Fernsehtipps fürs neue Jahr

Vom 01. bis 15. Januar 2018…

Di, 2. Jan · 02:50-04:20 · HR
Pfarrer Braun: Die Gärten des Rabbiners

Nach einem rätselhaften Mordfall in der Synagoge von Potsdam wird ausgerechnet der Rabbiner Seelig verdächtigt. Pfarrer Braun, der hier gerade seine neue Wirkungsstätte bezogen hat, leistet seinem jüdischen Kollegen gottgewollte Amtshilfe und ermittelt in der jüdischen Gemeinde. Nebenbei müssen Braun und Seelig gemeinsam eine jüdisch-katholische Liebesheirat ermöglichen. Ein schwieriges Problem, denn die Familien des jungen Paares sind sich nicht grün: Ihre Gärtnereien konkurrieren erbittert. Bischof Hemmelrath und sein Adlatus Mühlich wollen Pfarrer Braun versetzen. Ostgrönland oder Potsdam stehen zur Auswahl. Und so fügt Braun sich in sein Schicksal und reist mit der Roßhauptnerin und Armin nach Potsdam. Ein Novum für den katholischen Pfarrer: Seine neue Wirkungsstätte liegt in der Nachbarschaft einer jüdischen Gemeinde. Braun gewöhnt sich jedoch schnell ein, denn kurz nach seiner Ankunft geschieht ein Mord – ausgerechnet in der Synagoge: Ein Geselle aus der hiesigen Gärtnerei Grün wurde mit einem Blumendraht erwürgt. Kommissar Geiger, aufgrund seiner hohen Aufklärungsquote zum LKA berufen, verdächtigt ausgerechnet Rabbi Seelig. Braun ist diese Verdächtigung nicht ganz koscher. Er nimmt erst einmal eine Prise Schnupftabak und leistet seinem jüdischen Kollegen gottgewollte Amtshilfe. Dabei kommt er einer jüdisch-katholischen Familienfehde auf die Spur. Die Gärtnerei Grün und die Gärtnerei Kruschke kämpfen mit harten Bandagen um lukrative Marktanteile bei der Bepflanzung des weltberühmten Schlossparks Sanssouci. Trotz der Feindschaft verbindet Adam Grüns Tochter Alisha und Egon Kruschkes Sohn Gerd eine heimliche Zuneigung. Gemeinsam mit Rabbi Seelig will Braun eine Liebesheirat durch Familienversöhnung ermöglichen. Bei der Frage, wer dabei zu welchem Glauben konvertiert, treten die beiden Gottesmänner in einen temperamentvollen Wettstreit. Nebenbei findet Braun heraus, dass der Ermordete ein begnadeter Botaniker war. Er hat eine neue Tulpenzwiebel gezüchtet, die mit Gold aufgewogen wird.

Mi, 3. Jan · 16:00-16:30 · ARD-alpha
lesenswert sachbuch: Walter Janson in Gespräch mit Irina Scherbakowa

In „lesenswert sachbuch“ ist dieses Mal die russische Übersetzerin und Journalistin Irina Scherbakowa bei Walter Janson zu Gast. Vorgestellt wird ihr Buch „Die Hände meines Vaters“. Irina Scherbakowas jüdische Großmutter hat die Pogrome, die Oktoberrevolution und den Bürgerkrieg von 1917/18 überlebt. Ihr Vater kämpfte als Offizier im Zweiten Weltkrieg vor Stalingrad. Sie selbst wuchs zur Stalinzeit in Moskau auf. Das Buch ist ein beeindruckendes Porträt nicht nur einer Familie, der es stets mit viel Glück gelang, düstere Zeiten zu überstehen, sondern auch und vor allem die mitreißende Geschichte eines bewegten Jahrhunderts. In „lesenswert sachbuch“ ist dieses Mal die russische Übersetzerin und Journalistin Irina Scherbakowa bei Walter Janson zu Gast. Vorgestellt wird ihr Buch „Die Hände meines Vaters“ (Droemer). Irina Scherbakowas jüdische Großmutter hat die Pogrome, die Oktoberrevolution und den Bürgerkrieg von 1917/18 überlebt. Ihr Vater kämpfte als Offizier im Zweiten Weltkrieg vor Stalingrad. Sie selbst wuchs zur Stalinzeit in Moskau auf. Das Buch ist ein beeindruckendes Porträt nicht nur einer Familie, der es stets mit viel Glück gelang, düstere Zeiten zu überstehen, sondern auch und vor allem die mitreißende Geschichte eines bewegten Jahrhunderts. Irina Scherbakowa wurde 1949 in Moskau geboren. Sie arbeitet heute als Übersetzerin deutscher Belletristik, als freie Journalistin und als Redakteurin diverser Literaturzeitschriften. Gerade erhielt sie die Goethe-Medaille für ihren Mut und ihre Entschlossenheit, sich gegen Ungleichbehandlung einzusetzen.

