Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 30. April 2017…

So, 16. Apr · 13:00-13:45 · 3sat
Bibelrätsel – Die Macht der Zehn Gebote

Warum haben die Zehn Gebote – als einzige Gesetzessammlung aus der Zeit des Alten Orients – bis heute Bestand? Eine filmische Recherche begleitet von der Theologin Margot Käßmann. Es ist eine Erfolgsgeschichte: Die Regeln aus dem Alten Testament lassen sich bis in die Formulierungen moderner Rechtsordnungen hinein verfolgen. Sie gelten als Kern des Paktes zwischen dem Gott der Bibel und seinem auserwählten Volk. Das Alte Testament berichtet, Gott selbst habe sie auf zwei Steintafeln geschrieben, nachdem er sein Volk aus der ägyptischen Gefangenschaft befreit hat. In einer tragbaren Kiste, der Bundeslade, sollen die Gesetzestafeln auf dem Weg ins Gelobte Land mitgeführt worden sein, bis sie schließlich im Tempel von Jerusalem einen festen Platz erhielten. Für das Geschehen, das die Bibel schildert, gibt es nach dem renommierten Archäologen Professor Dr. Israel Finkelstein keine überzeugenden Belege. Mehr noch: Mit der Zerstörung des Tempels durch die Babylonier im Jahre 586 vor Christus verschwinden auch die Gesetzestafeln spurlos. Trotzdem geht die Geschichte der Zehn Gebote damit nicht zu Ende. Im Gegenteil – ob in den Paragraphen der Menschenrechtskonvention oder in den Verfassungen vieler Länder – die Regeln der Zehn Gebote gelten heute mehr denn je. Wie ist diese ungeheure Wirkungsgeschichte zu erklären? Die Frage nach der Macht der Zehn Gebote führt in das 5. Jahrhundert vor Christus. Damals fand in Jerusalem eine Bearbeitung der Heiligen Schriften statt, bei der auch eine Kurzfassung des biblischen Gesetzeskanons entstand, der insgesamt 613 Gebote umfasste. Thomas Römer, Professor für Biblische Wissenschaften, sieht in der Beschränkung auf lediglich zehn Gebote den Versuch, ein Regelwerk für jedermann zu verfassen, das sich an den Fingern von zwei Händen abzählen ließ. Aber die Kürze ist nicht der einzige Grund für den Fortbestand der göttlichen Gebote. Als die Bibelredakteure die Regeln formulierten, hatte das Königreich Israel längst seine Unabhängigkeit verloren. Das auserwählte Volk musste sich auf ein Leben unter fremder Herrschaft einstellen. Es war nur folgerichtig, die Zehn Gebote von der Existenz eines Herrscherhauses abzukoppeln und Gott selbst als Autoren auszugeben. Mit den Zehn Geboten schufen sich die Israeliten ein paralleles Rechtssystem: göttliche Gesetze, auf die sie sich, auch in der Behauptung ihrer Rechte gegenüber ständiger Fremdherrschern, immer berufen konnten. Die Zehn Gebote wurden zu einem Gesetz über dem Gesetz, so unverrückbar und ewig, dass sie die Jahrtausende wortwörtlich und gänzlich unverändert überdauert haben, wie ein experimenteller Vergleich am Ende des Films ergibt.

So, 16. Apr · 22:10-23:10 · arte
Barbara Streisand – Geburt einer Diva

Mit ihren Filmen und ihrer Musik begeistert sie ein Millionenpublikum: Barbra Streisand. Der Durchbruch gelang ihr mit dem Oscar für „Funny Girl“ und für den Filmsong „Evergreen“ in „A Star Is Born“. Am 24. April wird Barbra Streisand 75, aus diesem Anlass widmet ARTE der letzten großen „American Songbook“-Diva ein Porträt. Sie war die Königin des Broadway, der Musikindustrie und des New Hollywood, lange vor Pop-Größen wie Madonna, Beyoncé und Lady Gaga. Der Dokumentarfilm schildert die Karriere des Weltstars, angefangen von den frühen Jahren in Hollywood bis zu ihrem politischen Engagement für Frauenrechte: Dieses hat sie jüngst bei den Protesten der „Women’s Marches“ gegen Präsident Donald Trump wieder eindrucksvoll bewiesen. Sie ist die Königin der Musikindustrie, des Broadways und des New Hollywood: Barbra Streisand. Die letzte große „American Songbook“-Diva hat viele Künstlerinnen nach ihr wie Madonna, Beyoncé oder Lady Gaga geprägt. Als perfektionistisches Multitalent steht sie in der Tradition der singenden, tanzenden und schauspielenden Hollywoodstars. Barbara Joan Streisand kommt am 24. April 1942 in New York zur Welt. Ihr Vater, ein jüdischer Lehrer, stirbt 15 Monate nach ihrer Geburt. Nachdem sie versucht hat, als Sängerin in New Yorker Nachtclubs Fuß zu fassen, bekommt sie mit 19 ihre erste Rolle im Broadway-Musical “I Can Get It for You Wholesale”. Mit 21 veröffentlicht sie ihr erstes Studioalbum – “The Barbra Streisand Album”. Auch im Filmgeschäft kann sie beispiellose Erfolge feiern: Filmmusicals wie “Hello, Dolly!”, Screwball-Komödien wie “Is’ was, Doc?” und Dramen wie “So wie wir waren” werden dank ihr zu großen Publikumserfolgen. Mit eigenen Regiearbeiten wie “Yentl” und “Der Herr der Gezeiten” etabliert sich Streisand als Regisseurin auch hinter der Kamera. Mit ihrer Mezzosopran-Stimme und ihrem Aussehen, das nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, schreibt sie ein ganz eigenes Kapitel in der Unterhaltungsgeschichte. Streisand verkörpert eine neue Art von Attraktivität und vor allem ein neues Bild des weiblichen Stars: frei, unangepasst und stark. Damit ebnet sie den Weg für die Künstlerinnen der Girl-Power-Bewegung. Barbra Streisand gehört heute längst zu den etablierten Größen des amerikanischen Showbiz: Als sie ein junges Mädchen war, meinten ihre Mutter und ihr Stiefvater, sie sei nicht hübsch genug für die Bühne. Doch sie ließ sich nicht beirren und setzte sich auch später in einer Männerdomäne durch. Ihre Großmutter nannte sie wegen ihres Dickkopfs schon als Kind „farbrent“, was auf Jiddisch so viel wie „brennend“ bedeutet. Die Bilanz sind mehr als 60 Alben, 20 Filme als Schauspielerin, drei Spielfilme als Regisseurin und unzählige Shows in der ganzen Welt. Der Dokumentarfilm verfolgt ihren Lebensweg bis zum Höhepunkt ihrer Karriere in den 80er Jahren, als Barbra Streisand zum ersten weiblichen Megastar wird. Er beleuchtet den Werdegang einer Ikone, die sich bis heute für die Rechte von Frauen und Homosexuellen einsetzt.

So, 16. Apr · 22:25-01:20 · MDR
Der Medicus

England im frühen elften Jahrhundert. Trotz seiner magischen Vorahnung muss der junge Halbwaise Rob Cole (Tom Payne) hilflos mit ansehen, wie seine Mutter an einer unheilbaren Krankheit stirbt. Das Erlebnis prägt ihn nachhaltig. Rob schließt sich einem fahrenden Bader (Stellan Skarsgård) an, der ihn in das medizinische Halbwissen des Mittelalters einweiht. Da der Wanderheiler allmählich sein Augenlicht verliert, übernimmt sein Zauberlehrling bald die „Behandlungen“ – für die Patienten eher schmerzhafte als heilsame Prozeduren. Von einem jüdischen Medicus, der dem fast Erblindeten durch einen kunstvollen Eingriff das Augenlicht wiedergibt, erfährt Rob, dass es außer seinem bescheidenen Wissen eine sehr viel weiter entwickelte Heilkunst gibt. Elektrisiert macht er sich auf den Weg in die persische Stadt Isfahan, wo der sagenumwobene Ibn Sina (Ben Kingsley) Medizin lehrt. Dank seiner erstaunlichen Fähigkeiten avanciert Rob bald zum Meisterschüler des Universalgelehrten. Als in Isfahan die Pest wütet, findet Rob heraus, dass Rattenflöhe den Erreger übertragen. Dank seiner Entdeckung wird die Epidemie eingedämmt. Ein phänomenaler Erfolg, doch der gefeierte Mediziner ist nicht zufrieden. Rob will das Geheimnis jener unheilbaren Krankheit lüften, an der auch seine Mutter starb. Trotz ausdrücklichen Verbots seines Lehrmeisters obduziert Rob heimlich eine Leiche und beginnt zu verstehen, dass die berüchtigte „Seitenkrankheit“ eine Blinddarmentzündung ist. Mit diesem Wissen rettet er sogar dem Schah (Olivier Martinez) das Leben. Doch er wird an die Mullahs verraten, fanatische Koraneiferer, in deren Augen Ibn Sina und seine Schüler sich gegen Gott versündigen.

