„Wo man Bücher verbrennt…“

Die Veröffentlichung „Wo man Bücher verbrennt… Verbrannte Bücher, verbannte und ermordete Autoren Hamburgs.“ dokumentiert die gleichnamige Ausstellung, die im Mai 2013 zuerst in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg – Carl von Ossietzky – eröffnet, zwei Jahre später, im Mai 2015 im Audimax der Universität Hamburg präsentiert werden konnte…

Die Dokumentation gliedert sich in drei Teile

* die Eröffnungsreden und Grußworte beider Ausstellungen sowie die Darstellung der historischen Vorgänge im Reich wie in Hamburg, ergänzt um Informationen zur Selbstgleichschaltung der Schriftsteller

* 21 Biografien von Autorinnen und Autoren, die einst in Hamburg gelebt und gearbeitet haben, wegen ihrer politischen Einstellungen, ihrer jüdischen Herkunft, ihrer Homosexualität, ausgegrenzt, verfolgt, verdrängt oder ermordet wurden.

* die fotografische Dokumentation der Eröffnungsveranstaltung am 14. Mai 2013, Zitate aus dem Gästebuch, Beispiele aus dem Pressespiegel, ein umfassendes Literaturverzeichnis und die Danksagung an alle unterstützende Personen und Institutionen.

Das Buch würdigt:

den Literaturwissenschaftler Walter A. Berendsohn (1884-1984)

die Jugendbuchautorin und Literaturagentin Grete Berges (1895-1957)

den Schriftsteller Max Ludwig Berges (1899-1973)

den Journalisten und Redakteur Philipp Berges (1863-1938)

den Rabbiner Joseph Carlebach (1883-1942)

die Lyrikerin und Romanautorin Alice Ekert-Rotholz (1900-1995)

den Verleger Kurt Enoch (1895-1982)

den Journalisten und Schriftsteller Adolf Goetz (1876-1944)

den Fotografen Max Halberstadt (1882-1940)

die Literaturwissenschaftlerin Käte Hamburger (1896-1992)

den Lyriker, Journalisten und Schriftsteller Iwan Heilbut (1898-1972)

den Rechtsanwalt Bernhard Karlsberg (1899-1985)

den Journalisten und Schriftsteller Cheskel Zwi Kloetzel (1891-1951)

den Schriftsteller und Journalisten Heinz Liepman (1905-1966)

den Pädagogen und Dichter Jakob Loewenberg (1856-1929)

den Journalisten und Herausgeber Carl von Ossietzky (1889-1938)

den Kinderbuchautor  und -illustrator Hans A. Reyersbach (1898-1977)

den Dramaturgen und Schriftsteller Arthur Sakheim (1884-1931)

den Journalist und Romanautor Justin Steinfeld (1886-1970)

die Schriftstellerin Margarete Susman (1872-1966)

den Fotografen Rolf Tietgens (1911-1984)

Jede Autorin und jeder Autor wird mit einem Porträtfoto und dem handschriftlichen Namenszug vorgestellt. Nur von Max Ludwig Berges konnte trotz intensiver Recherchen kein Foto beschafft werden. Foto- und Dokumentencollagen, ein kurzer tabellarischer Lebenslauf sowie eine Kurzbiografie in deutscher und englischer Sprache vermitteln dem Leser erste Informationen zu der jeweiligen Autorin, dem jeweiligen Autor. Im Mittelpunkt jeder Würdigung stehen aber die Veröffentlichungen, die vor 1933 erschienen sind: Gedichte, Artikel, literatur- und religionswissenschaftliche Arbeiten, Kinderbücher, Romane, Reiseberichte, Lithografien und Fotografien. Dieser Revue von Veröffentlichungen schließen sich Publikationen aus dem Exil und der Nachkriegszeit an.

Die meisten Bücher werden mit dem Originalumschlag präsentiert. Um sowohl die Buchgestaltung als auch die Verlagsinformation zu Inhalt und Autor vorzustellen, werden beispielhaft die Vorder- und Rückseite eines Buches inklusive der Buchklappen gezeigt. Insbesondere bei Foto- und Kinderbüchern, anspruchsvollen Illustrationen oder markanten Fotofolgen tritt neben den Umschlag auch der Bilderschmuck der Innenseiten. Umfangreiche bibliografische Angaben (Verlag, Verlagsort, Erscheinungsjahr, Maße, Auflage, Buchgestalter, Drucker, Ausstattung, Widmung etc.) beschreiben alle Broschüren, Bücher und journalistischen Arbeiten. Besonderheiten der Veröffentlichung werden erläutert. Auf farblich abgesetzten Flächen stehen Äußerungen der Autorin oder des Autors zum jeweiligen Werk oder Zitate aus Rezensionen, Würdigungen oder Nachrufen.

Die aufwendige Gestaltung dieser Dokumentation soll an die künstlerische und schriftstellerische Vielfalt erinnern, die mit den Bücherverbrennungen und den weiteren Verfolgungen gewaltsam zerstört wurde. Die 21 präsentierten Biografien stellen noch keinen Schlusspunkt in der Erforschung und Würdigung der Lebenswege derjenigen dar, die diese Stadt nach 1933 haben verlassen müssen.

Uwe Franzen/Wilfried Weinke: „Wo man Bücher verbrennt…“. Verbrannte Bücher, verbannte und ermordete Autoren Hamburgs, 378 S., Euro 29,80, ISBN 978-3-00-056388-1, Bestellen?

Buchpremiere und Lesung
Montag, 15. Mai 2017, 19.00 Uhr

ABATON, Großes Kino, Allende-Platz 3.

In Kooperation mit der Universitätsbibliothek, dem Asta der Uni Hamburg und dem Arbeitskreis „Bücherverbrennung – nie wieder!“ lesen am 15. Mai um 19 Uhr die Autoren Uwe Franzen und Wilfried Weinke aus ihrer Dokumentation zu der 2013 erstmals gezeigten, gleichnamigen Ausstellung. Außerdem sind mit Lucille Eichengreen, Oakland/Kalifornien, und Heinz Redwood, Felixstowe/Großbritannien, zwei ihrer Protagonisten zu Gast.

Eintritt: 8,00/ ermäßigt 7,50 Euro

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