Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 30. November 2017…

Do, 16. Nov · 01:55-03:35 · Das Erste (ARD)
Wenn aus Freunden Feinde werden – An Enemy to die for

Europa, 1939. Trotz der angespannten politischen Situation bricht eine deutsche Polarexpedition in Richtung Arktis auf. Der Geologe Friedrich Mann (Axel Prahl) soll im Auftrag der Nazi-Regierung Beweise für eine bereits 1912 veröffentlichte Theorie sammeln: Der renommierte Wissenschaftler Alfred Wegener behauptete darin, dass alle Erdkontinente vor Millionen Jahren miteinander verbunden waren. Auf der Expedition wird Mann neben der kenntnisreichen Assistentin Leni Röhm (Jeanette Hain) auch von drei ausländischen Kollegen begleitet: Den beiden Briten Terrence (Tom Burke) und Martin (Allan Corduner) sowie dem schwedischen Sprengstoffexperten Gustav (Richard Ulfsäter). Aber auch sonst befindet Mann sich an Bord des Forschungsschiffs in eher feindlicher Umgebung: Der Kapitän (Sven Nordin) ist Norweger, die Matrosen stammen überwiegend aus Russland. Trotz der politischen Spannungen zwischen ihren Heimatländern versuchen die Expeditionsteilnehmer, sich auf ihr gemeinsames Ziel zu konzentrieren. Doch als die Nachricht vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eintrifft, kann bald auch die Wissenschaft keine Brücke mehr bilden: Aus Kollegen und Partnern werden Feinde. Auf Befehl aus Berlin soll Mann den norwegischen Kapitän entmachten und mit dem gekaperten Schiff der deutschen Eismeerflotte zu Hilfe kommen. So entwickelt sich an Bord des Forschungsschiffs ein aufreibendes Psychoduell. Hass und Fanatismus brechen sich Bahn, aus der wissenschaftlichen Expedition wird ein Kampf ums Überleben. Loyalitäten bröckeln und nicht jeder an Bord ist das, was er zu sein vorgab. Vor allem Leni, die sich in Gustav verliebt hat, weiß nicht, auf welcher Seite sie stehen soll. Aber auch der linientreue Friedrich Mann beginnt, an den Befehlen aus Berlin zu zweifeln. In einer Mischung aus Abenteuerfilm, Melodram und Thriller entwickelt der preisgekrönte Regisseur und Drehbuchautor Peter Dalle eine packende Geschichte über Menschlichkeit und Moral in Zeiten des Krieges.

Sa, 18. Nov · 14:25-15:10 · arte
Wasser ist Zukunft: Der Jordan – Fluss des Friedens?

Der Jordan ist die wichtigste Wasserquelle für Jordanier, Israelis und Palästinenser – und sowohl eine Wiege der Kulturen als auch Grenzfluss zwischen Israelis, Jordaniern und Palästinensern. Immer wieder birgt sein Wasser Grund für Konflikte – aber auch für Verhandlungen und Verträge zwischen Israelis und Arabern. Die Dokumentation taucht ein ins Jordantal – die Kornkammer und den Gemüsegarten Israels und Jordaniens, wo die intensive Landwirtschaft dem Fluss das Wasser abgräbt. Am Toten Meer kommt nur noch ein Rinnsal an. Doch in Israel, Jordanien und Palästina gibt es heute Menschen, die den Jordan retten wollen. Als Israel und Jordanien 1994 Frieden schließen, gründet der israelische Umweltschützer Gidon Bromberg gemeinsam mit jordanischen und palästinensischen Partnern die Umweltorganisation EcoPeace. Über alle Grenzen hinweg arbeiten ihre Aktivisten heute nicht nur für den Schutz der Natur, sondern auch daran, das Vertrauen zwischen den Menschen aufzubauen. In Jordanien reaktiviert EcoPeace einen Regenwasserspeicher, um in der Wüste einen Wald wachsen zu lassen. Im palästinensischen Jericho lernen Schüler, wie man mit einfachen Mitteln Haushaltswasser recycelt. In Israel beweisen Fischfarmer, dass sich mit neuen Technologien viele Millionen Liter wertvolles Jordanwasser sparen lassen. Zukunftsperspektiven in noch größeren Dimensionen eröffnen moderne israelische Meerwasserentsalzungsanlagen, die mehr Trinkwasser produzieren als zur Versorgung der Bevölkerung nötig ist. Je weniger Wasser dem heiligen Jordan entnommen werden muss, desto eher kann er wieder werden, was er früher war: die Lebensader des Nahen Ostens.