Mo, 17. Apr · 12:10-13:40 · Das Erste (ARD)
Belle & Sebastian

Auf seinen Streifzügen durch die Savoyer Alpen entdeckt der siebenjährige Sebastian eine verwilderte Hündin. In den Augen der Dorfbewohner gilt der Vierbeiner als blutrünstige Bestie, die Nacht für Nacht Schafherden dezimiert. Der aufgeweckte Waisenjunge sieht das stattliche Tier aber mit ganz anderen Augen und nennt es „Belle“. Als er seine neue Gefährtin vor aufgebrachten Jägern versteckt, werden die beiden in ein Abenteuer verstrickt. Dabei helfen sie einer jüdischen Familie auf der Flucht. Nicolas Vaniers Filme stehen für grandiose Landschaftsaufnahmen. In dem Kinder- und Jugendfilm, der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt, gibt Félix Bossuet ein begeisterndes Leinwanddebüt. Zweiter Weltkrieg, 1943: Frankreich ist fest in deutscher Hand. Sogar das entlegene Dorf in den Savoyer Alpen, in dem der siebenjährige Waisenjunge Sebastian (Félix Bossuet) bei dem alten Schäfer César (Tchéky Karyo) lebt, ist besetzt. Dort soll der deutsche Leutnant Peters (Andreas Pietschmann) verhindern, dass Juden bei der Flucht in die nahe Schweiz geholfen wird. Die Dorfbewohner unterstützen die Verfolgten heimlich, doch sie müssen sich nicht nur vor den Deutschen hüten: Fieberhaft suchen sie nach einer Bestie, die Nacht für Nacht ihre Schafe reißt. Als Sebastian eines Tages einem verwilderten Pyrenäenhund gegenübersteht, weiß er sofort: Diese Streunerin, die von ihrem früheren Besitzer gequält wurde, ist kein Monster. Weil ihr graues Fell nach einem Bad im Fluss schneeweiß glänzt, nennt er sie liebevoll „Belle“. Doch von seiner neuen Gefährtin darf niemand wissen, denn die Dorfbewohner wollen sie töten. Bei einer Treibjagd wird die Hündin angeschossen, nur mit knapper Not kann Sebastian ihr das Leben retten. Dabei werden die beiden in ein weiteres Abenteuer verstrickt: Eine jüdische Familie, die von deutschen Soldaten verfolgt wird, braucht ihre Hilfe. Mit Belles Spürsinn gilt es, einen Weg über den verschneiten Hochgebirgspass zu finden. Regisseur Nicolas Vanier gelang mit „Belle & Sebastian“ ein atemberaubender Kinder- und Jugendfilm. Der Franzose verlegte die Geschichte, die auf einem Kinderbuch von Cécile Aubrys basiert, von den 1960er Jahren in den Zweiten Weltkrieg. So verbinden sich in der Geschichte zwei Stränge: die angefeindete Freundschaft zwischen dem Waisenjungen und einem vermeintlichen Monster sowie die Not der vor dem Holocaust flüchtenden Juden. Für Vanier, der schon mit „Der letzte Trapper“ und „Der Junge und der Wolf“ ein Gespür für eindringliche Naturbilder unter Beweis gestellt hat, ist die Berglandschaft auch diesmal mehr als nur eine imposante Kulisse: Bereits als Hauptdarsteller Félix Bossuet in der ersten Szene an einer Steilwand abgeseilt wird, ist zu spüren, dass die erhabene Bergwelt ein Teil der mitreißenden Geschichte sein wird.
Bild oben: © Bild: ARD Degeto/Eric Travers Der siebenjährige Waisenjunge Sebastian (Félix Bossuet) hat in dem Pyrenäenhund Belle einen treuen Freund gefunden.

Di, 18. Apr · 01:10-02:02 · arte
1973. Jom Kippur. Ein Krieg im Oktober (1/2) Kriegstagebuch Kapitel I

Im arabisch-israelischen Krieg im Jahr 1973 – in Israel Jom-Kippur-Krieg und auf arabischer Seite Oktober- oder Ramadan-Krieg genannt – standen sich Israel, Ägypten und Syrien feindlich gegenüber. Auf fesselnde Art dokumentiert die zweiteilige Dokumentation mit seltenen Archivaufnahmen und Originalaussagen Beweggründe, Zweifel und innerste Überzeugungen jener beiden Staatsoberhäupter, die ihre Länder damals in den Krieg führten: Golda Meir und Anwar el Sadat. Der erste Teil der Dokumentation widmet sich der Zeit von Sadats Machtübernahme Anfang Oktober 1970 bis zum Kriegsausbruch drei Jahre später. Im Jahr 1973 starteten Ägypten und Syrien am 6. Oktober – an einem der höchsten jüdischen Feiertage, dem Jom Kippur, dem Versöhnungstag, einen Überraschungsangriff auf der Sinai-Halbinsel und den Golanhöhen gegen Israel. Die zweiteilige Dokumentation beleuchtet die Hintergründe dieser bewaffneten Auseinandersetzung im Nahen Osten. Welche politischen und ökonomischen Beweggründe gab es für diesen Krieg? In welchen internationalen Verflechtungen befanden sich die kriegführenden Parteien? Der erste Teil der Dokumentation zeigt, warum der damals neue ägyptische Staatschef Anwar el Sadat in Abstimmung mit seinem syrischen Amtskollegen Hafis al-Assad den Überraschungsangriff auf Israel plante. Anhand zahlreicher geheim gehaltener diplomatischer Dokumente aus der Zeit, darunter Protokolle, Gesprächsmitschnitte und Telefonate, werden auch die Geheimverhandlungen im Vorfeld des Krieges nachgezeichnet. In der Machart eines geopolitischen Thrillers veranschaulicht der Dokumentarfilm sehr realitätsnah Beweggründe und Ziele der wichtigsten Akteure: Dazu zählen neben dem ägyptischen Staatspräsidenten Anwar el Sadat der damalige ägyptische Sicherheitsberater in Washington D.C., Mohamed Hafez Ismail, der amerikanische Außenminister Henry Kissinger, die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir und der syrische Staats- und Ministerpräsident Hafis al-Assad.

Di, 18. Apr · 02:05-02:58 · arte
1973. Jom Kippur. Ein Krieg im Oktober (2/2) Kriegstagebuch Kapitel II

Im arabisch-israelischen Krieg im Jahr 1973 – in Israel Jom-Kippur-Krieg und auf arabischer Seite Oktober- oder Ramadan-Krieg genannt – standen sich Israel, Ägypten und Syrien feindlich gegenüber. Auf fesselnde Art dokumentiert die zweiteilige Dokumentation mit seltenen Archivaufnahmen und Originalaussagen Beweggründe, Zweifel und innerste Überzeugungen jener beiden Staats- und Regierungschefs, die ihre Länder damals in den Krieg führten: Golda Meir und Anwar el Sadat. Im Mittelpunkt des zweiten Teils stehen die wichtigsten Etappen des dreiwöchigen Jom-Kippur-Krieges. Die wichtigsten Etappen des drei Wochen währenden Jom-Kippur-Krieges 1973 waren die Überquerung des Suezkanals durch die ägyptische Armee, die Einnahme der Bar-Lew-Linie auf der Sinai-Halbinsel, die Rückeroberung der Golanhöhen durch Syrien und der Gegenangriff Ariel Scharons nach der fehlgeschlagenen Sinai-Offensive der Ägypter vom 14. Oktober. In sehr authentischen Schilderungen veranschaulicht der zweite Teil der Dokumentation das Kriegsgeschehen, aber auch die Brutalität und das Grauen, das die Gewalt bei den Soldaten der verschiedenen Lager hervorrief. Neben den Kriegshandlungen wirft sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht und zeigt die internationalen Verhandlungen, bei denen sowohl die damalige Sowjetunion als auch die USA versuchten, Druck auf die kriegführenden Parteien auszuüben. Außerdem rekapituliert die Dokumentation die Geschehnisse in den Hauptquartieren der ägyptischen und syrischen Armeen und in dem legendären „Küchenkabinett“ der israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir. Und der damalige Stabschef der ägyptischen Streitkräfte, Sa’d asch-Schadhili, erzählt, wie Präsident Sadat zu der Entscheidung kam, zur Entlastung der syrischen Armee auf den Golanhöhen am 14. Oktober 1973 eine neue Offensive zu starten.

