den Gerichtssaal betritt, um über den Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann zu berichten, erwartet sie, auf ein Monster zu treffen. Stattdessen erlebt sie einen Niemand. Die geistlose Mittelmäßigkeit Eichmanns passt nicht zum abgrundtief Bösen seiner Taten. Hannah Arendt (Barbara Sukowa) ist aus Nazideutschland geflohen und lebt mit ihrem Mann Heinrich (Axel Milberg) schon seit 20 Jahren im amerikanischen Exil. Ihre New Yorker Wohnung ist Treffpunkt immigrierter jüdischer Intellektueller, die sich um die Aufarbeitung der Shoa bemühen. Die überraschende Nachricht von der Ergreifung des NS-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann elektrisiert die Totalitarismusforscherin, die schon mehrfach über den deutschen Faschismus publiziert hat. Im Auftrag der Zeitung „The New Yorker“ reist sie nach Jerusalem, um über den Prozess zu berichten. Als sie 1961 in Jerusalem den Gerichtssaal betritt, erwartet sie, auf ein Monster zu treffen, und ist zunächst irritiert. Die geistlose Mittelmäßigkeit des Bürokraten, der keine Reue zeigt, passt scheinbar gar nicht zur unvorstellbaren Grausamkeit seiner Taten. Sie sieht in dem Massenmörder einen Beamten, der die Ermordung der Juden mitleidslos wie eine ihm auferlegten Pflicht erfüllte. Dieser Widerspruch beschäftigt Hannah Arendt sehr. Zurück in New York liest sie hunderte Prozessakten, recherchiert, diskutiert mit ihrem Mann Heinrich Blücher und ihren Freunden. Im Februar 1963 erscheint ihre Artikelserie mit dem Titel „Eichmann in Jerusalem“, deren provozierende These von der „Banalität des Bösen“ für weltweite Empörung sorgt. Die Reaktionen sind verheerend und niederschmetternd. Hannah Arendt wird geächtet und angefeindet. Das Unverständnis einiger ihrer Freunde trifft sie hart. Trotz einer beispiellosen Hetzkampagne verteidigt die Denkerin ihre Interpretation, wonach ganz normale Menschen zu Gräueltaten unvorstellbaren Ausmaßes fähig sind. Sie bleibt konsequent bei ihrer Haltung, kämpft und scheut keine Auseinandersetzung, wenn es um für sie so wichtige Themen wie Totalitarismus und Macht geht. Denn sie will verstehen. Auch wenn das bedeutet, „dahin zu denken, wo es weh tut“. Der Vorwurf, sie würde einen der Hauptverantwortlichen für den Holocaust verteidigen, führt aber auch zum Bruch mit nahen Freunden wie Hans Jonas (Ulrich Noethen) und Kurt Blumenfeld (Michael Degen).

Do, 25. Jan · 23:45-01:20 · SWR
Die Wohnung

Eine Wohnung in Tel Aviv, ein Stück Berlin mitten in Israel. Siebzig Jahre lang hat Gerda Tuchler hier mit Ehemann Kurt gelebt, nachdem das Ehepaar in den 30er Jahren aus Deutschland fliehen musste. Weggeschmissen haben sie nichts. Als Gerda Tuchler mit 98 Jahren stirbt, trifft sich die Familie zur Wohnungsauflösung. Regisseur Arnon Goldfinger will die Wohnung seiner Großeltern, die darin konservierte Welt, filmisch festhalten – bevor sie für immer verschwindet. Doch inmitten unzähliger Briefe, Fotos und Dokumente entdeckt er Spuren einer unbekannten Vergangenheit: Die jüdischen Großeltern waren eng befreundet mit der Familie …

Do, 25. Jan · 23:45-01:05 · RBB
45 Minuten bis Ramallah

Frech spielt die Nahost-Satire mit kulturellen Klischees und dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Das atemlose Roadmovie verknüpft Elemente des Buddy Movies mit einer ordentlichen Portion schwarzen Humors. Cast und Crew der Culture-Clash-Komödie sind international zusammengestellt. Rafik, ein Palästinenser aus Ostjerusalem, hat keine Lust, sich von seinem autoritären Vater tyrannisieren zu lassen. Lieber arbeitet er als Tellerwäscher im fernen Hamburg. Nur der Mutter zuliebe kommt er zur Hochzeit seines kleinen Bruders Jamal nach Israel. Auf der Familienfeier gerät er prompt wieder in einen Streit mit seinem alten Herrn, der für ihn eine Ehe arrangieren will. Als sich Rafik vehement weigert, fällt der zornige Vater tot um. Sein Letzter Wille sorgt dafür, dass die Probleme für Rafik nicht abreißen: Der Verstorbene hat verfügt, in seinem Geburtsort Ramallah beigesetzt zu werden. Kein leichter Auftrag für die zerstrittenen Brüder, die dafür den Leichnam über schwer bewachte Grenzübergänge ins palästinensische Autonomiegebiet schmuggeln müssen. Aus der kurzen Fahrt wird eine irre Odyssee für Rafik und Jamal: Erst wird ihr Wagen samt Leiche geklaut, dann geraten sie in die Hände rivalisierender Dschihadisten und schließlich werden sie wider Willen als Selbstmordattentäter rekrutiert. Unerwartete Hilfe kommt von der schönen Prostituierten Olga.

Fr, 26. Jan · 01:20-02:30 · SWR SR
#uploading holocaust

Sieben Tage, vier Konzentrationslager, drei Massengräber, zwei Gettos, 14 Gedenk-Zeremonien, 200 Teenager in einem Hotel – jedes Jahr reisen rund 30.000 israelische Schüler mit ihren Geschichtslehrern nach Polen, um die Erinnerung an die Geschichte der Juden in Europa und den Holocaust lebendig zu halten. Diese besondere Klassenfahrt wird in Israel auch „Journey to Poland“ genannt. Was als Suche jedes Einzelnen nach Spuren seiner Familiengeschichte beginnt, wird mehr und mehr zu einer Art gemeinsamer Pilgerfahrt, die es den Teilnehmern ermöglicht, den Verlust und das Leid ihrer Vorfahren nachzuvollziehen.

