Die neuen Fernsehtipps

Vom 1. bis 15. Oktober 2017…

So, 1. Okt · 10:30-11:20 · arte
Lauren Bacall – Die diskrete Verführerin

Lauren Bacalls Memoiren, die sie „By Myself“ nannte, wirken wie ein Making-of ihres intimsten Gefühlslebens. Auch in der Dokumentation kehrt sie offen ihr Inneres nach außen: „Ich habe einen Großteil meines Lebens damit verbracht, herauszufinden, wer ich wirklich bin. Und das war nicht leicht. Das ist es nie“, gesteht sie. Lauren Bacall hat immer wieder auf diese tiefe Verletzung hingewiesen, einen Bruch, der ihre Persönlichkeit prägte und den der Film begreiflich machen will. Wer war diese Frau, die mit ihrem unverwechselbaren Blick die ganze Welt verzauberte? Lauren Bacalls Geschichte ist die eines armen jüdischen Mädchens aus Brooklyn, dessen Familie aus Rumänien und Polen in die USA eingewandert war und dessen Leben sich in den von vielen Exilanten geträumten „American Dream“ verwandelte. Mit 19 Jahren erregte das junge Mannequin auf der Titelseite des Magazins „Harper’s Bazaar“ die Aufmerksamkeit von Howard Hawks, der sie für seine Hemingway-Verfilmung „Haben und Nichthaben“ (1944) mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle engagierte. Der damals 44-jährige Bogart wurde ihre große Liebe, der Mann ihres Lebens. In Erinnerung an ihre erfüllte Ehe, die durch Bogarts frühen Krebstod ein tragisches Ende fand, wird sie später sagen: „Ich war elf Jahre glücklich. Das reicht für ein ganzes Leben.“ Mit Bogart ist Lauren Bacall in drei weiteren gemeinsamen Filmen verewigt, den Krimis „Tote schlafen fest“ (1946) ebenfalls unter Hawks Regie, „Das unbekannte Gesicht“ (1947) im Jahr darauf und dem John-Huston-Klassiker „Gangster in Key Largo“ (1948). Noch heute gelten Bacall und Bogart als das glamouröseste Liebespaar der Filmgeschichte und das Traumpaar Hollywoods. Als Bogart starb, war Bacall gerade einmal 32 Jahre alt und hatte zwei kleine Kinder. Als sich die Hollywoodstudios allmählich von ihr abwandten, ging sie nach New York zurück, wo ihr schon bald der Broadway zu Füßen lag. Unvergesslich ist ihre Rolle in „Applause“, der Bühnenversion eines Betty-Davis-Films. Insgesamt spielte sie in fast 50 Filmen mit, später sind es eher kurze Auftritte als richtige Rollen. Erst 2009 verleiht ihr Hollywood – reichlich spät und wohl aus schlechtem Gewissen – einen Ehrenoscar.

So, 1. Okt · 11:30-12:15 · NDR
EXODUS

4.500 jüdische Holocaust-Überlebende hatten sich im Sommer 1947 mit einem Schiff, der „Exodus“, aufgemacht. Das Ziel der Verzweifelten: Palästina. Dort wollten sie in dem noch zu gründenden jüdischen Staat ein neues Leben anfangen. Doch noch hatten die Briten die Mandatsmacht in Palästina und versuchten, die jüdische Immigration zu begrenzen. Sie bringen die Flüchtlinge zurück nach Deutschland – ausgerechnet in das Lager vor Lübeck. Andreas Schmidt hat mit Hilfe von Zeitzeugen in Israel, Großbritannien, den USA und Deutschland dieses Drama rekonstruiert. Niemand würde sie von alleine entdecken, und kaum jemand weiß den Weg dorthin. Im weichen Boden des Waldhusener Forsts vor Lübeck sind drei sanfte Kuhlen zu sehen. Sie dienten einmal als Latrinen eines riesigen Flüchtlingslagers, von dem jetzt, 70 Jahre später kaum jemand etwas weiß oder wissen will. Doch direkt nach dem Krieg hat sich hier ein Drama abgespielt, das die Weltgeschichte verändert hat. 4.500 jüdische Holocaust-Überlebende hatten sich im Sommer 1947 mit einem Schiff aufgemacht, dass später als die „Exodus 1947“ berühmt werden sollte. Das Ziel der Verzweifelten: Palästina. Dort wollten sie in dem noch zu gründenden jüdischen Staat ein neues Leben anfangen. Doch noch hatten die Briten die Mandatsmacht in Palästina und versuchten, die jüdische Immigration zu begrenzen. Sie bringen die „Exodus“ vor Haifa auf und bringen die Flüchtlinge auf Gefangenenschiffen und in vergitterten Zügen – ausgerechnet in das Lager vor Lübeck nach Deutschland. Das führt zu einem internationalen Skandal, der letztlich dazu beiträgt, dass die Stimmung in den Vereinten Nationen kippt, zugunsten der Gründung des Staates Israel. NDR Reporter Andreas Schmidt hat mit Hilfe von Zeitzeugen in Israel, Großbritannien, den USA und Deutschland dieses Drama rekonstruiert und zu einer beeindruckenden Dokumentation verdichtet.

