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Waldkircher Mahnmal

Städte pflegen ihrer vorbildhaften verstorbenen Söhne (ihre Töchter seltener) zu gedenken und sie zu würdigen mit Gedenktafeln, mit Monumenten, Ehrenmalen und Straßennamen. Es ist das gute Recht stolz zu sein auf die verdienstvollen Personen, die in der Stadt geboren sind oder gelebt haben und die den Ruf der Stadt aufpolieren können. Was aber wenn ein Sohn der Stadt vielmehr Schande über die Stadt gebracht hat? Die meisten Städte würden sich vermutlich in Schweigen hüllen. Die Stadt Waldkirch ging bei diesem Thema ihren eigenen Weg…

Mögen andere von ihrer Schande reden, ich rede von der meinen
Bertolt Brecht

Von Ruben Frankenstein

Die Schwarzwald-Stadt an der Elz war früher bekannt für den Bau von Drehorgeln und Musikautomaten, die heute im Museum bewundert werden können, ist heute eher ein Zentrum optischer und elektrotechnischer Industrie (Firma Sick). Die Vorzeige Persönlichkeit der Stadt ist der Maler Georg Scholz (1890-1945), einer der wichtigsten Vertreter der neuen Sachlichkeit, der neben Otto Dix sozial kritische Bilder malte, und dadurch sehr früh in Konflikt mit den nationalsozialistischen Machthabern kam. Kurze Zeit vor seinem Tod wurde er von den französischen Besatzung in Waldkirch zum Bürgermeister ernannt. Sein Wohnhaus beherbergt heute das nach ihm genannte Museum.

Aber in Waldkirch lebte auch, seit seinem 3. Lebensjahr Karl Jäger, auch als „Waldkircher Hitler“ bekannt. Jäger, der im Zivilberuf ein Orchestrionmacher (mechanische Orgel) war, war ein NS-Partei Mitglied der ersten Stunde. 1923 gründete er die Ortsgruppe Waldkirch-Breisgau der NSDAP, wurde 1932 in die SS aufgenommen, 1938 wurde er SS-Führer im SD-Hauptamt und ab September 1941 Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD im General-Kommisariat Litauen in Kaunas. In diesem Amt verantwortete er die Ermordung von 138.272 Menschen und rühmte sich: „In Litauen gibt es keine Juden mehr“. Erst im April 1959 konnte er identifiziert und verhaftet werden, hat sich aber während der Untersuchungshaft im Gefängnis Hohenasperg am 22. Juni 1959 erhängt.

Der Historiker Wolfram Wette, selbst Einwohner Waldkirchs, erforschte die Geschichte von NS-Verbrechern und insbesondere die von Karl Jäger. Bewegt, erschüttert durch diese Veröffentlichung entstand aus der Mitte dieser Stadt eine breite Bürgerinitiative, die sich zum Ziel gesetzt hatte, der Opfer dieses Verbrechens zu gedenken. Es dauerte viele Jahre (28) zähen Kampfes der Argumente und harter Diskussionen für und wider bis sich eine Mehrheit bilden konnte zugunsten eines Mahnmals. Am 29. Januar 2017 wurde in Waldkirch, an einer zentralen Stelle zwischen dem Museums und der Kirche ein Mahnmal enthüllt.

Es besteht aus fünf Basaltsäulen, die für das fünfte Gebot – Du sollst nicht töten – stehen, und zwei Schrifttafeln. Die eine erläutert die grausamen Ereignisse ohne den Namen des Täters zu nennen. (Weiter unten wird ein Bericht mit der Unterschrift Karl Jägers zitiert). Die andere enthält das Gedicht von Eva Maria Berg, das mit dem Appell endet:

„Frage an uns / Wo stehen wir / wo stehst du / was tust du fortan / du an deinem Platz / wenn Menschen aufgrund von / Aussehen Glauben Denken / in Frage gestellt werden / was tust du um entgegenzuwirken / mit deiner Kraft / da du gefragt bist du.