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Familie

Der neue Jüdische Almanach ist da und beschäftigt sich mit einem für das Judentum zentralem Thema…

„Wenn wir uns mit einem emotional, politisch und historisch so aufgeladenen Thema wie der jüdischen Familie befassen, dürfen wir keine einfachen Geschichten erwarten“, gibt Jonathan Boyarin, Professor für jüdische Studien an der Cornell University in seinem Beitrag zu bedenken. Tatsächlich sind viele der hier erzählten Geschichten von den großen Traumata der jüdischen Geschichte im vergangenen Jahrhundert geprägt. Familien wurden ausgelöscht, zerrissen, neu gegründet, fortgesetzt.

Mehr wie die bisherigen Almanache enthält dieser Band sehr persönliche Geschichten. Viele Autoren schreiben über ihre eigene Familie, die Suche nach ihren Wurzeln, Kindheitserinnerungen und Familiengeheimnissen. Es sind anrührende Geschichten, die das ganze Mosaik jüdischen Lebens verdeutlichen. Michael Wuliger erzählt von der Suche nach den Vorfahren in Ungarn, Jennifer Bligh darüber, wie sie die Identität ihres Vaters entdeckte, Diane L. Wolf berichtet über das Trauma der versteckten Kinder und deren Familienerinnerungen. Anita Haviv-Horiner schreibt von der Erfahrung in Israel Mutter zu sein, mit dem Gepäck der zweiten Generation im Schlepptau.

Mit einem Auszug aus ihrem Roman „Wir waren die Zukunft“ gibt Yael Neeman einen literarisch-poetischen Einblick in das Leben der Kinder im Kibbutz. Ruvik Rosenthal, dessen Bruder im Jom Kippur Krieg gefallen ist, erzählt eine sehr israelische Familiengeschichte, die durch diesen Verlust für immer geprägt blieb. Assaf Uni berichtet von den unterschiedlichsten Familienmodellen bei homosexuellen Paaren in Israel.

Die Bilder im diesjährigen Almanach stammen aus dem Projekt „One Family“ von Vardi Kahana, die dafür ihre Verwandten fotografiert hat, ihre Mutter und Tanten mit den Auschwitz-Nummern am Arm, ihre eigenen Kinder, ihre Cousinen und deren Kinder und Enkel. Sehr intime Bilder, die vom Überleben und Leben zeugen.

Insgesamt ein besonders schöner Almanach, der der Herausgeberin Gisela Dachs in diesem Jahr gelungen ist. Er wird sicherlich einen wichtigen Beitrag zu Jonathan Boyarins Aufruf leisten: „Tun wir also das, was wir können, damit wir – Juden, jene, die ihnen nahestehen und andere, denen Juden wichtig sind – fasziniert und verwundert auf diesen Moment in der Geschichte eines Gebildes zurückblicken, das wir hartnäckig „die jüdischeFamilie“ nennen.“

Gisela Dachs (Hrsg.), Jüdischer Almanach – Familie, Jüdischer Verlag im Suhrkamp 2017, 178 S., Euro 18,00, Bestellen?

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