So, 1. Okt · 12:30-14:20 · One
Taking Woodstock – Der Beginn einer Legende

Der jüdische Einwanderersohn Elliot Teichberg (Demetri Martin) will eigentlich in New York Karriere als Dekorateur machen. Das vor der Zwangsversteigerung stehende Motel seiner kauzigen Eltern zwingt ihn jedoch im Sommer 1969 zur Rückkehr in sein Heimatdorf Bethel. In der Hoffnung, ein paar zahlende Besucher in das verschlafene Provinznest zu locken, organisiert er ein lokales Theaterfestival. Durch Zufall erfährt er, dass im Nachbarort Wallkill ein groß angekündigtes Open-Air-Konzert wegen Anwohnerprotesten untersagt wurde. Als Vorsitzender der lokalen Handelskammer besitzt Elliot eine selbst ausgestellte Lizenz zur Durchführung eines Kulturfestivals, die plötzlich Gold wert ist. So vermittelt er dem Woodstock-Veranstalter Michael Lang (Jonathan Groff) die Rinderweide seines verschuldeten Nachbarn Max Yasgur (Eugene Levy), nicht ahnend, welches Megaereignis er dadurch ermöglicht. Überfallartig zieht nicht nur ein Bataillon von Organisatoren, Technikern und schrillen Musikern in die aus allen Nähten platzende Gemeinde ein. Auf den Weg machen sich auch mehrere hunderttausend Musikfans und zugedröhnte Hippies, um ein einzigartiges Happening zu feiern. Selbst Elliots Eltern lassen sich von dieser Stimmung anstecken.

Mo, 2. Okt · 00:30-02:00 · RBB
Im Himmel, unter der Erde

Der Jüdische Friedhof Weißensee wirkt wie ein Märchenwald inmitten der deutschen Hauptstadt und ist dennoch ein höchst lebendiger Ort. Der größte jüdische Friedhof Europas, auf dem noch immer bestattet wird, verbindet Menschen und Schicksale aus der ganzen Welt. Hier sind die Kaufhausgründer Jandorf (KaDeWe) und Hermann Tietz (Hertie) beerdigt, der Maler Lesser Ury, der Hotelier Kempinski und der Verleger Samuel Fischer (S. Fischer Verlag). Die Regisseurin Britta Wauer führt die Zuschauer durch das riesige Gelände und erzählt einige der vielen Geschichten vom Leben und Sterben. Am nördlichen Ende von Berlin liegt versteckt in einem Wohngebiet, umgeben von Mauern, ein Urwald aus Bäumen, Rhododendron und Efeu. Auf dem Plan sieht er aus wie ein Garten der Renaissance: Eine Geometrie von Rechteck, Trapez und Dreieck. Die Alleen kreuzen sich in Kreisen und Quadraten. Aber wer die Anlage betritt, fühlt sich wie an einem verwunschenen Ort. Morgentau und Nebel, hohe Bäume, Dickicht. Dazwischen Säulen, Steine, Mausoleen, Efeu, Flieder und von rechts ein kleiner Fuchs – der Jüdische Friedhof in Weißensee. Seit mehr als 130 Jahren ist er in Betrieb, der größte erhaltene jüdische Friedhof Europas, auf dem heute noch bestattet wird. Über 115.000 Menschen sind hier begraben. Lang ist die Liste berühmter Künstler, Philosophen, Juristen, Architekten, Ärzte, Religionslehrer und Verleger, die in Weißensee beerdigt wurden. Die Kaufhausgründer Jandorf (KaDeWe) und Hermann Tietz (Hertie) gehören dazu, der Maler Lesser Ury, der Hotelier Kempinski, der Verleger Samuel Fischer (S. Fischer Verlag) und Rudolf Mosse, dem einst das größte Verlagshaus Europas gehörte. Als erster wurde kein Berühmter begraben, sondern am 22. September 1880 Louis Grünbaum, der Bewohner eines Altersheims. Auf seinem Grabstein steht an der Seite eine große „1“. Dass der Stein noch steht, liegt daran, dass ein jüdischer Friedhof für die Ewigkeit angelegt wird. Die Gräber werden nicht eingeebnet, Liegefristen gibt es nicht. Auf jedem Grabstein in Weißensee findet sich eine fortlaufende Nummer, die frischen Gräber haben sechsstellige Zahlen. „Ist es fröhlich auf dem Friedhof? Nein“, sagt Friedhofsdirektor Ron Kohls. Doch dann lacht er. Britta Wauers Film erzählt mal heiter, mal melancholisch von einem verzauberten Ort und seinen Besuchern. Dabei verbindet sie Vergangenheit mit Gegenwart, Geschichte mit Geschichten. Vier Jahre lang hat die Regisseurin für ihren Film recherchiert, mit vielen Zeitzeugen gesprochen, die tief mit dem Friedhof und seinen Toten verbunden sind.