Fr, 5. Jan · 20:15-21:45 · 3sat
TANNBACH – Schicksal eines Dorfes (1/3) Der Morgen nach dem Krieg

Anhand der Lebenswege der Bewohner eines kleinen Ortes an der bayerisch-thüringischen Grenze erzählt der Mehrteiler vom Nachkriegsdeutschland auf dem Weg zur deutsch-deutschen Teilung. Deutschland 1945, die letzten Tage vor der endgültigen Kapitulation: Auf Gut Striesow an der thüringisch-bayerischen Grenze sind unzählige Flüchtlinge einquartiert, man wartet auf das erlösende Ende des Krieges. Doch im letzten Moment kann die SS durch Verrat noch ein Exempel statuieren: Caroline von Striesow wird exekutiert, weil sie ihren desertierten Mann Georg versteckt. Ihre Tochter Anna ist tief erschüttert. In Friedrich, dem Sohn von Liesbeth Erler, die aus Berlin nach Gut Striesow geflüchtet ist, findet sie einen Vertrauten in ihrem Verlust. Er hat seinen Vater im Krieg verloren. Als kurz darauf die Amerikaner Dorf und Gut einnehmen, müssen sich die Bewohner mit der neuen Situation arrangieren. Franz Schober, NS-Parteimitglied und Verräter des versteckten Georg von Striesow, glaubt sein Parteibuch verschwunden und nutzt diese Chance, sich den Amerikanern anzudienen. Hilde Vöckler verrät aus Abscheu ihren Sohn Horst, den mörderischen SS-Mann, an die neuen Besatzer. Lothar, jüdischer Ziehsohn von Liesbeth Erler, geht zurück nach Berlin, um nach seinen verschollenen Eltern zu suchen. Georg von Striesow, der von dem Verrat durch Franz Schober erfährt, greift diesen tätlich an und wird als Konsequenz von den Amerikanern in ein Kriegsgefangenenlager abgeschoben. Jetzt trägt die junge Anna von Striesow die alleinige Verantwortung für das Gut und sucht die Verständigung mit den Amerikanern. Doch die Besatzungszonen verschieben sich – und Tannbach befindet sich im Sommer 1945 plötzlich in der sowjetischen Zone.

Fr, 5. Jan · 21:15-22:50 · One
Hotel Lux

Deutschland, 1938: Der Komiker und Parodist Hans Zeisig muss mit falschen Papieren aus Nazi-Berlin fliehen. In der Eile bekommt er einen gefälschten Pass, der eigentlich für Jan Hansen, Hitlers ehemaligen Leibastrologen vorgesehen war. Zeisig, der eigentlich von einer Karriere in Hollywood träumt, landet so in Moskau – und zwar im berüchtigten Exilanten-Hotel „Lux“. Das Hotel ist ein Zufluchtsort kommunistischer Funktionäre aus aller Welt, insbesondere aus Deutschland, unter ihnen Walter Ulbricht und Herbert Wehner. Für den unpolitischen Komödianten läuft es nicht gut: Die Kommunisten stehen ihm misstrauisch gegenüber, der sowjetische Geheimdienst hält Zeisig für den abtrünnigen Hitler-Astrologen und die attraktive Kommunistin Frida, an die sich Zeisig heranmacht, erweist sich als Frau seines alten Freundes und Kabarettpartners aus Berliner Zeiten. So gerät der unpolitische Entertainer zwischen alle Fronten. Und damit nicht genug: Zeisig wird zu Josef Stalin gebracht – der bittet den vermeintlichen Astrologen um Rat in der Frage, ob er mit Hitler verhandeln soll.

