L’Chaim – Auf das Leben!

Ausstellung über die Vielfalt jüdischen Lebens in Berlin…

Jüdinnen und Juden haben die Geschichte Berlins seit Jahrhunderten geprägt und entscheidend mitgestaltet. Heute entfaltet sich wieder äußerst vielseitiges jüdisches Leben in Berlin, so vielfältig wie die Stadt selbst. Die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus e.V. (KIgA) porträtiert nun in einer Ausstellung den so unterschiedlichen Alltag von Jüdinnen und Juden, die hier leben und Berlin als ihre Heimat bezeichnen. „L’Chaim – Auf das Leben“ ist ab 7. November 2017 im Abgeordnetenhaus von Berlin zu sehen. 

Hintergrund

Nach der weitgehenden Zerstörung jüdischen Lebens zwischen 1933 und 1945 leben jetzt wieder jüdische Menschen in Berlin, die ihr Judentum rein kulturell betrachten, es streng religiös leben oder aber auch keinerlei religiöse Bezüge haben. Berlin ist genauso Heimat für alteingesessene jüdische Berliner Familien wie für jüdische Zuwanderinnen und Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, der Türkei, Israel und vielen anderen Teilen der Welt. Diese Vielfalt und die Tatsache, dass es nicht „ein“ jüdisches Leben gibt, sind die Grundlage des Ausstellungskonzepts. Vor allem das „Normale“, der Alltag soll eine Rolle spielen. Denn das Leben von Jüdinnen und Juden findet nicht abseits statt, sondern ist Teil einer – wenn auch oft fragilen – gegenwärtigen Realität. „Mit L’Chaim richten wir uns insbesondere an Menschen, die bisher wenig oder gar nichts über die Vielfalt jüdischen Lebens wissen oder vielleicht nur Vorurteile kennen“, sagt Dervis Hizarci, Vorstandsvorsitzender der KIgA: „Wir bei der KIgA wollten schon lange den kulturellen Bereich in unsere pädagogische Präventionsarbeit integrieren. Es freut mich, dass es ausgerechnet mit einer Ausstellung zu diesem speziellen Thema dazu gekommen ist.“

Die Ausstellung

Die Wanderausstellung gewährt einen Einblick in zahlreiche Facetten jüdischen Lebens sowie in die Gedanken- und Gefühlswelten einzelner Jüdinnen und Juden in Berlin. Dazu gibt es einführende Texte, ein Glossar mit Begriffserklärungen und eine Karte mit den in der Ausstellung erwähnten Orten. Kern der Ausstellung bilden Themenfilme, die auf den Interviews mit den Protagonistinnen und Protagonisten basieren. Die Gespräche mit den Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sozialisation und Interessen thematisieren den Bezug zu Berlin und Deutschland, zu Beruf, Familie, Sexualität und dem Verhältnis zur Religion. „Die Ausstellung wird in ihrer Vielfalt einzigartig sein, wir wollen damit möglichst die gesamte Bandbreite jüdischen Lebens in der Gegenwart Berlins reflektieren. Zudem kommen Nichtjuden zu Wort, die sich für jüdische Belange und das Verständnis untereinander einsetzen,“ betonen Joachim Seinfeld und Lukas Welz, die die Ausstellung für die KIgA konzipiert haben. „Wir porträtieren einen orthodoxen Rabbiner, eine Puppenspielerin, einen Holocaustüberlebenden der sich aktiv für Geflüchtete einsetzt, eine Kämpferin für das multikulturelle Umfeld Neuköllns, eine ehemals kommunistische Jüdin aus der DDR, einen nichtjüdischen Perückenmacher und viele andere.“

Zielgruppen

Die dreisprachige Ausstellung (Deutsch, Arabisch, Englisch) richtet sich grundsätzlich sowohl an Jugendliche als auch an Erwachsene. Ein besonderes Augenmerk sowie ein spezielles pädagogisches Programm gilt Schülerinnen und Schülern sowie Jugendlichen, die als Geflüchtete nach Deutschland gekommen sind und hier im Rahmen politisch-historischer Bildung eine von Vielfalt geprägte Gesellschaft kennenlernen sollen.

Um auf die Bedürfnisse eines – möglicherweise ausstellungsunerfahrenen – Publikums besser eingehen zu können, werden neben der klassischen Präsentation die Inhalte sowie Zusatzmaterial über W-Lan als integratives Element der Ausstellung vermittelt und können mittels dem eigenen Smartphone oder Tablet vertieft werden.

Die Ausstellung wird an verschiedenen Orten Berlins gezeigt und damit vor allem Menschen erreichen, die sich nicht primär mit jüdischem Leben auseinandergesetzt hätten. Zudem wird die Ausstellung für Schulen über das Internet zugänglich gemacht. Die Inhalte können also direkt im Unterricht auch außerhalb Berlins genutzt werden.

Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus e.V.

Die KIgA ist seit 2003 vor allem in den Bereichen Antisemitismus, Islam/ Islamismus/ Antimuslimischer Rassismus und historisch-politische Bildung aktiv und macht komplexe, sensible und politisch brisante Inhalte zum Thema. Der Bildungsträger entwickelt Konzepte für die pädagogische Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft, erarbeitet modellhafte und lebensweltlich orientierte pädagogische Ansätze und Materialien für die politische Bildung und setzt sie in die Praxis um. Zielgruppe ist die Migrationsgesellschaft mit einem Schwerpunkt auf der Arbeit mit muslimisch sozialisierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das Team arbeitet interdisziplinär und setzt sich aus Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen.

V.l.: Lukas Welz , Dervis Hizarci und Joachim Seinfeld von KIgA

Ort: Abgeordnetenhaus von Berlin Niederkirchnerstr. 5, 10117 Berlin-Mitte

Öffnungszeiten: 7. – 27. November 2017, Montag-Freitag, 9.00-18.00 Uhr, Eintritt frei
Ausweis erforderlich

Ausstellungssprachen:
Deutsch, Englisch, Arabisch

Weitere Infos: www.lchaim.berlin

Bild oben: Ohad Ben-Ari wurde 1974 in Israel geboren. Bereits mit 12 Jahren trat er mit dem Israelischen Philharmonischen Orchester auf. Mit 13 Jahren studierte er Klavier und Komposition an der Universität Tel Aviv. Er gewann diverse Musikpreise und spielte weltweit mit internationalen Orchestern. 1996 ging er in die USA und lebte in New York und Los Angeles, wo er mit Erfolg als Musikproduzent für Popmusik arbeitete. Seit 2010 lebt er mit seiner Familie in Berlin und setzt seine Arbeit als Pianist und Komponist fort. Er ist Gründer und Leiter des ID Festivals in Berlin, das aktuelle Themen wie die Beziehung zwischen Deutschland und Israel aus künstlerischer Perspektive mit Beiträgen von israelischen Künstlern in Deutschland beleuchtet.

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