Mo, 2. Okt · 02:05-03:55 · Das Erste (ARD)
Female Agents – Geheimkommando Phoenix

Im Mai 1944 schickt der britische Geheimdienst fünf Untergrundkämpferinnen ins besetzte Frankreich. Ihre Mission: Die Befreiung eines britischen Geologen, der in der Normandie das Terrain für die bevorstehende Invasion sondierte. Doch ein brutaler SS-Offizier kommt den Frauen auf die Schliche und setzt alles daran, ihre Mission zu vereiteln. Der aufwendige Spionagethriller überzeugt durch die ungewöhnliche Mischung aus temporeicher Action und berührenden Szenen, in denen die dramatische Entscheidungsnot der Agentinnen eindringlich vor Augen geführt wird. Die Hauptrollen sind starbesetzt mit Sophie Marceau, Moritz Bleibtreu und Gérard Depardieus Tochter Julie Depardieu. Bei einer Sabotage-Aktion gegen die Nazis verliert die tapfere Résistance-Kämpferin Louise Desfontaine (Sophie Marceau) ihren Mann. Mit knapper Not gelingt ihr die Flucht nach England, wo ihr Bruder Pierre (Julien Boisselier) in der britischen Armee dient. Doch der Krieg ist für Louise noch nicht zu Ende. Die britische Special Operations Executive (SOE) erteilt ihr einen heiklen Spezialauftrag: Ein Geologe (Cecil Conrad), der am Strand der Normandie zur Vorbereitung der alliierten Landung Untersuchungen durchführte, ist in die Hände der Deutschen gefallen. Der Geheimnisträger muss schnellstens aus einem Wehrmachtskrankenhaus entführt werden, bevor die SS ihn foltern kann und Details über die geplante Invasion erfährt.

Di, 3. Okt · 00:50-02:18 · MDR
Zwei Leben

In Norwegen hat die deutschstämmige Katrine (Juliane Köhler) scheinbar ihr Familienglück gefunden. Sie, ihr Ehemann Bjarte Myrdal (Sven Nordin), Tochter Anne (Julia Bache-Wiig), der kleine Enkel und Katrines Mutter Åse (Liv Ullmann) sind fast eine Bilderbuchfamilie. Wobei Katrine und Åse schwere Zeiten hinter sich haben. Aber darüber wird nie gesprochen. Dann fällt die Berliner Mauer. Wenig später taucht der Anwalt Sven Solbach (Ken Duken) bei Katrine auf. Er will Gerechtigkeit für ehemalige „Lebensborn“-Kinder in der DDR und vertritt deren Recht auf Wiedergutmachung vor dem Europäischen Gerichtshof. Katrines ungewöhnliche Geschichte, auf die er bei seinen Recherchen gestoßen ist, interessiert ihn besonders: Als Kind eines deutschen Besatzungssoldaten wurde Katrine einst von den Nationalsozialisten in eines der „Lebensborn“-Heime verschleppt. Jahre später gelang ihr jedoch die abenteuerliche Flucht über die Ostsee, um nach ihrer norwegischen Mutter zu suchen. Ihr Fall ist offenbar der einzige, bei dem Mutter und Tochter sich nach vielen Jahren wiedergefunden haben. Aber jetzt verhält Katrine sich seltsam, und ihre Familie versteht nicht, warum sie Solbach nicht unterstützt und vor Gericht nicht aussagen will. Vor allem Anne, selber angehende Juristin, ist irritiert. Katrines Erklärung: Sie möchte Åse das Leid ersparen, die dramatischen Ereignisse wieder aufzuwühlen. Tatsächlich wurde Åse damals wegen ihrer Liebe zu einem deutschen Soldaten diskriminiert und gab schließlich dem Druck nach, das „Kind der Schande“ zur Adoption freizugeben. Aber der Grund für Katrines Verhalten liegt ganz woanders: Katrine lebt unter einer falschen Identität; sie ist in den 1970er Jahren mit der Biografie einer „Lebensborn“-Frau nach Norwegen gekommen: als Spionin der DDR.

Mi, 4. Okt · 12:30-13:00 · 3sat
Die syrische Kindsbraut

Suad ist ein 15-jähriges syrisches Flüchtlingsmädchen. „Als sie kamen, um um meine Hand anzuhalten, sagte meine Mutter: Geh, im Libanon ist es sicherer für dich.“ Suad machte sich auf den Weg in den Libanon zu einem Mann, den sie nie zuvor gesehen hatte. Und der sie nie zuvor gesehen hatte. Nahostkorrespondent Pascal Weber begleitete sie fast ein Jahr lang. Er traf sie das erste Mal kurz nach der Hochzeit. Das letzte Mal sah er sie neun Monate später, nach der Geburt ihres Sohnes. „Ich hoffe, dass unser Kind einmal ein besseres Leben hat als wir. Und vor allem hoffe ich, dass es einmal zurückkehren kann in seine Heimat, nach Syrien.“ So wie Suad geht es tausenden von syrischen Flüchtlingsmädchen: Die UNO schätzt, dass in den Flüchtlingslagern des Libanon oder auch Jordaniens jede zweite syrische Braut noch ein Kind ist. Zwar existierte die Kinderheirat schon im Vorkriegs-Syrien. Doch seit Kriegsbeginn hat sich die Zahl der verheirateten Mädchen verdreifacht.