Sa, 6. Jan · 11:30-12:15 · NDR
Der Traum von der Neuen Welt

Von 1840 bis 1939 verlassen 55 Millionen Europäer ihre Heimat und machen sich auf Richtung Westen, um in Nord- und Südamerika zu siedeln. Sie alle eint der Traum von der Neuen Welt. Die Auswanderer erleben Abenteuer und Verzweiflung, sie brechen Rekorde oder verlieren alles, was ihnen lieb und teuer ist. Viele haben später davon berichtet. 20 Frauen und Männer erzählen in der vierteiligen Dokumentation ihren Traum von der Neuen Welt. Es gibt Anfang des 19. Jahrhunderts viele Gründe, Europa den Rücken zu kehren. Viele Menschen leben in Armut. Religiöse Verfolgung erleiden vor allem Juden und Mitglieder freikirchlicher Gemeinschaften. Bürokratische Vorschriften behindern die freie Entfaltung. Freiheit ist auch Jahrzehnte nach der Französischen Revolution nur ein schöner Traum. So fasst zu dieser Zeit der deutsche Emigrant Carl Schurz das amerikanische Versprechen von Freiheit und Wohlstand zusammen: Als Kind habe er „zum ersten Mal von dem unermesslichen Lande jenseits des Ozeans“ gehört, „von der jungen Republik, wo es nur freie Menschen gäbe, keine Könige, keine Grafen, keinen Militärdienst und, wie man bei uns glaubte, keine Steuern“. Vielen der Auswanderer gelingt es, in der Neuen Welt Fuß zu fassen. Carl Schurz musste mit seiner Frau Margarethe aus Deutschland fliehen, da er politisch verfolgt wurde. Wie viele Auswanderer befeuerten sie die USA mit ihren Ideen, um in Freiheit leben können. Die Irin Ann Mac Nabb arbeitet als Köchin und Kindermädchen zugleich, so hart, dass sie ihre ganze Familie, Eltern und Geschwister, in die USA holen kann. Der schwedische Auswanderer Gustaf Fair steigt nach vierjähriger Mühsal als Hilfsarbeiter zum wohlhabenden Farmer auf und bewirtschaftet seine erste eigene Parzelle. Dorothea Louise Ludwig wird von sogenannten Mädchenhändlern aus Deutschland in die USA gebracht, wo sie tageweise als Begleitdame an Gastwirte vermietet und zur Schau gestellt wird. Sie kann sich in einer gesetzlosen Welt behaupten. Die Demokratie in den USA wird zum Erfolgsmodell, und die Berichte aus Amerika verstärken schließlich auch in Europa den Wunsch nach Veränderung.

Sa, 6. Jan · 18:00-18:15 · MDR
Suhl – Gestern. Heute. Morgen. Frau Schwalbe auf Achse

„Ich kann einfach nicht still sitzen“, sagt Heidemarie Schwalbe und muss selbst darüber lachen. Nicht still sitzen, das macht sie aus: Turngruppe, Kulturverein, Demokratiebündnis – die Geschichtslehrerin engagiert sich für Suhl. Und das schon seit Jahrzehnten. Seit einigen Jahren organisiert Heidemarie Schwalbe auch das Gedenken an die Novemberpogrome – jene Tage, an denen 1938 Synagogen in ganz Deutschland brannten. So auch die Synagoge in Suhl. Heute, fast 80 Jahre später, ist die jüdische Geschichte der Stadt Vergangenheit. Was bleibt, ist die Erinnerung. „Ich kann einfach nicht still sitzen“, sagt Heidemarie Schwalbe und muss selbst darüber lachen. Nicht still sitzen, das macht sie aus: Turngruppe, Kulturverein, Demokratiebündnis – die Geschichtslehrerin engagiert sich für Suhl. Und das schon seit Jahrzehnten. Seit einigen Jahren organisiert Heidemarie Schwalbe auch das Gedenken an die Novemberpogrome – jene Tage, an denen 1938 Synagogen in ganz Deutschland brannten. So auch die Synagoge in Suhl. Heute, fast 80 Jahre später, ist die jüdische Geschichte der Stadt Vergangenheit. Was bleibt, ist die Erinnerung. In diesem Jahr hat Heidemarie Schwalbe jugendliche Musiker aus Israel nach Suhl eingeladen. Hier werden sie gemeinsam mit deutschen Schülern musizieren, diskutieren und die Kultur des Anderen kennenlernen. Doch bis es soweit ist, gibt es noch viel für Heidemarie Schwalbe zu organisieren. Und irgendwo zwischen Blumenkauf und Essensvorbereitung stellt sich die Frage: Geht das Konzept der Veranstaltung auf? Kommen die Jugendlichen miteinander klar? Und: Kommt überhaupt jemand zum Gedenken?

