Nach der Shoa – Jüdisches Leben in Bayern 1945-50

Vortrag von Jim G. Tobias in Würzburg…

Von den über 500.000 Juden, die man vor der Shoa in Deutschland zählte, blieb nur ein winziger Rest von etwa 15.000 Menschen übrig. Dazu kamen nach 1945 etwa 180.000 osteuropäische Juden, die im sowjetischen Exil, im Untergrund, bei den Partisanen aber auch die Konzentrations- und Vernichtungslager überlebt hatten.

Zwischen 1945 und 1950 kam es in Deutschland zu einer Wiedergeburt des fast vollständig vernichteten jüdischen Lebens. Dieses fand größtenteils in den zahlreichen Displaced Persons (DP) Camps statt. In vielen Städten schlossen sich die osteuropäischen Juden aber auch den neugegründeten deutsch-jüdischen Gemeinden an.

Die meisten jüdischen DPs waren in Bayern untergebracht – etwa in den Camps Pocking, Föhrenwald, Landsberg, Leipheim, Bamberg, Windsheim oder Feldafing, wo sie sich auf die Ausreise nach Erez Israel vorbereiteten. In einigen bayerischen Städten kam es auch zu Gründungen von autonomen jüdischen DP-Gemeinden – die sich jedoch nach einigen Jahren entweder auflösten oder mit den deutsch-jüdischen Gemeinschaften fusionierten. Die verbleibenden DPs trugen maßgeblich zum Aufbau des jüdischen Lebens im „Land der Täter“  bei.

Im Anschluss stellt Marie-Thérèse Reinhard ihr Buch „Kontinuität nach der Katastrophe? Die Israelitische Kultusgemeinde in Würzburg 1945 bis 1992“ vor. Der Band erschien in der Reihe „Schriften des Johanna-Stahl-Zentrums für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken“.

23. Mai 2017, 19.30h
Johanna-Stahl-Zentrum, Valentin-Becker-Straße 11, 97072 Würzburg

Bild oben: DPs feiern die Proklamation des jüdischen Staates, Repro: nurinst-archiv

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