Di, 21. Nov · 11:10-12:10 · SWR
Planet Wissen: NSU – das Umfeld der Rechtsterroristen

10 Morde, 3 Bombenanschläge, 15 Überfalle v.a. auf Bank- und Postfilialen – so die Liste der mutmaßlichen Taten des „NSU“, des selbst ernannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“. Mehr als 10 Jahre konnte das Neonazi-Terror-Netzwerk unerkannt morden und rauben. Ein Terror-Trio sei der NSU gewesen – so die offizielle Version bis heute. Eine Version voller Widersprüche: Es gibt große Zweifel an der Rolle der involvierten Verfassungsschutz-Ämter sowie nicht zuletzt an der Größe des Netzwerks. Gäste im Studio: * Katharina König, Landtagsabgeordnete „Die Linke“ / Thüringen * Dirk Laabs, Journalist und Dokumentarfilmer

Di, 21. Nov · 22:05-22:48 · MDR
Mitteldeutschland unterm Hakenkreuz (1/2)

Teil 1 von „Mitteldeutschland unterm Hakenkreuz“ erzählt die Jahre bis zum Kriegsbeginn – von einen Land, das glaubte, glücklich zu sein. Nur in wenigen Aufnahmen kündet sich die Katastrophe an: in einer privaten Gasmaskenübung in Leipzig etwa, als im September 1938 beim Einmarsch ins Sudetenland der Krieg schon einmal zum Greifen nahe scheint. Auch in den Filmaufnahmen von Käthe und Erich Höse bildet sich das kommende Grauen ab. Im Hafen von Stettin, den die beiden Paddler am 30. August 1939 erreichen, liegt das zum Lazarettschiff umgebaute Urlauberschiff „Stuttgart“ – bereit, die ersten Verwundeten des Krieges aufzunehmen. Es waren keine professionellen Wochenschaukameramänner, die die Bilder vom Alltag in Mitteldeutschland während der NS-Zeit festhielten. Es waren Hobbyfilmer, die das normale Leben jenseits der offiziellen NS-Propaganda abbildeten: auf 8mm-Film und vor allem – die eigentliche Sensation – in Farbe! Das, wofür sie bereit waren, einen kostbaren Streifen Film zu opfern, wirkt zufällig, harmlos. Ein Mädchen hält ihre Puppe stolz in die Kamera, ein Bauer führt seine Pferde in die Saale zum sonntäglichen Bad. Eine Frau schält Obst und legt Gurken ein. Doch bei aller Privatheit ist die Politik allgegenwärtig: Beiläufig wird der rechte Arm zum Gruß gehoben, von jedem öffentlichen Gebäude, von jedem Ausflugsdampfer grüßt die Nazi-Fahne – und an beinahe jedem Wochenende gibt es irgendwo einen Aufmarsch mit Marschmusik: zum Betriebssportfest, zum 1. Mai, zum Erntedankfest. Käthe und Erich Höse aus Leipzig heiraten im August 1939. Ihre Hochzeitsreise beginnt in Ratibor, heute polnisch Racibórz. Die Oder ist hier zwar schon fast 100 Kilometer lang, doch sie ist noch schmal, kaum schiffbar. Mit dem Finger fährt Käthe Höse auf der Landkarte schon einmal die Route ab, dann wird das Boot zu Wasser gelassen. Die Höses paddeln mit dem Strom nordwärts – Richtung Ostsee. Sie frühstücken im Morgengrauen, ein frei laufendes Huhn lässt sich mit Brotkrumen füttern. Lastkähne ziehen vorbei. Die große Freiheit in der Diktatur!