Fr, 26. Jan · 01:55-03:40 · Das Erste (ARD)
Miral

Die junge Halbwaise Miral besucht das Dar-Al-Tifl-Institut, eine berühmte Mädchenschule in Ostjerusalem. Ihre charismatische Lehrerin Hind legt nicht nur großen Wert auf eine gute Ausbildung, sie erzieht ihre palästinensischen Schützlinge auch nach einem pazifistischen Geist. Als Miral 16 wird und sich in einen gewaltbereiten PLO-Aktivisten verliebt, droht sie diese Ideale aus den Augen zu verlieren. Doch „Mama Hind“ kämpft um ihre verlorene Tochter. Rula Jebreals autobiografischer Roman diente Julian Schnabel bei seiner fünften Regiearbeit als Vorlage für ein aufwühlendes politisches Drama. Der Kinomagier wirft einen subjektiven Blick auf den Nahostkonflikt. Neben Freida Pinto und Hiam Abbass sind Vanessa Redgrave und Willem Dafoe zu sehen. Jerusalem, in den späten 1980er Jahren. Krieg und Bombenterror prägen das Leben der hübschen jungen Miral (Freida Pinto), die in Ostjerusalem unter der Obhut ihres liebevollen Vaters Jamal (Alexander Sidding), eines gemäßigten Geistlichen, aufwächst. Ihre Mutter Nadia (Yasmine Al Masri) leidet an den Folgen eines sexuellen Missbrauchs, der sie in die Alkoholsucht getrieben hat. Nach deren Selbstmord muss Jamal die Tochter schweren Herzens ins Waisenhaus geben. Doch Miral hat Glück im Unglück, denn die Siebenjährige kommt in das renommierte Dar-Al-Tifl-Institut. Dessen Leiterin, die charismatische Hind Husseini (Hiam Abbass), eröffnet jungen Frauen nicht nur eine der wenigen Möglichkeiten, ihre Persönlichkeit zu entfalten und eine gute Ausbildung zu erhalten – „Mama Hind“ erzieht ihre palästinensischen Schützlinge auch zu Menschlichkeit und Gewaltverzicht. Als die 16-jährige Miral sich in den PLO-Aktivisten Hani (Omar Metwally) verliebt, gerät sie in ein persönliches Dilemma: Soll sie an dessen Seite den Weg des bewaffneten Kampfes einschlagen oder weiterhin nach „Mama Hinds“ pazifistischen Idealen leben? Nach seiner Hommage an den kubanischen Schriftsteller Reinaldo Arenas („Bevor es Nacht wird“) und dem gefeierten Biopic „Schmetterling und Taucherglocke“ wirft Ausnahme-Regisseur Julian Schnabel einen persönlichen Blick auf einen weltpolitischen Schlüsselkonflikt: Nach dem autobiografischen Roman der palästinensischen Autorin Rula Jebreal entstand ein Frauendrama, das mit der israelischen Staatsgründung beginnt und dem Oslo-Abkommen zur Beendigung des Nahostkonflikts endet. Der malende Filmemacher verknüpft dokumentarisches und inszeniertes Material zu einem faszinierenden Gewebe aus Licht und Farben. Neben dem aus „Slumdog Millionär“ bekannten Bollywood-Star Freida Pinto und der israelisch-arabischen Darstellerin Hiam Abbass sind Vanessa Redgrave und Willem Dafoe zu sehen.

Fr, 26. Jan · 19:40-20:15 · arte
Re: Klassenfahrt nach Auschwitz – Deutsche Jugendliche und der Holocaust

Die 19-jährige Deutsch-Iranerin Nahid und der 16-jährige Philipp nehmen freiwillig an einer Fahrt nach Auschwitz teil, gemeinsam mit 17 anderen Jugendlichen aus ihrer Düsseldorfer Schule. Philipps Großeltern sind nach dem Zweiten Weltkrieg geboren, über den Nationalsozialismus wurde in seiner Familie nur wenig gesprochen. Und Nahid will endlich „dieses Auschwitz“ sehen, über das sie im Geschichtsunterricht immer sprechen. Die gebürtige Iranerin, die vor fünf Jahren aus ihrer Heimat geflohen ist, hat kaum einen Bezug zum Holocaust. In ihrem alten Heimatland gehörten Antisemitismus und Israelhass zum ideologischen Programm. Für sie wie für Philipp ist es der erste Besuch eines Konzentrationslagers.Obwohl immer mehr Menschen aus der ganzen Welt die Gedenkstätte in Auschwitz besuchen, kommen aus Deutschland verhältnismäßig wenige Besucher. Gleichzeitig erleben Deutschland und Europa einen wachsenden Rechtspopulismus und einen zunehmenden arabisch-muslimischen Antisemitismus. Die Forderung nach verpflichtenden Besuchen von KZ-Gedenkstätten wird deshalb immer lauter. Aber kann eine Auschwitz-Reise tatsächlich etwas bewirken?

Fr, 26. Jan · 20:15-21:45 · arte
Atomic Falafel

Nofar und Sharareh – ein israelisches und ein iranisches Mädchen. Die eine lebt allein mit ihrer Mutter Mimi in einem Manövergebiet mitten in der israelischen Wüste, die andere in einem abgelegenen Dorf im Norden Irans, unter dessen örtlicher Mädchenschule Plutonium angereichert wird. Beide Mädchen sind in der Pubertät und mehr mit ihrem ersten Sex, ihrem Status auf Facebook oder ihrer Musikkarriere beschäftigt als mit Politik. Als sie sich im Internet kennenlernen und befreunden, verhindern sie durch den Austausch ihnen zufällig in die Hände geratener militärischer Geheimnisse fast nebenbei eine nukleare Katastrophe. Dabei hilft ihnen, eher gegen seinen Willen, Oliver Hahn, genannt Oli, deutsch, Pazifist und Mitglied der internationalen Atom-Kontroll-Kommission. Während der vier Tage dauernden Kontrolle ist eine kriegerische Handlung nicht möglich. Dummerweise entwickelt Oli ein großes Verlangen nach Mimi und ist auch danach nicht zur Ausreise bereit – sehr zum Missfallen von General Haim, der auch für Mimis Falafel schwärmt und für den die Sicherheit Israels auf dem Spiel steht …