Di, 18. Apr · 05:00-06:18 · arte
Yael Naim & David Donatien – Konzert mit dem Quatuor Debussy

Der französisch-israelischen Sängerin Yael Naim gelang der internationale Durchbruch im Jahr 2008 mit dem Lied „New Soul“. Beim Festival Nancy Jazz Pulsation 2016 stand ihr Mitstreiter, der Multiinstrumentalist und vielseitige Musiker David Donatien, mit ihr auf der Bühne. Zusammen mit dem Quatuor Debussy überraschten und begeisterten die beiden das Publikum mit neuen Klangerlebnissen. Dank Naims klassischer Ausbildung und der Experimentierfreude des Streichquartetts finden sie eine gemeinsame Sprache von selten erreichter Vertrautheit und Sensibilität. Eine spannende musikalische Begegnung. Die musikalische Welt von Yael Naim, der Sängerin mit der glockenklaren Stimme, besteht aus Klassik, Pop, Soul, Jazz und auch Folk. Die Tochter zweier jüdischer Tunesier wuchs in Paris und Israel auf. Sie lernt als Kind Klavierspielen und fängt an, Lieder zu komponieren. Yael Naim beginnt ihre Karriere als Songwriterin und bekommt einen ersten Plattenvertrag. Ihr Debütalbum ist allerdings wenig erfolgreich. In der Phase des Selbstzweifels nach ihrem ersten Album trifft sie David Donatien, der sie wieder inspiriert. Die Zusammenarbeit von Yael Naim und dem Multiinstrumentalisten David Donatien wird zu Erfolgsgeschichte. Mit dem Lied „New Soul“ gelingt 2008 der Sprung in die Charts. Auch 2016 war ein erfolgreiches Jahr für Yael Naim und David Donatien: Auftritte überall auf der Welt, ein Konzert im vollen Pariser Olympia, eine Auszeichnung bei den Victoires de la Musique und eine goldene Schallplatte. Die Darbietung mit dem Quatuor Debussy in der Oper in Nancy bildet einen weiteren Höhepunkt. Im Juni 2015 gaben Yael Naim und David Donatien spontan ein gemeinsames Konzert; beim Festival Nancy Jazz Pulsation 2016 interpretieren sie das scheinbar unerschöpfliche Repertoire der Sängerin neu, von ihren ersten Liedern bis zum Album „Older“, das 2015 herauskam. Allen Künstlern des Konzerts gemein sind hohe musikalische Ansprüche und große Aufgeschlossenheit. Die Streichinstrumente und Naims unvergleichliche Stimme spinnen einen einzigartigen Dialog. Die Streicher erzeugen einen intensiven Klangteppich, der die Stimme der Sängerin trägt. Beim Aufeinandertreffen beider Musikwelten entsteht ein mitreißendes und überraschendes Klangerlebnis, das für Gänsehaut sorgt.

Di, 18. Apr · 05:45-06:00 · One
Kino Spezial

Zu Gast in KINO erklärt Regisseur Dani Levy, was ihm jüdischer Humor bedeutet, warum er am liebsten Komödien dreht und in seinem Film „Die Welt der Wunderlichs“ eine alleinerziehende Mutter zur Heldin macht.

Di, 18. Apr · 22:05-22:48 · MDR
Sachsenhausen – Die Geschichte eines Lagers

Im April 1945 wurde das Konzentrationslager Sachsenhausen von sowjetischen Soldaten befreit. Das Lager, 20 Kilometer nördlich von Berlin, war bei seiner Errichtung 1936 ein Modell für andere Lager in Deutschland. Hier ging es nicht nur darum, die Opposition einzusperren, hier wurde die hemmungslose Ausbeutung der Häftlinge geplant und erprobt. Berüchtigt war die „Schuhprüfstrecke“, auf der Gefangene bis zur Erschöpfung laufen mussten, um Schuhe für den Wehreinsatz zu testen. Sie wurden erschossen, wenn sie zusammenbrachen. In Sachsenhausen war auch die geheime „Fälscherwerkstatt“, in der die SS von jüdischen Häftlingen englische Pfundnoten fälschen ließ. Die Geschichte des Lagers endet nicht mit dem Zweiten Weltkrieg und der Naziherrschaft. Die sowjetischen Sieger nutzten das Gelände jahrelang als Internierungs- und Straflager. Hier waren Nazis gefangen, aber auch Gegner der sowjetischen Militäradministration. Im Speziallager der Sowjets wurde nicht systematisch gemordet, aber ca. 12.000 von 60.000 Insassen starben an den katastrophalen Haftbedingungen, während die Angehörigen draußen nicht einmal wussten, wohin ihre Verwandten verschwunden waren. Die Zeit des sowjetischen Speziallagers war in der DDR ein Tabu, während die Erinnerung an das Konzentrationslager genutzt wurde, die DDR als den besseren, den antifaschistischen deutschen Staat zu präsentieren. Heute erinnert die Gedenkstätte an die gesamte Geschichte des Lagers, aber noch immer schwelt der geschichtspolitische Streit um das richtige Gedenken an das Konzentrationslager und das Speziallager in Sachsenhausen. Die Geschichte der beiden Lager an diesem Ort kann und darf nicht gegeneinander aufgerechnet werden – auch wenn das immer wieder versucht wird. Die Dokumentation erzählt von dem schweren, doppelten Erbe.

Di, 18. Apr · 22:10-23:55 · WDR
Mitten in Deutschland: NSU – Die Täter – Heute ist nicht alle Tage

Jena 1990. Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es keine ähnliche Situation in Deutschland, in der in so kurzer Zeit so viele Menschen gleichzeitig ihre Arbeit verlieren. Viele Jugendliche in Ostdeutschland erleben ihre verunsicherten Eltern und Lehrer, spüren die Machtlosigkeit der Polizei und des Staates. Sie fühlen sich orientierungslos, ungeliebt und gekränkt. Instinktiv ordnen sie sich als Menschen zweiter Klasse ein, versuchen sich anzupassen und lernen in kürzester Zeit, dass von Seiten der Gesellschaft keine oder wenig Hilfe zu erwarten ist. Reihenweise driften junge Leute von der Schule in die Arbeitslosigkeit. Manche schaffen den Sprung, indem sie in die alten Bundesländer wechseln. Doch der Film wendet sich jenen zu, die bleiben – und wütend anfangen zu rebellieren. Eine von ihnen ist Beate Zschäpe, die in den Bann junger Rechtsradikaler in Jena-Winzerla gerät. Sie freundet sich mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt an. Aus den drei Freunden wird schnell eine verschworene Gemeinschaft. Ihr Gefühl der Ohnmacht und Unsicherheit ist das grundlegende Erfahrungsmuster, das sie mit tausenden jungen Menschen in Ostdeutschland teilen. Bei den dreien aber setzt eine eigene Entwicklung ein: Wut und Rebellion werden in Hass und Gewalt verkehrt. Sie suchen nach Wahrheit und werden entsetzlich fündig. Sie radikalisieren sich In einem rechtsextremen neonazistischen Umfeld organisieren und radikalisieren sie sich, dicht gefolgt und umgeben nicht nur von Verbündeten, sondern von „Nazi-Kameraden“, die inzwischen als Spitzel für den Verfassungsschutz arbeiten. Ihre Aktionen sind sowohl der Polizei wie dem Verfassungsschutz bekannt, dennoch werden sie nicht festgenommen. Nach einem missglückten Bombenanschlag und nach dem Fund von Sprengstoff in einer von Beate Zschäpe angemieteten Garage gehen die drei Neonazis, inzwischen ein unzertrennbares Trio, Ende 1998 in den Untergrund. Was folgt, ist die schwerwiegendste, erschütterndste Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Frage nach Tätern, Sozialisation und Umfeld Im November 2011 werden zwei junge Männer aus Ostdeutschland in einem ausgebrannten Camper tot aufgefunden: Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Offenbar haben sie Selbstmord begangen. Ein Bekennervideo wird gefunden, der NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) fliegt auf. Vier Tage später stellt sich die Dritte im Bunde, Beate Zschäpe, freiwillig der Polizei. Wir als Gesellschaft müssen uns fragen, wie eine rechtsextreme, terroristische Vereinigung über ein Jahrzehnt unentdeckt in ganz Deutschland morden konnte. Wir nähern uns dieser Frage an, indem wir in der ersten Folge auf die mutmaßlichen Täter blicken, auf ihre Sozialisation und ihr Umfeld.