Mi, 22. Nov · 11:45-12:30 · 3sat
Ein Haus der Hoffnung Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem

Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem ist das einzige Kinderkrankenhaus im palästinensischen Westjordanland. Neben medizinischen Notfällen prägen logistische Probleme den Alltag in der Klinik. Für besondere Eingriffe müssen die Patienten in ein Krankenhaus ins israelische Jerusalem verlegt werden. Dann benötigt die Klinik eine Transfererlaubnis für die Straßensperren zwischen dem palästinensischen Autonomiegebiet und dem israelischen Staat. Obwohl Jerusalem mit seinen Kliniken nur zehn Autominuten von Bethlehem entfernt liegt, können Stunden verstreichen, bis die Bewilligung erteilt ist und der Patiententransport erfolgen kann. Wertvolle Zeit, die über Leben und Tod eines kranken Kindes entscheiden kann. Mehr als 36 000 Kinder werden jährlich im Caritas Baby Hospital in Bethlehem behandelt. Oft werden Neugeborene eingeliefert, die an Atemwegserkrankungen, Infektionen oder Erbkrankheiten leiden. „Wir sind eine funktionierende Kinderklinik in einem faktisch nicht funktionierenden Staat“, sagt Chefärztin Hiyam Marzouqa-Awad.

Mi, 22. Nov · 12:30-14:00 · MDR
Belle & Sebastian

Zweiter Weltkrieg, 1943: Frankreich ist fest in deutscher Hand. Sogar das entlegene Dorf in den Savoyer Alpen, in dem der siebenjährige Waisenjunge Sebastian (Félix Bossuet) bei dem alten Schäfer César (Tchéky Karyo) lebt, ist besetzt. Dort soll der deutsche Leutnant Peters (Andreas Pietschmann) verhindern, dass Juden bei der Flucht in die nahe Schweiz geholfen wird. Die Dorfbewohner unterstützen die Verfolgten heimlich, doch sie müssen sich nicht nur vor den Deutschen hüten: Fieberhaft suchen sie nach einer Bestie, die Nacht für Nacht ihre Schafe reißt. Als Sebastian eines Tages einem verwilderten Pyrenäenhund gegenübersteht, weiß er sofort: Diese Streunerin, die von ihrem früheren Besitzer gequält wurde, ist kein Monster. Weil ihr graues Fell nach einem Bad im Fluss schneeweiß glänzt, nennt er sie liebevoll „Belle“. Doch von seiner neuen Gefährtin darf niemand wissen, denn die Dorfbewohner wollen sie töten. Bei einer Treibjagd wird die Hündin angeschossen, nur mit knapper Not kann Sebastian ihr das Leben retten. Dabei werden die beiden in ein weiteres Abenteuer verstrickt: Eine jüdische Familie, die von deutschen Soldaten verfolgt wird, braucht ihre Hilfe. Mit Belles Spürsinn gilt es, einen Weg über den verschneiten Hochgebirgspass zu finden.

Do, 23. Nov · 06:40-07:10 · arte
Verschollene Filmschätze: 1940. Charlie Chaplin dreht „Der große Diktator“

Die Dreharbeiten zu Charlie Chaplins „Der große Diktator“ beginnen im September 1939 in Hollywood, nur wenige Tage nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Die Arbeit am Film dauert an, während Hitler immer größere Teile Europas verwüstet. Die Handlung spielt in einem imaginären Land, das unschwer als das Dritte Reich erkennbar ist. Der Film soll auf die Gefahren des Nationalsozialismus und die entsetzliche Judenverfolgung durch das Hitler-Regime aufmerksam machen. In seiner Wahlheimat, den USA, stößt Charlie Chaplin mit seinem Projekt zunächst auf Skepsis. Er erhält zunächst keine große Unterstützung für seinen Film. Viele Amerikaner sind gegen den Kriegseintritt der USA. Was hat Chaplin bewogen, den Film dennoch fertigzustellen und sogar selbst zu finanzieren? Und wer filmte die farbigen Amateuraufnahmen von den Dreharbeiten am Set? Was verraten die Bilder über die Arbeitsmethoden des Regisseurs, Schauspielers und Produzenten Charlie Chaplin?