Sa, 27. Jan · 02:30-02:53 · MDR
Der Koffermacher

Zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus (27.1.) 1939/Emsland: Der alte Koffermacher Opa Alfred wird täglich vom kleinen jüdischen Nachbarjungen Samuel in seinem Koffermacherladen belagert. Der Junge hat nur einen Wunsch, er will Koffermacher werden. Dies passt dem mürrischen Alten gar nicht. Und besonders nicht seinen Nazi-Kunden, die dies deutlich zu verstehen geben. Eines Tages wird die jüdische Familie von Samuel deportiert. Alfred muss sich entscheiden, auf welcher Seite er steht. Unter Lebensgefahr gelingt ihm die Rettung des kleinen Jungen – in einem seiner großen Koffer.

Sa, 27. Jan · 06:30-07:00 · SWR
Vater, Mutter, Hitler – Vier Tagebücher und eine Spurensuche

Anfang der 1930er Jahre geht es Deutschland wirtschaftlich schlecht. Millionen Menschen sind arbeitslos und leben in großer Not. Die politische Lage ist instabil. Als Adolf Hitler 1933 die Macht ergreift, setzen viele Menschen große Hoffnung in ihn: So auch die Solinger Arbeiterin Ida Timmer, die mit ihren Eltern in ärmlichen Verhältnissen lebt, der Wiener Felix Landau, der sich fanatisch zur Nazi-Ideologie bekennt, der Lehrer Wilm Hosenfeld aus Hessen, der für Deutschland in den Krieg ziehen will und die Hamburger Bürgerin Luise Solmitz, deren Mann jüdische Wurzeln hat.

Sa, 27. Jan · 07:40-08:05 · MDR
Leahs jüdisches Leben in Dresden

Leah ist zehn Jahre alt, wohnt in Dresden und ist Teil einer jüdisch-italienisch-sächsischen Familie. Da ihre Mutter Jüdin ist, wurde auch Leah als Jüdin geboren. Obwohl die Familie nicht streng gläubig ist, ist Leah mit vielen jüdischen Traditionen vertraut. Ein wichtiges Ritual für ihre Familie ist der Schabbat am Freitag, wo alle Familienmitglieder gemeinsam essen und singen. An diesem Tag sind in der Familie bestimmte Lebensmittel nicht erlaubt, Milch- und Fleischprodukte werden getrennt zubereitet und gegessen. Leah ist zehn Jahre alt, wohnt in Dresden und ist Teil einer jüdisch-italienisch-sächsischen Familie. Da ihre Mutter Jüdin ist, wurde auch Leah als Jüdin geboren. Obwohl die Familie nicht streng gläubig ist, ist Leah mit vielen jüdischen Traditionen vertraut. Ein wichtiges Ritual für ihre Familie ist der Schabbat am Freitag, wo alle Familienmitglieder gemeinsam essen und singen. An diesem Tag sind in der Familie bestimmte Lebensmittel nicht erlaubt, Milch- und Fleischprodukte werden getrennt zubereitet und gegessen. An den anderen Tagen in der Woche isst Leahs Familie ganz normal, vorwiegend italienisch, da Mama Italienerin ist und das allen am besten schmeckt. Seit kurzem lernt Leah hebräisch und liest in der Thora, die so etwas wie die Bibel bei den Christen ist. In ihrer Schule ist Leah das einzige jüdische Kind und beantwortet ihren Mitschülern regelmäßig Fragen zu ihrer Religion. Gerade wurde sie in den Kinderchor der Semperoper aufgenommen und kann dort nun ihre Liebe zur Musik richtig ausleben. Auch zu Hause singt sie viel und wird dabei oft von ihrem Vater am Klavier begleitet. Am Mischpoke-Tag der Jüdischen Woche in Dresden will Leah nun erstmals jüdische Lieder öffentlich singen. Ihre ganze Klasse ist eingeladen, die hebräischen Texte sitzen noch nicht richtig und auch bei der Melodie hakt es immer noch. Leah fiebert ihrem Auftritt mit gemischten Gefühlen entgegen – hoffentlich geht alles gut!

Sa, 27. Jan · 08:00-08:30 · SWR
Die Kinder der Villa Emma

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg suchen jüdische Kinder Zuflucht vor der Deportation. Drei Jahre lang irren sie in Europa umher, dann finden sie ausgerechnet im faschistischen Italien in der „Villa Emma“ einen sicheren Platz. Dank der Solidarität und des Mutes der Bevölkerung überleben die Kinder, auch als Norditalien durch Wehrmacht und SS besetzt wird. Schließlich gelingt ihnen die Flucht in die Schweiz. Und endlich, noch einmal drei Jahre später, können sie zu ihrem eigentlichen Ziel aufbrechen: Richtung Palästina.