Di, 18. Apr · 23:55-01:30 · WDR
Mitten in Deutschland: NSU – Die Ermittler – Nur für den Dienstgebrauch

Paul Winter, Zielfahnder in Thüringen, wird im Januar 1998 gemeinsam mit seinem Vorgesetzten und engsten Vertrauten Walter Ahler zum Leiter des LKA gerufen. Drei Rechtsradikale sind untergetaucht, die Zielfahndung soll sie finden. Was wie ein Routineauftrag beginnt, entwickelt sich zu einem jahrelangen Ringen mit den Institutionen, denn die beiden Polizisten stoßen bei ihrer Suche auf unerwartete Widerstände – durch andere Behörden ebenso wie im eigenen Haus. Bald wird deutlich, wie aktiv der Verfassungsschutz in der rechten Szene agiert, wie er V-Männer installiert und finanziell unterstützt, um die Szene im Auge zu behalten, zugleich aber dabei hilft, Strukturen aufzubauen, die zunehmend außer Kontrolle geraten – mit unabsehbaren Konsequenzen. Über die Jahre wird es einsam um Paul Winter. Die Mitstreiter an seiner Seite werden nach und nach im System aufgerieben. Auch die Suche nach dem Nazi-Trio wird schließlich erfolglos ad acta gelegt. Bis im November 2011 eine Polizeistreife in einem Wohngebiet in Eisenach nach einem Banküberfall auf ein verdächtiges Campingmobil trifft. Als die Beamten sich dem Fahrzeug nähern, fallen Schüsse, der Wohnwagen geht in Flammen auf. Später werden aus dem ausgebrannten Camper die Leichen der beiden Bankräuber geborgen und mit ihnen ein Arsenal von geladenen Waffen, gefälschte Dokumente und die Beute zahlreicher Überfälle. Die Toten werden identifiziert: Es sind Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, zwei der drei Rechtsradikalen, die die Zielfahnder einst gesucht haben. Erneut wird Paul Winter hinzugezogen, der nun die Dritte im Bunde, die flüchtige Beate Zschäpe finden soll. Winter erkennt, dass dies seine Chance ist, die tatsächlichen Zusammenhänge endlich ans Licht zu bringen. Zusammen mit der Kommissarsanwärterin Charlotte Ahler begibt er sich auf die Suche nach der Wahrheit. Mehr zum Film Nach den beiden ersten Teilen von „Mitten in Deutschland: NSU“, die sich den Taten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ aus Sicht der mutmaßlichen Täter und der Opfer nähern, erzählt Teil 3 der ARD-Filmtrilogie die Perspektive der Ermittler: Polizisten zwischen Verfassungsschutz, V-Männern und Staatsinteresse.

Mi, 19. Apr · 00:20-02:45 · ZDF
Inglourious Basterds

Angeführt von Lt. Aldo Raine soll die durchgeknallte Truppe „Inglourious Basterds“ die Führungselite des „Dritten Reichs“ ausschalten. Kultfilm von Quentin Tarantino mit Brad Pitt. Aber da haben die aufrechten Kämpfer die Rechnung ohne den skrupellosen SS-Offizier Landa gemacht, der alles daransetzt, dem Deutschen Reich zum Endsieg zu verhelfen. Christoph Waltz eroberte mit dieser Rolle seinen ersten Oscar und Hollywood. Frankreich, um 1944: Nachdem sie vor Jahren miterleben musste, wie der ehrgeizige SS-Offizier Hans Landa (Christoph Waltz) ihre Familie ermordete, ist die Jüdin Shosanna (Mélanie Laurent) unter falschem Namen in Paris untergetaucht, wo sie mittlerweile ein Kino leitet. Eben jenes wird für Joseph Goebbels‘ (Sylvester Groth) neuestes „Meisterwerk“ als Premierenort empfohlen. Die ideale Gelegenheit für Shosanna, ihre Rache zu planen. Aber auch ein idealer Ort für die „Inglourious Basterds“, einer Truppe von US-Soldaten unter Führung von Lt. Aldo Raine (Brad Pitt), die gesamte Nazi-Führungselite auf einmal auszulöschen – einschließlich des Führers Adolf Hitler (Martin Wuttke). Für die Mission hatte Raine zuvor ein internationales Team von skrupellosen Kämpfern zusammengestellt, darunter den deutschen Überläufer Hugo Stiglitz (Til Schweiger) und den britischen Spion Archie Hicox (Michael Fassbender). Zudem kriegen die „Basterds“ Unterstützung von der deutschen Schauspielerin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger), die jedoch nicht verhindern kann, dass die Tarnung der Agenten nach einem Kneipenausflug auffliegt. Nun müssen die „Basterds“ kreativ werden und erhalten unerwartet Hilfe von der Kinobetreiberin Shosanna. Am Tag der Aufführung beginnt für die tollkühnen Nazi-Gegner ein ebenso irrwitziges wie lebensgefährliches Theaterspiel, das die Geschichte völlig neu schreibt. Mit einem Reichtum an Filmwissen – der Legende nach während seiner langjährigen Arbeit in einer Videothek angeeignet – führt Regisseur und Drehbuchautor Quentin Tarantino die Zuschauer durch und in ein alternativ-historisches Szenario, das aus dem Fundus der deutschen Filmgeschichte schöpft. Dabei gibt es kaum eine Figur in „Inglourious Basterds“, die nicht durch eine leidenschaftliche Lust am Kino geprägt ist. Mit Verweisen auf Filmemacher der Weimarer Republik, wie G. W. Pabst und Arnold Fanck („Die weiße Hölle vom Piz Palü“), und auf die Propagandafilme des „Dritten Reichs“, vermischt mit anachronistischen Bezügen, zeichnet Tarantino hier ein groteskes und urkomisches Bild des besetzten Paris als Schmelztiegel für unterschiedliche cineastische Kulturen, in dem Nazis und Alliierte nur eines eint: die Liebe zum (guten und schlechten) Film. Gleichzeitig sorgt die Authentizität der Dialoge, für die Regisseur Tom Tykwer („Lola rennt“ und „Der Wolkenatlas“) Tarantino bei der deutschen Übersetzung unterstützte, für ein glaubhaft wirkendes Ineinandergreifen von Kino- und realer Historizität. Sein Filmtitel dagegen verweist auf den italienischen Spaghetti-Western „Inglorious Bastards“, der vor allem die geniale Exposition dieser gelungenen Weltkriegssatire prägt. Für seine deutsch-amerikanische Koproduktion konnte Tarantino nicht nur Weltstar Brad Pitt gewinnen. Mit Diane Kruger, Til Schweiger, Daniel Brühl, Sylvester Groth, Martin Wuttke und Christoph Waltz spielen auch zahlreiche deutsche Schauspieler mit Lust an der Farce auf höchstem Niveau. Vor allem für den Deutsch-Österreicher Christoph Waltz wurde „Inglourious Basterds“ zum Beginn einer beispiellosen internationalen Kinokarriere.

Mi, 19. Apr · 19:00-19:30 · BR
STATIONEN: Sattvisch, koscher und halal – Religion auf dem Teller

An Fest- und Feiertagen spielt die Küche in den meisten Religionen eine große Rolle. Oft geben religiöse Regeln vor, was auf den Tisch kommt. Zum Pessachfest werden in jüdischen Familien die sogenannten Mazzot, die ungesäuerten Brote, verspeist. Vorher müssen alle ungesäuerten Speisen aus dem Haus geräumt werden. Generell gilt im Judentum, erlaubt ist, was koscher ist. Muslime unterscheiden zwischen halal und haram, erlaubt und verboten. In Buddhismus und Hinduismus gelten je nach Stand, Alter und Geschlecht ganz unterschiedliche Speisevorschriften. An Fest- und Feiertagen spielt die Küche in den meisten Religionen eine große Rolle. Oft geben religiöse Regeln vor, was auf den Tisch kommt. Zum Pessachfest werden in jüdischen Familien die sogenannten Mazzot, die ungesäuerten Brote, verspeist. Vorher müssen alle ungesäuerten Speisen aus dem Haus geräumt werden. Generell gilt im Judentum, erlaubt ist, was koscher ist. Muslime unterscheiden zwischen halal und haram, erlaubt und verboten. In Buddhismus und Hinduismus gelten je nach Stand, Alter und Geschlecht ganz unterschiedliche Speisevorschriften. Sattva-Guna sind Nahrungsmittel, die laut ayurvedischer Küche die Lebensdauer steigern und für Zufriedenheit sorgen – sattvisch, also ausgewogen. In „STATIONEN“ wird gezeigt, was in welchen Religionen auf den Teller kommt. Religion erleben – der Name „STATIONEN“ ist Programm: ob Stationen einer persönlichen Entwicklung oder Stationen des Kirchenjahrs, die Feste der Religionen oder Stationen des Lebens. Die Sendung fragt, wie Menschen denken und glauben und ermöglicht, Religion (mit) zu erleben und in einer komplexen Welt Orientierung zu finden.