Mi, 4. Okt · 17:40-18:35 · arte
In den Hügeln der Negev

Für den Beduinenstamm El Talalka in der Negev-Wüste im Süden Israels sind die Lebensbedingungen prekär. Die israelische Regierung hat zudem beschlossen, die Behausungen der arabischen Beduinen zu zerstören, um die Nomaden in einer Stadt sesshaft – und damit besser kontrollierbar – zu machen. Die Dokumentation berichtet über den Alltag des Beduinen Muhammad, der täglich um den Erhalt der traditionellen Lebensweise der Beduinen inmitten einer modernen Welt kämpfen muss, zugleich aber für seine Kinder ein Leben im Zeichen des Fortschritts erhofft. Muhammad reibt sich in seinem einsamen Kampf auf. Wird ihm sein Glaube eine Hilfe sein?

Mi, 4. Okt · 22:15-23:55 · arte
Heil

Der gefeierte afrodeutsche Autor Sebastian Klein ist auf Lesereise in Prittwitz, mitten in der ostdeutschen Provinz, und wird von den ortsansässigen Neonazis standesgemäß begrüßt: mit einem Schlag auf den Kopf. Sebastian verliert prompt sein Gedächtnis und plappert alles nach, was man ihm sagt. Nina, Sebastians hochschwangere Freundin in Berlin, ist in höchster Aufregung. Kurzerhand fährt sie nach Prittwitz und setzt sich zusammen mit dem Dorfpolizisten Sascha auf die Fersen ihres Freundes. Der ist in der Hand der rechten Kameraden und ihres Anführers Sven und scheint sich dort pudelwohl zu fühlen. Feixend tingelt er durch die Talkshows und drischt die Parolen, die Sven ihm einflüstert. Ein Schwarzer, der gegen Integration wettert – die Öffentlichkeit ist aus dem Häuschen. Und Sven sieht sich endlich auf dem Weg zum Meinungsführer. Bei seiner Angebeteten, der Nazibraut Doreen, kann er damit aber nicht punkten. Die will Taten sehen. Historische Taten. Und so rüstet Sven seine Leute zum großen Showdown – während beim Verfassungsschutz die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, und beide gerade nicht ins Internet kommen. Was kann die Welt jetzt noch retten? Und was wird aus der Liebe von Nina und Sebastian?

Do, 5. Okt · 16:45-17:00 · Das Erste (ARD)
Laurel und die Bagels

Laurel Kratochvilas Welt ist rund, schmackhaft und hat ein Loch – Laurel hat ein Faible für Bagels. Die junge Frau aus Boston ist Wahl-Berlinerin und hat ihre Bagel-Leidenschaft nach Deutschland mitgebracht. Sie verdankt die Liebe zu dem jiddischen Gebäck ihrer Großmutter, von der sie die besten Rezepte hat. Laurel Kratochvila stammt aus einer säkularen jüdischen Familie, wollte eigentlich Medizin studieren, ging dann nach Israel und arbeitete für eine NGO. In Prag lernte sie dann ihren Mann kennen. Das Paar betreibt inzwischen in Berlin einen Buchladen. Und dort kann man seit einiger Zeit die Bagels von Laurel genießen. Das handtellergroße Gebäck mit Loch in der Mitte ist in den USA sehr beliebt. Der Name kommt aus dem Jiddischen. Juden aus Osteuropa haben es im 19. Jahrhundert dorthin gebracht. In den USA, erzählt Laurel Kratochvila, gebe es eine regelrechte jüdische Food-Revolution, weil viele junge Menschen die Rezepte ihrer jüdischen Großeltern entdecken. Dass auch in Berlin die Highlights aus der jüdischen Küche eine Renaissance erfahren, dazu will sie mit ihren Bagels beitragen.

