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Nämlich

Der kleine, knapp 90 Seiten umfassende Prosatext „Nämlich“ ist einer der verstörendsten und zugleich sprachmächtigsten Texte der klassischen Moderne, der mit dieser Ausgabe endlich wieder vorliegt, in einer kritischen und kommentierten Fassung sowie im Kontext eines Gesamtwerks, das sich auf vielfältige Weise wechselseitig erhellt…

Paul Adler (1878–1946), geboren in Prag, promovierter Jurist, doch zeitlebens Bohemien, fand nach Jahren der Wanderschaft 1912 an den wichtigsten Ort seines Schaffens: Hellerau, die erste deutsche Gartenstadt am Stadtrand von Dresden, ein ‚Laboratorium der Moderne‘ von europäischem Rang. Hier entstanden die wichtigsten Schriften Adlers; hier engagierte er sich für die Dresdner Novemberrevolution, und hier lebte er bis zu seiner Vertreibung im März 1933 für ganze zwei Jahrzehnte.

Nach einer umfassenden Biografie Adlers, die nicht umsonst den Titel „Der ‚unverständliche‘ Prophet trägt, hat es sich die Literaturwissenschaftlerin Annette Teufel nun zur Aufgabe gemacht, Adlers Werke, die seit langem vergriffen sind, herauszugeben. Die Ausgabe legt sämtliche überlieferten poetischen und eine repräsentative Auswahl der publizistischen Texte Paul Adlers in fünf Einzelbänden vor.

„Nämlich“ erschien 1915 als zweite von Adlers selbständigen Publikationen in Jakob Hegners Hellerauer Verlag. Aus der Erfahrung des Ersten Weltkriegs schildert er eine ins „Elend“ geratene Welt (Adler) – eine zutiefst moderne, „irre“ Welt, an der der Ich-Erzähler buchstäblich wahnsinnig wird.

Zur Vorwarnung, ohne den ausführlichen Kommentar von Annette Teufel ist der Text fast nicht zu verstehen. Er zieht den Leser jedoch durch seine sprachgewaltige Schilderung eines unaufhaltsamen Prozesses in den Bann, der durch den Kommentar aufgeschlüsselt und in Kontext gestellt wird.

Ein faszinierendes Stück Literatur, das die reine Freude am Wort in Erinnerung ruft.

Annette Teufel (Hrsg.): Paul Adler, Nämlich (Gesammelte Werke 2), Thelem Verlag 2017, 256 S., Euro 34,80, Bestellen?

Bild oben: (c) Thelem