Do, 23. Nov · 20:15-21:45 · Das Erste (ARD)
Der Tel-Aviv-Krimi: Masada

Die antike Bergfestung Masada gilt als Symbol für den Freiheitswillen des jüdischen Volkes: 73 n. Chr. gingen dort Aufständische lieber in den Freitod als in die Gefangenschaft der römischen Besatzer. Dieser für das heutige Israel wichtige Mythos steht im Zentrum des dritten Tel-Aviv-Krimis „Masada“. Burgschauspielerin Katharina Lorenz als Kommissarin Sara Stein und der vielfach preisgekrönte Samuel Finzi in der Rolle ihres Kollegen Blok müssen einen rätselhaften Todesfall klären, bei dem alle Beteiligten bedacht sind, eine nationale Legende zu schonen. Michael Degen spielt einen Shoah-Überlebenden und berühmten Archäologen, dessen eigener Sohn ihn vom Sockel stoßen wollte. Kommissarin Sara Stein (Katharina Lorenz) und ihr Kollege Jakoov Blok (Samuel Finzi) werden zur antiken Festung von Masada gerufen. Es gab eine Explosion, bei der der Archäologe Aaron Salzman (Guy Zu-Aretz) ums Leben kam. Aaron war nicht irgendwer, sondern der Sohn von Avram Salzman (Michael Degen), dem „König“ der Archäologie, Entdecker von Masada und Überlebender der Shoa. Avram war bei der Explosion ebenfalls vor Ort, hat aber sein Gedächtnis verloren. Zwischen Sara und Avram stellt sich vom ersten Moment an eine eigenartige Vertrautheit ein. Sara, nicht sicher, ob sie an Avrams Amnesie glauben kann, sucht die Nähe dieses beeindruckenden Mannes, der so viel in seinem Leben durchlitten hat. Unterdessen gehen die Ermittlungen weiter und führen zu Philippe (Iftach Ophir), Aarons jungem Assistenten. Sara und Blok erfahren, dass Aaron gemeinsam mit Philippe einen lukrativen Schmuggel mit antiken Fundstücken unterhielt. Der angesehene Wissenschaftler verkehrte in Kreisen, in denen Verbrechen an der Tagesordnung sind. Ist hier der Mörder zu suchen? Eine einfache Lösung, die Sara nicht zu überzeugen vermag. Sie spürt, dass die Wahrheit in Aarons Familie zu suchen ist, bei Aarons zuverlässigem, aber ungeliebtem Bruder Elia (Yigael Sachs) und bei Avram. Hartnäckig und unbestechlich wie sie ist, kommt Sara einer tragischen Familiengeschichte auf die Spur, der der Salzmanns, aber auch ihrer eigenen. Mit „Alte Freunde“ setzt Das Erste am 30. November die Reihe „Der Tel-Aviv-Krimi“ fort.