Sa, 27. Jan · 11:45-12:15 · MDR
Heimweh nach Themar – Jüdische Spuren an Rennsteig und Werra

1983 schreibt Manfred Rosengarten aus San Francisco einem einstigen Klassenkameraden in Themar von seinem Heimweh. Nach der Vertreibung durch die Nazis hatte er, der Jude aus dem Süden Thüringens, in den USA ein neues Zuhause gefunden. Ganz schnell entspinnt sich ein reger Briefwechsel zwischen Einwohnern von Themar und den jüdischen Schulkameraden oder Nachbarn von damals. 2011 besuchen erstmals Nachfahren der Themarer Juden die kleine Stadt an der Werra. Die Erinnerungen werden eine „heilende“ Wirkung haben. Denn bis 1933 lebten sie hier friedlich Tür an Tür, als Freunde, Nachbarn, Kameraden. Nach dem Ende der Nazi-Barbarei gab es keine Juden mehr in der Region. Erst in jüngeren Jahren suchen und erforschen engagierte Lokalhistoriker, interessierte Einwohner und Wissenschaftler die Geschichte der Juden in der Region, knüpfen sie Kontakte zu Nachfahren. Sie können weiße Flecken in Ortschroniken mit Worten und Bildern füllen, und oft schlägt die Spurensuche eine Brücke zwischen gestern und heute. Sie finden bewegende jüdische Lebenswege, allerorten. Wie ein Roadmovie erzählt die Dokumentation von Ulli Wendelmann von jahrhunderte währender Gemeinschaft. Denn Juden haben zwischen Rennsteig und Werra eine fast tausendjährige Geschichte. Sie waren Händler, Mechaniker, Lehrer, Kaufleute, Bankiers, Fabrikanten. In manchen Orten wie Berkach stellten sie ein Drittel der Einwohner. In Meiningen sorgte der jüdische Bankier Gustav Strupp für wirtschaftliche Impulse weit über seine Heimatregion hinaus. Ohne die jüdische Familiendynastie Simson gäbe es die „Waffen-und Fahrzeugstadt“ Suhl nicht. In Oberhof organisierte Dr. Alexander Lion bis 1936 die Betreuung bei Ski-Wettkämpfen, die Sanitätskolonnen des jüdischen Arztes wurden Vorläufer der allgemeinen Bergwacht. Doch die tausendjährige Geschichte ist ebenso voll von Pogromen, Vertreibungen und – der Auslöschung der jüdischen Bevölkerung mit dem Holocaust.

Sa, 27. Jan · 19:30-19:45 · 3sat
Stille Helden – Gerechte unter den Völkern

Die Dokumentation stellt die bisher unerzählten Geschichten von unbekannten Helfern, die Juden während der Nazi-Verfolgung retteten, versteckten oder ihnen die Flucht ermöglichten, vor. Kern der Dokumentation ist die Begegnung eines Holocaust-Überlebenden mit der Tochter seines Lebensretters. Beide Beteiligten fanden in diesem Zusammentreffen Antworten auf viele Fragen, mit denen sie sich zeitlebens beschäftigt haben. Was war die Motivation, in dieser gefährlichen Zeit sich für verfolgte Menschen einzusetzen? Woher kam der Mut, dem zahlreiche Menschen das Leben verdankten? 2018 soll der im Film geschilderte Fall in der Gedenkstätte Yad Vashem aufgenommen und dokumentiert werden. Noch gibt es Überlebende in Israel, die befragt werden können.

Sa, 27. Jan · 19:45-20:00 · 3sat
Die Causa Gurlitt – verdrängtes Erbe Nazi-Raubkunst

Was bleibt vom Fall Cornelius Gurlitt? Vielleicht nur der Skandal Gurlitt? Filmemacher Maurice Philip Remy erhebt Vorwürfe gegen die Kunstfahnder, sie hätten Gurlitt voreilig kriminalisiert. Sie hätten ohne die nötige Sachkenntnis den Besitzer der Werke, den greisen Kunstliebhaber Cornelius Gurlitt, um sein Eigentum und sein zurückgezogenes Leben gebracht. Zwei große Ausstellungen in Bonn und Bern werten aktuell den Gurlitt-Nachlass aus. Um das juristisch fragwürdige Agieren der Behörden wenigstens im Nachgang zu rechtfertigen, verbreiteten die beiden Ausstellungen – so Remy – fleißig weiter die Legende vom schuldverstrickten Kunsthändler Hildebrand, dem Vater jenes Cornelius, der angeblich aus Habgier einen Pakt mit den Nazis einging. Womöglich ist am Ende das Positivste am Fall Gurlitt, dass sich nun erstmals Museen und Galerien ernsthaft der Vorgeschichte ihrer Werke und Sammlungen widmen und dieses verdrängte Thema der Kunstwelt diskutiert wurde.

Sa, 27. Jan · 21:00-21:45 · PHOENIX
Widerstand unter Hitler

„De gode Tysker“ – der „gute Deutsche“ wird er in Dänemark noch heute genannt oder auch der „Schindler von Kopenhagen“: Georg Ferdinand Duckwitz. Der deutsche Diplomat rettete fast 7.000 dänische Juden vor der Deportation durch die deutsche Wehrmacht. Der Radio Bremen-Film von Reinhard Joksch widmet sich dieser außergewöhnlichen Rettung und dem Leben von Duckwitz mit seinen Brüchen

Sa, 27. Jan · 23:20-01:00 · MDR
Die Frau in Gold

Maria Altmann (Helen Mirren) führt ein zufriedenes Leben in Los Angeles. Doch die Erinnerungen an die Vergangenheit haben sie nie losgelassen: Als Tochter der jüdischen Unternehmerfamilie Bloch-Bauer war sie vor dem Zweiten Weltkrieg in Wien zu Hause, bevor sie vor den Nationalsozialisten in die USA fliehen musste. Viele Jahrzehnte später erfährt die alte Dame, dass sie die rechtmäßige Erbin mehrerer Werke des österreichischen Malers Gustav Klimt ist. Darunter befindet sich Klimts Porträt ihrer geliebten Tante Adele Bloch-Bauer, das zu den bedeutendsten Werken der Wiener Secession zählt. Die Kunstwerke, damals von den Nazis geraubt, sind mittlerweile im Besitz der Republik Österreich. Die „Goldene Adele“ wird dort als österreichische Mona Lisa verehrt – Marias Ansinnen nach Rückgabe des millionenschweren Kunstschatzes stößt dementsprechend auf wenig Begeisterung. Deshalb schätzt sie ihre Forderung zunächst als hoffnungsloses Unterfangen ein. Zögern lässt sie auch ihr Schwur, niemals wieder nach Österreich zurückzukehren. So ist die tatkräftige Unterstützung des unerfahrenen Anwalts Randy Schoenberg (Ryan Reynolds), eines Enkels Arnold Schönbergs, und des Wieners Journalisten Hubertus Czernin (Daniel Brühl) nötig, damit die Erbin nach Wien fliegt und sich mit Entschlossenheit der Herausforderung stellt, einen juristischen Machtkampf um das wertvolle Familienerbe auszutragen. Diese Reise wird Marias Leben abermals verändern.

