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Haganah Ship – Exodus 1947

Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Rendsburg…

Im Sommer 1947 machte das Flüchtlingsschiff „Exodus 1947“ weltweit Schlagzeilen: Der Versuch von über 4.500 Überlebenden der Shoa sich in Palästina anzusiedeln wurde zum Symbol des Ringens um ein souveränes Israel: auf historischem Boden – nach 2.000 Jahren der Diaspora. Doch Palästina war noch britisches Mandatsgebiet, London wollte die Einwanderer nicht ins Land lassen. So landeten die Juden wieder in Deutschland, in mit Stacheldraht umzäunten Internierungslagern in Pöppendorf und Am Stau, in der Nähe von Lübeck. Die Geschichte der Exodus und ihrer verzweifelten Passagiere wird nun in einer aktuellen Sonderausstellung des Jüdischen Museums Rendsburg nacherzählt.

Eigentlich nichts Neues – zahlreiche Artikel, Bücher und Filme zeugen davon. Doch noch nie hat ein Jüdisches Museum in Deutschland dieses spannende Kapitel – auch der deutschen – Nachkriegsgeschichte eingehend thematisiert. Ergänzend beleuchten die Rendsburger Museumsmacher in ihrer Schau daher auch detailliert die Ereignisse, die sich in Schleswig-Holstein abspielten. Denn das Haus ist besonders der regionalen Geschichte verpflichtet: Als Teil der Landesmuseen will es das Land und die Welt miteinander in Beziehung setzen. Dieses gelingt in der Ausstellung „Die Exodus Affaire – Schleswig-Holstein und die Gründung Israels“ hervorragend.

Mit über 100 eindrucksvollen schwarz-weiß Fotografien dokumentiert die Schau die Abfahrt der Exodus in Marseille, die Passage durchs Mittelmeer, das Entern des Schiffes durch die britische Marine, die Anlandung in Haifa, die wochenlange Rückreise auf drei Gefängnisschiffen nach Hamburg und die zwangsweise Unterbringung in den Lagern Pöppendorf und Am Stau. Obwohl viele dieser Bilder vor 70 Jahren in zahlreichen nationalen und internationalen Zeitungen erschienen, wurden die Ereignisse mit weltgeschichtlicher Konsequenz von der deutschen Bevölkerung damals kaum wahrgenommen. Wie auch die Tatsache, dass sich in Schleswig-Holstein für einige Monate mehr Juden aufhielten, als dort vor dem Nationalsozialismus lebten.

Eine interessante und schon lange überfällige Ausstellung, die den Bogen von der norddeutschen Provinz bis in die Metropolen von Marseille, New York, London und Tel Aviv schlägt. „Unser Beitrag zum 70. Geburtstag Israels am 14. Mai 2018“, sagt die Co-Kuratorin Claudia Kuhn, „denn die Exodus-Affaire brachte die Gründung des jüdischen Staates mit auf den Weg.“ – (jgt)

Ein reichbebilderter Katalog mit Zeitzeugenberichten und Hintergrundtexten ist für 14,80 € im Museumsshop erhältlich.

Die Ausstellung ist noch bis zum 3. Juni 2018 zu sehen, Dienstag bis Samstag von 12 bis17 Uhr, Sonntag von 10 bis 17 Uhr

Jüdisches Museum Rendsburg, Prinzessinstraße 7-8, 24768 Rendsburg, Tel.: 04331 440 43-0

Veranstaltungstipp: Am 11. Oktober 2017, 19.00 Uhr referiert die Kieler Historikerin Sigrun Jochims-Bozic über die Rolle Lübecks für das jüdische Leben nach 1945. Die Stadt wurde für viele Shoa-Überlebende zur Transitstation nach Palästina.

Bild oben: Demonstration im Lager Pöppendorf für die freie Einreise nach Erez Israel, Repro: Jehoshua Pierce (www.luxjudaica.com)