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Gedenken an die Opfer des Massakers von Lidice 1942

Am Samstag wurde in Tschechien der Opfer des Massakers von Lidice gedacht. Die Nationalsozialisten hatten am 10. Juni 1942 die 173 männlichen Einwohner der Ortschaft erschossen und Frauen und Kinder in Konzentrationslager verschleppt. Das Dorf wurde dem Erdboden gleichgemacht. Das Massaker galt als „Vergeltungsakt“ für das Attentat auf Reinhard Heydrich…

Das Dorf Lidice wurde vor 70 Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft zur ursprünglichen Gemeinde wiederaufgebaut. Die Direktorin der Gedenkstätte Lidice, Marina Lehmannová, betonte in ihrer Ansprache den Bezug zur Gegenwart: „Ein Dreivierteljahrhundert nach dem schrecklichen Ereignis werden in der Welt weiter Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen, deshalb ist das Symbol Lidice immer noch von allgemeiner Bedeutung“.

Der 10.Juni 1942 in Lidice

Zum Zweck der harten Niederschlagung der steigenden antifaschistischen Widerstand wurde im September 1941 der Chef der Sicherheitspolizei und SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich zum stellvertretenden Reichsprotektor ernannt. Seine kurze Wirkung hatte die Verhaftung von 5000 antifaschistischen Widerstandskämpfern und ihrer Mithelfer zur Folge. Die Stand- und Kriegsgerichte arbeiteten mit voller Kraft und die Okkupanten machten nicht einmal vor Morden ohne Gerichtsverhandlung Halt, die im ganzen Land eine Atmosphäre der Angst verbreiten sollten. Auf den Richtstätten und auch in den Konzentrationslagern starb auch eine Reihe von Bewohnern aus Kladno.

Die Entscheidung der tschechoslowakischen Exilregierung in London ein Attentat auf Reinhard Heydrich zu verüben, veränderte die Lage des tschechoslowakischen Volkes grundlegend. Der Angriff der tschechischen Fallschirmspringer, bei dem Heydrich am 27.Mai 1942 tödlich verletzt wurde, führte zu jenen Ereignissen, die die ganze Welt bewegten.

Ein unklarer Brief der Angestellten der Schlaner Fabrik, unterschlagen vom Mitbesitzer F. Pala, brachte für die Gestapo in Kladno den Verdacht des Zusammenhang des Attentats mit der Familie Horaks aus Lidice, denn ihr Sohn war Mitlied der tschechischen ausländischen Armee in Großbritannien. Trotzdem wurde bei der Durchsuchung kein verdächtiges Material gefunden, weder Waffen noch Sender, dies brauchten aber die deutschen Machthaber um den Racheakt an dem „ausgezeichneten Mann des deutschen Volkes“ zu verüben. Diese brutale Tat entschieden sie gegen die Bewohner der Gemeinde Lidice durchzuführen.

Das Schicksal einer kleinen Gemeinde, in der 503 Bewohner lebten, ging am 10. Juni 1942 ein paar Minuten nach Mitternacht in Erfüllung. Die Ereignisse, die sich hier an einem Sommertag abspielten, zeigt ein von den Vollziehern dieses Verbrechens gegen unschuldige Leute gedrehter Dokumentarfilm. Es ist ein Stummfilm, aber dadurch verstehen ihn alle, ohne Unterschied der Hautfarbe und der Sprache. Dieser Film diente als Dokument Nr. 379 beim Gerichtsprozess gegen die deutschen Hauptverantwortlichen in Nürnberg im Jahre 1945. Es ist möglich, einige montierte Passagen des Films im Videodokument des Museums von Lidice zu sehen.

Nach dem Befehl von K. H. Frank wurden an diesem Schicksalstag 173 Männer aus Lidice im Garten des Horak Bauernhofs erschossen. Frauen und Kinder wurden in die heutige Gymnasiumsturnhalle in Kladno gebracht, wo sie aber nach drei Tagen alle voneinander gewaltsam getrennt wurden. Außer der für die Verdeutschung bestimmten Kinder und Babies bis ein Jahr wurden alle ohne Gnade durch Auspuffgase in speziell dafür gebauten Autos im Vernichtungslager in Chelmno und Nerr in Polen vergiftet. Die Frauen wurden ins Konzentrationslager in Ravensbrück deportiert.

Außer der augenblicklichen und langsamen Liquidation in den Konzentrationslagern nahmen die Nazis auch die Zerstörung der Gemeinde an sich vor. Die Häuser wurden zuerst ausgebrannt und dann durch Sprengstoff dem Erdboden gleich gemacht. Die Liquidationszug machte weder vor der Zerstörung der St. Martin-Kirche noch vor der Zerstörung des Friedhofs Halt. Alle Geländeplanierungen wurden im Jahre 1943 beendet und nach der lebendigen Gemeinde blieb nur ein kahles schweigendes Gelände. Bis Kriegsende bezeichneten das Gebiet Lidice nur die Ortsschilder.

Ebenfalls am 10. Juni: Am 10. Juni 1944 fiel die 3. Kompanie des 1. Bataillons des Regiments ‚Der Führer‘, die zur 2. SS- Panzer- Division ‚Das Reich‘ gehörte, in Oradour (Frankreich) ein und trieb alle 634 Einwohner- Männer, Frauen und Kinder in der Dorfkirche zusammen. Dann wurden Flammenwerfer auf die Kirche gerichtet, die in ihr eingeschlossenen Dorfbewohner verbrannten bei lebendigem Leib. 36 Bewohner Oradours entkamen. Das Dorf wurde vollständig zerstört. 1983 wurde ein Zugführer der Einheit in der DDR zu lebenslanger Haft verurteilt.

Bei einer ‚Aktion‘ in Lachowice in Polesien, heute Weißrussische Republik, bringen SS- Angehörige 1.200 Juden um. Bei einer zweitägigen ‚Aktion‘ in Lida,“ ebenfalls in Weißrußland „werden 1.200 Juden niedergemacht. Das Ghetto von Ostrowiec, östlich von Kielce wird liquidiert. Die übrig gebliebenen 2.000 Juden kommen in das Zwangsarbeitslager Ostrowiec. 50.800 Juden aus der ungarischen Stadt Székesfehérvár und ihrer Umgebung werden zusammengetrieben und in elf Lagern am Stadtrand bis zu ihrer weiteren Deportierung in Haft gehalten… … … …

Quellen: Enzyklopädie des Holocaust, Jeder Tag ein Gedenktag! Radio Praha u.a.

Gedenkstätte Lidice