Sa, 27. Jan · 23:45-01:25 · RBB
Ein Leben für ein Leben – Adam Hundesohn

Adam Stein, vor dem Krieg ein begnadeter Berliner Clown und Varieteekünstler, wird ins Konzentrationslager deportiert. Hier trifft er auf den zynischen Lagerkommandanten Klein, einen „Bewunderer“ seiner Kunst. Zu Kleins Zerstreuung muss Adam dessen Schäferhund mimen und im Zwinger leben. Er erträgt jede Demütigung, in der Hoffnung, seine Familie vor der Gaskammer zu retten. Aber Klein kennt keine Gnade. Adam überlebt, wird von Schuldgefühlen gepeinigt und hat selbst Jahrzehnte später sein Trauma nicht überwunden. Als seine Pensionswirtin wegen Adams‘ gewalttätigen Verhaltens wieder einmal die Polizei rufen muss, wird Adam in eine abgeschiedene Nervenklinik eingeliefert. Das Shoa-Sanatorium ist ein Museum der Qualen, in dem psychisch zerrüttete Holocaust-Überlebende die unvorstellbare Pein der Nazi-Herrschaft in einer Endlos-Zeitschleife wieder und wieder durchleben. Adam ist hier der einzige Lichtblick. Mit seinen furiosen Kaspereien rüttelt er Patienten und Personal gleichermaßen auf. Dank seines Einfühlungsvermögens als Komiker entwickelt er eine Methode, um die Insassen von ihrer „Überlebensschuld“ zu befreien. Sich selbst kann er jedoch nicht helfen. Nachdem eines Tages ein winselndes Kind eingeliefert wird, das sich unter dem Bett versteckt, „erschnüffelt“ Adam einen Seelenverwandten: Es ist ein Junge, der sich für einen Hund hält. Bellend und auf allen Vieren nähert Adam sich dem Kind, macht sich zu dessen „Alphatier“. Dank dieser Konfrontation findet der Junge ins menschliche Leben zurück. Auch Adam kann sich endlich den Dämonen seiner Vergangenheit stellen. Paul Schraders kongeniale Adaption des israelischen Romans von Yoram Kaniuk zählt zu den ungewöhnlichsten Holocaust-Filmen überhaupt. In seinem surreal angehauchten Opfer-Psychogramm lässt Schrader – durchbrochen von Schwarz-Weiß-Rückblenden – Tragik und grotesken Humor, Erotik und abgrundtiefe Verzweiflung aufeinanderprallen. Hollywoodstar Jeff Goldblum, der als todtrauriger Clown zwischen Selbsthass und Erlösungssehnsucht schwankt, ist in seiner bislang eindrucksvollsten Rolle zu sehen. Der dämonische KZ-Kommandant Klein wird von Willem Dafoe verkörpert, des Weiteren spielen die deutschen Stars Moritz Bleibtreu, Joachim Król, Juliane Köhler und Veronica Ferres.
© Bild: rbb/Degeto KZ-Häftling Adam Stein (Jeff Goldblum, li.) muss für den sadistischen Lagerkommandanten Klein (Willem Dafoe) den Hund spielen.

Mo, 29. Jan · 01:30-03:00 · HR
Ein blinder Held – die Liebe des Otto Weidt

Mit List und Bestechung versucht der Berliner Bürstenfabrikant Otto Weidt in den vierziger Jahren, seine Mitarbeiter, die fast alle Juden und fast alle blind sind, vor dem Zugriff der Gestapo zu bewahren. Als seine Sekretärin Alice Licht am Ende nach Auschwitz deportiert wird, macht sich Weidt, selbst nahezu blind, auf den Weg, um sie zu befreien. Es gelingt ihm, doch seine Liebe zu ihr bleibt unerfüllt.

Di, 30. Jan · 20:14-01:21 · arte
Gegen das Vergessen – Zum Gedenktag der Befreiung von Auschwitz

Am 27. Januar 1945 befreit die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz. Dieses Datum wird 60 Jahre später durch die Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt. Aus diesem Anlass hat ARTE im Januar 2018 einen Themenschwerpunkt mit Filmen der französischen Filmemacher Claude Lanzmann und Emil Weiss ins Programm genommen. Claude Lanzmann versuchte mit seinem großen Dokumentarfilm „Shoah“ das Unnennbare zu benennen. Damit ging der hebräische Begriff der „Schoah“ in den aktiven Wortschatz vieler Sprachen und Gesellschaften für das unvergleichliche Geschehen während des Zweiten Weltkriegs ein: die industrielle Ermordung – der Genozid – von sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens auch Holocaust – „ganz verbrannt“ – genannt. Claude Lanzmann reiste über elf Jahre durch ganz Europa und Israel und sprach mit Menschen, die die Schoah überlebt hatten. Er arbeitete nahezu zwei Jahrzehnte an dem mehr als neunstündigen Dokumentarfilm. Bei der Montage von „Shoah“ stellte Claude Lanzmann aber fest, dass er einige der langen Gespräche, die er geführt hatte, nicht für „Shoah“ verwenden konnte. Aus diesem Material entstanden in den letzten Jahren mehrere Dokumentarfilme, die ARTE nun zeigt. Vier bewegende Interviews mit Frauen, die den Gräueln der Nazis entkommen konnten, montierte Lanzmann zu der Dokumentarfilmreihe „Vier Schwestern“. Ruth Elias, Ada Lichtman, Paula Biren und Hanna Marton sind Überlebende und schildern ihre Geschichte sehr intim und schonungslos offen. 2013 erscheint ein weiterer Film aus den „Shoah“-Interviews. „Der letzte der Ungerechten“ basiert auf unveröffentlichtem Material aus Gesprächen mit dem Rabbiner Benjamin Murmelstein. Dr. Murmelstein war eine sehr ambivalente Persönlichkeit. Er wurde von den Nationalsozialisten unter Zwang zum Mitglied des Wiener „Judenrates“ und später nach der Ermordung Dr. Eppsteins zum dritten „Judenältesten“ in Theresienstadt ernannt. Zeitlebens stand er unter Kollaborationsverdacht. Doch sein Bemühen, möglichst viele Menschen zu retten, rückt ihn in ein anderes Licht. Claude Lanzmann marschiert mit Dr. Murmelstein durch das hell erleuchtete Rom und lässt ihn von der Dunkelheit Theresienstadts erzählen. Ergänzt wird die Lanzmann-Reihe mit dem Dokumentarfilm „Auschwitz. Das Projekt“ von Emil Weiss. Der Film zeigt in bedrückender Stille Zeitzeugenberichte von vier Auschwitz-Überlebenden.

