Ausstellung in der Eisleber Synagoge

Der Verein Eisleber Synagoge e.V. hat als Beitrag zum Reformationsjubiläum 2017, unterstützt von der Standort-Marketing-Gesellschaft Mansfeld-Südharz, eine eigene Wanderausstellung zum Antisemitismus Martin Luthers erarbeitet, die in der Synagoge der Lutherstadt Eisleben gezeigt wird…

R. Seidel

Die Landrätin des Landkreises Mansfeld-Südharz, Frau Dr. Angelika Klein hat die Ausstellung zusammen mit der Oberbürgermeisterin der Lutherstadt Eisleben, Frau Jutta Fischer eröffnet.

Die Kuratoren dieser thematischen Ausstellung sind die Magdeburger Historikerinnen Frau Dr. sc. Monika Gibas und Frau Ulrike Krause sowie Dipl.-Lehrer Rüdiger Seidel, Eisleben.

Die  Ausstellung erläutert den Antijudaismus/Antisemitismus Luthers anhand seiner Texte  und geht vor allem auf die Rezeptionsgeschichte dieser Schriften nach Luthers Tod bis in die jüngste Vergangenheit ein.

Die Ausstellung ist von Briefen Luthers am Ende seines Todes ausgegangen, die er an seine Frau Käthe schreibt. Damit hat die Konzeption der Ausstellung einen regionalhistorischen Anstrich bekommen, der ein Alleinstellungsmerkmal darstellt.

So heißt es auf der ersten Tafel:

„Ich bin so ia schwach gewesen auf dem weg hart vor Eisleben, Das war meine Schuld. Aber wenn du werest da gewest, so hettesttu gesagt, Es were Juden oder ihres Gottes schuld gewest. Denn wir mussten durch ein Dorff hart vor Eisleben, da viel Juden inne wonen, vielleicht haben sie mich so hart angeblasen. S sind hie in der stad Eisleben itzt diese stund uber funffzig Juden wonhafftig. Und war ists, do ich bey dem Dorff fuhr, gieng mir ein solcher kalter wind hinden zum wagen ein auff meinen koff, Durchs Parret, als wolt mirs das Hirn zu eis machen. Solchs mag mir zum schwindel geholffen haben (…) Wenn die Heuptsachen geschlichtet weren , so mus ich mich dran legen, die JJuden zu vertreiben. Graff Albrechten ist inen feind und hat sie schon preis gegeben. Aber niemand thuet inen noch nichts. Wils Gott, ich will auf der Cantzel, Graff Albrechten helfen und sie auch preis geben. …“[1]

Über den bestehenden christlich-katholischen Antijudaismus der in den Kreuzzügen, den Konzilien und dem Vorwurf der Hostienschändung, bis hin zu Kleidervorschriften geht, wird auf der nächsten Tafel berichtet und so die Kontinuität des antijüdischen Haltung, mit der  Luther erzogen wurde und sich entwickelt hat, deutlich.

Mit seiner Reformation hat er einen unmittelbaren Weg zu Gott gefunden und damit meint er auch, dass die Juden jetzt seinen Glauben annehmen könnten. Mit dieser Ansicht versucht er die Juden auf seine Seite zu ziehen, aber die Juden bleiben bei ihrer Religion und lehnen Luthers Christianismus ab.

Das bricht das Band zwischen ihm und den Juden, auch wenn er 1523 schreibt:

„Darumb were meyn bitt und rad, das man seuberlich mit yhn umbgieng und aus der schrifft sie unterrichtet, so mochten yhr ettliche herbey komen. …

Will man yhn helffen, so mus man nicht des Bapsts, sondern Christlicher liebe gesetzan yhnen uben und sie freuntlich annehmen, mit lassen werben und erbeytten, da mit sie ursach und rsaum gewynnen, bey und umb uns tsu sein, unser chrisliche lere und leben zu hören und sehen. Ob etliche hallstarrig sind, was ligt daran? Sind wyr doch auch nicht alle gutte Christen. Hie will ichs dis mall bleyben, bis ich sehe, was ich gewirckt habe.“[2]

Und in den dreißiger und vierziger Jahren wird Luther immer deutlicher im Kampf gegen die Juden, 1543 veröffentlicht er seine  Schrift „Über die Juden und ihre Lügen“.

Hier offenbart sich seine grundsätzliche Haltung zu den Juden. Mit dieser Schrift argumentieren dann auch Vertreter des politischen Antisemitismus im 19. Jahrhundert.

Als 1933 der 450. Geburtstag des Reformators in Eisleben ganz groß gefeiert wird, sind natürlich die Reden und Aufsätze der honorigen Menschen dieser Zeit gefüllt mit Lobhudeleien an die beiden „großen Deutschen“ Martin Luther und Adolf Hitler. Ob kirchlicher Vertreter oder weltlicher Vertreter alle singen sie im Chor den antisemitischen Choral dieser neuen Zeit.

Als Luthers sieben Punkte seiner Schrift „Von den Juden und seinen Lügen“ von den Nazis erfüllt waren und sechs Millionen Juden Europas ermordet waren, da hat Julius Schleicher, einer der führenden Antisemiten als Angeklagter vor dem Nürnberger Prozess formuliert:

„Dr .Martin Luther säße heute an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn dieses Buch von der Anklagevertretung in Betracht gezogen würde.“[3]

Die Ausstellung berichtet zudem aus der Geschichte der Jüdischen Gemeinde Eislebens und ihrer Synagoge, die 1850 vom Magdeburger Rabbiner Dr. Ludwig Philippson geweiht wurde und stellt den Verein und sein Bemühen um die Rekonstruktion der Synagoge vor.  

Die Ausstellung ist samstags und sonntags von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr geöffnet.

Weitere Informationen:
http://www.synagoge-eisleben.de

[1] Martin Luther, Briefe, WA 11, S.275, Z. 4-276, 17f.
[2] Martin Luther, WA 11, S336, Z. 22-35.
[3] Julius Streicher, Nürnberger Prozess, 1946.

 

 

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