Do, 5. Okt · 23:45-01:15 · RBB
Unser letzter Sommer

Sommer 1943, vor den Toren des Vernichtungslagers Treblinka: Vier junge Menschen begegnen ihrer ersten Liebe und befreien sich für einen Moment aus der rauen Wirklichkeit des Krieges. Romek, 17, arbeitet als Heizer und schwärmt für die schöne Bauerstochter Franka, die ihr Herz jedoch an den Deutschen Guido verliert, und Romek findet entlang der Bahnstreckte die verletzte Jüdin Bunia. Romek ist 17 Jahre alt und arbeitet als Heizer auf einer Rangierlokomotive. Er träumt davon, einmal als Lokführer die Warschaustrecke fahren zu dürfen und will das Herz der wunderschönen Franka erobern. Die Tochter eines örtlichen Bauern hat eine Anstellung als Küchenhilfe im deutschen Gendarmerieposten. Dort lernt sie den jungen Deutschen Guido kennen. Er wurde für das Hören von „entarteter“ Musik zur Besatzungspolizei strafversetzt, die dort ihren Stützpunkt unterhält. Mit seinen Kameraden soll er die Bahnstrecke absichern, nach Flüchtigen suchen und Partisanen aufspüren. Die Liebe zum Jazz bringt die drei Jugendlichen zusammen. In diesem Sommer scheint der Krieg weit weg, fernab von der Ostfront haben sich Deutsche und Polen in einer trügerischen Idylle eingerichtet. Guido verliebt sich in Franka, und zu Romeks Überraschung erwidert seine Angebetete die Gefühle des Deutschen. Romek findet auf dem Weg zur Arbeit das verletzte jüdische Mädchen Bunja und beschließt, ihr zu helfen. Guido bekommt einen neuen Kommandanten, der endlich Beute auf den täglichen Patrouillen machen will. Als Romek und Bunja von russischen Partisanen gefangen genommen werden und Guido in flagranti mit Franka erwischt wird, ist der Krieg bei jedem Einzelnen von ihnen angekommen. Es ist der Sommer 1943 vor den Toren des Vernichtungslagers Treblinka.

So, 8. Okt · 09:20-10:15 · WDR
Richard Wagner und die Juden

Richard Wagner war bekanntermaßen Antisemit; dennoch waren einige seiner eifrigsten Unterstützer Juden. Der Film von Hilan Warshaw zum 200. Geburtstag von Richard Wagner konzentriert sich auf die komplexen persönlichen Beziehungen Wagners zu den Juden und erzählt u.a. die beeindruckenden Geschichten von Hermann Levi und Carl Tausig, die zu seinen engsten Mitarbeitern gehörten. U.a. geht der Film der kontrovers diskutierten Frage nach, ob Wagners Werke heute in Israel aufgeführt werden können. Richard Wagner war bekanntermaßen Antisemit und dennoch waren einige seiner eifrigsten Unterstützer Juden. Der Dokumentarfilm von Hilan Warshaw zum 200. Geburtstag von Richard Wagner konzentriert sich auf die komplexen persönlichen Beziehungen Wagners zu den Juden und erzählt u.a. die beeindruckenden Geschichten von Hermann Levi und Carl Tausig, die zu seinen engsten Mitarbeitern gehörten. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Deutschland, in der Schweiz und in Italien und neben Opernausschnitten und Interviews mit Persönlichkeiten geht der Film der kontrovers diskutierten Frage nach, ob Wagners Werke heute in Israel aufgeführt werden können.

So, 8. Okt · 23:35-01:30 · MDR
Simon

Südschweden, kurz vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs: Simon Larsson (Bill Skarsgård) lebt mit seinen Eltern Karin (Helen Sjöholm) und Erik (Stefan Gödicke) in einem kleinen Haus an der Küste vor Göteborg. Die Eltern sind einfache, aber liebevolle und prinzipientreue Menschen. Während der Vater, ein bodenständiger Arbeiter, ihn am liebsten zum Handwerker machen würde, ist Simon ein Bücherwurm. Oft hat er das Gefühl, nicht in die Familie zu passen. Sein bester Freund ist eine Eiche, in deren Krone er sich in seine eigene Traumwelt flüchtet. Mutter Karin unterstützt und fördert ihren Jungen so gut sie kann. Dank ihrer Hilfe geht er schließlich auf die höhere Schule in der Stadt, wo er sich mit Isak (Karl Linnertorp) anfreundet, dem Sohn des reichen Buchhändlers Ruben Lentov (Jan Josef Liefers). Isaks Familie ist aus Nazi-Deutschland geflohen und hat in Schweden eine neue Heimat gefunden. Simon lernt durch die Lentovs eine Welt der Bildung und Kultur kennen, Ruben nimmt ihn an wie einen zweiten Sohn. Erik kümmert sich dagegen um Isak. Dann bricht der 2. Weltkrieg aus. Isak, durch die Flucht traumatisiert, zieht sich zurück. Ruben bringt ihn bei den Larssons unter. Beide Familien wachsen immer mehr zusammen und ihre Schicksale verflechten sich über Jahrzehnte hinweg. Erst spät – nach dem Krieg – erfährt Simon, dass er adoptiert wurde und einen jüdischen Vater hat. Gemeinsam mit Ruben Lentov fährt er nach Berlin, auf der Suche nach seinen Wurzeln. Dabei taucht er in eine Welt der Kultur und Musik ein, die ihn auch nach seiner Rückkehr nach Schweden nicht mehr loslassen wird.