Di, 30. Jan · 20:15-21:20 · arte
Vier Schwestern (3/4) Baluty, Paula Biren

Aus dem jüdischen Ghetto in Lodz sind zahlreiche Dokumente, Tagebuchaufzeichnungen und sogar einige Fotos erhalten, aber nur wenige Aussagen von Überlebenden. Umso bedeutender sind die Erzählungen von Paula Biren, die damals der weiblichen Ghettopolizei angehörte und das Geschehen scharf beobachtete und klug einzuordnen wusste. In Polen gab es Hunderte Ghettos, von denen das in Lodz am längsten bestand. Es wurde mit harter Hand von Mordechai Chaim Rumkowski geführt. Der Leiter des Judenrates, von den Bewohnern auch „König Chaim“ genannt, war überzeugt, dass er einen Teil der Juden retten könnte, indem er sie zu unverzichtbaren Arbeitskräften für die Deutschen machte.

Di, 30. Jan · 21:00-21:45 · RBB
Nacht über Deutschland

30. Januar 1933-Hitler wird Reichskanzler. Keinen Monat später, am 27. Februar, brennt der Reichstag. Hitler nutzt die Gelegenheit, den Aufbau seines Macht- und Terrorapparates zu forcieren. Die Dokumentation erzählt vom rasanten, erschreckenden und dennoch nicht unaufhaltsamen Weg Deutschlands in die Diktatur, von Hitlers ersten hundert Tagen bis hin zum 10. Mai, dem Tag der Bücherverbrennung. Der 30. Januar 1933 ist der Tag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. Keinen Monat später brennt der Reichstag. „Es gibt kein Erbarmen; wer sich uns in den Weg stellt wird niedergemacht. Das deutsche Volk wird für Milde kein Verständnis haben.“ Mit diesen Worten wird Hitler zitiert, wie er sich an eine Gruppe von Politikern und Polizisten wendet, die sich am brennenden Reichstag versammelt haben. Er soll geschrien haben, vor Erregung. Hitler nutzt den Reichstagsbrand als Gelegenheit, den Aufbau seines Macht- und Terrorapparates in beispielloser Weise zu forcieren. Tags darauf wird die Notverordnungen „zum Schutz von Volk und Staat“ erlassen. Damit werden verfassungsmäßige Grundrechte außer Kraft gesetzt. Der Beginn einer totalitären Herrschaft, die vor nichts zurückschreckt. Nacht über Deutschland. Die Dokumentation zeigt den rasanten, erschreckenden und dennoch nicht unaufhaltsamen Weg Deutschlands in die Hitler-Diktatur. Sie erzählt die ersten hundert Tage von Hitlers Kanzlerschaft. Eine kurze Zeitspanne, die trotzdem Antworten gibt, auf die immer wiederkehrende Frage: „Wie war Hitler möglich?“. Eine Geschichte der politischen Tricks und des brutalen Terrors, der haltlosen Versprechungen und wohlgesetzten Drohungen, des Widerstands und der raschen Ausschaltung aller demokratischen Kräfte. Es war nicht die „Vorsehung“, wie Hitler selbst seine Ernennung zum Reichskanzler und die Wochen danach verbrämte, sondern ein „Blitzkrieg“ gegen Demokratie und Menschenrechte mit dem erklärten Ziel die Alleinherrschaft an sich zu reißen. Mit allen verfügbaren Mitteln und in einem schwindelerregenden Tempo – mal in brauner Uniform, mal in Frack und Zylinder. Bemerkenswert dabei ist, wie einfach sich die Institutionen, die die Weimarer Republik getragen hatten, überwältigen ließen. Und die Mehrheit der Deutschen? Sie wird immer mehr eingesponnen in die „Volksgemeinschaft“ der Nazis, mit Hitlergruß und Hakenkreuz. Die Dokumentation führt vom 30. Januar 1933, der Errichtung der ersten Konzentrationslager und dem „Tag von Potsdam“ (21. März) über den Boykott gegen jüdische Geschäfte (1. April), dem „Tag der Arbeit“ (1. Mai) bis hin zu den Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933, dem hundertsten Tag von Hitlers Kanzlerschaft. Die Chronik einer Machteroberung ohnegleichen. Nach diesen 100 Tagen hat sich Deutschland radikal verändert. Es herrscht der „Ausnahmezustand“: Die Länder sind gleichgeschaltet, Bedrohung, Entrechtung und Ausgrenzung werden zum Alltag für „Andersdenkende“ und die jüdische Bevölkerung. Es gibt keine Gewerkschaften mehr, der „undeutsche Geist“ wird verfolgt und verbrannt. Der Film von Jürgen Ast und Kerstin Mauersberger rekonstruiert die Ereignisse, ihre Geschichte, ihre Hintergründe und ihre Folgen. Historiker wie Michael Wildt, Norbert Frei und Hans-Ulrich Thamer kommen zu Wort. So entsteht ein kompaktes Gesamtbild dieser ersten 100 Tage von Hitlers Herrschaft.