Fr, 24. Nov · 23:35-01:30 · BR
Morituri

1942: Auf Befehl des Admirals soll das deutsche Frachtschiff „Ingo“ kriegswichtigen Rohgummi durch die Blockade in das besetzte Bordeaux bringen. Das Reiseziel muss vor der Besatzung geheim gehalten werden, denn nur der erste Offizier ist ein linientreuer Nazi, der Rest der Crew besteht aus Gefangenen des Deutschen Reiches. Der britische Geheimdienst erfährt von der Mission und beauftragt in Indien einen Sprengstoffexperten, der sich als Mr. Crain aus Zürich ausgibt, das Schiff zu kapern. Der kann nicht ablehnen, denn die Briten wissen, dass Crain in Wahrheit der deutsche Deserteur Schröder ist. Er wird als Standartenführer Keil auf das Schiff geschleust. Zuerst läuft es gut für ihn, der linientreue erste Offizier versucht sich bei dem vermeintlichen SS-Mann einzuschmeicheln, trotz der täglichen Konflikte zwischen der Mannschaft, dem ersten Offizier und ihm kann er seine Sabotagearbeit beginnen. Doch als der befehlshabende Admiral an Bord kommt, kann der sich die Anwesenheit des vermeintlichen Standartenführers nicht erklären und fragt in Berlin an.

So, 26. Nov · 09:15-10:00 · SWR
Paul Celan – Dichter ist, wer menschlich spricht

Die Dokumentation erzählt das Leben des großen jüdischen Dichters Paul Celan. Gepeinigt von den Erfahrungen des Holocaust wählt er 1970 in Paris den Freitod in der Seine. Diese Biografie – es ist die Geschichte eines unbedingt Liebenden, eines verzweifelt Suchenden nach Halt und Heimat. Erstmalig spricht der Sohn des Dichters, Eric Celan, vor der Kamera über seinen Vater und das schwierige, von Krisen überschattete Leben der Familie. Der 1920 geborene, jüdische Lyriker Paul Celan war zeitlebens auf der verzweifelten Suche nach Heimat und Halt, die durch seine Erfahrungen während des Holocaust stark geprägt wurde. Der Film erzählt Celans Biografie als ein packendes Stück deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert. Das Porträt verbindet Reisebilder von Aufenthaltsorten des Dichters, Archivaufnahmen sowie Interviews mit dem Celan-Forscher Bertrand Badiou und Eric Celan. Paul Celans Weg aus der Bukowina, dem ostjüdischen Buchenland, über Wien nach Paris ist der Weg eines anarchischen und sensiblen Charmeurs in die Dunkelheit eines unheilbaren Traumas: Unter den Erfahrungen des Holocaust leidend, wählt er 1970 mit noch nicht einmal 50 Jahren den Freitod in der Seine. Der Film erzählt die Geschichte eines unbedingt Liebenden, eines sehnsüchtig nach Verständnis und Verständigung Suchenden. Erstmalig spricht der Sohn des Dichters, Eric Celan, vor einer Kamera über seinen Vater über das schwierige, von Celans psychischen Krisen überschattete Leben der Familie. Mit der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, Tochter eines Kärntner Nazis, verbindet den jüdischen Dichter eine leidenschaftliche, unglücklich bleibende Liebe. Immer wieder sucht er Deutschland auf, das Land der Mörder, aber doch auch das Land jener Sprache, die er liebt und in der er schreibt. Zum einschneidenden Erlebnis wird ihm, der neugierig ist auf die junge Bundesrepublik, eine Lesung vor jungen Schriftstellern der „Gruppe 47“: Man verhöhnt seinen Vortragston, Vergleiche mit Goebbels und dem „Singsang wie in einer Synagoge“ muss er ertragen. Celan wagt sich dennoch weiter vor in Deutschland, seine „Angstlandschaft“, wo er das Gespräch mit dem nationalsozialistisch belasteten Philosophen Martin Heidegger sucht.