Mo, 8. Jan · 12:15-12:50 · arte
Re: Wem gehört Jerusalem ? Kampf um einen Sehnsuchtsort

„Re:“ trifft Menschen auf beiden Seiten dieses Konflikts. Für sie ist Jerusalem mehr als ein politischer Streitfall. Die Stadt ist ihre Heimat. Die „Re:“-Reporter begleiten den aus der Schweiz nach Israel ausgewanderten Reiseführer Schmuel Kahn auf einer Tour durch die Altstadt, wo auf engstem Raum die heiligsten Stätten von Juden, Christen und Moslems liegen.Ali Qleibo, palästinensischer Soziologe, und Sprössling einer uralten palästinensischen Familie, fragt sich, wie er wohl reagieren würde, wenn seine Tochter einen jüdischen Mann heiraten wollte. Sarah, die Hamburgerin, die vor gut einem Monat die israelische Staatsbürgerschaft angenommen hat, plädiert engagiert für einen jüdischen Staat, während der Musiker Muhammad Mughrabi fest davon überzeugt ist, dass nur ein Dialog zwischen Israelis und Palästinensern das „Ende des Hasses“ bringt.Eine Reportage über Grenzen und Besitzansprüche, aber auch Hoffnung und Versöhnung.

Mo, 8. Jan · 23:50-01:20 · arte
Rabbi Wolff

Willy Wolff ist der Publikumsliebling aus „Im Himmel, unter der Erde“, dem Dokumentarfilm über den Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee. Dort war der kleine Mann mit Hut eine Nebenfigur, aber er schaffte, was unmöglich schien: Er sprach witzig, klug und charmant über Tod, Trauer und die Vorstellungen vom Jenseits. Seinetwegen verließen die Zuschauer den Film in heiterer Stimmung. 1927 in einer jüdisch-orthodoxen Familie in Berlin geboren, lebt Willy Wolff seit seinem zwölften Lebensjahr in England. Bevor er mit über 50 Jahren Rabbiner wurde, war Willy Wolff Journalist. Als politischer Korrespondent verschiedener englischer Tageszeitungen begleitete er drei Jahrzehnte Weltpolitik aus nächster Nähe. So reiste er mit dem britischen Außenminister nach China, in die Sowjetunion oder traf sich mit den Regierungschefs aus ganz Europa. Dieses Leben gab er auf für seinen Traum: Rabbiner zu werden. Als Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern betreut Willy Wolff die jüdischen Gemeinden in Schwerin und Rostock, aber er wohnt in einem kleinen Haus bei London. Mitte der Woche fliegt er meist nach Hamburg, steigt dort in den Zug und pendelt zu seinen Einsatzorten im Nordosten Deutschlands. In der Regel tritt er samstags die Rückreise nach England an. Oder er ist unterwegs zu einer Hochzeit in Mailand, zu einem Ausflug nach Wien oder zu den regelmäßig tagenden Rabbinerkonferenzen irgendwo in Deutschland. Höhepunkte im Jahr sind für ihn das königliche Pferderennen von Ascot, das Weihnachtssingen in der Schlosskirche von Windsor und das Neujahrsfasten in Bad Pyrmont. Willy Wolff führt ein Jetset-Leben, das er sich eigentlich nicht leisten kann. Der Umgang mit Geld zählt nicht zu seinen Stärken, das führt gelegentlich zu ziemlich weltlichen Konflikten. Rabbi Wolff ist nicht nur unterhaltsam, er öffnet Türen. Mit Witz und Charme gibt er Einblick in die Welt des Judentums. Der Dokumentarfilm über Willy Wolff ist nicht nur das Porträt einer bezaubernden Persönlichkeit, es ist auch eine Reise zu uns selbst, inspirierend und sehr unterhaltsam.
Bild oben: © Uli Holz/Britzka Film Rabbiner William „Willy“ Wolff neben der Thorarolle in der Neuen Synagoge Schwerin