Fr, 21. Apr · 03:55-04:40 · 3sat
Die Geschichte des Südwestens (3/4) Wie wir Krieg und NS-Herrschaft erlebten

Auch im Südwesten gewinnen die Nazis in den 1920er-Jahren Zulauf. Sie sie versprechen Urlaub für alle und beeindrucken mit Prestige-Projekten, wie dem Bau der Autobahn Frankfurt-Heidelberg. Eine vielbejubelte „Großtat“ ist die Wiedereingliederung des Saargebietes ins Deutsche Reich. Gegen die Ausgrenzung und Verfolgung von Andersdenkenden, politischen Gegnern, Juden sowie Sinti und Roma protestieren nur wenige. Der tausendfache Mord an behinderten Menschen beginnt 1941 in der psychiatrischen Anstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb. Und auch die systematische Deportation von Juden beginnt mit der sogenannten „Wagner-Bürckel-Aktion“ im Südwesten. Die meisten Deportierten werden in den Vernichtungslagern im Osten ermordet. Der Krieg, den Hitler begonnen hat, kostet Millionen Menschen das Leben. Viele Städte im Südwesten werden durch alliierte Bombenangriffe fast völlig zerstört. Zurück bleiben traumatisierte Überlebende, die nicht wissen, wie es weitergehen soll. Der Pfälzer Josef Bürckel ist NSDAP-Anhänger der ersten Stunde und hoher NS-Funktionär. Er ist beteiligt an der „Rückgliederung“ des Saarlandes und an der „Wiedervereinigung Österreichs“ mit dem Deutschen Reich. 1940 initiiert er zusammen mit dem badischen Gauleiter Robert Wagner die Deportation von Juden aus dem Elsass, Lothringen, Baden und der Pfalz nach Gurs. Der Rottenburger Bischof Johannes Baptista Sproll ist Gegner des NS-Regimes und wendet sich engagiert gegen Hitlers Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik. Er wird verfolgt und muss seine Diözese verlassen. Erst nach dem Krieg kann er wieder nach Rottenburg zurückkehren. Johanna Geissmar ist Kinderärztin in Heidelberg. Weil sie Jüdin ist, wird ihr die Kassenzulassung entzogen. Sie muss ihre Praxis schließen. 1940 wird sie in das südfranzösische Lager Gurs deportiert. Dort kümmert sie sich aufopfernd um die Kranken und bekommt den Beinamen „Engel von Gurs“. 1942 wird sie in Auschwitz ermordet.

Fr, 21. Apr · 20:15-21:00 · WDR
Konrad Adenauer – seine fünf Leben

„Der Alte ist tot“ – Diese Nachricht verbreitete sich vor 50 Jahren, am 19. April 1967, wie ein Lauffeuer. Zwar war Konrad Adenauer bei seinem Tod bereits 91 Jahre alt und doch erschien er so manchem Zeitgenossen unsterblich. Als junger Mann überlebte Adenauer schwer verletzt einen Verkehrsunfall, später entkam er den Fängen der Nazis und noch später einem Bombenattentat israelischer Protestgruppen. Aus jedem neuen Leben sog er neue Kraft. Noch mit 73 Jahren ließ er sich zum ersten deutschen Bundeskanzler wählen und lenkte vierzehn Jahre lang die noch junge Republik. Erst dann setzte er sich zur Ruhe – wenn auch nur zögerlich. Als er mit 91 Jahren in seinem Haus in Rhöndorf am Rhein an den Folgen einer Lungenentzündung stirbt, hat er bereits fünf Jahrzehnte politisches Strippenziehen hinter sich. Kaum älter als Dreißig macht er in der Kölner Stadtverwaltung eine rasante Karriere. Als Krisenmanager für Lebensmittelversorgung gewinnt er während des ersten Weltkriegs die Mägen und Herzen der Kölner. Noch heute verkaufen einige Bäcker – obgleich mit abgewandelter Rezeptur – das „Adenauer-Brot“, das er damals erfand. 1917 wird Adenauer jüngster Oberbürgermeister von Köln. Er drückt der Stadt seinen Stempel auf. Allein mit dem Grüngürtel hat sich Adenauer ein Denkmal gesetzt, für das ihn die Kölner noch heute lieben. Nach der Machtergreifung geht es mit seiner Karriere bergab. Von den Nazis wird er aus dem Rathaus gejagt und seines Amtes als Oberbürgermeister enthoben. Mehrmals wechselt er den Aufenthaltsort und lässt sich schließlich in Rhöndorf bei Bonn nieder. Adenauer versucht sich still zu verhalten. Trotzdem verhaftet ihn die Gestapo zweimal. Adenauer fürchtet um sein Leben. Mit dem Ende des zweiten Weltkriegs beginnt Adenauers zweite Karriere. Er wird der erste Bundeskanzler Deutschlands und führt das geächtete Land in 14-jähriger Regentschaft zurück in die internationale Gemeinschaft, schafft die Aussöhnung mit Frankreich und Israel ebenso wie die Anbindung an die westliche Verteidigungsgemeinschaft. Als sein größter Verdienst gilt die Heimholung der letzten 10.000 Kriegsgefangenen aus russischen Lagern – zehn Jahre nach Kriegsende. Die Doku schaut auf Adenauers Leben als Familienmensch und als Politiker. Und sie fragt, was von ihm heute noch geblieben ist. Erst kürzlich sorgten angeblich neu entdeckte Tagebücher für Schlagzeilen. Wie erinnert sich die Familie an den berühmten Vorfahren? Und spielt er für junge Leute heute noch eine Rolle?

Sa, 22. Apr · 16:30-17:00 · Das Erste (ARD)
Weltspiegel-Reportage: Lodzer Lust – Lodzer Last

Lodz – Deutsche kennen die Stadt aus dem Lied „Theo! Wir fahr’n nach Lodz.“ Dann hört es mit den Kenntnissen schnell auf. Lodz, drittgrößte Stadt Polens, träumt noch immer vom Glanz der einst florierenden Textilindustrie im 19. Jahrhundert. Prunkvolle Stadtpaläste und die wohl längste Prachtstraße Europas erzählen von der Zeit, als Stoff die Stadt prägte. Da kann man anknüpfen, dachte sich das junge Paar Justyna und Maciek, und gründete in Lodz eine Firma für Modedesign. „Pan tu nie stal“ heißt ihr Label, „Hier standen Sie nicht“ – Mit diesem Spruch wurde früher protestiert, wenn sich jemand in der „sozialistischen Warteschlange“ vordrängeln wollte. Die frechen T-Shirts der jungen Firma sind mittlerweile ein Renner in ganz Polen. Anna Stepkowska kann sich mit dem jahrelangen Stillstand ihrer Stadt nicht abfinden. Mit einer Thermoskanne und Stellenangeboten ausgestattet, steigt sie morgens in den Zug nach Warschau, um Pendler zu überreden, in Lodz Arbeit zu suchen. Miriam Szychowska, die Gattin des Rabbiners von Lodz, hat große Ziele, will dabei aber die Vergangenheit nicht vergessen. Sie tut alles dafür, dass es in Lodz wieder eine lebendige jüdische Gemeinde gibt. Einen jüdischen Kindergarten leitet sie schon. Der junge ambitionierte Fotograf Stef glaubt fest an den Wideraufstieg von Lodz, sein Fotoprojekt verbindet Vergangenheit und Gegenwart. In „Lodzer Lust – Lodzer Last“ geht es um Menschen, die um ein besseres Leben kämpfen für sich und ihre Stadt.

So, 23. Apr · 00:55-02:20 · SWR
Der Tel-Aviv-Krimi: Tod in Berlin

Die junge Berliner Kommissarin Sara Stein lebt in Kreuzberg, mittendrin im pulsierenden Brennpunkt so vieler unterschiedlicher Kulturen. Dass sie selbst Jüdin ist, spielte bislang in ihrem Leben eine untergeordnete Rolle, bis sie bei ihrem neuen Fall mit dem Mord an der jungen Israeli Tamar Levi konfrontiert wird. Tamar war ein Star der Berliner Club-Szene, selbstbewusst, lebenshungrig, mit wechselnden Liebschaften. Und sie hat kurz vor ihrem Tod abgetrieben. Grund genug für ihren Freund, den Palästinenser Khalid, sie zu töten? Oder steckt der strenggläubige Avigdor, der Tamar aus Israel gefolgt ist, obwohl er mit ihrer Schwester Ronit verlobt war, hinter der Tat? Oder hat das Verbrechen einen politischen Hintergrund? Für Sara eine Gratwanderung. Zum ersten Mal handelt sie nicht allein als Hauptkommissarin Sara Stein, sondern auch als Jüdin, zumindest in den Augen ihrer Umgebung. Eine unerwartete Wendung nimmt das Geschehen, als Khalid seinen Vater Tarik beschuldigt und dieser den Mord gesteht. Fall gelöst? Für Sara eine viel zu einfache Lösung. Sie spürt, dass etwas nicht stimmt, und ermittelt beharrlich weiter. Sie verbeißt sich regelrecht in den Fall, auch wenn darunter ihr Privatleben leidet. Denn ausgerechnet jetzt lernt sie den israelischen Musiker David Shapiro kennen, der sich auf den ersten Blick in sie verliebt – und sie sich in ihn. Führt ihr Weg sie nach Israel?