So, 26. Nov · 23:10-00:40 · MDR
Aus Schweden kein Wort

Ein Nachtzug, mitten im 2. Weltkrieg. Eine Zufallsbegegnung. Ein deutscher SS-Offizier trifft auf einen schwedischen Diplomaten und erzählt ihm von den Verbrechen des Holocaust. Der Schwede Göran von Otter ist einer der Ersten überhaupt, der Details erfährt. Aber nach der Begegnung der Männer geschieht nichts. Warum? Die Töchter der beiden Männer verfolgt dieses Ereignis bis heute. Der Film begleitet die Beiden auf ihrer Suche nach der Wahrheit und erzählt dabei nicht nur vom Horror des Dritten Reiches, sondern auch eine bis heute aktuelle Geschichte über persönliche und kollektive Schuld. Erst aus einer alten Fernsehsendung erfährt Birgitta von Otter, dass ihr Vater Göran als einer der Ersten überhaupt von den grausamen Verbrechen an den Juden erfahren hat – aus erster Hand vom SS-Offizier Kurt Gerstein in einem Nachtzug mitten im 2. Weltkrieg. Den Vater hat diese Begegnung sein ganzes Leben lang beschäftigt, darüber gesprochen hat er aber kaum. Was genau ist damals geschehen? Hat ihr Vater trotz seines Wissens nichts unternommen oder konnte er nichts erreichen? Birgitta geht auf Spurensuche und trifft die Tochter des SS-Mannes Gerstein. Die beiden Frauen verbindet die schicksalhafte Begegnung ihrer Väter, einer Begegnung, die auch noch 70 Jahre später ihr Leben beeinflusst. Gemeinsam versuchen sie, die Vergangenheit zu verstehen. Der Film erzählt eine emotionale Geschichte über Scham und persönliche Schuld, aber auch von der Rolle Schwedens und seiner Verantwortung im Zweiten Weltkrieg.

Mo, 27. Nov · 01:40-03:10 · arte
The Exchange

Am helllichten Tag kommt der Universitätsdozent Oded nach Hause und plötzlich erscheint alles anders. Das Licht wirkt diffuser, Geräusche wie die des Kühlschranks sind hörbar und seine Frau Tami schläft. Staubpartikel sind im Gegenlicht sichtbar, unter dem Tisch entdeckt er ein altes Preisschild. Von nun an ändert sich Odeds Leben. Er sieht es mit den Augen eines Fremden: der überfüllte Briefkasten, die Familie im Aufzug, in den er selbst nicht einsteigt. Seine Wohnungstür mit der Klingel, der Parkplatz. Selbst Tami wirkt verändert, ihr Liebesspiel ist nicht mehr so wie früher. Oded beschließt, sich von seiner Arbeit beurlauben zu lassen und ein Doppelleben als Akteur und Beobachter zu führen. Mit einem bewussten Eingreifen in die routinierten Abläufe setzt er neue Bewegungen in Kraft. Dabei reichen schon kindliche Spielereien oder kleinste Provokationen aus, um die Strukturen aus den Fugen zu bringen. Während Oded die zuvor kaum gespürten Gewohnheiten aufdeckt, trifft er auf seinen Nachbarn Yoav. Auch der benimmt sich seltsam, versteckt sich hinter einem Blumenkübel, legt sich in eine Parklücke, schreit lauthals in eine leere Wohnung. Yoav überredet Oded, mit ihm einige Tage im Luftschutzkeller des Hauses zu verbringen. Gemeinsam erforschen sie das Haus, während die anderen Bewohner bei der Arbeit sind, und entdecken merkwürdige Dinge. Oded weiß immer weniger, ob sein Leben wirklich noch seines ist – ein Austausch der Persönlichkeiten vollzieht sich allmählich. Überaus genau beobachtete Details wirken auf einmal, mit den Augen seiner Hauptfigur gesehen, absurd und komisch. Ganz langsam erobert der Zuschauer mit Oded eine neue Wirklichkeit, von der man nur ahnt, dass sie vielleicht Einbildung ist. Oder eben doch die Entfremdung vom eigenen Leben.