Di, 30. Jan · 21:20-22:30 · arte
Vier Schwestern (4/4) Arche Noah, Hanna Marton

Als die Nazis 1944 mit der Deportation ungarischer Juden begannen, verhandelte der Leiter des Hilfs- und Rettungskomitees Rudolf Kastner mit Adolf Eichmann und bot diesem ein Lösegeld pro Person. Kastner erhöhte den Preis so lange, bis Eichmann einwilligte, Juden gegen Geld freizulassen. Ein Spezialtransport fuhr von Budapest über Bergen-Belsen in die Schweiz. Hanna Marton gehörte zu den 1.684 Juden des Konvois, die so dem sicheren Tod entkamen. Zeitgleich wurden nach der grausamen Vernichtungslogik der Nazis im Gegenzug 450.000 ungarische Juden in den Gaskammern von Birkenau ermordet beziehungsweise bei lebendigem Leib im Freien verbrannt.

Di, 30. Jan · 21:40-22:40 · 3sat
Leben nach der Shoah – Die letzten Zeugen, Leben nach der Shoah

Ein paar der letzten Überlebenden deutscher Konzentrationslager leben heute in der Schweiz. Sie sind hier dank oft unglaublich anmutender Zufälle und gegen alle Wahrscheinlichkeit. Wie lebt man mit einem solchen Schicksal und wie blickt man auf die Welt? Der Film zeigt fünf jüdische Überlebende zwischen 80 und 93 Jahren, die alle als Kinder oder Jugendliche deutsche Konzentrationslager überlebt haben. Eduard Kornfeld und Fishel Rabinovicz, beide lungenkrank, kamen Ende der 1940er-Jahre zur medizinischen Pflege nach Davos. Nina Weilova, Egon Holländer und Ivan Lefkovits flohen 1967/68 aus der kommunistischen Tschechoslowakei in die Schweiz. Sie alle haben in den Nazi-Lagern nächste Angehörige wie Eltern und Geschwister verloren. Der Film blendet zurück auf ihre Erlebnisse am Rande des Vorstellbaren. Er zeigt die Protagonisten aber auch in ihrem Alltag, das Erlebte begleitet sie ständig. Wie kann man weiterleben nach der Shoah? Manche Überlebende haben sich später das Leben genommen, wie etwa die Schriftsteller Primo Levi und Jean Améry. Andere haben das Weiterleben gewagt, wie der Psychiater Viktor Frankl, der darüber geschrieben hat: „Trotzdem Ja zum Leben sagen“. Einige dieser letzten Zeugen der Menschheitskatastrophe Auschwitz kamen mehr oder weniger zufällig in die Schweiz. Es konnten sich beeindruckende Biografien entfalten, trotz tiefer Wunden und oft jahrzehntelangem Schweigen über das Erlebte. Im Film sitzen alle fünf Zeugen je einzeln auf dem gleichen Sofa und erzählen ihr Leben. Dieses wird zum Ort des kollektiven Erinnerns. Von hier aus schweifen Bildergeschichten in die jeweiligen Lebenswelten. Die Erinnerungen an die Erlebnisse auf der Flucht oder im Lager überlagern sich mit dem Blick in ihr heutiges Leben und ihren Alltag. Der Film entstand aus der Ausstellung „The Last Swiss Holocaust Survivors“ der Gamaraal Stiftung. Regisseur Eric Bergkraut porträtierte für die Wanderausstellung zunächst 20 Überlebende in der Form reiner Gespräche. Fünf Protagonisten wählte er für diesen Film und entschloss sich dabei, den Akzent auf das Leben zu setzen.

Di, 30. Jan · 23:30-00:25 · arte
Tödliche Rache – Vom Holocaust-Opfer zum Mörder

Der 85-jährige Mosche Knebel ist ein Großvater wie viele andere – und doch trägt er ein dunkles Geheimnis. Als Partisan und Mitglied des polnischen Geheimdienstes hat er sich nach dem Zweiten Weltkrieg grausam gerächt für die Ermordung seiner Familie: an den Nazis, aber auch an den Polen, die seine Familie an die Nazis verraten hatten. Zusammen mit seinen drei Kindern, seinem Sohn David und seinen beiden Töchtern Hannah und Batya, macht Mosche sich von Israel auf den Weg zurück in seine alte Heimat, nach Polen. Es wird eine Reise in eine dunkle Vergangenheit, von der seine Kinder immer nur Bruchstücke erfahren haben, ohne je die ganze Wahrheit über ihren Vater zu kennen. 1942: Nur knapp entkommt der 15-jährige Mosche der Ermordung seiner Familie durch Nazis und polnische Kollaborateure. Er schließt sich russischen Partisanen an und überlebt die Kriegsjahre in den Wäldern Polens. Nach dem Ende des Kriegs wird er Mitglied der polnischen Geheimpolizei. Sein offizieller Auftrag: die Feinde des Kommunismus ausschalten. Im Geheimen beginnt Mosche jedoch einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen alle, die seine Familie auf dem Gewissen haben. Auge um Auge. Wie gehen seine Kinder damit um, dass ihr Vater nicht nur ein Holocaust-Überlebender, sondern auch ein Täter, ein Mörder war? Wie wird die Begegnung zwischen Mosche und seinen alten polnischen Nachbarn und Freunden sein, die bei der Auslöschung seiner Familie zugesehen haben? Es wird für Vater und Kinder eine schmerzliche Reise in die Vergangenheit, an deren Ende sich alle mit neuen Augen sehen werden.

