Paradies

Ein Film über die Schoah wie schon lange nicht mehr gesehen, mit ruhigen schwarz-weiß Einstellungen, kraftvoll und beklemmend nah erzählt…

Frankreich im Zweiten Weltkrieg: Die adlige Exilrussin Olga (Julia Vysotskaya), Moderedakteurin bei einer renommierten Modezeitschrift, engagiert sich heimlich für die französische Widerstandsbewegung. Die gefährliche Tätigkeit wird ihr zum Verhängnis, als deutsche Besatzer bei einer Razzia in ihrer Wohnung zwei jüdische Kinder entdecken, die sie dort versteckt hält. Im Gefängnis fällt die elegante junge Frau dem Nazi-Kollaborateur Jules auf (Philippe Duquesne), der für ihren Fall zuständig ist. Der Familienvater stellt ihr eine mildere Bestrafung in Aussicht, sollte sie seinen sexuellen Avancen nachgeben. Olga ist zu allem bereit, um ihre Freiheit wiederzuerlangen und willigt ein. Doch als Jules auf unerklärliche Weise verschwindet, wird sie umgehend in ein Konzentrationslager gebracht.

Inmitten dieser Hölle auf Erden trifft sie völlig unverhofft auf ein bekanntes Gesicht: Helmut (Christian Clauß), der sich während eines weit zurückliegenden Sommers in Friedenszeiten in sie verliebte und immer noch Gefühle für sie hegt, hat es zum hochrangigen SS-Offizier gebracht. Obwohl er ein glühender Bewunderer des Führers ist und begeistert an der Verwirklichung von Hitlers Traum vom „deutschen Paradies“ mitwirkt, nimmt er die Beziehung zu Olga wieder auf – eine verbotene, hochgradig destruktive Beziehung. Die Olga aber auch, so deutet es Helmut jedenfalls an, die Möglichkeit zur Flucht eröffnet…

Mit PARADIES kommt eines der wichtigsten und ungewöhnlichsten Filmereignisse des Jahres ins Kino. Die deutsch-russische Koproduktion feierte ihre viel beachtete Weltpremiere 2016 im Wettbewerb von Venedig und gewann dort den Silbernen Löwen für die Beste Regie; außerdem erhielt der Film den „Cinema for UNICEF“-Award. Mit dem historischen Liebesdrama zeigt sich der legendäre russische Filmemacher Andrei Konchalovsky („Onkel Wanja“, „Runaway Train“, „Der innere Kreis“) von seiner unberechenbarsten und zugleich emotionalsten Seite.

In intensiven, unvergesslichen Schwarz-Weiß-Bildern beschreibt der 23. Film des 79-Jährigen eine filmische Reise an die Grenzen der Gefühle und erzählt mit Hilfe seines bemerkenswerten Darstellertrios aus Frankreich, Deutschland und Russland von der Unmöglichkeit der Liebe in Zeiten des Krieges, wenn Zivilisation und Menschlichkeit nahezu vollständig versagen. PARADIES ist ein unglaublich kraftvoller, sehr moderner Film über den Raum zwischen der unstillbaren Sehnsucht nach Erlösung und den grausamen Realitäten des 20. Jahrhunderts, eine zeitlose Parabel aufs Menschsein im Holocaust, die als eine Art Vermächtnis viele der Themen aufgreift, die seit Jahrzehnten das filmische Oeuvre von Andrei Konchalovsky prägen.

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