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Einweihung des Gustav Landauer-Denkmals in München

Am 29. Juni 2017 fand auf dem Alten Teil des Münchner Waldfriedhofs, Gräberfeld 95, die feierliche Errichtung eines Gedenksteins für den libertären Kulturphilosophen und Initiator zahlreicher anarchistischer Projekte Gustav Landauer (07. April 1870 Karlsruhe – 02. Mai 1919 München-Stadelheim) statt.[1] Der Jahrestag seiner brutalen Ermordung jährt sich 2019 zum 100. Mal.[2] Vor zahlreichen Gästen sprachen ein städtischer Vertreter, der Leiter des Stadtarchivs und der für die Gestaltung der Stele verantwortliche Steinmetz…

Von Siegbert Wolf

Den Anstoß hierfür gab die Anfang 2015 gestartete „Initiative zum Wiederaufbau eines Gedenksteins für Gustav Landauer“ um den Systemischen Berater und Musiker Peter Kühn (Flemlingen) – der anlässlich der Einweihung eigens ein Lied komponiert hat – und den Historiker und Herausgeber der „Ausgewählten Schriften“ Gustav Landauers, Dr. Siegbert Wolf (Frankfurt/Main) – mit lobenswerter Unterstützung seitens des Münchner Stadtrats Thomas Ranft.[3]

Nachdem der Ältestenrat der Landeshauptstadt München im Frühjahr 2015 erfreulicherweise einstimmig beschlossen hatte, eine Gedenkstele für Gustav Landauer auf dem Waldfriedhof zu errichten und der Stadtrat in seiner Vollversammlung vom November 2015 ebenfalls ohne Gegenstimme das Votum des Ältestenrates bestätigte, wurden hierfür 20.000.- Euro aus städtischen Etatmitteln bereit gestellt.

Die Städtischen Friedhöfe München und das Stadtarchiv sahen es aus Pietätsgründen und auch aus praktischen Erwägungen für nicht zielführend an, den Gedenkstein für Gustav Landauer auf seinem ursprünglichen Grab (Sektion 95, Alter Teil) zu errichten.[4] Vereinbart wurde, den Gedenkstein zwar im Gräberfeld 95, jedoch in einem unbelegten Bereich in exponierter Lage unmittelbar am Hauptweg aufzustellen. Um den historischen Kontext zu bewahren, sollte die Inschrift des ursprünglichen Grabmals wieder angebracht werden.

Des Weiteren wurde entschieden, keine Replik des ehemaligen Grabsteins – ein mehr als fünf Meter hoher Obelisk aus Muschelkalk, die Urne mit der Asche von Gustav Landauer in den Betonsockel des Denkmals einbetoniert – zu erstellen, sondern einen beschränkten Wettbewerb ohne gestalterische Vorgaben mit Münchner Bildhauern und Steinmetzen auszuloben. Eine Jury, bestehend aus Vertretern und Vertreterinnen der Stadtratsfraktionen (darunter Stadtrat Thomas Ranft) sowie Fachjuroren der Städtischen Friedhöfe München und dem Stadtarchiv, entschied dann im Frühjahr 2016 über die eingereichten Entwürfe: Zum Zuge kam die Vorlage von Markus Knittel, F.X. Rauch Grabmale (München).

Das gelungene Ergebnis ist eine freistehende Stele mit mehr als 2,50 m Höhe. Als Material wurde gebürsteter Lavabasalt gewählt. Es symbolisiert mit seinem Weg vom Erdinnern zur Oberfläche die Beharrlichkeit, mit der sich Gustav Landauer lebenslang – trotz vieler Widerstände – für seine freiheitlichen Ideen und gesellschaftlichen Vorstellungen engagiert hat. Der Stein, gegen Vandalismus imprägniert, ist in der Mitte in zwei Hälften gespalten, um dem Betrachter den gewaltsamen Tod Landauers im Zuge der Niederschlagung der bayerischen Revolution im Frühjahr 1919 plastisch vor Augen zu führen. Die beiden Stelenhälften sind mit einer blauen Glasplatte verbunden, die mit Glaspulver gestrahlt wurde. In diese Platte ist die vormalige Grabinschrift, ein Satz aus Landauers programmatischen Hauptwerk „Aufruf zum Sozialismus“ (1911), eingraviert: „Jetzt gilt es noch Opfer anderer Art zu bringen[,] nicht heroische[,] sondern stille[,] unscheinbare Opfer, um für das rechte Leben ein Beispiel zu geben.“

Die Wegseite der Stele ist zusätzlich mit wichtigen Lebensdaten versehen: „Gustav Landauer/Geboren Am/7. April 1870/Schriftsteller/Und Politiker/Theoretiker/Und Aktivist Des/Anarchistischen/Sozialismus/Gegner Des/Militarismus/Mitglied Der/Münchner/Räteregierung/1919/Wurde Am/2. Mai 1919/In Stadelheim/Brutal Ermordet“.