Di, 10. Okt · 01:55-02:45 · arte
360° GEO Reportage – Jerusalem im Morgengrauen

In der Altstadt von Jerusalem leben rund 30.000 Menschen – Christen, Juden und Muslime – auf engstem Raum. Sie produzieren täglich Tonnen von Müll. Nachts sind die Gassen vollgestopft mit Plastiksäcken, Kartons und Abfällen, dann ist die Heilige Stadt wahrscheinlich auch eine der dreckigsten. Jedenfalls bis Männer wie Midhat und Sharon ihren Job erledigt haben. Der Araber und der Jude befehligen jeweils eine eigene Truppe von Müllmännern. Sie mögen und sie brauchen sich, denn im jüdischen Viertel kommt Midhat ohne Sharon nicht aus – und umgekehrt. Ein kleiner Traktor kämpft sich frühmorgens die Stufen des muslimischen Viertels hinauf. Ein Mann springt ab und wirft die Säcke auf die Ladefläche des Anhängers. Der Ruf des Muezzins ertönt, dann Glockengeläut. Midhat Abu Hani muss sich beeilen, bald kommen Scharen von Gläubigen und Touristen. Dann ist hier kein Durchkommen mehr. Der Araber ist Chef der motorisierten Müllabfuhr und für zwölf Traktoren verantwortlich, mit denen seine Truppe jeden Tag Unmengen Unrat von den Straßen räumt. Midhats Kollege Sharon ist Chef der Kärchertruppe und einer von 3.000 Juden, die in der Altstadt arbeiten. Er wohnt mittlerweile außerhalb der Stadtmauern, aber aufgewachsen ist er hier zwischen 25.000 Palästinensern, 500 Christen und 1.500 Armeniern. Sharon beherrscht mehrere Sprachen. Das erleichtert ihm das Arbeiten mit seinen meist palästinensischen Kollegen und verschafft ihm Respekt. Für ihn wie für Midhat beginnt die Arbeit am frühen Morgen und endet nicht vor Mitternacht. Besonders heikel ist ihr Job an den Feiertagen der verschiedenen Religionen oder bei unvorhergesehenen Zwischenfällen. Ihre Heilige Stadt sauber zu halten ist weder für Sharon noch für Midhat ein alltägliches Geschäft. Beide sehen ihren Job als persönliche Herausforderung und als Beitrag für ein friedliches Zusammenleben innerhalb der Mauern von Jerusalem.

Mi, 11. Okt · 00:20-01:45 · ZDF
Plötzlich Gigolo

Brooklyn. Ein großer Teil dieses Stadtteils von New York ist jüdisch geprägt. Hier betreibt der alte Murray (Woody Allen) einen Buchladen, der sich nicht mehr rentiert. Murray muss schließen. Murrays Freund Fioravante (John Turturro) schwimmt als Florist auch nicht gerade im Geld. Als Murrays attraktive Ärztin Dr. Parker (Sharon Stone) ihm gegenüber äußert, einen Mann für „gewisse Stunden“, gegebenenfalls auch einen flotten Dreier, zu suchen, hat Murray eine Idee. Murray vermittelt die Kontakte, Fioravante beglückt die Frauen als Gigolo, das Geld wird aufgeteilt. Zunächst hat der schüchterne Florist, der sich als langjähriger Single kaum Chancen bei den Damen ausrechnet, Zweifel. Doch nach einem ersten Besuch bei Dr. Parker, die Fioravante als höchst zufriedene Kundin verlässt, pendelt sich das neue Geschäftsmodell der Freunde ein. Murray findet immer neue Klientinnen für seinen „Loverboy“ in den besten Jahren. Fioravante macht Hausbesuche, andere Frauen kommen in seine kleine Wohnung. So auch die zurückhaltende Witwe Avigal (Vanessa Paradis). Avigal hat mit ihrem verstorbenen Mann ein abgeschirmtes Leben in der chassidischen Gemeinde verbracht. Doch sie ist sich immer mehr bewusst geworden, dass sie viel zu jung ist, um ewig als trauernde Witwe durch die Gegend zu laufen – verfolgt von einem unermüdlichen Verehrer namens Dovi (Liev Schreiber). Dovi ist Mitglied der orthodoxen Gemeinschaftspolizei Shomrim. Ein größeres Kontrastprogramm als Avigal zu Dr.Parker und ihrer Freundin Selima (Sofía Vergara) ist für Fioravante kaum vorstellbar. Auf der einen Seite extreme Schüchternheit und Zurückhaltung, auf der anderen Seite Lack, Leder und große Offenheit für Experimente aller Art. Doch dann verliebt sich Fioravante in Avigal, und damit ist er nicht allein. Die Karten zwischen Murray, Fioravante, Dr. Parker, Selima, Avigal und Dovi müssen neu gemischt und verteilt werden. Mit seiner wunderbaren Mischung aus Leichtigkeit und Schwermut, mit seinem blitzgescheiten Wortwitz und seinem genialen Darsteller-Gespann hat sich Regisseur Turturro viel von seinem Vorbild Woody Allen abgeschaut. Außerdem inszenierte John Turturro die augenzwinkernde Tragikomödie um Sexarbeiter Fioravante mit sich selbst in der Hauptrolle. Er siedelte sie im New Yorker Stadtteil Brooklyn an, der auf eine lange und einmalige jüdische Tradition zurückblickt. Selbst Marilyn Monroe kam auf Besuch zu den Schwiegereltern nach Brooklyn, nachdem sie 1957 den jüdischen Schriftsteller Arthur Miller geheiratet hatte. Der englische Originaltitel, „Fading Gigolo“, setzt einen etwas anderen Akzent als der deutsche Verleihtitel, da „fading“ so viel wie „verblassend“ oder auch „vergehend“, „verblühend“ bedeutet. Auf Fioravante treffen diese Adjektive alle zu. Er ist nicht mehr der Jüngste, lebt ohne feste Partnerin und muss sich darüber klar werden, was er für den Rest seines Lebens möchte. Trotz des pikanten Themas ist „Plötzlich Gigolo“ ein Film, dem es um die Interaktion seiner Figuren und die Liebe, nicht die Darstellung sexueller Praktiken, geht. Deshalb bekam der Film von der FSK auch eine „Freigabe ohne Altersbeschränkung“. Charakterdarsteller John Turturro glänzt als besonnener Fioravante, Woody Allen als sein quirliger Freund Murray. Die Französin Vanessa Paradis, Ex-Lebensgefährtin von Johnny Depp, verkörpert die Witwe Avigal.
© ZDF und Jojo Whilden Fioravante (John Turturro), Gigolo aus Brooklyn, macht einen Hausbesuch in Manhattan.