So, 23. Apr · 02:10-03:55 · Das Erste (ARD)
Die Kammer

Der junge Rechtsanwalt Adam Hall nimmt sich eines äußert heiklen Falls an – er will den wegen zweifachen Mordes verurteilten Ku-Klux-Klan-Anhänger Sam Cayhall vor der Todesstrafe bewahren. Das Besondere an der Sache: Cayhall ist Adams Großvater. Die beiden haben sich nie zuvor gesehen, und der alte Mann begegnet seinem Enkel voller Ablehnung. Adam teilt zwar nicht die rassistischen Ansichten seines uneinsichtigen Großvaters, doch er ist überzeugt, dass dieser zu Unrecht als Haupttäter verurteilt wurde. Um dies zu beweisen, bleiben ihm jedoch nur 28 Tage – dann soll Cayhall hingerichtet werden. Die packende John-Grisham-Verfilmung zeigt den zweifachen Oscar-Preisträger Gene Hackman in einer seiner herausforderndsten Rollen. 30 Jahre sind vergangen, seit der überzeugte Rassist Sam Cayhall (Gene Hackman) zugab, an einem Bombenanschlag beteiligt gewesen zu sein, der die beiden Kinder eines jüdischen Bürgerrechtlers in den Tod riss. Obwohl das Ausmaß seiner Schuld nie eindeutig bewiesen werden konnte, erwirkte der Staatsanwalt McAllister (David Marshall Grant) die Höchststrafe, um die eigene Polit-Karriere voranzutreiben. Seither wartet Cayhall im Staatsgefängnis von Mississippi auf seine Hinrichtung. Über die Frage nach einem anderen Haupttäter hüllte das Ku-Klux-Klan-Mitglied sich all die Jahre in Schweigen. Nun will der junge Rechtsanwalt Adam Hall (Chris O’Donnell) dieses Schweigen brechen und der Wahrheit auf den Grund gehen. Angetrieben wird er dabei nicht zuletzt von dem Bedürfnis, mit seiner düsteren Familiengeschichte ins Reine zu kommen – denn Cayhall ist Adams Großvater. Dessen Rassenhass und Gewalttaten hatten die Familie zutiefst zerrüttet. Adams Vater nahm sich schon vor Jahren das Leben, seine Tante Lee (Faye Dunaway) suchte im Alkohol Trost und Vergessen. Adam und Cayhall sind sich nie zuvor begegnet, und der alte Mann, noch immer ein von Hass erfüllter Rassist, begegnet seinem liberal eingestellten Enkel mit tiefer Verachtung. Aber trotz dieser Ablehnung will Adam nicht locker lassen. Er will begreifen, was seine Familie zerstörte. Je tiefer er in den Details der alten Geschichte bohrt, desto überzeugter ist er, dass es vor 30 Jahren noch einen anderen Täter gegeben haben muss, der die Hauptschuld am Tod der Kinder trägt. Allerdings hat McAllister, inzwischen Gouverneur von Mississippi, keinerlei Interesse daran, dass der Fall neu aufgerollt wird. Viel Zeit bleibt Adam ohnehin nicht: In 28 Tagen soll sein Großvater hingerichtet werden. Regisseur James Foley, bekannt vor allem durch den Gangsterfilm „Auf kurze Distanz“ und das preisgekrönte Drama „Glengarry Glen Ross“, inszeniert den Bestseller von John Grisham als Mischung aus Familien- und Justizdrama. Besondere Faszination gewinnt die Geschichte dadurch, dass der möglicherweise unschuldige Todeskandidat kein geläuterter Straftäter ist, sondern unverändert ein abstoßender Rassist. Der zweifache Oscar-Preisträger Gene Hackmann wurde für diese Rolle von der Kritik hoch gelobt.

So, 23. Apr · 17:30-18:23 · arte
Abenteuer Museum – Museum der Geschichte der polnischen Juden, Warschau

Ein Museum des Lebens und nicht des Todes will das Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warschau sein. 2016 mit dem Europäischen Museumspreis ausgezeichnet, macht es die Geschichte der Juden in Polen sinnlich erlebbar. Einst lebte hier die Hälfte der jüdischen Bevölkerung weltweit. „Der Holocaust war nicht der Anfang und nicht das Ende jüdischen Lebens“, sagt die Kuratorin Barbara Kirshenblatt-Gimblett. Moderator Gustav Hofer erkundet das Museum und unternimmt mit seinem Gast, der polnischen Filmemacherin Malgorzata Szumowska, Streifzüge durch Warschaus Kulturszene. Ein noch nie dagewesenes Museum – das Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warschau – liegt im Herzen des jüdischen Warschaus, in der Gegend, aus der die Nazis während des Zweiten Weltkriegs das Warschauer Ghetto machten. Das junge Museum fungiert zugleich als Kultur- und Bildungszentrum mit einem kulturellen Programm an zeitgenössischen Ausstellungen, Filmen, Debatten, Workshops, Performances, Konzerten, Lesungen und als Plattform für Dialog und Austausch. Die beeindruckende und ausgezeichnete Architektur des Finnen Rainer Mahlamäki steht im Dialog mit dem Denkmal und drückt die Symbolik des Museums als eines des Lebens aus. Die Kuratorin Barbara Kirshenblatt-Gimblett führt den Moderator Gustav Hofer durch das Museum, dessen Konzept es ist, das Leben anstatt den Holocaust in den Mittelpunkt zu stellen. Eine mit reichen Ornamenten verzierte Holzsynagoge wurde im Museum gebaut und zeigt die farbenfrohe Seite des jüdischen Lebens. Die Designer der Museumskleidungskollektion verwenden jüdische Symbole wie den Davidstern als Aufdrucke auf T-Shirts und Pullovern. Die Ausstellung des Archivs von geheimen Aufnahmen aus dem Ghetto vermittelt dagegen die beklemmende und beengte Atmosphäre des Lebens im Ghetto. Neben den Eindrücken aus der Ausstellung begleitet die Dokumentation Gustav Hofer, der zusammen mit der polnischen Filmemacherin Malgorzata Szumowska Warschaus Mahnmale, Kulturszene und die Erinnerungskultur erkundet. Die Regisseurin liebt mystischen Realismus und wurde unter anderem für ihren Film „Body“ auf der Berlinale 2015 mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet. Die Dokumentation geht auf Spurensuche nach dem jüdischen Warschau und trifft Menschen, die eine Botschaft der Offenheit, von Polen als Land der multikulturellen Ethnien und Mischung mit Offenheit gegenüber Fremden, verbreiten möchten.

So, 23. Apr · 23:15-00:00 · PHOENIX
Bubis

Deutschland 1992. In Rostock-Lichtenhagen brennt das Sonnenblumenhaus, in dem vor allem Vietnamesen leben. Anwohner applaudieren und befeuern die rechtsradikalen Brandstifter. Als der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland den Tatort besucht, kann er seine innere Bewegung kaum verbergen. Ignatz Bubis ist schockiert und erschüttert angesichts der schieren Gewalt. Ein lokaler CDU-Politiker findet, dass Bubis hier nichts zu suchen habe, seine Heimat sei doch Israel. Wenige Monate vor seinem Tod gibt Ignatz Bubis im Jahre 1999 sein letztes Interview. Seine Lebensbilanz ist unüberhörbar: „Ich habe nichts oder fast nichts erreicht.“ Das Gespräch mit den beiden Journalisten Michael Stoessinger und Rafael Seligmann erscheint im Stern und entfacht eine heftige Debatte. Es wird ein Gespräch über Angst, Schuld, Deutschland und sein Leben als Jude in Deutschland. Bubis sinnt nach über die Macht des Zufalls und spricht über die Deutschen und ihren Umgang mit dem Holocaust. Bis heute gilt dieses Interview als Bubis‘ Vermächtnis. Die unmittelbare Erfahrung von Bubis‘ Desillusionierung und seine Einsamkeit, sie werden zum Ausgangspunkt der Erzählung. Für die Dokumentation, eine Zusammenarbeit von hr, rbb, NDR und AVE, wurde das letzte Interview mit dem Schauspieler Udo Samel als Ignatz Bubis so einfach wie eindrucksvoll in Szene gesetzt. Es bildet den Rahmen für die Dokumentation. Interviews mit Bubis‘ Tochter Naomi in Tel Aviv, den Journalisten Michael Stoessinger und Rafael Seligmann, mit Weggefährten – wie Salomon Korn, Michel Friedman und Daniel Cohn-Bendit – entwerfen ein intimes und umfassendes Porträt. Ihre Erinnerungen und sorgfältig ausgewählte Archiv-Sequenzen führen zurück in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich Ignatz Bubis als Immobilieninvestor in Frankfurt am Main etablierte und recht bald als „jüdischer Spekulant“ angegriffen wurde, zurück in die Jahre seines politischen Engagements als „deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“, als Brückenbauer, als Mahner und „moralische Autorität“ im Kampf gegen Fremdenhass und Antisemitismus. Entstanden ist dabei eine intensive bild- und wortgewaltige Annäherung an einen streitbaren, engagierten Deutschen – der die deutsche Gesellschaft, in der er lebte, zu Lebzeiten nicht in Ruhe ließ. Der unbequem war, der sich angesichts von ausländerfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Äußerungen, Ausschreitungen und rechtsradikalen Wahlerfolgen einmischte und seine Stimme erhob. Die Autorin Johanna Behre und der Regisseur Andreas Morell dokumentieren das Leben und Wirken von Ignatz Bubis in angespannten Zeiten. „Bubis – Das letzte Gespräch“ ist eine Annäherung an Ignatz Bubis und eine Auseinandersetzung mit diesem Land. Ein Nachdenken über das Ankommen und Weggehen, über Zugehörigkeit und Fremdsein. Bubis‘ damalige Bilanzen und Prognosen – der Hass und die Gewalt – das ist auch die Gegenwart: Deutschland im Jahr 2017.