Di, 9. Jan · 13:15-13:45 · 3sat
Luis Trenker – Pionier und Egomane

Luis Trenker ist auch über 25 Jahre nach seinem Tod eine Ikone der Berge: Kein anderer sorgte für eine derart nachhaltige Popularisierung der Lebenswelt in den (Süd-)Tiroler Alpen. Ob als Filmpionier oder als TV-Präsentator, er zog ein Millionenpublikum in den Bann. Ein knorriger Naturbursche mit Filzhut und Bergsteigerhemd: So ist der 1990 verstorbene Luis Trenker bis heute in Erinnerung geblieben. In den 1920er- und 1930er-Jahren prägte der Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur das junge Genre „Bergfilm“. Seine Filme lockten die Massen ins Kino – und faszinierten gleichzeitig die Diktatoren dieser Zeit, Adolf Hitler und Benito Mussolini. Zu allen Zeiten verstand der gebürtige Grödener, seinen Weg mit nahezu grenzenloser Konsequenz zu gehen. Nicht nur im brüchigen Fels bewegte er sich auf einem schmalen Grat, sondern auch am glatten Parkett der Politik. Vor allem sein Balancieren zwischen italienischem Faschismus, den deutschen Nationalsozialisten und amerikanisch-jüdischen Filmproduzenten sorgt bis heute für heiße Diskussionen, wenn es um die Einschätzung seiner Karriere geht. Unbestritten ist, dass er zu allen Zeiten mit seiner Interpretation des Alpinismus und seiner Leidenschaft für die Berge den Nerv der Menschen traf. Im Spielfilm „Der Schmale Grat der Wahrheit“ wird ein facettenreiches wie schonungsloses Bild Trenkers entworfen. Die Dokumentation nimmt die Darstellung des Films auf – und geht zentralen Fragen nach: Wer war Luis Trenker wirklich – für Menschen, die ihn kannten, und für Historiker? Was waren die Umstände seiner Zeit – vor allem im Südtirol nach 1918, im italienischen Faschismus? Was waren die Grundlagen für das Bild, das der Spielfilm entwirft? Interviewpartner sind unter anderen Trenkers Sohn Ferdinand Trenker, seine Schwiegertochter Roswitha Trenker, sein Biograf Stefan König, die Historikerin Eva Pfanzelter, der Drehbuchautor Peter Probst und Hauptdarsteller Tobias Moretti. Nach dem Zweiten Weltkrieg positioniert sich der Südtiroler gern als Regimegegner. In lebhaft vorgetragenen Anekdoten erzählte er im Fernsehen aus seinem Leben – kurzweilig, erheiternd und unkritisch. Heute zeichnen seine Briefe an NS-Eliten und die Aussagen von Zeithistorikern und Wegbegleitern ein anderes Bild. Es ist das Bild eines Mannes, der kein politischer Fanatiker war, der aber, angetrieben vom Ehrgeiz, sein ganzes Leben lang nach Anerkennung suchte.