Mi, 11. Okt · 11:15-11:30 · 3sat
Vom Wert des Erinnerns – Ein Porträt von Hanno Loewy

Ein Museum müsse „ein guter Ort zum Streiten“ sein, sagt der Literaturwissenschaftler Dr. Hanno Loewy. Spuren der Vergangenheit sieht er als Anstoß zum Nachdenken über die Gegenwart. Der gebürtige Frankfurter widmet sich der Erinnerung. In seiner hessischen Heimat hat er das Fritz-Bauer-Institut aufgebaut, das sich mit Erinnerungskultur um den Holocaust beschäftigt. Heute lebt er in Vorarlberg und ist Direktor des Jüdischen Museums in Hohenems. In der ehemaligen Villa der Familie Rosenthal in Hohenems ist jetzt das jüdische Museum untergebracht. Dort zeugen die „übrig geblieben“ Gegenstände von der Lebenswirklichkeit von Juden als Minderheit mit Migrationshintergrund, von grenzüberschreitenden Netzwerken schon vor dem Zeitalter der Globalisierung. Die gesammelten Stücke erzählen nicht nur vom Alltag jüdischer Familien in der Vergangenheit, sie schlagen auch eine Brücke in die Gegenwart. Der Publizist und Literaturwissenschaftler Dr. Hanno Loewy, Jahrgang 1961, studierte in Frankfurt am Main und in Konstanz. Seit 1982 ist er als Ausstellungsmacher in den Jüdischen Museen Frankfurt und Berlin tätig. Er ist zudem Präsident der Vereinigung Europäischer Jüdischer Museen. Loewy ist ein streitbarer Mann. 2009 kritisierte er die fremdenfeindlichen Töne im Wahlkampf der österreichischen FPÖ in Vorarlberg. Daraufhin sah er sich mit antisemitischen Äußerungen konfrontiert, die regierende ÖVP kündigte die Koalition mit der FPÖ im Land auf. Hanno Loewy hält gerade in einer Zeit das Erinnern hoch, die sich mit dem Erinnern schwer tut und zugleich hin- und hergerissen ist zwischen Nostalgie und Zukunftsangst. Erinnern sieht er als „Investition einer Gesellschaft in die eigene Zukunft“ – das Museum sei ein Ort, der „Ressourcen aus der Vergangenheit für drängende Fragen der Gegenwart“ zur Verfügung stelle. Und so dreht sich bei ihm alles ums Sammeln, Erinnern – und um die Zukunft.

Fr, 13. Okt · 13:00-13:45 · ARD-alpha
alpha-Forum: Rafael Seligmann

Im alpha-Forum kommen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, Religion und Kultur in 45 Minuten ausführlich zu Wort. In hintergründigen Zwiegesprächen entstehen Porträts der Interviewten, in denen genügend Zeit für Details und Nuancen bleibt. Nicht das kurze, mediengerechte Zitat, sondern der Lebensweg des Gesprächspartners mit all seinen Erfolgen und Rückschlägen steht im Mittelpunkt von alpha-Forum. Rafael Seligmann gründete 1985 die „Jüdische Zeitung“ und lehrte Internationale Politik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Autobiographie „Deutschland wird dir gefallen“ erschien 2010. Im Januar 2012 gründete er die Zeitung „Jewish Voice from Germany“. Rafael Seligmann gründete 1985 die „Jüdische Zeitung“ und lehrte Internationale Politik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Autobiographie „Deutschland wird dir gefallen“ erschien 2010. Im Januar 2012 gründete er die Zeitung „Jewish Voice from Germany“. „Ein Viertel der Auflage geht nach Deutschland, aber mehr als die Hälfte der Auflage geht nach Nordamerika. Der Rest wird weltweit verschickt.