Neben dem soeben (wieder)errichteten Denkmal für Gustav Landauer auf dem Waldfriedhof existieren heute in der bayerischen Landeshauptstadt weitere bedeutende Erinnerungsorte für diesen maßgeblichen deutschsprachigen Libertären: die Gedenktafel[5] am Gebäude des städtischen Fremdspracheninstituts (Amalienstraße) sowie das Gemeinschaftsgrab von Gustav Landauer und Kurt Eisner (1867-1919), vom November 1918 bis zu seiner Ermordung durch einen rechtsextremen Adligen im Februar 1919 erster sozialistischer Ministerpräsident Bayerns, auf dem Neuen Israelitischen Friedhof, Garchinger Straße – der Grabstein ist ein Teil des früheren, Landauer zum Gedenken auf dem Waldfriedhof in den 1920er Jahren errichteten Obelisken.[6]

Am gleichen Tag fand am Abend die Eröffnung einer Gustav Landauer-Ausstellung im Münchner „Stattpark Olga“ statt, die im Januar und Februar 2017 bereits im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Revolutionswerkstatt des Plenum R in der Sendlinger Kulturschmiede zu sehen war.[7] Die von der Initiativgruppe des „Stattpark Olga“ in einer „Outdoor“-Variante auf dem Gelände präsentierte Landauer-Ausstellung (samt Katalog) wurde vom Verleger Andreas W. Hohmann (Edition AV, Lich/Hessen) und vom Historiker Siegbert Wolf, der zu Beginn des Abends einige Worte zu Gustav Landauer und der Ausstellung sagte, produziert und ist erstmals im Jahre 2010 in Lich/Hessen präsentiert worden.

Foto: Werner Schimmel (München)

[1]    Hierzu: http://raete-muenchen.de/; http://raete-muenchen.de/gustav-landauer-stele-am-waldfriedhof

[2]    Vgl. hierzu: Judith Dauwalter, Initiative will Gustav Landauer-Denkmal setzen (02.04.2015), (http://www.br.de/nachrichten/oberbayern/inhalt/initiative-landauer.de) (aufgerufen am 22.05.2017); Jakob Wetzel, Zur Erinnerung an einen Anarchisten. Eine Initiative will am Waldfriedhof einen Gedenkort für Gustav Landauer schaffen – bis 2019 soll er fertig sein. In: Süddeutsche Zeitung, 10.04.2015; WET, Stele für Landauer. In: Ebd. 02./03.05.2015; Gabriel Kuhn, Gustav Landauer Monument in Munich to be Reerected (http://www.pmpress.org/content/article.php/20150507221237967) (aufgerufen am 22.05.2017); Dominique Bourel, Un mémorial pour Landauer. In: L‘Histoire, Nr. 412, Juni 2015, S. 17.

[3]    Siehe hierzu den Aufruf von Peter Kühn und Siegbert Wolf zum „Wiederaufbau eines Gedenksteins für Gustav Landauer auf dem Münchner Waldfriedhof“ (2015). Veröffentlicht auf: haGalil.com, 05. April 2015/16 Nisan 2015: „Gedenken an Gustav Landauer“ und auf der Verlagswebsite: www.edition-av.de: Gustav Landauer, Ausgewählte Schriften. Hrsg. von Siegbert Wolf (2008ff.)

[4]    Zur Geschichte des Landauer-Denkmals siehe: Siegbert Wolf, Das Gustav Landauer-Denkmal in München (2015). Veröffentlicht auf: haGalil.com, 05. April 2015/16 Nisan 2015: „Gedenken an Gustav Landauer“ und auf der Verlagswebsite: www.edition-av.de: Gustav Landauer, Ausgewählte Schriften.

[5]    Seit 1996, die Inschrift lautet: Gustav Landauer 1870-1919 Philosoph, Übersetzer, Autor und für kurze Zeit Volksbeauftragter für Volksaufklärung, Wurde nach dem Ende der Münchner Räterepublik als Radikalsozialist und gewaltloser Anarchist am 2. Mai 1919 in München-Stadelheim ermordet.“ Des Weiteren erinnert seit 2006 in München gemäß des Beschlusses des Stadtbezirkes Schwabing-West aus dem Jahre 2002 ein „Gustav-Landauer-Bogen“  – von der Therese-Studer-Straße nach Westen und u-förmig zurück – an den kommunitären Anarchisten. (https://www.strassenweb.de/m%C3%BCnchen/gustav-landauer-bogen-1982993.html), (https://www.strassenkatalog.de/str/gustav-landauer-bogen-80797-muenchen-schwabing-west.html) (aufgerufen am 30.06.2017).

[6]    Weitere Informationen unter: www.edition-av.de: Gustav Landauer, Ausgewählte Schriften.

[7]    Hierzu: http://olga089.blogsport.de/ (Eröffnung der Gustav Landauer-Ausstellung in München am 29. Juni 2017)