Di, 25. Apr · 10:15-11:00 · 3sat
Das braune Netzwerk

Immer entfesselter werden die Rufe auf den Straßen gegen Merkel, Flüchtlinge und Rechtsstaat. Was mit Pegida begann, ist mit dem Erfolg der AfD zu einer neuen, wütenden Bewegung geworden. Zumeist rechts und oftmals rassistisch. Strategen, intellektuelle Vordenker und eine neue junge Generation von Rechtspopulisten versuchen, diese Bewegung zu beeinflussen: Neo-Nazis in Hinterzimmern mit tiefen Verbindungen in Wirtschaftskreise. Sie heizen die Menge an. Weltweit vernetzt verfolgen sie ein gemeinsames Ziel: den Aufbau einer außerparlamentarischen Bewegung und die Abschaffung der Demokratie.

Mi, 26. Apr · 20:15-21:00 · 3sat
Hitlers Geldwäscher – Wie Schweizer Banken den Krieg finanzierten

Die neutrale Schweiz war während des Zweiten Weltkrieges die Wechselstube der Nationalsozialisten für Gold, Kunstwerke und Bankkonten aus überwiegend jüdischem Besitz. Nach einem gewaltigen Raubzug in den von der Wehrmacht besetzten Länder, wurden hier Devisen gewonnen. Sie dienten den Nazis zur Beschaffung wertvoller Rohmaterialien für ihre Rüstungsindustrie. Und sie verlängerten den Krieg. Die Geschäfte liefen bis 1945 und die Alliierten wussten davon. Doch alle Versuche, Druck auf die Schweiz auszuüben, diese Form der Geldwäsche zu beenden, führten zu nichts. Für beide Seiten war es ein lukratives Geschäft, ein Geschäft, das bei Schweizer Bankiers kein Schuldgefühl hervorrief, obwohl ihnen die Herkunft des Raubgoldes bekannt war. Als Vertreter der Schweiz 1946 wegen finanzieller Kompensationen nach Washington zitiert wurden, kam es nach 68 Tagen erbitterter Verhandlungen zu einem lahmen Kompromiss: Gegen einen Betrag von 250 Millionen Schweizer Franken war man zu einer abschließenden Regulierung bereit, einem „freiwilligen Schweizer Beitrag zum europäischen Wiederaufbau“. Peanuts! Die staatlichen Goldreserven aus den von der Wehrmacht besetzten Ländern hatten einen Wert von Milliarden. Dazu kamen Vermögensbestände der Opfer des NS-Terrors, die auf mehrere Hundert Millionen Franken geschätzt wurden. Im Namen der Schweizer Neutralität, im Namen des heiligen Bankgeheimnisses verleugneten die Schweizer ihre unselige Rolle in diesem schmutzigen Geschäft. Sie kamen gut dabei weg. Der Film folgt zahlreichen Spuren und Wendungen im Geldgeschäft, von den 1930er-Jahren bis heute. Er deckt die Verbindungen zwischen NS-Deutschland und Schweizer Banken ebenso auf wie die Frage, wie und wodurch die Schweiz und ihr Bankensystem so lange von diesen Geschäftsverbindungen profitiert haben und worin noch heute das Interesse der Schweiz besteht, keinen Schlussstrich zu ziehen.

Mi, 26. Apr · 22:00-22:45 · BR
DokThema: Der Hass gehört wieder zu Deutschland.

Doch was steckt hinter diesem Hass? Wütende Bürger oder Strategen im Hintergrund, die diese Entwicklung seit Langem vorantreiben? Gehässige Parolen gegen Merkel, Flüchtlinge, Demokratie und Rechtsstaat: Was mit Pegida begann, ist mit dem Wahlerfolg der AfD zu einer neuen, wütenden Bewegung geworden – zumeist rechts und oftmals rassistisch. Strategen, intellektuelle Vordenker und eine ganz neue junge Generation von Rechtspopulisten versuchen, diese Bewegung zu beeinflussen und zu steuern: Neo-Nazis in Hinterzimmern mit tiefen Verbindungen in Wirtschaftskreise. Der Hass gehört wieder zu Deutschland. Doch was steckt hinter diesem Hass? Wütende Bürger oder Strategen im Hintergrund, die diese Entwicklung seit Langem vorantreiben? Gehässige Parolen gegen Merkel, Flüchtlinge, Demokratie und Rechtsstaat: Was mit Pegida begann, ist mit dem Wahlerfolg der AfD zu einer neuen, wütenden Bewegung geworden – zumeist rechts und oftmals rassistisch. Strategen, intellektuelle Vordenker und eine ganz neue junge Generation von Rechtspopulisten versuchen, diese Bewegung zu beeinflussen und zu steuern: Neo-Nazis in Hinterzimmern mit tiefen Verbindungen in Wirtschaftskreise. Sie heizen die Menge an und sind die wahren Akteure hinter den Rufen von Volk und Lügenpresse. Weltweit vernetzt verfolgen sie ein gemeinsames Ziel: den Aufbau einer außerparlamentarischen, antidemokratischen Bewegung.

Fr, 28. Apr · 00:15-01:00 · HR
Verbotene Filme

Ein Film von Felix Moeller Zwischen 1933 und 1945 wurden in Deutschland etwa 1.200 Spielfilme hergestellt. Rund 300 dieser Filme wurden nach dem Krieg von den Alliierten verboten. Heute verwaltet die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung den größten Teil des NS-Filmstocks. Über 40 NS-Filme sind bis heute nur unter Auflagen zugänglich. Lange Zeit als Verbotsfilme klassifiziert, nennt man den harten Kern der NS-Filmpropaganda heute „Vorbehaltsfilme“: volksverhetzend, kriegsverherrlichend, antisemitisch und rassistisch – so lauten die Begründungen, warum die Filme für die Öffentlichkeit nicht frei zugänglich sind. Ein Film von Felix Moeller Zwischen 1933 und 1945 wurden in Deutschland etwa 1.200 Spielfilme hergestellt. Rund 300 dieser Filme wurden nach dem Krieg von den Alliierten verboten. Heute verwaltet die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung den größten Teil des NS-Filmstocks. Über 40 NS-Filme sind bis heute nur unter Auflagen zugänglich. Lange Zeit als Verbotsfilme klassifiziert, nennt man den harten Kern der NS-Filmpropaganda heute „Vorbehaltsfilme“: volksverhetzend, kriegsverherrlichend, antisemitisch und rassistisch – so lauten die Begründungen, warum die Filme für die Öffentlichkeit nicht frei zugänglich sind. Urheberrecht und Jugendschutz sind dabei die juristischen Hebel, denn das deutsche Grundgesetz erlaubt keine Zensur. Der Umgang mit ihnen ist schwierig: bewahren oder entsorgen, freigeben oder verbieten? Felix Moeller, dessen vielschichtiges Familienporträt „Harlan – Im Schatten von Jud Süß“ bereits das komplexe Nachwirken des NS-Filmerbes bis heute beleuchtete, zeigt, wie die Vorbehaltsfilme auf ein heutiges Publikum treffen und wie sie diskutiert werden. Über die Brisanz der Propagandafilme des „Dritten Reichs“ und ihre Idee eines angemessenen Umgangs damit geben unter anderem Oskar Roehler, Moshe Zimmermann, Rainer Rother, Margarethe von Trotta, Jörg Jannings, Sonja M. Schultz, Götz Aly sowie Aussteiger aus der Nazi-Szene und Überlebende der Schoah Auskunft.