Di, 30. Jan · 23:45-00:50 · 3sat
Pizza in Auschwitz

Der Dokumentarfilm des israelischen Filmemachers Moshe Zimmerman schildert eine Reise in die Vergangenheit aus der Sicht eines Mannes, dessen Leben unwiderruflich vom Holocaust geprägt ist. Der 74-jährige Dani Chanoch hat Auschwitz überlebt. Oder er hat – wie er es ausdrückt – einen „BA“, einen Bachelor of Auschwitz. Der große, charismatische Mann hat mehrfach im Rahmen von Delegationen in Polen ehemalige Vernichtungslager der Nazis besucht. Es dauerte lange, ehe Moshe Zimmerman seine Kinder Miri und Sagi dazu bewegen konnte, gemeinsam mit ihm die Schauplätze seiner verlorenen Kindheit aufzusuchen. Sechs Tage lang fahren die drei Familienmitglieder mit einem Filmteam von Lager zu Lager und besuchen die Stätten von Danis Kindheitstraumata. Zuletzt gelangen sie nach Auschwitz-Birkenau. Dort will Dani einen Wunsch verwirklichen, den er schon sein ganzes Leben lang hegt. Er möchte mit seinen Kindern eine Nacht auf seiner alten Pritsche in seiner alten Baracke verbringen. Danis Kinder Miri, 38, und Sagi, 40, waren ihr Leben lang täglich auf die eine oder andere Weise mit dem Holocaust konfrontiert. Sie nahmen den Vorschlag, ihren Vater auf eine Reise zu den Vernichtungslagern zu begleiten, mit sehr gemischten Gefühlen auf. Miri erklärt, dass sie dem Holocaust lieber nicht in die Augen sehen möchte. Während sie eine Pizza essen, die Miri in der nahe gelegenen Stadt Auschwitz gekauft hat, kommt es zur unvermeidlichen Konfrontation zwischen dem Vater und seinen Kindern, die zugleich von schwarzem Humor und großem Schmerz erfüllt ist. Der Filmemacher Moshe Zimmerman drehte unter anderem die Filme „A Whale on Sheraton Beach“ und „An Evening without Na’ama“ und schrieb mehrere Bücher über das israelische Kino. Da er selbst Kind von Holocaust-Überlebenden ist, stellte diese Reise mit Dani Chanoch und dessen Kindern für ihn ebenso wie für die drei Protagonisten eine Katharsis dar.

Mi, 31. Jan · 00:25-01:25 · arte
Claude Lanzmann – Stimme der Shoah

30 Jahre nach Vollendung seines zehnstündigen Meisterwerks „Shoah“ erzählt Claude Lanzmann dem Filmemacher und Journalisten Adam Benzine von den menschlichen und künstlerischen Abgründen, an die ihn das Ringen um die Wahrheit über die Ermordung der Juden führte. Claude Lanzmann führt mit seiner emotionalen Erinnerung zurück in die 70er Jahre, als er fast 30 Jahre nach Kriegsende in Deutschland auf Täter traf, die wenig Reue zeigten, die sich in einer scheinbar wohlgeordneten Kleinbürgerlichkeit eingerichtet hatten und die nur mit Tricks und verdeckter Kamera zum Reden gebracht werden konnten. Und als die Überlebenden selbst möglichst nicht mehr mit dem Schmerz des Erlittenen konfrontiert sein wollten. Doch genau darum ging es Claude Lanzmann, er wollte, dass sie mit ihm, mit dem Film, mit den Zuschauern, das Grauen in der Erinnerung noch einmal erfuhren. Neben dem „Making of“, konzentriert sich der Film von Adam Benzine auf einige zentrale Moment in Claude Lanzmanns Leben, seine Jugendjahre, in denen er in der Résistance kämpfte, seine Liebesgeschichte mit Simone de Beauvoir und seine tiefe Freundschaft mit Jean-Paul Sartre, seine Hoffnungen und Erwartungen für die Zukunft. Die Geschichte von „Shoah“ war für Claude Lanzmann eine zwölfjährige Konfrontation mit dem größten Verbrechen an der Menschlichkeit und die Arbeit daran, wie er es selbst beschreibt, „eine seltsame Mischung aus akuter Notsituation und äußerster Geduld“.

Mi, 31. Jan · 21:40-22:35 · arte
Unter dem Hammer der Nazis – Die geheimen Akten des Adolf W.

März, 2013: Im Keller des Münchner Auktionshauses Neumeister wird ein sensationeller Fund gemacht: 44 Versteigerungskataloge von 1936 bis 1944. Es sind die persönlichen Exemplare des Auktionators Adolf Weinmüller. Darin enthalten: seine handschriftlichen Anmerkungen zu über 33.000 versteigerten Objekten. Niemals zuvor wurden solche Informationen entdeckt. Katrin Stoll, die Inhaberin des Auktionshauses Neumeister, ahnt: „Wir haben eine Leiche im Keller gefunden.“ Sie trifft eine mutige Entscheidung und lässt die Geschichte des eigenen Unternehmens aufarbeiten. Wie tief war Adolf Weinmüller in den Kunstraub der Nazis verstrickt? Eine spannende Spurensuche beginnt. Der größte und brutalste Kunsträuber der Geschichte ist Adolf Hitler, kein Kunstwerk ist vor dem Zugriff des Diktators sicher. Jüdische Kunsthändler müssen Deutschland fluchtartig verlassen – einer davon ist Siegfried Lämmle. Heute leben seine Nachkommen in den USA. Die Hoffnung, etwas von der gestohlenen Kunst wiederzubekommen, haben sie vor vielen Jahren aufgegeben. Nach Ausbruch des Krieges ist die Kunst in ganz Europa in Gefahr. Hitler hat eine größenwahnsinnige Idee: Er will die größte Kunstsammlung der Welt. Einer der letzten sogenannten Monuments Men ist Harry Ettlinger. Die alliierte Sondereinheit ist einzigartig in der Geschichte. Ihr Auftrag: Sie sollen die Raubkunst der Nazis aufspüren und ihren rechtmäßigen Besitzern übergeben. 70 Jahre später erfahren die Nachkommen der jüdischen Opfer, auch die Enkelin Siegfried Lämmles, erstmals von dem gesamten Umfang des Raubes. Mit Hilfe der Weinmüller-Akten gibt es nun wieder die Hoffnung, von dem Gestohlenen etwas zurückzubekommen.

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