Mo, 27. Nov · 22:40-00:29 · arte
Eva und der Priester

Frankreich, während der Besatzungszeit: Die verwitwete Barny lebt zusammen mit ihrer kleinen Tochter in einer kleinen von Italienern besetzten Stadt. Aus Angst vor den anrückenden Deutschen lässt sie ihr halbjüdisches Mädchen zusammen mit drei anderen Kindern aus befreundeten Familien katholisch taufen. Die Atheistin Barny fühlt sich durch die Kirche, die sie mit ihren Betschwestern und Priestern als veraltet betrachtet, herausgefordert. Deshalb plant sie, einen der Priester bei der Beichte zu provozieren – ist jedoch überrascht über das angenehme Gespräch mit Priester Léon Morin. Dieser lädt sie daraufhin ein paar Tage später abends zu sich ein, um sich ein Buch auszuleihen. Aus dem einen Treffen wird bald eine schöne Gewohnheit, und regelmäßig führen die beiden Diskussionen über Gott. Der Priester argumentiert, dass der Glaube weder zu begreifen noch zu beweisen ist. Er sei ein Zusammenspiel unseres ganzen Seins und als solcher allein mit der Liebe zu vergleichen. Wie die Liebe verlange auch der Glaube keine Beweise. Währenddessen kommt es in der Kleinstadt zu ersten Gefangennahmen von Juden – die jüdischstämmigen Bürger bangen um ihr Leben und das ihrer Familien. Barny fragt derweil Morin, ob er sie heiraten würde, wenn er kein Priester wäre …

Di, 28. Nov · 23:50-00:50 · arte
„Wer wird mich jetzt noch lieben?“

Der 40-jährige Saar hat nie den Vorstellungen seiner jüdisch-orthodoxen Familie in Israel entsprochen. Seitdem er sich vor 17 Jahren als schwul outete und deshalb aus dem Kibbuz verbannt wurde, existiert er in den Augen seiner Familie schlichtweg nicht mehr. Saar flüchtete aus Israel, um in London ein neues Leben zu beginnen: als freier, schwuler Mann, der seine Homosexualität voll auslebt. Nach dem Ende einer langjährigen Beziehung fand Saar sich in einem hemmungslosen Exzess von Drogen und Sex wieder. Der Schock war groß, als er erfuhr, dass er sich mit HIV infiziert hatte. Saar musste sein Leben völlig neu überdenken und suchte wieder die Annäherung an seine Eltern und Geschwister. Der berühmte London Gay Men’s Chorus, der für Saar zu einer Ersatzfamilie wurde, gab ihm den Mut, sich den Vorurteilen und Ängsten seiner eigenen Familie zu stellen. Einfühlsam, witzig, dramatisch und tief bewegend zeigt sich der Dokumentarfilm als die moderne Variante des alten biblischen Gleichnisses vom verlorenen Sohn. Saar drohte in der Fremde verloren zu gehen und konnte nur gerettet werden, wenn es ihm gelang Vergebung zu finden und wieder in der Mitte seiner Familie aufgenommen zu werden. Doch bevor es soweit war, mussten sich alle – Saar, seine Eltern und seine Geschwister – erst ihren tiefen Ängsten stellen und eine Antwort auf die Frage finden, was mehr zählt: die Liebe und der Zusammenhalt in einer Familie oder die engen Grenzen von Glauben und Religion?
Bild oben: © Todor Krastev, Der Londoner Schwulenchor, wo Saar nach seinem positiven HIV-Ergebnis Halt und Unterstützung fand, ist der größte Schwulenchor Europas.

Mi, 29. Nov · 22:10-23:00 · arte
Stefan Zweig – Ein Europäer von Welt

Stefan Zweig ist einer der weltweit meistgelesenen Schriftsteller. Sein Werk, das 2013 gemeinfrei wurde, genießt in breiten Leserkreisen hohe Wertschätzung und verkauft sich beispielsweise in den USA, in Deutschland und Frankreich nach wie vor erfolgreich. Eine große Ausnahme für einen Novellenschreiber wie ihn, denn dieses Genre bringt normalerweise keine Bestseller hervor. Was macht diesen Schriftsteller bis heute so faszinierend? Zweifellos ist es der starke Zeitbezug von Person und Werk. Daher stellt die Dokumentation „Stefan Zweig – Ein Europäer von Welt“ den offenkundigen Zusammenhang zwischen Zweigs Leben und der europäischen Geschichte in den Vordergrund, fallen doch die Schlüsseldaten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit denen seiner Biografie zusammen: Der Schriftsteller war Zeuge des gewaltigen technischen und sozialen Fortschritts, der aufblühenden Kultur in Europa, erlebte aber auch die schrecklichsten Katastrophen dieser Zeit mit. Um Rückschlüsse auf Zweigs Persönlichkeit zu ziehen, widmet sich die Dokumentation vordergründig dem Inhalt seiner Novellen und seiner beiden Romane sowie deren durch Nazizeit und Exil erschwerten Veröffentlichungsgeschichte. In den Geschichten, die Zweig auf so meisterhafte Weise erzählt, spiegeln sich seine psychoanalytischen Kenntnisse, seine pazifistischen Überzeugungen und viele andere Dinge wider, die den Autor umtrieben.