Sa, 29. Apr · 18:45-18:50 · MDR
Glaubwürdig: André Herzberg

Als Frontmann der DDR-Band „Pankow“ hat sich André Herzberg einen Namen gemacht. Es war genau sein Ding: im Rampenlicht brillieren, die Grenzen austesten und provokant gern mal einen Schritt zu weit gehen. Doch als seinen Fans die weite Welt samt Westidolen offen stand, wurde es ruhig um Pankow. Das warf André Herzberg aus der Bahn und gleichzeitig auf sich selbst zurück. Er suchte nach Identität. Seine Eltern hatten sich im Exil kennengelernt, sie stammen aus bürgerlichen, jüdischen Familien. Aber als strenge Kommunisten fanden sie den Glauben beim Aufbau des Sozialismus wenig hilfreich und traten aus der Gemeinde aus. Erst als Erwachsener konnte André Herzberg seine jüdischen Wurzeln finden und ausgraben, er schrieb Bücher und Hörspiele über seine Familie. Nach und nach hat er sich selbst als Jude entdeckt und lebt seinen Glauben heute mit Kippa, Sabbat und Synagoge.

Sa, 29. Apr · 20:15-22:00 · PHOENIX
Schtonk

Deutschland, Anfang der 1980er-Jahre: Der erfolglose Maler Fritz Knobel verkauft dem Fabrikanten Lentz ein von ihm gefälschtes Hitler-Tagebuch. Als der abgehalfterte Reporter Hermann Willié von der Existenz weiterer Tagebücher erfährt, wittert er eine journalistische Sensation. Schon als Knabe im zerbombten Berlin entdeckt Fritz Knobel, wie leicht man gute Geschäfte mit Leicht- und Gutgläubigen machen kann: Er dreht GIs vermeintlich echte Führer-Memorabilien an, die in Wirklichkeit von ihm selbst fabriziert sind. Als Erwachsener gibt sich Fritz schließlich als Kunst- und Antiquitätenhändler „Professor Dr. Knobel“ aus. In einem schwäbischen Dorf arbeitet er an Fälschungen aller Art, ohne allerdings daraus Kapital schlagen zu können. Dabei gelingt dem „künstlerischen Multitalent“ ein Gemälde von Toulouse-Lautrec genauso gut wie eines von Adolf Hitler. Als Knobels Ehefrau Biggi, die sich ansonsten als Putzfrau betätigt, ihm nicht mehr Modell stehen will, findet er in der Kellnerin Martha eine neue Muse. Mit zwei Geliebten hat auch Hermann Willié, von Geldnöten geplagter Reporter der Illustrierten „HH-press“, zu tun: Die eine ist ein ziemliches Wrack, heißt „Carin II“ und war einst die Yacht von Hermann Göring. Die zweite ist auch nicht mehr die Jüngste, heißt Freya von Hepp, und ist die Nichte des besagten Reichsmarschalls. Bei einem Nähmaschinen-Fabrikanten, der anlässlich von „Führers Geburtstag“ zu einem „Kameradschaftsabend“ lädt, begegnen sich Knobel und Willié. Und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf – hat Knobel doch gerade ein geheimes Tagebuch des „Führers“ produziert. Willié wittert eine Weltsensation, öffnet bei seinem Verlag die Geldhähne, während Knobel Schwerstarbeit leistet und sein Opus Magnum schafft. Als die Hitler-Tagebücher einer erstaunten Öffentlichkeit präsentiert werden, sieht sich Willié auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Allerdings nicht lange. Helmut Dietls Mediensatire basiert auf einem der größten Presse-Skandale der Nachkriegszeit: die Veröffentlichung der gefälschten Hitlertagebücher 1983 durch den „Stern“, der seinerzeit vollmundig ankündigte, dass „große Teile der deutschen Geschichte neu geschrieben werden“ müssten. Als die Fälschung erkannt wurde, mussten die Verantwortlichen bei dem Magazin ihren Hut nehmen, der „Stern“ einen massiven Auflageneinbruch verkraften und Fälscher Konrad Kujau schließlich eine Haftstrafe antreten. Acht Jahre später nahm sich Helmut Dietl die groteske Geschichte vor und schuf eine starbesetzte Erfolgskomödie, in der unter anderem Götz George, Uwe Ochsenknecht, Christiane Hörbiger, Veronica Ferres und Harald Juhnke groß aufspielen. Bis heute zählt „Schtonk!“ zu den bekanntesten Kinoarbeiten, des am 30. März 2015 gestorbenen Filmemachers.

Sa, 29. Apr · 22:00-22:45 · PHOENIX
Absturz im Wald – Die wahre Geschichte der Hitler-Tagebücher

Nicht Berlin, die frühere Reichshauptstadt, ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte dieses Films, nicht Hamburg, der Sitz des „Stern“. Es ist das beschauliche Börnersdorf, ein 300-Seelen-Ort irgendwo im sächsischen Nirgendwo. Ein Dorf, auf das 1983 die ganze Welt schaut, nachdem es zwei Journalisten des „Stern“ aus seinem Dornröschenschlaf hinter dem Eisernen Vorhang gerissen haben.Ein Flugzeug, elf Tote und ungezählte Geheimnisse stehen am Anfang des vermeintlichen Scoops: Jeder kennt die „Hitler-Tagebücher“ — aber kaum einer weiß, welche Geschichten sich tatsächlich hinter dem Skandal verbergen. Das ändert diese Dokumentation. Zum ersten Mal erzählen die Bewohner von Börnersdorf ihre Version der Geschichte.Sie sind die einzigen, die alles miterlebt haben: den Absturz einer Militärmaschine, beladen mit Menschen und Gepäck aus Hitlers Entourage, die Verschwörungstheorien danach, die Recherchen von Stasi und „Stern“ in den 80er Jahren, die Veröffentlichung der historischen Weltsensation und das anschließende Gelächter, das in der erfolgreichen Kino-Komödie „Schtonk!“ gipfelte.

So, 30. Apr · 03:20-04:45 · ZDF
Entführt in Damaskus

Adib (Alexander Siddig) hat seine Heimat Syrien vor Jahren in Richtung Kanada verlassen. Als er eines Tages von der Arbeit nach Hause kommt, erwarten ihn beängstigende Neuigkeiten: Seine älteste Tochter Muna (Jay Anstey) hat sich ohne seine Erlaubnis nach Damaskus begeben, um sich ein Bild über das Herkunftsland ihres Vaters zu machen – und ist jetzt verschwunden. Sofort schmiedet der besorgte Vater Pläne, um zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder in seine Heimat zu reisen. Dabei nutzt er Kanäle, die Aufschluss über seine Vergangenheit geben: Adib war Offizier beim syrischen Geheimdienst, als er unter Verdacht geriet, für Israel zu spionieren. Durch seine Flucht ins Ausland hatte er zwar seinen Kopf aus der Schlinge ziehen können, aber auch den Kontakt zu geliebten Menschen in der Heimat verloren, auf die er jetzt – in der Stunde der Not – angewiesen ist. Von seiner ehemaligen Verlobten Fatima (Marisa Tomei) erhält er in Syrien die nötige Hilfe, obwohl sie ihm noch immer nicht verzeihen kann, dass er sich ohne ihr Wissen ins Ausland abgesetzt und all die Jahre keinen Kontakt zu ihr aufgenommen hat. Sie treffen auf dubiose Zeitgenossen wie den kanadischen Botschaftsmitarbeiter Paul (Joshua Jackson) oder den syrischen Staatsdiener Sayid (Oded Fehr). Als der Geheimdienst schließlich von der Anwesenheit Adibs in Damaskus erfährt, sinken die Überlebenschancen für seine Tochter dramatisch. Der verzweifelte Vater muss jetzt all seine Kräfte mobilisieren und sich bewaffnen, um eine reale Chance zu haben, seine Tochter lebend aus dem Land zu bringen. Packender Politthriller über den mutigen Kampf eines Vaters gegen die Willkür und Korruption in einem autoritären Land. Regisseurin Ruba Nadda, eine Kanadierin mit syrischen und palästinensischen Wurzeln, inszeniert mit „Entführt in Damaskus“ ihren fünften Spielfilm und beleuchtet erneut das Schicksal eines syrischen Auswanderers, den seine Vergangenheit einholt. Im Gegensatz zu früheren Inszenierungen – schon in „Sabah“ (2005) stellt Nadda eine syrische Frau in den Vordergrund, die sich durch ihre Liebe zu einem Nichtmuslim Probleme mit ihrer Familie einhandelt – verzichtet sie diesmal auf komödiantische Elemente zugunsten einer kompromisslosen Thriller-Handlung und zeigt in aller Deutlichkeit die Verzweiflung eines Mannes, der das Wichtigste in seinem Leben retten will: sein Kind.

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