Ausbau des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände der Stadt Nürnberg

Vertretern der Stadt Nürnberg wurde am 28. Juni im Rahmen einer Feierstunde in Berlin, vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit eine Förderurkunde für den Ausbau des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände überreicht. Damit zählt das Dokuzentrum jetzt zu den geförderten „Nationalen Projekten des Städtebaus in Deutschland“…

Von Gerhard K. Nagel

Florian Dierl, Leiter des Dokumentationszentrums erläuterte im Gespräch den Grund für diese Initiative: „Das Dokumentationszentrum war bei seiner Eröfnung im Jahr 2001 eine der frühen Einrichtungen, die sich besonders intensiv mit dem Thema Tätergeschichte und Mitläufer auseinandergesetzt haben.“ Das bildete einen wichtigen Komplementäraspekt zur Geschichte der KZ-Gedenkstätten, bei denen die Schwerpunkte auf den Gewaltverbrechen und auf der Erinnerung an die Opfer des Regimes liegen. Beim Dokuzentrum stehen die Gründe für die erstaunliche Stabliltät des NS-Regimes und für die hohe Zustimmungsrate, zumindest bis Kriegsmitte, im Fokus.“ Die Kosten für den Ausbau belaufen sich auf 15,3 Millionen Euro. Sieben Millionen kommen als Zuschuß von Seiten des Bundes, 4 Millionen trägt Bayern, der Rest wird von der Stadt Nürnberg aufgebracht.

Das Dokuzentrum ist im Laufe seines Bestehens national und international immer bekannter geworden. Aus den ursprünglich projektierten 100.000 jährlichen Besuchern wurden mittlerweile über 250.000.

Beengte Situation

Die Veranstaltungen finden bislang in der Regel im Foyer des Hauses statt. Das bedeutet, dass nur Abendveranstaltungen durchgeführt werden können, weil tagsüber das Foyer von Ausstellungsbesuchern frequentiert wird. Größere Veranstaltungen, beispielsweise wissenschaftliche Tagungen und dergleichen, stoßen sehr schnell an Kapazitätsgrenzen, da die derzeitigen räumlichen Möglichkeiten bei maximal 120 Personen ausgeschöpft sind.

Ein weiteres Defizit ist, dass die vorhandenen  Büroräume nicht ausreichen. Die räumlichen Möglichkeiten und das Konzept müssen also dringend an die gestiegenen Anforderungen angepasst werden. Florian Dierl: „Das bedeutet zum Einen bauliche Investitionen und die Ertüchtigung der vorhandenen Haustechnik, die Modernisierung, dann die Erschließung von Räumen, sowohl für die Ausstellung, als auch für den Bereich des sogenannten Studienforums, das heißt für den Bildungsbetrieb. …..Wir müssen auch noch einige Defizite beseitigen, die bei der ursprünglichen Planung für das Jahr 2001 nicht realisiert werden konnten. Das betrifft insbesondere die Anschaffung oder Erbauung eines Veranstaltungssaales.“

Es ist nicht vorgesehen, neue Gebäude für das Dokuzentrum zu erschließen, vielmehr wird der vorhandene Bestand im historischen Gebäud neu strukturiert. Florian Dierl: „Die Problematik ist: Es gibt hier viele Räume, also viel umbaute Luft,die aber für moderne Zwecke nicht ohne Weiteres nutzbar sind, weil damals aus ganz anderen Nutzungskontexten heraus entworfen wurde und es war vor 17 Jahren schon eine Meisterleistung des damaligen Architekten für unsere Ausstellung eine geeignete Raumflucht zu entwickeln. Auch jetzt wird die Aufgabe des Architekten sein, Räume so einzubinden, dass sich unsere Einrichtung nicht über die ganze Kongresshalle zerfranst, sondern, dass es kompakt und für Wissenschaftler und Besucher funktional ist.“

Die notwendigen baulichen Arbeiten sollen bis zum Jahr 2020 abgeschlossen sein.

Konzeptionelle Änderungen

Der Schwerpunkt der Aktivitäten in den kommenden Jahren wird im konzeptionellen Bereich liegen. Das betrifft sowohl die Ausstellung, als auch die Etablierung eines Medien- und Recherchezentrums, das die Vertiefungsarbeit für Gruppen, die im Studienforums des Dokumentationszentrums zu Gast sind, ermöglichen kann. Es gibt auch noch einen wichtigen dritten Punkt zu dem eine Planung über die Jahre hinweg erst noch entwickelt werden muss: Sowohl die KZ-Gedenkstätten, als auch das und aber auch die Dokumentationsstätten zur NS-Zeit sind aufgefordert, sich stärker auch mit Gegenwartsthemen auseinanderzusetzen. Herr Dierl erläutert: „Das hat einfach mit der hohen symbolischen Bedeutung dieser Orte zu tun und dem Umstand, dass die NS-Geschichte immer ferner rückt, also sozusagen für die Situation der Gegenwartsgeneration nicht mehr diese Form der Verbindlichkeit hat, wie das noch vor zwanzig Jahren der Fall gewesen ist……Es wird eine große Herausforderung sein, dass Einrichtungen, die zunächst mal der historisch-politischen Bildung dienen, auch Gegenwartsthemen aufnehmen können, ohne dass das zu vordergründig wird. Aber die Erwartungshaltung ist von Seiten des Publikums und auch von Seiten der Politik gegeben und da werden wir versuchen, uns damit auseinanderzusetzen und pädagogische Formate zu entwickeln, die dem Thema gerecht werden.“ Herr Dierl nennt in diesem Zusammenhang das Thema „Rechtsradikalismus“ und den stärkeren Einbezug des Außengeländes (Zeppelinfeld) in die pädagogische Arbeit.

Herr Dierl wies ausdrücklich darauf hin, dass das nicht etwa heißt, dass sich die Besucher nicht mehr für den Nationalsozialismus interessieren. Die zunehmende Besucherzahlen machen das ungebrochen weiter bestehende Interesse an historischer Information deutlich. Für den inhaltlichen Änderungsprozess ist mit einer Perspektive von zehn Jahren und mehr zu rechnen.

Der Autor wünscht den Verantwortlichen für die Umsetzung des Ausbaus ein hohes Maß an Kreativität, viel Erfolg und weiterhin steigende Besucherzahlen.

© Gerhard K. Nagel

Bild oben: Übergabe der Förderurkunde des Bundes für den Ausbau des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände in Berlin. Personen v.l.n.r.: Staatssekretär Florian Pronold, Bürgermeister Christian Vogel, Kulturreferentin Julia Lehner, Bundesministerin Barbara Hendricks. Foto: Torsten Schmidt/Christian Vogel

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