Di, 9. Jan · 22:25-23:40 · 3sat
Yalom’s Cure – Eine Anleitung zum Glücklichsein

Irvin D. Yalom gilt als der einflussreichste Psychotherapeut der USA. Kritiker beschreiben den 80-jährigen Bestseller-Autor als inspirierend, fesselnd und lebensverändernd. Weltweit hat er Millionen von Büchern verkauft. Sein Werk betont den Wert von Beziehungen und dreht sich um die Frage, wie Therapie funktioniert. Der Film „Yalom’s Cure“ nimmt das Publikum mit auf eine existentielle Reise durch die Schichten der menschlichen Psyche. In der Rolle des Reiseleiters teilt Yalom seine Einsichten und gewährt tiefe Einblicke in sein eigenes Seelenleben. „Je besser wir uns selber kennen, desto besser wird unser Leben“, sagt Irvin Yalom. Der US-amerikanische Psychotherapeut, dessen Romane weltweit die Bestsellerlisten stürmen, rät deshalb allen zur Therapie. Denn wenn es darum geht, sich kennenzulernen, sind alle Menschen Patienten. Von der klassischen Psychoanalyse hält er jedoch nicht viel. Denn Patientinnen und Patienten brauchen nicht nur kluge Deutungen, sondern vor allem menschliche Zuwendung. Er bevorzugt deshalb die Gruppentherapie, in der Menschen lernen, aufrichtige Beziehungen einzugehen. Das Filmporträt „Yalom’s Cure“ von Sabine Gisiger bietet aber nicht nur Einblicke in die therapeutische Arbeit von Irvin D. Yalom, sondern auch in das Innere des Menschen und Autors. Ausgangspunkt ist Yaloms Kindheit in Washington. Als Sprössling jüdisch-russischer Einwanderer wuchs er in einfachen Verhältnissen auf. Um daraus zu entfliehen, verzog er sich so oft es ging in die Stadtbibliothek. Auch das frühe Kennenlernen seiner späteren Frau Marylin, einer erfolgreichen Akademikerin auf dem Gebiet der Literaturwissenschaft und der Gender Studies, spielt eine wichtige Rolle für Yaloms theoretisches und therapeutisches Denken. Weil der Mensch einsam sei, strebe er nach Partnerschaften mit anderen – davon ist er überzeugt. Irvin und Marilyn Yalom haben im Juni 2014 ihren 60. Hochzeitstag gefeiert. Sie hatten in ihrem Leben und in ihren Karrieren schwierige Zeiten aber, sagt Irvin, „wir haben nie aufgehört uns zu lieben und zu respektieren.“

So, 14. Jan · 06:55-07:40 · HR
Basare der Welt – Jerusalem

Jerusalem – Heiligtum und uralter Handelsplatz. Sieben Tore führen durch dicke Mauern in eine Altstadt, die drei Weltreligionen heilig ist: Juden, Christen und Muslimen. Innerhalb der Mauern wohnen 37.000 Menschen in nach Religionen getrennten Vierteln auf knapp einem Quadratkilometer Fläche. Dazu kommen täglich Tausende Pilger, die sich auf der Suche nach den Wurzeln ihrer Religion befinden. Konflikte sind programmiert, die Altstadt ist ein brodelnder Kessel, der jeden Moment explodieren kann. Deshalb ist auch der Basar, der sich über weite Strecken des muslimischen und christlichen Viertels erstreckt, kein Basar wie jeder andere. Jerusalem – Heiligtum und uralter Handelsplatz. Sieben Tore führen durch dicke Mauern in eine Altstadt, die drei Weltreligionen heilig ist: Juden, Christen und Muslimen. Innerhalb der Mauern wohnen 37.000 Menschen in nach Religionen getrennten Vierteln auf knapp einem Quadratkilometer Fläche. Dazu kommen täglich Tausende Pilger, die sich auf der Suche nach den Wurzeln ihrer Religion befinden. Konflikte sind programmiert, die Altstadt ist ein brodelnder Kessel, der jeden Moment explodieren kann. Deshalb ist auch der Basar, der sich über weite Strecken des muslimischen und christlichen Viertels erstreckt, kein Basar wie jeder andere. Die Filmautorin Elke Werry zeigt Orte und Innenansichten, die den meisten Touristen verborgen bleiben. Sie porträtiert Händler der verschiedenen Viertel und ihren ungewöhnlichen Alltag. Sie besucht jahrhundertealte Marktgewölbe, in denen die Bewohner ihren Lebensmittelbedarf decken, die alte Metzgergasse „Souk Lahamin“ und eine palästinensische Bäckerei. Sie trifft einen armenischen Fotografen in seinem nostalgischen Laden mit Hunderten Fotografien des alten Jerusalem und verweilt in Gässchen, in denen mit „heiligen“ Souvenirs gute Geschäfte gemacht werden. Sie macht Station in einer muslimischen Pilgerherberge, bei einem Judaica-Händler und in einem Friseurgeschäft, in dem Frauen aller Religionen für kurze Zeit ihren anstrengenden Alltag vergessen und miteinander ins Gespräch kommen.

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