Do, 30. Nov · 20:15-21:45 · Das Erste (ARD)
Der Tel-Aviv-Krimi: Alte Freunde

In „Alte Freunde“, dem vierten Film mit Katharina Lorenz in der Rolle von Sara Stein, wird der Kommissarin bewusst, welche Traumata der dauerhafte Kriegszustand bei Israelis verursacht. Sara weiß, dass es zwischen ihrem Lebensgefährten David (Itay Tiran) und ihrem Kollegen Blok (Samuel Finzi) seit der gemeinsamen Militärzeit ein unaussprechliches Geheimnis gibt. Doch erst jetzt erfährt sie die Wahrheit und ist zutiefst erschüttert. Sara muss sich der israelischen Realität stellen, führt ihr aktueller Fall die Neubürgerin doch in das Milieu der gefallenen Kriegshelden. Am Strand von Tel Aviv wird eine abgetrennte Hand gefunden. Sie gehörte zu Dori Meyer (Ofri Biterman), einem jungen Menschenrechtsaktivisten, der kurz zuvor von seiner Mutter Zvia (Orly Zilbershatz) als vermisst gemeldet wurde. Zunächst ist nicht klar, ob es sich um einen Unfall oder ein Verbrechen handelt. Doch dann taucht Doris Schützling Dahir (Sean Mongoza) auf, ein junger sudanesischer Flüchtling, der sich illegal in Israel aufhält. Dahirs Aussage bringt Blok (Samuel Finzi), Sara Steins (Katharina Lorenz) raubeinigen Kollegen, in einen schweren Konflikt: Blok muss in vertrauten Kreisen aus seiner Militärzeit ermitteln, in einer Gruppe Männer, die sich damals gegenseitig das Leben anvertraut haben und heute kaum noch etwas gemein haben. Dazu gehört auch Saras Lebensgefährte, David Shapiro (Itay Tiran), der damals in Bloks Einheit diente und heute kaum noch dessen Anblick ertragen kann. Oder der zwielichtige Shooting-Range-Besitzer Yoram (Jakob Daniel), dem sich Blok nach wie vor verbunden fühlt. Für Sara ist es schwer, diese für sie immer noch fremde Welt zu durchschauen, zumal sie eine Wahrheit über David erfährt, die sie zutiefst erschüttert.

Do, 30. Nov · 23:15-23:45 · SWR
lesenswert sachbuch: Walter Janson im Gespräch mit Irina Scherbakowa

In „lesenswert sachbuch“ ist dieses Mal die russische Übersetzerin und Journalistin Irina Scherbakowa bei Walter Janson zu Gast. Vorgestellt wird ihr Buch „Die Hände meines Vaters“ (Droemer). Irina Scherbakowas jüdische Großmutter hat die Pogrome, die Oktoberrevolution und den Bürgerkrieg von 1917/18 überlebt. Ihr Vater kämpfte als Offizier im Zweiten Weltkrieg vor Stalingrad. Sie selbst wuchs zur Stalinzeit in Moskau auf. Das Buch ist ein beeindruckendes Porträt nicht nur einer Familie, der es stets mit viel Glück gelang, düstere Zeiten zu überstehen, sondern auch und vor allem die mitreißende Geschichte eines bewegten …

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