Sa, 14. Okt · 00:05-01:50 · 3sat
Die Rache des Tanzlehrers

Kommissar Stefan Lindman hat gerade seinen Vater zu Grabe getragen und will sich bei dem pensionierten Ex-Kollegen Herbert Molin für dessen Kranz bedanken, doch Molin wurde ermordet. Markante Blutspuren auf seinem Dielenboden erinnern an eine Reihe von Tanzschritten. Zuständig für diesen Fall ist der hiesige Polizeichef Rundström, der sich jedoch als schlampiger Kriminalist erweist. Lindman nimmt eigene Ermittlungen auf. Rasch stellt er fest, dass er den langjährigen Freund offenbar nicht gut kannte. Warum änderte Molin schon vor geraumer Zeit seinen Namen? Und warum wurde sein Haus von einem Hochsitz aus beobachtet? Die Maklerin Elsa Berggren, von der Molin das Haus kaufte, hatte offenbar eine engere Beziehung zu ihm, über die sie sich jedoch ausschweigt. Nicht sehr redselig ist auch der Nachbar David Andersson, der im Gespräch plötzlich sehr nervös wird. Andersson konnte Molin auf den Tod nicht ausstehen. Worin diese Abneigung gründet, kann Lindman aber nicht mehr herausfinden, denn auch Andersson wird brutal ermordet. Während die Kollegen nach einem Zusammenhang zwischen den Taten suchen, stößt Lindman bei nochmaligem Durchstöbern von Molins Haus auf alte Dokumente, die seinen Freund als überzeugten Altnazi ausweisen. Mit Hilfe seines Kollegen Giuseppe Larsson stößt Lindman auf ein braunes Netzwerk, zu dem auch Molins sympathische Tochter Veronica gehört – und sogar sein eigener Vater war Mitglied dieser Organisation. Allein der Mord an Molin bleibt rätselhaft.

Sa, 14. Okt · 19:30-20:14 · arte
Basare der Welt – Jerusalem

Jerusalem: Heiligtum und uralter Handelsplatz. Sieben Tore führen durch dicke Mauern in eine Altstadt, die drei Weltreligionen heilig ist: Juden, Christen und Muslimen. Innerhalb der Mauern wohnen 37.000 Menschen auf knapp einem Quadratkilometer Fläche – in nach Religionen getrennten Vierteln. Dazu kommen Tausende von Pilgern auf der Suche nach den Wurzeln ihrer Religion. Konflikte sind vorprogrammiert, die Altstadt ist ein brodelnder Kessel, der jeden Moment explodieren kann. Deshalb ist auch der Basar, der sich über weite Strecken des muslimischen und christlichen Viertels erstreckt, kein Basar wie jeder andere. Die Dokumentation zeigt Orte und Innenansichten, die den meisten Touristen verborgen bleiben. Der Film porträtiert Händler der verschiedenen Viertel und ihren ungewöhnlichen Alltag. Er besucht jahrhundertealte Marktgewölbe, in denen die Bewohner ihren Lebensmittelbedarf decken, die alte Metzgergasse Souk Lahamin und eine palästinensische Bäckerei. Er beobachtet einen armenischen Fotografen bei der Arbeit und verweilt in Gässchen, in denen mit „heiligen“ Souvenirs gute Geschäfte gemacht werden. Er macht Station in einer muslimischen Pilgerherberge, bei einem Judaica-Händler oder einem Friseur, bei dem Frauen aller Religionen für einige Zeit ihren tristen Alltag vergessen können.

So, 15. Okt · 02:40-04:15 · arte
Austerlitz

Eines Tages fiel dem französischen Filmemacher Stan Neumann das 2001 erschienene Buch „Austerlitz“ von W. G. Sebald in die Hände. Darin stieß er auf einen Amateurfotografen und passionierten Sammler aller Arten von Bildern: Jacques Austerlitz, ein brillanter Kunsthistoriker mit ausgefallenen Ideen, besessen von der monumentalen Architektur des 19. Jahrhunderts. Doch Austerlitz wurde auch von einem schrecklichen Gefühl der Leere gequält, da er seine eigene Herkunft nicht kannte und keinerlei Erinnerung an seine ersten Lebensjahre hatte – bis er eines Tages eine Spur fand. Der Dokumentarfilm des französischen Regisseurs Stan Neumann zeichnet Jacques Austerlitz’ Suche nach den Geheimnissen seiner Herkunft nach, die ihm lange unbekannt blieb. Sein Weg führte ihn von Antwerpen nach London, von Paris nach Marienbad und von Prag ins Konzentrationslager Theresienstadt. Und in den Abgründen der Geschichte fand der Regisseur auch die verlorenen Bruchstücke seiner eigenen und der kollektiven Erinnerung wieder.

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