Grindel leuchtet

Während der Pogromtage, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 begannen, wurden in Deutschland 400 Juden erschlagen und Tausende misshandelt, als Nazis ihre Wohnungen und Geschäfte überfielen. In den darauf folgenden Jahren wurden 10.000 Hamburger Juden sowie Mitglieder anderer verfolgter Minderheiten in Konzentrationslager deportiert und ermordet…

Die Vielzahl der »Stolpersteine«, die in den letzten Jahren im Hamburger Grindelviertel verlegt wurden, weckt die Vorstellung, wie dieses Quartier wohl aussehen könnte, wenn all die Menschen, deren Kinder und Enkel, heute noch hier leben würden. Ebenso drängt sich die Frage auf, wie es möglich war, dass so viele Menschen damals einfach wegschauten, als man ihre Nachbarn abholte.

So entstand 2013 die Idee, stellvertretend für unsere verschwundenen Nachbarn am 9. November mit brennenden Kerzen auf die Straßen zu den »Stolpersteinen« zu gehen und diese Menschen mit einem leuchtenden Gedenken zu ehren.

Ich (*) lebe mit Unterbrechungen seit 30 Jahren hier im Grindelviertel und habe mich beruflich und privat oft mit dem Thema Judentum, Shoa und Israel beschäftigt. Kürzlich habe ich ein Jahr in Tel Aviv gelebt und die Stadt anlässlich ihres Centennials fotografisch dokumentiert. Zusammen mit Freunden, die sich dem Grindel verbunden fühlen, wurde beschlossen, die Aktion »Grindel leuchtet« ins Leben zu rufen. Mit Flugblättern und persönlichen Kontakten haben wir die Bewohner darüber informiert und vorgeschlagen, am 9. November ab 16.30 Uhr mit Kerzen in den Händen bei den Stolpersteinen ihrer ehemaligen Nachbarn zu gedenken. 

(*) Amos Schliack

Machen Sie mit. Illuminieren Sie ab 16.30 Uhr die Stolpersteine in Ihrer Straße!
 

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